OVER
Nr. 21
Ja, das war meine Reaktion auf Lover 18. [...]
Apropos hätte ich allerdings eurer Musiksammlung [CD 2000] ganz
sicher noch den "Ghost Dance", also Patti Smith, zugefügt und na klar
irgendein "Destroy Babylon" - Bad Brains. Astrid
P.S. Aber ich will gerne weiterhin den Lover.
HALLO ROLAND,
[...] die zweite Kassette A-Seite enthält das SMOG-Album "The
Doctor Came At Dawn". Super 'Rausschmeißer'. Total melancholisch
und traurig. Die richtige Mittagspausenmusik?
Ansonsten ['99]: Pannach, Jackson, DCD, YES, Rick Wakeman
98: Cacavas, Swans, Oldfield, Hopkins, DCD, Pink Floyd, Neil Young,
Flowerpornoes, Dylan, The Who, Jimi Hendrix - tja.
Ich mache euch hoffentlich keinen großen Kummer mit meiner Abwesenheit.
Liebe Grüße an die Gemeinde! Achim
P.S. Ich drücke Clemens ganz lieb!
Wir hatten wieder Träume. Wieder konnten wir sie nicht immer von der Wirklichkeit unterscheiden... Roland
DIE KÜRZE DES LEBENS IST NICHTS FÜR VERRÜCKTE
FREITRAG, 21. MAI
16.00 OPEN END (Roland)
Mit Lichtbildern von LL 80 bis LL 98 und ostdeutschen Beatles-Covern.
Begrüßungen, weiteren Installationen unterm Sonnenraum,
erster vergeblicher Küchenankopplung (die gelingt erst am nächsten
Morgen), Einquartierungen und Blumengießen.
19.00 Was UNS Angst Macht 1 (Nathalie und Roland)
Vorstellen der Idee der AngsTräume unterm Sonnenraum, dort Lichtbild,
Grabkerzen, Klaus Schulze "Irrlichter" endlos aus dem Off, alles sonst
dunkel bis auf ein Schwarzlicht im Schminkraum "Hexenküche", Spiegel,
Angstbilderkopien, Rückzugshöhle in einem stockdunklem, weich
ausgelegtem Igluzelt, Begegnungskabinen, Gespenster, Alleinsein; Vortragen
Angst-Prolog. (siehe auch Texte im Lover 20 und in diesem Heft)
20.00 Heaven And Hell (Hansi)
Ton-Dia-Vortrag zu einer CD von Joe Jacksons.
21.21 Dead Can Dance 1 (Dirk)
Ton-Dia-Vortrag einer DCDCD. (siehe auch TEXT in diesem Heft)
22.30 Sonnenwende (Roland)
Überarbeitet, am Vormittag neu produziert, eine Liebesgeschichte
vom Band mit Rockmusik und Lichtbildern. (Text auf Anfrage auf Papier oder
Diskette)
SAMSTAG, 22. MAI
00.00 LichtGestalten (Roland)
Lichtbilder von Fidus, Musik von Ton Steine Scherben.
00.35 Nacht Tanz nacht (Roland)
Gute Rockmusik bis um 3.00 in Lichtbilder getaucht.
10.00 Radio Robotron (Regina, Ginger, Dirk, Hansi)
Und vielen anderen Extras. Live Tanz und Tschwunk im Studio. Es gibt
2 Stunden Mitschnitt auf Kassette. Ebenso die Robotron-Evergriens. Schriftliche
Auszüge unterliegen aus Gründen des Taktes und des Geheimnisschutzes
der Zensur des Redaktionskollektivs.
13.00 Lesen? Hesse? (Roland)
Zitiert Hesse, u.a. zum Thema Krieg und Gewalt.
14.00 Karl-Heinz wird 13. (Dirk, Julia, Anna, Christin)
Theater zum Brüllen. Es gibt eine Videoaufzeichnung davon, Text
auf Anfrage.
15.00 6. Bauernolympiade (Roland, Ginger)
Wegen Nässe draußen diesmal unterm Dach. Kreisspiel "Rippeltippel"
und Geschichtenerzählen. Dirk hat die meisten.
16.30 Halbe Märchen Stunde (Ginger, Anja)
Vorlesen.
18.00 HANSI & THE HURRICANS - live! (Hansi, Anja, Micha)
Und alle sangen mit. Songs von Lagerfeuern, Zeltplätzen und Klassenfeiern
von 1968 bis 2077.
