OVER Nr. 6


LOVER Nr. 6

(erschien 07/95)

Auszüge:

[Voice] - [Great 2 B Alive] - [Servus Bruder!] - [Remember A Day] - [Ein Fall für Zwei] - [Livegerichte]

LOVER No. 6

n e w  v o I c e s

Neue Stimmen, Songs und Sounds hatten bei schon ab und zu ihren Programmpunkt New Kammermusik. Diesmal wurde ganz spontan eine Idee umgesetzt, die es nicht ins Programm geschafft hatte. Doch George hatte einige Hefte dabei und Achim das erste mit 'ner CD und so stand einem Stunt aus dem Stand nichts im Wege. Hier nochmal die akustischen Tips aus dem Rolling Stone (Heft+CD 7,80 DM): Alanis Morisette / You Oughta Know - eine Achterbahnfahrt durch surreale Nischen, Sprechgesang, aufheulende Gitarre, brummender Baß, Funk. Nationalgalerie / Tütensuppe - Hey, hey, nichts ist ok. Alles ist in Ordnung, wenn ich es will. Mein, mein Leben als Tütensuppe mitten auf'm Ozean. Meskalin. Heißt das Album. Nacho Kano / El Professor De Danza - der Soundtrack zum Wahnsinn. Caroline Lavelle / Moorlough Shore - Folk und Elektropop als Kammermusik. Ezio / 30 And Confused - einfach hinreißend und speziell ausgewählt für Regina! Wahrhaftig Melodien wie Tränen und Regentropfen. Better Than Ezra / In The Blood - rhythmisch fabelhafter Vollblut-Roadsong. "Deluxe" halt - wie der Albumtitel es verspricht. Mike Watt / Big Train - Eine der letzten Stimmen des Punk: Basser Mike Watt. Das Stück: Rhythm & Blues für Leute, die auch Quickies mögen. Ich mag - big stuff.

Great 2 B Alive

Erstmal vorneweg: Es hat mir richtigen Spaß gemacht, hätte eingangs nicht gedacht, daß ein STADT-LAPSUS so gelingen könnte. Und das auf 50 m², aber eben nicht nur und vielleicht brachten gerade die Ausflüge in den Prenzlauer Berg und nach Kreuzberg die notwendige Abwechslung und prickelnde Atmosphäre eines frühsommerlichen Happenings. Jedenfalls von Freitagabend unterm Wasserturm bis Montagfrüh in der "Tagung" eine abgefahrene Paadie, nette bis liebe Gäste und für die räumliche Enge relativ wenig Ärgernisse. ... Buschfeuerartig verbreitete sich die Kunde der Anwesenheit seiner ausgeschlafenen Exzellenz Oliver Kandale, dazu Hagen und Hirse endlich mal halbwegs nüchtern, womit einem Konzert der "Frustration des Elches" nichts wesentliches mehr im Wege stand. Ein Aufregungsbier für die Herren Musiker fand sich auch noch, mein Wäschekorb wurde Keyboardständer und es ging los. Wer Ohren hat, hörte, wer Augen hat, sah - Hirse verzog sich hinter seinem Vorhang aus langen, dunklen Haaren, war nach kurzer Zeit irgendwo im Musikuniversum verschwunden, lost in space, lost in time, far away from some earthly rhyme... Hagen, erst vorsichtig mit etwas understatement, dann immer besser UND lauter werdend, zum Schluß fürchtete ich um seine Saiten, J. (Where is the party) Mascis läßt grüßen. ... GREAT 2 B ALIVE - LAPSUS-LIVE hält Ohren steif, was meint ihr zu dem Vorschlag LAPSUS muß es 2 x geben, Stadt und Land in Volkes Hand! Zunächst die herzliche Einladung zu Pfingsten '96 nach ZARNEKLA, wo mensch folgende Essentials berücksichtigt wissen möchte: Meat is murder, wir wollen ganz bewußt vegetarische Ernährung; es gibt vorher oftmals Gelegenheit in Zarnekla an bestimmten Projekten, wie dem Gemeinschaftsraum in der Scheune, mitzuhelfen. Weiterhin ist eine Mitarbeit im "FESTKOMITEE" sehr erwünscht. Die Anmeldungen sollten etwas früher und verbindlicher erfolgen als in diesem Jahr. Von Berliner Seite aus gibt es für die genannten Punkte breite Zustimmung. Für alle Meinungen und Hinweise gibt es in Zarnekla bei Roland und hier bei mir wache Sinne, denn Knorbel schlafen nie! ...(aus Franks "Die LAPSUS Chronik '95")

Servus Bruder!

