Karl-Heinz wird 14 

Anmerkungen:

Das Stück 'Karl-Heinz wird 14' wurde LAPSUS LIVE 2000 uraufgeführt.
'Karl-Heinz wird 13' wurde LAPSUS LIVE 1999 uraufgeführt.

(C) by Regina Gorsleben und Dirk Hübner. Alle Rechte vorbehalten. Bei Interesse an einer Übernahme bitte eMail an Leopold Lapsus.

Karl-Heinz wird 14

Personen und ihre Darsteller:
Frau Kalbreiter - Jugendweiheorganisatoren (Kalb): Anna
Rolf Biermann, Bruder von Wolf (Rolf): Dirk
Sohn Karl Heinz Butzke (KH): Dirk
Ehefrau Amalie Butzke (Mutter): Julia
Ehemann Karl August Butzke (Vater): Jette
Oma Butzke (Oma) mit Fiffi (Luftballonhund): Lisa
Jugendweiheteilnehmer Kevin Schulz (Kevin): Milan
Schülerin Nina: Nina
Jungendfreund Hans Lange: Hansi

(Kalb nervös, ordnet Zettel, gestaltet den Jugendweihesaal usw., Sänger Rolf kommt herein)
Rolf (tritt von hinten dicht an Kalb heran): Sind sie Frau Kalbtreiber vom Jugendweihe e.V.?
Kalb (erschrickt und dann ärgerlich): Frau Kalbreiter, bitte, Frau Kalbreiter!
Rolf: Ja, natürlich. Äh, ich bin der bekannte Liedermacher Rolf Biermann und wurde vom Jugendweiheverein gebeten, hier aufzutreten.
Kalb: Und wo ist ihre Band?!
Rolf: Ja wissen sie, ich trete immer alleine auf - schon wegen der Wirkung.
Kalb: Und dafür zahlen wir 200 Mark?!
Rolf: Immerhin spende ich die Hälfte davon für die Aidshilfe! (fäßt Frau Kalb. dabei an den Arm - Kalb zieht ihren Arm entsetzt zurück und wischt die Aidsviren energisch beiseite)
Kalb: Ich hab' jetzt wirklich keine Zeit mehr! Sie sehen doch, daß ich mit den Vorbereitungen beschäftigt bin!
Rolf: Schon gut. (geht hinter die Bühne)
Rolf (kommt zögerlich wieder hervor): Sorry, noch eine ganz kleine Frage zum Ablauf. Ich hab' mir überlegt, daß ich mich doch besser hinstellen würde. Das kommt eigentlich immer ganz gut an.
Kalb: Ja, ja, machen sie nur ... (guckt schon böse)
Rolf: Ach, wenn ich's mir recht überlege, vielleicht ist es doch besser, wenn ich sitze. Was meinen sie dazu?
Kalb (rastet aus): Mir ist das vollkommen wurst! Meinetwegen können sie auch im Liegen singen!
Rolf: Ja entschuldigen sie, es war jetzt vielleicht auch etwas viel verlangt, daß sie sich in einen Künstler einfühlen. Ich lasse sie dann jetzt mal allein. (geht ab)
Kalb (pustet): So ein Wichser!! (gestaltet Saal weiter)
(Mutter, Vater, Oma mit Luftballonhund erscheinen)
Oma: Komm, Fiffi!
Mutter: Findet hier die Jugendweihe von Karl-Heinz statt?
Kalb (noch wütend): Unter anderem! (gefaßter:) Ja, wir sind gleich soweit. Nehmen sie doch schon mal Platz.
(Alle drei setzen sich.)
Oma: Sitz, Fiffi!
Vater (steht plötzlich auf): Gibt's hier auch ein Krombacher?
Mutter: Karl-August, setz' dich sofort wieder hin! Was hast du mir versprochen?!
Oma: Wo sind denn die Pioniere?!
Kalb (hat jetzt Jugendweiherede zur Hand genommen): Darf ich jetzt um Ruhe bitten. Wir wollen beginnen. Ich bitte die Jugendweiheteilnehmer Kevin Schulz und Karl-Heinz auf die Bühne. (Nur Kevin erscheint und nimmt Platz - alle klatschen.)
Kalb: Karl-Heinz, bitte auf die Bühne!
Vater: Wo bleibt denn der Junge?!
Kalb: Ich seh' mal nach! (Während sie hinter die Bühne geht, spricht sie zu sich:) Wir haben das doch so oft geübt!
(Kalb will KH hervorzerren)
KH: Geh' weg - böse Tante! (schlägt nach Kalb)
Kalb (geht zurück - dabei zur Mutter): Nun kümmern sie sich doch mal um ihren Jungen!
Mutter: Sie dürfen nicht so grob zu ihm sein! (holt KH am Ohr hervor und bringt ihn auf seinen Platz)
(Kalb wird nun die Rede vorlesen, während der Vater langsam eindöst)
