OVER Nr. 17


LOVER Nr. 17

(erschien 10/98)

Auszüge:

[Unglück] - [RE ¤ act ¤ or #3] - [Aerie] - [Bemerkung 2] - [Gedanken 1] - [Gedanken 2] - [Bäume] - [Früchtchen] - [Herzdreck] - [AntiWorten] - [Van The Man] - [Das letzte Mal] - [Fotorätsel] - [Mein] - [WEIT WEG] - [LAPSUS CD 2000] - [Lesestoff] - [Nummer] - [Dead Man] - [Year Of The Horse] - [Der Ort] - [Rilke]

LOVER No. 17

Man kann sich

im Grunde

nicht mitteilen.

Das ist auch

noch niemandem

geglückt.

Thomas Bernhard

RE ¤ act ¤ or # 3

From: Tobias G. <rexos@gmx.net>
Subject: Readme
Hallo, habe Zeit im Moment. Um Deine Frage zu beantworten, wer rexos ist, das ist mein eigens gegebener Spitzname. Kürzel sozusagen, wie ich darauf gekommen bin weiß ich selber net.
reXos (...mmhhhhh...)
Zu LAPSUS: War mit Freundin zweimal da, richtig. Finde es persönlich keine schlechte Idee, ein Treffen mit verschiedenen Leuten. Dachte nur eigentlich man kommt der Verwandtschaft etwas näher, doch dort sehe ich immer nicht durch. Mit Roland z.B. weiß ich nicht richtig was anzufangen. (ehrlich gesagt)
Ich lebe etwas anders vielleicht, doch super: ökologisches Essen, Anbau, Musik, Atmosphäre, Hof an sich (mir zu abgelegen) Naja, meiner Freundin geht's ähnlich.
Was den Lover betrifft, weiß nicht so recht was, wie ich schreiben soll. Kannst mir ja ein paar Tips geben.
Oh Mist, schon so spät, muß in 5 1/2 h wieder aufstehen. Abschiedsparty auf meinem Gutshof, dort wo ich ZIVI war. bis dann... Grüße reXos
Pfingsten war ich wieder angekommen in einer anderen Welt - eingetaucht, abgetaucht, versunken. Dies' Mal weniger aufgeregt als beim ersten Dabeisein, aber erwartungsfroh auf 3 tolle Tage/Nächte. Die Programmzusammenstellung fand ich sehr gelungen. Ich hatte den Eindruck, das Programm lief in diesem Jahr "geordneter" ab, an der Abfolge wurde kaum was geändert, was dem Ganzen wohl bekam. Andererseits waren es gerade die spontanen Aktionen wie das "Hofkonzert", der "LiterArische Abend" (Nina, Stefan, Imre), die Lapsus wahrlich live machten. Live ist eben life (oder umgekehrt?). Wunderbar war Achims perfekter Quadrophenia-Vortrag. Spannung und Warten haben sich gelohnt!
"Umwerfend" Egbert/Detlef, Monika und Irmtraud; das spontane Gesichterbemalen war phantastisch und, und, und...
Danke allen Vorbereitern. Es läßt sich ja wirklich nur ahnen, wieviel Zeit, Kraft, Ideen, Gedanken, Stimmungen jeder in die Vorbereitung investiert hat, aber doch wohl auch 'ne Menge Spaß, denn sonst würde es dieses Fest der Stimmungen und Stimmen, Töne und Farben, der Sinne und Empfindungen nicht schon so lange geben.
Bitte grüße alle Bewohner bzw. "Sich zeitweilig dort Aufhaltende" des Zarenhofes ganz herzlich von mir. Ich wünsche euch allen viel Kraft!
Herzlichst -  Karola.
Es könnte, da wir uns ja lange nicht gemeldet haben, der Gedanke aufgekommen sein, wir hätten kein Interesse am LOVER. Das ist aber nicht so. Es ist vielmehr das alte Dilemma mit der Zeit (woher nimmst du die bloß immer?). Jetzt allerdings habe ich trotz oder besser wegen einer Krankheit meine Ruhe und kann mich zum Beispiel dem Schreiben von Briefen widmen. Anbei liegen ersteinmal ein Satz Briefmarken. Ich finde es völlig in Ordnung, daß ihr euch die Kosten wenigstens teilweise wieder rein holt. Sollte mehr erforderlich sein, meldet euch.
Ich werde mich jetzt hoffentlich auch etwas meinem Lapsusvorhaben widmen können.
Dabei gedenke ich bei der Literatur und hier wiederum bei der phantastischen zu bleiben und habe mir Gustav Meyrink vorgenommen. Allerdings ist es zu meinem Erstaunen nicht ganz leicht, Bücher über ihn aufzutreiben. Ich meine jetzt nicht die gängigen Romane; um die soll es auch nicht gehen.
Aber das ist ja noch ein Weilchen hin. Noch liegt das letzte Lapsus näher, und das hat wieder einmal viel Spaß gemacht. Dank, wie immer und trotzdem neu, an die fleißigen Organisatoren.
Besonders gefallen haben mir Reginas und Dirks Vorträge. Und total schön waren auch die beweglichen Traumdias zur Live-Musik. Beides paßte einfach perfekt. Es gibt eben doch so etwas wie einen geheimen Zusammenhang des Schönen.
Rolands Bruder Baum-Vortrag ist mir leider halb entgangen. War zu spät für mich. Er wiegte mich in schöne grüne Träume. Hätte gerne alles mitbekommen.
Mein persönliches Highlight war allerdings "The Who". Es hatte mich gepackt und ich hätte nach dieser Musik die ganze Nacht durchtanzen können. Vielleicht war's der Kontrast, der mir die nachfolgende Musik nicht so tanzverlockend erscheinen ließ. Auf jeden Fall hatte es sich gelohnt , auf diesen Vortrag zu warten. Übrigens erscheint mir die Thematik auch heute noch äußerst aktuell.
So richtig lapsig war die Nachmittags-Session auf dem Hof. Ginger
Hi, hier ist Hans, ein kleines feetback möchte ich auch noch von mir geben, obwohl meine Musikertätigkeit mich ja zeitweise vom letzten Lapsus-Live abberufen hat.
Von dem, was ich mitbekommen habe, hat mir Dirks Vortrag am Freitag am besten gefallen. Ich fand die Übereinstimmung von Musik und Bildern einfach perfekt. Auf diese Weise konnte Musik wirklich über das Gefühl ohne irgendwelche rationalen Beigaben aufgenommen werden. Auch Reginas Stück fand ich wirklich gut. Die Texte (vor allem die erläuternden Zwischentexte) waren so gut ernst gemeinten Machwerken dieser Richtung nachempfunden, daß die Ironie einfach rüberkommen mußte.
Für das nächste Lapsus habe ich diesmal auch schon 2 Ideen (eine davon werde ich hoffentlich auch realisieren). Dazu konkretere Daten, wenn ich mich entschieden habe.
Preisausschreiben üben ja irgendwie einen magischen Beteiligungszwang aus. Diesmal konnte auch ich mich dem nicht entziehen. Hans

AERIE

(Heimat der Adler unterm Himmel)

Woher weiß er, wohin er fliegt?
- Er irrt niemals, niemals verloren -
Niemand. Es ist niemand schneller.
Die Richtung entspringt seinem Wesen.
Nichts bleibt verborgen,
Weit und offen wie der Himmel.
Kein Recht, kein Gesetz kreuzt seine Bahn.
Er hat keinen Herrn, braucht keinen Meister.
In seinem Namen wird die Freiheit geboren aus seinem Namen.
Ich * Weite * iiii
Hi * Heimat * Aerie
Ich * Himmel * iiii
Du kannst nicht fliegen - Meister Mensch.
Nein, Du kannst es nicht - Du kannst selbst nicht fliegen.
Du kannst nicht fliegen - vergehender Meister -
Ohne Gewehr in Deinem Schrank.
Ich * Weite * iiii
Ich * Himmel * iiii
(Jefferson Airplane, 1972)

Bemerkung 2 zu Nathalies Bemerkung 1

Liebe Nathalie, wenn Du schreibst, daß ich das, was ich geschrieben habe, Dir z.B. nicht zu sagen brauche, so muß mich Deine daran anschließende Argumentation befremden. Da ist irgendwie der Wurm drin.
Ich bestreite Deine Gefühle nicht, wenn du zwischen den Wurzeln eines großen, alten Baumes sitzt. Dafür brauchst Du Dich auch nicht zu schämen! Darum geht es mir auch gar nicht!
Ich möchte noch einmal ein paar Sätze von Wilber voranstellen, um deutlich zu machen, worauf ich hinaus will: "Nicht daß bei diesem neuen Naturerleben keine echte spirituelle Einsicht möglich gewesen wäre. Es gab sie gewiß, aber selten wurden die Bezüge so richtig gesehen, wie hier von Wordsworth: 'Ein ZUSÄTZLICHES Licht kam aus meinem Geist, welches der untergehenden Sonne neuen Glanz verlieh'". Und: "Nein, die Natur ist nicht der Quell dieses Glanzes, sondern ihr Empfänger." Bei allen Betrachtungen, die wir Menschen anstellen, geht die Initiative doch von uns aus. Der Baum kann uns etwas sagen, doch die Stimme ist in uns.
Wir Menschen tragen das Eine tief in uns, und von dort aus begreifen wir die Natur, alles einfach, als ein faszinierendes SYMBOL des Göttlichen, des absoluten Einen eben (oder NATUR = GEIST = das nichtduale Eine = Selbst = Über-Seele). Und es ist gerade dies Göttliche, das Eine, welches alles umfängt, was wir wirklich sind. Es ist die Wahrheit, die absolute, die nicht entsteht und auch nicht vergeht. Sie ist immer schon da.
Nach Wilber, und er hat mich da grundlegend überzeugt, ist es wichtig, den Unterschied zwischen Natur (kleingeschrieben; Biosphäre) und NATUR (= GEIST = Über-Seele usw.) unmißverständlich herauszustellen, damit wir die "kleingeschriebene" Natur nicht wieder unangemessen überhöhen. Du schriebst: "Ja, allerdings ist für mich auch der Baum kein Beiwerk, sondern eine andere Lebensform mit ebensolcher Daseinsberechtigung wie ich, nur kann er mich nicht fällen ...
Weder fühle ich mich als Teil eines Baumes, noch ist er einer von mir: Wir sind beide Teile eines größeren Ganzen, ICH nenne es Natur, aber das ist Definitionssache."
Diese Sichtweise kann ich für mich nicht akzeptieren. Hierzu ein Beispiel: Ein Feuer breitet sich aus. Auf der trockenen Wiese steht ein von Dir gepflanztes, kleines Bäumchen. Neben dem Bäumchen liegt ein kleines Kind, das noch nicht laufen kann. Beide, das Bäumchen und das Kind, werden vom Feuer tödlich bedroht. Wen oder was würdest Du nun retten, wenn Zeit und Kraft nicht ausreichen würden, beide zu retten? Entsprechend Deiner Feststellung, daß beide (Bäumchen, Kind) Teile mit gleicher Daseinsberechtigung innerhalb eines größeren Ganzen sind, müßtest Du in dieser Hinsicht echte Probleme bekommen, sollst Du Dich hier entscheiden.
Worauf ich hinaus will, ist folgendes: Wir Menschen sind entwicklungsgeschichtlich höher angeordnet als der Baum, und da ist auch überhaupt nichts Schlimmes dabei. In diesem Sinne ist es schon wichtig (und nicht bloß Definitionssache) festzustellen, was man unter Natur (kleingeschrieben) und NATUR (= GEIST = das nichtduale Eine) versteht, und in diesem Sinne ist der Baum ein Teil von mir, den ich in mich eingeschlossen bzw. in mir transzendiert habe zu einer größeren (in diesem Falle menschlichen) Einheit hin. Nur ich kann mich in einen Baum einfühlen, kann in ihm das Göttliche wahrnehmen, aber niemals umgekehrt.
Die Klarheit durch Differenzierung ist uns mit Hilfe der Rationalität möglich, welche auch vom Göttlichen umfangen wird, aber nicht das Göttliche ist, genausowenig wie der Baum an sich das Göttliche ist. Nur ist die Rationalität entwicklungsgeschichtlich dem Göttlichen, der Einheit, um ein Vielfaches näher. Erst über unser Rationales, über unser Denk- bzw. Differenzierungsvermögen können wir in die höheren, transzendenten Bereiche vorstoßen bis hin zum absoluten Einen, welches in alles eingefaltet ist (eben auch in uns!), welches das absolute Unterschiedslose in allen Manifestationen dieser Welt ist. Die manifestierte Welt (dazu zählt eben auch der Mensch, der Baum etc. - die äußere Welt) ist voller Unterschiede, und das ist auch gut so!! Diese Unterschiede in der äußeren Welt, der Welt der Phänomene, ist unter anderem durch eine gesunde Hierarchie gekennzeichnet (es gibt auch eine pathologische Hierarchie, die gerade unsere Zeit befallen hat, aber das steht alles bei Wilber), und so gesehen hat der Mensch die Natur in sich transzendiert, weil er unbestreitbar aus der Natur hervorgegangen ist und nicht die Natur aus ihm.
Abgesehen davon, das Du mich hinsichtlich "Der Baum ... 'lebensnotwendiger Teil MEINES Lebens'" falsch zitiert hast (bei mir hieß es: "..., indem wir endlich wieder die Natur, den Baum als einen lebensnotwendigen Teil unseres Lebens begreifen und achten."), möchte ich noch folgendes klarstellen: Auf der einen Seite ist es doch eine Tatsache, daß die Natur eine lebensnotwendige Grundlage (ist vielleicht besser als "Teil") für UNSER Leben ist. Auf der anderen Seite hat die Natur, und damit auch der Baum, selbstverständlich auch einen eigenen Wert an sich.
Die Unterschiede in der äußeren Welt sind nicht eine endgültige Tatsache, die uns letztendlich zu nichts führen würde. Über die Unterschiede hinaus haben gerade wir Menschen die Möglichkeit uns zur Einheit hinzuwenden (die uns angeblich verlorenging). Die Einheit, und somit das absolute Bewußtsein, ist der Grund und das Ziel der Materie an sich, der Natur (= Biosphäre), der geistigen Sphäre, der Kultur - des Menschen und verleiht ihm die innere Ruhe und die innerlich hervorquellende, einzig wahre Bestimmung.
Im Gegensatz zu mir, im Unterschied zu mir, besitzt der Baum objektiv keine rationale Fähigkeit. Daher ist mir, in welcher Form auch immer, eine rationale, intersubjektive Kommunikation mit dem Baum nicht möglich. Aber über die intersubjektive Kommunikation (Dialog zwischen den Menschen, der letztendlich über die rationale Ebene hinausgehen wird!) erst finde ich den Einstieg zu meinem ureigensten Wesen, zu allen höheren Bereichen des Bewußtseins, finde ich das Selbst, das Eine. Und dort wiederum ist alles nicht verschwunden, aufgelöst, sondern ins Höhere transzendiert, integriert, vereint! Nicht umsonst postulierte Rudolf Bahro noch zuletzt den homo integralis - den integrierten Menschen als DIE Forderung der Zukunft!
An dieser Stelle möchte ich noch ein weiteres Mal auf einen Gedanken von Dir eingehen. Wenn der Mensch wirklich ernsthaft etwas gutmachen will, kann er sich dabei nicht nur einfach auf die Natur (kleingeschrieben) konzentrieren, sondern muß vor allem auf das heillose Durcheinander in sich selbst eingehen und muß es erkennend überwinden. Wiedergutmachung ist meiner Meinung nach nur dann möglich, wenn sich der Mensch innerlich erhebt und in erster Linie über sich selbst klar wird. Dann erst ist in der Folge auch der Natur der größte Dienst erwiesen! Das wollte ich ergänzend noch hinzufügen.
Im Grunde sind wir alle gleich. Damit meine ich, daß wir uns vom Quell, von der Einheit, vom Selbst, vom Herzen her wiederfinden, uns begegnen. Dort erhält die Liebe ihre Impulse und überwältigt uns. Von dort her liebe ich und bin absolut offenherzig. Dort sind alle Gegensätze, alle Unterschiede, verschwunden bzw. im Einen aufgehoben. Von dort her erkenne ich, fühle und spüre ich die Wahrheit. Was jedoch nicht wahr ist, versperrt mir den Weg! In diesem Sinne schrieb ich die Bemerkung zu "Bruder Baum Baum Bruder" und zitierte Wilber. Mir geht es nicht darum, Roland "distanziert/objektiv" nachzuweisen, daß er da was verwechsle oder überbetone. Ich will einfach Klarheit darüber, ob ich da eventuell etwas mißverstanden habe oder ob meine Bauchschmerzen während des Vortrages berechtigt waren (z.B.: War der Baum nur Metapher oder trägt der Baum diese Eigenschaften in sich, die nach meinem Verständnis in der menschlichen Kultur ihre Grundlagen haben, Eigenschaften, die doch eigentlich menschliche Attribute sind?). Für mich stellt sich nicht die Frage, objektiv sein zu dürfen oder nicht. Für mich stellt sich allein die Frage nach Tiefe und Wahrheit. Und ohne Dialog, ohne intersubjektive Kommunikation eben, komme ich in diesem Fall nicht weiter. In diesem Dialog liegt eine große Chance der Selbstfindung, der Selbstverwirklichung. Und irgendwann könnte man am anderen Ufer ankommen, an welchem es der Worte nicht mehr bedarf, ohne die es uns noch nicht gelingt, gemeinsam Klarheit zu gewinnen. Am anderen Ufer jedoch wären wir die Klarheit selbst! Dirk

