OVER
Nr. 13
Wie immer ist es, ¿unser? Fest, für mich noch nicht vorbei.
Und ich kann inzwischen auch dabeisein, wenn ich nur hier bin und kaum
zu sehen. (Weil mir in diesem Jahr einiges mehr an der Mitteilung eures
Empfindens liegt, schreibe ich etwas mehr.) Rückschauend hängen
noch zwei Krähtiken zum Lover 12 in mir rum.
Zum einen kann ich im Nach-Denken in Reginas "Nichtsnutze" noch weniger
Identifikation für mich sehen. Ich denke schon fast an eine bestimmte
Absicht, die du dabei hattest, ich hätte mir nicht einfach sowas anhören
können wie Achim während der Tage. Das zum Klatsch. Zum anderen
erboste mich die Quasifeststellung "LAPSUS LIVE 2000 in Senegal". Die Bedeutung
dieser Idee, nicht wahr. Jedenfalls fliege ich nur irgendwohin, wenn ich
auch den Rest dieses Lebens dableibe, das ist mal klar.
JedeR
konnte eigentlich offensichten, daß das Programm sehrher flexibel
war. Trotzdem wirkte es auf nicht nur Newkammer drückend professionell,
von ebensolchen Vorträgen noch unterstrichen. Was machen wir da? Jeder
Regung, Bewegung aus uns heraus Raum geben?
Live - na klar. Achten wir es bitte mehr, wenn wir vom Grund der Konserven
abheben und ins Feiern kommen, bis bei LAPSUS LIVE alle Uhren vernichtet
sein werden, die Programmzettel verbrannt.
Wann schimmerte es für mich aus den Zeitfalten, die wir um diese
Tage legten: des Morgens die einfachen Wunder des Himmels, einatmen, erlösen,
die Wärme des Daseins; im Anblick der Models vor der Modenschau, die
Musik dabei, die Echtheit jeder Begeisterung/Befühlerung, eine Enthobenheit
ins Ganze; in der tatsächlichen einen Nachfrage nach einem Text von
Plán B; in der denkenden, horchenden Annahme der Kontextfragen um
"Hat Liebe Sinn?" bezogen auf mein Leben; im bebilderten Kuß von
Regina und Dirk; im Rundblick vom Dach bei Handicap, diesmal paßte
die Musik ins Licht, in die Farben; weißgott: in deinen Augen, ein
goldwarm schimmerndes Rund in die Tiefe; doch auch im ausbleibenden Chaos
in unserem Zuhause (vergessene Klamotten nextmal) - ich brech's ab, es
ist nicht zu viel passiert, ich fand Boden unter den Füßen ohne
stundenlanges Stampfen (- wir hatten ja vorher tatsächlich die Sonnenraumdecke
mit Balken abgefangen angesichts der Mauerbrüche).
Die 2 Rekorde: 54 Lapsusen waren dabei und die Finanzen: es war echt
gut, wir hatten 120 Maak über, +80 von uns gingen an den BUND gegen
die A20. :Roland
Ich müsste ein bischen ausholen, zu erklären wie und warum
ich in Zarnekla war. Das würde jetzt glaube ich zu weit führen,
deshalb nur soweit, es ging mir zu der Zeit beschissen und ich wollte so
weit wie möglich von Halle und allem was sonst mein Leben bestimmt,
weg sein. Daher wohl auch meine Wut (Enttäuschung). Als es zum Lapsus
all zu normal wurde, ist das dann eskaliert.
Ich habe geschaut und habe gesehen. Schon die Zeit zuvor in Z. ist
mir aufgefallen, daß sich die Menschen niemals berühren und
dabei täte es so Not. Die Erwartung an das Fest war groß auch
seitens der regelmäßigen Bewohner, denke ich.
Dann ist aber etwas passiert, was ich bis heute nicht verstehe, ca.
fünfzig angereiste Gäste haben sich scheinbar einem Diktat unterworfen
und haben, statt zu tanzen miteinander Hippie-Therapie-Spiele durchgeführt.
Die Leute, die nach Pfingsten noch da waren (Imre etc.), wir haben auch
darüber schon gesprochen und es stellt sich heraus, daß alles
möglicherweise ein Irrtum war, was aber die Tatsachen nicht berührt.
Jetzt kann ich sagen, daß ich selbst nichts besser gemacht habe,
halte mir aber zugute, neu im Camp gewesen zu sein.
Der Rahmen einer Familienfete ist wohl längst überschritten
und ich freue mich, daß ich jetzt im Lover-Verteiler bin. Ich werde
also das nächste Mal wieder dabei sein und dann wird alles anders,
besser.
Es kann vorkommen, daß ich für die nächste Nummer noch
was schreibe. Vielleicht bis dann, ansonsten bis irgendwann, spätestens
Pfingsten 1998 Alles Gute Sven
Endlos
könnte hier weiter über den Sinn von Programmheften, freier Energieentfaltung,
über Familien- und Gruppenzwänge (eingebildete und wirkliche
- im Effekt nahezu nicht zu unterscheiden), hohe Latten und tiefe Absicht
philosophiert, sinniert, geschwafelt werden.
