OVER Nr. 15


LOVER Nr. 15

(erschien 05/98)

Auszüge:

[Rockinsel] - [RE ¤ act ¤ or] - [Basar] - [Drucksachen] - [Schwanengesang] - [Essen mit Pfiff] - [Rich Hopkins] - [the Who] - [A Subtle Plague] - [Yes] - [Konkurrenz in der Liebe] - [Chris Cacavas] - [Preisausschreiben] - [Frauen] - [Neujahrsansprache] - [Erde] - [Weiszt du noch] - [Elend] - [Fanta&Sie] - [Chelsea] - [RE ¤ act ¤ or #2] - [Pannach] - [AntiWorten] - [PerFormMensch]

LOVER No.15

R O C K I N S E L

Könnt ihr's schaffen bis zur Insel des Rock?
Inmitten der Meere aus Zeit & Geschäft?
Im Zeichen des Feuers zurück durch die Zeit,
magnetische Ströme umfließen mich... Spannung...
Laser Sonar Quasar Pulsar
Mit Photonen beschossen.
Öffnet eure Herzen! Öffnet eure Hände
und schafft eine musische Landschaft, einen Park der Liebe!
Klärt euren Geist und berührt das Dunkel.
Kommt schon! Wir gehen runter, tiefer, runter!
Zurück nach Hause!

Wir lustwandeln im Park, huschen ins Dunkle,
- keine Sorge um die Drogenfahnder -
ihr wißt, wir sind hier zu Hause und frei...
Und wenn ihr es bis zur Insel schafft, zur Rockinsel,
alles, was ihr erkennen müßt, ist,
euer Leben selbst zu bestimmen.
Tut es im Sonnenschein des Mai, es ist zauberhaft!
Ihr werdet nie wieder so high, auch wenn ihr's versucht!
Bassige californische Rockmusik lädt euch auf.
Und wir gehen runter, tiefer, runter,
wir müssen unsere Wurzeln wiederfinden.

Ihr werdet nie echt high, wenn ihr's euch vornehmt.
Ich war noch nie so high, wenn ich mich anstrengte.
Ich war noch nie so high, aber ich versuch's.
Ich werde nie echt high werden, wenn ich's versuche,
ihr wißt, ich versuch's.

Fühlt, wie wir kommen...
Und gehen und kommen...
Fühlt, wie wir singen...
Ein elektrisches Vibrieren in deinem Körper...

Könnt ihr es schaffen zur Insel im Mai?
Nördliche Winde treiben hinter dir her.
Schaffst du es bis zur Insel?

Komm, schau dich um, sag' mir, was du siehst,
sieh, die Leute schauen auf dich, schauen auf mich.
Auf die Liebe.
Wir sind lebendig, und wir wissen das.

Was wir sind, und was wir sein werden,
läßt sich nicht zerstören, nicht bis ins 29. Jahrhundert.

Wir haben erst angefangen zu wachsen, wißt ihr,
eben gerade begonnen zu wachsen und zu werden.
Du wächst, wir sind Sämlinge der Sonne.

Wir gehen runter, tiefer, runter,
zurück nach Hause.
(Jefferson Airplane 1971)

RE ¤ act ¤ or

Post war DADA, hurra. Von und für die Waldbürger? Ohren hängen lassen? Kein Stück. Ohr leihen? Klar. Augen schmausen sich über die Seiten in neuer Größe. Und endlich mit Preisausschreiben! Wenn nur die Fragen nicht so schwer (und verfänglich) wären. Meinen Tip habe ich trotzdem abgeschickt, schon damit Roland seinen Trödel los wird. (Und so vielleicht mehr Platz hat für den MacApple.) Bin neugierig geworden auf Nicos letzte Mitschnitte. Dank auch für die anderen Hörtips. Als bescheidenen Beitrag und aus lauter Vorfreude auf die Reprise schicke ich einige eingesammelte Kritiken zu Quadrophenia. Vielleicht ist Platz dafür. Ingolf
Die Tage sind gezählt, und ich freue mich wiedermal drauf. Auch wenn ich allein bin, weil ich nicht ganz allein bin. Ich finde es an der Zeit, für eine gute Tradition zu danken, die sich entgegen den Ausnahmen behauptet, damit sie auch weiterhin nicht vertrunken wird: die Alkoholfreiheit unserer Veranstaltungen. Fusel, Met und gleiches Meer - für die ist kein Raum der Sonnenraum und kein Raum im Haus. - Und sehr dankbar bin ich wieder für die selbstlose Hilfe ums kristliche Ostern herum hier in Zar Nektar in Haus & Garten! Auch wenn was auf der Seele lag oder zu liegen kam. Aber wer hört schon immer seine innere Stimme. Wer frei für die Liebe ist. Wer? Die Liebe fragt nicht? Eben. Roland
P.S. Redaktionsschluß für den LOVER 16 ist der 27. Juni! Und ihr ahnt schon: Bücher, MC's, LP's und so bereut er gibt es immer noch für Leserpost!

B a s a r

Biete
Abholen vom Bahnhof Rakow gegen Mitteilung der Ankunftszeit. Roland

Verschiedenes
Halb versunken, halb gespannt,
hinterrücks die Blicke der Gaffer,
halt ich sie fest in meiner Hand
die 1. 4 Buchstaben des LOVER.

Das prickelndste aus Seelenküchen,
kaum druckfrisch geilt es jeden Raffer,
Herzen, Schmerzen, Wahrheit, Lügen -
wer macht den besten LOVER,
egal, ich will ihn kriegen.

Ich lieg aufm Sofa,
trampel das Mofa,
fühl' mich wie 'n Doofer,
bin aufm Schwoof da,
oder 'n ganz Braver,
deutsch oder englisch:
I want the LOVER!

Drucksachen

"... in der DDR wurden ja immer schon sehr viel mehr Bücher pro Kopf gelesen als in der BRD. Oder wenn ich an die Menschenmassen denke, die sich jetzt wieder über die Leipziger Messe geschoben haben, sowas finden Sie in dieser Form etwa auf der Frankfurter Buchmesse nicht."
Dr. Johannes Weberling, Geschäftsführer von "Das Magazin"

Schwanengesang

Swans - * 1982 in New York; † 1996.
Die Swans waren nie ein 'hörer-freundliches' Unternehmen und konnten einfach als bedrückend negativ kritisiert werden, aber zu ihren Hochzeiten waren sie eine der radikalsten Bands im Rock und ihr einzigartiges Experimentieren demontierte die Form bis in ihre Grundmauern.
Als besessenes Projekt des Sängers Michael Gira wies die Band zahlreiche verschiedene Besetzungen auf, beginnend mit einer durch Norman Westberg (git), Harry Crosby (bass) und Roli Mosiman (perc) komplettierten Truppe. Ihr erstes Album, Filth (1983), schweißte knirschende Gitarren auf berstende Perkussion, um zumeist das gequälte Knurren von Giras Stimme zu ersäufen. Es war unversöhnliches Zeug, obwohl noch als Rockmusik in einer verstümmelten Form identifizierbar.
Michael GiraJarboeMit der Unterschrift beim britischen Label K.422 1984 veröffentlichten Swans eine EP, Raping A Slave, und ein Album, Cop. Beide lieferten die ersten Anzeichen ihrer dekonstruktiven Richtung. Dies war Rock verlangsamt bis zum nahezu gefrorenen Stillstand und reduziert auf die grundlegendste Komponente - den monolithischen Akkord; knapp noch als Musik wahrzunehmen, war es wie Zeitungspapier vergrößert bis zur Unkenntlichkeit. In Sachen Lyrik präsentierte Crop einen Alptraumtrip durch ein düsteres industrielles Ödland, endlose brutale Szenerien ausmalend.
1986 repräsentierten die zwei Alben Greed und Holy Money sowie die zwei Singles "Time Is Money (Bastard)" und "A Screw" konzeptionell ein einziges Projekt, in dem Giras Lyrik der Vision nachging, daß alle sozialen Existenzen verschiedene Formen der Sklaverei sind. Mit dunklem Piano und der geisterhaften Sirenenstimme Jarboes im Sound der Band, schienen diese Aufnahmen ein neues und fremdes Medium zu konstituieren, konstruiert aus den Bruchstücken des kollabierenden Rocks.
Swans extreme Weltsicht paßte zu ihren mörderisch lauten Live-Outings, festgehalten auf dem Album Public Castration Is A Good Idea (1987). Tatsächlich waren ihre Shows von Gerüchten begleitet, daß die pure Lautstärke einige Zuschauer zum Brechen brachte. Unterdessen tauchten unerwartete Anzeichen von Schönheit und Zartheit in Stücken wie "Blackmail" auf, Jarboes zärtlichem Wiegenlied über die Wonnen der Hingabe. Diese Elemente wurden ausgebaut in einem Nebenprojekt unter dem Namen Skin. Aufnahmen von Ende 1986 wurden als zwei separate Alben veröffentlicht - Blood, Women, Roses (1987) und Shame, Humility, Revenge (1988). Den Minimalismus der Swans bewahrend, aber akustische Instrumente gebrauchend, präsentierte Skin einen exotischen, jenseitigen Gesichtspunkt zu deren Brutalität.
Die Lektionen, die man bei Skin gelernt hatte, machten sich auf Swans' 87er Doppelalbum Children Of God bemerkbar, welches die hämmernde Schwere ihrer frühen Arbeiten mit leichteren, zumeist traurigen Teilen kombinierte. Das Album repräsentierte eine Erweiterung ihres Sounds, obwohl in diesem Prozeß einiges ihrer Kraft unvermeidlich verloren ging.
1988 verblüfften die Swans sowohl Fans als auch Kritiker mit der Veröffentlichung einer akustischen Coverversion von Joy Divisions "Love Will Tear Us Apart" im Folkstil, auf welcher Gira auf seine vorherige Avantgarde-Neigungen zu Gunsten von der Art Totems (Authentizität, Seele, 'Der Song') verzichtete, denen sich die Swans offenbar stets widersetzten. Ein weiterer Schritt Richtung Konventionalität kam 1989, als sie bei MCA unterschrieben und das relativ traditionelle und geradlinige Album The Burning World veröffentlichten. Entfernt nach Leonard Cohen klingend war es nur mäßig erfolgreich.
Ihre Zusammenarbeit mit MCA war nicht von langer Dauer, Gira und Jarboe gründeten nach der Trennung vom letzten Original-Swan Norman Westberg ihr eigenes Label Young God. Ihre erste Veröffentlichung war Ten Songs For Another World (1990) unter dem Namen The World Of Skin, da eine andere Band inzwischen die Rechte an Ihrem vormaligen Namen besaß. Eine enttäuschende Sache, das Album ließ Raffinement und Disziplin der früheren Arbeiten des Paars vermissen, mit Lyriks, die immer mehr ins Reich des Gothic abdrifteten.
Unglücklicher Weise gab dies den Ton der nachfolgenden Swans-Album an - White Light From The Mouth Of Infinity (1991), Love Of Life (1992) und The Great Annihilator (1994). Ein beständiger Stil hatte sich entwickelt, musikalisch konventioneller als frühere Arbeiten, wenn auch noch weit entfernt von Easy Listening und immer vertieft in die dunklere Seite menschlicher Existenz. Obwohl diese Alben noch einige verblüffende und unwiderstehliche Momente aufwiesen, hatten sie doch die reine Kraft aus der Periode Mitte der 80er Jahre verloren, und die Band gab nach der Tour zu ihrem letzten Album Soundtracks For The Blind (1996) ihre Trennung bekannt.

The Swans

Swans-Alben auf CD:
Cop (1984; K.422). 'Diese Platte wurde für das Abspielen bei maximaler Lautstärke gestaltet.' verkündet die Hülle. Ihr Inhalt ist der verzerrte Soundtrack zu der Verquickung der beiden schlimmsten Alpträume von Kafka und Burroughs, offenbart schon durch die düsteren Figuren in ihren Songtiteln - 'Schlächter', 'Bulle', 'Raubmörder'. Die CD-Wiederauflage enthält auch die EP Raping A Slave.
Greed (1986; K.422). Rock-Musik bei absolut Null. Spärlich widerhallendes Piano, erschütterndes Schlagwerk und entkörperlichtes Wehgeschrei, das aus dem Nichts widerhallt, Greed hält den modernen Bedingungen und ihren unbarmherzigen Systemen einen unerschütterlichen dystopischen Spiegel vor. Die CD-Wiederauflage enthält auch die LP Holy Money.