Meine Gedanken zu "Die Erde ist heilig"

Vielleicht habe ich das falsch verstanden, aber mir schien es so, als sollte der letzte Beitrag im Lover 16 so eine Art Schlußurteil zur Diskussion zwischen Dirk und Nathalie darstellen. Vielleicht ist es ja auch Zufall, daß der Lover ausgerechnet damit beschlossen wurde. Egal, beim Lesen dieses Artikels - und nicht nur bei diesem - bekam ich echte Bauchschmerzen, und ich will im folgenden versuchen, mir in Kopf und Herz Klarheit darüber zu verschaffen, was mir da aufstößt.
Daß dieser Artikel voller Halbwahrheiten steckt, macht die Sache nicht gerade leicht. Es stimmt ja, daß unsere Lebensweise stark pathologische Züge trägt, daß eine kranke Megamaschinenwelt den Menschen zum Statisten degradiert und ihn von seinem eigentlichen Wesen fernhält. Es ist wahr, daß wir uns vom natürlichen Leben abschotten und in einer künstlichen Spielzeugwelt herumirren. Es wird uns aber nicht helfen, das Heil in der Flucht (von uns selbst in den Wald) zu suchen und alle die zu verdammen, die sich dem nicht anschließen. Es nützt doch nichts und schluckt nur unnötig Energien, das Feindbild "Stadtmensch" (= böse) zu inszenieren und dagegen die Natur bzw. die Erde oder den Wald als gut und heilig hinzustellen. Ich denke, damit macht man sich's wirklich zu leicht (eigentlich aber schwer). Die Welt, wie sie sich uns darbietet, ist doch nichts weiter als das in die äußere Realität umgesetzte Chaos in unseren Köpfen. Dort gilt es, Klarheit zu schaffen. Die einfache Frage: "Wer bin ich?", würde sie intensiv und mit allem Mut und aller Aufrichtigkeit gestellt werden, könnte uns zunächst einmal erkennen lassen, wie verwirrt wir eigentlich sind. Eine vorurteilsfreie Wahrnehmung unserer Gedanken, Gefühle und Beziehungen könnte uns klarmachen, wie stark wir an Äußerlichkeiten haften und wie aufgebläht unser kleines Ich ist. Wenn wir diese Irrtümer zurück an ihre Quellen verfolgen - sie alle steigen aus dem Ich-Gedanken auf - werden sie von uns abfallen und übrig bliebe allein unser innerstes Wesen, daß völlig widerspruchslos, ewig und wirklich heilig ist. Könnten wir dieses ureigene Selbst zum Mittelpunkt unseres Lebens machen, so würde sich von dort her alles ganz von selbst ordnen und lösen. Unser Heil wäre dann automatisch das Heil der Welt, der Natur, die ja in uns eingebunden ist. Solange der Mensch nicht heilig ist, kann es auch die Erde nicht sein. Erst im Spiegel eines göttlichen Bewußtseins wird ihr göttliches Wesen aufstrahlen. Natürlich geschieht es wohl eher auf einer ruhigen, sonnendurchtränkten Waldlichtung als auf der Autobahn, daß in uns eine Ahnung von dieser Göttlichkeit aufschimmert. Aber wenn in mir ein Gedankenwirrwarr herrscht und ich die Erlösung außerhalb suche, kann mir auch die tiefste Waldeinsamkeit nicht helfen. Sobald ich wieder mit den Menschen in Beziehung trete, wird die scheinbare Ruhe in mir zerfallen, und all die Egorangeleien beginnen von vorn.
Ist die Ruhe echt, dann wird sie mich auch im Stadtgetöse nicht verlassen.
PS: Ich weiß, daß ich von dieser Ruhe weit entfernt bin, ich füttere mein dickes Ego mit rastlosen Gedanken und selbstsüchtigen Gefühlen.
Doch vielleicht ist es ein erster Schritt, zu wissen, wo der Hund begraben liegt, und nicht nach Schuldigen zu suchen oder die Welt retten zu wollen - so verführerisch dies auch scheinen mag.
PPS: In welchem Zusammenhang steht eigentlich die Zeichnung, die von dem angesprochenen Artikel umrahmt wird? Soll sie als Illustration der dargestellten Gedanken dienen? Da packte mich das kalte Grausen: Sollen wir uns der Erde zuliebe opfern? Zurück zur Naturreligion mit ihren Fruchtbarkeitsriten und Menschenopfern?
Oder ist es symbolisch gemeint und bedeutet, daß uns nur noch Kopflosigkeit helfen kann?
Kann mich da jemand aufklären? Regina

Meine Gedanken zu Meine Gedanken zu ...

Die Überschrift war einfach zu verführerisch... Eine Aufklärung wird dies hier sicher nicht, trotzdem ein paar Zeilen. Zuerst zum Schluß: (<= sowas nenne ich intellektuell befriedigend), zum PPS und dem Zusammenhang zwischen der Zeichnung vom Dresdner Künstler Leiberg und dem Eule-Artikel. Zwar mag die gegen den Rahmen drückende Figur kopflos wirken, mir ging es um den Eindruck des Ausbrechens. Und darum geht es in dem Text ja wohl auch. Niemals wird von mir Kopflosigkeit empfohlen werden, Ausbruch schon eher.
Den Text finde ich nicht gegen den 'Stadtmenschen' gerichtet, was immer diese Spezies sein soll. Jeder mag selbst prüfen, wieviel und was er sieht, fühlt, hört und riecht - wie sinn-voll das täg- und nächtliche Leben ist. Mag sein, daß sich Lame Deer ein bißchen viel auf die direkte Konfrontation mit den Naturgewalten einbildet. Aber der Vorwurf lautet ja: "Ihr wollt das gar nicht mehr empfinden." Allerdings sind die Motive derjenigen, die den Natur'kick' in ihrem bürgerlichen Leben wollen, auch nicht sonderlich beruhigend...
Zum Grund für die Plazierung: hinten steht das Letzte. - Sich selbst vergessen und damit das inwendige Feuer entzünden. Welch Makake... Achim

Der Mensch, der die Bäume pflanzte.

Jetzt neulich hatte ich wiedermal begreifen dürfen, wie weit ins Mißverständnis meine Ausdrucksfähigkeiten führen können. Und dem werten Labsausen-Pupsliebkum tat ich die Vor- und Nachteile des Trampens ebenfalls schon kund: eben nicht. Hand in Hand damit ist mein Hineinhörenwollen in Reaktionen des Hörer- und Guckerschafts noch ziemlich unterentwickelt. Ich meine damit natürlich nicht meine aufgesperrten Ohren und ihr Sausen sondern den Austausch, den mangelnden, ungepflegten. Und will ich nicht mehr - trat ich dieses Jahr mit meinem Bruder Baum viele Worte und Wiederworte los, daß ich dazu was zum Eintauschen anbiete: Ich wollte beileibe nicht die Entwicklungsgeschichte des menschlichen Bewußtseins rückgängig machen oder verleugnen oder so, überhaupt nicht, das war für mich nicht die Frage (dennoch darauf bezogen meine Meinung: vielleicht ist es wirklich nur das menschliche Bewußtsein, der menschliche Geist, und außerdem ist das Bewußtsein nicht der einzige (und warum als wesentlichster gesetzt?) Ausdruck des Daseins. Ist es die einzige Daseinsform?
Fällt Liebe in der Gänze in die Kategorie des Bewußtseins? Was wissen wir von der Liebe? Ich wollte ein wenig von Schönheit sprechen, von Blindheit, von Wahrnehmung, aus den Niederungen meiner Emotionen, von Armut, Reichtum, Glück, Trauer, Stolz, meinem Berührtsein, meinen Träumen, davon, wie für mich Handeln im Alleinen aussehen könnte (sollte?), (ein Leben in LIEBE?), (richtige Hierarchie?), (Konsens des Seienden?).  Roland

Früchtchen

von Nikolas Sähmann

Ich werde dich wie einen Apfel lieben,
der zu Beginn sich rund und voll
in meine Hände schmiegt.
Matt erglänzt die Schale, rot die Wangen
und satt im Saft das Fleisch, das sich erschließt,
wenn ich das Äußre zart herabgeschält...
Als nächstes wird dann hart
in Schnittchen eingeteilt,
die zitternd weißlich auf dem Teller wippen...
Zuletzt die bittren Kernhausreste
vorsichtig herausgeschnitten.

