OVER Nr. 10


LOVER Nr. 10

(erschien 12/96)

Auszüge:

[Jubeläum] - [RE ¤ act ¤ or] - [Land Unter!] - [Farbengrund] - [Sterben...] - [Einmal im Jahr] - [?] - [Gefahr] - [Vogelscheuche] - [&NU?] - [Free To Be Stoned] - [Auf dem Flug...] - [Erde Luft ...] - [Try and Error] - [Eingeinnert] - [Plan B] - [Johnny] - [Weiches Wasser] - [TANZ] - [Maskerade]

LOVER No. 10

Jubel ä u m !

Der LOVER 10 ist da. Wer hätte das befürchtet? Vor allem für diese Auserlesenden sind einige Perlen aus älteren Heften gefischt worden, um dem feierlichen Anlaß würdig gerecht zu werden. Zudem wurden aus Überhaupt 1 + 2 einige wichtige Zeilen übernommen. Aus Nr. 1 wird mit "Auf dem Flug nach..." eine Idee aufgegriffen, die diesmal vielleicht etwas mehr Echo hervorrufen könnte, denn LOVER verlost unter allen Einsendern eine historische Stereo-CD, die in keiner Sammlung fehlen sollte.
Also stellt euch dem Leistungsdruck und macht den Flugschreiber! Im LOVER 11 werden die eingehenden Reisebeschreibungen veröffentlicht (DOS-Disk welcome!) sowie das durch Los beschenkte Glückskind veröffentlicht (Foto welcome).
Was die gelegentlich aufflammende Neugier nach den vollständigen älteren LOVER-Ausgaben angeht: Da die LOVER-Hefte Produkte zumeist nächtlicher Tipp-, Bastel- und Kopierarbeit sind, ist eine Nachbestellung eher nicht möglich. Schon wegen dem Leistungsdruck. Etliches ist aber auch verschollen... Hütet also Eure LOVER, aber nicht Eure Zunge - bzw. deren Vergegenständlichungen auf Papier, denn auch in Heft 11 soll es wieder eine Rubrik wie die folgende geben.