Soundtracks For The Blind - Titel & Texte:
RED VELVET CORRIDOR (MUSIC: GIRA)

I WAS A PRISONER IN YOUR SKULL (MUSIC: GIRA)

HELPLESS CHILD (MUSIC/WORDS: GIRA)
Nun bist du die Mutter, und ich werde dein Narr sein,
Ich werde mich tief drinnen verstecken
In deinem tiefroten Pool,
Das Wasser rinnt trüb zwischen deinen Falten,
Du willst mich nicht atmen lassen,
Du willst mich nicht gehen lassen,
Nun bist du die Fremde
Und ich bin der weißhäutige Sohn,
Du wirst meine Unschuld schwärzen
Mit Zucker und Opium...
Die Kinder waren am Ersticken,
Unten in deiner feuchten Höhle,
Und du warst die Mutter,
Und ich war der schlafende Sklave.
Beschütze mich vor der Gewalt,
Halt mich in deinen kühlen Lippen,
Du betäubst mich mit Nettigkeit,
So daß ich mir vorstellen kann, ich existiere.
Nun bist du das einzige Kind,
Ich werde an deiner Brust saugen,
Du wirst mich mit Treibstoff füttern,
Ich werde meinen Namen in deinen Kopf brennen.

LIVE THROUGH ME (MUSIC: GIRA)

YUM-YAB KILLERS (MUSIC/WORDS: JARBOE)
Ich sah einen weißen Finger auf einem Stacheldrahtzaun,
Ich wußte, es war gefährlich,
Aber ich nahm das Risiko auf mich,
Und ja, es war süß, so süß zu essen.
Nun sieh, wie das Fleisch gespickt ist und blutet.
Ja, es blutet, es blutet, sieh wie es blutet...
Ich sah ein kleines Baby die Straße langkrabbeln,
Ich sagte, komm rüber, Baby,
Du siehst gut genug aus zum Verspeisen.
Ich sagte, komm rüber, Liebes,
Du weißt, was ich tun werde.
Ja, ich werde dich zu meinem Spiegel machen,
Für die Dinge, die ich wählte.
Kleines Yum-Yab. Kleines Yum-Yab...
Wir sind die Wilden, wir sind das Risiko.
Komm, kleines Yum-Yab.
Komm, schlitz dir das Handgelenk auf.
Wir sind die Wilden, wir sind das Risiko.
Komm, kleines Yum-Yab, gib mir'n Kuß.
Nun blast euren Geist aus.
Ich werde euren Geist ausblasen.

THE BEAUTIFUL DAYS (MUSIC: GIRA)

VOLCANO (WORDS/MUSIC: JARBOE)
Dein Lippenstift schmiert quer übers Gesicht,
Nun wirf dein Haar mit dreckigem Charme.
Lederstreifen in pink an deiner Gitarre,
Nun spreize deine Beine - wie clever du bist.
Mmmmmm, sie kennen alle deinen Namen, Collie,
Erklimme deinen Weg zum Ruhm...
Da ist ein Stern in ihren Augen, und sie weiß es,
Da ist ein Stern in ihrem Geist, ja, sie zeigt es,
Da ist ein Stern in ihrem Geist, und sie weiß es,
Ein Stern in ihrem Geist, ja sie bringt's hervor...
Und jeden Abend geht die Sonne auf,
Wenn sie runtergeht,
Und jeden Abend füllt der Schmutz ihr Brautkleid.
Das kleine Mädchen in dir
Hat seine Träume wahrgemacht.
Und heute abend betrittst du die Bühne,
Du trägst ein Kleid aus Blut und Spitze.
Du hinterließst Rostflecken, wo du niederknietest,
Aber Collie, du bist noch unsichtbar.
Und ich würde gern ihre Brüste essen und Gott erkennen,
Und ich würde gern ihr Fleisch kosten und hart werden,
Und ich würde gern ihre Brüste essen
Und wachsen, Gott,
Und ich würde gern ihren Atem einsaugen
Und heiß blasen...

Jarboe

MELLOTHUMB (MUSIC: GIRA)

ALL LINED UP (WORDS/MUSIC: GIRA)
Ich sah sie alle aufgereiht,
Wie nackte Kinder an der Wand.
Ihre Haut hängt runter in Fetzen.
Jedes Gesicht ist angemalt wie eine Hure.
Ihr Blut scheint in der Sonne.
Ihre Wunden sind mit weißem Salz gepudert.
Ihre Lippen formen stumme Worte:
Ich sehe meinen Namen, als er ausgestoßen wird.
Ich sehe sie auf Knien gehen,
Geführt in einer Kette von lachenden Mädchen.
Ich sehe sie am Schmutz saugen,
Als ob sie die ganze Welt inhalierten.
Und einem nach dem anderen
Sind ihre Hälse abgeschnitten,
Und ein jeder singt sein erstickendes Lied.
Und ein jeder singt sein Schlaflied,
Und ein jeder fällt und dann ist er weg.
Und ich fühl mich gut, ich fühl mich fein.
Und ich fühl mich gut: Ich habe viel zu lange gewartet.
Ich sehe ihre Körper im Feuer,
Schwarzen Rauch in die Flammen verströmend.
Und all die Leute standen herum,
Ihre Lippen formten meinen Namen.
Und bald begann die Sonne zu sinken
Hinter einer Wand aus schmutziger Luft.
Ich sehe ihre Knochen dort in dem Haufen,
Und koste den Geschmack brennenden Haars.
Und alle Kinder schreien nach Milch.
Der Regen spuckt eine Million Messer runter.
Ich sehe dich durch's Feld rennen.
Ich sehe dich deinem nutzlosen Leben hinterherrennen.
Ich fühle, du erstickst an deiner Zunge,
Ich fühle, dein Atem attackiert deinen Brustkorb.
Die Hunde zerren zu deinen Füßen.
Ich sehe dich dein Glück ausbluten.
Und ich fühl mich gut, ja ich fühl mich fein.
Und ich fühl mich gut:
Letztlich kriegte ich zurück,
Was gerechter Weise immer mein war.

SURROGATE 2 (MUSIC: GIRA/JARBOE)

HOW THEY SUFFER (MUSIC: GIRA)

ANIMUS (MUSIC/WORDS: GIRA)
Irgendwo, durch die gefrorenen Felder,
Irgendwo, unterhalb deiner blassen und zarten Haut,
Liegt ein Haus, das Furcht und Schmerz aufsaugt -
Sonnenrot, Nahrung enthaltend für meine Träume.
Irgendwo kalt, im optischen Kabel, unten,
Wo Finger und Gelenke krachen und bluten,
Dort werde ich sein,
Mit meinen ausgebreiteten und gebrochenen Armen,
Auf deinen Atem wartend, meine Venen zu animieren.
Wir sind nicht allein:
Alle unsere Gedanken sind numeriert -
Böswillig und kalt, tierisch und hungrig.
Aber ich will alles umfassen, was je war oder sein wird,
Dann will ich meine Haut ausbrechen sehen,
In einer Symphonie von Flammen -
Deinen Namen herausschreiend,
Deinen Namen herausschreiend...
Warum kann ich mich nicht
In deinem wandelbaren, elektrischen Gesicht verstecken?
Du hast den Schmerz weggesaugt,
Und schluckst meine übelsten Träume runter.
Nun fühlt sich mein Körper wie Schnee an,
Das zerschlagene Bild auswerfend -
Wo werden wir dann sein,
Wenn all die Furcht und das Blut entschwunden sind,
Übertragen in einhundert Millionen offene Kindermünder,
Deinen Namen rausschreiend,
Deinen Namen rausschreiend...

RED VELVET WOUND (WORDS/MUSIC: JARBOE)
Und was mache ich mit dem Geschenk, das du mir gabst,
Dasjenige, das niemand sonst kaufen würde?
Sie würden nicht den miesen Grund
Deiner schrecklichsten Unschuld akzeptieren.
So laß sie sagen, wie wild du warst,
Obwohl du eigentlich zärtlich warst.
Ja, wie du schriest, die ganze Nacht hindurch,
durch das Morgenlicht liefen noch stille Tränen,
hübschester, mein einsamer, Sünder.

Jarboe mit Schlange, übermalt

THE SOUND (WORDS/MUSIC: GIRA)
Und weit sind deine Täuschungen,
Tiefrot ist der Raum hinter deinen Augen,
Geschlossen für immer ist die Tür zu deinem Raum,
Aber innen lebt der Klang,
Den du verachtest, aber den ich liebe...
Mutter, ich lag falsch.
Ich hab unrecht...

HER MOUTH IS FILLED WITH HONEY (MUSIC GIRA/JARBOE)

BLOODSECTION (MUSIC: GIRA)

HYPOGIRL (WORDS/MUSIC: GIRA)
Kann ich deinen Geist stehlen?
Und kann ich hineinkriechen?
Und wenn ich dein Kind bin,
Kann ich in deinem Auge essen?
Und kann ich die Luft trinken,
Tief unten in deiner kalten schwarzen Lunge?
Und kann ich das süße, kranke, einsame Blut einatmen?
Liebe ist überall, nein wir werden niemals entkommen.
Ich liebe dich mehr als mein Leben.
Nein, wir werden niemals entkommen...
Kann ich das Herz rausschneiden,
Und das Futter in deinem Kopf stehlen,
Und meinen Körper im Inneren zusammenrollen,
Unten, wo's dunkel und feucht ist?
Ich liebe dich mehr als dein Leben.
Ich liebe deinen Körper und deinen Geist.
Ich liebe dich mehr als dein Leben.
Nein, wir werden niemals entkommen...

MINUS SOMETHING (MUSIC: GIRA/JARBOE)

EMPATHY (WORDS/MUSIC: GIRA)
Du lagst falsch damit, mir zu widerstehen,
Ich lag falsch damit, zu vergeben.
Nun verabscheue ich meine eigene Schwäche,
Aber du preist mich dafür.
Da gibt's einen Platz in deiner Zukunft,
Wo die Wunde geheilt sein wird,
Und die Kinder, die du verletztest,
Werden sich erheben, geläutert, deinen Namen zu töten...
Du hast Angst vor dem Spiegel,
So windest du dich auf dem Boden,
Wo du deine Perversionen zählst,
Dann erhebst du dich, besudelt, mit Reue...

I LOVE YOU THIS MUCH (MUSIC: GIRA)

YRP (WORDS/MUSIC: GIRA)
Ich gebe dir Geld, du bist was Besonderes.
Ich existiere nicht: du kontrollierst mich.
Du bist korrupt, du bist deformiert,
Du bist korrupt: du kontrollierst mich.
Besitz mich, besitz mich, besitz mich, besitz mich:
Ich bin dein Eigentum...

FAN'S LAMENT (MUSIC: GIRA)

SECRET FRIENDS (MUSIC: GIRA/JARBOE)

THE FINAL SAC (WORDS/MUSIC: GIRA)
Oh Jesus, oh Jesus, du bist mein einziger Gott.
Oh Jesus, oh Jesus, du bist mein einziges Mädchen.
Ich folge dir jetzt. Ich folge dir runter
Zu einem schmutzigen, schwarzen Raum,
Wo die Luft entschwunden ist.
Ich liege auf dem Tisch,
Und ich werde auf dich warten,
Auf daß du jetzt in mich trittst.
Tritt jetzt in mich ein.
Komm her, komm herein.
Oh Jesus Christ,
Du bist mein einziger, mein einziger Gott...
Wenn ich dein Blut trinke, werde ich sein wie du.
Mädchen, ich möchte wie du sein.
Ich werde in deine Augen schauen,
Und meinen Geist verschließen.
Verlasse meinen Geist, verlasse meinen Verstand.
Oh Jesus, oh Jesus, du bist mein einziger Gott...

YRP 2 (MUSIC: GIRA)

SURROGATE DRONE (MUSIC: GIRA)

(The Swans sind eine Zufallsentdeckung. Der Papier etc.-Laden gegenüber sah sich zu einem Rausverkauf veranlaßt, die Swans in interessantem Pappkarton für 15 DM waren verlockend. Und die Sounds sind einfach irre, die Internetseiten übrigens richtig gut. Die Rohübersetzung entstand zu Ostern beim Rock'n'Robota. Achim)

Essen mit Pfiff

Erstmals gibt's im LOVER ein Rezept, allein schon wegen der allgemein nachvollziehbaren Überschrift. Ausgewählt wurde es aus "Das Ox-Kochbuch, vegetarische und vegane Rezepte nicht nur für Punks" von Uschi Herzer und Joachim Hiller aus dem Verlag J. Neumann, Mainz, 18 DM.

Sauerkraut-Auflauf (sehr einfach)
von Uwe Glawion
Musik: Instigators "Nobody Listens Anymore"
1 große Dose Sauerkraut
1 rote und 1 grüne Paprika, in feine Streifen geschnitten
1 Zwiebel, fein gehackt
1 Becher Creme fraiche
2 EL Tomatenmark
1 Glas trockener Weißwein
4 (vorgekochte) Lasagneplatten
geriebener Gouda
Salz, Pfeffer
1. In einer Pfanne Öl erhitzen und Paprika samt Zwiebeln darin dünsten. Deckel drauf.
2. Nach einer Weile das Sauerkraut dazugeben und weiterdünsten. Später Wein und Tomatenmark dazugeben, dünsten lassen.
3. Alles gut durchmischen, mit Salz und Pfeffer würzen. Creme fraiche und einen Teil vom Käse dazugeben, umrühren.
4. Jetzt abwechselnd mit Lasagneplatten in eine gefettete Auflaufform schichten (unterste Schicht sollte Kraut sein) und zum Schluß noch mit dem Rest des geriebenen Käses bestreuen.
5. Bei 240 °C ca. 20 min. backen. Das gibt Alarm im Darm - aber schmecken tut's!

