OVER Nr. 16


LOVER Nr. 16

(erschien 07/98)

Auszüge:

[Das Beste] - [Im Gestrüpp] - [Präaktor] - [RE ¤ act ¤ or #1] - [Gewusst?] - [Refugium] - [lana.tirol] - [Die nächste Nummer] - [Chris Cacavas] - [AntiWorten] - [Preisausschreiben] - [NETt] - [Kriegsfilm] - [Key MG] - [Pink Dream] - [RE ¤ act ¤ or #2] - [Santana] - [Gundermann] - [Radio Robotron] - [Wichtig Nicht] - [Dead Can Dance] - [Bemerkung] - [Bemerkung zur Bemerkung] - [Makake Wakan]

LOVER No. 16

INFORMATION ist nicht WISSEN

WISSEN ist nicht WEISHEIT

WEISHEIT ist nicht WAHRHEIT

WAHRHEIT ist nicht SCHÖNHEIT

SCHÖNHEIT ist nicht LIEBE

LIEBE ist nicht MUSIK --

MUSIK ist DAS BESTE!

(Frank Zappa, 1979)

Im Gestrüpp der Erinnerungen

Im Gedränge der Erinnerungen wuchert Unrast. Sumpfige Niederungen, drohendes Versinken & Nebel hüllen mich ein zu Anbeginn. Durch undurchsichtiges Unterholz krauchen. Tierisch nach Licht & Helle gierig schnuppern. Männliche Bäume, unendliche Versuchungen & Versuche. Oben wogen Baumhäuser von Weibern.
Ich raffe meine 6 Röcke & kletter in Baumkronen. Möchte den Überblick behalten.
Doch hastig bricht die Nacht herein. Sterne gaukeln über mir & ich hab den Abstieg gewagt bei Sonnenuntergang.
Im raschelnden Schilf verharre ich schweigend. Duftwolken von wilden Blüten ziehn dahin & bestäuben mich. Dann verkriech ich mich im Dickicht des Waldes.
Ein weiches Moosbett voller Kräuter & Gräser empfängt wirre Nachtgedanken.
Nackt breite ich mich aus auf der Mondlichtung.
Ich tanze & schwinge unterm feurigen Vollmond.
Herbstflüstern legt sich in meine leisen Gesänge. Mein Gang wird flüchtig.
Meine Augen sind weit offen. Wie die Landschaft vor meinen Augen als der Morgen graut.
Krächzend breite ich meine schwarzen Schwingen aus & fliege der Wintersonne entgegen. Der pastellfarbene Himmel schimmert in meinem Gefieder & trägt mich mühelos, wohin ich will. Nestwärme begleitet mich auf meinem Flug. Baumkronen schützen mich, wenn ich fast unsichtbar über ihre Wipfel streife. Erde umgibt mich in aller Ruhe nach dieser weichen Landung. Fittiche, in die ich mich fallenlassen kann. Ich bin angekommen. Bloß weiß ich nicht, wo ich jetzt bin.
Und auch nicht wohin.
(Nina 2/98)

PRÄ ¤ aktor

Wassn Ja...
Und ich mach mir wieder mal nen Kopp, wo die Lapsusliveatmosphäre herkommt, entsteht, obs einzelne Macker sind, der Ort, Gewohnheiten? Was formt die Energie in der Hauptsache? Wer steigt aus, und Lapsuslive stirbt; welcher Ortswechsel bricht diesem Fingstfest das Genick; bleibt Lapsuslive ewig verlockende Hülle und währt am längsten? Roland

Die Sonne scheint am Tag und am Abend ist der Himmel blau. In der Nacht kommt ein kleiner Vogel und zieht mich mit sich fort, ins Traumland. Durch ein Lichtmeer von Sternen fliegen wir, hin zum allerschönsten und weiter bis zum Mond. Dort warten bunte Rehe, Wölfe und manchmal auch Pferde ganz weiß, silberne Wale und honigfarbene Schmetterlinge. Sie begrüßen uns und wir verneigen uns tief voreinander, mit lachenden hellen Augen, ganz blau. Danach setzen wir uns um einen riesengroßen Diamanten, der uns die abenteuerlichsten, schönsten Geschichetn erzählt. Alles glitzert und hinterläßt Spuren in den Gesichtern, rosige Wangen mit Abdrücken von Kirschblüten. Zu allem singt ein Schwan sein bestes Lied und wird begleitet von dem Rauschen der Bäume, dem Flügelschlag einer Nachtigall und dem Bass einer Hummel. Wenn danach noch Zeit bleibt, setzen wir uns in schaukelnde Fledermäuse und fliegen mit einem Salto zurück zur Erde. Ohne Spinnen im Netz. Und noch am Morgen bläst mir der Wind den federleichten blauen Duft der letzten Zaubernacht entgegen. Und ich muß niesen, um wach zu werden. Ines
Nach Gabis 'Berichten' scheint Lapsus ja mit wechselnden Gefühlen erwartet zu werden. Aber das geht ja jedem so irgendwie. 'Einfach laufen lassen' wird aber diesmal wahrscheinlich noch weniger klappen als sonst. Es scheinen so ziemlich alle viel mit sich selbst zu tun zu haben... Wer weiß, ob sich da je mehr als zwei begegnen... oder ertragen können... Brocken Harz... Achim

Friede und Liebe sei mit Euch!
Ich danke Euch allen, daß Ihr hier wart!
Ich wünsche, daß dieser Ort am Leben bleibt.
Ich wünsche, daß Lapsus am Leben bleibt.
Ich wünsche, daß die einzeln, zweizeln, dreizeln erlebten Lust und Liebe so lebendig bleiben, daß sie ins größere Uns treten können und am Leben bleiben.
Bitte schickt Eure Beiträge für den LOver 17, Briefe, Blumen und Briefmarken bis zum 30.9. an mich, Supernovalis 19, 17121 Zarnekla.
Alles Grüne! Roland

RE ¤ act ¤ or #1

Lapsus ist tot? Es lebe Lapsus!
Geht es nur mir so, oder hat sich da tatsächlich was bewegt? Leider wieder nur für einen Moment ... oder hält es länger vor? Alles Äußerliche trat in den Hintergrund - nur einfach Menschen, die sich begegnen. Oder auch nicht. Fronten, die sich zeigen, sind echt und existieren doch ausschließlich in unseren Köpfen. Ich kann nicht alles annehmen - das ist okay. Es wäre gut, wenn ich's einfach lassen könnte, wie es ist. Widerstände schlucken so viel Energie. Unruhig, ohne zu verkennen. Noch schöner wäre: ruhig.
Es gab auch Augenblicke, wo alles am rechten Platz war - in meinem Kopf. Nicht nur wegen der Tramaltropfen. Das seltsame Verlangen, jemanden zu streicheln - einfach so. Nicht nur die Kinder, auch wenn es so scheinen könnte, als seien sie uns über. Vielleicht werden sie es auch sein, doch noch müssen sie durch den dicksten Schlamassel.
Wir sind mittendrin, und ich sehe nur wenig Klarheit, viele Ver(w)irrungen. Lapsus bietet Chancen. Nicht nur für Monika. Leider ist die Zeit so kurz, das Programm so voll. Doch wenn man nichts erwartet, geschieht unendlich viel. Bewegungen zur Mitte, manchmal fällt ein Schleier, und man erschrickt wohltuend. Sehen, wie zwei sich zögernd liebgewinnen, wie ein Kind vertraut und all den Schmerz, der plötzlich an Tiefe gewinnt. Alles strebt letztlich zur lebendigen Ruhe. Liebe will nichts für sich. (Und ich will immer noch so viel für mich). Regina

... Natürlich nehme ich gar nichts leicht. Und so fuhr ich so kaputt nach Hause, wie ich glaubte ganz zu sein. Nur mich selbst nehme ich zu leicht und falle dabei immer schwer auf die falsche Seite. Ich schleppe mich zurück zur Gosse, aus der ich kam, zu all den kranken Kranken. Ich lebe in einem Labyrinth aus Tretminen und finsterer Nacht. Alles wird passieren, nur raus komme ich nicht. - Jeder Gang macht schlank. - Doch je enger die Gänge, desto größer wird die Hand, die ins Leere greift. Mühsam kommt sie da durch und greift zu in jenen wabbeligen Schleim, der sich durch jede Ritze schiebt und eins wird mit meiner Sprache.
Zum Kuckuck! Wer brüllt da so laut, daß einem die Beine wegfliegen, hoch an die verquerte wand, die mich nieder drückt. Wo einstmals Himmel war, lebt heute nur noch der Mond. Der allmächtigste von allem. Wenn ich ihn aus den Augen verliere, werde ich ihn nie mehr sehen können. Das ist so gewiß, wie mein Herz, das sich der Trauer bemächtigt und irgendwann aufhören wird, alles kaputt zu schlagen. Bumm ^ bumm, bumm ^ bumm, bumm ^ bumm... Ho ho! Da lacht die Nacht und weiß, daß es so sein wird. Nichts ist mehr ungewiß, wenn der schwarze Teeregen kommt und die Augen verschließt.
Bumm ^ bumm, bumm ^ bumm...
Kreidebleich leuchtet das Gesicht aus der Nacht, wie der Mond in alle Ewigkeit. Hab Erbarmen!  H a b  E r b a r m e n, wenn mich die nacht so findet! Kinderleicht und schwer wie eine Feder geht mir der Atem. Zug um Zug und den nächsten werde ich nehmen. Runter da! Was setzt sich da immer in meinem Kopf obenauf? Hinunter, oder verliert hier jemand das Gehör, daß ich Hand anlegen muß an die Stirn, die höher davon nicht wird? Doch die steckt ja fest in einem Berg von Totengräbern. Stein für Stein über der Blume in der Mauer. Wenn alle bleiben, muß ich gehen.
Bumm ^ bumm, bumm ^ bumm, ... ^ bumm. Ines

Eine knappe Woche nachdem ich bei euch war, wirkt der Freitagabend noch nach. Die Atmosphäre insgesamt, berauscht von Klängen und der Umgebung, von Bildern, die alles mögliche im Kopf freischaufeln und diese wilde, direkte, klare und wohl gerade deswegen geheimnisvolle Nina! [...] Geht es immer so familiär zu? [...] War schön. [...] Bis irgendwann! Eb

Viele herzliche Grüße und vielen Dank für Alles. Es war wie schon im letzten Jahr sehr denkwürdig, anstrengend, wunderschön, voller Melancholie und auch Hoffnung machend. Ich hoffe auf viele Wiedersehen.
Beatrice. Viele Grüße auch von Toni.

Rückblickend
Ich bin gern nach Zarnekla gefahren. Es gab nichts zu fürchten, es gab nichts zu erwarten - ich habe nichts WESENTLICHES ERWARTET. Distanz und Nähe waren für mich ein Problem? - Distanz und Nähe gehören dazu! Ich habe nichts gefunden, was der Wahrheit nicht entsprochen hätte, was ich nicht begriff angesichts meines Gewahrseins. Ist es nicht immer wieder unmittelbar ganz und gar in uns - der Ärger und vor allem - die Freude! Und beides hat sich innerlich zu dem gesellt, was ich bin!
Was uns dermaßen fesseln könnte, ist doch nie etwas Konkretes, welches hervorzuheben wäre, welches alles andere in den Schatten stellte. Ist es nicht eine Art Glückseligkeit, eine Art Losgelöstheit von all dem Konkreten erst, welche uns immer wieder zusammensein läßt, welche über allem schwebt, welche uns all die Nichtigkeiten vor Augen führt, vor denen dieses Zarnekla auch in den Tagen des Lapsusfestes nicht gefeit sein konnte?
Es ist eine Art Glückseligkeit, die in uns present ist, von der wir uns mehr UND weniger leiten lassen! Wir sind losgelöst in allem oder wandeln verloren und einsam in Erwartungen und Ansprüchen praktisch ziellos umher!! (Das heißt, irgendwelche konstruierten Scheinziele lassen sich immer finden - überall, tausendfach!) - Lapsus hatte von ALLEM was - wie sollte es auch anders SEIN. Dirk

Was mir besonders gefallen hat ...
Da möchte ich zunächst den nun schon fast legendären "Quadrophenia"-Vortrag von Achim erwähnen - da hab ich's am meisten bedauert, nicht lostanzen zu können wie die Showgirls in der ersten Reihe! Immerhin wirkten meine Tramaltropfen fast so wie die bunten Pillen, die der Held der Geschichte schluckte - bildete ich mir jedenfalls ein. "Out of my brain", wenn auch nicht im train (trotzdem total abgefahren).
Der "Schwanengesang" beeindruckte ebenfalls, aber da konnte ich nicht so schön mitsingen ...
Als rundum stimmig empfand ich den Auftritt von Martin und Andreas: ehrlich geklaut und gekonnt & liebevoll weitergesponnen - da capo! Die Klebstoffdias paßten - wieder mal - perfekt dazu und führten stellenweise ein seltsames Eigenleben ... ("Seht ihr das jetzt auch oder sind das meine Tropfen?")
Gefallen hat mir auch der Lovecraft-Vortrag, vor allem die originelle Bebilderung + Vertonung. Die Geschichte hätte ruhig noch grusliger sein können, trotzdem machte sie Lust auf mehr (im nächsten Jahr?). Daß mir Dirkis Dead-can-Dance-Vortrag nicht nur zu Ohren, sondern auch zu Herzen ging, muß ich wohl nicht extra betonen ...
Jetzt noch ein Bienchen für ... Organisation und Technik ließen dank Achim kaum zu wünschen übrig. Gerade weil das (fast) immer so gut klappt, vergißt man vielleicht allzu schnell, wieviel Arbeit und Mühe dahintersteckt.
Und Gabi war wieder eine liebe Küchenfee.
Fazit: Hoffentlich haben gerade diejenigen, die mit Lapsus live den größten Aufwand haben, auch weiterhin Lust, diesen zu betreiben.
Mir liegt auf jeden Fall sehr viel daran.
Lapsus forever and ever! Regina