Seit meine Schatten in Kasernen toben,
Licht befohlen jedes Wort erquält,
was wellend, schillernd wie ein Ölfleckbogen
Halt verloren und tiefer noch entseelt.
Brücken geländert, Firmament dem Blick
verblieben oder anderen die ungangbaren Ufer.
Dazu Vermißtenanzeigen-schlecht geschrieben,
bin voll davon in Sammlerleidenschaft.
Schau an,
Wie toll im Aufundab der zähen Wässrigkeit,
bleib' ich wiederkauend
meiner Mutter wehleibende Zärtlichkeit.
Roland
Mai `97
Wenn das Wetter in Berlin auch besser war, bin ich doch sehr froh,
hier gewesen zu sein. Es war schön in Zarnekla, und ich war beflügelt
und begeistert. Eine schöne Atmosphäre, leckeres Essen (das bei
mir etwas weniger Blähungen als im Vorjahr hervorrief) und eine witzige
Bauernolympiade. (Meine BSB-Aufkleber habe ich immer noch; das Stück
Müsliriegel wurde sofort verzehrt.)
Besonders Reginas Vorträge waren wieder ein Augen- und Ohrenschmaus.
Franks Vortrag ließ mich die zugige Kälte des regnerischen
zarneklanischen Abends vergessen und machte Lust auf das heiße Afrika.
Die Live- Musik war zumindest für mich, die ich dieser Kunst leider
absolut nicht mächtig bin, wieder mal bewundernswert- ob es nun die
etwas perfektere Musik von Handicap war oder die von Hans`, Anjas und Michas
namenloser Formation.. So schnell haben die 3 noch nie an die Himmelstür
geklopft.
Und Ninas Gedichte waren stark.
Schade nur, daß das Tanzen zu einer Zeit stattfand, zu der ich
dazu nicht mehr in der Lage war. Tja, ich bin wohl aus der Form - früher
wären der Zeitpunkt und Müdigkeit überhaupt kein Thema gewesen.
Auf Quadrophenia hatte ich mich auch gefreut - aber das können wir
ja nächstes Jahr genießen??? Es war jedenfalls sehr schade,
daß der Beitrag ausfiel.
Wie ich mitbekommen habe, bekamen einige Lover- Leser Reginas kleinen
Nichtsnutze- Beitrag in den falschen Hals. Um also noch mehr Verwirrung
zu stiften, hier ein weiterer Beitrag zum Thema:
Bis zum vorigen Jahr war ich ein Nichtsnutz- zu nichts nütze als
zu einigen Küchenarbeiten. Warum fuhr ich jedes Jahr wieder zu Lapsus?
War ich nur Schmarotzer? Seit 10 Jahren Lapsusbesucher. Nicht Lapsusmacher!
Hart war die jährlich erneute Einsicht: Wieder kein Vortrag!
Und nun der bitterböse Text von Regina. "Nichtsnutze!" Ja,
das war das Wort, das zutraf- auf mich und alle, die bisher ebensowenig
geleistet hatten. Schließlich war Lapsus doch wirklich nicht zum
Erholen da! Ich fühlte mich im Innersten getroffen. Als ob ich
nicht schon selbst dieses Gefühl gehabt hätte- zu nichts wirklich
einen Beitrag zu leisten! Der Lapsus- Leistungsdruck war stark.
Nächte verschlief ich, und tagelang lag ich wach. Alles, was ich
tat, begann mit der Frage : Was wirst du zu Pfingsten vorzuweisen haben?
Oder sollte ich vielleicht krank werden?
Doch es geschah, daß ich trotz des Leistungsdrucks oder vielleicht
gerade deshalb, einen Beitrag fertig bekam.
Endlich fühlte ich mich wieder frei. Ich hatte etwas zu
sagen. Nicht nur einfach dasitzen und rezipieren. Nein, ich hatte sogar
eine Zeile im Lapsusprogramm! Nur für mich - nach 10 Jahren!
Ich war und bin stolz auf mich. Ich habe mich aus dem Nichtsnutze-
Schlamm herausgearbeitet. Jetzt gehöre ich dazu.
Das mußte ich einfach loswerden. Übrigens sollte vielleicht
eine Lapsus- Leistungseinschätzung eingeführt werden, damit jeder
auch gleich weiß, ob sein Vortrag der beste oder wenigstens besser
als ähnliche gewesen ist. Punktwertung mit A -und B- Note. Werde ich
jetzt zu böse? O.k., also Schluß mit den Sticheleien.
Noch was zu unserem Radio, das zu machen, zumindest Regina und mir,
großen Spaß bereitet hat.(Es wollte auf keinen Fall in Konkurrenz
zu dem Super-AnnaRadio treten und erhebt auch keinen Anspruch auf irgendwelche
Punktwertungen.) Ich habe gerade als der Regen kam, meine literarischen
Ergüsse zum Besten gegeben. Wahrscheinlich hat kaum einer was davon
mitbekommen. Deshalb sende ich kurzerhand den gelesenen Teil mit. Vielleicht
findet er ja einen Platz im nächsten Lover.