Rich Hopkins

Rich Hopkins kann bereits auf eine respektable musikalische Vergangenheit zurückblicken (SAND RUBIES, UNDERBELLY, WOODCOCKS). Obwohl eindeutig Output eines gestandenen Rock-Recken, stellt HOPKINS' Werk "El Paso" eine Weiterentwicklung dar. Über einen Zeitraum von neun Monaten an verschiedenen Orten eingespielt, bietet es eine Art musikalischen Reisebericht. "Nicht nur das. Darüber hinaus verbrachte ich viel Zeit damit, an verschiedenen Gitarrensounds zu arbeiten. Ich bin es nämlich müde, wie bisher Platten mit einem einzigen, durchgängigen Sound zu machen." Seine Gitarrenarbeit liebt der Mann offensichtlich. Alle Stücke bieten Platz für schöne, höchst unterschiedliche Parts - Soli, Riffs, Sounds.
Als Songwriter sieht er sich nur notwendigerweise: "Eigentlich bin ich Gitarrist. Gesungen habe ich früher nie. Ich beginne gerade zu lernen, Songs zu schreiben. Verglichen mit anderen Leuten bin ich gar nicht so gut, eher schüchtern, und könnte auch nicht den ganzen Abend am Lagerfeuer sitzen und singen. Ich versuche, nicht 'seltsam' zu sein, glaube an traditionelles Songwriting, Vers und Refrain." Aber Stories kann man doch auch mit der Gitarre erzählen. "Genau das ist es, was ich möchte. Ich bin wirklich gut als emotionaler Gitarrist - kein Virtuose -, aber ich bringe mein Herz und meine Seele in den Scheiß ein, spiele mich jedesmal bankrott und hoffe, daß das rüberkommt."
Um noch mehr Abwechslung zu schaffen und "andere musikalische Persönlichkeiten einzubringen", hat er diesmal auch Songs mit anderen Leuten geschrieben. Überraschend ist die Mitarbeit von MC5s Michael Davis. "Es interessiert mich überhaupt nicht, daß MC5 heutzutage hip sind. Michael ist mein Mann. Er macht Musik aus all den richtigen Gründen. Deswegen spiele ich mit ihm zusammen."
Ullrich Maurer im Intro Nr. 41 - Februar '97

Rich Hopkins und Michael DavisMomentan sitze ich unter meinem Kopfhörer und muß feststellen: "Die Wüste lebt." Jetzt kann der trockenheiße Sommer kommen und wenn ich dann das Verdeck meiner Reisschüssel öffne, werdet ihr Wüstenrock par excellence vernehmen und mich mit verklärtem Blick hinter dem Lenkrad sitzen sehen. Ach ja, Arizona ist so weit entfernt. Doch nun, Mannomann, zu dieser fantastischen Scheibe.
Rich Hopkins ist Insidern bestimmt schon lange ein Begriff und wird von vielen für den wahren Nachfolger des großen Neil gehalten. Jörg Gülden schreibt dazu im Rolling Stone: "Über Rich Hopkins existiert nur noch Neil Young (allenfalls) und der blaue Himmel von Tucson/Arizona." Da mag er wohl recht haben, obwohl "Broken Arrow" von dem Album "El Paso" mehr als einmal in den Schatten gestellt wird. Neben den vielen Highlights auf der CD nenne ich Euch den ultimativen Anspieltip: "Wildweed" oder vielleicht "Coffee, Grounds And Goodbyes", oder doch lieber "Careless", oder noch besser . . .
**** = lechz, gier
St. L. im Internet

Wer statt Joe Satriani oder Jimmy Page ausgerechnet Neil Young für den besten Sologitarristen aller Zeiten hält, verdient allein für diese Wahl zehn Bonuspunkte. Mit seinem wild-zügellosen und für jedes Feedback offenen Gitarrenspiel hat Rich Hopkins schon Mitte der 80er Jahre mit seiner damaligen Band Sidewinders (nach der Klage des Raketenherstellers in Sand Rubies umbenannt) den "Desert Rock" begründet. Später spielte Hopkins mit Underbelly und Woodcocks im Grunde nichts anderes, produzierte auf seinem Label "San Jacinto" Bands aus Arizona und arbeitet nebenher immer wieder im Trio mit dem MC5-Bassisten Mike Davis und dem Drummer Bruce Harper unter dem Bandnamen Luminarios. "The Gloriuos Sounds of" bringt neben etlichen Wüsten-Rock-Hauern auch den gut zehn Minuten langen Gitarrenheuler "Paraguay".
Rolling Stone 2/98

Guitar Jamboree, die sporadische Gitarrero-Reihe bei LAPSUS LIVE, bietet in diesem Jahr auch Hörstoff von Rich Hopkins und seinen Luminarios, die mich in Berlin live sehr überzeugten. Freut Euch also auf einen Ballen Meterware aus dem trockenen Arizona. Achim

the who

QUADROPHENIA - Ein Abend, der eine musikalische Offenbarung war. The Who bestachen mit erstklassigem Sound und offenkundigem Spielwitz. Daltrey erwies sich als begnadeter Frontman, dessen Hüftschwung nichts an Faszination verloren hat. Bassist John Entwistle gefiel durch Glitzer-Anzüge und die unnachahmliche Fingerarbeit bei "5:15", während Townshend den netten Rock-Opi verkörperte. Alt, kahlköpfig und stets ein Grinsen auf den dünnen Lippen, brachte er das Auditorium bereits durch Antäuschen der berühmten "Windmühle" zum Toben. Herz, was willst du mehr von deinen Rocklegenden! (musikexpress SOUNDS Januar 1998)

Der Versuch von Pete Townshend, John Entwistle, Roger Daltrey und Co, noch einmal die guten alten Mod-Zeiten musikalisch hochleben zu lassen, lieferte viel Wasser auf die Mühlen all jener, die bei dem Wort "Reunion" an einen Friedhof der Kuscheltiere denken müssen, auf dem verweste Pop-Leichen ihren Gräbern entsteigen und mit kalten, knöcherigen Fingern an den Geldbeuteln der Konsumenten herumnesteln. So oder so ähnlich dachten viele Kritiker und Alt-Fans bei dem Comebackanlauf von THE WHO, der zu Jahresbeginn in England und später auch bei einigen Gigs in Deutschland gründlich in die Hose ging. Einzig Ringo Starrs Sohn Zak Starkey machte an den Drums eine halbwegs gute Figur, ansonsten quälte sich der Rest der Sixties-Rocker durch einen müden Musical-Aufguß der Motorollerfahrer-Saga "Quadrophenia". "Hope I Die Before Get Old" hieß es damals zwischen Milchshakes, Schlupfparkas und dem ersten selbstgedrehten Joint. The Who haben leider vergeblich gehofft. (Rolling Stone Januar 1998)

Pete Townshend, Roger Daltrey, Zak Starkey

Quadrophenia - Kritik
Eine Kleinigkeit wurde angesichts der Aufregung um die kürzlich stattfindenden Townshend/ Daltrey/Entwistle-Vorstellungen von Quadrophenia übersehen, daß nämlich das Originalalbum ein einziger großer Pfusch ist.
Hörner und Streicher mühen sich, die Arbeit zu tun, die auf dem Vorgänger Who's Next die Viererbande mühelos zuwege brachte und bis auf Keith Moons Prügel für "Bell Boy" gibt's nichts zu lachen auf diesen 2 halbleeren Scheiben. Und frage keiner nach dem Handlungsfaden, welchen das Libretto, 3 Seiten erklärendes Vorwort, 40 Seiten von "atmosphärischen" Fotos, 2000 Interviews und ein abendfüllender Film vergeblich von Pete Townshends Hirn in gradliniges Englisch übersetzen wollten.
Who's Markenzeichen, kurze und bündige, energische Abrocker, erscheinen hier in Form von "The Real Me" und "The Punk And The Godfather", aber sie geraten langatmig, geschäftig und moralisierend, verglichen mit ihren Vorläufern. Einige der Augenblicke hier geraten mitreißend, aufregend in bester Who-Manier, aber sie verschwinden schnell unter Studiotricks und endlosen Überblendungen.
Wie an anderen Who-Alben auch, wurde an Quadrophenia mehrmals während der Jahrzehnte herumgebastelt. Zuerst bei einem von Entwistle überwachten Mix für den Film-Soundtrack (in dem der Bassist entschied - welch Überraschung - daß das Problem des Originalmixes war, daß da zu wenig Baß in ihm vorkam...) und nun der neuerliche Vollremix von Jon Astley, der die ganze Who-Hinterlassenschaft "updatet". Die Änderungen schreiben die Geschichte nicht um, aber sie erhöhen sie genauso wenig. (Jimmy Guterman)