Hinterblickende Fragen/hinterfragende Blicke
Weil ich zu denen gehöre, die auch hinter die Lapsus-Kulissen blicken können, möchte ich nochwas schreiben, was mir einfach zu Herzen geht/am Herzen liegt. Es ist so einfach, anzureisen, sein Leben mit allen seinen Problemgestrüppen mal für ein paar Tage zu vergessen, sich berauschen zu lassen, aufs Geheimnisvolle einzulassen, aufs Nichtalltägliche am nichtalltäglichen Ort.
Es ist so einfach, einen Ort zu betreten, mit dem Eigenen in der Hand, einen Ort, der vorbereitet ist, offenen Raum zu bieten für das, was da dargeboten werden will.
Es ist so einfach, aus dieser Position heraus umsichblickend dann - selbst aufatmend, für den Moment vielleicht mit mindestens der Illusion der Freiheit, auch herabzublicken auf andere, die allein schon dadurch niedergedrückt sind, daß sie nicht die Kraft hatten oder nicht die Zeit fanden, gerade diesen Raum, der nun so selbstverständlich als Bühne betreten wird, von im Augenblick (oder länger) strahlenden Stars, noch schöner, heller, vielgestaltiger anzubieten. Wenn die Kraft nur mehr für das "Nötigste" reicht, nicht mal die Hoffnung da ist, das Bunte könnte mit den Gästen einziehen, wenn die Enttäuschung über sich selbst schon so groß ist und dann noch Niederschmetterndes von da kommt, wo es eigentlich besser gewußt werden könnte, wo aus Zu-Neigung, aus Nicht-Abwenden auch Nachsicht, Mitgefühl, entstehen könnte.
Zum Glück gibt es Menschen, die trotzdem von einer "Atmosphäre insgesamt" sprechen, die unbelastet von alten Rachsüchten (oder was weiß ich - ich weiß es eben nicht) sich beschenkt fühlen, die vielleicht mehr den gesamten Hintergrund durchfühlen, nicht nur das vordergründig Sichtbare. Diesen bin ich dankbar, wünschte, ihre Gefühle hätten mehr Gewicht als anderes, Niederschmetterndes. - Nicht für mich, aber mir nah.
Ja, ich verstecke mich hinter vielen Worten, ich fürchte auch die scharfe Feder derer, die sich kritisiert vorkommen. Ich möchte nicht kritisieren, ich möchte hier nur die Stimmen derer stärker sichtbar machen, die vielleicht nicht so schnell mit Worten zur Hand (und aufs Papier) sind, möchte das etwas ausgleichen, was hier umzukippen droht. Ich wollte jetzt einfach mal auch ungefragt was sagen. Dazu.
Und ich? Ich habe Lapsus erstmals wirklich miterlebt, mehr innerlichen Anteil genommen als bisher, erstmal wohl auch mehr gespürt, was es für die bedeutet, die seit so langer Zeit damit leben, auch wenn mein Hintergrund ein sehr anderer ist. Ich sagte zu Roland irgendwann am Samstag-Morgen, nach einem aufregenden, neugierigen, vorfreudigen, frohen Freitag und einer wunder und schönen durchtanzten, durchschwebten, glücklichen Nacht: "SO muß Lapsus sein!" Da war's schon  hell, klang die Musik aus und wir zwei Übriggebliebenen fanden zu meiner frohen Überraschung sogar noch andere Wachgebliebene - ebenso glücklich/müde - in der Küche...
Glücklich ging ich schlafen und dachte, etwas von der Atmosphäre der Nacht noch in der Luft spürbar schweben zu sehen, für die jetzt Erwachenden, als gutes Startgefühl für den neuen Tag.
Daß meine Erinnerung Löcher aufweist, und daß mein frohes Vorgefühl auch für die weiteren Tage sich dann nicht verwirklichte für mich, hat ganz allein persönliche Gründe, hat mit Lapsus garnichts zu tun und entsetzte mich am Montagmorgen ganz furchtbar beim Erwachen in die Morgendämmerung, die so hörbar nicht mehr mit Musik erfüllt war, dabei wollte ich diese Nacht doch so gerne noch dabeisein. Bitter für mich, verpaßt, vorbei.
Aber die anderen? Ich hoffe, daß es für sie so weiterging, wie es für mich am Freitag begann. Vielleicht ist dafür doch jeder etwas selbst verantwortlich, ich kann jedenfalls meine Traurigkeit dieser Tage keinem anderen anlasten. Ich lasse sie mir aber auch nicht vorwerfen. Es ist so passiert. Ich hoffe, daraus lernen zu können.
Und freue mich aufs nächste Mal!
Was meinen Erinnerungslücken entging: Das Gesichterbemalen (!!! Körperbemalung nächstes Jahr?) Wieviel Liebe ich neu keimen sah, überhaupt die Keime, die Neuanfänge, hoffnungsvoll in allen Schutthalden Blüten (sogar die Unkräuter blühen im Garten), wieder sehr genießbar der Vortrag von Regina/Dirk (?) in blau und gelb (!!), absolut Spitze (!!!!!!!) Monikas große Chance (ich wünsche mir sehr Fotos - irgendwer knipste da doch...) schauspielerisch vor allem Dirk, für den finde ich noch gar keine Worte... unglaublich, zum Totlachen und ich habe das alles sehr bewundert: Idee, Aufbau, Text, Aufführung,... würde das am liebsten nochmal sehen..., ich hab auch beim Radio Robotron sehr gelacht (Regina! Toll!!!!!), bin traurig, weil ich Key MG versäumte, zum verstehenden Gefühl trugen die Dias über all die Lapsus-Jahre sehr bei: schön/lustig/interessant für mich, trotzdem ich kaum ein Gesicht kannte, vom Fußballspiel blieb mir das Bild: Clemi - von Roland angefeuert - so mutig gegen ausgerechnet Dirk anrennend - ich wurde zum Clemi-Fan: keiner war sonst so tapfer und mutig und dabei so ernsthaft (und ich lernte auch Roland noch bißchen kennen - interessant), freu'mich auf meine Dias von der Bauernolympiade..., Ninas Fotos waren nicht unerwartet, machen mir Mut, wie auch manch anderes an ihr, und sehr berührend und schön fand ich "Bruder Baum Baum Bruder", denn - fiel das noch wem so auf? - für mich ein selten positiver Vortrag von Roland, nach all dem abgründig Düsteren, was ich von ihm schon las und hörte, direkt licht und hoffnungsvoll, obwohl ja gerade dieses Thema auch zum Totalpessimismus verführen kann.
Hab ich was vergessen? - dann bitte ich um Nachsicht, ich war auch sehr oft so müde und... siehe oben...
Und jetzt bin ich neugierig, was die Redaktion aus Platzmangel wegschnipseln wird, ich habe mich ja nicht gerade kurz gefaßt...
Voll Vorfreude und Hoffnung für nächstes Jahr seid alle lieb gegrüßt
Nathalie. (P.S.: War Lapsus diesmal wirklich anders als die letzten beiden Male, oder scheint das nur mir so? - so viel Liebe...!!!) ungekürzt

Einmal - es geht vorbei
Wir "Erwachsenen" spielen nicht mit Lego, uns fesseln die Ego-Bausteine. Ich bitte jeden einzelnen von Euch um Verzeihung und Annehmen, daß ich so abwe(i)send war - falls jemand darunter litt. Wer Plán B ernst genommen hat und Überhaupt, wird vielleicht auch was verstehen. Ich lebe noch. Hart an der Grenze, mitten im Strudel. Ich sehe kein Land, schaffe gerademal die nächste Bewegung. Und es ging eigentlich gar nicht, daß Lapsuslive hier diesesmal wieder heimstattfinden konnte. Da ist in einem Jahr, das auch mehr als randvoll mit Verzweiflung, Tränen, Pein war, Unmögliches einfach geschehen.
Das hat mit Liebe zu tun, auch wenn ich oft genug höre, daß ich doch gar nicht wisse, wovon ich da rede. Oder was ich da lebe.
Der Ort hier, wie er ist, was er bedeutet, ist in Lebensgefahr, Rote Liste, vom Aussterben bedroht. Sehr selten höre ich, daß ich auch endlich mal was für mein Glück machen muß, mein eigenes Leben, Empfinden von UnterFernerLiefen an die richtige Stelle zu heben. Aber für mich kommt jetzt diese Stimme unüberhörbar aus mir selbst. Man ist anderes von mir gewohnt, auch der Ort hier kennt andere Kräfte von mir, und ich will "das" hier (was bedeutet das eigentlich für euch?) auch nicht aufgeben. Ich weiß nicht, wie es weitergehen wird. Das alles tut sehr sehr weh.
LapsusliveSpuren:
Am meisten beeindruckt haben mich die bemalten Gesichter. Wundervoll! Ich glaube, so in etwa passiert auch etwas manchmal im Inneren der Lapsoten in all den Jahren. Und das ist für mich ein Teil dessen, was LL bewirken kann und bewirkt. Verwandlung, Verzauberung, die grauen Schichten haben nicht mehr den Halt, innen wird's licht, bunt, schön, froh.
Schwierigkeiten hatte ich wieder mit Reginas Art&Weise, Achim als Zielscheibe zu benutzen, daß das Radio Rumpeltron letztlich ein ungutes Gefühlsgemisch bei mir hinterließ.
Gut getan hat mir die Aufzählung der hier gepflanzten Baumarten in meinem Vortrag, es gibt eben verschiedene Zugänge, mit dem Leben in Kontakt zu kommen. Natürlich habe ich auch meinen Wilber gelesen.
Sehr mutig fand ich die Art&Weise der Schwanen-Darbietung, die Stille, die Dunkelheit mit dieser Musik gefüllt, pur an die Gefühle, ohne das "Flachland" von unendlich vielen Bildern. Mir fiel danach ein, wie die westdeutsche Gruppe Delta Minus T ihre letzten Konzerte von der Bühne brachte. Ganz ohne Musik.
Ein Bandmitglied sitzt auf der Bühne auf einem Stuhl und läßt sich in bestimmten Rhythmen immer wieder runterkippen, auf die Bretter runterfallen.
Was von der Musik für den Körper übrigbleibt. The Swans. Was bleibt für das Herz übrig? Was bleibt für den Geist übrig?
Was bleibt uns übrig?
Mir noch ein fantastisches Gefühl vom Tanzen am Samstag in der Frühe. Und die Erinnerung, daß so vieles an Lust und Liebe sich fand und vielleicht den Weg ins größere Uns finden wird.
Und was noch übrig bleibt zu sagen: The salt of the life. All ihr hart arbeitenden Leute, ich will ein Licht für euch anmachen: für die Leute, die die Galerie an die Scheune bauten, die Leute, die den Fußboden in der Scheune auswechselten, die Leute, die für erste Ernten im Gewächshaus sorgten, die Leute, die die neuen Vorhänge machten, die Leute, die den Biogroßeinkauf in die Reihe kriegten, die Leute, die die Wiese mähten und den Schnitt wegschafften, die Leute, die ein drittes Klo hinstellten, die Leute, die Bänke und Tische ranschafften, die Leute, die die Blumenkästen belebten, die Leute, die vielleicht eigentlich für sich selbst wichtigeres machen sollten und für die Leute, die fragten, was es noch zu tun gäbe.
Neben Lapsuslive. Ich hätte so sehr gern 2 bis 12 Leute ab und an im Garten helfend gehabt und bin von mir selbst enttäuscht: wieder nicht rübergebracht ("Land unter!"), selber abwesend an der Stelle.
Im nächsten Jahr wird wieder vieles anders aussehen. Ich auch. Roland

GEWUSST?

Wenn DIE Musik vergeblich dich umtost,
Weil DER Taktstock ein zu schlaffer,
Bleibt noch als intellektueller Trost:
ES kommt immerhin der LOVER.