Tja, das wär`s dann für heute. Liebe Grüße an
Euch alle.
Ginger, Hans und Elisa
Intonationen beschlagener Brillen:
Ich bin verklemmt, die Zunge,
Die sollte meinen Nippel kitzeln
Und nicht lachen oder weinen.
Ja, aus der Pistole geschossen
die Kontur vor dir!
Was ist da zu entinnern,
Jeder Gewißheit erhaben.
Und alles Glauben ausgeräumt,
Bewältigung, liebend, ausgeträumt.
Ich schieße unglaublich gern
Mein ungezogenes und Los.
Roland
Wilder Nachtschwärmer
Gebunden ans Papier
Gedankenleer wird die Hand
Schwer die Flüge zu dir
Leicht zum Firmament
In die Ferne Unerreichbare
Und die Sehnsucht durch die Luft
Und das Leben durch den Stift
Morgen grauen vor der Liebe
Wie weiße Flecken Blutes im Multigrün der geraden Schneise.
"Du Lieber, du."
Ein Schatten, ich fuhr zurück, breitete die Arme aus, ein Schuppen,
Gesträuch, Bäume. Ausweichstellen gehören dazu. Zum Pistenplan.
Gerade hier. Wieder zurück, Vollgas, ein Brummen, ein Zucken, wieder
zurück, ich schrie, ich biß mir auf die Lippen, ich heulte in
Schmerz Tränen, Blut, Schrei: ein Brüllen erstarrte mich bis
zum letzten Quentchen zitternder Luft meiner Lungen. Das drang nicht aus
der Kabine oder hinter den Wald. Auf dem harten Kühler, breitbeinig,
es sah gut aus. Da wäre nix nachzubessern, wie sie dagegen immer behaupten.
Ich pißte auf eines der verwehenden Blätter.
Grünes Papier, ein rotes Mal. Oh, ich erinnere mich: vor meinem
ersten Gang ins Hauptquartier der Weg zur Vergatterung: die breite, baumige
Allee, die Sonne wärmte tief auf mein Herz. Nein, tu es nicht - in
meinem Kopf - es ist falsch. Und ich lächelte und schritt begütigend
weiter. Ich wußte nicht, was das ist: ein Leben lang. Alles wird
gut.
Eine der Fragen, die geworden sind: Aber wer denn? Aber werden. Das
heißt, es gibt keinen Ausweg.
Im Spiegel die alten, verzerrten Bilder. Bilder des durchhängenden
Seiltanzes zum Abgrund der Illusionen. Was geht los in jeder Stadt? Nur
ins Hotelwaschbecken gespuckt oder auf jedes Dach, jede Straße? An
der langen einsamen Straße der Tod des Tramps. Wie bitter wird der
Geschmack der Ziellosigkeit der verschlossenen Gegenwart? Freie Gedanken
und schrankenloses Empfinden der Berührungen des Augenblicks. Der
Morgen bringt das Heute deiner Gedanken. Immer unterwegs, nirgends zuhause.
Die Welt ist noch größer. - Soll ich mir das immer noch sagen/anhören?
Die Arme auf dem Armaturenbrett, mein Kopf sinkt in ihre Beuge, Dunkelheit
empfängt die Augen, es tut gut. Ich möchte mich nicht mehr rühren.
Der Zündschlüssel, zieh den Schlüssel ab, denke ich, der
Motor vibriert im Leerlauf. Mach ihn aus, denke ich kann nicht. Oder das
Fenster, das Fenster muß zu, es stinkt, der Qualm, der Motor. Ich
bin so müde. !: Ein Geräusch, das nicht sein sollte, ich bin
sofort hoch, inzwischen draußen die Dunkelheit der beginnenden Nacht.
Ich mache den Motor aus. Es kommt vom Monitor. Auf dem Bildschirm ein Plastikplanschbecken
mit nackten - da! die Tür! - Kindern. Ein Augenblick Einhalt, ich
atme schwer aus. Das naßfrohe Spiel, laut und glücklich. Ein
Kameraschwenk auf einen Jungen, der über den Boden zu einem Handtuch
galoppiert, "Guck doch mal den ganzen Dreck an deinen Füßen!
Du machst doch alles auf das Handtuch, alles saumistig!" - Wahn in meinen
Augen.
Ich muß den Ton leiser machen, es tut weh und war doch ganz anders:
[...]
Und nicht so weit weg, die haben's auch nicht lange gezeigt: Erschießungskommandos,
vermummt roten Overalls, kurzer Prozeß mit allem, was fett, häßlich,
alt war, dumm dreinschaute, die waren selten zu sehen und immer gegenwärtig.