A Subtle Plague

Telefon-Interview mit Benjii Simmersbach und Pat Ryan von A Subtle Plague
Hinter-Net!: Laß uns doch am Anfang ein bißchen über Eure Familie und die Ursprünge der Band reden. Laut Info habt Ihr Euch am Bard College im Staat New York getroffen. Ist das richtig?
Benjii Simmersbach: Ja, das war '86 oder '87. Lang ist's her.
Hinter-Net!: Habt Ihr zu der Zeit studiert?
B.S.: Pat Ryan (Gesang), mein Bruder Christopher (Gitarre) und Analucia da Silva (Gesang) waren dort Studenten. Sie haben die Band gegründet, mein Bruder Patrick (Gitarre) und ich sind ein Jahr später in Philadelphia dazugekommen.
Hinter-Net!: Und von dort ging es nach San Francisco?
B.S.: Ja, nachdem wir ein bißchen zu oft ausgeraubt wurden, sind wir nach San Francisco gezogen. Philadelphia war 'ne harte Stadt damals, aber es war trotzdem okay, dort zu leben. Wir hatten unsere ersten Jobs nach dem College, wenig Geld und die Mieten waren günstig in Philly. Aber seit '88 leben wir in San Francisco.
Hinter-Net!: Ihr seid ja bekannt als eine Band, die immer auf Achse ist.
B.S.: Seit drei Jahren touren wir in Europa, fast nonstop, d.h. neun Monate pro Jahr.
Hinter-Net!: Und wenn Ihr in Frisco seid, dann wohnt Ihr zusammen?
B.S.: Heute nicht mehr. Früher war das so, aber das hatte eher finanzielle Gründe. Um die Band überhaupt am Leben zu halten, mußten wir zusammen wohnen. Heute wohnen einige von uns alleine, einige noch zusammen.
Hinter-Net!: Ist das nicht hart, in einer Band zu spielen und gemeinsam zu wohnen?
B.S.: Ich denke, es war eine tolle Erfahrung, alles in allem. Wir haben eine Menge gelernt, z.B. uns aufeinander zu verlassen und einander zu helfen. Wenn einer mal arbeitslos war, dann ist eben ein anderer eingesprungen und hat die Miete bezahlt. In Amerika gibt es eine Menge Bands, die so leben, gerade in den Anfangszeiten und es ist nicht das schlechteste für eine Gruppe.
Hinter-Net!: Was hältst Du von San Francisco, ist die Szene da wirklich so offen, das Musikerdasein so angenehm?
B.S.: Ich persönlich mag San Francisco, und was die Musikszene angeht, ist es wirklich eine tolle Stadt. Es ist eine gutes Pflaster für Künstler, für Musiker, aber ich würde es auch nicht in den Himmel loben. Ich möchte mich über keine amerikanische Stadt derart überschwenglich äußern, aus politischen Gründen. Die allseits bekannten Erscheinungen ... die Kriminalität, Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit. Kalifornien und San Francisco haben ihre guten Seiten, aber eben auch ihre schlechten.
Hinter-Net!: Ist es angenehm, in Europa zu touren und diesen negativen Dingen eine Weile nicht mehr ausgesetzt zu sein ?
B.S.: Der Hauptgrund, warum wir so ausgedehnt in Europa unterwegs sind, ist die Tatsache, daß wir in den Staaten schon alles gesehen haben, ich meine, wir haben überall gespielt. Es war 'ne klasse Sache, aber wir mußten mal was anderes machen. Im März werden wir übrigens wieder durch die USA touren. Die Europa-Tournee war eine großartige Erfahrung. In Europa als Band finanziell zu überleben ist schon viel einfacher als in Amerika.
Hinter-Net!: Wie beurteilst Du speziell das deutsche Publikum?
B.S.: Ich denke, das deutsche Publikum ist dem amerikanischen sehr ähnlich. Beide haben gleich viel musikalischen Sachverstand, wenn man es mal so ausdrücken will. Die Musikvielfalt ist in Deutschland allerdings etwas größer als in den USA. Ich meine damit die zahlreichen Bands aus völlig verschiedenen Stilrichtungen, die du auf deutschen Bühnen sehen kannst. Du hast die großen Shows und du hast all die kleinen Clubs, in denen man die Sachen aus dem Underground hören kann. Vielleicht liegt das daran, daß sich kleinere amerikanische Bands - so wie wir - Tourneen in Europa einfach eher leisten können als in Amerika.
Es gibt ja auch den Fall, daß Bands in Europa Erfolg haben und sich so erst die Möglichkeit eröffnen, in den Staaten zu spielen und dort bekannter zu werden. Vic Chesnutt ist dafür ein Beispiel.
Hinter-Net!: Du bist ja in Deutschland geboren. Wo genau?
B.S.: In München. Aber in der Fremde großgeworden, sozusagen. Ich habe die ersten 13 Jahre meines Lebens auf Reisen verbracht. Wir waren ständig unterwegs, in einer Art Kommune: meine Mutter, mein Stiefvater, Freunde von ihnen und fünf Kinder. Davon handelt ja auch der Dokumentarfilm "The Big Pink", in dem meine Mutter im Mittelpunkt steht (entstanden 1995). Allerdings habe ich schon immer amerikanische Schulen besucht. Ich habe diesen typischen, wertlosen amerikanischen High-School-Abschluß; ich bin am College gelandet und kam so irgendwie nach Philadelphia. Bei Chris und Patrick, meinen Brüdern, war das ähnlich.
Hinter-Net!: Chris und Eure Sängerin Analucia haben zusammen ein Kind.
B.S.: Ja, einen Sohn, er heißt Cheyenne. Meine Mutter macht übrigens gerade einen zweiten Film, der "Rock, Baby, Rock" heißen wird und von ihrem Leben als Cheyennes Babysitter auf unseren Tourneen handelt. Sie ist jetzt 55 Jahre alt und reist trotzdem seit drei Jahren mit uns und kümmert sich um den Kleinen. Dabei hat sie ständig gefilmt.
Hinter-Net!: Und wenn sie nicht mit auf Tour ist, lebt sie dann auch in San Francisco?
B.S.: Nein, (lacht), das wird dir gefallen: sie lebt in Pakistan, nahe der afghanischen Grenze. Mein Stiefvater arbeitet dort als Architekt. Meine Mutter kam aus Pakistan zu uns, um mit auf Tournee zu gehen. Roadmanager war übrigens meine Schwester, d.h. wir waren in den letzten drei Jahren quasi mit der gesamten Familie unterwegs. Es ist sehr angenehm, weißt du, es hilft dir, nicht diesem "I'm-on-the-road"-Klischee zu verfallen. Wir haben immer schon versucht, auf den Tourneen auch etwas für uns persönlich rauszuholen, etwas für unsere Interessen zu tun. Die Konzertreisen im Osten Europas haben wir vor allem deswegen gemacht, um uns in unserer freien Zeit das jeweilige Land anzusehen. Und das haben wir auch ausgiebig getan, wir waren in Estland, Lettland, Litauen, Ungarn, der Slowakei und auch Rumänien.
A Subtle PlagueHinter-Net!: In Euren Texten habt Ihr Euch ja nie explizit auf Politik bezogen.
B.S.: Absolut richtig. Wir waren niemals "issue-oriented" im politischen Bereich. Wir hatten und haben politische Ansichten und manche Songs geben diese Einstellungen auch wider, aber sie handeln nie von einem politischen Thema oder Schlagwort. Diese Songs reflektieren unsere Situation, unseren Weg durchs Leben, die Suche nach Antworten. Es geht mehr um: hey, wir sitzen alle im selben Boot, wir sind alle ein Teil der `subtle plague´ (vielleicht: ein Teil des schleichenden Zerfalls !?), wir leben in der Welt des westlichen Kapitalismus; es geht darum, was gut oder schlecht ist.
Hinter-Net!: Laß uns mal über Euer aktuelles Album "Hung to dry" sprechen. Ich hoffe, ich trete jetzt nicht in ein Fettnäpfchen, aber speziell wenn ich mir den Gesang von Pat und Analucia anhöre, fallen mir immer wieder Ähnlichkeiten mit den frühen Platten der Band "X" auf.
B.S.: Das hören wir des öfteren, ich meine: für uns ist das ein großes Kompliment.
Hinter-Net!: So ist es auch gemeint. Wie hat sich deiner Meinung nach Euer Stil im Laufe der Jahre verändert ?
B.S.: Als wir angefangen haben, konnten wir eigentlich unsere Instrumente noch gar nicht spielen. Wir hatten als Musiker keine große Erfahrung, aber wie so oft in den Achtzigern kamen einfach ein paar Leute zusammen, gründeten eine Band und hatten eine Woche später ihren ersten Auftritt. So war das auch bei uns. Das ist eins der guten Phänomene aus den Achtzigern.
Eigentlich war jede unserer Platten total anders. Bei unserer aktuellen CD hatten wir eine neue, veränderte Herangehensweise an die Songs, wir haben Material benutzt, das wir zuvor auf den Tourneen geschrieben haben, mit akustischer Gitarre in Hotelzimmern, wie das eben so abläuft auf einer Tour. Ich denke, dieses Album ist eher songorientiert, während frühere Platten eine Menge Material verschiedenster Art einfach unverbunden nebeneinander präsentiert haben.
Hinter-Net!: Und Ihr habt einen neuen Schlagzeuger, Tod Preuss, der wirklich klasse ist. Er spielt sehr kraftvoll, sehr aggressiv.
B.S.: Absolut richtig, und sein Stil paßt zu dem neuen Songmaterial. Sein Spiel gibt dem ganzen einen enormen Kick, und das mag ich sehr. Daß die neue Platte so energiegeladen und aggressiv klingt, ist natürlich auch unserem Produzenten David Weber zu verdanken. Wir hatten das in der Deutlichkeit gar nicht erwartet, ich meine, beim Schreiben der Songs war uns nicht klar, daß das Album darauf hinauslaufen wird. Wir waren selbst ein wenig überrascht, aber wir finden es toll.
Hinter-Net!: Was ich besonders mag, ist die Tatsache, daß Ihr ein Album gemacht habt, das, sagen wir mal, Punkrock in einem weit gefaßten Sinn ist und dennoch nicht retro klingt. Es hat nichts von dieser Green-Day-Nostalgie, die ja irgendwie peinlich ist.
B.S.: Wir wollten nie so klingen wie, naja, die "großen Vorbilder"; wir wollten nicht so sein wie Soundgarden, Nirvana oder früher: wie Black Flag. Alle in unserer Band haben ihren spezifischen Background, das hat auch mit der Herkunft zu tun, Europa, Afrika. Deshalb ist in unserer Musik auch immer etwas enthalten, was ganz speziell für A Subtle Plague ist. Ich glaube nicht, daß wir z.B. in der Lage wären, einen typischen "straight-forward-Green-Day-Song" zu schreiben, es wäre immer etwas für uns Spezifisches mitenthalten.
Hinter-Net!: Auf der anderen Seiten muß ich sagen, daß "Hung to dry" auch sehr amerikanisch klingt.
B.S.: Ja, stimmt. Das hat sich im Laufe der Zeit entwickelt, schließlich haben wir die meisten Jahre unseres Lebens in Amerika verbracht. Wenn du dir unsere erste Platte anhörst, dann klingt das nach `Die Simmersbach-Brüder sind gerade in den USA angekommen´, eine Art Europa-Amerika-Fusions-Musik. Das hat sich verändert, nicht zuletzt deswegen, weil wir auch immer Fans von US-amerikanischem Underground waren, dieser Stil hat uns natürlich enorm beeinflußt.
Hinter-Net!: Ein Song interessiert mich besonders, gerade auch wegen des Textes: "It's the government". Fängt an wie ein politischer Song und wird dann doch zu einem sehr persönlich gefärbten Stück, spätestens dann, wenn Analucias Gesang einsetzt. Kannst Du mir dazu etwas mehr erzählen ?
B.S.: Das kann Pat Ryan am besten, der hat diesen Text nämlich geschrieben und sitzt gerade neben mir. Ich geb den Hörer mal weiter.
Pat Ryan: Ich denke, es ist eigentlich ein Liebeslied, aber eines, das eingebettet ist in einen Kontext, der von Skepsis gegenüber der politischen Situation geprägt ist, von Verschwörungstheorien bzw. von der Angst vor solchen Zuständen. Ich hoffe, daß auch die ironische, die humorvolle Komponente dieses Stückes irgenwie rüberkommt. Du denkst, hoppla, da geht's um Verschwörung, um finstere Zustände, die irgend etwas mit der Regierung zu tun haben, aber im Grunde geht's nur um eine Frau.
Hinter-Net!: Deine und Analucias Stimme passen wunderbar zueinander, Ihr harmoniert sehr gut.
Pat Ryan: Daran haben wir auch hart gearbeitet. Zum ersten Mal in unserer Bandkarriere haben wir intensiven Gesangsunterricht genommen, das hat eine Menge gebracht.
Hinter-Net!: Ihr habt auf der neuen CD "Hung to dry" vier Coverversionen, alle sind rein akustisch arrangiert. Werdet Ihr die auch live auf Eurer Deutschlandtour im Herbst spielen ?
B.S.: Wir möchten etwas davon spielen, aber so ganz klar ist das noch nicht. Den Song von Daniel Johnson, "Devil Town", haben wir bisher immer als Notnagel benutzt, wenn auf der Bühne eine Gitarrensaite gerissen ist oder so was ähnliches. Pat und Analucia haben dann eine A-Capella-Version gesungen, was auch wirklich nötig war, denn bislang waren wir immer ohne Roadies unterwegs und so mußten wir unsere Saiten eben selbst aufziehen. Als das neue Album dann im Kasten war, kamen wir auf die Idee, "Devil Town" mit akustischer Gitarre aufzunehmen. Ein Take und fertig war der Song.
Hinter-Net!: Habt Ihr das Stück immer noch auf der Liste, falls auf der Bühne was schiefgeht?
B.S.: Ja klar, (lacht), im Unglücksfall: Devil Town. Vielleicht sollten wir den Song "Devil Stage" nennen. (Fängt an zu singen): "I was playing on the devil stage, broke my strings and then went stray".
Hinter-Net!: Ihr habt auch ein Stück von Slovenly gecovert, "Emma".
B.S.: Eine phantastische Band. Wir sind eng befreundet und haben schon 'ne Menge Konzerte mit ihnen zusammen gespielt. Als wir nach San Francisco gezogen sind, war die Tatsache, daß Slovenly da lebten und arbeiteten, mit ein Grund für unsere Entscheidung. In San Francisco angekommen, mußten wir feststellen, daß sie sich kurz zuvor aufgelöst hatten. Wir traten dann bei einem Reunion-Konzert mit ihnen auf. Es sollte eigentlich eine einmalige Sache bleiben, aber dann kam die zweite, dann die dritte und irgendwann die vierte Reunion-Show, und so beschlossen sie weiterzumachen und haben auch wieder ein Album aufgenommen.
Das Interview führte Mike Lehecka.