Refugium der RetroRocker

Die LAPSUS LEGENDE bot mit ihrer musikalischen Untermalung durch Omega, LGT, Eric Burdon, Pink Floyd usw. neben Beiträgen wie Ommadawn, Dylans Tarantel, Quadrophenia und dem erleuchteten Konzert von Martin und Andreas ja schon einiges an Atmosphäre längst vergangener Tage. Und so veranlaßte mich Stefans Bemerkung, der LOVER erscheine im Retro-Look, das Programm mal unter dem Gesichtspunkt zu betrachten, wieviel hier in den Røckspiegel geschaut wurde. Und da waren dann doch etliche echte 90er dabei: Chris Cacavas und Rich Hopkins (soviel sie auch dem Vergleich mit Neil Young ausgesetzt sein mögen), The Swans (übrigens nur zur Hälfte aufgeführt, die Copper Disc blieb im Cover), Dead Can Dance (die berechtigter Weise in keinem Rocklexikon auftauchen) oder auch Station 17. Wer allerdings mit den 90ern vor allem die Reduzierung auf Rhythmus und Einfalt meint, hätte sich enttäuscht sehen können - nur: wer von den Lapsoten tut das schon?
Wie versprochen bot der 98er Jahrgang über 30 Stunden Songs und Sounds, Bilder und Visionen, Gedichte und Gedanken, Spiele und Tänze. Insgesamt waren nach meiner Zählung 45 Lapsoten mehr oder weniger anwesend.
Mir hat die diesjährige Mischung besonders gefallen, da etliche ziemlich spontane Sachen dabei waren: das Kaffeekonzert mit Tom, Tom und Stefan zum Beispiel oder die TonDichtungen von Nina, Stefan und Imre. Tom sorgte zu meinem großen Vergnügen dafür, daß ich das Keyboard nicht vergeblich mitbrachte. 'Ich mache keine Anstalten - Eine Verunstaltung von Station 17' von Nina gehört auch zu den nicht im Programm angekündigten Beiträgen. Dankeschön jedenfalls an alle, die sich nicht lang bitten ließen und damit dem Namenszusatz der Veranstaltung insbesondere gerecht wurden: LIVE!
Dank auch an Nathalie, die den knatterfreien Verstärker zur Verfügung stellte und inzwischen hoffentlich den meisten Staub wieder aus dem Teil rausgeblasen hat. Die Anlage war in diesem Jahr überhaupt sehr annehmbar ausgestattet, vom gelegentlich halbseitig stummen Mischpult mal abgesehen. (Da wird der Lötkolben wohl noch ein ernstes Wörtchen sprechen müssen.) Selbst die jedesmal wieder spannende Küchenbeschallung klappte doch ganz gut. Nicht so toll war der Diaprojektor, der das Scharfstellen zu einer echten Steheraufgabe machte; der müßte wohl mal auf den OP-Tisch.
Wenn auch die langen und lauten Nächte für manchen Zelter eine anscheinend unangenehme Überraschung waren, so schienen doch letztlich die allermeisten besser damit zurecht zu kommen als Christina, die sich mit den Worten "Das ist die Hölle!" beschwerte und tagsdrauf samt Florian schnell wieder verschwunden war. Ob's allerdings wirklich die Musik war, die gemeint war, oder die überwiegend taktlosen Trommeleien und Urschreie, kann ich nicht sagen... (Warum Jimi und Carlos am Montagmorgen als schlecht tanzbar galten, bleibt mir ebenso ein Rätsel.)
Die engagiertesten Darbietungen waren sicher die Konzerte und vor allem das ultimative Kabarett zu Monika's Großer Chance. Das war sehr amüsant und leider sehr treffend. Mein Wunsch, und vielleicht nicht nur meiner, wäre es, Monika's Große Chance zum Dinner for One bei LAPSUS LIVE zu machen...
Im Sinne der Preisausschreiben gab's auch in diesem Jahr etliches zu zählen, so man wollte... Verrechnet hat sich hoffentlich keiner. Verletzt schon - mein linkes Wadenbein schillert in den tollsten Farben... Pech. Glücklich jedoch die Zweitplazierten der Bauernolympiade ob des leckeren Preises, den die Vorletzten seltsamer Weise auch bekamen...
Der Bitte um spendable Hinterlassenschaften insbesondere in Form von daheim überzähligem Geschirr und Besteck wurde in diesem Jahr von einigen Gästen entsprochen - vielen Dank!
Ob wir diese im nächsten Jahr wieder auf die lange Bank schieben? Achim

lana, tirol.

lana, wo ich freundschaft fand und achtung,
bei den junkies und fahnenflüchtigen und
scheckbetrügern, den abenteurern aus amerika
afrika und ganz europa, und nachts,
am feuer, vollmond über haschischwolken
gehängt, verwandelt sich giorgio, der tags
zum vergnügen der touristen am lagerfeuer
spottpredigten hält in ein meer aus
trauer, in eine fliegende mundharmonika
die meine gitarre hinaufzieht bis dahin
wo der himmel zuende ist und ich
ertrinke schwankend in den leisen akkorden
die nicht von meinen händen stammen
können weil meine hände im bauch der gitarre
verschwunden sind und plötzlich
weiß ich um das wunder des blues:
er ist einfach und handelt von einfachen dingen.
(Stefan, aus GAO, 1984)

Die nächste Nummer

Aufgrund strenger Auflagen der Institution fragwürdigen Zwecks (IfZ) sieht sich die Redaktion des LOVER dazu veranlaßt, Lieferungen nur noch an Mitglieder der LAPSUS e.V. vorzunehmen. Die Empfänger des LOVER erklären sich mit der Entgegennahme des Exemplars damit einverstanden, den Zugang Dritter zu dem Schaustoff nach besten Kräften zu unterbinden, insbesondere also das öffentliche Schauen zu unterlassen. Um einen Zugang zu weiteren LOVER-Ausgaben zu erhalten, ist die Mitgliedschaft im LAPSUS e.V. zu erneuern. Dazu ist die wahrheitsgetreue und ausführliche Beantwortung folgender Fragen Voraussetzung. Wenn Du Mitglied im sogenannten Leserattenclub des LOVER werden willst, so bemühe Dich um die Beantwortung der sicher schwierigen Fragen. Sie sind schwierig, weil wir sicher sind, daß nur ein paar ganz besondere Leute daran interessiert sind, Mitglied zu werden; und diesen wird die Beantwortung letztlich gelingen. Außerdem müssen dem Brief mit den Antworten mindestens 4 x 1 DM in Briefmarken beiliegen: als Mitgliedsbeitrag, Unkostenbeteiligung und Portovorschuß. Andernfalls nützen die tollsten Antworten nichts. Lebens- und Notgemeinschaften können sich die Beantwortung und die Briefmarken teilen. Hier also die Fragen:
1. Name und Anschrift? Telekommunikativ erreichbar? (Fon, Fax, Email)
2. Warum willst Du den LOVER bekommen?
3. Wer ist Gott? Glaubst Du das wirklich?
4. Außersinnliche Wahrnehmungen? Welche?
5. Wie ist Dein soziales Umfeld beschaffen? Was willst Du daran ändern? Warum nicht? Wovor hast Du Angst?
6. Was ist Dein Lieblingstraum? Wann zuletzt geträumt?
7. Was ist Dein schlimmster Alptraum? Wann zuletzt davon aufgewacht?
8. Kennst Du weitere Interessenten am LOVER? Falls nicht, warum nicht? Wenn ja, wen?
9. Wie ist Deine Beziehung zu LAPSUS LIVE? Falls Fest, warum?
10. Woher stammen die meisten Fragen?
Schicke die leserlichen Antworten bitte zusammen mit den postfrischen Briefmarken an folgende Adresse: J. Gorsleben, Wittenberger Straße 68, 01309 Dresden. (Auszugsweise Veröffentlichung der Antworten im LOVER garantiert nur anonym.) Du erhälst dann die nächste Nummer und eventuell ein paar andere Dinge, die Dich vielleicht interessieren werden. (Achtung! KEIN Preisausschreiben!) Unterschreibe bitte mit Tinte. Danke.

Chris Cacavas

(Fortsetzung zum Beitrag im LOVER 15)
Im letzten LOVER gab's vor allem Infos zu den bei LAPSUS LIVE auch akustisch vorgestellten Alben Chris', die bis 1995 erschienen. Letzte Veröffentlichung ist jedoch 'Anonymous' von Mitte '97. Zu diesem Werk habe ich einige Kritikerstimmen eingesammelt, die Euch neugierig machen sollen. Vielleicht kann man ja beim nächsten Einkaufsbummel mal die Ohren reinhängen in den Wüstenfolkrock...

Anonymer Autonomer
Chris CacavasIrgendwann brutzelt jeder in der Großstadthölle. Los Angeles, das Metropolis der Welt, sendet negative Wellen ins System von CHRIS CACAVAS. Düsteres Mantra macht die Runde. Die Depression breitet sich im Sänger mit dem Nuscheltimbre aus. "Mein einziger Anspruch ist Ruhm", singt er heute. Denn von dem Geld, das er als Keyboarder bei GREEN ON RED einst verdiente, ist kaum etwas geblieben. "Kein Album in den Staaten seit meinen guten Tagen", sagt er traurig und meint die Zeit bis zu seinem Debüt als Frontmann bei JUNK YARD LOVE, seinen treuen Weggefährten durch die neo-folkigen Neunziger. Auch diese Band hat er ausrangiert, um schließlich zum "Anonymus" - dem Titel seines neuen Albums - zu mutieren.
Impetus für CACAVAS' ersten Alleingang nach 20 Jahren im Rockbiz war das wachsende Gefühl, von der Welt weder verstanden noch gehört zu werden. "Der normale Frust eines Musikers, der trotz erster grauer Haare oft nicht weiß wie er die nächste Miete bezahlen soll", erklärt er. Eine Perspektive, die den arrivierten Schreiber psychedelischer Rockhymnen zur Richtungskorrektur provozierte. CACAVAS hat seinen ewigen NEIL YOUNG-Komplex abgelegt - die Angst, mit dem ikonenhaften Rock-Dino verglichen zu werden - und sich endlich kompromißlos dem sensiblen Songwriting gewidmet. Ketzer werden schon die eröffnende e-moll Auflösung von "Stupid" als Indiz für seine sakrale Verehrung des kanadischen Song-Tycoons werten. Doch diesmal ist da mehr individuelle Substanz. CACAVAS hat die sehnsüchtigen, düsteren Stimmungen wirken lassen, sie ausgelebt und zu seinem intimsten und gleichzeitig schönsten Album verarbeitet. Die destruktiven Auswüchse früherer Platten, die einzig dem Zweck dienten, der YOUNG-Parallele den Wind aus den Segeln zu nehmen, sind verschwunden. CACAVAS hat sich seiner GREEN ON RED-Wurzeln erinnert, wo er als Tastenmann durch Zurückhaltung große Wirkung erzielte. So setzt er die Töne nun behutsam, läßt die Melodien sich entfalten, statt sie zu zerpflücken, wählt öfter die Westerngitarre für die Basics und entscheidet sich an einer Stelle für ein sanftes Orgelsolo statt dem sich konventionell aufdrängenden Telecaster-Gegniedel.
Die Betrachtung der Umstände macht Angst: ein tiefschwarzes Plattencover, Texte über Tod und Teufel, Selbstzweifel als Leitmotiv. Doch der Sänger trägt die verfrühte Midlife-Crisis mit Humor. Der personifizierte Anonymus ist im CD-Booklet ein überdimensionierter Kaktuskopf mit menschlichen Gliedmaßen. CACAVAS hat die Hoffnung auf die Weltkarriere aufgegeben. Die Maßstäbe sind näher an der Realität. Seine Utopie hieße "Goodbye day-job": "Ich muß jeden Morgen los. Es wäre ein Traum, irgendwann wieder selbständig zu sein." Da wurmt es ihn, daß er als Gralshüter uramerikanischen Mainstream-Rocks jüngeren M-o-R-Bands wie WILCO oder SON VOLT in kommerzieller Hinsicht nicht das Wasser reichen kann. Doch sein Schmerz hat den Code einer opulenten Song-Schatulle geknackt. Die sich auftuenden kreativen Tiefen schließen an elegische Meisterleistungen der Singer/Songwriterklassik an. CHRIS CACAVAS klatscht bei den Großen ab.
Tim Jürgens

Stolzer Qutsider
Seine Band mag er verloren haben, nicht aber seine Gabe, Emotionen in wunderschöne Songs zu verpacken. Als Mitglied von Green On Red gehörte er zu den Erfindern des amerikanischen Wüstenrock, heute hat er eine treue Fangemeinde (Kenner und Vinyl-Junkies aufgepaßt: diese Vinyl-Pressung ist auf 1.000 limitiert), die überall ist, wohin Chris Cacavas kommt. Solo und "anonymous" nimmt er seine unbändige Spielwut an die Leine; unterstützt von weiteren Größen des Wüstenrock - Rich Gilbert, Mikey Borens und der allgegenwärtigen Cellistin Jane Scarpantoni -, zaubert Cacavas ein herrlich entspanntes, stilles Ambiente, in dem sich die traurig-ironischen Texte voll entfalten können. Sie zeigen einen Outsider, der stolz auf seine Ratlosigkeit ist, einen Menschen, der nie zur Ruhe kommen möchte. Wirklich - es lohnt sich noch immer, ihm zu folgen.
Carsten Wohlfeld, Intro Nr. 48, Oktober 1997, S. 53.

