(C) by Regina Gorsleben und Dirk Hübner. Alle Rechte vorbehalten. Bei Interesse an einer Übernahme bitte eMail an Leopold Lapsus.
(Kalb nervös, ordnet Zettel, gestaltet den Jugendweihesaal usw.,
Sänger Rolf kommt herein)
Rolf (tritt von hinten dicht an Kalb heran): Sind sie Frau Kalbtreiber
vom Jugendweihe e.V.?
Kalb (erschrickt und dann ärgerlich): Frau Kalbreiter, bitte,
Frau Kalbreiter!
Rolf: Ja, natürlich. Äh, ich bin der bekannte Liedermacher
Rolf Biermann und wurde vom Jugendweiheverein gebeten, hier aufzutreten.
Kalb: Und wo ist ihre Band?!
Rolf: Ja wissen sie, ich trete immer alleine auf - schon wegen der
Wirkung.
Kalb: Und dafür zahlen wir 200 Mark?!
Rolf: Immerhin spende ich die Hälfte davon für die Aidshilfe!
(fäßt Frau Kalb. dabei an den Arm - Kalb zieht ihren Arm entsetzt
zurück und wischt die Aidsviren energisch beiseite)
Kalb: Ich hab' jetzt wirklich keine Zeit mehr! Sie sehen doch, daß
ich mit den Vorbereitungen beschäftigt bin!
Rolf: Schon gut. (geht hinter die Bühne)
Rolf (kommt zögerlich wieder hervor): Sorry, noch eine ganz kleine
Frage zum Ablauf. Ich hab' mir überlegt, daß ich mich doch besser
hinstellen würde. Das kommt eigentlich immer ganz gut an.
Kalb: Ja, ja, machen sie nur ... (guckt schon böse)
Rolf: Ach, wenn ich's mir recht überlege, vielleicht ist es doch
besser, wenn ich sitze. Was meinen sie dazu?
Kalb (rastet aus): Mir ist das vollkommen wurst! Meinetwegen können
sie auch im Liegen singen!
Rolf: Ja entschuldigen sie, es war jetzt vielleicht auch etwas viel
verlangt, daß sie sich in einen Künstler einfühlen. Ich
lasse sie dann jetzt mal allein. (geht ab)
Kalb (pustet): So ein Wichser!! (gestaltet Saal weiter)
(Mutter, Vater, Oma mit Luftballonhund erscheinen)
Oma: Komm, Fiffi!
Mutter: Findet hier die Jugendweihe von Karl-Heinz statt?
Kalb (noch wütend): Unter anderem! (gefaßter:) Ja, wir sind
gleich soweit. Nehmen sie doch schon mal Platz.
(Alle drei setzen sich.)
Oma: Sitz, Fiffi!
Vater (steht plötzlich auf): Gibt's hier auch ein Krombacher?
Mutter: Karl-August, setz' dich sofort wieder hin! Was hast du mir
versprochen?!
Oma: Wo sind denn die Pioniere?!
Kalb (hat jetzt Jugendweiherede zur Hand genommen): Darf ich jetzt
um Ruhe bitten. Wir wollen beginnen. Ich bitte die Jugendweiheteilnehmer
Kevin Schulz und Karl-Heinz auf die Bühne. (Nur Kevin erscheint und
nimmt Platz - alle klatschen.)
Kalb: Karl-Heinz, bitte auf die Bühne!
Vater: Wo bleibt denn der Junge?!
Kalb: Ich seh' mal nach! (Während sie hinter die Bühne geht,
spricht sie zu sich:) Wir haben das doch so oft geübt!
(Kalb will KH hervorzerren)
KH: Geh' weg - böse Tante! (schlägt nach Kalb)
Kalb (geht zurück - dabei zur Mutter): Nun kümmern sie sich
doch mal um ihren Jungen!
Mutter: Sie dürfen nicht so grob zu ihm sein! (holt KH am Ohr
hervor und bringt ihn auf seinen Platz)
(Kalb wird nun die Rede vorlesen, während der Vater langsam eindöst)
Kalb: Liebe Eltern, liebe Großeltern, liebe Jugendweihekandidaten
und sonstige Anwesende. Seit vielen Jahren haben wir uns auf diesen besonderen
Höhepunkt vorbereitet. Manche erreichen ihn nie! Wir nehmen Abschied
von Ramona Müller, Marcel Meyer ...?? (für sich:)- Scheiße!!!
- Dieser Möchtegernkünstler hat mich total durcheinander gebracht.