Open Your Ears im ICC

Durch's "ICC" weht die Illusion musikalischer Erhabenheit. In Wahrheit aber gähnt die Routine, und die Bronzezeit winkt. Als Jon Anderson im obligatorischen Overall mit seinen Kumpanen in die Arena schlurft, beginnt ein Konzert, an das viele noch lange denken werden. Primär allerdings wegen der unverfroren hohen Eintrittspreise. Die Show nämlich läuft völlig überraschungsfrei ab. Die alte Garde - Anderson, Howe, Squire und White - sowie Gitarrist Billy Sherwood und Keyboarder Igor Khoroshev nehmen auf der Bühne feste Plätze ein (so war's auch dazumal bei der Electra-Combo im Dresdener Kulturpalast). Gleich nach dem Intro (wie gewohnt "Siberian Kathru") beklatscht Anderson prophylaktisch sein Publikum und - sich selbst. Ja, er kann zufrieden sein. "The Rhythm Of Love" klingt endlich wie eine Yes-Parodie der Rubettes. Und das wunderliche "America"-Cover wird Keith Emerson wohl noch zu einer Neufassung von "Eleanor Rigby" inspirieren.
Der schwache Titelsong des neuen Yes-Albums ("Open Your Eyes") kann ebenfalls keine Euphorie auslösen. Erst bei "And You And I" kommt ein Anflug von Stimmung auf. Mit den antiken Harmonien wächst jedoch der Verdacht, daß in kürze Peter Frankenfeld im karierten Sakko das Podium betreten könnte, um den nächsten Song anzusagen. Fazit also: Danke, Yes. Es reicht.
(efha im musikexpress, Mai 1998)

YES - ein Konzertlob
Es war ein schöner Morgen im April, die Sonne schien ins Zimmer, der Birnbaum vorm Fenster stand in voller Blüte, und ich sollte bitte, bitte eine Konzertkritik zu YES schreiben. Laut Fremdwörterbuch (!) sollte ich also "beurteilen, einschätzen, prüfen, werten, bemängeln, beanstanden, tadeln".
Dieser erste, wirklich ernsthaft unternommene Versuch (Lapsusleistungsdruck?) endete damit, daß ich den ganzen Morgen mit YES Musik hören zubrachte. Ach, das war schön ... Doch so konnte es nicht weitergehen, schließlich hatte ich einen Lapsusauftrag.
Also, also:
Es begann mit der telefonischen Nachricht, daß YES am 16.3.98 in Berlin auftreten sollte. Ich war echt dankbar dafür, daß man an mich gedacht hatte und sagte spontan: YES. Selbst der stolze Kartenpreis von 85 DM konnte mich nicht abschrecken.
Der Tag, der dem Konzert voranging, verlief in totaler Disharmonie und irgendwie schien es völlig unmöglich, diese negativen Gefühle wieder loszuwerden. Diese doofe, hektische Stadt, das Scheißgeld und dieser ewig schmerzende Rücken, und ich dachte: "Oh, no!" Aber: YES. Ein bißchen hat man ja bei solch seltenen Ereignissen Angst davor, daß es dann doch eine Enttäuschung gibt, zumal der Titel der Tour "OPEN YOUR EYES" lautete. Das klingt an sich gut, aber es ist auch der Titelsong der neuesten YES CD, die mir noch(?) nicht so richtig gefällt. Würden sie etwa nur Brandneues zum besten geben und gar nicht die wunderbaren alten Stücke hervorkramen?
Der erste Ton von Strawinskis "Feuervogel" ließ die Gedanken schweigen und auch der Alltagsstreß fiel plötzlich von mir ab. Spontan rückten wir noch ein paar Reihen nach vorn, auch das Lichtspiel auf der Bühne zog magisch an. Den Aufsichtstypen schien es mittlerweile sowieso egal, wer wo saß. Dann erschien die Band. Der erste eigene Titel schien mir etwas schlecht abgemischt, doch bei "THE RHYTHEM OF LOVE" sprang der Funke endgültig über. Jon Anderson, klein, niedlich und in Ökoethnotracht, strahlte ins Publikum, klatschte wie ein Kind in die Hände, winkte jedem, der ihm zuwinkte und sang wie eh und je unnachahmlich zart, verletzlich und sooo schön. Im herrlichen Gegensatz dazu stampfte ab und zu Chris Squire, der Baßmann (als einziger auf jeder YES CD dabei), nach vorn und produzierte einen urig knallenden Sound.
Der Engel und "das Tier" (Sabine).
Alan White bediente die Schießbude voll Eifer und Steve Howe beeindruckte mit verblüffenden Gitarrensoli - man merkte, daß es den "alten Herren" so richtig Spaß machte, gekonnt zu musizieren und das Publikum zu verzaubern. Billy Sherwood (2. Gitarrist) war mir vorher kaum und der Russe Igor Khoroshev (Keyboard) gar nicht bekannt, doch sie spielten für meine Begriffe perfekt und fügten sich ganz harmonisch ein. Musikalisch können eh nur wenige YES (fast egal, in welcher Besetzung) das Wasser reichen. (Wie stand es so schön in einer Konzertkritik der Berliner Zeitung am nächsten Tag: "Die YES Leute hatten 1977 nur einen Fehler: Sie beherrschten ihre Instrumente zu perfekt ...")
Entgegen all meinen Befürchtungen geriet der Abend fast zu einem Wunschkonzert ("STARSHIP TROOPER", "TIME AND A WORD", "I'VE SEEN ALL GOOD PEOPLE", "HEART OF THE SUNRISE", "LONG DISTANCE RUNAROUND", "AND YOU AND I ..."), auch wenn es zwischendurch zwei Schläge gab ("OWNER OF A LONELY HEART" und "WONDEROUS STORIES") und ich "SOON" vermißte. Aber mittendrin hatte mich das "YES Feeling" voll gepackt: Gänsehaut total, erhöhter Puls und irgendwann liefen dann die Tränen. Na, das können vielleicht nur eingeseelte YES-Fans nachvollziehen, doch davon gab es im ICC eine ganze Menge, zum Schluß erhob man sich nur allzugern aus den Sesseln ... Jon Anderson: "We feel you so much ..." Klar spielte sentimentale Nostalgie eine große Rolle (die meisten Fans haben YES sicher wie ich im Teenageralter entdeckt), aber YES Musik hat meines Erachtens auch etwas zeitlos Schönes. Es ist Musik für den Himmel, und der ist ewig.
Gab es also gar nichts zu "bemängeln" oder zu "tadeln"?
Ja, ja, Jon Anderson wechselte 3x seine Weste, das ICC war nur halbvoll, die Karte viel zu teuer. Fazit? Das nächste Mal lege ich noch ein paar Scheine drauf, damit ich in der ersten Reihe sitzen und die Muster von Jons Westen studieren kann ...
Und im nächsten Jahr gibt's bestimmt den überfälligen YES-Vortrag bei Lapsus.
YES! (Regina)

Konkurrenz in der Liebe:

Drum prüfe, wer sich ewig bindet
Über das Bedürfnis nach Glück, das den auserwählten Menschen mit dem Auftrag befrachtet, die ziemlich umfassenden Ansprüche der eigenen Persönlichkeit zufriedenzustellen - die will ja nichts Geringeres, als mit der Welt versöhnt werden -, hält der Standpunkt der Konkurrenz Einzug ins Reich der Liebe. Da geht es zu wie auf einem Markt, wenn die Tauglichkeit des anderen Geschlechts geprüft wird und das gerade vorhandene Gefühl den Verdacht zu bestehen hat, ob es auch zu Recht vorhanden und von Dauer sei, d.h. sich auf den oder die "Richtige/n" wende. Kaum ist die Zuneigung aufgekommen und hat man Lust auf jemanden, meldet sich der Verstand zu Wort, der dem Gefühl mißtraut und die Leistung, die ihm abverlangt wird und deren es nie und nimmer fähig ist, in Erinnerung ruft mit der kritischen Frage, ob man sich durch die Festlegung auf eben den/die nichts vergibt. Daß man bei der "Wahl" und Dauer seiner "Verhältnisse" zwischen "spontaner" Neigung auf der einen Seite, der Tauglichkeit dessen, den man sich in einer schönen, aber schwachen Stunde an Land zieht, auf der anderen zu entscheiden hat, weiß ein jeder. Unbefangenes Zusehen, was sich daraus machen läßt, ist weder üblich - noch ratsam, und zwar wegen der unter moralischen Menschen geläufigen Verlaufsformen einer "gescheiterten" Geschichte. So geraten die Abwägungen bezüglich der Kandidaten recht komisch, und die Berechnung gewinnt, weil dem hohen Ziel der Glückseligkeit verpflichtet, genau die materialistischen Qualitäten, die den Materialismus vor dem Urteil der Moral so niederträchtig erscheinen lassen.
Schon die gewöhnlichste Weise, in der sich jemand für ein Exemplar des anderen Geschlechts interessiert bis begeistert zeigt, wird da von seinem berechnenden "Gewissen" und seiner Umgebung in Frage gestellt. Die vielgepriesene Schönheit - des Gesichts wie weiter unten liegender Körperformen - erfreut sich sofort der herzlichsten Relativierung: "bloß" ein hübsches Gesicht hat sie dann, "zwar" eine gute Figur - als ob das nicht die Quelle des Gefühl wäre, genau so gut wie in anderen Fällen die Manier zu gucken, zu sprechen und anderes mehr. Kein positives Kriterium gilt einfach, weil die berechnende Liebe eben sich ihre Kriterien schafft. Die Männerwelt, deren Appetit ja durchaus sich vornehmlich an den Attributen der Schönheit entzündet, die bekanntlich welkt wie alle Rosen, ergeht sich bei der Besichtigung des "Angebots" in Abqualifizierungen der lächerlichsten Weise, ganz so, als würde ein Mann von heute vor Intelligenz und Einsichten in die Welt nur so strotzen, so daß ihm furchtbar daran liegt, ausgerechnet auf dem Feld der Liebe einen kongenialen Geist zu ergattern. Sollen sie doch die Dame ihres Herzens rauben und ihr etwas von ihrer Größe mitteilen: dann haben sie eine Orgie nach der anderen, und die Frau benutzt die mit Liebe vollzogene Kritik ihrer Schwächen zu ihrer Emanzipation. Die Beurteilung ist aber eine erlogene und gerät zur dauernden Aburteilung, weil der "Partner" daraufhin besichtigt wird, ob er einem auch garantiert alles recht macht. Man hat eben seine Ideale und die Realität sieht entsprechend aus; denn die Umkehrung der Kriterien geht ja genauso vor sich. Dieselben Burschen wollen sich ja auch nicht mit einer Gespielin abgeben, die ihren Hegel kennt, jedoch bei der Befriedigung des Auges, das mitißt, schlechte Noten verdient. Das Ergebnis ist so allgemein wie bekannt. Alle jene vortrefflichen Kreaturen "nehmen" sich Frauen, bei denen es an der einen Ecke oder an der anderen "hapert" (das Ideal existiert ja gar nicht, bleibt aber Maßstab!), meistens an allen Ecken, sind dann unzufrieden mit ihren Gespielinnen bis zu dem Punkt, daß sie sich ihrer schämen, und stellen am laufenden Band Vergleiche an, daß es kracht - wörtlich: denn Kritik und Hilfe ist ja sowieso nicht fällig, wo das eigene Selbstbewußtsein bei jedem Wort die Zunge bewegt.
Daß sämtliche Eigenschaften des potentiellen und wirklichen Partners nach dem hohen Dienst klassifiziert werden, den sie für das vortreffliche Ich zu stiften haben, ist, ganz nebenbei auch der Grund für die prinzipiell für unmöglich und unzulässig befundene Trennung von Sex und Liebe, Diese wird von modernen Individuen mit ihren "Zwars" und "Abers" vollzogen, ganz so, als wären sie gläubige Christen und hielten die "körperliche Vereinigung" zwischen mit Willen und Bewußtsein versehenen Menschenkindern für eine Sache, die dem Menschen, der doch Moral hat, so einfach nicht anstehe und die ihn in die Niederungen der Hirschkäfer ziehe. Da gibt es dann die ausdrückliche Absicht, bloß zu vögeln, und in den kommunalpolitisch nicht unwichtigen Bordellen ist diese Absicht sogar öffentliche Institution - und die Auffassung, daß eigentlich mehr und Höheres dazugehöre. Leider können wir dem nicht zustimmen, weil im Ernstfall und Bett höchstens das Bett hoch oder niedrig ist.
Allerdings tut besagte Trennung nicht nur bei Mannsbildern ihre Wirkung. Frauen, die in der Mehrzahl ihren Dienst als ihre Erfüllung antizipieren und betrachten, vollziehen ihre Entscheidungen eben umgekehrt.
Sie sind gefühlsmäßig auf der Höhe, wenn ein Mannsbild auftaucht, das den Eindruck macht, daß man bei ihm mit seinen Liebesdiensten gut aufgehoben ist. Die Attraktivität wächst da sehr proportional mit dem, was einer außerhalb der exklusiven Sphäre des Mögens zahlt; und die Wünsche einer Frau sind erst einmal zufriedengestellt, wenn sie ein für "ihre Verhältnisse" erlesenes Exemplar der Gattung lieben darf, so daß die sinnliche Seite im heimlichen Schmachten nach dem verehrten Filmschauspieler zum Zuge kommt. Diese leider sehr reale Verallgemeinerung wird nicht einmal in den Kreisen übermäßig häufig widerlegt, wo sich Frauen mit Abitur, gutem Elternhaus und sonstwas wie Subjekte gebärden können, die selbst "nachfragen" und wählerisch sind. Und die Kritik der Feministinnen, die sich zu Recht an den einschlägigen Praktiken entzündet, wird peinlich, wenn sie in die gar nicht rationale Ideologie übergeht, Frau sein wäre Grund genug für Wertschätzung, weil Inbegriff liebenden Umgangs miteinander, quasi die leibhaftige Präsenz einer Kritik an den von Männern ins Werk gesetzten Prinzipien der Konkurrenz und Repression. "So, wie man ist" anerkannt und unbedingt geliebt zu werden, ist ein Anspruch, der auch ohne seine frauenbewegte Spezialisierung üblich ist, weil er die Umkehrung der Abqualifizierung und dazugehörigen "Behandlung" zum Ideal wirklicher Liebe erklärt und sich an nichts anderem orientiert als schon wieder dem Glück. Dergleichen taugt ebensowenig wie die Leistung, derer Frauen, die ihre "sinnlichen" Momente unter sämtliche Berechnungen subsumieren, durchaus fähig sind: des launischen Verstoßes, der ganz "spontanen" Verführung so oder andersherum mit nachfolgendem Katzenjammer, der sich deswegen einstellt, weil auch die paar schönen Stunden so ganz und gar dem "eigentlichen" Glück verpflichtet waren und sich von daher dann doch nicht als "Genuß ohne Reue" betrachten lassen...
So machen alle Beteiligten eben auch auf dem Gebiet des Mögens ihre schlechten Erfahrungen und erfinden sich und anderen am laufenden Meter Rezepte, mit den Schwächen und Stärken des Partners ebenso wie mit den eigenen "fertigzuwerden", d.h. sich zu arrangieren. Ganz findige Leute haben in Anbetracht der allseits bekannten Enttäuschungen den überkommenen Weisheiten - "Die Liebe ist ein seltsames Spiel", oder an die Jugend: "Heirate bloß nicht!" - die Promiskuität als Empfehlung hinzugefügt: gewissermaßen als den aus den gesammelten Erfahrungen des Unglücks in der Liebe heraus fälligen Weg. Die Idiotie des Auftrags, den man sich mit der Praktizierung dieses Ideals erteilt, verrät deren Herkunft. Warum sollte man eigentlich nicht mit einer/einem die Freuden des Mögens auskosten? Wenn sich etwas Neues oder mehreres gleichzeitig schiebt, wird der Mensch ohnehin zusehen müssen, weil er bemerkt, daß Treue nur ein "leerer Wahn" ist, und auch dieses Gebot unter das Sicherheitsbedürfnis des Glücksbolzens fällt. Deswegen die Eitelkeit des enttäuschten Glücksspielers, der "weiß", daß ihm alle nicht genügen, in ein Programm umzusetzen, ist sehr töricht - und die Anstrengungen in dieser Richtung blamieren sich vor den praktischen Schwierigkeiten, die gerade die negativen Moralisten mit dem Aushalten bekommen. Leider gehört aber auch diese Verwendung des bißchen Trieblebens, das man so pflegt, zu den Veranstaltungen, in denen sich normale Menschen die Verrücktheit leisten, sich auf die Repräsentation ihrer vortrefflichen Individualität zu verlegen.
Artikel ausgewählt von Achim (weiterführende Literatur auf Anfrage)