Anonymer Workaholic
Stilles Songwriting auf höchstem Niveau. Doch Chris Cacavas ist kein Star. Der verblüffte Applaus überrumpelter Kritiker war ihm schon immer sicher ob für den psychedelischen Folkrock von Green On Red oder seine Rollen als Gastmusiker für Steve Wynn oder Giant Sand. Von "Anonymous", Cacavas' erstem Soloalbum seit acht Jahren, dürfte eigentlich niemand mehr überrascht sein. Und doch hat der Wahlkalifornier diesmal ein paar Gänge heruntergeschaltet, um seinen bedächtig swingenden Melodien mehr Platz einzuräumen, eine fein graduierte Dramaturgie zu etablieren. Bestes Beispiel dafür ist wohl das epische "Anonymous", das Cacavas zur ME/Sounds CD beisteuerte: Die Flut brandender Crazy Horse - Gitarren ist verebbt, und nun liegen die zarten Songstrukturen wie angeschwemmte Seesterne auf dem weißen Strand. "Natürlich habe ich mein Konzept nicht radikal geändert," betont Cacavas, aber: "Es war verblüffend, wie intuitiv und kreativ diese Aufnahmen zustande kamen." Was sich in jedem der 13 Songs entfaltet, ist schlichtweg zeitlose Qualität.
Musikexpress/Sounds, August 1997, S. 21.

Kennen Sie den?
Legt der eine ein Tape ein, sagt der andere, als die ersten Akustik-Gitarren-Akkorde aus den Lautsprechern kriechen: "Klingt ja wie Neil Young." Antwortet der, der das Tape eingelegt hatte: "Is' aber nur Chris Cacavas." Häme beiseite. Chris Cacavas hat sie nicht verdient, weil er längst über dem unvermeidlichen Vergleich steht. Dennoch plagt ihn die eigene Identität im schleppenden Titelsong wie einen Anti-Helden in einem alten Film noir. "I see myself in a mirror or two, I stare and stare without a clue." Und dann: "My only claim to fame is, I don't know my name." Koketterie? Echter Leidensdruck? Der vielbeschworene Tod des Autors? Vorsicht! Hatte er nicht gerade zuvor, im sanft einlullenden "Sullen", noch gesungen: "The more you know me, the more I'm joking"? Und das bißchen Stolz ist über quälendem Zweifel auch nicht gleich verschütt gegangen. "Do Me No Favors", please, bittet Cacavas inständig. Und das immerhin, nachdem er sich kurz zuvor noch im Gefühlshaushalt einer Fliege wähnte. Wenn die Patsche kommt. Jedenfalls suchte der frühere Green On Red-Mann für "Anonymous", sein fünftes Album, noch einmal nach Veränderung. Im Rahmen seiner Möglichkeiten, versteht sich: kein Drum'n'Bass, kein Metal, kein Ambient. Aber immerhin: Die bewährte Band, Junkyard Love, wurde in den Ruhestand versetzt, statt dessen produzierte er gemeinsam mit dem alten Freund Steve Wynn und ausgewähltem Studiopersonal, darunter Cellistin Jane Scarpantoni (Richard Barone und Lounge Lizards) und - als "Psycho Sisters" firmierend Vicky Peterson und Susan Cowsill, sonst bei den Continental Drifters beschäftigt. Das Ergebnis schöpft seine Kraft meist aus der Ruhe, zelebriert die Konzentration aufs Wesentliche in vorwiegend mittelschneller Gangart. Kein Zufall, daß ein Song im Titel das Wörtchen "Mantra" bemüht. Selbst da, wo sich die Gelegenheit böte, selbst über die Stränge zu schlagen, hält Cacavas den Druck eher halbakustisch unterm Deckel, statt ihn dampfend und zischend entwichen zu lassen. So erkämpft er sich dann beharrlich doch noch ein paar neue, kleine - vielleicht halt auch nur wiedergewonnene Freiheiten.
Jörg Feyer, Rolling Stone, September 1997, S. 104.

Folk'n'Roll
Lieber Leser, solltest du deine alljährliche Folk 'n' Roll-Platte noch nicht gekauft haben, hör' auf zu suchen und nimm diese hier - du brauchst keine andere mehr. Mit Hilfe von Gästen wie Steve Wynn (als Co-Produzent) und Jane Scarpantoni (unvermeidlich, wenn es darum geht, auf einer Platte dieser Größen- und Genre-Ordnung ein Cello erklingen zu lassen) ist Chris Cacavas das herrliche, gewitterwolkenverhangene Sommeralbum gelungen, auf das wir bis jetzt so sehnsüchtig gewartet haben. 'Anonymous' ist das fünfte Album des Green On Red-Gründers seit dem Ausstieg bei der stilprägenden Psych-Country-Combo im Jahr 1992 und sein erstes ohne seine Band The Junkyard Love. Folglich geht's hier ein paar Dezibel ruhiger zu als noch auf 'New Improved Pain' oder dem '94er Meisterwerk 'Pale Blond Hell'. Was aber nichts an der Intensität/Heavyness seiner Songs ändert. Hier gibt's Chris Cacavas, pur - mit seiner hohen, leicht klagenden, aber nie verzweifelt klingenden Stimme und Texten voller wüstentrockener Ironie, wunderschöne Balladen ("Sullen"), holpernden Psych'n'Country-Rock ("Anonymous", "You Gonna Pay"), bei dem (jeder) Neil Young(-Fan) feuchte Augen bekommen sollte, ausgetickte Gitarrensoli und einfache, aber packende Melodien. Was will man mehr von einem Singer/Songwriter? (5 von 6 möglichen Sternen)
Albert Koch, Musikexpress/Sounds, August 1997, S. 50.

Die großen Zeiten
von Green On Red sind zehn Jahre her. Auch nach dem Aus der Folkrocker blieb Chris Cacavas Kritik- und Publikumsliebling. Mit seiner neuen Band Junkyard Love sorgte er live wie auf Platte dafür, daß zwischen den Polen Country und hartem R&B stets Hochspannung anlag. Der so kokett anonymisierte Künstler - im Booklet mit Riesenkaktus statt des Kopfes - setzt diesmal auf Intimität statt auf Randale. Chris erinnert mal an Petty, mal an Young, und zart zerrt die Gitarre.
VIVA-Videotext, 24. August 1997.

... nur Songs
Die für Cacavas typische Mischung aus sympathischem Understatement und gesundem Selbstbewußtsein prägt die grandiosen Songs der CD. Das reichhaltige Vokabular des US-Folk- und -Country-Rocks handhabt Cacavas mit souveräner Leichtigkeit, gibt der abgegrabbelten Kritiker-Worthülse "zeitlos schöne Songs" neuen Inhalt. Der Querverweis zu Neil Young ist schnell gezogen - doch wo Young in dunkle Jammertäler versinkt, hält uns Cacavas lächelnd entgegen: "Das sind doch alles nur Songs". Ja, und zwar wunderbare!
kjo, ARD/ZDF-Videotext, 30. August 1997.

Einige Texte von Chris Cacavas

Gute Zeiten (Good Times)

Du bist verliebt, also hier ist das Spiel
Es gibt eine Rolle, niemand spielt die selbe
Sie haben deine Nummer, deinen Namen vergaßen sie
Wenn sie nicht aufpassen, wirst du dasselbe tun
Es wird gute Zeiten geben, dich verrückt zu machen
Es wird Schmerz geben
Hör, was ich sage

Es wird keinen Richter geben, außer dem Gespür für Gefahr
Es wird keine Jury geben, zu deinen Gunsten entscheidend
Eben ich für dich, und Euphorie
Mit wiederbelebten Motoren, fliegenden Farben ebenso
Es wird gute Zeiten geben, dich verrückt zu machen
Es wird gute Zeiten geben, dich verrückt zu machen
Es wird Schmerz geben
Hör', was ich sage
Es wird gute Zeiten geben, um dich wegzublasen
Es wird Schmerz geben
Hör', was ich sage

Sorgenberge (Trouble Mountain)

Warum zum Teufel stehst du da
Mit beiden Händen in der Luft
Ich muß dich verwechselt haben
Mit jemadem, der sich kümmert
Sorgenberge jeden Tag
Noch hör' ich dich sagen
Schließ deine Augen und sie werden alle verschwinden

Wieviel kostet das Benzin
Es stieg schon wieder heute
Du kannst deinen erstgeborenen Sohn verlassen
Wir werden es einen ehrlichen Handel nennen
Sorgenberge jeden Tag
Noch hör' ich dich sagen
Schließ deine Augen und sie werden alle verschwinden

Ich hatte einen Traum.
Ich ging los und verließ meinen Ohrensessel
Bestieg die Sorgenberge
Als hätte ich keinen Kummer

Ich wachte auf und übernahm eine Rolle
In jemandes tragischem Spiel
Ich schloß meine Augen
Sie verschwanden nicht

Internationaler Herzschmerz (International Heartache)

Bitte paß auf, wenn du auf der Piste bist
Ich meine, wenn du ein Junge bist
Und du bist in einem fremden Land
Und du triffst eine Frau, die dich sympathisch findet
Du führst sie aus, Zechen, Essen, Tanzen
Und du versprichst die Welt und daß du an ihrer Seite bist
Was für ein Haufen...
Internationaler Herzschmerz / Du kriegst ihn
Internationaler Herzschmerz / Und bereust ihn
Internationaler Herzschmerz / Was sind die Symptome?
Es schmerzt

Manche meiner Freunde behaupten, immun zu sein
Aber ich weiß, daß sie innerlich anders ticken
Es ist so einfach, wirklich richtig runter zu kommen
Wegen diesem Zustand
Es ist, als fiele dein Herz aus 50.000 Fuß
Mit Wucht auf den Boden
Und kracht dir vor die Füße
Internationaler Herzschmerz / Ich hatte ihn
Internationaler Herzschmerz / Du weißt es
Internationaler Herzschmerz / Zeig's nicht
Es schmerzt

Ich hasse es, die einsame warnende Stimme zu sein
Du ruinierst dir dein Leben analer Zurückhaltung
Ja, du knallst deinen Kopf gegen die nächste Ziegelwand
Und fragst dich, wie kann ein Kerl wie ich bloß fallen
Tja, es ist so einfach, sich zu verlieben,
Es ist so einfach sich zu verlieben

Mitten in der Nacht, wenn Katzen und Hunde kämpfen
Und du bist betrunken in einer Bar
Und das Hotel ist zu weit, um zu laufen
Also teilst du ein Taxi und das hält vor ihrem Haus
Und wenn sie aussteigt, steigst du auch aus
Weil du die Warnung nicht befolgt hast, die ich dir gab
Hier kommt er
Internationaler Herzschmerz / Ich hab dich gewarnt
Internationaler Herzschmerz / Mach das nicht
Internationaler Herzschmerz / Du schlägst es in den Wind
Internationaler Herzschmerz / Noch 'ne Statistik
Es gibt keine Hoffnung
Für einen einen liebeskranken Abhängigen
Wie mich

ANTI WORTEN & DIE PREISTRÄGER

des Preisausschreibens des LOVERs 15

Die Fragen

1. Frage: Was heißt folgende Abkürzung: LAPSUS?
2. Frage: In der Nähe welcher Stadt liegt Dein Heimatort?
3. Frage: In welchem Land fand zum erstenmal Lapsus live statt, wenn ja, warum nicht?
4. Frage: Wie oft soll es das Preisausschreiben noch geben?
5. Frage: Wie oft wütete bisher die Eifersucht während LL?
6. Frage: Wie oft beidseitig?
7. Frage: Wen möchtest du nie wiedersehen zu LL?
8. Frage: Ist alles, was Du schreibst, gelogen?
9. Frage: Was ist aus LutzBus geworden?
10. Frage: Was ist Deine Lapsus live Lieblingsgruppe?
Zusatzfrage: Was ist der Ausweg? (2 Punkte!)

Die AntWorten

Diesmal warf das Preisausschreiben seine Schatten weit voraus, denn auf eine Frage hing schon eine Antwort am Brett in der Nähe der Redaktionsstube, bevor ich überhaupt sicher wußte, daß ich die Frage wirklich fragen würde. Tja, "The Exhibition" antwortete:
zu 1. Lieber Anonymisiert Präsentieren Statt Unmittelbar/Unumwunden Sorgen
[Präsentieren und Sorgen im Original unterstrichen]
Da es für "live" auch gleich eine Erklärung gab nämlich:
Lautstark Intimes Vorführen Erlöst?
gibt es 2 Punkte - aber für wen?

Nicht für Hübner, Dirk, denn der antwortete kurz angebunden [Von wem?]:
zu 1. Langzeit Arbeitsloser Pflegefall Sucht Unternehmungslustige Sie [Und, schon gefunden?]
zu 2. Gützkow [=Loitz-Ausbau]
zu 3. Ich diene der Deutschen Demokratischen Republik! [Seit wann?]
zu 4. Hat doch grad mal angefangen?! (Ich will auch mal 'nen Hauptgewinn!!)
[Kopf und Kragen verloren und ein Haupt gewinnen?]
zu 5. Gar nicht - wir haben uns doch alle lieb (piep, piep, piep)! [Wo bist Du? In der Peep-Show?]
zu 6. Ich zitiere: "Piep, piep, piep". [Oder: "zittere"?]
zu 7. Jacki - der muß doch schon stinken! (Verzeih' mir, Jacki!)
zu 8. Lügner haben lange Beine! [Hübner auch.]
zu 9. Der stand doch gar nicht auf der Liste?! [Ja, warum wohl?!]
zu 10. Michael, Hansi: und die Nancies.
Z.: Es gibt keinen - alle Wege führen zu Lapsus! [Unternehmungslustiger Pflegefall...]
Na, ich kann halt nicht Nein sagen. Und vergebe wiedermal 2 bis 12 Punkte - 12 für die fröhlichen Minuten und 2 fürn Zusatz, weiter so!