RE ¤ act ¤ or

"Mir haben die Tage in Zarnekla gefallen. Ich fühlte mich wohl in der Natur und auch mit den Menschen. Sicherlich mit manchen mehr, mit manchen weniger, aber das halte ich für normal. Diese Ansprüchlichkeit, die in Deinem [!?] Heftchen so stark zutage trat, fiel mir dort nicht auf. Mir gefällt es, wenn jeder sich herauspicken kann, was er mag und bei keiner Handlung (es sei denn, sie verstößt gegen die Hausordnung) scheel angesehen wird. Jeder braucht seine eigene Zeit, um sich einzufinden, anzukommen, Fremdheit abzubauen. Austausch kommt dort zustande, wo ein Bedürfnis da ist..." Sabine
"Ein paar Gedanken zu Lapsus 96:  Die Würze des Lebens ist nur für die Verrückten. Doch welcher IQ ist der Garant dafür, daß ich wirklich verrückt bin und nicht nur blöd? - Für wen und wozu machen wir Lapsus?  Wenn ich jedes Jahr zu Lapsus fahre, dann vor allem, weil ich dort meine Geschwister und Freunde wiedersehe und mit ihnen gemeinsam Lapsus erleben kann.
Sich aneinander und miteinander freuen - das ist für mich Lapsus. (Selbstverständlich trägt auch eine schöne Umgebung zu dieser Freude bei.)
Lapsus gibt es, weil es den Hauptakteuren wichtig ist und es ihnen (hoffentlich) Spaß macht, ein Stück von sich und ihren (Vor)Lieben mitzuteilen.
Schöner wäre es noch, wenn anschließend von pauschalen Werturteilen abgesehen werden könnte, die das wirkliche Empfinden des einzelnen unterbuttern. Was dem einen seine Perle ist dem anderen sein Kieselstein...
Zu meinen Perlen von Lapsus 96 gehört auf jeden Fall der Roger-Waters-Vortrag von Roland, der für mein Empfinden kaum besser zu machen ist.
Schade, daß Achim seinen Edgar-Allen-Poe-Vortrag schon zu Ostern, wo er leider etwas unterging, und nicht bei Lapsus vorführte.
Die Kinder kamen in diesem Jahr wirklich zu kurz - trotz liebevoll vorbereiteter und mit viel Spaß durchgeführter Bauernolympiade. Aber ich bin sicher, daß dies 1997 anders sein wird. Ich fände es sehr sinnvoll, wenn sich alle Beiträge (bis auf die gemeinschaftlichen) in einem gewissen Zeitrahmen bewegten.
Der Auftritt der Elche wurde - so meine ich - zum abendüberfüllenden Programm und ließ so anderen Darbietungen keine Chance. Über Geschmack läßt sich immer streiten, aber weniger ist eben oft mehr.
Noch so ein Wunsch am Rande wäre der nach freierem Zugang zum CD-Player. Warum dürfen nicht auch andere ihre Lieblingsmusik einlegen, lieber Achim, oder gibt es da besondere Rechte? Zum Schluß noch eine - wie ich glaube - Prämiere in der Lapsusgeschichte: Gegenvorschläge zur Lapsusbezeichnung '97!
(Ja, lieber Achim, nur um dich ein wenig zu ärgern.) [Ist ja premienverdächtig!]
Ich hoffe, die gab's nicht schon mal... Also: Rock radikal, Rock Raffinage, Rock Kost, Rock Refugium, Rock Rendezvous, Rock Rosarium
Jetzt fällt aber die Entscheidung schwer!" Regina
"... Ersteinmal war und bin ich Lapsusfan. Und da ich selber außer ein paar Bildern zu Sgt. Pepper, einer ganz winzigen Vormittagslesung, die doch nur in der Küche ankam, und Zwiebeln putzen bisher noch keine Beiträge zu Lapsus geleistet habe, habe ich mir bisher auch keine Kritik angemaßt. Das Lob allerdings hätte ich natürlich schon längst loswerden können. Das größte geht also jetzt nachträglich und generell an die Organisatoren und Versorger. Und ein dickes Dankeschön! Ich weiß, daß es ein Wahnsinnsaufwand an Zeit, Elan und Kraft ist, der aufgebracht werden muß(te). Leider ist es dabei für mich zeitlich (und örtlich) ziemlich schwer, mitzuhelfen.
Das 2. Lob (nicht weniger groß) geht an die Vortragenden... Und hier sind wir nun bei dem zwiespältigen Gefühl angelangt. So richtig kann ich es nicht erklären, aber es ist so, daß ich, so oft ich mich an einen Vortragsversuch gemacht habe, diesen irgendwann wieder abbrach, weil ich fürchtete, dem Anspruch nicht gerecht zu werden und der anschließenden "Bewertung" nicht standhalten zu können. Und um mich irgendeiner Peinlichkeit auszusetzen, dazu war mir das Lapsus-Grundgefühl einfach zu schade. Wahrscheinlich kamen mir meine Ideen und Beitragsmöglichkeiten einfach zu profan vor, als daß sie neben euren Beiträgen bestehen könnten. Liegt das nun nur an mir oder gibt es sowas wie einen Lapsus-Leistungsdruck? Darüber lohnt es sich vielleicht nachzudenken. Ich verspüre ihn jedenfalls und Leistungsdruck habe ich ja sonst schon genug - andere, die bisher noch nichts beigesteuert haben, denken vielleicht ähnlich???
Trotzdem komme ich gerne und wieder. Und diesmal mit Beitrag für die Kinder. Dies heißt nicht, daß ich denke, dem Anspruch von Kindern leichter gerecht werden zu können als dem von Erwachsenen - das wäre nun wirklich blöd und ignorant - ich habe nur auf diesem Gebiet mehr Ideen. Fest steht, es wird einen kleinen Dia-Beitrag geben. Vielleicht gebe ich mein Self-made-Märchen (mit Kompositionsuntermalung von Hans) lesenderweise zum besten, und wenn alles klappt, und ich noch etwas Unterstützung von Regina und Lisa... bekomme, soll es noch ein Puppenspiel geben. Ich könnte mit den Kindern auch Masken bauen, und die Kinder könnten in Eigenregie (vielleicht mit hilfreicher Unterstützung von Leider-Nichtmehrkindern) ein kleines Stück bringen??? Das dürfte für's 1. genug sein. Übrigens, diese Ideen und Vorhaben gab es schon vor der Lapsusloverlektüre. Es bedurfte dieses Anstoßes also nur, um diesen Brief von mir zu geben. Ach so, doch eine kleine kritische Anmerkung zum Lapsuslover: Ich vermisse eine Würdigung von Reginas Cocteau-Twins-Vortrag. Denn dieser war, auch wenn Regina nicht meine Freundin wäre, einer der Höhepunkte des diesjährigen Lapsus für mich. Bilder, Texte und Musik waren toll! ...
P.S. Wenn Maskenbau auf Gegenliebe stößt, gebt mir bitte Bescheid. Ich müßte dann rechtzeitig Ton besorgen usw. Außerdem müßte das dann gleich am 1. Tag passieren, damit die Materialien noch trocknen, vielleicht sogar schon früher?
P.P.S. Gabi hat recht: Sonne und Wärme wären nächstes Jahr gut! (Dazu ein Gedanke: Vielleicht könnte man Pfingsten zur Vorbereitung nutzen (auch schon Tonköpfe bauen) und Lapsus selber auf den Ferienanfang Sachsen, 18. - 21.7.97, verlegen?)
Noch ein ganz wichtiges 4xP.S. Rolands Roger-Waters-Vortrag war auch wieder Spitze, aber leider etwas zu spät. ...
Vorschläge für Lapsus-97-Namen: (auch wir haben Wörterbücher) Rockragnarök (nach nord. Myth.: Weltuntergang), Rockrahm, Rockrain, Rockrebellion, Rockrunks (ungeschliffener Mensch), Rockrülps, Rockrubin, Rockrumor, Rockrosine, Rockromanze, Rockrisiko" Ginger
[(A)nmerkungen] RE¤act¤or!

L A N D   U N T E R !

Die Reede war vom "Zarenhof" als Ankerplatz. Der Grund, der Grund. Ich weiß es kaum: Hochwasser, Untiefen, Rache, zu still?, Flut - innehalten reicht nicht für uns. "Die Entwurzelung ist bei weitem die gefährlichste Krankheit der menschlichen Gesellschaft. Wer entwurzelt ist, entwurzelt. Wer verwurzelt ist, entwurzelt nicht. Die Verwurzelung ist vielleicht das wichtigste und meistverkannte Bedürfnis der menschlichen Seele." (Simone Weil). Thomas, Kathrin und Wolfgang werden hier weggehen. Fragt sie, wenn's euch wichtig ist zu erfahren, warum. Wer jemals Heimat in einer Gemeinschaft fand=wurzelte, wird ahnen, was Auflösung=Entwurzelung ist und mit einem macht. Wie mit mir.
Das vorletzte scheint die Forderung von schlappen 45 TM der früheren und jetzigen Aussteiger zu sein. Eine Last, die uns hier ans Rückgrat geht. Und gar nicht nebenbei war da meine Frage, wo denn LAPSUS live zukünftig stattfinden soll. Aber ich kann mir nur schwer aussuchen, wann ich ernstgenommen werde.
Das ist jetzt unser Grund. Wir brauchen Hilfe. Auch Menschen, die dauerhaft hier leben wollen. :Roland
P.S.: W.I.U.: "Wenn eine Idee die Lapsusen erfaßt, wird sie zur materiellen Gewalt."