Die Tür jeder S-Bahn lud sie ein. Einige mußten sie rauszerren
in die kurzen Feuerstöße ihrer Kalaschnikows, die meisten wußten
nicht, wie es ihnen geschah. Was machten sie mit den Leichen? Keine Ahnung,
sicher Schminke draus. Fakt war die genaue Erfassung der Wers, die exakten
Abmeldescheine, der schrumpfende Ausstoß der Produktion, die Verwertung
der Hinterlassenschaften, Aufräumen, Platzschaffen, kaum Lücken
von irgendwem bemerkt. Mitten auf dem Bürgersteig zu beliebiger Zeit:
wieder 13 Tote, oder es blieben 13 am Leben.
Die abwertenden, kurzen Blicke der Kommandos setzten jedes Gespräch,
jeden verzogenen Mund in Zeitlupe. Was? Ich?? Dann das stehende Bild der
Leichen.
Immer die anderen. Viel zu viele Waffen, die Chemie- oder Nahrungsmittelindustrie,
niemand blieb übrig. Die Erde entgiftet.
Warm läuft mir die Puller am Bein entlang, das eine ist eingeschlafen.
Immer wieder dieses brennende, als ob ich mittendrin versuche aufzuhören.
Das Wässerchen trübt keinen Boden, und ich werde nicht wach,
denk mal einer an.
Eine Gasse, an beiden Seiten stehen Tische aufgereiht, betürmt
mit Kuchen, Törtchen, Süßem aller Art, auf Tellern zurechtgeschnitten
zwischen Tassen und dem Handwerkzeug unendlicher Kaffeetafel, den Händen
von Frauen und Kindern, die an den Tischen stehen oder sitzen. Sie bieten
mir von allem an oder bedienen sich selbst wie ich. Ich finde kein Ende
in den Süßigkeiten, nasche an jedem Tisch, obwohl das sonst
von den Passanten kaum jemand macht, kein Gedränge. Die Gasse wird
enger, zum Gang. Bis zum Vorhang an seinem Ende. Ich lüfte ihn ohne
zu zögern. Dahinter steht mir ein Mann gegenüber, ist es dunkel,
leere Tische ohne Durchgang, an denen Männer und Jungen sitzen.
Wahrscheinlich mein Vater, mir zugewandt, als ob er was erklären
wolle, ich lasse den Vorhang fallen, nicht mal eine Sekunde lang. Halt
dich da raus.
Und ich muß weiter. Keine Frage. Was weiß ich, ob die Piste
schon wieder zuwächst. Jetzt ist alles aus. Was wußte ich denn
noch von früher? Jeder Baum, den ich gepflanzt habe: sie war dabei.
Ihre Hingabe wie greifbar. Die Spur der Tränen auf ihrer Wange.
Ich weine. Raus und ramme mir den Schädel an der Türöffnung,
ein wilder Orangenbaum: mit dem ersten Biß in eine Frucht erfüllt
mich ihre Frische, ihre Klarheit, ihr Leben. Es gibt nichts schöneres,
mit geschlossenen Augen, für unter meiner Haut. Ich habe sie geküßt.
Auch ihre Zähne waren kaputt. Sie wurde fast zum Kind, und ich erfuhr
zum ersten Mal vom Strudel, als ob es nichts anderes gäbe.
Den Monitor dunkel, er läßt sich nicht abschalten. Ich gehe
mit dem Schlafsack nach draußen. Mir rinnt der Schweiß, wie
Zerfließen, tropft mich unendlich leer, ununterbrochen in die gesteppten
Fasern. Mit jedem Tropfen werde ich wacher. Ohne Unterbrechung dröhnt,
rauscht, klappert ein Tageabbau, die haben keinen Plan, da kommt alles
weg. Schnur die Gerade, der Entwässerungskanal neben mir, ich liege
auf dem baumlosen Deich. Ich habe hier nichts verloren, sie war nicht da
gewesen. Es passiert nicht einfach. Der Schlaf verrinnt. Wozu sollte ich
jetzt hier schlafen. Der finstere Himmel. Wie Pickel des Industrietumors
der Umgebung die paar Sterne.
Wie ich lag, auf die Schwärze über mir starrend, belichtet
vom Natriumgelb der künstlichen Widerfinsternis hofdraußen,
das offenen Fenster noch dazwischen.
Ich konnte es nicht fassen, meine weiche Haut ins Nichts. Spüren
können, spüren wollen. War es nicht umsonst? Zusammengehören,
ein Glück. Und die nächste Nacht der übernächsten kam,
zart, duftend, fast vorm Schmelzen. Die Haut hat keine Oberfläche:
Unterräume, in die ich mich auflöse. Ich hielt den Atem an, winselte
ihn hin und her in die Nacht der übernächsten. Warum - wimmerte
ich. Bar. Und ich flehte den Tod herbei. Komm! So gerne. Nahe daran zu
erblinden.