Chris Cacavas

Chris CacavasChris ist seit Mitte der Achtziger ein Geheimtip der Club-Szene. Mit der Band Junk Yard Love nahm er in den letzten Jahren einige Alben auf, die auch über die Insiderkreise hinaus Beachtung fanden. Einen der letzten Gigs der 97er Tour erlebte ich im Oktober letzten Jahres im Dresdner Star Club - sehr feine Sache!

Besetzung auf der Europa-Tour: Chris Cacavas Gesang/Gitarre (und Orgel, wenn man Glück hat), Chris Holiman Gitarre/Orgel, Ed Kampwirth - Baß, Brandon Laws - Schlagzeug.

Anschließend kursierten Gerüchte über die Auflösung der Junkies (und/oder Lovers), die Bassist Darryl Jensen so kommentierte: "1997 ist das Jahr, in dem Chris Urlaub von Junk Yard Love macht. Junk Yard Love ist eine magische Band, aber wir haben da sehr starke Persönlichkeiten... Eine Menge Kompromisse sind nötig, um den Frieden zu wahren." Produzent Pat Thomas dagegen meinte: "Ich glaube nicht, daß es mit den Charakteren zu tun hat. Der einfache und direkte Grund ist, daß es nach einer Reihe Alben mit den gleichen Leuten und einer Reihe von Touren mit den gleichen Leuten Zeit war für Chris, seinen Sound weiterzuentwickeln, indem er mit anderen Leuten spielt. Chris liebt all die Typen nach wie vor und man darf nicht überrascht sein, wenn einige oder alle mit ihm in Zukunft im Studio oder auf der Bühne gesehen werden - wenn auch nicht allzu bald. Kurzum, dies hier ist nicht das Ausenanderbrechen der Beatles. Ein Mann will halt mit ein paar anderen Musikern spielen, weil sowas inspiriert."

Diskografie
The Chris Cacavas Commitee: You Ruined It (7", 1997); Chris C.: Anonymous (CD/LP, 1997); Chris C. and Junkyard Love: New Improved Pain (CD/LP; 1995); Chris C. and Junkyard Love: Dwarf Star (CD, 1994); Chris C. and Junkyard Love: Pale Blonde Hell (CD/LP, 1994); Chris C.: Six String Soapbox (CD, 1992); Chris C. and Junkyard Love: Good Times (CD/LP, 1992); Chris C. and Junkyard Love: s/t (CD/LP/Cass., 1989; CD, 1997).

Chris Cacavas: Good Times
Cacavas zweites Album mit den Junkyard Love ist eine stattliche Sammlung rauh- melodiöser Rocksongs geworden, die immer mal wieder an die frühen Balladen von Neil Young erinnern (wie "Empty Bottle" und vor allem das Titelstück). Auch Chris eigene Vergangenheit bei Green On Red und Giant Sand schimmert des öfteren durch. Allmählich allerdings glaubt man auch Zeichen einer Original-Cacavas-Handschrift herauszuhören wie beim virtuosen Fingerpicking auf "Chain Of Roses", beim aufgeregten Country-Blues von "Trouble Mountain" oder den Paradestücken dieses Albums, den Folk-Rock-Studien "Over You" und "Rocking Chair".
Lift Stuttgart, September 1992.

Rocking Chair
If you ever make it back this way again
won't you look me up every now and then
I've been and I'll probably still be here
in my rocking chair

took me some to settle down
once I found you / there was no need to look around
and when you left I sold everything
and your diamond ring

falling rain drops / just like the tears are coming down
rolling off my face / making pools on the ground

'Rocking Chair' stammt von GOOD TIMES

Im Guitar Jamboree werden einige Stücke von Chris mit Green On Red und mit Junk Yard Love vorgestellt. Von einem erzählt Basser Darryl folgendes: "'Bellyfull of Bullets' (auf 'New Improved Pain') wurde in einem staubigen Garagenstudio in einem desolaten Nirgendsnest Arizonas aufgenommen. Der Besitzer war eine unvergeßlich schreckliche Erscheinung... Wir hatten Schiß und das kann man hören!"

ANTI WORTEN & DIE PREISTRÄGER

des Preisausschreibens des LOVERs 14

Ein Herr Doktor G. aus dem sächsischen Loitzer Vorland schrieb noch vor Veröffentlichung der Fragen:
1. Die Würze des Lebens ißt nur der Verrückte.
2. 2720 m² (ohne Briefumschläge)
3. 365 (jeden Tag eine!)
4. Jedes Jahr einmal mehr.
5. Would you believe in a love at first sight - yes I'm certain that it happens all the time. [Was in etwa heißt, daß er seine Augen nimmer abwenden konnte. Von der Leinwand?]
6. Seltener
7. Die vergebliche Einführung von langen Nächten
8. Das andere Geschlecht [Jaja, Liebe macht bekanntlich blind, diese Antwort ging leider ziemlich daneben...]
9. Fanclubleiter deutsches Bier in Mocambique
10. Frühstück
Z: Preisausschreiben [Na, hier will jemand 3 Punkte]
Das war gut, 11 Punkte! Das gibt mehr als einen Trost: einen Preis. Aber das bedeutendste bleibt mit allen das Gelächter in der Redaktionsstube. 1000 Dank!

Ein Herr Landmaschinenschlosser H., 32 Jahre lang männlich mit Abitur und einem Eikju von 91 aus einer Loitzer Vorstadt schlug auf den gleichen Muskel:
1. Lapsus live - dafür bin ich reif!
2. 127 m² [Hier war nicht nach verbrauchtem Klopapier gefragt, aber naja...]
3. viele - um die 14
4. solange wir jung sind
5. 14 Veranstaltungen x ca. á 50 Teilnehmer = ca. 700 Verliebungen [Das bringt natürlich nicht die volle Punktzahl, auch wenn Herr Hübner tatsächlich nur 91 Veranstaltungen besucht haben sollte...]
6. ganz einfach - 700 : 2 = ca. 350 Verliebungen [Schade, zum systematischen Fehler kommt noch ein eklatanter: Hat sich niemand vier- oder fünffach über Kreuz verliebt, hm, Herr Hübner? Wie geht's Bertraud, Wolfrun, Erwin?]
7. Mir ist da nix aufgefallen.
8. So genau kann ich das gar nicht sagen. Spontan fallen mir folgende Namen ein: Gerlinde, Uschi, Monika, Irmtraud, Ingeborg und, ich bitte um Verständnis, Egbert und - vor allem - Detlef. [Wieder schüttet hier jemand sein übervolles Herze aus, aber so genau will das ja niemand wissen, oder war der Kopf schon leer?]
9. Leider weiß ich nicht, wer er ist - aber ich würde ihn gerne persönlich kennenlernen.
10. Milchreis mit Apfelmus und Zimt und Zucker [Das gab's zwar noch nie, läßt aber schlimmes fürchten.]
Z: das Nachmittagsschläfchen.
Da spürt man doch irgendwo, daß er sein Abitur nicht im Lotto gewonnen hat! 9 Punkte nach meiner(!) Rechnung. Glückwunsch und ebenfalls Dank für die quietschvergnügten Lachtränen!

Dann kam ein Brief, in dem es eine Lehrerin mit Namen L. aus einer Loitzer Provinzhauptstadt ernst meinte:
1. Die Würze des Lebens ist nur für die Verrückten da! [Ja wo denn?]
2. 2720 m² ??? [Soll das eine Frage sein? Oder 3 Fragen?]
3. 14 (falls die Frage sexuell gemeint war, wünsche ich mich der Antwort zu enthalten) [Und sonst so?]
4. a) n.l. b) wenn ja c) weil ich keine Einschränkungen machen möchte
5. 46,66 x
6. 6,66 x [Ich weiß, 's ist noch nicht ausgestanden.]
7. als das Geld alle war [Soweit sind wir doch noch gar nicht!]
8. Wen liebst Du? [Na endlich!]
9. wie der Name schon sagt: AL WAr ROhrleger und ist es immer noch.
[Alvaros ausführlicher Lebensbericht paar Seiten weiter!]
10. Apfelkuchen!!! [Der ist doch schon alt...]
Z: Hans + Lisa [ja, wenn man's genau nimmt...]
Das autarke Geschlecht verweist auf die Plätze! 12 Punkte! Ein Hauptgewinn!

Erneut aus einer Loitzer Provinzhauptstadt doch diesmal persönlich erreichten mich von einer Gemahlin mit Namen Sigrid diese Antworten:
1. Lapsus live - das gibt Dir drive "Die Würze des Lebens ist nur für Verrückte!"
2. mit allen verknüllten Schriftproben und später zerfetzten Papierbögen so ca. 273956722,56 m² (Angabe nach Hochrechnung statistisches Jahrbuch Zarneklasche Ausgabe) [In Zarnekl wurde noch nie Asche ausgegeben!]
3. Je nach Lover gibt es eine oder mehrere Nummern. [Sicher?]
4. So lange noch jemand live bei Lapsus live erscheint und jemand anders diese Erscheinung mit bloßem Auge erkennen kann. [Und wenn die Erscheinung kein bloßes Auge hat?]
5. Diese Angaben schwanken stark. Viele Beteiligte reden sich mit Jugendtorheiten etc. Knoblauch vernebelte Erinnerungslücken heraus. Aber so 63 werden es wohl sein. Und weiter: Es gibt ein verbürgertes Ehepaar, welches sich bei Lapsus kennenlernte: verstörte Dörte traf den vermeintlichen Thomas. [Wohin?]
6. Alle 63 waren beidseitig verliebt. [Und vorn? Und hinten?]
7. Es gab nie eine Pleite, alles war im Überfluß vorhanden. Aber auch wirklich von allem war viel überflüssig. [Und von allen?]
8. Wen liebst Du? [Frauen sind halt wirklich kuhler...]
9. Alvaro, Alvaro - Schauspieler, Barmixer, Zitronenfalter - so viele Möglichkeiten, aber ich sehe da Schwarz.
10. Ich weiß, fast alle schreiben warmen Apfelkuchen, aber ich esse viel lieber Hefekuchen mit Apfelspalten. [Wann gab's das?]
Z: Alles, was vor 23.00 Uhr stattfindet, danach schlafe ich auch bei tollen Vorträgen etc. einfach ein... [Etc.? Lovern???]
Hauptgewinn. Ein Glück.