Kalb: Liebe Eltern, liebe Großeltern, liebe Jugendweihekandidaten und sonstige Anwesende. Seit vielen Jahren haben wir uns auf diesen besonderen Höhepunkt vorbereitet. Manche erreichen ihn nie! Wir nehmen Abschied von Ramona Müller, Marcel Meyer ...?? (für sich:)- Scheiße!!! - Dieser Möchtegernkünstler hat mich total durcheinander gebracht. -Ich bitte um Verzeihung! Äh, ..., Kevin Schulz und Karl-Heinz sollen heute in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen werden. Was heißt es, erwachsen zu sein?
(KH rutscht unruhig auf seinem Platz hin und her)
Kalb: Still jetzt!
(KH rutscht weiter hin und her)
Kalb: Erwachsen sein heißt in erster Linie, sich beherrschen zu können und seine Pflicht zu erfüllen!
(KH rutscht weiter)
Kalb: Was hast du denn, Junge?!
(KH rutscht weiter)
Kalb: Sprich doch deutlich Junge!
KH: Ich muß pissen!
Kalb: Nun ist aber Schluß!
Mutter: Sehn sie denn nicht, daß seine Blase total angeschwollen ist! So, Karl-Heinz, heute gehst du mal alleine auf die Toilette!
KH: Maaaan!!!
(Mutter geht zu KH, zieht ihn am Ohr und schubst ihn auf die Toilette)
Mutter: Worauf warten sie denn noch?! Machen sie doch weiter!
Kalb: Und jetzt unser Kulturprogramm. Als erstes hören wir unseren Jugendfreund Hans Lange mit einem Lied.
Oma: Wann kommen denn die Pioniere?!
(Hans singt: "Da sind wir aber immer noch")
Kalb: Und jetzt begrüßen sie mit mir den allseits bekannten und beliebten Bruder von Wolf Biermann - Rolf Biermann.
Vater (wacht plötzlich auf): Gibt's jetzt 'n Bier, man?
(Rolf kommt auf die Bühne - Luftballonhund wedelt an Rolfs Bein)
Rolf (streichelt den "Hund"): Drollig! Braaav. - Könnten sie ihn jetzt bitte wegnehmen?
Oma: Komm, Fiffi. Platz!
(Oma sticht mit Nadel den Ballon kaputt - der platzt)
Oma (nimmt den Luftballonfetzen auf den Schoß): Sei jetzt endlich still - aus!
Rolf: Ich bitte jetzt doch um Aufmerksamkeit! (nimmt den Stuhl von KH - der sich feucht anfühlt - setzt sich darauf und singt den Song vom "Albernen Kerl") - Danke Freunde! (stellt den Stuhl zurück und geht ab)
Oma: Wann kommen denn die Pioniere?!
Kalb: Und jetzt ist es mir eine besondere Freude, ihnen die kleine Nina aus der 3b vorzustellen. Sie sagt ein selbstgemachtes Gedicht auf.
(Nina tritt auf)
Kalb (nimmt die Blumentöpfe - zu Nina): Und die gibst du den beiden großen Jungs! Wir haben das ja besprochen.
Nina: Jawohl, Frau Kaltreiber! (nimmt die Blumentöpfe)
Kalb (verständnisvoll): Kalbreiter, Nina, Kalbreiter.
KH (kommt aus der Toilette - im desolaten Zustand): Mutti, Mutti, ich war schon ganz allein auf der Toilette!
Kalb: Setz dich sofort hin!
(KH fängt an zu weinen)
Mutter: Schrein sie meinen Jungen nicht so an! Sehn sie denn nicht, wie er aussieht? Durch diese Jugendstunden ist er total verlottert! Komm Karl-Heinz! (bringt ihn am Ohr zum Stuhl, putzt ihm die Nase) Schnaub! Noch mal! Junge, du wirst das nie lernen! (Mutter geht wieder zurück auf ihren Platz)
Kalb: Jetzt kommen wir zum Gelöbnis. Kevin und Karl-Heinz, steht bitte auf! - Ich gelobe, immer meine Plicht zu erfüllen und mich immer zu beherrschen! - Sprecht mir bitte nach: Ja, das gelobe ich!
Kevin: Ja, das gelobe ich!
KH: Ich werd' 3!!!
Kalb (freundlich flüsternd zu Nina): Jetzt bist du dran, Nina.
(Nina überreicht die Blumentöpfe - dann Beifall)
Oma: Früher hatten die Pioniere immer Halstücher!
Kalb: Damit ist unsere Jugendweihefeier beendet. Ich bitte sie jetzt, den Raum zu verlassen. Nehmen sie bitte den Seitenausgang. Am Haupteingang warten schon die Hinterbliebenen von Ramona Müller und Marcel Meyer.
Oma: Sind das jetzt die Pioniere? Komm, Fiffi, wir gehn nach Hause!
(alle - außer Kalb - ab und Schluß)

ENDE

Zurück zu Willkommen! Zurück zu LAPSUS Zurück zu LAPSUS LIVE Zurück zu LAPSOTEN LYRIX