Ich bekomme die Augen nicht auf. Ein Bergwerk öffnete plötzlich
Schächte einer untergegangenen Kultur. Atlantis. Die Forscher waren
außer sich, ich glaube, es waren deutsche, die da am Boden des Atlantik
nach Schätzen suchten wie Öl, Uran oder Kupfer. Im Vordringen
stießen sie sogar auf Stollen und hallenartige Bergbauten, die über
die Jahrtausende die Luft gehalten hatten. Offenbar wurde hier einmal Salz
abgebaut, offenbar hatten die Atlanter einige ihrer Kulturgüter untertage
vergessen, man hielt Funde in den Händen, wovon bislang nur geträumt
wurde. In einem der Gewölbe entdeckten sie gar hermetisch dichte Edelstahlbehälter
in einem halb geordneten Haufen, nur leicht angerostet.
Jeder einzelne von der Größe eines Busses. Man vermutete
und war sich doch eigentlich sicher, daß es sich um eine Art Archiv
handeln müsse, der Aufbewahrungsort von Gütern, die die atlantische
Gesellschaft überdauern sollten. Die ganze verkabelte Welt war dabei,
als einige der Behälter geöffnet wurden, man fand tonnenweise
Plutonium, weiteren hochgradig radioaktiven Müll und einen schnellen
Tod, was die unmittelbar Beteiligten betraf. Die Überlebenden sorgten
in verständlicher Panik für eine Havarie, infolge derer Atlantikwasser
in alle Schächte brach. Gewiß, nicht nur Deutschland. Ein Lapsus.
Ich hatte doch leise gedreht, will es denn nicht hell werden? Die Stimme
macht Sinn. Ihre Stimme. Ich habe die nicht gesucht. Ich folge dem Klang.
Sanft und klar, etwas sehr liebes. Und dann ist es in mir.: wie ich richtig,
bin ein Klangkörper. Ich will ihr gehören. Meinen Namen. Die
Stimme wischt mich aus dem Schleier, so nah, so will ich leben. Dein Raunen
holt mich dein Atem ins Leben. Wo werde ich sterben? In deinen Armen allein
im Wald von Ketten zerrissen. Kein Fluch holt mir dich her.
Ich fluche. Mein Gott, diese Ödnis! Na klar bin ich da, ihr Hornochsen!
Spart euch endlich den Peilstrahl, meint ihr, ich haue ab? Ich verschwinde.
Ich soll wieder warten. Für irgendwas bereit sein, was sowieso
nicht geschieht, ich habe so oft gewartet.Vielleicht merken sie es nicht
einmal, es fehlt einfach ein Zeichen, wie es weitergeht, sie blenden mir
den Plan aus.
Kriegen die ihre Satelitenschüsseln nicht gedreht? Ich hänge
in dieser Affenglut, und es geht zur Neige, es geht zur Neige, es geht
zur Neige. Ihr seht bloß das beulige Dach, den abgewetzten Schild,
die zerknitterten Reflexe der Scheiben. Ich bin hier! Ich bin Hier! Ich
brülle aufs Pedal, schwarz sprüht es aus dem Auspuffrohr wie
Schatten und schon verflogen. Die Ketten zittern im Stand, der Staub zittert
mir zu.
War ich je tanken? Ich fuhr doch los. Es ist immer genug da. Wann brach
ich je zusammen, und wie ging es dann weiter - meine nimmer leeren Tanks.
Ich muß mich an sie erinnern oder eben das Pedal runtertreten. Füßeln.
Sobald ich den Fuß niederdrücke springt der Zeiger ins weiße
Feld.
Keine Hand frei. Was sonst. Ich kenne das, weiß das schon tausendmal
und mehr.
Aber bevor der Nachtnebel in die Luft tritt, schwingt sich das Wimmern
der Eulen an meine Rinde. Tränentropfen aus der gequetschten Pflanze,
will ich dadurch. Der Gang klemmt, die Sperre: erst anschnallen. So was
ist hier nicht drin. Auf festem Grund, Schicht um Schicht der Krüppelwälder,
der Wind treibt Sand um Sand um Salz über die Ränder, mir aus
den Augen, Edelsteine wie Perlen aus der Kinder Augen, mir aus dem Blick.
Endlich färbt sich der Boden rot. Ich bin unten. Im Rückspiegel
oder draußen der Qualm, ich drehe mich um, der Wind legt den Sand
und nimmt den Rauch. Plötzlich ruckt die Raupe vor unter mir, mein
Fuß war von der Kupplung gerutscht, ich fege herum, reiße mir
die Haut am Sanikasten am Unterarm auf. Gang raus, ich fleddere irgendwas
aus dem Kasten, den Motor aus. Der Zeiger sinkt übers rote Feld ins
Leere. Ich mache den Schritt raus, falle in den Sand, halte mir den Arm,
mir ist so schlecht. Hört das nie auf? Sie redet mit mir.
[...]
Ich konnte nicht, diese Unschuld, dies zarte, wehrlose, dies Raschheit
fordernde, Sachtheit, Behutsamkeit. Das Gefühl, zu verletzen, da nicht
hineinzugehören.
Trotzdem, sie wissen nicht, wovon sie reden, wenn sie von der Sublimierung
ins Geistige sprechen, denn das ist nicht alles. Du mußt mir nicht
sagen, daß ich das meine tun sollte. Du mußt mir nichts sagen.