Farbengrund

Das kugelrote Sonnenrund
spiegelt sich im Meer von Mohnblumen wieder
staunend baden deine blauen Augen
in blinzelnden Kornblumen
die die wunde Röte
an Feldrainen durchtrennen
und der Abend winkt
strahlendhelle Sterne herbei
gelben Staub in die Farben zu werfen.
Dieser Grund -
gründlich und wirklich nur zählt
vergessend alles andere
wenn er fehlt
bist du grundlos.
(Ginger)

Sterben nach Gemeinschaft

Durch steife Mauern pfeift dir eins der Wind. Aus Höhlen wie Fenster starrt dir die NEUE Zeit entgegen. NOCH vom Zigarettenqualm verweht. Wer ist da sturmreif - die Bäume? - die Dachziegel? - du?
Kein Kindergeschrei wird den Friedhofslärm stören. Nicht entschlossen dieses Haus mit neuem Gewand. Ja, der sonnige Umblick ins grüne Land, die offene Weite, - doch du weißt noch nicht, was ich meine? - verheißt Bilder einer Fernsehturmerinnerung, Bombse, heiße Schokolade. Später - da dünnt sich das Leben weiter aus. Erstmal. Mutter Erde. Muttererde. Nicht mal ein Trostpflaster am Rande der Pflastersteine. Dieser Garten bleibt Verklappungszone unserer Chemiefabriken wie dein Körper oder du. Da jeder weiß, wo die Apfelbäume stehen und fruchten. Kirschen an jeder Autobahn - vorbei!
Warum in die Ferne schweifen? Bulettenwilli zieht das Steuer rum, um einzuparken zwischen Wasserklo (und tschüß!) und Küchendunst (neblig, grau). Ein Dach-Geschoß fliegt, als Blindgänger zu enden in irgendwelchen Schubladen (auch grau, 37°C). Wie dein 14. Workshop Ladendiebstahl bleibt, niemand mag bezahlen im Reparaturbetrieb am weltenden Betriebe. Ein Blut für Öl. Na und? Wir sind beschäftigt mit der Einrichtung unserer Vorstellungen. Möbelwechsel, alle paar Jahre paar neue, nette Bildchen. So viel Platz in den liebevollen Herzen. Oder der Angstschweiß in der Hose? Was holen wir dorten eigentlich hervor, wenn wir uns jetzt im Kindergarten anstellen?
Dieser Ruck wäre doch nicht der Aufschlag - sondern das Öffnen des Fallschirms! Mensch, wir sind lange über den Abgrund hinaus, "freier" Fall. Freiheit? Nein danke!
Dir fehlt der Mut, weil du dein Schicksal bestimmst? Hä? Wie? Und bist du DeutscheR?
Dein Schatten als Fluchtort und nicht als der fruchtbare Boden, und das dunkelnde Laub nicht wohlmeinendes Geschehen. Wieder, ja, und obwohl wir es vergessen, feixen sich Sedimente ins Gedächtnis der Natur. Bis...?
Leben, wem Leben gebührt.
(aus LOVER 7)

Einmal im Jahr

gefährlicher irrtum
hier ist keine insel im tränenmeer
verschnaufpause auf dem rücken einer schildkröte
wartet auf vier elefanten
die welt zu ertragen

erstaunliche geschwindigkeit
beschleunigung zuvor und danach
all die fehlende zeit
für gedankenschwere seufzer
erschreckt, daß die lieblingsplatte
so alt ist wie sie

rettende illusionen
wieder und wieder zelebriert
hoffnung, daß der tod vorm sterben kommt
beruhigt, als der schauder sich
des dicken fells bemächtigt
einmal im jahr
(aus LOVER 2)

?

Von wem? is'n das?
Hoffen sie auf unbekannte Namen?
Ist das was? schon verdaut, verstanden, in Sekunden aufgenommen?
Macht die Herkunft den Adel? Braucht das Urteil solch jämmerliche Krücken? Warum? so wenig Mut zur eigenen Hoheit?
Wen? ziehst du an Land, bis zum Hals im Sumpf der Entschuldigungen und Zurückhaltungen?
Du weißt nicht wie? sonst?
Wieso? glaubst du immernoch, dies sei ein Test? Sind wir wirklich nur auf der Suche nach den Pawel Kortschagins des Westens?
(aus LOVER 3)

Gefahr

Für beide, für den, der nur gedankenverloren nach den Sternen schaut, wie für den, der nur den Blick prüfend auf seine Füße wirft, ist der Weg in unbekannte Gebiete lebensgefährlich.
(aus LOVER 3)