Als Pfirsich liegst du rauh im meiner Hand,
und widerborstig, da ich zärtlich streichle.
Ich drücke fest: auch er ist feucht und voll;
weil ich ihn reifen ließ: viel weicher als ein Apfel.
Noch fester: es zerbricht die rauhe Haut,
an meinen Fingern gleiten Tropfen schnell herab,
und meine Zunge folgt der feuchten Spur hinauf,
dorthin, wo jeder Biß, ein Zittern wird im Fleisch...

Von deiner Art hängt viel herum im Strauch!
Ich drücke unterm Blatt nur dich heraus,
(ich fühle: klein und fest, und will sich nicht gleich geben)
und hellrot leuchtet's auf, in der Johannisbeere.

`s wär' schade, wenn die Welt nicht solche Pflanze hätte,
sie nennt sich Venus, und hockt da, spreizt frech die Blätter,
die dann, rührt sie mein Finger, fest sich schließen...
doch unversehrt und heil, zieh ich ihn wieder raus
und gönn' ihr die, auch sie muß leben, Fliegen.
aufgepickt im Internet von Achim

Herzdreck

von Ronia (1995)

1.

die sternklare nacht
erhellt die ruine
an der mein herz mit
wildem eifer baut

hilflos
steh ich daneben
trete wütend manchmal
eine mauer ein

mein herz
weint mich aus
 

2. täuschung

auch der schatten stirbt
wenn das licht erlischt
doch
erloschene sterne leuchten
uns noch jahrtausende lang
mein engel

sternengleich ist meine liebe
mein dämon
 

3. das versprechen

aus der bank im norden der stadt,
die unsre umarmung
nach finstren monaten bebend erlebte,
wächst ein kirschbaum aus stahl,
dessen kantige früchte nun herabfallen
und die darunter sitzenden blutig treffen,
und ich stehe lächelnd daneben,
denn sie sehen sich noch an
und glauben ihre versprechen
 

4. schöner als das leben

im traum heute nacht
war ich bei dir
wieder
während die sonne
vom himmel fiel und
der tod rot triumphierte
küßtest du mich mit den worten:
abschied ist neubeginn
und ich
zog das messer aus meinem kopf
und stieß es dir ins herz
schreiend wehrte ich mich
zerstückelt
gegen die ankündigung
des erwachens
 

5. schwerer abschied

du wirst niemals wissen
was dir der kirschbaum verschweigt
an dessen wurzeln ich
dein bild vergrub

du wirst niemals spüren
wie dich das feuer verbrennt
das ich zitternd mit
deinem bild speiste

du wirst niemals fliegen
durch blauweite freie lüfte
die ich matt aus
meinem herz entließ

die aschewolke fliegt auf
vom baum
aufgepickt im Internet von Achim

ANTI WORTEN & DIE PREISTRÄGER

(Preisausschreiben Nr. 3 in LOVER 16)
Die Fragen
1. Oder?
2. Wie spät ist es um Mitternacht?
3. Welche Frage bewegt Dich?
4. Welches der Bücher, die Du seit LL97 gelesen hast, fandest Du am besten und bitte 1 Satz dazu warum?
5. Was macht Deine Mutter?
6. Welche Farbe paßt am besten zu Lapsus live?
7. Was ist wichtig im Leben?
8. Wer bist du?
9. Gibt's denn das?
10. Was machst Du während Lapsuslive am liebsten?
Zusatzfrage: Was ist wichtiger?

Die AusReden
Anin:
1. Ode an die Oder / oder niemals / Odermenning / verwässern / Moderloden / verlottern / Odertrikotagen / verhökern / Oderotter verrotten / wie die Hotten / Odertotten
2. 0.24 -> Null Uhr Vierundzwanzig aber noch längst nicht alles zu spät sondern früh genug nach 5 vor 12 [Du bist dabei]
3. Frag lieber nicht! Oder frag lieber welche nicht. Aber darf ich mich trotz Fragen bewegen? Können Fragen dich bewegen oder sagst du nur "von wegen!"? Sollte man Fragezeichen setzen oder bewegen? Fragen über Fragen - es ist nicht zu ertragen. Oder bin ich zu verwegen???
4. Nach wie vor "Die Wolfsfrau", denn sie macht auf jeder Seite Mut, ist mehr für sanfte Aufbrüche & tut immer wieder gut. Es ist einfach & klar geschrieben, abgehoben & erdig zugleich.
5. Ute heißen - aber mein Vater sagt TU zu ihr, was Tante Ute heißt & was
immer das heißen mag. Sie ist heißblütig neugierig am Telefon & holt heiße Kartoffeln ausm Feuer für Schuldner, die sie berät. Die verrät sie nie. Mich hat sie nur verraten ohne es zu merken - und nur manchmal. Trotzdem bin ich nicht mißraten. Auch wenn ich nicht annähernd sooft saubermache wie sie...
6. Bunt ist das Erste, was mir einfällt. Bloß, daß mir dazu gleich der Kessel Buntes einfällt. Auf jeden Fall Batik - alles schön durcheinander. Viel Grün dazwischen - und ne kernige Blütenseife zum reinwaschen danach. Wenn das Vernaschen davor überhaupt noch Wäsche übriggelassen hat. Aber bitte mit Sahne!
7. - Zum Liebewesen mutieren.
- Nach oben hin offen sein -> fließen in Strömen.
- Mit beiden Beinen im Fluß des Lebens stehen.
- Nach außen & nach innen gehen -> Ein- und Ausatmen.
- Eben Leben Lieben
8. Pina Sommergrün die Wildwuchshexe
Königinschlampentiermutterkindvaterunser
9. Gips gibt's gar nicht. Das schon. Ansonsten kenn ich DASS (Deutsches
Abfall System Sorglos, Dreckiger Abschaum Sortiert Sorgen, Dreck Am Stecken Säubern, Steckrüben säen)
10. Was du nicht sagst! Na du sagst es ja. Na sowas: den Liebsten lieben - am Liebsten gleich hinterher vortragen im Diaton. [Wer noch?]
Z: * Essen - Trinken - Schlafen- Wandeln
* Leuten - Aufn - Po - Schaun - Unterm - Sonnenaufgang
* Lieben - In - Vier - Elementen
Du hast gewonnen, und wer Dich gewonnen hat.

Micha:
1. Hochwasser! Und viele tote Tage.
2. Null Uhr, aber bis 24 Uhr noch nicht! [2,5 h vor halb Drei]
3. Können Sie mal zur Seite treten? [Wie doll?]
4. Der Gott der kleinen Dinge von Arundhati Roy, weil das interessantere von beiden...
5. Ratwandern [Und was macht Dich?]
6. Grien' [Und eRot...]
7. Essen, trinken, hausen, schlafen, denken, fühlen, mitwem.
8. Achim. Hoff' ich. [Und zweifle?]
9. Nicht für jede/n. [Was das heißt.]
10. Mich überraschen lassen. Und andere überraschen. [Gelungen!]
Z: Die richtigen Fragen. [Na weißt Du?]
Geschafft. Ein Butterbrot als Preis.

Ailuj:
1. elbe, donau, werra...
2. genau so spät wie 24 stunden vorher [Hast Du's gut!]
3. könntest du bitte verschwinden? [Is nich so einfach.]
4. mein mathebuch. das musste ich nicht bezahlen.
5. sie lebt
6. durchsichtig damit man den durchblick behält [Wohin?]
7. zur hälfte ordnung und die andere hälfte geht schon für schlafen und essen drauf [Ist Dir schwindelig?]
8. was für fragen! sei froh das es mich überhaupt gibt [Bin ich.]
9. natührlich! das ist ein wort, das auch im duden steht [Ührtümlich]
10. gucken oder, soll ich die augen zumachen?
Z: sowas solls auch geben? [Ich hoff' doch.]
Und schön gewonnen! Komm ick als Preis? Nein, eine Musik-Alien-Kassette.

Ilatan:
1. Oder nicht? [Oder ja.]
2. Manchmal 1.00 h, seltener zu spät.
3. Die wortlose. [Und?]
4. Sachbücher. Alles eher Durchschnitt. [Welches ist überdurchschnittlich?]
5. Macht zum Glück weit weg. Ansonsten: Heute: Geburtstag feiern.
6. Gelb: Sonne, Freude, Energie und Intellekt.
7. L(i)eben!
8. Na..., ich selbst!
9. Mehr, als Du denkst. [Falls überhaupt.]
10. Mit. Genießen. Augen, Ohren auf, mit allen Sinnen da sein. [Alle Sinnen??? Sind die angemeldet? Bringen die Ihre Familien mit? Wissen die denn, was Lapsus ist? Wenn nun jeder auf die Idee kommen würde, alle Finnen mitzubringen oder mit allen Bayern da zu sein!]
Z: nein, : wie! [Hauptsache nicht warum!]
Schon wieder ein Gewinn. Das kann kein Zufall sein.

Alorock:
1. Wenn und Aber [Na dann nicht?]
2. Zu früh (für's Frühstück) [Ich wollte es ganz wissen.]
3. Alles Nichts, Oder? [Wohin bewegt die Dich? Ins X? Schon da? Gewesen?]
4. Updike "Brasilien": Ach ja, es geht wieder um Liebe, groß und unangreif- und unzerstörbar... (schluchz) und um Bilder, Farben, (L)leben [Bei der Liebe gibt's nichts zu schluchzen. Oder was ist dieses, dies kleinste, unteilbare?]
5. Hab' leider keine mehr
6. Grün-blau-gelb-rot-bunt [im epochalen Winter... Und zu Dir?]
7. Liebe, Geborgenheit (alles das, was ich nicht habe...) [Und das, was Du bist?]
8. Das würde ich selbst gerne wissen... [Das Würde Ich des Menschen ist unantastbar! Aber Du bist doch? Das Selbst weiß gern.]
9. Na klar, und immer wieder!
10. Sehen, hören, fühlen, erleben - Musik, Bilder, Worte [Endlich mal kein Bezug auf's Essen! Geschmacklos!]
Z: das Leben überhaupt ["Überhaupt" ist doch kein Leben, sondern ein psychedelisches Blatt {Hechel, hechel: und bei mir zu beziehen...}, aber wenn's so gemeint ist, danke, schmeichel, schmeichel. Yeah, noch wichtiger! Wow!]
Das reicht fürn Appel und n Ei oder ne CD oder die Verfassung von Mc Pomm oder weiß der Bumndesgeier.

Isnah:
1.) Fluß, der in die Ostsee fließt. man sprach ja früher immer von der Oder-Neiße-Friedensgrenze. Eine Vokabel aus dieser Wendung ist leider in letzter Zeit etwas selten geworden. [Grenze?]
2.) Hoffentlich nicht zu spät. [Wofür?]
3.) Hallo Hans, kannst Du mal herkommen? [Können genügt?]
4.) Das Buch zur Serie Dallas. 1 Satz ist ja etwas knapp. Endlich die Wahrheit über J.R , Bobby und Konsorten. Ich möchte an dieser Stelle ... Also Judith, warum darf ich denn jetzt nicht weiterschreiben??? [Weil: phantastische Literatur ist ihr Metier!]
5.) Auf jeden Fall keine Butter. [Verlernt?]
6.) Orange [Farbe, nicht Obst...]
7.) Geld, ein guter Job, ein teures Auto - Was für eine Frage! [Was für eine Antwort!]
8.) Jemand, dem die wichtigen Dinge im Leben eigentlich nicht so wichtig sind. [Sondern die unwichtigen?]
9.) Ein Mann muß eben tun, was ein Mann tun muß. [Sagen Frauen?]
10.) Na essen!!!! [Wenigstens ehrlich.]
Z.) War es das Auto oder der gute Job? [Oder?]
In der Einzelwertung schon sehr aufschlußreich, aber erst im Verbund unbezahlbar:

Regnig:
1. ...Warum kannst / willst du dich dem Rätsel-Fieber nicht entziehen? Wenn doch , warum antwortest du dann? [Mach ich ja nicht.]
2. Das kommt darauf an, wann die Nacht beginnt. [Tja, wann?]
3. Bist du sicher , daß du nicht auf meinem Skorpion sitzt? [Ja.]
4. "Das Kartengeheimnis" von Jostein Gaarder. Es ist einfach ein liebenswertes, phantasievolles Buch, dem zumindest ich mich nicht entziehen konnte. Es macht Spaß, es zu lesen. [Was sonst?]
5. Was meine Mutter macht? Na eine Ausstellung. [Immer wieder?]
6. Jeweils die Lieblingsfarben der Teilnehmer, angefangen bei zitronenrot bis hin zu ananasschwarz [Keine Farbleere gehabt?]
7. sich nicht von der Zeit versklaven zu lassen [Besser vom Raum?]
8. Ich finde es gut, daß ihr solch tiefgehende Fragen in euer Preisausschreiben einbezieht. Da fühlte ich mich mit meinem Problem nicht allein und kann euch daran teilnehmen lassen. Gerade heute fragte ich mich wieder einmal . Bin ich Ginger oder Judith oder Frau Lange oder Mama oder....
o.k. , ich fühle mich wieder etwas besser, die Frage hat sich auf Ginger oder Judith vereinfacht, aber nicht einmal Regina weiß es genau; und sie hat doch schließlich die Psychologin Frau Dr. Dr. Annette Annette Kleinschmidt-Pribilski gespielt. [War gespielt!]
9. Was jetzt? Wollt ihr mich jetzt völlig verunsichern? [Und du?]
10. Na was schon? Radio! [Die ganze Nacht?]
Z.: ein gesteigertes Adjektiv ( Komperativ), hier in adverbialer Funktion [Wow! Adjektiv (?) in brachialer Funktion!]
Was Lange gewährt, wird gut! Und wenn beide in die Tasten greifen, fällt der Aufkleber nicht weit vom PC. Oder was sonst so abfällt.