Und dann bin ich weg. In meiner Mördergrube verschwunden.
"Laß dich berühren." Ach weißt du, ich steh hier nur
mal so in der Gegend rum.
Ich schalte mal ab. Ich schalte mal an. Ich kappe mal eben die Verbindung
und schweige hinterm Hunger. Wirklich vollgefressen.
Das sollte eine Oase sein. Ein Unterschied. Eine Insel im beginnenden
Chaos. Ein Gewächshaus für unsere Kinder. Wie kann ich sie nur
fallenlassen. Was denke ich ihnen? Was tue ich ihnen? Was bedeute ich ihnen?
Ich war drinnen. In ihrer Haut. Ihre Ohren. Und? Ich fahre weiter. Wieso
bin ich allein? Das Blut sickert durch.
Ich schaue kurz auf den Kilometerzähler, ich habe es in der Hand,
ich drücke den Pickel aus. Der ruckt: 8 - 9 - 8 - 9 - 8 - 9, der will
nicht weiter.
Niemand fragte, wie oft die Ketten keinen Halt fanden. Durchgedreht.
Man sah die Spuren und Klappe zu.
Sie wollten mich in ein Heim schaffen die nie, und dann waren alle
Wege abgeschnitten, als ich aufblickte. Das Wärterpersonal war sich
stillschweigend einig: der kommt hier nie mehr raus. Ich weiß nicht
mehr, wer es war.
Mitgefangene: Kinder, Jugendliche, Alte. Im Gegensatz zu diesen fehlte
mir nichts, ich war völlig unversehrt. Für mein offensichtliches
Einsperren gab es mir unbekannte Gründe. Mehrere Etagen, ich wollte
natürlich abhauen, die Kinder wollten mir, so gut sie konnten, helfen,
schwach, wie sie waren. Ganz stark.
Da war ein Erdkeller, baubiologisch - der Therapieraum. Ökodorf
mit Gummizelle. Fördern. Pausenlos leben. Sieh dir meine Stirn an.
Trotzdem ich die Sonnenblende runterhabe. Denk nur. Wenn das nötig
ist, wie dünn ist - ich kann's nicht mehr erwarten. Mein Sonnengeflecht
zieht sich zusammen, strömt aus, mein springender Punkt, die Klarheit
meines Lebens. Ich war frei und wurde gemocht. Ich wollte nicht fliehen
wie nötig. Ich war für sie da. Sie war für mich da. Wir
waren frei zum Jasagen. Mein Zuhause öffnete sich in ihren Gesten,
ihren Bewegungen, ihren Worten, die Berührung unseres Eingefühltseins.
Scharnweberstraße 17, sagte sie, als sie meine Wehmut verließ,
die Liebe blieb. Nach etlichen Tagen stand ich davor. Flugzeuge gingen
nieder, mir blieben 18 Minuten Zeit. Ich konnte den Tag nicht verlassen,
aus dem Traum in das Wunder. Etwas greifbares, einen Laut für mich,
aus den Augenwinkeln in mein Herz - . "Na komm!". - Ich werde sie immer
lieben.
Zum Jemand geworden, vor Augen mein Zeugnis voller 5en. Es werden trotzdem
mehr: Ich kann mich nicht rühren, starre auf die paar Meter, die mir
heute reichen würden, es wäre so einfach - aber und dann? Würde
ich weiterfahren.
Sie haben mir das alles nochmals detailiert gezeigt: da hätte
ich nicht so tief dürfen, einen Sumpf eröffnet.
[...]
Jahre später, oh, ich hastete durch die Stadt, nicht zu spät
zu kommen, ich verschwitzte den Regen in meinen nassen Sachen. Immer wieder
unfallfrei - zwischendurch. Die Stirn frei, das reichte,wenn's in die Augen
brannte.
Achscheiß, der Laden! falle ich ins Laufen, fast vergessen, schmerzen
die Beine. Wir hatten die Fassade fertig. Ich hatte den Einkauf fertig.
Mich macht die Hundescheiße am Schuh fertig. Oder? Die Treppe hoch
im Doppelschritt, morgen anders wie gestern. Ich höre schon, meine
gute Kondition und lerne das Zittern.
Ich schau kaum mal zum Monitor. Es ist so vieles passiert. Bilder aus
Deutschland, seinem Norden. Gitterstahl, Strommasten in unabsehbaren Reihen
lückenlos im Küstenbereich. Die Leitungen straffen zu Boden,
verankert, alles mit Tarnnetzen aus Armeebeständen behängt, mit
Plastiknetzen, sicher recyceltes Zeug, vom Boden bis zu den Quertraversen
dicht genug für Wind und Kletterpflanzen. Windschutzzäune. Sie
scheinen überdimensioniert. Aber es sind Orkanschutzzäune hinter
den neu aufgeschütteten Deichen hinter Hamburg, hinter Stralsund.