Frank schrieb eine Karte wegen Pfingsten. Nun haben wir ZarInnen auch Pläne. Es gibt sogar ein Festkomitee. Wir wollen 25. bis 28. Mai intensivere Kunst- und Kulttage lenzen. Wenn es wahr ist, daß ihr in unseren Norden wolltet, wäre es schön, es ginge eben diese Woche früher. Wie steht's? Und zwar weil Pfingsten wieder die ADFC-Radtour auf Rügen ist ... , weil hierher wahrscheinlich gerade zu der Zeit unangemeldete Besucher finden werden - wollen wir uns diese Tage frei halten. (aus einem Brief von Roland an Achim, Frühjahr '95)
Walpurgis! ... Die anderen Nachrichten sind eher betrüblich. Unser Himmelfahrtskommando umriß jetzt den Veranstaltungsplan, und es wurde schnell klar, daß wir bei der voraussichtlichen Intensität (beispielsweise Trancetanzen, Massagen, erweitertes Atmen...) miteinander "unter uns" sein wollen. Vielleicht mit einigen Gästen, die in ähnlichen Zusammenhängen, Wichtigkeiten, Bewußtheiten leben. Die Möglichkeit, Pfingsten Gorslebensche Veranstaltungen zu zelebrieren, betrifft/betraf dann Gabi & mich, und nachdem wir beide unsere konkreten Vorstellungen ausgebreitet hatten, wurde auch da klar, daß es uns besser ohne Gäste geht, deren Leben auf zu vielen zu unterschiedlichen Ebenen (im Vergleich zu uns) abläuft. Allein die Differenzen ums Essen wollen wir hier einfach nicht ausstehen. Wir möchten unsere Kinder, die Atmosphäre hier vor Drogen der chemischen Industrie, Fleisch, Wurst etc. bewahren. Hier ist auch unser Schutzraum, finden wir unsere Schutzzeit. Wir brauchen unsere Kräfte für das Leben. Nicht, um immer wieder Einbrüche der ersten Welt eindämmen zu müssen. Ich kann Euch nur noch unsere Trauer mitteilen, gerade an Menschen, die nicht einfach so vor sich hinleben, eine Absage schreiben zu müssen. Jedoch es bleibt eine. Vielleicht schwer zu verstehen, da Ihr kaum nachvollziehen könnt, wie "anders" unser Leben alltäglich geschieht. (aus dem nächsten Brief von Roland an Achim)
P.S.: Daß niemand aus der 'ersten Welt' sich wundert...

Remember A Day

Die Liga schafft daran, bis über die Jahrtausendwende hinaus progressive Rockmusik in Inhalt und weitem Umfeld, multimedial aufbereitet vorzustellen, sowie Möglichkeiten für Bedürftige zu bieten, Welt- und Lebensgefühle in unterschiedlichsten Formen verarbeitet mitteilen zu können. Außerdem widmet sie sich in gemeinschaftlichen Aktionen dem künstlerischen Kampf gegen die Entfremdung, indem sie möglichst grenzenlose Denkanstöße vermittelt. Sie versucht sich an den Bemühungen zu beteiligen, existentielle Ideen hervorzubringen, aufzuspüren, zu reflektieren und zu verbreiten. Die Lapsus bekennt sich - nomen est omen - zum Irrtum wie zur Lernfähigkeit. Die Lapsus bezweifelt, daß der Zweck die Mittel heiligt und hofft, daß Unzweckmäßigkeit nur die Beschränkten schreckt. Die Würze des Lebens ist nur für die Verrückten. Nur für Verrückte. Lapsus.