19.00 Was uns Angst Macht 1 (Nathalie)
Die Installationen sind fertig. Texte und Bilder zum Thema Angst/Gewalt/Krieg
werden vor dem Sonnenraum aufgehängt.
19.19 Festplatz-Feststampfen (Nathalie, Imre)
3 Trommeln und einiges Kleinschlagwerk, einstundenlanger Tanz um ein
Feuer in der Mitte im Kreis in der Weite auf der Erde.
21.00 YES - Close To The Edge (Regina)
Ton-Dia-Vortrag zum Yes-Album.
22.00 Dead Can Dance (Dirk)
Ton-Dia-Vorstellung einer weiteren DCDCD.
23.00 Sandow: fatalia (Roland)
Ton-Dia-Vortrag dieser starken CD. (die Texte findet ihr paar Seiten
weiter)
23.56 Nacht Tanz nacht (Imre)
Musik und Lichtbilder bis um 2.00.
SONNTAG, 23. Mai
10.00 RandaleRadio (Roland)
Müßiggangster, Krieg, aber die beste Musik.
11.00 Rainer bietet Zarnekla-Erkundung an, aber kaum jemand läßt sich ein. Wird nächstes Jahr programmiert wiederholt.
13.00 Mittag mit Neil Young (Roland)
14.00 5 nach 12 (Regina, Dirk, Ginger, Anja, Elisa, Hansi)
Talkshow mit Christiane Sabinsen und 5 lieben Gästen. Livesendung
einer Aufzeichnung. Beifall vom Band war nicht nötig! Videomitschnitt
liegt vor, Text auf Anfrage.
15.30 LAPSUS-LIGA in Düvier (Roland)
Kicken im Pyjama. Von den zuschauenden Lapsioten zwar unbemerkt doch
7 zu 5 gewonnen.
17.30 Halbe Märchen Stunde (Nina)
Kreis mit Kindern und diversen Gegenständen inmitten. Groß
und Klein spinnt Geschichten zusammen.
18.30 Was uns ANGST MACHT 2 (Nathalie, Roland)
Nathalie liest ihr Märchen vom kleinen Löwen, dann Texte
zum Krieg und Gesprächs-, Austauschrunde, die hätte noch länger
sein können.
20.00 Wenn der Wind weht... (Roland)
Ein Rentnerpaar in England erlebt einen Atomangriff, Roger Waters Musik
und Texte in einem Ton-Dia-Vortrag mit Comicfeindbildern.
21.00 Rückkehr zum Mittelpunkt der Erde (Ginger, Laptop)
Ton-Dia-Vortrag zu Rick-Wakeman-Album mit Geschichte.
22.47 Was uns ANGST MACHT 2 (Roland, Nathalie)
Musik und Texte zum Krieg (New Model Army, Jefferson Airplane), Dias,
Nathalie liest einen Brief vor, Gedanken zu Männern/Soldaten.
MONTAG, 24. MAI
00.00 LichtGestalten (Nathalie, Roland)
Mari Boine und Feuerbilder. (Texte hier im Heft)
00.32 Nacht Tanz nacht (Roland)
Liebevolles Tanzen bis 2.30, im Feuerbild.
10.00 END OPEN (Roland)
Ton Steine Scherben, Led Zeppelin, Jefferson Airplane, Mick Hutchinson,
The Wellwater Conspiracy, Zumpano, Rhombus Of Doom, The Boys, Stonebreath
("Listen, Listen" Mehrfach gewünscht), Green Pajamas, Country Joe
& The Frond, The Lazily Spun, Atman, The Dipsomaniacs, The Last Day
Of May, The Kitchen Cynics, Warser Gate, Alphane Moon.
(Na gut für die Spezies: außerdem wurde auf unserem Fingstfest Musik gespielt von: Anger77, Champanger, Shiver, Eugenius, No Name, Butterglory, Wake Ooloo, Levitation, 456?!, Edwyn Collins, Phoenix Quicksand, Sugartree, Band Full Of Leroys, Manic S.O.X., Öffentliches Sterben, Lombego Surfers, Jamboree - Jörg Gehlert, Cimt, Refugees, Killrays, New Rosa, Butter, King Walrus, ZK, Teenage Fanclub, Skunk Anansie, Sparklehorse, Head On Fire, Endless, Syria, u.v.a.m.)