Ich danke für Eure Anteilnahme an meinen Fragen! Pause, oder? - Euer Roland!

Van The Man in Berlin

Übrigens war ich mit Jörg beim Van Morrison-Konzert in der Wuhlheide. Sigrid & Dirk haben wir dort auch getroffen. Die aber saßen in den Rängen, während wir auf dem Rasen vor der Bühne mitgroovten. Es war ein schönes Konzert.
Van wurde von uns Frauen liebevoll auf die Schippe genommen, jede schnellere Bewegung von ihm frenetisch bejubelt. Also, wir hatten unseren Spaß! Er stand dort oben wie ein kleiner schwarzer Gnom (schwarzer Hut, schwarze Jacketjacke, schwarze Hose alles Jacke wie Hose...).
Er griff anfangs öfter zum Saxophon & dann zur Munti zwischendurch. Zur Halbzeit holte er Candy Dalfer mit auf die Bühne. Die war ja schon als Vorband mit Funky Stuff zu hören gewesen & ließ sich also noch mal sehen. Da ging's erst so richtig los.
Ich habe Background-Sängerinnen vermißt, denn die hohen Töne kamen sämtlich von Herrschaften. Dann standen zuletzt 8 Herren & Candy auf der Bühne. Nach 95 Minuten sang Van ein Dankeschön-Lied "Thank you that you let me be myself again" & war verschwunden. Das ging so abrupt, daß wir alle ganz baff waren. Es gab auch keine Zugaben mehr, denn sofort wurde Musik eingespielt & der Sprecher sagte: "Der Künstler ist bereits abgefahren!" Nur ich war noch nicht voll abgefahren...
Habe absolute Hits vermißt & umsonst auf mein Lieblings-Van-Lied "Real real gone" gewartet. Aber gegangen sind wir dann wirklich. Eher lauwarm als erhitzt. (Hat er uns etwa gescheut, weil wir so'n mittelaltes Publikum - ich schätze mal 30 Jahre Durchschnittsalter oder eher mehr - waren?)
Nun gut, die Wurst danach schmeckte gut & ich steckte meine Hand in Jörgs Hosentasche - das tat uns beiden gut!!
Fazit: Ich war nicht ent-täuscht vom Konzert, weil ich gar keine Vor-Stellung hatte, wie er auf der Bühne ist. Aber ich würde auch nicht noch mal hingehen...... (schließlich hat er nicht wie Herr Anderson 3 x seine Weste gewechselt während des Konzerts...) Nina

Das letzte Mal

Man trinkt ne Tasse Tee und geht drüber weg, als wäre es weiter nicht bedeutend. Dieses Gefühl, dieses schwere Steigen der Tränen aus dem Körper in den Hals aus dem Kopf. Da war es egal, ob Leute dabeistanden. Noch egaler als jetzt, da nichts mehr passiert. Dieses Gefühl der kommenden Sehnsucht nach dem Verlorenen, des Abschieds aus der Umgebung, wo die Liebe noch das Tun und Sagen gezeichnet hatte.
Abschied.
Zwei Jahre, ein Sommer, vierzehn Tage - ist es viel, da es ein Leben lang sein könnte? Man weint nicht oft. Endgültigkeit, Ferne, Stummheit, Verloren - was sagt das Weinen? Man geht drüber hinweg, trinkt den Tee so schwarz wie das Leben. Die Fragen, die einen selbst betreffen.
Warten ein Fahrrad und Fische, Bauch nach oben. Sich leicht und verbunden zu fühlen.
Wäre ich fünf Jahre jünger - wie lange kann man sich sowas sagen? Es ist fünfzehn Jahre her, als andere Menschen lachten, sag so long. Geht nicht, was?
Was bedeutet das schon. Komprimiert der Tag Abschied den Sommer, vierzehn Tage zu einem Lebensfunken in die Erinnerung? Da war man wirklich.
Nein, man sieht sie nicht wieder. Nicht so. Fehlt einem ein Stück wie alles?
Und nur die Tränen die einzig wahrnehmbare Äußerung.
Vielleicht warst du auch mal in der Gegend, wo sich des Nachts die Milchstraße deines klaren Himmels verwandelt. Der Boden ist warm genug, und du liegst auf dem Rücken. Das helle Band flimmert. Allzu deutlich empfindest du die Frage "Wie leben?". Kann sein, deine Augen sind geschlossen, die Sterne werden blau, grün, rot, doch du erfährst, was sie dir sagen: "Wie leben". Vielleicht warst du mal in der Gegend. So deutlich und zwingend, wie du mit deiner Liebe allein bist?
Wie leben. Näher wollen? Die inneren Gedanken äußern, die Vertrauenssprache lernen, lebbare Träume mitteilen, Gespür spüren lassen, Vorgrenzen wegschieben.
Auf der Straße ging Lutz. Er sagte: "Leben beginnt erst nach dem Sprung. Und wenn du dann unsicher bist - so unsicher ist dir dies neue Leben. Der Sprung ist die Lebensform. Du mußt nämlich ständig springen, nur dann hältst du durch, wird dir Leben möglich. Springst du nur einmal, brichst du dir die Knochen, und das war dann das letzte Mal."
Er sagt: "Ich kucke mal nach. Verstehe ich nicht, da müssen doch irgendwo noch mehr sein."
Sie sagt: "Ha, wie sie kuckt!"
Er sagt: "Ich hatte doch noch welche..."
Sie sagt: "Von wann sind die?"
Er sagt: "Voriges Jahr war sie wieder da."
Sie sagt: "Ja."
Er sagt: "Das letzte Mal."
Sie sagt ihren Namen.
Ihm stockt der Atem. Sprung des Horizonts.
Er sagt: "Nein, schon vorher."

(Das war die Suche nach dem Horizont Lapsus live 1987, erinnerst Du Dich?)

Fotorätsel


Um weitere Fluten von Leserpost zu initiieren, ist uns so ziemlich jedes Mittel recht. Nach aufwendiger Recherche ist uns da ein besonders leckerer Köder ins Netz gegangen: dieses entzückende Foto. Wir wollen von Euch wissen, welches starke Frauenquintett sich hier leicht versteinert gibt. Und um's nicht zu einfach zu machen, enthalten wir uns jedweden Tips. Strengt Euch also mal an und laßt im Notfall der Phantasie freien Lauf.
Unter den richtigen Einsendungen werden wie gewöhnlich abgefahrene Preise verlost. Achim
 

MEIN IST DEIN IST UNSER

Wandel verwandel
Bewandnis: aus Tiefen herauf
Schimmern leuchten
Dunkel keines Schattens
Hinwendung in Armen Augen
Da jada ja da ja
Liebe ich Du liebst -
Wer schon bin ich
Ich bin
Du bist
Es ist -
Wir geschehen


L A P S U S - C D   2 0 0 0

'Mucke' gezeichnet von Anna Lapsus ist schon wieder soooo lange her? Und noch sooooo lange hin? Ihr wollt in real-akustischen Erinnerungen schwelgen an würzig-verrückte Tage? Euch fehlt der passende Soundtrack zum Kopfkino? Ihr wollt Freunde neugierig machen auf ein Fest, das Euch anzieht, und das lange nachklingt? Ihr wollt mit einer Rarität ins nächste Jahrtausend tanzen? Es sei! Hiermit wird die virtuelle Arbeitsgemeinschaft 'LAPSUS-CD 2000' ins Leben gerufen. Bis zu LAPSUS LIVE 1999 könnte der sehr persönliche, extrem rare Silberling fertig sein, wenn Ihr diesen Startschuß nicht überhört.
Welche Songs und Sounds verbinden sich für Euch mit LAPSUS LIVE? Für die Zusammenstellung der leider irgendwann vollen CD werden selbstverständlich Klänge bevorzugt, die bei LAPSUS LIVE bereits aus den Boxen schollen. Und sei es als allseits beliebte Pausenmusik.
Da nicht alles reproduzierbar sein wird, bitte 5 Titel in persönlicher Reihenfolge angeben und vermerken, ob der Titel von Euch zur Verfügung gestellt werden kann.
Desweiteren sind Cover- und Beiheft-Ideen gefragt, damit das gute Stück auch ein optischer Genuß wird. Und natürlich wird die Titelliste im nächsten Heft zur Diskussion gestellt und der Preis entsprechend beabsichtigter Bestellungen kundgetan; also vergeßt nicht, die gewünschte Stückzahl mitzuteilen.
Meine 5 Favoriten verrate ich hier schon mal:
 Glass Torpedos - Heart Surgery
 Clark/Hutchinson - Best Suit
 Quicksilver Messenger Service - Edward
 The Rolling Stones - Paint It Black
 Fischer Z - Cruise Missiles
Der erste Titel war übrigens über Jahre die Erkennungsmelodie von LAPSUS LIVE - mono und vom Band... Das infernale Duo auf Platz 2 kommt in keinem Rocklexikon vor und lieferte eines der nachwirkenden, nicht nur akustischen Ereignisse. Quicksilvers Edward ist ein akzeptabler Ersatz für The Fool. 'Der Narr' ist das LAPSUS-Hörspiel. Falls jemand mit The Fool aufwarten kann, so wäre das natürlich noch besser. Mein Exemplar fiel leider einer Nachlässigkeit zum Opfer... Jörgs Schwarzweißfilm zu Paint It Black dürfte allen, die ihn im konterrevolutionären Jahre '89 sahen, noch in lebhafter Erinnerung sein. Die Raketen stammen aus Planet der Traurigkeit und wurden nicht nur zu LAPSUS LIVE aufs Publikum losgelassen. Etliche andere Perlen fielen dem unumgänglichen Rotstift zum Opfer; allerdings: wenn Euch nichts einfällt - die CD wird in jedem Falle voll... Achim

Was meine Freundin gerne hört …

Wer hören will, muß lesen
Woher kriegt der gemeine Musikkonsument eigentlich seine Informationen, welchen Tonträger er im Monat als käuflich zu erwerben in Betracht ziehen soll? Nun, glücklich darf derjenige Fritz sich schätzen, der ein Radioempfangsgerät sein Eigen nennt, das periodisch interessante und zielgruppenorientierte Sendungen zu Neuerscheinungen ausstrahlt; wo der Radiomann noch jeden Titel und die Platte ordentlich an- und absagt.
Leider ist diese Radiomann-Spezies vom Aussterben bedroht, und „ordentliche“ Musiksender kann man im Raum Dresden [terrestrisch] eh nicht empfangen. Deshalb greift der moderne Musikinteressierte gern auf monatlich erscheinende Musikmagazine zurück und hört lesend auf den Rat sogenannter Profis, deren Behuf es ist, neue Musik zu rezensieren, kritisieren und für (un)hörbar zu befinden. Es gibt ganz viele solcher Journaillen, die finanzielle Ausgabekraft ist aber limitiert, und Straßenbahn- und/oder Zugfahrten sind oft zu kurz, um der Bandbreite der literarischen Ausschweifungen wachsam zu folgen. Somit folgt nun Selbstversuch Nr. 3 des Autors, der weder Mühen und Kosten gescheut hat und sich – bis auf die, die von vornherein bravouröses Klientel ansprechen – alle an Bahnhofskiosken gängigen Musikzeitschriften angetan hat. Um die Gunst der Leserschaft wird dabei mit gratis CDs gebuhlt, wobei man im abgekarteten Musikgeschäft nicht vergessen sollte, daß man sich als Band oder Label darauf einen Platz einkaufen kann.
Es gibt drei Kategorien Musikzeitungen, Kategorie 1: „Frösi-Niveau (Durchblättern)“.
Dazu gehören Musikexpress/Sounds (90 Seiten, 7,80 DM mit CD, Werbeanteil: etwa 40%), das erweiterte WOM-Journal, das die Gipfel konformer Hörgewohnheiten erklimmt und immer mindestens ein Bono-Bild im Heft hat, und Metal Hammer (150, 9,50 DM mit CD und Poster, 25%), wie der Name schon sagt mit abwechselnder Titelstory Type O’Negative oder Scorpions und James Hatfield (Mr. Metallica)-Sammelaufkleber.
Kategorie 2: „Alternativ-Bummi (Durchlesen)“. Rolling Stone (115, 9,80 DM mit CD, 30%), der europäische Ableger des großen Bruders aus Amiland mit schnittiger Mainstreamkorrespondenz und dem wortwitzigsten Rezensenten namens Arne Wilander (!) und Zillo (100, 6 DM, 25%), individuell und sympathisch mit Hang zum schwarzjackigen Mikrokosmos der düsteren Klangwelt.
Kategorie 3: „Melodie & Rhythmus (Festlesen)“. Visions – Musik für die Neunziger (105, 7,80 DM mit CD, 30%), eigenständiges Sprachorgan eines sehr breiten Untergrund-Spektrums mit subjektiv geprägter Tiefgründigkeit, und das Mutterschiff Spex (100, 6 DM, 20%), intellektuell, introvertiert und voller Vorurteile mit breitem mainstreamfernem Stilrundumschlag.
Die ganz andere Variante, einen guten Tip für einen kaufbaren Tonträger zu finden, ist der an dieser Stelle dieser Zeitung [ad rem]. Meine Freundin rät deshalb zu Morcheeba „Who can you trust“ (China Records). Das ist zwar nicht sonderlich neu, doch beinah Portisheads zweiter Streich.
Rosebud in ad rem (Studentenzeitung TUD)
P.S. Im Internet gibt's übrigens einen wöchentlichen Info-Service vom Schallplattenmann, der im wirklichen Leben aus zwei enthusiastischen Freaks besteht. Für Leute mit Alzheimer gibt's einen Email-Service, der einem Sonntags gegen 22 Uhr die Tips beschert, die im Dudelfunk keine Chance haben. Einzige Voraussetzung für den Empfang der sehr gut informierten und geschmackssicheren Kurzkritiken ist eine Email-Adresse. Und die gibt's z. B. bei gmx.net kostenlos. Regelmäßig vorbeischauen und nach Lust und Laune Herumstöbern im über 120 Ausgaben starken Archiv geht natürlich genauso: www.schallplattenmann.de. Achim