Meine KöniginSchwester hatte viele frohe Stunden, die Rätsel zu preisen:
zu 1. Die Liga zur Aufführung progressiver Sounds und Songs beauftragte mich diesbezüglich mit einer Umfrage in Greifswald. Hier die Ergebnisse:
Frau Jutta Resch, 47, Kulturamtsleiterin: "Es handelt sich dabei um den Lächerlichen Auftritt Peinlicher Stümperer Und Stotterer - die Hansestadt distanziert sich von solcherart Unkultur!"
Ingo S., 17, Techno-Fan: "Ach, das ist doch so'ne Langweilige Althippy-Party - Sentimental Und Spießig!"
Herr Uwe Ungehoyer, 53, Arbeitsvermittler: "Das bedeutet nichts anderes als:
LangzeitArbeitslose Penner Schlafen Und Schlemmen. Die kriegen alle eine ABM (= Auf Befehl Malochen)."
Herr Bodo Schulz, 86, CDU-Abgeordneter: "Ach, ich hasse das: Langhaarige Anarchisten Predigen Sex Und Sozialismus - sowas gehört eingesperrt!"
Und hier endlich die richtige Lösung. Es ist natürlich der Lustvolle Auftakt Parodistischer Sommerwonnen Und Sinnestaumel. Oder ist da ein Fehler unterlaufen, und es muß in Wirklichkeit SUSLPA heißen? (= Spiel Und Spaß beim LapsusPreisAusschreiben)? [Ganz nah an der richtigen Lösung: Lustvolle Anarchisten Peinigen Schulz Und Songs. Also 5 bis 6 Punkte!]
zu 2. Meine Heimatstadt liegt ganz in der Nähe! [Ja, wo sonst!]
zu 3. Ich glaube, es geschah im Morgenland. Weil nicht, darum doch. [Wann ja, denn Punkt.]
zu 4. So lange es noch was zu preisen gibt und man mich ausschreiben läßt! [S wird irgendwie nicht weniger...]
zu 5. Sie trat in der gleichen Häufigkeit wie Zahnschmerzen auf. [Und er?]
zu 6. Zahnschmerzen sind doch nicht beidseitig! [Aber machen blind.]
zu 7. Wen möchtest du nie wiedersehen zu LL? (Ist das jetzt richtig?) [Wieso?]
zu 8. Man, war doch nur ganz wenig geschummelt! [Stimmt das etwa?]
zu 9. 1. Variante: Herausgeber für Spielplatzrichtlinien, 2. Variante: Lutz Transrapid.
zu 10. Die hübsche Sitzgruppe auf'm Scheunenboden. Nein, nein. Natürlich Gilbert & Gilbert, wobei mir vor allem Gilbert gefällt. (Ihr werdet sie noch kennenlernen!) [Und Dich.]
Z.: Der Ausweg ist ein Weg, der leider ins Aus führt (2 Punkte)! [Und da?]
Uff! Das ist Rekord! 16 von 12 Punkten! Transgenial!

Und dann aus dem inneren Ausland, ich meine: äußeren Inland: Nathalie:
zu 1. abgetippt: Liga zur Aufführung Progressiver Songs Und Sounds [Und wenn das mal stimmt... Zaunds und Sonx vielleicht...]
zu 2. Warum denn bloß in der Nähe? Nein, auch nicht in der Nähe von Loitz! (...!!!) [Da bleibt halt nichts übrig...]
zu 3. DDR, wenn nicht, aber doch! [Sag ich ja.]
zu 4. Solange Du noch Fragen auf dem Herzen hast! (...und anderswo) [Ich bin gespannt.]
zu 5. Da mußt Du sie schon selber fragen. [Mach ich ja!]
zu 6. Und warum nicht: beidhändig? [Auf beide Augen?]
zu 7. Mit den letzten beiden Fragen noch nicht genug Material für die Klatschspalte gesammelt? - Leider muß ich Dich enttäuschen: nicht wieder sehen möchte ich nur - dafür von ganzem Herzen - einen Haufen verheuschnupfter Taschentücher neben meinem Bett! (- und auch darunter und sonstwo und so...)
(Wen interessiert, warum ich da so gute Chancen habe, der wende sich an die Redaktion!) [Ich sammle ja mit ganzem Herzen, aber interessiert?]
zu 8. Wenn ja, warum nicht nein oder doch? [Meinetwegen.]
zu 9. Eine Alternativfrage wäre für Newsider wie mich was Gutes, also leider kann ich auch nur alternativ gegenfragen: War er noch nicht? [Das weiß ich ja eben nicht!]
zu 10. Mari Boine!!! (aber da sie leider wohl nie zu Lapsus live kommen wird: Gehli!!!) [Hastes gehlesen Gehli?]
Zusatzantwort: aus - weg? Wohin? Ist EinWeg nicht besser? Kann ja zu nix führen sonst, oder? (immer noch besser als EinLauf...) [Oder?]
Und wer wird nach Mari Boine fragen? Aber tanzen: 11 Punkte!

Vielleicht Achim:
zu 1. a) Lausige Amateure Prüfen Schmerzgrenze Unschuldiger Spontangäste [Spontangänse, steht bei mir... Und die Läuse? - Kamm drüber!]
b) Lieber An Pfingsten Segeln Und Surfen [Und saufen, steht bei mir.]
zu 2. Loitz [Na weißt Du...]
zu 3. Dröhnland, weil ohne Polizeistunde und warum nicht? [Ich sag doch gar nichts!]
zu 4. Preiset den Herrn (oder die Dame), der's am Leben hält [Schon gut, 2 Punkte. Und die Dame auch.]
zu 5. Na, wenn mal nicht'n bißchen Neid dabei war [Du weißt wohl beneid?]
zu 6. Soll's auch geben [Soll?]
zu 7. Wiedersehen macht Freude [Ich wünsche, Du wirst Dich jedes Jahr aufs Neue dran erinnern!]
zu 8. Nein
zu 9. Siehe 7. [Und das Wiedersieben?]
zu 10. Uwe Matschke & wer auch immer [Na Du z.B.]
Z. Der Einstieg. [Denk dran!]
11 Punkte und viele frohe Stunden auch weiterhin!

Sogar mal was aus Indien in der Post, Ginger:
zu 1. Legalisierung Alter PopStars Unter Siebzig [Kenn ich keine]
zu 2. Nileb ieb aunerb (Ich hatte einfach keine Lust, Loitz zu schreiben) [Sondern: Belin bei Brenua. In Afrika, ich meine: Indien.]
zu 3. Dederon, auch heute noch und warum auch nicht?! Aber vielleicht hat auch schon jemand früher Feller gemacht. [Hört sich ja auch nicht nur blöde an: Beerdeon...]
zu 4. bis wir die Preise auch anschreiben lassen können [Bloß nicht!]
zu 5. so oft Eifer verschwunden war [Er wird halt geliebt.]
zu 6. Beidseitig, beidseidig
 fühlt sich der Stoff an,
 der beide seidig umhüllt.
 Bei der Frage nach dem Seitenwechsel
 sind beide eifersüchtig
 auf die vage Möglichkeit
 gleichzeitig beide Seiten der Seide zu fühlen.
 einmal, zweimal, fortwährend
 beiderseitige Eifersucht,
 wenn zu Lapsus jemand eifrig Seide sucht.
[Jetzt bin ich auch irgendwie umhüllt...]
zu 7. Herrn Barilus Warmidan [Sag's ihm ins Gesicht. Reif für Matte?]
zu 8. Soll ich jetzt etwa die Wahrheit schreiben? Mir glaubt ja doch keiner? [Du wirst es kaum merken, oder?]
zu 9. - Lust im Bus hängt davon ab, wer sich im Bus befindet [Steh- oder Sitzplatz sagt wohl nix?]
- LutzBus zählt allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit TGL-genormte Sandkörner auf deutschen Spielplätzen [Versteh ich nich] - aber vielleicht versucht er sich auch noch immer eine orangefarbene Latzhose über den Anzug zu zwängen [Warst Du auch dabei?]
zu 10. ... Meine Lieblingsgruppe? - Die Küchentruppe!, allerdings auch die Dirkisingers [Die Kirchentruppe und die Kindertruppe und ...]
Z: Der Ausweg aus dem Labyrinth ist nur für den, der wirklich spinnt.
Ich wüßte ja nun gern mehr über den warmen Herrn... Na gut: 12.

Anja, an Ja:
zu 1. Lachen, Pusten, Suchen Und Singen [das Verb ist weiblich]
zu 2. Mein Heimatort ist die Stadt [Ißt die statt?]
zu 3. Warum nicht im Land der Träume und Bäume? Wenn ja, ich viel versäumte. [Stadtdessen]
zu 4. Solange euch nicht die Fragen ausgehen. [Sind eingesperrt]
zu 5. Man braucht nur die Handabdrücke in den Gesichtern nachzuzählen... [Also warst Du dabei!]
zu 6. ...und sie mit 2 multiplizieren. [Die Gesichter?]
zu 7. Denjenigen gibt es noch nicht. [Wer weiß.]
zu 8. Niemals!! (Was denkt ihr von mir!) [Na was man so denkt: nüscht...]
zu 9. LutzButz bekam 'nen Kuß
 er darauf fortziehen mußt',
 ihn keiner jemals wiedersah. [Wohl 'n Pferdekuß]
zu 10. Wer anders als die Gruppe "Hans und Co" (auch Triangel), die jedoch leider wegen Personalmangels dieses Jahr nicht eure Ohren mit ihren harmonischen Klängen verzaubern kann. [Sonst geht's ja auch nicht.]
Z: der Weg, der von der Klippe wegführt [Z. B. hinunter.]
Wie sagt man? Full Lyrics? Full Punktzahl!

Die jüngste Teilnehmerin: Elisa:
zu 1. Lustige aber popelige Sand-U-Boote [Wer immer nur an Subbe denkt...]
zu 2. Wo ich wohne. [Wohn ich wo.]
zu 3. Mein erstes Lapsus war ich in Frank-Land, weil ich mich an andere nicht erinnern kann. [Oder will? An Steven vielleicht?]
zu 4. Für immer! [Bereit?]
zu 5. Bei Lapsus wütet niemand! [Ja, und wer ist das nun???]
zu 6. Nie! [Sage nie...]
zu 7. Die Mücken. [Welche?]
zu 8. Ja, klar! [Denk mal drüber nach!]
zu 9. LutzBus ist bei uns, obwohl er nie gesehen wird. [Und wurde? Du bist sehr nah dran!]
zu 10. Triangel. [In der Hose.]
Z: Ein Weg, den man nie gehen sollte. [Fahren?]
Prima. 12, setzen!

Preisausschreiben Nº 3

Ihr alle seid wieder eingeladen, mich um wertvolle Kulturgüter zu erleichtern und v.a. für Lustvolle Affektierte Paranormale Susenmäßige Und Surreale Heiterkeit zu sorgen. Schreibt bitte bis zum 30.9. an Roland, Lapsus 19 in 17121 Zarnekla.
1. Oder?
2. Wie spät ist es um Mitternacht?
3. Welche Frage bewegt Dich?
4. Welches der Bücher, die Du seit LL97 gelesen hast, fandest Du am besten und bitte 1 Satz dazu warum?
5. Was macht Deine Mutter?
6. Welche Farbe paßt am besten zu Lapsus live?
7. Was ist wichtig im Leben?
8. Wer bist du?
9. Gibt's denn das?
10. Was machst Du während Lapsuslive am liebsten?
Z: Was ist wichtiger?
Achnein: die ersten 77 Einsendungen werden wie immer veröffentlicht!

NETt

From: bkalt@gmx.de
To: j.gorsleben@gmx.net
Date: Tue, 20 Jan 1998 16:08:59 +0100 (MET)
Subject: no subject
Hallo Joachim,
ich will Dir und Deinem Bruder ja keineswegs den Mut nehmen, sich auf dem Gebiet der Schreibkunst auszuprobieren, aber so einen Müll [Plan B - LOVER 14] habe ich lange nicht mehr zu Augen bekommen. Und keineswegs werde ich die zusammengewürfelten Sätze an irgendeiner Stelle noch weiter zusammenwürfeln, um mein Wochenende zu retten... Das ist auch so versaut gewesen.
Ja, schwierig, Gesprächsstoff mit Dir zu finden. Weiß gar nicht, mit wem ich es eigentlich zu tun habe. Ein verhinderter Autor, verkannter Computerspezialist oder ...?
.... Bei uns regnet es draußen, manchmal verirrt sich auch eine Schneeflocke in den vielen Wassertropfen. Ob die Sonne sich wohl heute noch einmal sehen läßt?  Alles grau in grau, und der Wind pustet so dahin. Wenn sich doch die Erde nicht ständig in diesen glitschigen Matsch verwandeln würde ... meine Schuhe wären dann noch sauber ... (und mein Auto auch).
Wie ist das Wetter so in Dresden? Blaue Wolken überm grünen Gewölbe?
So, ich muß schließen. Es wird dunkel.
Mach mal wieder eine Überstunde - es ist gut für das Gefühl, ausgebeutet zu werden!
Herzliche Grüße von B.
Sent through Global Message Exchange - http://www.gmx.net

KRIEGSFILM

1975 erhoben sich all die Leute vom Lande.
Zusammengeschlossen, Hand in Hand,
durchzogen sie das unruhige Land,
um euch zu verjagen, Staatsknechte, kapiert?!