Das war nicht der einzige Besuch bei der Redaktion. Eine arbeitslose R. G. aus dem Loitzer Speckgürtel brachte mir solche Antworten bei:
1. Die Würze des Lebens ist nur für die Verrückten. Die Fürze des Lebens sind nur für die Blöden. Laß alles sein - Lapsus lädt ein. Lapsus life hält Hälse steif! [Warum nicht Else?]
2. Jedenfalls nicht 2720 m². Viel zu viel und nicht genug.
3. Immer dieses Machogeschwafel von "Nummern"! [Du hast wohl schon eine?]
4. So lange noch ein Lapsus-Teilnehmer unter 40 ist! [Wer soll 'n das sein?]
5. Früher jedes Mal...
6. Nie! [Nimm's nicht so persönlich...]
7. Meine Halskrause.
8. Scheiße, ich bin reingefallen! [Da rein?]
9. Soviel ich weiß, ist leider gar nichts aus ihm geworden. [Und soviel du schwarz?]
10. warmer Apfelmuskuchen [KKK]
Z: gesund sein, alle Freunde da haben, lachen, mit Ginger Radio machen.
Ja, ich kenn' da einige Langweil-Arbeitslose, wo sich das Leben nur noch um sie selbst dreht + Decke aufm Kopf, z.B. ausm Spiegel. Da bleiben die Antworten schnell mal was schuldig. Schade, nur 10 Punkte. Doch Glück & Gewinn! - Danke schlußendlich für die Mühe, es hat sich gelohnt! Weiter so, Genossen.

Frage 9: Was ist aus Alvaro geworden?
Also, was ist aus Alvaro geworden? Ich könnte jetzt sagen: "Was weiß ich, ich bin doch kein Auskunftsbüro?"; nur weil ich zum Schweigen verpflichtet bin. Aber nein, das würde nicht stimmen. Ich bin nicht zum Schweigen verpflichtet, außerdem bin ich ein Auskunftsbüro. Nein keine Detektei, eher ein privates Unternehmen, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, alles über alle zu wissen und bei Anfragen sein Wissen preiszugeben. Informationen sind ja heute viel wert. Und wer richtig mit ihnen umzugehen weiß, der kann da schon die eine oder andere Mark machen. Wir sitzen inzwischen auf so vielen Informationen, die bisher niemand haben wollte, daß wir schon über einen Frühjahrsschlußverkauf nachgedacht haben. Vielleicht bringt die Teilnahme an einem Preisausschreiben aber genug Reklame, um uns bekannt zu machen.
Also, was ist aus Alvaro geworden?
Als Alvaro nach Afrika zurückkehrte, war vieles anders, als er es aus Europa gewöhnt war. Er hatte Schwierigkeiten, an seinen Heimatort zu gelangen, denn hier fuhren weder Straßen- noch Untergrundbahnen. Auch genaue Landkarten fehlten, und Fremdenverkehrsbüros gab es auch nicht.
Der nächste Bus nach Bagatunda fuhr erst in einer Woche. Von dort aus wäre es dann noch ein 2-Tage-Fußmarsch bis Nitngua, dem Heimatort Alvaros.
Ratlosigkeit befiel ihn. Sollte er warten, bis der Bus kam oder sich einfach durchschlagen, so weit er kam? Er war zu lange von zu Hause fort gewesen, um sich noch in seiner Heimat zurechtzufinden. So entschied er sich zu warten.
Aber Alvaro hatte nicht genug zu essen für eine Woche. Er hätte jagen können, wenn er es noch gekonnt hätte. Aber in Europa hatte er nur die Jagd nach dem Geld, dem Wissen, der Zeit und anderen Dingen, die hier im Dschungel nicht von Bedeutung waren, gelernt. Er fühlte sich verloren in der Weite Afrikas.
Alvaro begann, sich nach Arbeit umzusehen. Nach einigem Suchen stieß er auf eine Firma, die im Auftrag der Regierung eine Pipeline durch den Dschungel legte. Zwei Dinge kamen ihm entgegen. Zum einen war er Rohrleger und zum anderen führte die Strecke direkt durch Nitngua. Das war seine Chance. Er nahm die Arbeit an und verlegte seine Rohre, Rohre, die ihm ans Herz gewachsen waren, die ihm ein Gefühl von Geborgenheit gaben, die er streicheln konnte, wenn er einsam war.
Die Strecke führte mitten durch den Regenwald. Vor dem Rohrlegerteam bewegte sich eine Bulldozer-Mannschaft, die alle Hindernisse hinwegräumte. Eine breite Fläche gerodeten und gewalzten Bodens lag vor Alvaro, wenn er begann, den Graben für die Rohre auszuheben, und von Weitem hörte er das rhythmische Dröhnen der Maschinen, die vor ihm den Weg für seine Arbeit ebneten. So arbeitete und arbeitete er, Tag um Tag, Woche um Woche. Bald würde er Nitngua und damit seine Familie und seine Heimat erreichen. Erst als er die Reste eines Dorfes am Rande der gewalzten Strecke sah, fiel ihm ein, daß sein Heimatdorf genau auf der Strecke gelegen hatte. Erschrocken fragte er, wann die Truppe Nitngua erreichen würde. Etwas verwundert über seine Aufregung sagte der leitende Architekt: "Da waren wir schon vor 4 Tagen." Dann drehte er sich um und beugte sich wieder über seine Zeichungen.
Alvaro ging wieder zu seinen Rohren. Er blieb Rohrleger.
Wer immer auch diese Information haben wollte, er hat sie auf diese Weise erfahren. Wir können natürlich nicht garantieren, daß es sich um den richtigen Alvaro handelt, denn Alvaros gibt es viele. Dieser ist einer davon.
Informationen über die AIA (All Information Agency)

PREISAUSCHREIEN Nr. 2
Ja, das hatte viel Frohsinn gebracht, nun der Nachschlag. Gebt den Löffel ab, leckt den Teller blank und lacht euch kaputt!
1. Frage: Was heißt folgende Abkürzung: LAPSUS?
2. Frage: In der Nähe welcher Stadt liegt Dein Heimatort?
3. Frage: In welchem Land fand zum erstenmal Lapsus live statt, wenn ja, warum nicht?
4. Frage: Wie oft soll es das Preisausschreiben noch geben?
5. Frage: Wie oft wütete bisher die Eifersucht während LL?
6. Frage: Wie oft beidseitig?
7. Frage: Wen möchtest du nie wiedersehen zu LL?
8. Frage: Ist alles, was Du schreibst, gelogen?
9. Frage: Was ist aus LutzBus geworden?
10. Frage: Was ist Deine Lapsus live Lieblingsgruppe?
Zusatzfrage: Was ist der Ausweg? (2 Punkte!)
Einsendeschluß für die Antworten ist Fingstfreytag, wie gehabt an Roland im Lenz 19, Zar Nektar. Es winken wieder tot all, Olle! Preise & vielleicht gibt's die sogar.

FRAUEN SIND DIE

die sich für Männer
aufgeben & verrückt werden
gegenseitig verraten
bekämpfen & ausstechen

die ihn fragen ob es
schlimm ist für ihn
wenn er nicht gekommen ist
die sich für seinen Orgasmus
abmühen
& sich nicht fragen
warum sie sich um ihren
immer selbst kümmern müssen
obwohl er längst weiß
wies klappt bei ihr

die ihn bei sich aufnehmen
in ihr warmes Nest
Essen & Trinken selbstverständlich
sich nicht trauen zu fragen
ob er was dazuzahlt
& wenn doch
kriegt sie schmerzhaft bissig
die Antwort

die ihre Beziehungsprobleme
& Krisen mit ihm lösen wollen
alles in die Hand nehmen
für ihn
er aber liegt traurig & starrt
oder sagt ich weiß nicht

die mit Weibern flüstern
lange Nächte durch
ihren besten Freund spätnachts
zum Beistand herrufen
wenn sie nicht schlafen können
& am Durchdrehen sind
weil ihr Geliebter
nicht ihr Schlafmittel sein will
immer länger wegbleibt nachts
& lieber woanders liebt

die von freier Liebe reden
weil das für sie heißt
sich verantwortlich zu fühlen
für jeden ihrer Geliebten
er nimmt das wörtlich
für ihn ist das
sein Freifahrtschein
er kann sie verlassen oder verreisen
& auf den Mist werfen
wie eine ausgelutschte Hülse
bei der erstbesten
Gelegenheit
oh wie blöd sind die Frauen eigentlich
(Nina, 2/97)

NEUJAHRSANSPRACHE

immernoch hoppeln wir
über diesen blauen Planeten
stinkbesoffen
&
totunglücklich
verliebt in Tretminen
&
einsam
bohren Flugzeuge in Himmel
&
Akupunkturnadeln in Herzen
gründen Banken
& Vereine & Jahre
vergehen auf der Sucht
nach uns selbst
verwaltet auf Ämtern
griffbereit das Lächeln
für ewige
Verstellungsgespräche
flüchtige Fallensteller
tanzen zu zeitlosen Hits
ins Meer
leerer Gesichter
entlassen
aus offenen Armen
&
offenen Anstalten
hoffnungslos
mit guten Vorsätzen
ins neue Jahr
(Nina, 1/97)

DA SICH DIE ERDE WEITER DREHT

In den goldenen Tagen Karthagos
zog Hannibal gegen Rom.
Hinter den eingeschlagenen Haustüren
war jedoch niemand mehr zu finden.
Die metzelten unser Heer nieder
und ließen alle im Eis zurück.
Also, ich gehe jetzt dorthin zurück, woher ich komme,
ich gehe heim zur Sonne.

Da sich die Erde weiter dreht, mein Freund,
soll die Lady auch weiterhin durchkommen!
Da sich die Erde wieder bewegt.

Die ägyptischen Könige singen
von Göttern und Pyramiden aus Stein.
Und sie hinterließen die Wüste sauber und golden
Und scheinend wie ein Leuchtfeuer für die,
die einen Weg gewiesen brauchen.
In den Tag und durch die Nacht gehen wir
und finden unseren Weg heim.

Da sich die Erde weiter dreht, mein Freund,
bleibt mein Liebe bei allen, die ich hinter mir ließ.
Ergründe den neuen Boden um dich her.
Da sich die Erde wieder bewegt.

Dein Bewußtsein kann deinen Körper führen,
und du kannst weiter gehen,
wann immer du Boden unter deinen Füßen findest.
Lies auf, was du findest - zu Wasser, zu Land!
Selbst Industrieschaumglas ist - Sand.

Wenn nur ein weltliches Leben hinter dir liegt,
hast du nie die Sonne gesehen
oder die Hoffnung auf tausend andere Sonnen erfahren,
welche dahinter glühen.
Und wenn du die Zukunft sehen willst,
schau in die Augen deiner jungen, tanzenden Kinder!
Habe keine Furcht um unsere Wege!

Da sich die Erde weiter dreht, mein Freund.
Hab acht, wie die Lady schwebt und seufzend träumt.
Da sich die Erde wieder bewegt.

Moses, Moses, das Rote Meer schlägt über dir zusammen,
wenn du es am allerwenigsten erwartest!
Wenn sich die Erde wieder bewegt.
Wenn sich die Erde weiter dreht.
(Jefferson Airplane 1971)

WEISZT DU NOCH

SchlangeMein Herz fängt an zu singen & mein Kopf fängt an zu dichten jetzt, da ich dich endlich wiedersehe. Zu vieles, was ich dir nie gesagt habe. Also laß uns sprechen mit der Natur, so wie früher. Flüstern, allein auf einem Felsen, bis du kommst. Auf der grünen Burg badeten wir im Nachttau, nackt wie Elfen.
Wunderschön sahst du aus im Mondschein. Die liebsten Stunden verbrachten wir so, innig. Laß uns auch jetzt plaudern die ganze Nacht zusammen. In dem rappeligen Dach können wir uns Märchen erzählen aus unseren 1001 Nächten, die wir miteinander verbracht. Wir wisperten wie die Mäuschen im Gebälk. So auch jetzt. Es ist, als sei die Zeit zurückgekehrt, nein stehengeblieben. Laß uns was saufen, den lieblichen Wein. Denn wir sind auf die Burg verbannt worden, es gibt kein Zurück. Wir können uns lieben wie den himmlischen Jünglingseid, der in uns schlummert & brachliegt. Ich erfinde jeden Tag neue Schmeichelnamen für dich. Du bist mein Schwan, der den Schierling in dem feuchten Moorgrund frißt, das schiere Gift, und doch nicht umkommt. Ich esse all das geheiligt Kraut mit dir vom Wegesrand, wir brauchen nicht mehr. Da leuchtet dein Ohr in der Sonne & ich berühre es mit den Lippen. Mich bekriechen keine bösen Schwächen mehr, seit du bei mir bist. Ich weiß nun, daß ich vor dem Tod nicht verzagen muß. So geben wir uns völlig hin auf dem Altar des Eros. (Nina, 4/96)

Elend

... die mümmeln alles runder. Murmelnspielen mit Totenköpfen. Hübsch rundgeschliffen natürlich. Wie sich's gehört, hörst du? Nix hörst du. Nix! Du willst nix hören & mir summen die Ohren von all dem Gedröhn. Wenn Costa Rica ein Ausweg wäre. Ich wäre längst dort. Aber die längste Zeit bin ich hiergeblieben. Du bist längst gegangen. Du gehst jederzeit. Ich bleibe. Schaue mir das Elend an. Jeden Tag. & nachts auch. (Nina)