Nächste Nummer

Dieser Artikel im letzten LOVER hat einige Verwirrung gestiftet. Von den irritierten Rückversicherungsanfragen soll hier nicht näher berichtet werden, denn 'die Trennung Sarkasmus/Ironie/bitterer Ernst' kriegt man halt nicht so leicht hin. In der Waagschale liegen aber letztlich nur die eingegangenen (ob eingängig oder nicht) Antworten, die - auszugsweise und anonym wie versprochen - den Anlaß zu weiteren Wortmeldungen geben könnten. Selbstverständlich führen sie zumindest zur Mitgliedschaft im LAPSUS e.V. (Liga zur Aufführung Progressiver Songs Und Sounds - ein Versuch), im Leserattenclub des LOVER und zum regulären Erhalt der nächsten Nummer. (Alle anderen lesen hoffentlich mit schlechtem Gewissen und gesenktem Haupt - was auch immer.)
Daß der Mitgliedsbeitrag in Briefmarken postwendend (vorzugsweise mit umfangreicher Wortmeldung und/oder Bildmaterial) nach Erhalt einer Nummer erneut fällig wird, ist allen echten Leseratten hoffentlich eine Selbstverständlichkeit.
Doch nun zu dem, was die Lover-Leser auf dem Briefkasten haben.

Warum willst Du den LOVER bekommen?
'Eine lesbare Zeitschrift braucht schließlich jeder.' Welch kühne Behauptung! Was ich selber denk und tu und so?
'Weil ich ihn gerne lese.'
'Austausch, Reibung, Spiegel, Wärme, kribbeliges Gefühl, Neugier, Beifall, Pfiffe, Klärungen, Impulse, Zusammenhalt, Fragen, Antworten, Spaß, Lust, Hunger, Wachsen, Innen, Ruf usw.' heißt es da z. B.. Wirklich nichts vergessen?
'Das habe ich mich bei [meinem Sohn] auch gefragt & ihn doch bekommen & es nicht bereut... Also werde ich mich an die Spielregeln halten, weil ich als Loverin (von wem auch immer) weiterhin mitspielen will! Just for fun in the sun!' [Anonym!] - versprochen ist versprochen...
'Wo soll man sonst `nen akzeptablen Lover auftreiben? Außerdem ist der LOVER die einzige mit Spannung erwartete Zeitschrift in unserem Haushalt. Am liebsten mag ich die eigenen Beiträge der einzelnen Lapsusteilnehmer und natürlich die Antworten auf das Preisausschreiben.'

Wer ist Gott? Glaubst Du das wirklich?
'Ich glaube nichts. Gott ist ein Versteck. Als Spiegel seitenverkehrt. (Hoffen = Glauben + Zweifel)' [weitere Gleichungssysteme siehe 'Bemerkungen über Bemerkungen']
'Ich wußte nicht, daß Du auf Schlager stehst. (Karel?!)' Glaubst Du das wirklich?
'a) Eigentlich kann ich diese Frage kurz nicht unmißverständlich beantworten. Also ein Versuch, mich mit Worten an mein Gefühl heranzutasten: Kein Wer... kein Was; Alle oder alles, Wohlmeinendes, Gütiges, Allumfassendes, Alldurchschauendes, Antwort nicht Frage, wir alle, die Summe unserer Selbst, nichts Fremdes, nichts außer mir/dir Stehendes... das nicht Offensichtliche dahinter, was in uns allen steckt, was uns alle und mit allem verbindet, was aber kaum einem bewußt ist, aber doch jeder schon erlebt hat...
b) ja, ich glaube das wirklich.'
'Gott ist das Maß unserer Pein, sang einst Pilzkopf John, als er selbigen bereits hatte wuchern lassen. Aber vom Glauben wollte er selbst nicht verschont werden. Leider bleibt die vorgebliche (Selbst)erkenntnis systematisch aus, so daß das Modell Gott keinen Beifall verdient. Das weiß ich.'
'Gott habe ich noch nicht zu Gesicht bekommen, aber schon viel von ihm gehört. Zu meinen Göttinnen gebetet habe ich öfter & die haben mich erhört! Vor allem bei meinen Stoßgebeten & das ist ja wohl unerhört!'
'Das ist zeitlich verschieden. Die Zeit - was ist das? Wer hat sich das nicht schon einmal gefragt. Und wer hat auf diese Frage eine auch nur annähernd befriedigende Antwort erhalten? Sie jagt uns. Und solange wir uns jagen lassen, klappt das ganz gut. Vielleicht ist die Zeit der Feind der Vollkommenheit. Vielleicht ist sie aber auch dazu da, dem Menschen den Zugang zur Vollkommenheit zu verwehren. Denn, was wäre Gott, wenn der Mensch Vollkommenheit erreichte? Mensch? Ist unser Weg, Vollkommenheit zu erreichen, also der, die Zeit zu ignorieren. Vergessen wir sie! Konzentrieren wir uns nur auf unser Werk. Möglicherweise liegen wir aber auch hier falsch und die Zeit soll uns vor Wahnsinn bewahren. Vor dem Wahnsinn, nach einer Vollkommenheit zu streben, die es eigentlich gar nicht gibt. Ich persönlich neige jedoch zu der vorherigen Annahme. Götter sind nichts anderes als Menschen, die keine Zeit haben, bzw. Menschen sind Götter, die sich von ihrer Göttlichkeit abbringen ließen, weil sie sich der Hatz der Zeit unterwarfen. Und so können diese Menschen auch ihr Leben nicht zur Vollkommenheit führen. Sie hetzen sich zu Tode. Sie haben Angst zu sterben, bevor sie gelebt haben. Wir lassen uns also von der Zeit versklaven und Dr. Timeski sah auf ihre Uhr und stellte fest, daß es Zeit zum Essen war. ....' Wie war noch mal die Antwort?

Außersinnliche Wahrnehmungen? Welche?
'Déjà-vus sind ja wohl keine? Oder doch? Ist der siebte schon außersinnlich? Fragen über Fragen.'
'Na klar, z. B. die Gedanken. Oder die Unendlichkeit von Stolz, Trauer, Liebe etc.'
'Bei sinnlichen Unternehmungen aller Art hatte ich öfter außer-, über- und unsinnige Wahrnehmungen. Immer wenn ich in einen anderen Energiezustand gerate, ist sowas möglich. Allerdings ist es kaum möglich, Realität von Einbildung zu unterscheiden. Es ist eben meine eigene Wahrnehmung, egal was andere davon halten. Ich hatte schon mal urplötzlich Zugang zu meiner inneren Stimme, bin ihr gefolgt & hatte eine irre schöne heilende Hexensession dadurch.' [Anonym genug?]
'a) falls Du außerhalb der 5 Sinne meinst...: Ja
b) schwer zu beschreiben... Schwingungen/Felder zwischen Menschen, um Dinge, an Orten...'

Wie ist Dein soziales Umfeld beschaffen? Was willst Du daran ändern? Warum nicht? Wovor hast Du Angst?
'Ähnlich dem sozialen Umzaun. Eigentlich will ich aus diesem Zaun raus. Warum so langsam? Weil er auch innen ist. Und ich die Reihenfolge (LOVER 11) schon als Rangfolge empfinde. Angst habe ich davor, in jeder Situation (auch) auf meine innere Stimme zu hören, zu mir zu stehen, davor, daß das Muster "eigene Emotionen gehören auf Platz 3" zu sehr eingeschliffen ist. Angst habe ich davor, daß mich niemand sehen (verstehen) will oder kann. Angst habe ich davor, daß das System "Kapitalismus" so stark in allen Herzen/Bäuchen/Hirnen wirkt & geboren wird, daß finale Verblödung & Weltzerstörung unaufhaltsam sind, die Menschheit in Stufe 4 scheitert. Ich habe Angst davor, daß eines Tages die Bäume im Frühjahr nicht mehr austreiben. Angst davor, hier wegzugehen. Angst davor zu verlassen. Angst, Du gehst kaputt.'
'Beschaffenheit: nicht übel, könnte noch eine ganze Weile halten. Zur Zt. bin ich damit ganz glücklich. Haleluja.
Angst? - Davor, nicht mehr kreativ sein zu können, weil die Zeit mich jagt.'
'a) wechselnd. eine Anzahl lieber Menschen, die untereinander in dorfgemeinschaftlichem, freundschaftlichem Austausch stehen und in deren "Welt" ich jederzeit willkommen bin, zu denen ich aber derzeit nur eher an der Oberfläche bleibende, zu kurze und spontane Kontakte ohne erkennbaren Wiederholungsrhythmus pflege. Einige wenige, teils sehr nahestehende Menschen, die in sehr enger und sich allmählich lichtender, verworrener Beziehung zueinander stehen und die zur Zeit den größten Teil meiner Aufmerksamkeit/Energie beanspruchen. Zeitlich locker verteilter Briefwechsel mit Familienmitgliedern, seltene Kurzbesuche. Kaum Kontakt mit der "Gesellschaft", mehr erzwungen durch Ämter und fehlende Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln. Spärliche Kontakte zu einem weiteren Kreis von Menschen in Nachbardörfern, durch Besuche, durch Organisationen...
b) Sobald das ganz nahe Umfeld nicht mehr so viel Energie in Anspruch nimmt, möchte ich den Kontakten zu Freunden und Bekannten wieder mehr Raum geben und mich wieder mehr nach außen, zur Gesellschaft hin öffnen, mich an kommunalpolit. Aktionen beteiligen etc.
c) Na, ich will ja!
d) eigentlich keine zur Zeit. Etwas Unruhe nur beim Gedanken, es könnte sich noch lange hinziehen, bis die "Veränderungen" stattfinden können...'
'In Berlin habe ich mittlerweile viele Freunde gefunden. Sogar für den Fall, daß ich mich unzumutbar & verzweifelt fühle & nachts Hilfe brauche... Aber es sind entweder einzelne Leute oder kleine Kreise. Ich sehe meine Freunde mit paar Ausnahmen nur sehr selten, obwohl sie in Berlin wohnen. Wir telefonieren oft nur. Das alles ist mir auf Dauer zu wenig. Ich suche einen Kreis aus Gleichgesinnten, mit denen ich leben kann, wo ich wachsen kann. Wo Heilung geschieht. Ich suche schon eine Gemeinschaft oder Kommune, möglichst auf dem Lande. Das ist mein Traum.'
' Ganz schön runtergekommen. - Pro Tag eine Flasche weniger. Na weil mein Geld sonst nicht reicht. Die ewige Grundschuld - schließlich bin ich ein Mann.'

Was ist Dein Lieblingstraum? Wann zuletzt geträumt?
'Frei zu sein & gemocht zu werden. Gerade eben. Ansonsten vorgestern.'
'Der vom zeitlosen Fliegen - pausenlos.'
'Mein Lieblingstraum als Schlaf-Traum ist, wenn ich über Landschaften fliege. Hab ich leider schon länger nicht mehr geträumt.'
'Ein irritierend körperliches Gefühl des schwerelosen Fliegenkönnens nach beschwerlichem Freikommen vom Boden. Sehr lange her.'
'a) Vom Fliegen!!! Wunderbar leicht und froh, ganz einfach vom Boden abstoßen und losfliegen, Schweben bis Geschwindigkeitsrausch (jubelnder)
b) Ist nicht so lange her.. etwa 4 Wochen ...'