Rollen, wälzen, rollen den Stein herum!
Rocken rum, lösen den Stein aus dem Boden.

Beim Kampf auf den uralten Hochebenen
standen all meine Brüder und Schwestern Hand in Hand in Hand im Regen.
Der hellichte Laserstrahl brachte den Sieg,
ohne daß eine einzige lebende Seele von dannen mußte.
Die Regierungstruppen waren eingekesselt von dieser Sonnenkannonade
und fanden sich bald auf der Flucht wieder...
Raus aus unserem Land!
Der Rock wurde erweckt, und es gibt keinen Anlaß mehr,
sich vor der anderen Seite zu verstecken... Schattenseite...
Umwandlung

Ruf's hinauf zu den Hauptquartieren der Macht!
Ruf's hinauf zu den obersten Bossen!
Schickt los, was Räder hat,
sendet die Finder der Sonne aus!

Zur Seite 13 Stoßtrupps des Geistes
und 300 Meister im Computerkillen,
herab von den Plateaus in den Bergen.
20 Meilen weit reichende Laser und großartige Spurenleser,
schon 20 Meilen im Süden jetzt.

1975 erhoben sich all meine Brüder und Schwestern im Lande, und wir kämpfen,
bis wir uns wiedertreffen und unsere Hände sich berühren.
Bis wir uns wieder begegnen und des anderen Geist erkennen.
Wir Drei fanden uns wieder und nahmen uns bei den Händen,
kamen ins Fantasieren: Napoleon im Garten...
Und wir werden die Trommeln erst mit dem Anbruch des neuen Tages dämpfen.

Wir werden den Stein umwälzen!
Wir werden den Stein aufnehmen!
Wir werden den Berg versetzen,
den Rock erheben!
(jefferson airplane, 1971)

Key MG

Zwar nicht als Live-Mitschnitt, aber zumindest verbunden mit Erinnerungen an frischen Abendwind, eine verstimmte Gitarre und warmen Tee im Bauch, soll demnächst vielleicht bestimmt eventuell ganz sicher eine kleine runde Scheibe mit Musik drauf die drängenden Bedürfnisse sehnsuchtsvoll wartender Sonnabendabendinzarneklalapsuslive-Teilnehmer erfüllen. Martin und Andreas werden sich aufraffen und versuchen, die bescheidene Kostprobe eigener und geklauter Ergüsse dampfender Synthesizer und kreischender Holzbretter auf Tonträger zu bannen. Wenn es denn gelingt, wird eben dieser hiermit im Sinne einer Vorankündigung öffentlich feilgeboten. Achim will sogar Geld dafür zahlen. Naja. Wäre schon ganz nett.

Demnächst erscheint "ZARNEKLA '98" von Martin & Andreas. CD 20 DM, MC 10 DM inkl. Versand.
Übrigens... Auch von "Handicap" - ja genau, die mit dem kaputten Bus ´97 - kann Frau oder Mann sich inzwischen gerne eine Aufnahme ordern.
HANDICAP - so oder so. CD 18 DM, MC 10 DM, inkl. Versand.
Auf so oder so übrigens die Titel:

Pink Dream

Irgendwie fand man sich schon frech dabei, aber trotzdem huschten die Worte über die Lippen und von Ohr zu Ohr: 'wie Pink Dream oder Tangerine Floyd...'
Was wollte so ein ehrenvoller Vergleich schon besagen? Die Samples drängten einem diese Gedanken jedoch geradezu auf. Die Handvoll Stücke, die hier vor interessiertem Amateurpublikum ihre Welturaufführung (!) erlebte, war jedenfalls erste Sahne und mußte sich keineswegs vor großen Namen verstecken. (Ich habe da eine TD-Compilation, die dagegen über weite Strecken grottenöde wirkt.)
Wenn der Komponist auch mit dem Umstand haderte, daß etliche Töne von Konserve erklingen mußten, so waren doch nicht nur Andreas' Gitarrenklänge ein livehaftiges Erlebnis. Auch wenn es für meinen Geschmack einige heftige Passagen hätte mehr geben können. (Im ganzen kann man die Stücke aber nicht als Fluchtvehikel für fernwehleidige Harmoniesuchende bezeichnen, die von den TD-Erben der New Age-Abteilung damit ja nach Kräften zugewabert und endlosgeschleift werden.)
Und die abstrakten Bilder blubberten derart passend zu den konkreten Sounds, daß es schon fast unheimlich war. Ich jedenfalls bekam sogar Gänsehaut. Vielen Dank für diese tolle Stunde. Zu mehr haben wir die beiden leider nicht genügend genötigt... Na, nächstes Mal! Hoffentlich. Achim

RE ¤ act ¤ or #2

Mir liegt jedenfalls nach wie vor viel daran, Lapsus Live leben zu lassen & zu beleben. Es ist jedesmal 'ne ganz besondere Atmosphäre bei unserem Fest, die allerhand schöne, auch unerwartete Blüten treibt. Ganz abgesehen von finsteren Nachtschattengewächsen sowie dem Vor- und Nachgeschmack der Lapsotensamen, die jedesmal massig verstreut werden. Ich war nie ent-täuscht von Lapsus zurückgekehrt. Es war immer eine irre Reise. Manchmal mit vielen Höhepunkten, mitunter unter Niveau, aber das stört mich ja nie.
Diesmal war vieles dabei, was mich sehr berührt hat. Achim, deine Schwanengesänge für Blinde haben meinen Leib bewegt - ich konnte nix dagegen tun. Und zum Glück wars ja dunkel.
Die Live-session aufm Hof kam so spontan & gut, es war einfach supergeil (daß es das bei Lapsus nach wie vor gibt - daß Lapsus wirklich LIVE passiert). Rolis Bruder Baum - Baum Bruder ging mir auch sehr nahe, besonders die Geschichte ... war klasse!
Dead can Dance ist ja immer Spitze. Diesmal hab ich bei der einen Scheibe selber voll ne Scheibe gehabt. Also, nix mitgekriegt außer Töne & Vibrationen, Augen zu & den Rest hat mein Körper im Alleinflug gezaubert.
Marins Musik war wunderschön, das bunte zuckende Vakuum hat dazu gepaßt wie das nackte Leben.
Vom Kabarett hab ich leider das meiste verpaßt, aber das Ende auf der Herrentoilette war klasse.
Überhaupt fand ich Dirks Lieder supersahnespitze!! ...
Unsere Dreiersession, die wir am Sonntag aus dem Boden stampften, hat uns dreien wirklich Spaß gemacht. Stefan ist ja auch ein affengeiler Livemusiker!
Am Ende hätte ich zum erstenmal aus der Stimmung heraus Live-Lyrik über euch gießen können. Aber hab mich nicht getraut & dachte, es war wohl auch genug für euch. Vielleicht am andermal. Nina

Peace Light Love Joy

Carlos Santana war am 23. Juni zum ersten Mal in der Dresdner Jungen Garde, die war zahlreich erschienen, deren Eltern auch. Nach dem wettermäßig berechtigten Woodstock-Rainchat vom Band und eher verhaltenem Einstieg bot die Band als ersten Höhepunkt Soul Sacrifice. Die treibende Kraft dieses letzten Stücks auf dem Erstling der Band vor nunmehr knapp 29 Jahren, die besonders auf dem Woodstockalbum zu spüren ist, wird von aktuelleren Songs leider nicht erreicht. Und so sind es vor allem die allen bestens vertrauten Oldies aus den Anfangsjahren, die enthusiastisch bejubelt werden.
Schlagzeuger und Basser sehen aus wie Teenager und präsentieren ihre sehr ausgedehnten Soli zur Halbzeit mit Spielwut und Ausdauer - mitreißend und atemberaubend. Die Zugabe von über 60 Minuten treibt trotz Dauerregens den Stimmungspegel in den roten Bereich: Black Magic Woman und Oye Como Va - die Garde vibriert.

Carlos Santana
Carlos Santana wird am 20. Juli 51 Jahre jung

2 Reihen vor uns 2 südamerikanische Teenies, die einen prima Go-Go-Part abliefern und mit beneidenswerter Energie versuchen, Kontakt zur Bühne herzustellen. Das Bemühen ist letztlich erfolgreich und führt zu neuem Tanz-Glanz.
Nach 3 Stunden ist das Ereignis Geschichte und man zieht von dannen, vorbei an den Lagerplätzen derjenigen, die dem Konzert kostenlos auf der Wiese lauschten und dem Geist der Musik auf ihren kerzenbeschienenen Picknickzauberteppichen vielleicht doch näher waren. (Achim)

Sag wolltest du nicht noch...

wolltest du nicht noch
von der schippe springen
und ein liedchen singen

Gerhard GundermannGundi ist tot. Er starb in der Nacht zum 21. 6. vermutlich an Herzversagen im Alter von 43 Jahren in seinem brandenburgischen Wohnort Spreetal bei Hoyerswerda. Drei Kinder und seine Frau, seine Freunde, Kumpels und Fans trauern um einen, der immer mitten unter ihnen zu finden war.
Seine Fans nannten ihn den "singenden Baggerfahrer", weil er auch als Musiker in diesem Beruf im Braunkohletagebau im Schichtsystem gearbeitet hatte. Im Osten besaß Gundi Kultstatus. In seinen Songs kritisierte der PDS-nahe Barde Mißstände nach der Wiedervereinigung.
Sein Vorbild war Bruce Springsteen, den er aufrichtig bewunderte. "Alle Lieder, die ich machen wollte, singt schon der Boss", soll er einmal geseufzt haben.
Der Liedermacher, der Vegetarier war, sei nicht krank gewesen, hieß es bei seiner Plattenfirma Buschfunk. Nichts habe auf eine Herzschwäche gedeutet. Noch eine Woche zuvor war Gundi mit der "Brigade Feuerstein", mit der seine musikalische Karriere begann, in Hoyerswerda aufgetreten. "Sein Tod wird wohl ewig ein Rätsel bleiben." Allerdings hatte Gundermann sich auch nie geschont. Seine Konzerte gingen oft mehr als drei Stunden. Er kam mit sehr wenig Schlaf aus. Oft fuhr der Liedermacher nach anstrengender Schicht zum Auftrittsort.
Der in Weimar geborene Sänger, dessen Markenzeichen Fleischerhemd und rote Hosenträger waren, veröffentlichte fünf Alben, das erste noch in der DDR. Er begann seine künstlerische Laufbahn in der FDJ-Singebewegung. Mehr als 20 Jahre lang arbeitete Gundermann vollberuflich im Tagebau. Er lehnte es ab, Berufsmusiker zu werden. Erst kürzlich beendete er eine Umschulung zum Tischler.
Gundermann gehörte zu denen, die den realexistierenden Sozialismus der DDR ablehnten, aber die Gesellschaftsordnung namens Kapitalismus auch nicht liebten. Anfangs war das ganz anders. Als 18jähriger ging er als glühender Sozialist zur Armee und wollte "Soldat der Revolution" werden oder Spione jagen. Doch daraus wurde nichts. Seine Karriere als Berufsoffizier ging jäh zu Ende, weil Gundi sich weigerte, ein Loblied auf einen hohen General zu singen. Die SED verstieß ihn Anfang der 80er Jahre wegen "prinzipieller Eigenwilligkeit".
Auch seine Stasi-Laufbahn wurde von staatlicher Seite beendet, da sich der Mann aus dem Kohlerevier zu oft "parteifeindlich" verhielt. Nach der Offenbarung seiner Zuarbeit für die Spitzel von Erich Mielke bekannte er, er schäme sich dafür. Seine Fans verziehen ihm. Sie wollten keine Geschichten über seine Vergangenheit hören, sondern seine Lieder.

weisstunoch
     weisstunoch
     wir hatten uns so
     nach diesem sommer gesehnt
     und nu isser fast vorbei
     weisstunoch
     wir hatten uns schnell
     an die grünen blätter gewöhnt
     und nu isses fast vorbei
     der garten bäumt sich auf
     ein letztes mal
     wirft seine bunten schätze und jetzt bezahl
     jajajaja
     weisstunoch
     wir hatten uns so
     nachm bisschen wärme gesehnt
     und nu isse fast vorbei
     weisstunoch
     wir hatten uns schnell
     an die kurzen ärmel gewöhnt
     und nu isses fast vorbei
     wir wissen dass alles was kommt
     auch wieder geht
     warum tut es dann immer wieder
     und immer mehr weh
     yeahyeahyeahyeah

Die ultimative Radio-Robotron-Hitparade

Sie finden die Vortragsweise in Klammern. Oder im Gemüt.

Platz 5
"Nun werd' doch endlich etwas klüger" - Demoband der Demoband "Bildung für alle"

(klugscheißerisch:)
Eins, zwo, drei, vier
und sie sagte leise zu ihm:
Nun werd' doch endlich etwas klüger,
ha-ha-ha-ha,
studier' doch endlich Medizin!
Ha-ha-ha-ha.
Nun werd' doch endlich etwas klüger,
ha-ha-ha-ha, studier'doch endlich Medizin!
Ha-ha-ha-ha-ha.
Nun werd' doch endlich etwas klüger,
ja!!-ha-ha-ha,
studier' doch endlich Medizin!
Jaa-ha-ha-ha.
Nun werd' doch endlich etwas klüger,
ha-ha-ha-ha, studier'doch endlich Medizin!
Haaaaa.