22.8.88 Die Vogelscheuche ...und danach?

Was hat das Leben überhaupt noch für einen Sinn? Entweder Du läufst mit oder Du gehst kaputt. Die Eltern sind stumpf. Die Kinder wehren sich dagegen, wollen gerecht sein und werden grausam. Dann erkennen sie ihre Grausamkeit und stumpfen auch ab. Genau genommen wird man solange unterdrückt, bis man erkennt, daß es keinen Sinn hat. Dann gibt es 2 Möglichkeiten.
Entweder man beugt sich oder man hält den Mund. Die Ansichten werden, aus Dummheit und Mangel an Verständnis, verschwiegen oder nur unter Gleichgesinnten ausgetauscht. Unbewußt oder bewußt beugt man sich damit auch. Ehrlichkeit hat keinen Sinn! Güte, Liebe werden mit Füßen getreten! Die Menschen sind alles lebende Leichen mit Masken! - Was hat das Leben dann für einen Sinn??? Zu erkennen, daß es keinen Sinn hat! Da braucht man bloß die Augen aufzumachen. Die Menschen sind tot oder krank. Es gibt wohl nur noch wenige Menschentypen.
1. Die Leiche. Auch Mitläufer oder Stino (Stinknormaler) genannt. Sie kommt am besten klar, da sie blind, taub und stumm ist. Sie lebt vom Fernsehen, Konsumieren und der Arbeit. Welche nach der eigentlichen Arbeit auch noch in Haus- und Gartenarbeit ausartet. Die Kinder der Leichen sind arm dran.
2. Die Herrscher. Sie sind nicht so blind und taub, aber das merkt ja keiner. Sie haben den Überblick und wissen, daß sie mit ihren mehr als 60 Jahren auf dem Buckel nicht am Weltuntergang sterben. Also wozu im hohen Alter noch was unternehmen und M e n s c h e n schaffen, wo ja sowieso schon alles verloren ist. Nur ab und zu ein paar Kleinigkeiten wie etwas Abrüstung, Katalysatoren oder ein paar Spraydosen weniger, damit sie ihren Posten behalten. (Denn selbst der Oktober 89 ändert nicht die dummen, freßlustigen, konsumhungrigen Menschen.)
3. Diese sind die "armen Irren". Sie wehren sich gegen die Leichen, gehören aber dazu, da sie sonst nicht existieren könnten. Die "armen Irren" bauen auf Humanismus, Liebe und wollen was verändern. Doch das geht nicht mit Blinden und Taubstummen. Deshalb gehen sie unter oder ordnen sich ein, zwar ungewollt, ohne Überzeugung, aber die Notwendigkeit ihrer Existenz erkennend. Und so wird der Leichenhaufen immer größer und ekliger... Bis er im Schlamm versinkt?      Yvonne
(aus LOVER 3)

Poster aus LOVER No. 4 ('90)

&NU?

[weitverbreiteter Schablonen-Sprayspruch in Dresden]
(aus LOVER 4)

Free To Be Stoned

Ich will nicht gut sein
Und meinetwegen bin ich schlecht
Ich will mich nicht glücklich fühlen
Und meinetwegen fühl' ich mich eben traurig
Ich will voll sein
Voll für den Rest meines natürlichen Lebens
Weil, wenn ich voll bin,
Alles, was ich tue, richtig rauszukommen scheint

Ich will nicht gut sein
Und meinetwegen bin ich schlecht
Ich will mich nicht glücklich fühlen
Ich will mich nicht traurig fühlen
Ich will voll sein
Voll für den Rest meines natürlichen Lebens
Weil, wenn ich voll bin,
Alles, was ich tue, richtig rauszukommen scheint
Sieh mal, ich will nicht reich sein
Ist mir auch egal, ob ich arm bin
Mir egal, was der Polizist sagt
Ich werde das Gesetz brechen
Ich will voll sein für den Rest meines natürlichen Lebens
Weil, wenn ich voll bin,
Alles, was ich tue, richtig rauszukommen scheint

Sieh mal, ich verlang' nicht viel
Ich will nur König nach meiner Fasson sein
Frei sein als König nach meiner Fasson
Ich weiß, was gut ist für mich
Ich will frei sein, voll zu sein
für den Rest meines natürlichen Lebens
Erzähl' ihnen, wie ich mich fühle...

Voll für den Rest meines natürlichen Lebens
Weil, wenn ich voll bin,
Alles, was ich tue, richtig rauszukommen scheint
(aus "Retribution" von Clark & Hutchinson; Vortrag LAPSUS LIVE '90)

Auf dem Flug nach...

Es ist Nacht. Ich wache auf. In der Nähe sind magische Kräfte zu spüren. Ich ziehe sie an, erfasse sie. Mein Körper beginnt zu schrumpfen, ich werde eine Fliege. Die Flügel vibrieren, allmählich durchdringe ich die Dunkelheit, gewöhne mich an den neuen Blick, versuche zu fliegen. Leise surre ich zum geöffneten Fenster: 'Wind, Wind...', und schon entführt er mich, wirbelt mich durch die Luft. Sekundenschnelle - ein Aufprall. Ich rapple mich hoch, eine Fensterscheibe beendete meinen Flug. Noch weiß ich nicht, wohin mich der magische Wind getragen hat. Ich entdecke eine offene Spalte und krabble hindurch...
..."Ich muß jetzt fort." Und leise fliege ich zum Fenster. Dort packt mich der Wind und schleudert mich zurück in mein Zimmer. Zitternd sitze ich auf dem Fußboden.
Wo war die 'Fliege'? Wohin würdest Du gern fliegen? Ist diese mystische Geschichte schon von Dir ganz erdacht worden? Laß hören. Wir wollen öfter dorthin gelangen.       (aus ÜBERHAUPT 1)
Einsendungen mit Euren Flug-Aufzeichnungen (per DOS-Diskette wäre prima) bitte an Achim. Eine CD zum Abheben wartet auf einen von Euch. Macht den Flugschreiber!

Erde Luft Wasser Feuer

Erde, wurzellos verdorrend
Der Samen reich wie der Früchte
Und Vögel und Wolf uns zur Seite
Wie Sternendorn und Augenblicke
Erde, bewahre unsere Schwere
So gut ich kann
Meiner Lippen Kuß

Luft, unser Atem
Luft, die uns verbindet mit allem
Spürst du den meinen Sog?
Fühlst du den leichten Druck
bis ans Herz?
Luft, sei uns rein
So gut ich kann
Das erste, was unseren Lippen passiert

Wasser, Fluß unseres Lebens
Wasser, was uns durchdringt
Emporgehoben zur Sonne
Niedergefallen zur Erde
Wasser, sei uns rein
So gut ich kann
Das zweite, das unsere Lippen passiert

Feuer, unser Geist
Licht der Wahrheit
Feuer
Das dritte, das unsere Lippen passiert
Ist Feuer Nahrung
Verbrannt. Asche. Schlacke. Teer.
Feuer, ich fang' an, mich zu vergiften.