Oder davor, ich will das besser nicht wissen. Solche Ideen haben die da
wieder genug, was sollten denn auch die unzähligen Hochspannungsmasten
weiter sinnlos den Horizont im Land zerstückeln, kaum noch Kraftwerke
am Netz, trotzdem chancenlos dem nahenden Gau geliefert. Vulkanausbruch
im Rheinland, wer hatte das gedacht. Schnell waren die Deutschen jetzt,
nicht mehr auf den Autobahnen, nein, da wollten sie nicht mal eine als
Museum erhalten. Die Bundeswehr flog die Masten mit Hubschraubern. Auch
Blauhelme waren dabei, seit die UNO Deutschland zum Katastrophengebiet
erklärte, was es lange vorher war.
Wie man es nimmt. Die 6 m hohen Zäune an den Grenzen im Osten
jedenfalls lockten niemanden mehr zum Überwinden. Die Grenze hatte
sich an die Küste verlagert, Sylt war verschwunden, Hamburg genommen,
die Deutschen traten gegen die Natur an, man sagt, sie wußten das
nicht. Es ist grün auf dem Bildschirm.
Hinter jeder Mastenreihe trotzen die Aufforstungen, halten sich Baumschulen
für den Rest.
Im Osten halfen lange Zeit Infrarotsensoren, Bewegungsmelder, Minenfelder,
Stacheldraht, Starkstrom. Sie hatten etwas länger nachgedacht, was
sie gegen Stürme, gegen Fluten einsetzen würden. Und bekamen
freie Himmel über ihrem Land. Für wen? Die Grundeigentümer
an der Küste mußte die UNO enteignen. Außer die, die jetzt
Unterwassergrundstücke hatten. Meine Trasse, wenn sie zum Meer führt
- ich weiß nichts über die Höhe, ich habe es vergessen.
Viel Spaß! Wie ich diese Worte verabscheue, die bodenlose Blödheit
dahinter. Es geht alles in Arsch, aber hauptsache auch dabei noch viel
Spaß. So blind.
Nur noch Hülse, was soll die schon merken. Ekelhafte Floskel:
Viel Spaß!
Bleibt mir damit weg!
Dieser Morgen ist licht - die Hosen hoch, die Hosen hoch! Verkehrt
rum, egal! Ich stolpere los, ich verstehe kaum, wo muß ich hin, es
ist schon geschehen, frag' nicht, denn es wird anders.
Wo ist das Ende, wo ist der Weg dorthin? Ich bin zu langsam, ich hänge
rum.
Ich höre nicht mehr, ich habe Angst. Vor dir, vor den heitren
Himmeln. Ich bin am Ende. Ich hatte keinen Weg, war nie unterwegs. Ich
gehorche nicht mehr, mich treibt nicht die Angst, womit ich das verdient
habe. Jetzt an den Kindern, Schikane, Schicksal, geschickt. Habe ich getrauert,
um die Idee, mein Lächeln, meine strahlenden Augen? Als ich ins Leere
lief. Ich hab's vorgeweint. Verstehste eben nicht, in Ordnung, aber mir
dafür ins Kreuz zu treten - erwarte keine Gnade. Ich werde mich später
rächen, und ihr werdet da sein! Ihr Bösen in der Überzahl
meinem Manko an Güte. Wieviele denn noch? Bin ich denn nie an der
Reihe?
Laß mich los! Du sollst verschwinden! In die NebelFinsternis,
ja? Ich würde nicht zurückfinden.
[...]
Klar. Als ich mich für irgendwas verteidigen sollte in der Runde
beim Stamm, "Arschloch!" war alles, was sie für mich übrig hatten.
Und was passierte denn mit euch? Habt ihr die Zahlen für Neid und
Mißgunst? Für die Ängstlichkeit, sich in der Reibung zu
spüren und überhaupt sichtbar zu werden? Was ist das Werden?
Was wird denn da? Anders als Flucht! Weggehen oder die anderen weg brüllen.
Man richtet sich ja ein, nicht wahr? Na klar, ihr habt den Strudel nicht
gesehen. Ich muß aussteigen, wieder ein Baum, die Krone will nicht
rutschen. Der Horizont der Waldkontur gleitet hinüber in eine gelbbraune
Wolkenlandschaft. Ich muß lachen: Gott und der Herr schieben mit
ihrer Raupe die Wolkenmassen vor sich her über mich hin. Du brauchst
das nicht glauben.
Niemand. Wen ich gesehen habe? Meine Brüder. Überall auf
diesem Planeten, die Hände in der Erde. Geblieben. Die im Wesen eine
Bestimmtheit tragen und offensichtlich - nicht zu ertragen, nicht wahr?
Ich frage nicht lange.
Na, die auch nicht. Wieder der Plan ausgeblendet. Und draußen
steigt der Nebel aus den Pflanzen in die Finsternis. Es geht nicht weiter,
ich muß mir was zur Unterhaltung auf den Schirm holen. Obwohl, der
ist ernst gemeint: ein Lehrfilm zur vorbereitenden Schulung von ABM-Kräften.
oder war das gewollt?
Gibt es noch solchen Geist?: Der Ton lief etwa 1 Minute vor den Bildern.