Platz 4
"Ich bin ein grausamer Mensch" - Gilbert & Gilbert

(elegisch/melancholisch:)
Ich bin ein grausamer Mensch,
ich bin soo brutaal,
alle Leute fürchten sich vor mir,
ich kann nichts dafühür!
Nein! -

Ich bin ein grausamer Mensch,
haa,
ich bin soo brutaal,
alle Leute fürchten sich vor mir,
ich kann nichts dafühür!
Nein, nein, nein, nein! -

(melancholisch mit aggressivem Unterton:)
Ich bin ein grausamer Mensch,
ich bin soo brutaal,
alle Leute fürchten sich vor mir,
ich kann nichts dafühür!
Ja-haaaa-ha!

Platz 3
"Ich bin voller Haß und Wut" - Hansi & the Hurrican

(energisch, drängend, mit gelegentlich aggressiv-heiteren Nuancen:)
Ich bin voller Haß und Wut,
und mein Therapeut sagt,
das ist guut,
ich schlag alles kurz und klein,
ja,
mein Therapeut sagt,
das muß so sein!

Ich bin voller Haß und Wut,
ja, ja,
und mein Therapeut sagt, das ist guut,
ich schlag alles kurz und klein,
mein Therapeut sagt,
das muß so sein!
Yeah, Yeah, Yeah, Yeeah, Yeah,
ja, ja, ja -
(Sänger wird handgreiflich! - Ein begeisterter und ahnungsloser Fan wird Opfer von dessen Mißhandlungen!: Aua, aua, aua ...)
Ja - das ist toll - voller Wut, voller Haß!
(Sänger nunmehr ängstlich geworden:)
Hallo, hallo - lebst du noch??

Platz 2
"Die ewige Grundschuld" - Gilbert & Gilbert

(melancholisch:)
Die ewige Grundschuld,
lastet auf meiheinen Schultern,
(pathetisch-getragen:)
denn ich bin ein Maann,
ja, ich bin ein Maann!

(melancholisch:)
Die ewige Grundschuld,
lastet auf meiheinen Schultern,
(pathetisch-getragen:)
denn ich bin ein Maann,
ja, ich bin ein Maann!

(heiter-beschwingt:)
Und - ewig wird sie lasten,
trallalalalaa,
und ewig wird sie lasten,
trallalalalaa,
und ewig wird sie lasten,
trallalalalaa,
und ewig wird sie lasten,
trallalalalaa,

Platz 1
"Caramba, caracho - Lapsus live" - Lapsus-Live-Band
(seit 56 Wochen auf Platz 1:)

Caramba, caracho - Lapsus live,
dafür bin ich reif!
Caramba, caracho - Lapsus live,
hält die Ohren steif!

Caramba, caracho - Lapsus live,
dafür bin ich reif!
Caramba, caracho - Lapsus live,
hält die Ohren steif!

(Nun kommt ein schwülstig-getragener Sprechgesang.)

Oldie
"Taratating, Taratatong" - Regina Mondieu

(sentimental mit schadenfrohem Einschlag:)
Taratating, Taratatong
und darum sing' ich diesen Song,
damit er dir die Traurigkeit vertreibt.
Taratating, Taratatong,
denn heute knallt's noch im Karton,
doch wer weiß, wie lang das noch so bleibt.
Denn du, du wirst vergehen!
Doch Lapsus bleibt bestehn!
Taratating, Taratatong,
ja heute knallt's noch im Karton,
und unser Leben ist noch aufregend und schön,
so schön, so schön, so schööön!

MANN DES GESETZES

Mann des Gesetzes - ich fürchte,
du bist hier zur falschen Zeit reingeschneit.
Das Gewehr meines Alten wurde noch nie benutzt,
aber es gibt immer ein erstes Mal,
und dies hier könnte's sein.

Mann des Gesetzes, du siehst 'n Ende jünger aus als ich,
und ich würde nur sehr ungern auf ein Baby schießen.
Du hast doch noch einen langen Weg vor dir,
alt und grau zu werden.
Es könnte echt 'ne gute Zeit für dich werden,
wenn du deine Meinung ändern würdest.

Ach, mich erfüllt noch eine süße Mattigkeit vom Liebemachen,
ich brauche noch 'ne Weile heute morgen.
Du wirst mit deinem Kram warten müssen.

Gut, ich habe nun deinen Standpunkt gehört und du meinen.
Und ich bin einfach zu müde, um Stellung zu beziehen,
dein Problem hier heute morgen vom Tisch zu kriegen.

Möchtest du nicht mal 'n bißchen lockerer sein?
Laß doch einfach 'n paar der Sachen, die du mitkriegst,
an dir vorüberziehen.
Ach, meinetwegen brenn sie dir ins Gedächtnis,
aber geh' nach Hause!

Verstehst du denn nicht die Kinder?
Die sind genau wie du, die wollen,
daß alles seine Ordnung hat.
Aber - die lassen's schleifen.
Und das Gelächter läßt dich wissen,
daß Lächeln die Gesetze bricht.

Du weißt, ich könnte ein Gesetzesbrecher sein,
und wenn's nach dir ginge, wären wir alle verloren.
Ich geb' mir die Maske einer Uhr,
die halt zu alt ist, nochmal aufgezogen zu werden.
Und nun kannst du sehen,
daß sich die alten Hände nicht rühren.
Aber so oder so, du komischer Vogel,
dies könnte das erste Mal sein!
(jefferson airplane, 1971)

WICHTIG NICHT

Es ist nicht wichtig für mich, wie Du Dein Geld verdienst.
Ich möchte wissen, ob Du es wagst, der Sehnsucht Deines Herzens zu folgen.
Es ist nicht wichtig für mich, wie alt Du bist.
Ich möchte wissen, ob Du Dich traust, wie ein Narr auszusehen, weil Du Deine Liebe zeigst, Deine Träume lebst und wirklich lebendig bist.
Ich möchte wissen, ob Du mit Schmerz umgehen kannst, meinem oder Deinem Schmerz, ohne ihn verstecken, verändern oder überspielen zu müssen.
Ich möchte wissen, ob Du voller Freude sein kannst, meiner oder Deiner Freude, ob Du voller Wildheit tanzen kannst, ob Du die Ekstase von Deinen Fußsohlen bis zu Deinen Haarspitzen fließen lassen kannst.
Es ist nicht wichtig für mich, ob die Geschichte, die Du mir erzählst, wahr ist.
Ich möchte wissen, ob Du jemanden enttäuschen kannst, wenn es wichtig ist, Dir selbst treu zu bleiben.
Ich möchte wissen, was von Dir übrig bleibt, wenn alles Äußere von Dir abfällt.
Ich möchte wissen, ob Du mit Dir selbst alleine sein kannst.
(Auszüge aus "Oriah Mountain Dreamer", Indian Elder)

Dead Can Dance

Die DCD-Präsentationen bei LAPSUS-LIVE verzichteten bisher auf jegliche Information zur Band selbst. Der LOVER konnte immerhin ein Foto, die Albumliste und ein paar Informationen mehr auftreiben. Einiges davon in halbwegs verständlichem Englisch. Deutschsprachige Quellen ließen sich leider nicht finden und die solide Übersetzung der anderen gefundenen Artikel ist mir zu aufwendig.
DCD Alben:
Spiritchaser (1996), Toward the Within - The Film (1994), Into the Labyrinth (1993), Passage in Time (1991), Aion (1990), The Serpent's Egg (1988), Within the Realm of a Dying Sun (1987), Spleen and Ideal (1986), Dead Can Dance (1984)
Andere Projekte:
Duality - Lisa Gerrard & Pieter Bourke (1998), The Mirror Pool - Lisa Gerrard (1995), All Virgos are Mad - 4AD Compilation (1994), Baraka - Soundtrack mit Michael Stearns (1993), Angels of Perversity - Elijah's Mantle & Mark Ellis (1993), Sahara Blue - Hector Zazou (1992), Lonely is an Eyesore - 4AD Compilation (1987), It'll End in Tears - This Mortal Coil (1984)


Lisa Gerrard und Brendan Perry sind Dead Can Dance

Spiritchaser
Of interest is a quote from Lisa Gerrard from the July 12, 1996 edition of the Boston Globe:
"We don't know whether we stole it [the Beatles' "Within You Without You" melody] or not. We probably did, but who the hell knows?" says Gerrard. "It wasn't deliberate, because we didn't remember the record. I'm really unfamiliar with the Beatles' work, I have to confess.
Brendan knows a bit more about it. But the next minute, musicologists are saying, `Oh, the first six notes are the same.' So we had to contact George Harrison, who didn't give a damn, frankly. He was gardening at the time. He said, `Oh, I like that piece of music. It's OK.' But the [record company] pushed it. So we had to give a credit to Harrison on the thing, which seems really bizarre."
gesucht und gefunden von Achim

Eine Bemerkung noch zu "Bruder Baum Baum Bruder"

Ich kann nicht so tun, als wäre meine Denkfähigkeit nur eine Verirrung dieser Zeit, welche es zu überwinden gilt, indem man sich auf das Niveau eines Baumes herabbegibt und sich dessen Innenleben ganz und gar unterordnet. Und paradox ist doch auch, mit welcher Vehemenz eine rationale Erklärungswut heraufbeschworen wird, die den Baum ins Maßlose überhöht und den Menschen nur als Beiwerk zuordnet. - Der Baum ist ein Teil von mir, und ich in meiner Komplexität, wir Menschen, können doch nicht nur Baum sein, geschweige ein Teil von ihm! Nicht der Baum kann uns umarmen, sondern nur wir den Baum, indem wir endlich wieder die Natur, den Baum als einen lebensnotwendigen Teil unseres Lebens begreifen und achten. Nur der Mensch hat es in der Hand, der Baum hat keine!
In diesem Zusammenhang möchte ich auf Ken Wilbers Buch "Eros, Kosmos, Logos" hinweisen, in dem er sich unter anderem auch mit dieser Thematik auseinandersetzt. Zitate bergen in sich immer den Makel der Unvollständigkeit. Ich will es dennoch riskieren:
"Wir sahen bereits, daß das Ego-Lager objektivierend und analysierend an diese Mononatur heranging: Natur war die durch Reflexion zu erkennende Wirklichkeit. Derselben Natur näherte sich das Öko-Lager in dem Bemühen, sich mit ihr zu vereinigen, mit ihr zu kommunizieren, zu ihr zurückzukehren, sie zu vergeistigen, zu spiritualisieren. Mit dem Flachland zu kommunizieren, ja sich mit ihm zu vereinigen, das war jetzt höchster Ausdruck der Spiritualität (und das ist bis heute die Crux der Ökophilosophien). Gegen diese Gleichsetzung von Natur und GEIST haben wir bereits Emerson von der 'Armut der Natur' sprechen hören: 'Die Natur ist ein Symbol des GEISTES.' Jetzt jedoch, mit der Einebnung des Kosmos, sollte die Natur selbst der GEIST sein, der Quell spirituellen Sentiments und des Heils, das nur abseits aller Verzerrungen und Verbrechen der Kultur zu finden war. Das Ego sollte ins Öko eintauchen, in die Biosphäre und nichts weiter, um darin die Befreiung aus dem Würgegriff der Rationalität zu finden. Bei einem reinen Naturerlebnis sollte der GEIST aus der Natur in mich einströmen und nicht etwa durch mich in die Natur strömen. Geist oder Über-Seele leuchteten nicht mehr durch mich, um ein spirituelles Licht über die Natur zu breiten und sie als vollkommene Manifestation des GEISTES zu offenbaren; vielmehr werde ich jetzt von Gefühlen überschwemmt, welche die Mononatur in mir auslöst."
"Jetzt jedoch wollte die Natur nicht mehr vor ihrem Gott zurückweichen, denn sie war selbst Gott geworden, durch das monologische Denken der Öko-Lager dazu gemacht. Diese neue Natur war keineswegs translogisch, und sie durfte auf keinen Fall etwas von der verabscheuten dialogischen Intersubjektivität der Kultur haben. Kurz, anstelle der NATUR (der GEISTES, des nichtdualen Einen) durfte es jetzt nur noch die sinnliche Natur geben, und Sünde ist dann nicht mehr das, was mich von der Natur trennt, sondern alles, was zwischen mich und die Natur kommt: Wenn ich in diese Natur eintauche, finde ich mein wahres Ich, sonst nicht. Sich mit den Schatten vereinigen, das also sollte jetzt das Licht sein. Mit einer denaturierten Natur verschmelzen, das sollte mein Heil sein.
Nicht daß bei diesem neuen Naturerleben keine echte spirituelle Einsicht möglich gewesen wäre. Es gab sie gewiß, aber selten wurden die Bezüge so richtig gesehen, wie hier von Wordsworth: Éin zusätzliches Licht kam aus meinem Geist, welches der untergehenden Sonne neuen Glanz verlieh.' Im Flachland-Kosmos wurde dieser Glanz in aller Regel der Sonne zugeschrieben; er strömte aus ihr in mich hinein, und ich hatte mir diesen Sonnenuntergang, diese Natur, als Quell der Erleuchtung zu denken. Aber dieser Glanz ist nicht einfach 'da draußen' gegeben und wartet nur darauf, daß die Sinne ihn wahrnehmen und sich von ihm beflügelkn lassen. Kaninchen, Wiesel und Füchse machen sich nichts aus Sonnenuntergängen, seien sie noch so prachtvoll.
Nein, die Natur ist nicht der Quell dieses Glanzes, sondern ihr Empfänger.
Wenn ich von meiner egoistischen Ausrichtung ein wenig ablassen kann (und dafür mag die Natur in der Tat einen geeigneten Rahmen bieten) und mich dafür auf die große Über-Seele einlasse, kann dieser Glanz aus dem einen durch mich strömen und der untergehenden Sonne neuen Glanz verleihen. Solange ich aber die Natur als Ursprung des Göttlichen deute, bin ich von tieferen Intuitionen oder spirituellen Einsichten ausgeschlossen: In meiner Versessenheit auf goldene Eier bemerke ich nichts von der Gans, die sie legte. Außerdem bin ich dadurch von jeder integrativen Sicht der Dinge ausgeschlossen. Wenn die Biosphäre das Göttliche ist, muß die Noospäre das Verbrechen an diesem Göttlichen sein. Ich kann Natur und Kultur nicht im GEIST zu NATUR integrieren. Ich kann nur zur Rückkehr zur Natur, also zur Regression aufrufen.
Weg vom Transpersonalen, weg vom Interpersonellen und zurück zum Präpersonalen, zum Aufgehen in der Biosphäre, einem vollkommen geozentrischen und egozentrischen Zustand - zurück zum prärationalen göttlichen Egoismus, der das Aufgehen im Sinnlichen für echte transpersonale Erlösung hält. Zurück zu einem sinnlichen Naturverständnis, das unter Selbsttranszendenz, wie Taylor sagt, nur allzu häufig Selbstgenuß versteht. Es drängt sich ein furchtbarer Gedanke auf: Zurück zur Natur heißt weg von der NATUR. Und das Öko-Lager führte (wie schon das Ego-Lager) genau das herbei, was es unbedingt vermeiden wollte, die Glorifizierung des Ich und eine Verneinung der wahren NATUR." Dirk und Ken Wilber