(aus ÜBERHAUPT 2)

Try and Error

Die dritte Ausgabe des Nachschlagewerkes "The Great Rock Discography" von Martin C. Strong ist seit kurzem in meinem Bücherregal; dank Zweitausendeins, die in mir sicher einen der guten Kunden haben. Im Buch selbst über 900 A4-Seiten voll mit Infos zu über 1000 Rockkünstlern in der Gliederung Formed/Born, Style, Songwriters, Trivia/Miscellaneous, Recommended, Members (Musiker, -wechsel), Discography (mit den Titellisten aller regulären Veröffentlichungen (!!!)) - zum Preis einer CD.
Mit irritierender Konsequenz und Hingabe hat Martin Strong sich der Aufgabe gestellt, alles wesentliche im Bereich Rockmusik nach einem straffen Schema, das trotzdem nicht auf rein 'technische' Angaben beschränkt bleibt, aufzulisten. Und die Suche nach einem bestimmten Stück auf einem (Wie hieß es noch gleich?...) Album gestaltet sich zu einer ggf. aufschlußreichen Odyssee, bei der man vor lauter Entdeckerfreuden leicht vom Weg abkommt.
Einige Zuordnungen (z. B. ist Joe Cocker kein Rocker, sondern nur unverzichtbar zu erwähnen) und Wertungen (zu jedem Eintrag gibt es bepunktete Empfehlungen) mögen mitunter Stirnrunzeln hervorrufen, einiges mag man vermissen (z.B. Fischer Z), trotzdem ist beim Vervollständigen des eigenen Tonarchivs eine bessere Hilfe kaum vorstellbar. Die Informationen liefern alles für sehr bestimmte Suchlisten für den Local Dealer.
Den Vorwurf der anglophilen Einäugigkeit schmettert Martin Strong mit einer Aufforderung zum Ändern ab: Wer an der Discography mitarbeiten will, kann das insbesondere per PC im Internet tun: http://www.4th-edge.co.uk/require.htm. Zur Zeit sind von Martin z. B. folgende Bands als noch nicht erfaßt genannt: RENFF, PHUDYS. Die internationale Zusammenarbeit wird gefordert vom Autor. Der Gefahr des Chaos sieht er tapfer ins Auge. Schließlich, so seine Argumentation, könne jeder die Fehler der anderen korrigieren; irgendwann müsse sich etwas nahe an der Wahrheit ergeben. Wie hoffnungsvoll.
Spinnt man den Faden weiter, so läßt sich träumen, daß auch Tonbeispiele abspielbar sein könnten. Songtexte, Covertexte, Kommentare der Musiker. Schließlich der Bestellklick samt Bankabbuchung, Verschuldung, sozialer Abstieg, Wegelagerei und Straßenmusikantentum, Talententdeckung , CD-Produktion, der Kreislauf schließt sich...
Um den Sinn der Überschrift nicht im Dunkeln zu lassen: Der Kauf aus dem Katalog, wo meist lediglich der nichtssagende Titel der Best Of-Sammlung steht, läßt sich mit der Rockbibel wesentlich unfallfreier gestlten. Versuch und Irrtum hat als Technologie ausgedient. Bei Martin steht, wonach sich die Suche wirklich lohnt.
Besonderes Leckerli ist die im Anhang aufgeführte Best Ever-Liste, die mit Stairway To Heaven den Überhit feststellt. Der Song hat ja auch was - für ziemlich jeden.

EINGEINNERT

von Roland:
(Ich bins oder ich bins nicht. Mir schien es zuviel der Anregungen, die da nötig waren. Obschon ich spät nachher beim Betrachten eines Fotos beschriebener Trommelnacht ahnte, was gemeint war mit den Dias: nicht das Ahmen sondern die Ahnen. Das Sichdazusetzen, das Sichdazuholen, das Miteinander statt des Nacheinanders. Ja, auch mit der Musik. [Genau! Warum höre ich denn was - ] Die tatsächliche Magie statt der gesollten. Obschon ich öfter denkträge bin, muß ich dann doch fragen, bin ichs oder bin ichs nicht.)
Und jetzt werde ich mich wiederholen. Was erinnert uns zusammen? Alle waren kurzgeschoren, alle trugen gleiche Uniformen. Wie war er dennoch auf den 1. Blick zu erkennen, der Hippie? Was machte das Gespür sicher? Die Körperhaltung beim Marschieren, die Komik beim Grußerweisen, die Klampfe auf der UK, die Abnormitäten in der Kleiderordnung, die Absurditäten der Kommentare, das leere Magazin in der Knarre beim Wachestehen, der Rekorder aufm Turm?
Nein, wahrscheinlich lag es doch eher in den Augen, in Gesprächen, also im Austausch. Und mit wem rede ich heute gern, warum. (Ja, nicht auslassen!: Heute?
Wie lebe ich?)
Es warist das, was dem Lebenstraum am nächsten kommt: Liebe und Freiheit. Ein Vertrauen, Vertrautsein, ein Einverstandensein, Freundschaft, in der nichts "geklärt" werden muß, alles teilen, ein Dasein ohne Vorbehalte, gemeinsam (er)leben: Singen, Körperberührungen, Schwingen, Rhythmus, Klatschen, Lauschen, Händehalten; in der Veräußerung beim Trampen, bei den Bluesmessen, in langen Haaren, auf Zeltplatzfeten, im Brandenburger Dom, aufm Standesamt mit Pink Floyd, in der Musik (Immer der Wunsch, selber spielen zu "können").
Ich hörte mal im SFBeat, 18.13, irgendwann in Züsedom (vom Ansager psychedelisch genannt und selbsterhörlich Hippietöne) Musik, die öffnete (während Pink Floyd eher meine inneren Miseren und Wünsche ins Licht setzt[e]) eine großartige, freie, ungewußte Weite. Ich würde wetten, es war Jefferson Airplane (es gibt auch heute nicht viel, was ich lieber höre), ein sich steigernder Chorgesang zum Schluß und zwischendurch. Na, ich war damals Lehrling, Lindenberg und so: also aus dem Off in der Gänze berührt. Die Art, daß viele Menschen etwas (eine Idee) gemeinsam singen, eine Ahnung von Glück, ein Schmerz der eigenen Begrenztheit, der Begrenzungen, die Gewißheit, daß Menschen zusammenfinden können, daß alles gut sein kann. Eingeinnert.