HERZSCHRITTMACHER
Denn das ist doch LAPSUS live oder etwa nicht? Mir ging's nie darum,
möglichst viel verschiedene Musik zu hören - das ist ganz schnell
xbeliebig, endlos monoton reizend - derart nimmersatt bin ich nicht, in
diesem Sinne bin ich weiterhin Single-Hörer, die Taste auf Unendlich
gestellt. Denn das eigentliche, was geschieht, sind die Gefühle, die
Schauer, das Nahekommen, das Berühren und Berührtwerden, die
Ahnungen, Erfahrungen und Weisheiten um die Liebe. Was passiert und wie
geht es mir. Und dir. Welchen Sinn haben Tonträger, die sich nicht
nur einmal abhören lassen, warum machen wir bei LAPSUS live nicht
nur Livemusik, "tja": wieso wird nicht zu jedem Titel, der zu Fingsten
beim Tanzen abgespielt wird, ein Gruppenporträt samt Diskografie und
Lebensverläufen der Musiker geliefert? Mir kam's heuer sehr le-bendig
vor mit vielen freien und glücklichen Momenten. Ich habe auch gerade
ein Konzept fertig, das ich am 21. 6. dem Arbeitsamt vorlegen werde, um
eine LAPSUS e.V.-ABM zu beantragen, zumindesten LKZ, Vorabsprachen waren
erstaunlich aussichtsreich. Dann hat LAPSUS live endlich den Stellenwert,
den es hat. Und denen, die mich fragten, was es denn eigentlich da so viel
zu tun gebe, empfehle ich - wie ich's auch dem AA empfohlen habe - dochmal
LAPSUS live bei sich zu organisieren und zu machen: incl. (!) Lagerfeuerplatz,
Tanzfläche, Zeltstellplätzen, Schlafmöglichkeiten für
alle, Verpflegung, Parkplätzen und guten Wetters (und der besten Musik
und so guten Dias, daß niemand merkt, wenn sie mal kopfstehen...).
Damit sage ich, daß ich es selbstverständlich schade finde,
nicht bei allen Veranstaltungen dabei gewesen zu sein. Ich war mit dem
Herzen dabei. Oder in Dubei oder so oder umgekehrt oder so. Und ich will
hier auch enthüllen, welche Beiträge ich für am besten
halte: das war z.B., wie lieb für Frieda gesorgt wurde. Genau das
meine ich und ich fange natürlich jetzt an zu tropfen... Auch das
will ich nochmal klar sagen: ihr seid eingeladen, nicht nur aus der
Wehmut heraus "LAPSUS for ever" oder weil es hier schön grün
ist - einfach eingeladen für Besuche übers Wochenende oder länger,
wo ihr auch ganz ungestört sein könnt oder wir uns die Vorträge
zeigen, die wir live verpaßten oder sonstwas - das ganze Jahr lang!
(Ganz begeistert bin ich von Dirk, auch wenn und auch weil es zum Helfen
war, Du hast uns einige Depressionen erspart. Und wenn sowas eben öfter
passiert, wird nicht "nur" Depri abgebaut, sondern Lust weiter aufgebaut.)
Roland
WAS MACHEN WIR ZU PFINGSTEN, ...?
Jedenfalls scheint es doch noch eine Alternative zu einer Fahrt nach
Karl-Marx-Stadt zu geben: Lapsus Life!
Am Freitagabend war wahrscheinlich nicht nur mir mulmig zumute, als
sich abzuzeichnen schien, daß nur sehr wenige kommen würden.
Hansi zeigte Dirk seinen Vortrag und umgekehrt - das war wohl nicht ganz
Sinn der Sache... Doch am Sonnabend erhöhte sich die Teilnehmerzahl
in erfreulichem Maße, so daß sich doch noch eine echte Lapsus-Life-Stimmung
einstellte. Dazu trug natürlich auch das abwechslungsreiche Programm
bei: Man konnte die "üblichen" Dia-Ton-Vorträge bewundern, Märchen
lauschen, Theaterstücke beklatschen, Radiosendungen verfolgen, tanzen,
trommeln, fußballern, mit Coco spielen, einen Angstraum erforschen,
Möhren schälen u.v.m.