Es war zum Totlachen, das sinnlose Gequatsche entlarvte noch jedes Handanlegen
in seiner Dummheit, seiner Leere. Ich sehe sie noch im nächsten Traum
vor mir, eine Frau und ein Mann, nicht einmal habe ich richtig getippt,
welches Bild ihren Worten folgen würde.
Das ist selten, daß die mich wecken. Mich graust der Ton plötzlich
in die Kabine zusammen. Ich bin schon länger wach. In der Frühe
konnte ich aus einer Quelle trinken, sie strömte ihr Wasser fast zum
Fenster herein. Mutter Erde stillt mich. Lange kann ich nicht weiterfahren.
Die Stille. Was meint sie? Es wäre genügend da? Das Wasser, mit
Beeren besäumt, der Schatten einer Jackfrucht in der Höhe der
alten Bäume nimmt der ganzen Raupe die lackende Farbe. War ich glücklich?
Mit einer davon kam ich mal 4 Tage lang aus. Ein köstlicher Frieden.
Ich muß die Augen zu machen, um den Zündschlüssel zu drehen.
Der Qualm, der Lärm, erschüttert stürzt die Frucht hinab.
Na los.
Rechts und links ist alles dicht. Gestrüpp, Granit, riesenhafte
Bäume. Vorm Schild türmt sich das Erdreich auf. Ich brauche einen
zweiten Anschub, um ein Stück vorwärts zu kommen. Ich rutsche
mehr zurück, als das ich fahre. Ich muß nun bereits vier- fünfmal
an den Berg, der vor mir wächst. Die Piste, hier darf doch kein Hügel
sein. Der Monitor: eine Raupe, gelblich staubbedeckt aus der Vogelperspektive,
eingeschluchtet in unabsehbares Dickicht, am Ende eines geraden Weges,
immer und immer wieder den Berg vorm Schild angehend, von einer Verschiebung
ist so gut wie nichts zu erkennen, Weiterkommen - soll das ein Witz sein,
wollen die mich irre machen? Ha, der Sprechfunker macht keinen Pieps mehr,
das kann doch nicht wahr sein! Die sollen dieses bescheuerte Bild wegnehmen!
Ich will das
nicht sehen. Ist das - das Meer? Ich werd' nochmal blöde: Mir
rutscht ein großer Felsbrocken langsam entgegen, Scheiße!,
Vollgas, ich zerre das Tuch vom Hals, breche die Fensterkurbel ab, ist
mir heiß! Den hatte ich doch schon! Er schrappt an den Schild, ich
laß das Pedal nicht locker, ein Blick auf die Treibstoffkontrolle,
ein Glück, fast voll, Vollgas dröhnt die Kabine, zittert der
Knüppel in meinen Händen. Ich spüre, wie die Raupe langsam
versinkt, sich merklich einwühlt. Ein Ruck, ich gehe mit dem Gas runter
und die Ketten fassen irgendwas festes, ach den Baumstamm von gestern.
Der Block bewegt sich wieder nach oben.
[...]
Ich muß aufpassen, daß er mir nicht über den Rand
entgegen kommt, so schnell käme ich nicht raus hier. Ich kann kaum
sehen, wie weit es noch ist. Dann, endlich kippt mir der Horizont in die
Augen, und ich lasse die Hände sinken: ich sehe den Strudel. In mir
erstirbt jede Bewegung.
Der Felsbrocken vor mir rutscht unaufhaltsam hinab, nicht weit vor
mir knicken plötzlich Bäume weg, legen sich in ein langsames
Gleiten. Rechts kippt ein riesiger roter Stein aus seiner Lage wie in einen
Sumpf, der keine Eile mit seiner Mahlzeit hat. Was brülle ich?: Zurück!
Wieso geht der Rückwärtsgang immer so schwer? Ich krache gegen
ein Stück Felswand seitlich. Oh nein! Die gibt kippend nach! Warum
geht das nicht vorbei - ach Mann, den Schild hoch!
Gleichzeitig zuckt durch mich ein Ruck, ein unabänderliches Rutschen,
die Raupe dreht sich zur Seite, es geht abwärts. Kaum noch kriege
ich die Tür auf.
Raus! Mein Gott, geht das schnell. Ich klammere mich ans Dach, stehe
auf der Kante des Öltanks. Da hinten ist sogar Feuer, da dreht sich
was im Kreis, ein leeres Faß. Ringsum wird der Horizont gefressen.
Der Motor säuft ab. Klar und warm scheint die Sonne.
[Und Du erzählst/schreibst mir bitte,
wie es weiter geht!]
(Später:)
Es ist ziemlich voll, aber alle sind nicht gekommen. An der Tür drängeln
sich welche, wohl unentschlossen, ob sich das Bleiben lohnt. Es ist erstaunlich
still. Dahinten steht ein offener Koffer mit Körperfarben drin, Mangold
wühlt darin rum, lacht jemandem zu. Dietmar kommt. Rasch. Er legt
ein grünes Samttuch auf den Hocker davorne. Und jetzt ein langes Messer.