PLAN B

(...)
Was sollte ich an den Felsen? Ich habe nicht die Zeit, 17 Meilen. Nein, nicht in der Stunde, bis zum Ziel. Sagen sie. Glaube ich.
Hinterm Staub vor mir irgendwann wieder salziger Morast, Krüppelwälder. Nein, zum Krüppel wird sie meine Spur machen. Wenn ich eins mit dem röhrendem Ungetüm Vollgas gebe, Boden zermalme, Platz schaffe, Zeit gewinne. Für sie. Es gibt sowas wie ein Hauptquartier, irgendwo hinter mir an der Piste. Der Weg, den ich bahne, er ist gut. Ich habe da eine Karte und kriege ab und an neue Infos. Satelitenbilder, Befehle, oder ich fahre meiner Rauchfahne nach, ich muß vorwärts. Der Schild hat 2 Zähne verloren. Ich streichle mit den Fingern über die grimmige Bruchstelle, in dem Moment fahre ich zusammen, eine Frauenstimme aus dem Off: "Glaubst du wirklich?" Eine Hand schauert auf meinem gebeugten Rücken. Ich zerre den Sprechfunker raus, sprachlos: sie fragen mich, was ich brauche. Hier allein mit dieser Frau, einer Wilden. Die irgendwo in den Wäldern hausen, sie schreiben wunderschönes Zeug, es soll eine Menge aus ihren illegalen Dschungeldruckereien auf den Schwarzmärkten kursieren. Ich plättete vor Jahren, nein nicht allzulange her, ein kleines Haus nieder, Wildnis oder Garten, es waren noch so viele Meilen, Möbel, Kisten, ein Blatt Papier hing verdammt vor mir an der Scheibe wie festgesaugt:
        Wilder Nachtschwärmer
        Gebunden ans Papier
        Gedankenleer wird die Hand
        Schwer die Flüge zu dir
        Leicht zum Firmament
        In die Ferne Unerreichbare
        Und die Sehnsucht durch die Luft
        Und das Leben durch den Stift
        Morgen grauen vor der Liebe
Wie weiße Flecken Blutes im Multigrün der geraden Schneise. Du Lieber, du. Ein Schatten, ich fuhr zurück, breitete die Arme aus, ein Schuppen, Gesträuch, Bäume. Ausweichstellen gehören dazu. Zum Pistenplan. Gerade hier. Wieder zurück, Vollgas, ein Brummen, ein Zucken, wieder zurück, ich schrie, ich biß mir auf die Lippen, ich heulte in Schmerz Tränen, Blut, Schrei, ein Brüllen erstarrte mich bis zum letzten Quentchen zitternder Luft meiner Lungen. Auf dem harten Kühler, breitbeinig, es sah gut aus. Da wäre nix nachzubessern, wie sie dagegen immer behaupten. Ich pißte auf eines der verwehenden Blätter.
Grünes Papier, ein rotes Mal. Oh, ich erinnere mich: vor meinem ersten Gang ins Hauptquartier der Weg zur Vergatterung: die breite, baumige Allee, die Sonne wärmte tief auf mein Herz. Nein, tu es nicht - in meinem Kopf - es ist falsch. Und ich lächelte und schritt begütigend weiter. Ich wußte nicht, was das ist: ein Leben lang.
Die Arme auf dem Armaturenbrett, mein Kopf sinkt, Dunkelheit empfängt die Augen, es tut gut. Ich möchte mich nicht mehr rühren. Der Zündschlüssel, zieh den Schlüssel ab, denke ich, der Motor vibriert im Leerlauf. Mach ihn aus, denke ich kann nicht. Oder das Fenster, das Fenster muß zu, es stinkt, der Qualm, der Motor, ich bin so müde. Ein Geräusch, das nicht sein sollte, ich bin sofort hoch, inzwischen draußen die Dunkelheit der beginnenden Nacht. Ich mache den Motor aus. Es kommt vom Monitor. Auf dem Bildschirm ein Plastikplanschbecken mit nackten - da! die Tür! - Kindern. Ein Augenblick Einhalt, ich atme schwer aus. Das naßfrohe Spiel, laut und glücklich. Ein Kameraschwenk auf einen Jungen, der über (...)