Was ist Dein schlimmster Alptraum? Wann zuletzt davon aufgewacht?
'Auf der Flucht sein zu müssen, gejagt mit schrecklicher Angst, und eine alles (potentiell) vernichtende, unbekannte/fremde Macht, unentrinnbar, wird meiner habhaft, entsetzlicher Tod. Zuletzt vor 2...3 Jahren.'
'Sturz von einer Klippe. Ist schon lange her.'
'Kann mich nicht an "wirkliche" Alpträume erinnern.' Glück? Verdrängung? Alzheimer?
'Wo ich verfolgt werde, fliehen muß, umgebracht werde oder andere umbringe à meist wach ich an den schlimmsten Stellen auf...'
'Mit `ner Kakerlake im Bett zu liegen - ist mindestens 10 Jahre her.'
'a) Ein Traum im Traum, von dem ich ins Dunkel des Zimmers erwachte (und immer noch träumte) und etwas näherte sich bedrohlich und ich schrie und in Wirklichkeit gab ich keinen Ton von mir und jemand Böses verfolgte mich und in letzter Not wandte ich mich um, um endlich zu sehen, was es sei, vor dem ich da in so vielen Träumen floh, aber ich hatte auch Angst und schlug wie blind darauf ein und erwachte mit wie gelähmten Bewegungen auf mein Kissen einschlagend.
b) In Therapiezeiten vor mehreren Jahren. Einmalig.'

Kennst Du weitere Interessenten am LOVER? Falls nicht, warum nicht? Wenn ja, wen?
'Ja. Olaf & Møne.'
'Tommytom, denk ich doch & Jörg, könnt' ich mir vorstellen.'
'Nein, ich will meinen Lover für mich!'
'Nein. Schlechter Umgang anscheinend...'
'a) Ja
c) Alle, die Du auch kennst und Imre' Die alte Frage: Wer wen?

Wie ist Deine Beziehung zu LAPSUS LIVE? Falls Fest, warum?
'Derzeit gestört: Anspruch/Wunsch ó eigenes Handeln. Zu viele Lemmas: Polylemma, drinstecken. Sehr, sehr starker Heilungswunsch. Warum Fest: siehe alles Positive dazu in den Overn 1 bis 16.'
'a) Ja, noch frisch, aber Fest. Interessiert, vorfreudig, gut.
b) Weil's Spaß macht, einfach schön ist, wegen der Stimmung, den Leuten, den Anregungen und genießerisch oder nachdenklich oder lustig/lustvoll verbrachten Stunden und weil ich Feste mag und Trubel (wenn's nicht zu oft ist)'
'Mit Ausnahme einen kurzen Tiefs (um 1990) seit 14 Jahren recht eng. Es ist eben das Pfingschtfescht.'
'Lapsus Live lebt längst liebevoll in mir. Ich freu mich jedes Jahr drauf & bin immer sehr gespannt, wies sein wird. Mir würde viel fehlen, wenn es Lapsus Live nicht mehr geben würde. Es ist für mich eine gute Gelegenheit, Sachen live zu erleben, auszuprobieren & Leute mal ganz anders kennenzulernen. Es ist halt eine ganz eigene Atmosphäre bei Lapsus Live & es liegt immer eine ganze Menge guter Spannung in der Luft. Also für mich ist die Luft noch lange nicht raus & die Lust auf Lapsus Live nach wie vor groß.'
'Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Scheint 'ne echte Liebesbeziehung zu sein. Fest, weil es irgendwie von allen dazu gemacht wird. (Na, jedenfalls soll niemandem der Wille dazu abgesprochen werden.)' Fester Wille?
'Innig und liebevoll. Fest ist Fest.'

Woher stammen die meisten Fragen?
'Da kriegt jeder eine andere Rechnung: von der Angst(, von der Unklarheit, von der NeuGier...)'
'Aus innerer Unsicherheit?!'
'Von Dir Achim wohl. Zumindest die 10. Aber die meisten Fragen stammen von Fragern. Manche von ihnen stammeln sie, andere fragen eher stämmig & manche Frager rütteln auch an so manchen Grundfesten. Also immer ein Grund, Feste zu feiern! So auch Lapsus Live.'
'Die obigen aus Deiner momentanen Situation. Ansonsten... aus der Lust am Antworten Finden!
(Puh! Das war ja anstrengend! (Aber auch interessant) - Du wolltest ja echt Intimes wissen. Na, Du wirst wissen warum. Ich hab sie jedenfalls ernst genommen, Deine Fragen.' War nicht nötig! Und meine momentane Situation gebiert ganz andere Fragen!

Für alle, die es im Ernst wissen wollen: die meisten Fragen stammen von Frank Zappa und wurden dem Buch "Frank Zappa - In eigenen Worten" (erschienen im Palmyra Verlag, ISBN 3 - 93 03 78 - 08 - 6) von der Seite 64 entnommen. Ich wäre nie so neugierig... Trotzdem im Namen aller Leser Dank für die Antworten. Achim

Dead Man

Als kleine 'Nachlese' zum pfingstlichen Dead Man eine Kurzfassung des sehenswerten Films und eine ebenso kurze Auskunft des Regisseurs zum Streifen 'Year Of The Horse'.

Regie: Jim Jarmusch
Darsteller: Johnny Depp, John Hurt, Robert Mitchum, Alfred Molina, Crispin Glover, Iggy Pop, Michael Wincott, Lance Henriksen, Gabriel Byrne, Mili Avital, Gary Farmer.
Musik: Neil Young
USA 1995, s/w, 121 Minuten, ab 12 J.

Als der Buchhalter William Blake (Johnny Depp) in der Gemeinde Machine eintrifft, erwartet ihn eine unangenehme Überraschung. Er hat die Reise von Cleveland in das ferne Grenzgebiet offenbar umsonst gemacht, denn der zugesagte Posten in den Metall-Werken des John Dickinson (Robert Mitchum) ist in der Zwichenzeit längst besetzt worden.
Von dem barschen Fabrikbesitzer persönlich an die Luft befördert irrt Blake durch die nächtlichen Straßen. Die Begegnung mit dem Blumenmädchen Thel (Mili Avital) mündet in eine Katastrophe, denn ihr Ex-Liebhaber (Gabriel Byrne) überrascht die beiden im Bett und erschießt Thel. Blake übt Vergeltung und tötet den Mörder - Dickinsons Sohn.
Damit gehört William Blakes Leben als gesetzestreuer Bürger der Vergangenheit an und sein Karriere als Outlaw beginnt.
Drei Kopfgeldjäger, angeführt von dem sadistischen Cole Wilson (Lance Henriksen), der das Trio im Laufe des Geschehens reduziert, werden von Dickinson beauftragt, den Flüchtigen zur Strecke zu bringen. Schon bald befindet sich das Trio jedoch in  Gesellschaft, denn der Alte vertraut nicht allein auf ihren Spürsinn, sondern setzt auch öffentlich eine Belohnung auf Blakes  Kopf aus.
Der Gejagte schlägt sich in die winterlichen Berge durch, mit einer Kugel im Leib, an der er verbluten wird. In den Wäldern begegnet er unter anderem einer völlig runtergekommenen Räuberbraut (Iggy Pop).
Für Blake beginnt nun eine lange Reise ins Reich der Schatten, zu den letzten Grenzen des Mystizismus und der Spiritualität. Sein Begleiter und Führer auf diesem Trip ist ein einzigartiger Indianer namens Nobody (Gary Farmer), der aufgrund seiner Odyssee als exotischer Sklave durch amerikanische und europäische Großstädte vorzügliches Englisch spricht, von seinem Stamm aber aufgrund seiner unglaublichen Berichte verstoßen wurde, bewußtseinserweiternde Drogen nimmt und bestens vertraut ist mit den Werken des verstorbenen englischen Dichters William Blake, den er meint, in der Person seines neuen Freundes wiedergefunden zu haben...

Year Of The Horse

von Jim Jarmusch

Ich bin seit vielen Jahren ein Fan von Neil Young, und während ich das Drehbuch zu DEAD MAN schrieb, habe ich ständig Neil und Crazy Horse gehört. ...

Als Neil für DEAD MAN den Soundtrack schrieb, bat er mich, ein Video zu machen; ich verwendete dafür Material aus dem Film und dazu einiges Video-Material, das ich von Neil drehte, während er die Aufnahmen machte. Später bat er mich, ein Video für den Song Big Time der CD Broken Arrow zu machen. Es wurde ausschließlich auf Super-8 gedreht. Es gefiel Neil und der Band sehr gut; Neil mochte vor allem das Grobe der Super-8-Aufnahmen. Etwas später rief er mich an und sagte: Hör mal, wir sollten einen längeren Film machen, der aussieht wie das Big Time-Video und dasselbe Gefühl vermittelt! Das war der eigentliche Ausgangspunkt für diesen Film...