Die Liga bekennt sich zur Stärkung der Souveränität des einzelnen Menschen in jeder Beziehung. Deshalb wird der Rahmen jeder Äußerung in die Nähe menschlicher / natürlicher / gesunder / progressiver Prinzipien gestellt.
## Keine Drogen - ODER Bekenntnis zu Niederlage.
## Grundsätzlich Eigenversorgung aller (bis auf Brot, Milch, KiNa), betont gesunde Ernährung, pflanzenkostorientiert, Fastentag(e) - ODER Ersatzlust Nr. 1, Ersatzbefriedigung, Flucht, weitere kritiklose Aufschwemmung des Zeit- und Mengenaufwandes für's Essen (angesichts Gülleozeanen, gepreßter Beiträge, Schwimmringen)
## Autogenes Training / Meditationen - ODER Bekenntnis zur Fremdheit des Ichs, zur Angst, zur Ferne
## Performances, Happenings, Berühren des Körpers - ODER the wall über alles
## Gesprächspausen, Äußerungsmöglichkeiten, Sorge für neue Aufnahmefähigkeit - ODER An- und Ausziehen der unverarbeiteten Gefühle, Schlag auf Nachschlag
## Unsere Kinder wollen einen anderen Tag erleben - ODER stehen sie am Rande
## Zweimal jährlich?
(aus LOVER 2 vom Oktober 1989, Beatrice (Roland) und Achim)

P.S.: Immerhin sind in den 90ern einige neue Lapsoten aufgetaucht, die auch etwas von den Diskussionen, die zumeist kein Ende fanden, wissen sollten, wenn es um Äußerungen zum Wie- und Weitermachen der Lapsus geht. Ideen zu gemeinsamen Unternehmungen sind nun wirklich nicht Mangelware. Jede hat entsprechend ihrer Intentionen Anspruch auf einen passenden, unverwechselbaren Rahmen. Zum Rahmen von Lapsus gehörte bisher keine Trennung in Welten hie und dort. Für Lapsoten gab's bisher nur eine. Ein oft zu trauriger Planet, aber einer mit Platz und Zeit für Leute, die die Traurigkeit eindämmen wollen - mindestens einmal im Jahr, besser zweimal.
Die diskussionslose Übernahme neuer Regeln für Lapsus halte ich für bedenklich. Mir erscheint Dirks Idee dagegen sehr sympathisch, ein Ferienlager an der Ostsee zu kapern. Zu Pfingsten sei dort Platz und Zeit gegeben, genügend Auslauf und damit auch ein prächtiger Gegensatz zu einem Stadt-Lapsus. Der IKS-Haken dieser Idee ist natürlich, daß ein Obulus für dieses Quartier anfallen wird. Dieser müßte sicher auch erst ausgehandelt werden.
Vielleicht sollten einfach alle mal Ihren Standpunkt kundtun, wieviel Mäuse sie einer solchen Lapsus-Variante maximal opfern würden. Das ganze wäre dann auch mit Vorkasse etc. verbunden, damit nicht zum Schluß die Initiatoren in die Röhre gucken. Wenn natürlich jemand an anderer Stelle ein preiswerteres, passables Quartier bieten kann - bestens! Die Hausordnung sollte für Lapsoten allerdings akzeptabel sein, z.B. traditionelles Luftholen gestattet etc..
Wer jetzt denkt, ich hätte damit dem LENZ bei den ZarInnen eine Absage erteilt, irrt. Nur: LENZ ist eben LENZ und LAPSUS ist LAPSUS. Und zu Pfingsten haben sich die ZarInnen inzwischen andere Traditionen aufgebaut - ok. Es sind aber nicht die von Lapsus.
Ich hätte Spaß dran, Leute zusammenzubringen, die gemeinsam was Lapsotisches auf die Beine kriegen. Kommunikation und gemeinsame Aktion sind sicher noch nicht einmal am Anfang dessen, was möglich wäre. SPINNE und PerforMensch warten auf Nachfolger. Die Session mit Uwe ließ doch Potential erkennen. (Ok - Daniel hält uns (fast) alle für unmusikalisch... 'Well We Know...') Selbst das Vorlesen (beim DoorsAbend) schien doch reizvoll zu sein. Ich würde gern neue Beiträge ins Auge fassen, wenn andere Lapsoten Interesse durch eigene Vorhaben bekunden. Was in diesem Jahr serviert wurde, läßt doch sehr hoffen! (Kleiner Tip für Zweckoptimisten: meist artet so ein Vorhaben in Arbeit aus...) Der Vorrat an bereits gelaufenem Lapsus-Material ist zudem reichlich... Daran soll's nicht fehlen.
Das Programm '96 ist bereits in Arbeit, also frisch ans Werk und her mit den Meinungen, Ideen und Vorschlägen. Remember A Day!