Johnny

Johnny!
...Ja?
Johnny, ich glaub', der Mond dreht sich.
... ...Jaa!
Johnny, ich glaub', der Mond kommt runter!?
Ja!?
Aber Johnny, wenn der nun auf unseren Bungalow knallt und ... das Radio kaputt macht?
Oh!
(aus 'Planet der Traurigkeit')

Weiches Wasser

Sitze wieder auf meinem Bett, rechts ne Kerze und im Radio Janis Joplin.
Alles jetzt wieder unwichtig, ich fühle mich so allein. Ja, all is lonelyness.
Mein buntes, gesticktes Stirnband liegt dahinten irgendwo im Schatten. Mann, und vor nicht mal 5 Wochen hatte ich noch einen Stahlhelm auf! Vorhin wollte ich einen Brief schreiben, wie falsch mir die Sätze durch den Kopf höhnen, wie wenig stehe ich dahinter. Will es in diesem Sowieimmer ertränken. Liebe und Frieden. Mann, weggejagt haben die mich wie... wie einen Hund.
Ich habe überhaupt gar keine Chance. Dabei war es nur meine Liebe... Ja, was sonst hat mich auf dieses Dorf da getrieben? Ich begreife das nicht, ich kann das nicht glauben; einfach weggejagt. Und wie weit hatte ich zu mir gefunden!
Will mich niemand haben? Liebe und Frieden. Ja, das sind meine Träume.
Die ließen mich auch überhaupt nicht zu Wort kommen.
- Santana - im Radio, wollen die mich fertig machen? -
Ha, für alles offen sein - doch es tut so weh. Meine Träume, ich kann sie nicht aufgeben. Irgendwann muß man doch damit anfangen! Es ist doch nicht Kalifornien, das weiß ich auch, aber es ist Kalifornien. Furchtbar, jetzt an die Leere des Bettes zu denken, wie so sehr gern würde ich mich anschmiegen, meinen Leib, meine Seele, Wärme spüren, ein Herz.
Ja, und tanzen wollte ich auch so gern.
Wer trocknet meine Tränen? Aus einer Gemeinschaft schöpfen. Gab es niemals Hippies? Wie soll nur erst der Sommer werden! Diesen Hippiezeltplatz in Bulgarien gibt es bestimmt gar nicht. Und dabei war ein sagenhafter blauer Himmel über diesem Pfingsten, so wie in Kalifornien, als ich an der Straße stand, eigentlich klar die Vorstellungen der kommenden Tage. Und ich habe noch gegrinst die ganze Zeit. Wie blöde. Weggejagt.
Selbstbetrug, wo fängt der an?
- John Lennon 'Mindgames' - Wie soll ich das aushalten? -
Der Krieg ist zu Ende, wenn du es willst.
Wie die mich angestarrt haben, als ich anfing, zu springen und zu tanzen, bei 'Es geht voran'. Mir verging's sofort. So kalt. Aber da stand's noch auf der Kippe, diesen Augenblick, wo ich noch nicht aufgeben konnte, um nicht mich und meine Träume ganz zu verlieren.
Dieser riesige Unterschied, zäh sein müssen, sich nur auf sich selbst berufen können, Ungewissheit, Fragen, Sehnsucht, Bangen mitschleppen - aber: geht es nun bergauf oder bergab?, was?, hier stehe ich?, auch das muß ich noch ertragen? - oder eben Antwort gefunden haben, meine Liebe verschenken können, mit Haut und Haar dabei, nicht mehr zu suchen, sondern die Menschen gefunden zu haben. Mensch sein, was die wohl denken, was das ist? Allein.
(Im Radio:)
(A:)...Befragung Jugendlicher ergab...
(B:)...einige Gedanken zum Leben in der DDR aus der Sicht eines Trampers, meinetwegen. An jeder Auffahrt zur Autobahn, an fast jeder Stelle, wo man steht und versucht, ein Auto anzuhalten, in den Großstädten, an der Küste, in der Nähe der Grenze, in Sperrgebieten werde ich von Bullen nach dem Ausweis gefragt, auf Bahnhöfen. Ich werde mit Adresse und so aufgeschrieben, nach dem Woher und Wohin gefragt, wo ich arbeite, wo ich die Nacht verbringen werde und so. Die selbstverständliche, psychische Auswirkung: ich mache um jeden Bullen schon von weitem einen Bogen, wenn ich mal an einem vorbeigehen muß, weiß ich gar nicht, wo ich hinsehen soll, trete ganz wackelig auf. Sobald ich ein Bullenauto sehe, werde ich ganz nervös, fahrig, kriege Herzklopfen. Denn die ewige Fragerei, ja: Verfolgung bedingt ganz klar Schuldgefühle, Angst.
Schließlich nach gewisser Zeit das Bedürfnis, Situationen, die zur Begegnung mit Bullen führen könnten, überhaupt zu vermeiden: also zu Hause sitzen zu bleiben, sich völlig der Herde anzupassen. Folglich geht von den Dienstvorschriften der Bullerei die Verbreitung von Angst, totalen Hemmungen aus, eine zwangsweise Steuerung der Handlungen, eine Manipulation zu Verhaltensweisen, die in der sozialistischen Gesellschaft keinen Boden haben sollten. Ich gehe ja davon aus, daß die Vorschriften von intelligenten Leuten gemacht werden, die sich der Auswirkungen auf die Bürger wie mich voll bewußt sind. Also sind die Verbreitung von Angst, die Manipulation zu willenlosen Herdenwesen beabsichtigt, erwünscht. Eine Gesellschaft, in der einige Menschen die Macht haben, so auf andere einzuwirken, ohne daß die sich wehren können, ja selbst mit solchen geäußerten Erkenntnissen wie unglaubwürdig behandelt werden oder gar schon für solcherart Nachfragen bestraft werden, eine Gesellschaft, die also Duckmäuser braucht, hat nicht das Recht, sich sozialistisch zu nennen, hat das Recht verloren, von Freiheit oder Volksverbundenheit zu reden. Folgen die Fragen: Wie weit können die Bullen für ihr Tun verantwortlich gemacht werden, wer ist überhaupt Träger der Macht?
Unfaßbar, unerkennbar, unveränderbar. Eine Gesellschaft, die es nötig hat, ihre eigentlichen Machthaber so zu verbergen, hat nicht das Recht, sich sozialistisch zu nennen.
(A:) ...Oder etwa 2000 Jahre Christentum, wer hält an?...
Woodstock 14 Jahre später. So hatte ich's vernommen. Jeder sei willkommen. Und hatte alles dabei, was ich für die Tage brauchte, Schlafsack, Brot, meine Maultrommel, meine Liebe. Ja verdammt, wie zu meinen Brüdern und Schwestern!
Und dann haben sie mich hin und her geschickt wie auf ner Bullenwache. Ohne Ausweis kennt dich keiner. Scheiße! Und der, den ich mal auf ner Hardrockfete gesehen hatte, der erzählte mir dann was von Planung und Terminen und solchem Kram, aber eigentlich gab er mir deutlich zu verstehen, daß mich dort keiner haben wollte - natürlich die anderen - und ich besser verschwinden sollte.
Wir versuchen es. Scheiße auf's Wir. Wir wollen wie das Wasser sein - das stand auf ihren Fahnen. Und ich der Dreck, die Verschmutzung. Bricht für mich wieder die große Zeit des Schweigens an, da ich nicht mal mit denen reden durfte? So wie Blumen schweigen, zu nichts nütze.
Ich ahne schlimmes für's Leben, für die Gemeinschaft der Menschen, ihr Eisblumenkinder. Ja, ich bin häßlich, ja, ich habe keine langen Haare mehr.
Kein Platz. Inner Elite. Wie geht's nur weiter? Wie? Und ich dachte sogar, vielleicht finde ich dort ein Mädchen. So wie sich Lutzbus mal verliebt hatte.
Der paßt da rein, und ich nicht?
Ist das alles Gerümpel im Kopf, welches raus muß?
Trennen vom Glauben an eine immerbestehende Menschengemeinschaft von Offenheit, Vertrauen, Verständnis. Ich muß alle Menschen neu sehen, die "Hippies". Und die Lovesongs? Daran glaube ich doch, die träumt man doch nicht. Aber dieser Kälte war ich nicht gewachsen. Die spielten "Let The Sun Shine In", und ich ging den weiten Weg zur 109 zurück. Manchmal glaube ich, ich bin gar nicht von der Armee entlassen.
Sag mir, wo die Blumen sind. Nie werde ich schießen! Meine Freiheit ging mit den Wolken aus dem Dorf.
Was hat dieser eine Versuch wirklichen Lebens schon wieder alles zerbrochen von dem, was mir beim Überleben unterm Stahlhelm soviel Kraft und Tränen gekostet hat? Die stießen mich in Resignation, die lähmende. Weggeworfen wie ein Idiot. Weiches Wasser. Am Leben zerschmettert, ohne Abwehr.
Angst vorm Leben.
(Das war ein LAPSUS?, natürlich live 1983 und am Rande.)