Eine Bemerkung zur Bemerkung

Lieber Dirk, Dein Zitat aus Ken Wilbers Buch hat vielleicht einiges an sich, was für manche denkwürdig ist. Ja, und klar, der Vortrag stammte auch nicht von mir, auf den Du Dich damit beziehst. Aber ich hab ihn gehört (fast bis zuletzt, ja leider auch hier die Müdigkeit...) bzw. gesehen und offensichtlich etwas ganz anderes dabei empfunden als Du. Ich kann nicht anders als denken: ja, klar, was Du da schreibst, brauchst Du mir z.B. nicht zu sagen, aber was hat das mit dem Vortrag zu tun??? Wo sehe ich das Wesentliche nicht?
Mir gefiel an dem Vortrag einfach die Vielschichtigkeit, die von einfacher Berührtheit vom Wesen/Lebewesen Baum in seiner von uns unterschiedlichen, und/aber auf uns Menschen so positiv wirkenden Daseinsform bis zu bildhaftem, tiefdeutigerem Verstehen des Wortes Verwurzelung so viele Gefühle und Gedanken in mir wachrief, anstieß, ins In-mir-Weiterrollen brachte. Und das nicht ins Düstere, Pessimistische (wie sonst so oft bei Roland), sondern hoffnungsvoll, mit einer - für mich jedenfalls spürbaren - liebevollen Leichtigkeit - bis hin zum sanft tänzerischen Ausklang.
Ohne irgendwelchen esoterisch/öko/spirituellen Zauber drumherum sind für mich Bäume etwas Angenehmes, Schönes, Wohltuendes...Gerade jetzt, während ich das schreibe, rauscht der Wind in der Eiche vor dem Fenster (Grillen zirpen, auch das gehört dazu, wie das blaue Dämmerlicht). Ich weiß noch, wie ich vor einem Jahr, schlimm geplagt von meiner Allergie, aufatmend und wie getröstet die kühlen, weiten Waldräume hier in Zarnekla betreten habe.
Und ich habe schon oft zwischen den Wurzeln eines großen, alten Baumes gesessen und mich - tja, soll ich mich nun dafür schämen? - um"armt" gefühlt - wäre Dir "umwurzelt" lieber? - klingt auch gut...Ich weiß ja, ich kam zum Baum, nicht er zu mir, aber mein Gefühl kannst Du eben nicht bestreiten, das war da (und wird wieder da sein, ich lasse mich nicht irremachen) und es tat mir gut (auch unbestreitbar).
Und Du meinst nun, ich hätte dazu den Baum nicht gebraucht, weil das alles nur aus mir kommt? Wer sagt Dir denn, daß ich dann z.B. Dich brauche, warum bleibe ich dann nicht in meinem Zimmer und mit diesem GEIST (was/wer immer damit gemeint sein mag) allein und lasse die Wände um mich leuchten? - Na, hab ich da was falsch verstanden?
Eigentlich ist das aber nicht das, was ich sagen wollte und ich kenne Wilber's Bücher auch nicht, vielleicht hat er viel Schlaues geschrieben, ich möchte das keinem absprechen. Mein Gefühl ist halt bloß, daß Deine Bemerkung irgendwie nicht zu dem Vortrag paßt. Für mich jedenfalls. Ich fühlte mich nicht genötigt, mich "dem Innenleben eines Baumes unterzuordnen", obwohl ich gerade lachen muß: es gab da bei Rolands Baumbildern auch eines, das nicht in den Vortrag kam, da bin ich in die Öffnung eines hohlen Baumes geschmiegt... - aber SO hast Du es ja nicht gemeint, nicht wahr? ... Ich sah keinen Baum ins Maßlose überhöht und fühlte mich nicht als Beiwerk. Ja, allerdings ist für mich auch der Baum kein Beiwerk, sondern eine andere Lebensform mit ebensolcher Daseinsberechtigung wie ich, nur kann er mich nicht fällen...
Weder fühle ich mich als Teil eines Baumes, noch ist er einer von mir: wir sind beide Teile eines größeren Ganzen, ICH nenne es Natur, aber das ist Definitionssache. Und die Formulierung "Bruder Baum Baum Bruder" bringt das für mich treffend zum Ausdruck (obwohl man sich natürlich über "Schwester"... streiten könnte...- muß man aber nicht, es ist zu verstehen, was gemeint ist und das genügt mir).
Verständlich schien mir auch, daß mich an dem Text auch Rolands Berührtheit berührte, schließlich kenne ich ihn schon ein bißchen... aber Du doch auch?
Zeigt nicht jeder in diesen Vorträgen irgendwie was von sich, mehr oder weniger verborgen oder offenbar für die, die es wahrnehmen wollen? Ich wünschte, die Blicke darauf wären liebevollere und weniger distanziert/objektiv (=zum Objekt machend/durch die Lupe/Mikroskop/mit Pinzette und Skalpell ohne Berührungskontakt?)/kritisierend (obwohl ich selbst oft so bin). Eigentlich dachte ich auch, Dich bisher (und auch weiterhin?) anders zu erleben, also schon offenherzig...
Der Baum ist für mich auch nicht auf den Platz "lebensnotwendiger Teil MEINES Lebens" zu verweisen. Für manchen Baum kann auch ich lebensnotwendig werden.
Jedenfalls beziehe ich daraus nicht den Sinn/die Berechtigung meines Daseins, ebensowenig wie der Baum umgekehrt. Er ist einfach DA. Für SICH. Vielleicht aus einer Laune der Natur heraus oder des Lebens oder was weiß ich (oder weiß ich nicht) Und wenn das "es", was der Mensch immer in der Hand hat, eben die Motorsäge ist...Eben! Der Baum hat keine!  Aber eben das war garnicht so Thema Nummer eins des Vortrags. Da war viel mehr drin. Die einfache Schönheit der Bäume - oder das, was Roland eben sieht.
Er hat uns die Versuche anderer vorgestellt, Ihre Gefühle zu bestimmten Bäumen in Musik umzusetzen (warum sind Lieder über die ewig langweiligen SonnenUntergänge, ja sogar Autos besser?)
Da war eine "wahre Geschichte" über die wirklich staunenswerte Wiederauferstehungskraft des Lebens, wenn wir Menschen bereit sind, wirklich ernsthaft etwas wiedergutmachenzuwollen: so wenig Aufwand, so eine kleine, fast gestenhafte Tat (ist DAS Wort aber negativ besetzt!!!) und schon ist alles verziehen, schon wird alles wieder gut, schon heilt die Wunde zu, die unsere Ärzte sicher aufgegeben hätten (Silikonbäume?) - da sehe ICH jedenfalls, wie sehr ich als Mensch eben einfach selbstverständlich DAZUgehöre (kein Baum denkt darüber nach, natürlich), und wirklich nur dazu, denn eigentlich fließt keine Quelle für mich, wächst kein Baum für meinen Sauerstoff, und was ich mir an Lebensgrundlage zerstöre, ist mein Pech. (das muß nicht alles jetzt hierher...)
Die Texte von Simone Weil u.a. waren für mich neu, Denkanstöße, vieles sehr stimmig und öffneten den Blick auf den Baum als Symbol, bildhaft und ansich und sprachlich (in etwas wurzeln, auf einen grünen Zweig kommen, Volksstamm, Familienstammbaum, Blatt Papier, - hast Du den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen?)
Das ist so in etwa, was mir dazu jetzt einfällt...und ich bin gern bereit zu weiterem Austausch darüber... Nathalie

MAKAKE WAKAN

Lakota: Die Erde ist heilig
Als ich vor einigen Monaten zum ersten Mal seit langem in den Wald ging, weil mir meine 4 Wände zu eng wurden, da trug ich einen Walk"man" & bedröhnte mein Gehirn mit allerfeinstem Hardcore. Die UreinwohnerInnen Nordamerikas, deren Bücher ich las, nannte ich "Indianer". Und ich bemerkte es nicht.
Bis ich in einem dieser Bücher etwas las & den Blick zweier harter Augen von diesen Buchstaben aus spürte, der sich in meinen Kopf brannte und eine Rechtfertigung verlangte.
raus..."Ich habe den Eindruck, die weißen Menschen fürchten sich so sehr vor der Welt, die sie selbst geschaffen haben, daß sie diese nicht mehr sehen, fühlen, hören oder riechen wollen. Regen und Schnee auf dem Gesicht spüren, von einem eisigen Wind wie erstarrt zu sein und an einem rauchenden Feuer wieder aufzutauen, aus einer heißen Schwitzhütte zu kommen und in einem kalten Fluß zu tauchen - diese Erfahrung zeigt Dir, daß Du lebst. Aber Ihr wollt das gar nicht mehr empfinden. Ihr wohnt in Kästen, die Sommerhitze und Sommerkälte aussperren, Ihr lebt in einem Körper, der seinen Geruch verloren hat, Ihr hört den Lärm aus der Hi-Fi-Anlage anstatt den Klängen der Natur zu lauschen, Ihr seht den Schauspielern im Fernsehen zu, die Euch Erlebnisse vorgaukeln, Euch, die Ihr längst verlernt habt, irgendetwas selbst zu erlernen. Ihr eßt Speisen, die nach nichts schmecken. Das ist Euer Weg. Er ist nicht gut." Lame Deer
Es war, als habe dieser unbekannte Mensch mir einen Spiegel vorgehalten. Als ich das nächste Mal in den Wald ging, waren meine Ohren frei.
Was ich hörte war Stille. Das Leben um mich herum.
Und ich bekam Angst. Jedes Geräusch jagte mir neue Horrorvisionen vor die Augen von Vergewaltigern, die nur auf mich (eine einzelne Frau) warteten.
Diese Angst trieb meine Füße vorwärts, fast rannte ich. Meine Augen wurden blind, die Stille gellte in meinen Ohren.
Bis die schützende Zimmertür wieder hinter mir ins Schloß fiel.
Doch ich wollte nicht aufgeben, wollte Leben fühlen, so wie es beschrieben worden war, und las weiter in den Büchern der Menschen, die ich mittlerweile "Indigene" nannte, und ich lehrte mich selbst. Ich ging immer wieder hinaus, zwang meinen Atem ruhig zu bleiben, meine Ohren nur das zu hören, was da war und mein Herz einen neuen Rhythmus zu suchen.
Langsam lernte ich, die Schönheit um mich herum wahrzunehmen. Sie erfüllte mich mit Ruhe und Freude. Der Wald gab mir Kraft.
Eines Tages legte ich mich auf einer Lichtung auf die Erde. Anfangs machte mir diese Hilflosigkeit symbolisierende Position Angst, doch irgendwann wurde ich ruhiger. Spürte den Stein in meinem Rücken, die Sonne auf meinem Gesicht, den Käfer auf meinem Arm, den Geruch der Bäume um mich herum.
Und ich vergaß mich selbst.
Als ich wieder erwachte (hatte ich geschlafen, geträumt?), konnte ich eine Verbundenheit mit dem Fleckchen Gras fühlen, auf dem ich gelegen hatte.
In diesem Moment begann ich zu verstehen, was ich vorher gelesen hatte. Ich hatte mein "inwendiges Feuer" entzündet. Jetzt galt es, die Flamme zu nähren.
("Die Eule" 2/96)

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