LAPSUS LIVE - DER ORT

Ich hatte Euch letztens, vor ein paar Ohren gefragt, was "das hier" für Euch eigentlich bedeutet (siehe Heft 16, S. 7, rechte Spalte, 12. Zeile von unten).
Natürlich blieb ich mit der Frage mit mir allein, denn jedeR Mensch braucht seine kleinen Geheimnisse. Er schwamm drüber.
So will ich etwas plaudern, was es für mich und andere höhere Gewalten bedeutet(e), welche Gründe es so für das reizende dieses Örtchens gibt.
Als erstes war da das Faltblatt "Zar Nekla die Erste - Ein Keim.":
Ein Frühlingsanfang
Zangengeburt? Ja, da der Tod an der Schwelle stand. Nabelschnur zum modernen Leben - nie gehabt? Oder pulsiert da was? Wirst du das Antlitz des Unbewußten ertragen können, das anklopft, Schwelle zu überschreiten? Wenn sich ungeahnte Widerstände auftun, sich üble Symptome melden - ahnst du nun vielleicht, was Freiheit bedeuten würde! Ist das Bewußtheit, sich ganz in Verantwortung zu geben, endlich in Verbindlichkeit? Aus welchen Zwängen der Druck auf andere?
Wird Angst sich verlieren, so die Maskerade? Wird Kargheit sich begrünen und Verarmung bereichern? Finden wir Zugang zu den Schätzen des Lebens - hält es nur uns bereit? Öffnen wir die Augen, das Paradies zu schauen - einem Spiegel?
Müllverwandeln steht an.
Frühling in der Statt mitten im Winter. Ein Strom, der nach Norden treibt, Früchte zu tragen. Märzbecher, noch tränenbenetzt, die sich klarer Sonne offenbaren, sich reinigend zum heileren Klang. Im März gibt es Blumen, dreht sich ein verjüngtes Karussell unter Apfelknospen, Brüste, die sich samtenen Bienen öffnen werden.
Zangengeburt, wenn's ja raus will. Wir leben und wollen lebendig sein!
Bewegung in den Dünen vergangenen Betons! Die Keime nicht bezwingen können.
Anno 1992. Wieder machen sich Menschen auf den Weg. Bekommt die Bewegung zu einer neuen Ordnung menschlicher Zusammenhänge Boden unter die Füße. Zar Nekla die Erste, 15 ha Landes, inmitten Mc Pomms gelegen, für einen Lebensentwurf jenseits der Katastrophe.
Die Richtung des Weges, die Träume unterm Sternendom, die Konturen des Horizonts, die Kristallisationen des Willens:
Fühlen Freie Kinder Befreiung jedes einzelnen Selbst Leben in Kreisläufen Eingeborene Tanzraum Austausch Große Bäume Landschaftsrenaturierung Wiedererweckung der Fähigkeit zu lieben Alles Tun gleichwichtig Gemeinsam arbeiten und feiern Dem Leben dienen Gemeinschaft Weltall Erde Mensch No more Beihilfe zum Mord Auch ein Stein ist potentielles Leben Eingebundene Kleine Bäume Asyl Irrtümer einplanen Leben ohne Ersatz Reinigung des "Gehörs" für das Göttliche in uns Vegetarisches Wecken spiritueller Kräfte in uns, um uns Vernetzung Meditationen Heilende Landwirtschaft Wachsend auf eine Größe mit Selbstversorgungsmöglichkeit und -fähigkeit Neurose erkennen heilen Ganz kleine Bäume
"Der erste Friede ist der, welcher in die Seelen der Menschen einzieht, wenn sie ihre Verwandtschaft, ihre Harmonie mit dem Universum einsehen und wissen, daß im Mittelpunkt der Welt das große Geheimnis wohnt, und daß diese Mitte tatsächlich überall ist. Sie ist in jedem von uns. Dies ist der wirkliche Friede. Alle anderen sind lediglich Spiegelungen davon. Der zweite Friede ist der, welcher zwischen Einzelnen geschlossen wird und der dritte ist der zwischen Völkern. Doch vor allem sollt Ihr sehen, daß es nie Frieden geben kann, wenn nicht der erste Frieden vorhanden ist, welcher in den Menschen wohnt." (Ausspruch eines Indianers)
... wie weit werden wir kommen?
Spenden sind möglich [Stand 10/98]: KSK DM, BLZ 150 503 00, Kto.: 131 00 95 325, Gorsleben
(Faltblatt: P by B, Beatrice, 03/92)
Hoch hinaus ging's da. Warum auch nicht? Ich sehe schon, wie das Selbst ins Staunen kommt ob dieser Selbstdarstellung. Oder der nächsten:
Am Rande eines kleinen Dorfes in Vorpommern (im Landkreis Demmin) findet man uns zwischen Stille, weitem, offenen Himmel, sich wieder durchwurzelnder Erde. Seit Anfang 1992 auf dem Weg zu einer vegetarischen Selbstversorgergemeinschaft, zu uns, ins Leben - auf der Basis naturverträglichen Seins.
Uns zugetan sind 15 ha Wald, Acker, Weide, Garten, Moor, eine kleine Hofstelle, Plätze für Bauwagen, Hütten und Paläste, zum Spielen, Tanzen, Feuermachen.
Wir wollen wieder wachsen, suchen Familie(n) mit Kindern aber auch alle anderen Einsteiger mit der Ader für Selbstfindung, -entfaltung, -versorgung, für ein schönes, naturverträgliches Leben, das sich Schritt für Schritt von den Zerstörungsmechanismen entkoppelt. BesucherInnen sind meist willkommen, Kinder erst recht, vorher schreiben wäre gut. Stich ins Grüne! Setz die Segel!
Zar Nekla die Zweite und Gefährten.
An-Sätze, Anfänge, Wege über Stock und Stein. Um nicht hinzufallen, kultivierten wir die
SCHATTENZEIT
Um die unser gemeinsames Leben beeinträchtigenden Konflikte zwischen uns zu bearbeiten, finden wir in der Form "Schattenzeit" zusammen, damit Miteinander für jeden von uns wieder möglich wird.
Wer (A) Spannung/Festgefahrensein im Beziehungsfeld zu einer/m anderen von uns (B) verspürt, lädt zur Schattenzeit ein. Verweigert sich B, versucht A zu späterer Zeit erneut, B zur Schattenzeit zu bewegen.
Die Schattenzeit findet an einem neutralen Ort statt. Alle tragen für eine feierliche Atmosphäre und das Ungestörtbleiben der beiden Sorge.
Beide setzen sich nah gegenüber, begrüßen sich mit einer Verbeugung, kommen zur inneren Sammlung und bleiben während der Schattenzeit in Blickkontakt.
Jeder spricht genau 5 Minuten (A sorgt für Uhr, die neben beiden liegt). A beginnt und teilt B mit, wie A B sieht, empfindet, was A B zu sagen hat, wie B auf A wirkt, was B für A ist, den Anlaß für die Schattenzeit. In Worten ist alles erlaubt, die Rede sollte zensurfrei ohne Einhalt fließen.
Unterbrechungen, Fragen, Einsprüche, Zustimmungen u.a. seitens B sind verboten. B soll sich offen und empfänglich halten. Es gibt keinen Abbruch, kein Weglaufen.
Nach den 5 Minuten bedanken sich beide mit einer Verbeugung. Nun hat B ebenfalls für 5 Minuten und unter den selben Regeln die Zeit, A gegenüber kein Blatt vor den Mund zu nehmen und auszupacken. Danach verbeugen sich wieder beide.
Das ganze wiederholt sich, die Schattenzeit dauert 4x5 Minuten. Beide verabschieden sich mit einer Verbeugung von einander, horchen einige Augenblicke in sich hinein, lassen das Gesagte stehen und gehen wortlos auseinander. Unmittelbarer weiterer Austausch ist verboten.
Das hat oft funktioniert. Leider auch das Auseinandergehen. Vielleicht waren Zeitungsartikel zu wichtig?:
DER TOD IST MEIN BERUF
Sind wir taub und blind? Wird niemandem vom Schrillen und Kreischen der Sägen und Schredder Ohr oder Herz zerrissen? Sieht niemand die Wüsten, die wir hinterlassen?
Fast niemand der LeserInnen wird das Straßenstück von Zarnekla zum Bahnhof Düvier kennen - jedoch ähnliche Trauerstücke. Boten bis vor kurzem noch große Büsche, Hecken, Sträucher dem Fußgänger und Radfahrer, dem Boden Windschutz, der Straße Schutz vor Schneeverwehungen, den Vögeln Nistplätze und Futter, dem wachen Menschen Farben- und Bewegungsspiel, waren sie Geschöpfe der Lebendigkeit im Werden und Wachsen, Lebensraum für tausendes Getier, schließlich auch Schmuckstück unserer Landschaft - jetzt sind sie getötet.
Fahrend und lässig und vorsätzlich. Von Straßenkörperbereinigungsleuten aus Malchin.
Ich will nicht beklagen, daß dies bereits nach dem 28.2. geschah, der Landrat wahrscheinlich nicht um seine Zustimmung ersucht wurde (was alles ordnungswidrig ist nach der Baumschutzverordnung des Landkreises Demmin), der größte Teil der Pflanzen weitab der Straße lebte und Stammdurchmesser von z. T. > 20 cm aufwies, daß speziell ohne die Pfaffenhütchen sich auch kein Rotkehlchen einstellen wird - nein, mir geht es um unseren geistigen Hintergrund, vor dem sowas geschieht. Und da wird mir himmelangst! Um meine Kinder, um uns, unsere Zukunft. Himmelangst in dieser nekrophilen Gesellschaft. Angst vor der besinnungslosen Zerstörung des Lebens. Vor der Sinnlosigkeit, die in so vielen Arbeiten liegt, mit denen wir uns beschäftigen. Vor der Ausbreitung der Todesraumes durch uns als Sklaven von Autos, des Konsum. Der Regenwald wird hier zerstört! Mit jedem Ansetzen der Motorsäge näher an die Pulsader.
Wir waren oft nah dran. Und wurden sehr dabei unterstützt. Z. B. nach folgendem Spendenaufruf, der an knapp 200 Zeitungen/Zeitschriften ging, ein Dutzend mal gedruckt wurde und immerhin 3 TM einbrachte:
WALD IN DEINER NÄHE (1)
Der Wald ist näher, als mensch denkt.
Mehr oder weniger entrüstet nehmen wir die Rodung der tropischen Regenwälder, der Urwälder Kanadas und Sibiriens oder anderer Gegenden jenseits des Horizonts in Kauf (es scheint bezahlbar...). Nur, was da verloren geht, ist unwiederbringlich. Leichtes Vergessen, daß Europa einst waldbedeckt war und von seinen Urwäldern nur noch etwa 4% im sauren Wind sich wiegen.
Nun, Ent-Rüstung unserer Lebensart, unserer Daseinsweise wäre ein Schritt zu einer das Leben erhaltenden Erde. Leben, dessen Ausdruck vor allem gesunde Ozeane und grüne Wälder sind (der Mensch hat sich, wie es aussieht, ausgeklammert).
Ein kleiner Schritt wäre auch, Brachflächen wieder zu bewalden. Wir, die Unterzeichnenden, seit Anfang 92 im Besitz von etwas Land, haben dies vor. Im Herbst 93 beginnen wir mit der Aufforstung von insgesamt 4,5 ha einer ehemaligen Weide mit standortgerechten Laubbäumen. Dieser Wald soll fürderhin auf 1 ha in keiner Weise genutzt werden, sich zu einer Art Urwald entwickeln können, zu einer Heimstatt bedrohter Pflanzen und Tiere. Im Norden wird er an einen älteren Niederwald grenzen. Dazukommend werden wir auf unserem Gelände etwa 1000 m Windschutzhecken anlegen.
Aus diesen Gedankenkeimen im Kopf sprießen jedoch nicht einfach so junge Pflanzen. Wir werden tausende Setzlinge brauchen, die uns vorerst niemand schenken wird. Teilweise staatliche Förderung greift erst, wenn die Bäumchen schon angegossen sind... Aber vielleicht spenden uns viele, viele Menschen, denen Grün am Herzen liegt, etwas Geld, daß wieder Busch und Baum (ganz in der Nähe) wachsen können.
Dazu möchten wir hiermit aufrufen!
Eine Mark für einen Baum!
Mit besten Grüßen, die Gemeinschaft Zar Nekla die Erste!
Nun, 6 Jahre später möchte einer der Spender die Bäume sehen (die übrigens meist prächtig stehen) und kommt uns bald besuchen. Aber vorher gab's noch Aufruf Nr. 2:
WALD IN DEINER NÄHE (2)
Was ist das eigentlich - ein Baum? Brücke zwischen Himmel und Erde?
Lebensgarant? Blitz aus dem Boden? Heimstatt? Friedliches Wunder? Und - wie lange noch machen die Bäume mit? Kann sein, sie sind demnächst schon nicht mehr unter uns, wachsen einfach nicht mehr, sterben, treiben im Frühjahr nimmer aus.
Auf uns zu wächst die A 20. Die braucht keinen Regen. Wir können vertrocknen.
Kein Sturm schadet ihr, sind wir schon hinweggefegt. Ein 80 m breiter Todesstreifen, geronnener Geist, Sinnbild unserer Gesellschaft, Betonwalze der Megamaschine, den zukünftigen Müll in den Osten, bis nach Wladiwostock zu schaffen. Jaja, Autobahnen schaffen Arbeit und - Tod. 8 km nördlich unseres Anwesens hier in Vorpommern zerreißt ihr Lärm die Luftgefüge, Falter, Vögel zerbersten an Kühlern, an der Front(scheibe), zerfetztes Gedärm berührt gerademal die Reifen und Blech (Wie schnell wird Blut zu Dreck. Und Stahl zu Rost?), Asphalt brandmarkt das Land (Raucherlunge, Teer ... und weiter?!), ausgepuffte Pest sammelt sich zur tödlichen Dosis.
Trotz allem (und allen?). Wider die Verwüstung forsten wir einen Teil unseres Landes weiter auf. Im Oktober (94) wollen wir 9000 Laubbäume (Erlen, Eschen, Eichen, Linden, Hainbuchen) pflanzen. Niemand wird uns die Setzlinge schenken, staatliche Förderung hilft erst, wenn die Bäume umzäunt im Boden sind. Aber vielleicht spenden uns viele, viele Menschen, denen lebendiges Grün am Herzen liegt, etwas Geld, daß Busch und Baum wachsen können.
Dazu möchten wir hiermit aufrufen!
Was kostet uns das Leben?
Eine Mark für einen Baum.
Mit besten Grüßen, die Gemeinschaft Zar Nekla die Erste!
Aber ja, vor allem brachte es großartige Hilfe, einige von Euch haben's ja miterlebt und viele der altbekannten Bäume inzwischen auch wiedergetroffen.
Das war richtig gut.
Aber man kann sich auch mit anderen Dingen das Leben um die Ohren hauen:
WAS KOSTET UNS DAS LEBEN
Das Atmen meiner schlafenden Kinder mischt sich mit den Klängen von Sprossers Nachtgesang. Wie die Töne durchschweben Düfte des reifen Frühlings die Luft.
Mit zarten Farben nahm der Tag Abschied und küßte den Sternenbaldachin ans Firmament. Ich spüre den sanften Pulsschlag des Lebens.