Ein Fall für Zwei

Wäre 'Cerebral Caustic' das Debüt einer neuen Band - alle würden jubeln. Die Jüngeren, weil andere (gerade britische) Bands gegen Power-Pop von derart energischer Autorität wie Weicheier dastehen; die Älteren, weil hier der locker-arrogante Aufbruchgeist wiederauflebt, der vor 15 Jahren dem Punk- und Indie-Dasein die Flügel verlieh.
So aber ist es nur das 23. Album von The Fall, jener oft gelobten, doch niemals populären britischen Band, die wohl als einzige von sich behaupten kann, jede pseudo-juvenile Modeströmung mit einem müden Nicken aufgesogen zu haben, ohne ihren typischen Sound jemals merklich zu verändern. ... Was aber 'Cerebral Caustic' zur besten Fall-Scheibe der 90er Jahre macht, ist die simple Tatsache, daß die Band sich hier auf die ureigenen Qualitäten beschränkt und so emotionsgeladen und gestenreich loslegt wie einst im Mai. Welche Rolle dabei die zurückgekehrte Ex-Smith-Gattin Brix spielt, bleibt Objekt der Spekulation, aber allein das reißerische Duett von 'Don't Call Me Darling' läßt den Schluß zu, daß Manchesters graue Eminenz eine Prise Ami-Pfeffer noch immer zu schätzen weiß. ... zwölfteilige Tour de Force ... Resümee: The Fall at their most entertaining. Den Fans dürfte 'Cerebral Caustic' ein Fest wert sein... [Ein Fall für zwei Ohren und zwei Beine.] (aus Rolling Stone 7/95)

Livegerichte

Walkman'83 zur Rockroulade gab's das erste Livegericht in der LAPSUS-Historie. Oli und die Guitarheros spielten frisch und frech drauflos. Ein Jahr später ließ sich Geli nicht länger bitten und spielte seinen ersten Gig, dem weitere folgen sollten. Unterstützt wurde er beim Rockrummel '84 von Regina. Thanx, Regina! Nach einer ungewollten Pause gab's beim Rockrodeo 1988 einen besonderen Leckerbissen: Geli & Jörn traktierten Gitarre und Cello und heimsten pure Begeisterung ein. Durch dieses Konzert kam auch Meister Johann Sebastian Bach zu seiner Erstaufführung bei LAPSUS-LIVE. Nach dieser Vorgabe schien Steigerung kaum möglich, aber die Rockrevue '89 setzte doch gewaltig eins drauf: Uwe & Kiste rückten mit Keyboard und komplettem Schlagzeug (!) an. Das Konzert dieser Garagenband machte das halbe Dorf rebellisch. Mein Livegericht! Geli konnte auch nicht widerstehen und sorgte mit Kiste für Abwechslung. Das 10. Jubiläum bescherte so allen Lapsoten einen würdigen Höhepunkt - und Appetit auf mehr. Erst der LAPSUS-Widerbelebungsversuch No. 1 in Zarnekla '94 sorgte erneut für Livemusik. Klampfige Lieder bei Kerzenschein, wir bekamen's getrommelt und geblasen - bezaubernd.
In diesem Jahr nun erneut Livegerichte auf dem LAPSUS-Speiseplan. Hansi & Micha ließen uns eigenes Liedgut hören. Besondere Überraschung (eigentlich auch wieder nicht): Ginger schreibt Verse. Hoffentlich gibt's mal einen Nachschlag. Er kann auch frecher und weniger zurückhaltend serviert werden! Da Uwe sich zwischen zwei Auftritten sehen ließ, mußte er wohl oder übel an die Tasten. Er gab den Ball sofort zurück und provozierte eine Jam-Session, die richtig Fez machte. Vielleicht sollte man für solche Fälle ein paar gängige Texte auf Dias dabeihaben, damit alle mitmachen können. Die Aufforderung, perkussive und blasphemische Instrumente mitzubringen, hatte auch kaum jemand beherzigt. Und 'In The Summertime' zeigte, was möglich wäre...
Tagsdrauf dann die Frustration des Elches - unplugged. Franks Konzertbesprechung siehe vorn unter 'Great 2 B Alive'. Hoffentlich sieht und hört man sich mal wieder.
Ich hab' schon jetzt Hunger auf mehr Livegerichte.

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