T A N Z

Oh ja du, ich halte ein.
Ich halte still,
gestreichelt im grünblauen Gelichter
des Zeltes aus zusammengebundenem,
sprießenden Hanf, ein kreisender Tanz
des Lichtgefunkels erhellt uns empor.
Wir bleiben wach, wir verweilen wach.
So etwas wie geistige Levitation.
Das ist der Ur - Sprung.

Und dadraußen?
Im niedersinkenden hellblauen
Treiben schwarzkrause Wolken,
die dir durch die Hände gleiten.
Und du, dunkelverhangen,
wendest ab die Augen.
Oh und ich wende Wände im Nebel.
Wärst du Duft, der du bist,
ich berühre dein schwebendes Haar.
Schlangenhäute girlanden dich,
und kaum einen Lidschlag lang
wimpern Liebkosungen dein Entgleiten,
entschwindest du.

Wo liege ich und wohin?
Leuchtende Projektile fliegen
immer wieder gegen die Lider.
Sie verschwinden
in den winkellosen Räumen
fassungslosen Nichtgedachten.
Meine Wünsche entführen meine Sehnsucht.
Blau die Tropfenflocken
wölben sich und doch zu Boden.
Ich vereile.

Maskerade

Dem Schreiben von Ginger (s.o.) ist zu entnehmen, daß LAPSUS '97 durchaus mit einer Maskerade aufwarten könnte. Ob's gleich die große Matschkerade mit Ton werden muß, sollte noch mal in aller Ruhe überlegt werden. Pappe, Naturalien, Farben und Klebstoff tun's vielleicht auch, ohne daß gleich renoviert werden muß. Wer kriegt die lieben Kleinen schon gebändigt?
Anna hatte die Idee, diese Masken doch dann auch gleich für's Märchenspiel zu benutzen. Bei der Suche nach einem passenden (afrikanischen) Stück war sie bisher aber etwas erfolglos.
Vielleicht kann jemand aus der Leserschar mit einem heißen Tip dienen? Es sollte etwas sein, wo viele sowohl mitmachen als auch zuschauen können, und bei dem sich der Inhalt unkompliziert merken oder frei adaptieren läßt, ohne das die Handlung gleich chaotisch wird.
Wenn Frank seine Afrikareisen Revue passieren läßt und perkussive Instrumente und etwas Spiel- und Tanzfreude mitgebracht werden, so könnte doch ein Afrikanischer Tag samt Nacht dabei herauskommen.
Und für einige kulturhistorische Aufklärung zum Thema Masken wäre ich sehr dankbar. Hat jemand was in petto? Frisch ans Werk!
Mit den Entwürfen zu seiner Maske kann übrigens schon jetzt jede/r anfangen. Und das gewünschte Material dazu bringt man am besten selbst mit.

Schwein gehabt...

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