-Ich bitte um Verzeihung! Äh, ..., Kevin Schulz und Karl-Heinz sollen
heute in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen werden. Was heißt
es, erwachsen zu sein?
(KH rutscht unruhig auf seinem Platz hin und her)
Kalb: Still jetzt!
(KH rutscht weiter hin und her)
Kalb: Erwachsen sein heißt in erster Linie, sich beherrschen
zu können und seine Pflicht zu erfüllen!
(KH rutscht weiter)
Kalb: Was hast du denn, Junge?!
(KH rutscht weiter)
Kalb: Sprich doch deutlich Junge!
KH: Ich muß pissen!
Kalb: Nun ist aber Schluß!
Mutter: Sehn sie denn nicht, daß seine Blase total angeschwollen
ist! So, Karl-Heinz, heute gehst du mal alleine auf die Toilette!
KH: Maaaan!!!
(Mutter geht zu KH, zieht ihn am Ohr und schubst ihn auf die Toilette)
Mutter: Worauf warten sie denn noch?! Machen sie doch weiter!
Kalb: Und jetzt unser Kulturprogramm. Als erstes hören wir unseren
Jugendfreund Hans Lange mit einem Lied.
Oma: Wann kommen denn die Pioniere?!
(Hans singt: "Da sind wir aber immer noch")
Kalb: Und jetzt begrüßen sie mit mir den allseits bekannten
und beliebten Bruder von Wolf Biermann - Rolf Biermann.
Vater (wacht plötzlich auf): Gibt's jetzt 'n Bier, man?
(Rolf kommt auf die Bühne - Luftballonhund wedelt an Rolfs Bein)
Rolf (streichelt den "Hund"): Drollig! Braaav. - Könnten sie ihn
jetzt bitte wegnehmen?
Oma: Komm, Fiffi. Platz!
(Oma sticht mit Nadel den Ballon kaputt - der platzt)
Oma (nimmt den Luftballonfetzen auf den Schoß): Sei jetzt endlich
still - aus!
Rolf: Ich bitte jetzt doch um Aufmerksamkeit! (nimmt den Stuhl von
KH - der sich feucht anfühlt - setzt sich darauf und singt den Song
vom "Albernen Kerl") - Danke Freunde! (stellt den Stuhl zurück und
geht ab)
Oma: Wann kommen denn die Pioniere?!
Kalb: Und jetzt ist es mir eine besondere Freude, ihnen die kleine
Nina aus der 3b vorzustellen. Sie sagt ein selbstgemachtes Gedicht auf.
(Nina tritt auf)
Kalb (nimmt die Blumentöpfe - zu Nina): Und die gibst du den beiden
großen Jungs! Wir haben das ja besprochen.
Nina: Jawohl, Frau Kaltreiber! (nimmt die Blumentöpfe)
Kalb (verständnisvoll): Kalbreiter, Nina, Kalbreiter.
KH (kommt aus der Toilette - im desolaten Zustand): Mutti, Mutti, ich
war schon ganz allein auf der Toilette!
Kalb: Setz dich sofort hin!
(KH fängt an zu weinen)
Mutter: Schrein sie meinen Jungen nicht so an! Sehn sie denn nicht,
wie er aussieht? Durch diese Jugendstunden ist er total verlottert! Komm
Karl-Heinz! (bringt ihn am Ohr zum Stuhl, putzt ihm die Nase) Schnaub!
Noch mal! Junge, du wirst das nie lernen! (Mutter geht wieder zurück
auf ihren Platz)
Kalb: Jetzt kommen wir zum Gelöbnis. Kevin und Karl-Heinz, steht
bitte auf! - Ich gelobe, immer meine Plicht zu erfüllen und mich immer
zu beherrschen! - Sprecht mir bitte nach: Ja, das gelobe ich!
Kevin: Ja, das gelobe ich!
KH: Ich werd' 3!!!
Kalb (freundlich flüsternd zu Nina): Jetzt bist du dran, Nina.
(Nina überreicht die Blumentöpfe - dann Beifall)
Oma: Früher hatten die Pioniere immer Halstücher!
Kalb: Damit ist unsere Jugendweihefeier beendet. Ich bitte sie jetzt,
den Raum zu verlassen. Nehmen sie bitte den Seitenausgang. Am Haupteingang
warten schon die Hinterbliebenen von Ramona Müller und Marcel Meyer.
Oma: Sind das jetzt die Pioniere? Komm, Fiffi, wir gehn nach Hause!
(alle - außer Kalb - ab und Schluß)
ENDE
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