Na gut - gelogen. 8 km nordöstlich zerwalzt Autobahn Friedensanklang. [...]
Nur fort! Nur Fortschritt?
Und der Name dieser Ausgeburt? "A 20". Hm, was bewegen diese Laute an Leisem in mir? A 20. Warum nicht "Erwin" oder "Nastjenka" oder "Deutsche Bernsteinautobahn"? Oder (der Wahrheit näher) "Todestraße, die 20."?
Was ist das eigentlich - ein Baum? Brücke zwischen Himmel und Erde?
Lebensgarant? Blitz aus dem Boden? Heimstatt? Friedliches Wunder? Die Autobahn braucht keinen Regen. Wir können vertrocknen. Kein Sturm schadet ihr, sind wir schon hinweggefegt.
Wir autobahnen uns einen (unseren) Weg. Wohin? Wohin geht unsere Reise? (Ist schon irgendwer angekommen?) Was heißt Zukunft? Den Kindern? Was fordert uns das Leben? Glücklichsein? Liebe? Trinkbares Wasser, giftfreie Nahrung, saubere Luft, Geld, Beton? Autos, Gewerbegebiete, Golfkrieg, ABM, Zärtlichkeit, Schönheit? Gift, Raserei, sechsspurig nach Wladiwostock, Luanda, Kalkutta, Motorsägen, Streicheln, Lachen? Plattmachen?
Besinnung? KomA 20?
Und ich wünsche, ich bange - vielleicht schaffen sie diese Verwestlichung nicht mehr. Ich hoffe, ich weine: oh nein!, nicht dieser Wahnsinn, haltet ein mit der Verwüstung, bewahrt das grüne Leben vor Stahlblech und Asphalt!
Stoppt die A 20!
(Leserbrief an den Blitz z. T. veröffentlicht, 3/94)
Nutzte nix. Auch nicht die lustige
EINWENDUNG
zum Bau einer Warnowquerung durch die A 20
Hiermit erhebe ich im Planfeststellungsverfahren zum Bau einer Warnowquerung im Rahmen des Baus einer Autobahn (A 20) als Südumfahrung Rostocks folgende Einwendungen:
1. Der Bau von Autobahnen führt mittelbar zu Kriegen um Flächen für Ausgleichmaßnahmen, denn wo werden Ersatzpflanzungen getätigt, wenn Deutschland völlig zugebaut und versiegelt sein wird? Einer kapitalistischen Gesellschaft Fähigkeiten zur Selbstbegrenzung zuzutrauen, widerspricht ihrem Wesen und jeder Erfahrung. Selbst Ausgleichmaßnahmen werden als potentielle Profitquelle eher ins Ausland verlagert als aufgegeben. Daß sie dabei nicht das Kleinste an Natur=Welt-Zerstörung ausgleichen können, weiß jedes Kind.
2. Jedes Kind sieht, daß die gerühmten Alleen, die angeblich mit dem Autobahnbau infolge angeblicher Verkehrsentlastung geschützt würden, nicht mehr zu retten sind. Mit jedem weiterem Jahr der Auslichtungsbeschäftigungen werden die Alleebäume weiter verkrüppelt und hingerichtet, von Abgasen, Bodenverdichtung, Unfällen etc. schon als zum Tode Verurteilte gezeichnet. Keine Allee - hätte sie Stimmrecht - würde sich auch nur einen Meter Autobahn zur Entlastung wünschen oder andere Kraftverkehrsgebärerinnen, eher 24.000 Fahrräder am Tag.
 3. Die Planenden wissen nicht, was sie da tun. Ein Blick in einen Schulatlas von 1942 zeigt, daß mit dem Bau einer Ostseeautobahn Ambitionen aus nationalsozialistischer Vergangenheit materialisiert werden. Der Autobahnbedarf stammt eher aus dieser Zeit - fortgeführt bis Wladiwostock - als aus gegenwärtigem, suggestionsfreiem Bedürfnis der Deutschen. Eine politische Zeichensetzung darf heute keinesfalls mit der Zerstörung weiterer Bereiche unserer Lebensgrundlagen, wie sie der Bau einer Autobahn zwangsläufig bedeutet, einhergehen. Eine tiefgehende Motivationsanalyse aller Verantwortlichen und ihre Veröffentlichung ist unbedingt notwendig, bevor auch nur ein Baum sterben muß.
4. Die angeblich abnehmenden Unfallrisikopotentiale, die nicht mit Zahlen belegt sind, werden m.E. mit der erhöhten Verkehrsfrequenz ebenfalls wieder erhöht. Jeder Jugendliche, der, einen Führerschein in der Tasche, ein Lenkrad zu fassen kriegt und mit dem Fuß ans Gaspedal kommt, weiß, was für "geile" Rennstrecke die geplanten Autobahnstückchen abgeben. Wieviele den Löffel abgeben werden, ist aus den Planungsunterlagen nicht ersichtlich. Daß die geplante Autobahn in Gänze fertiggestellt wird, daran glauben m.E. nicht einmal die weichenstellenden Politiker. Indiz dafür ist z.B. die Geldknappheit, die nicht einmal einen Zubringer nach Rostock ermöglicht.
5. Angeblich entlastet der Autobahnbau Rostock vom Verkehr. Und beschert der Stadt den aufschwungsnötigen Verkehr. Jedoch sieht das Bundesfernstraßenausbaugesetz keinen Zu- oder Wegbringer vor und sagt damit auch deutlich, daß es um eine Rollbahn gen Osten geht und nicht um Menschen, die in unserem Land leben. Offensichtlich ist das Irreführung. (Und irre Führung.)
6. Angesichts welt- und innenpolitischer sowie gesellschaftlicher und auch ökologischer Entwicklungen verkennt ein Autobahnbau die Tatsache, daß die Tage auch des deutschen Industriesystems gezählt sind. Es ist absurd, aus Verkehrszählungen anno 1992/93 auf den Automobilverkehr von 2005 zu schließen. Unsere Kinder werden u.a. angesichts der Schwierigkeit, Autobahnen wiederaufzuforsten, nicht nur Flüche aussprechen, sondern auch Verantwortliche, Planende und Ausführende vor Gericht stellen, falls dann noch jemand lebt. In sämtlichen Planfeststellungsunterlagen gibt es keinerlei Bedarfsermittlung zur A 20 bezüglich unserer Kinder und Enkel. Geplant wird jedoch die maximale Dicke, Breite, Geschwindigkeit und so weiter.
7. Grundsätzlich ist die Frage, ob überhaupt die Autobahn Not wendet oder Nötigung von Mensch (gerade auch kommender Generationen), Tier und Pflanze ist, nicht ernsthaft und umfassend beantwortet worden. Trotzdem wird mit Finanzierungszahlen jongliert, die ihre Berechtigung erst in zukünftigen gesellschaftlichen Verhältnissen erwerben müssen. Die erstellten Prognosen nähern sich nicht mal der Spitze des Eisberges, sondern lediglich dem Un-Sinn der A 20.
Naja, liebe Lapsusen, Ihr wißt, manchmal hilft nur noch Musik. Jedenfalls haben wir oft genug ohne zusammengesessen. Und 4 Jahre Zar Nekla die Erste (1996), das hieß da auch 2 1/2 Jahre Protokolle unserer Runden. Im folgenden einige Auszüge:
Zeit, um zu wurzeln. Kraft. Gute Schwere. Die Wurzeln tasten, fühlen: Krume, Steine, Sand, alte Muscheln. Der Erde Wärme. Wurzeln. Und leicht, weit, weit zum Himmel hin, empfangend. Arme, Zweige. Blüten. Zum Fremden. Zum Gleichen.
Es lebt, was mich nicht ängstigt.
Wir werden die Stabilität unseres menschlichen Zusammenhalts finden.
Wir mit weicher Streichelhaut. Vertrautes Dasein. Wir - sind's. Was macht man nicht. Alles? Schafft der Wind Ruinen so wie er Nebel von ihren Augen treibt?
Fragen des Bewußtmeins...
Wir werden bauen: Fahrradschuppen, Kreissägeschuppen, Tenne, Gewächshaus, Schaf- und Pferdestall.
Licht in der Nacht. Unsere Kinder gehen einfach zu jemandem. Und wir?
Besänftigen wir uns? Wir beschäftigen uns.
Wir werden die Apfelplantage in Jahnkow pachten.
Was wir tun was wir wissen?
Wir werden einen Ziehbrunnen bauen.
Absolut im Fließen. Bewegung - Zeichen für Leben. Die Äußerungen mit 'guten Gründen', doch auch begründet mit Sehnsüchten, Ängsten, Unvermögen, Behinderungen.
Wir werden feiern auf jauchzend gestaltetem Hof mit Tanz und Spiel, Lagerfeuer und Landarbeit, Musik und Lichtbildern, Fußball und Verkleidungen.
Selbstbestimmtes Leben ist eines der schwersten. Es ist leichter zu gehen.
Werklos fällt's in Leere. UndbeSchwerTheit. Beschwerdenlos. Schwerelos. Weh.
Warm. Liebe.
Wir werden einen Märchenspieler einladen.
Rückhalt im Rückenhalten. Message in der Massage.
Wir werden ein Märchen spielen.
Was uns blüht. Die Vision aushalten. Ganz schön - erschüttert.
Wir werden im Bad eine heilige Atmosphäre schaffen.
Unsere wichtigen Plätze. Im Herzen. Wir haben die Wahl. Wir Freien. Was uns bestimmt.
Wir werden des Abends das Gelände in einen unschuldigen Zustand versetzen.
Der Morgen wird rein, als neuer Beginn kommen.
Es ist gut. Vielleicht jeder an seinem zerbrechlichen, vergänglichen Stückchen Treibholz.
Wir werden uns zum Vorrang der Landwirtschaft bekennen.
Wir werden schon sehen. Haltlos und unausgeloschen blitzte es nächtens über den Himmel. Der Wunsch wie Blütenstaub.
Wir werden uns zum gemeinsamen Arbeiten und Leben bekennen.
Die letzte Zeit dauert länger. Sind wir zu schnell? Lassen wir überhaupt wachsen? Ist es die Zeit einzuhalten, statt zu verändern? Was müssen wir, was dürfen wir regulieren? Was bei, was in uns selbst?
Nachmittags im Dunklen werden wir gemeinsam den Baum belichten. Wir werden singen, Wärme empfangen und uns besüßen, unsere Hände.
Nach dem Schlagabtausch war auch Frieda erschüttert. Ihr ritueller Schreittanz samt Kraftworten 'La la la' fand leider kein Echo, keine Mittänzer. Also haltet die Hände still, laßt das Grasgezupfe, ihr seid sonst nicht hier mit eurer Energie.
Jeden Freitag werden im Sonnenraum zwischen 13 und 15 Uhr Massagen, Atem- und Körperübungen angeboten.
Ja, ist denn Unschuld, einfach nur nichts zu merken? Erwächst aus Bewußtheit Schuld? Ja, angegriffen fühlen. Was ist das? Gibt's kein angegriffen sein?
Wir werden doch auf's Land ziehen.
Kein Wort es kommt zurück
Das alles muß natürlich niemand lösen. Jenun, zum Abschluß noch etwas externes, was die ZarInnen Konsens unterschrieben haben:
Netzwerk der selbstorganisierten und ökologischen Gemeinschaftsprojekte: Erklärung zum Selbstverständnis
GEMEINSCHAFTSPROJEKTE ALS ENTWICKLUNGSMODELLE FÜR EINE ZUKUNFTSFÄHIGE GESELLSCHAFT
Die gegenwärtige Umweltkrise ist für uns untrennbar verbunden mit der sich zuspitzenden Zerstörung sozialer Bezüge. Die Umweltkrise ist somit auch eine Inweltkrise. Sie hängt zusammen mit der wachsenden Isolation der Menschen untereinander und von der Natur und mit dem Mangel an erlebbarer Verantwortung und sinngebender Tätigkeit. Zur Lösung der Umweltkrise brauchen wir daher nicht nur neue technologische Entwicklungen, sondern ebenso die Entwicklung neuer sozialer Räume und Strukturen, in denen das eigene Tun wieder als "sinn-voll" erlebt wird.
Während in den verantwortlichen Organen dieser Gesellschaft bei zunehmender Einsicht in die Ausweglosigkeit des industriellen Wachstumsmodells der Mut und die Vorstellungskraft für weitreichende Visionen fehlen, werden in Gemeinschaftsprojekten seit Jahren Lösungsansätze erarbeitet und umgesetzt.
Der prozeßhafte, ganzheitliche und kooperationsbetonte Charakter gemeinschaftlichen Lebens ist für uns der Kern einer anpassungsfähigen natur- und menschengemäßen Lebensweise, die sich nicht an Gewinn- und Konsummaximierung orientiert.
Der Rahmen unserer Gemeinschaftsformen reicht von Kommunen mit gemeinsamer Kasse bis hin zur nachbarschaftlich organisierten ökologischen Siedlung. Eine Vielfalt von Themen von der persönlichen Emanzipation über ökologische Techniken bis hin zu neuen Formen der Spiritualität wird bearbeitet. Auch wenn einzelne Lösungsansätze nicht immer die Zustimmung aller Gemeinschaften finden, empfinden wir unsere Unterschiedlichkeit für wertvoll. Dabei halten wir auch ungewöhnliche Experimente und die Erforschung von eher tabuisierten gesellschaftlichen Bereichen prinzipiell für "Not-wendig". Eine Grenze, die nicht überschritten werden darf, ist in jedem Fall das Selbstbestimmungsrecht der/des Einzelnen und die Übereinstimmung mit den Menschenrechten.
Bei aller Vielfalt der Ansätze verbindet uns das Bestreben nach einer Integration von sozialen und ökologischen Zielen. Die folgenden Prinzipien einer sozial und ökologisch sinnvollen Lebensweise stehen für uns in einem unverzichtbaren inneren Zusammenhang:
- gleichberechtigtes Mitwirken aller Mitglieder der Gemeinschaft an Entscheidungen bzw. Entscheidungsstrukturen,
- Leben und Wirtschaften in Orientierung an ethischen Werten wie Solidarität und Ganzheitlichkeit sowie an ökologischen und sozialen Kriterien,
- Mitverantwortung für eine gerechte und gewaltfreie Erde.
Die Anerkennung dieser Prinzipien bedeutet nicht, daß wir sie alle schon vollständig verwirklicht hätten, sondern daß wir aktiv an ihrer Umsetzung arbeiten. Grundvoraussetzung für das Beschreiten dieser neuen Wege ist für uns die Förderung von Emanzipation und Persönlichkeitsentwicklung aller Gemeinschaftsmitglieder.
Wir suchen den Dialog und die Zusammenarbeit mit Menschen, die wie wir auf der Suche nach neuen Wegen sind. (Kontakt: Silke Hagmaier, Ökodorfprojektzentrum 4, 29416 Groß Chüden)
Gut, das war's, ganz cool aus dem Bauch heraus. Übrigens könnt Ihr Eure Köpfe nun wieder gerade halten, oder warum kippt mir der Horizont fort? Roland

Lösch mir die Augen aus: ich kann dich sehn,
wirf mir die Ohren zu: ich kann dich hören,
und ohne Füße kann ich zu dir gehn,
und ohne Mund noch kann ich dich beschwören.
Brich mir die Arme ab, ich fasse dich
mit meinem Herzen wie mit einer Hand,
halt mir das Herz zu, und mein Hirn wird schlagen,
und wirfst du in mein Hirn den Brand,
so werd ich dich auf meinem Blute tragen.(Rilke)

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