FANTA&SIE

KopfVorhänge zur Seite, Türen ein Spalt offen, durchs Gebüsch linsen, still beobachten. Aufmerksam. Den Runden zuschauen, den LAPSUS-Vorbereitungstreffen, den regelmäßigen Plenen der Macker. Als Sammlung von Menschen, deren innere Verbundenheit beschallte Worte im eigentlichen unnötig werden läßt. Doch fordert der Grund (Gestaltung dessen, was außerhalb des Programms) paar Sätze und manchmensch, dem Wellen des Einverständnisses nicht die Energien vom Mund wegspülen, packt sie in Worte auf die Waage seelischen Gleichgewichts. [Wow!]
Entgegen den schwarzen Blockadenbauern des modern(d)en Lebens pulsieren Schwingungen, die sich im Wirbel nahe kommen. [Wow! Wau!]] Ihnen den Weg im Selbst ebnen und außen auf Barrikaden stehen. Was einem Fassungshorizont wetterleuchtet? Oder stehst du über den Dingen, wohl in Bedacht, dein möglichstes (hier oben) zu tun, was sich auf Selbstbefriedigung reduzieren läßt. [Wau! Wau!]
Zum Nebel, der das Gefühl des Verlorenseins hervorruft, gehört auch der Qualm der Zigaretten. Quatsch, gemein sind die Schokoladenosterasen. Sinnlos zugekippt. Da Zukunftssicht wahrnehmen in lebendigen Augen (nicht die der Kinder), die nicht permanent dasselbe sagen und nicht von "Irgendwo" reden.
Oder leukämieverursachende Sätze axiomieren wie "Ich habe nichts gegen [wegzensiert]". Wo  d e r [wegzensiert] ist, fehlt auch was!
Unwiederbringlich!
Wie Licht, wenn sich zwei eigentlich Fremde aneinander lehnen, schwerelos, eigentliches sich äußert und behauptet gegen die ostwärts grassierende Flucht vor dem Tod. Daß Gras wurzeln kann, braucht es keiner kaputten Plattenspieler, die die Welt heil machen wollen. Wahrnehmung auf der Außenschale gebietet immer, sich mit dem drittwichtigsten zuerst zu befaseen. Doch am Anfang ist der Mensch und der Inweltkrise der Boden zu entziehen: welche Musik soll's denn nun zum Tanzen sein. Schwein. (Iron&Nie, 4/90)

DRITTE WOCHE IN CHELSEA

Manchmal ist mir, als ließe ich das Leben hinter mir.
Meine Finger sind schneller als mein Verstand.
Gedanken und Generationen meiner Träume
harren noch ihrer Geburt in den Saiten, und ich hoffe,
daß ich sie finden kann, bevor meine Bewegungen zu lasch werden.
Als ob ich nur leben kann, um das Schimmern des Dämmerns zu empfangen.

Wir versuchen immer wieder, unsere Ahnungen zu verwirklichen.
Strapazieren unsere Nerven, nicht wissend, was wir wahrhaftig fühlen.
Wir verausgaben uns und lassen jeden spüren,
daß sich bewahrheitet, was sie im Rolling Stone lesen.
Und versuchen doch zu vermeiden, dieser Realität auf den Geschmack zu kommen.

Eines frühen Morgens in New York zeigte mir der Spiegel ein Gesicht,
welches ich überhaupt nicht kannte.
Falten zogen sich um ein Augenpaar, das weit offen starrte.
Und als ich in seine Tiefe schaute, fand ich dort rein gar nichts mehr.
Und ich zog mich zurück in diesen kleinen Raum,
aus dem Seufzen und Stöhnen drang-

Als mich das Morgenlicht umfing, merkte ich,
daß mein Hirn noch in Gang war.
Es dachte daran, noch mehr zu spielen
und laut und klar zu singen,
zu versuchen, irgendwo einen Freund zu erreichen
und diese Person zum Lächeln zu bewegen.
Und vielleicht auch mich selbst
aus dieser sattsam bekannten Einsamkeit zu befreien,
die mich zu oft des Morgens überfällt.

(Brückenschlag)

All meine Freunde sagen mir immer wieder, daß es eine Schande wäre,
solch eine großartige Karriere aufzugeben und einen Namen zu zerstören.
Aber alles, was ich weiß, ist, wie es mir geht, wenn ich nicht spiele.
Ja, Einsamkeit gibt es dann nicht, und niemand fühlt einen Schmerz.

Nun gut. Wie geht's weiter? Das wissen die Götter.
Da ich meine Zeit mit der Band nicht in Liebe verbringen kann,
wird mir klar, daß ich eine Pause brauche.
Es ist spät geworden, und die Sonne steht tief.
Mein Körper ist müde vom Tragen der Last eines anderen,
und Sonnenschein wartet auf mich
ein Stück weiter die Straße runter.
(Jefferson Airplane 1971)

RE ¤ act ¤ or - Teil 2

Ich bin schon sehr gespannt auf Lapsus. Nur glaube ich nicht, daß Liebe bei Lapsus so erwünscht ist, zumal das Verlieben bei Lapsus bringt große Probleme & stiftet Verwirrung. Außer bei Leuten, die als Paare kommen, sehe ich kaum Annäherung, Nähe - eher distanziertes Beschnuppern, zurückhaltende Skepsis (man könnte ja in ein Fettnäpfchen treten). Allgemeinen Frohsinn & Blödsinn finde ich bei Lapsus genug, aber gelebte Lust macht sich rar. Da halte ich mich lieber zurück. Ich meine damit nicht nur das bekannte Fremdgehen oder Bekannt-Verlieben, sondern eine Atmosphäre von Leben & Leben lassen und Lieben & Lieben lassen. Vielleicht seh ich das bissel zu krass, aber ich seh mir alles nochmal gern aus der Nähe an. Was so wächst an verrückten Samen aus lapsotischer Erde in chaotische Himmel. Für Experimente ist Lapsus bestimmt der richtige Nährboden.
Jetzt liegt der Lapsus-Lover vor mir. Reginas Artikel gefallen mir gut, Achims genauso & Rolis. Schön, daß die verschiedenartigen Gedichte in unterschiedlichen Schriftarten erscheinen. Nur mit "Plán B" kann ich nix anfangen, ist mir zu abstrus & unverdaulich & megamaschinig.
Nina

Er schrieb Texte für die Klaus-Renft-Combo

Gerulf PannachDer Liedermacher Gerulf Pannach ist am Sonntag (3. Mai) in Berlin im Alter von 49 ]ahren einem Krebsleiden erlegen. Das teilte die Klaus-Renft-Combo am Montag in Leipzig mit, für die Pannach früher Texte schrieb. Zu seinen populärsten Renft-Songs gehören "Apfeltraum", "Als ich wie ein Vogel war" und die "Rockballade vom Kleinen Otto". In der Klaus Renft-Combo, der damals renommiertesten DDR-Rockband, war Pannach Anfang der 70er Jahre auch auf den Keyboarder Christian "Kuno"" Kunert gestoßen, die beide später als legendäres Liedermacher-Duo "Pannach und Kunert" bekannt werden sollten. Pannach galt als eine der großen Liedermacher-Begabungen Ostdeutschlands. Er gehörte seit 1969 dem "Singeclub Leipzig" an.
Im Westen Deutschlands wurde eine breitere Öffentlichkeit auf die beiden aufmerksam, als sie im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann aus der DDR im November 1976 festgenommen wurden und mit dem Schriftsteller Jürgen Fuchs neun Monate in Haft saßen, bevor sie im August 1977 als ,,Querdenker'' mit "falschen Grundpositionen zum Staat"" nach West-Berlin abgeschoben wurden. 1976 hatten sie sich mit Freunden in Leipzig getroffen, um mit dem Renft-Sänger Thomas "Monster"' Schoppe von der Stasi abgehörte Lieder aufzunehmen, die ein Jahr später in der Bundesrepublik als Platte ("Pannach, Fuchs und Kunert") herauskamen.
Pannach und Kunert gehörten zu jenen Künstlern in der DDR wie Biermann und andere, die das System selbst nicht in Frage stellten, sondern immer wieder gegen die Widersprüche zwischen hochgesteckten Theorien und "realsozialistischer Praxis'" anrannten und damit die weitverbreitete Schönfärberei anprangern wollten.
Über die erheblichen Schwierigkeiten, im Westen künstlerisch Fuß zu fassen, zeugten später einige der neuen Songs von Gerulf Pannach und Kunert, die jetzt zeitweise auch getrennte Wege gingen. Pannach schrieb auch Texte für Sängerkollegen wie Veronika Fischer und spielte 1985 die Hauptrolle in dem englisch-deutschen Spielfilm "Fatherland"" (Vaterland) von Ken Loach mit Parallelen zu Pannachs Biographie.
(dpa/Sächsiche Zeitung)

ANTI WORTEN & DIE PREISTRÄGER

Des Preisausschreibens des LOVERs 14
(Nachtrag)

Da weit nach Redaktionsschluß noch Post aus der Nähe von Loitz eintraf und gleichzeitig der erste Probedruck Fragen nach den Fragen laut werden ließ, gibt's in dieser Last-Minute-Beilage sowohl nochmals die Fragen des 1. Preisausschreibens aus dem LOVER 14, als auch die Antworten von Fräulein Pohl.

Dann muß der 14. Lover noch tagelang in der Nähe von Loitz von Hand zu Hand gereicht worden sein, denn ein Fräulein Pohl aus Friedrichshain schrieb kürzlich diesen Schriebs:
1. Die Würze des Lebens ist nur für die Verrückten! [Wer sagt 's denn...]
2. 2720 m² Papier, wie im Lover zu lesen ist, aber wohl schon mehr inzwischen.
3. 14 Nummern, denn dies ist Lover Nr. 14. [Na so was!]
4. Wenn 's nach mir ginge, so lange wie wir Spaß daran haben & Leben reinbringen, meinetwegen Lapsus Live Lebens Länglich!!! [Nach wem geht 's denn?]
5. Bisher war ich an die 4-5 Male bei Lapsus live dabei & hab mich fast jedesmal verliebt, auch letztes Jahr --> wie oft das anderen passierte, keine Ahnung oder noch besser, ob sie sich das auch eingestanden haben (selbst & dem/ der Betreffenden)? Mein Wunschdenken sagt einfach mal 20 x je Lapsus live, also wären das bei 14 Malen, oh Gott ...... 280 Mal. Damit krieg ich wohl nicht mal nen Trostpreis. [Den schon, aber wer, verdammt oh Gott, hat denn nur die 14 Male? Und wo?]
6. 106 x beidseitig, ich glaub, ich spinne... Vielleicht ist sogar 36 x was draus geworden & seis ne irre geile Nacht?? [Na wenn schon, hauptsache, man war dabei.]
7. Ich fand, die Hansi-Biber-Band letztes Jahr war so ein toller Flopp & so voll daneben, daß unsre kreischende Begeisterung genau richtig kam [Kam sonst noch wer?] --> es war ne Messe. Kann man sich bei Lapsus live überhaupt blamieren? Oder sollte man's nicht wenigstens probieren? [Blamieren? - kein Problem.]
8. Jetzt wird's ja noch schöner, denn das wird ne lange Liste, andersrum wärs einfacher: a) Wen liebst du? [Du groß!] b) meinen Milan, Jörg, Robert, Ex-Freunde immernoch ~ immer wieder, Freundinnen, sogar meine Eltern, meine Omi, Franki auch, Achim (!) --> jeden auf meine eigene Art & Weise, genauso Sonne ~ Wind ~ Regen ~ Düfte ~ Pflanzen, Pflanzen ~ Tiere ~ das verrückte Leben mit all seinen Schattierungen, ja selbst mich manchmal ... [Und das normale Leben mit all seinem Licht.]
9. Alvaro kenn ich nicht, aber was soll schon aus ihm geworden sein? Klassenbester? [Der Arbeiterklasse.]
10. Sigrids toller saftiger Apfelmus-Blechkuchen [Blechkuchen?] & die irren Salate samt Vogelmiere usw. [Die armen Irren.]
Z: Trommeln ~ Tanzen ~ Lagerfeuer ~ Lachen ~ Blödeln ~ Lieben

Ich mache den Mund zu. Das war offenherzig und bringt 10 Punkte.

PerFormMensch

Leider ist die Ende der 80er kurz aufflammende Performance-Serie bei LAPSUS LIVE (Spinne, PerforMensch) völlig verraucht. Falls jemand materiell anspruchslose, aber Spiel- und Basteltrieb entgegenkommende Ideen parat hat, so laßt Euch durch nichts aufhalten - wäre schade drum.
Meine Idee mit 400 Luftballons einen RegenBogen/SonnenPfeil zu installieren, erfüllt leider die Bedingung der materiellen Anspruchslosigkeit nicht sonderlich... Aber schön wär's schon. Achim

Im LOVER 15 erschien auch das Programm für LAPSUS LIVE 1998.

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