Eigentlich müßte ich an dieser Stelle üblicherweise
mit dem Loben der - aus meiner Sicht - gelungensten Beiträge beginnen,
aber das würde einfach zu sehr ausufern; außerdem denke ich,
daß es in diesem Jahr vor allem die gesamte Atmosphäre war,
die Lapsus zu einem Erlebnis machte. Es war einfacj eine große Freude,
das Miteinander der Lapsoten zu beobachten, und noch schöner, sich
darin aufgehoben zu fühlen. Ich kann es nicht leugnen, daß Radio
Robotron für mich ein besonderer Höhepunkt war - immerhin steckten
Tage voller Arbeit und Spaß darin, was hoffentlich zu merken war.
Die Reaktionen des Publikums und die immer mal wieder aufflackernden Gesangssessions
(Dubai, dubai, dubai...) machten mir - und bestimmt auch Ginger - Lust
auf ein neues RR im nächsten Jahr. Großer Dank gilt dabei vor
allem Hansi und Dirk, die musikalisch zur Höchstform aufliefen. Roland
gab den Anstoß für die Aufzeichnung, und jetzt hören wir
nur noch einen Sender...
Absolute Spitze war das Kindertheaterstück "Karl-Heinz wird 13"
- eine Glanzleistung aller Darsteller. Julia war total süß in
ihrer Begeisterung und ihrem Aufgehen in der Rolle. Anna überzeugte
als tussihafte Kellnerin - doch wer war dieser steife, verknöcherte
Alte, der sich nach der Vorstellung als Christin verkleidete? Ja, Dirki,
du warst auch schön debil - weißte doch! Tja, da konnten wir
Verwachsene uns echt 'ne Scheibe abschneiden - aber Gott sei Dank spielten
ja drei Kinder mit! Wenigsten kam die Talkshow-Musik gut rüber und
auch ein paar Gags. Ich weiß doch, daß es auch Spaß gemacht
hat, aber ganz kann ich meine Ansprüche halt nicht vergessen... Im
nächsten Jahr wird alles besser, aber vieles anders oder so...
Die Kinder kamen nicht nur bei Radio + Theater + Cocodressur (vergeblich,
er(!) blieb lieb) voll auf ihre Kosten, sondern auch bei den verschiedenen
Märchenlesungen, aber auch die "Großen" waren beeindruckt von
den Sprachbegabungen Ginger und Nathalie. Roland wollte wohl Hansi als
Hans Dampf in allen Gassen Konkurrenz machen. Nein, Roland, wir haben es
auch diesmal wieder nicht gemerkt, daß die Vorträge buchstäblich
in letzter Minute fertig oder eben nicht fertig waren - du bist selbst
schuld, wenn du immer darauf hinweist! Insbesondere die Musik von Sandow
fand ich wirklich überraschend geil. Und ich habe die Texte wiedererkannt
- es gibt noch aufmerksame Loverleser (wenn schon kaum aufmerksame Lover...)!
Ginger & Hansi habe ich mündlich für ihre Beiträge bereits
ausführlich gelobt ("Sehr gut, Hansi!" - "Weiter so, Ginger!"), so
daß es mir an dieser Stelle genügt, mich auf neue Vorträge
zu freuen.
Zum Angst- und Kosovothema werde ich ich noch gesondert was von mir
geben, es war auf jeden Fall angebracht, darüber zu diskutieren, auch
wenn man wahrscheinlich längeren Anlauf bräuchte, um zu Wesentlichem
vorzustoßen.
Vielen Dank an Rolamd & Nathalie für all' die Arbeit, die
in so einer Lapsusvor- und sicher auch -nachbereitung steckt (zumal wenn
irgendwelche Chaoten ihre ***eimer stehenlassen).
Jedenfalls hat es mir auch in diesem Jahr wieder viel Spaß in
Neustrelitz gemacht, und ich freue mich auf Lapsus 2000! Regina
HALLO, LIEBE ZARNEKLERANER,
wir schwelgen immer noch im Nach-Lapsus-Fieber. Gestern haben wir Hansis
Gebutstag gefeiert und dabei Radio Robotron gehört und die Theaterstücke
angesehen. Und ich muss immer wieder feststellen, dieses LL war eines der
schönsten, die ich erlebt habe, ähnlich geht es Hans und Lisa,
die sich besonders über die Freundschaft zu Julia freut. Deshalb also
auch gleich unsere Reaktionen für den Lover:
Gerade bin ich aus Zarnekla zurück und voller Freude. Für
mich waren es wieder einmal ein paar schöne Tage unter Freunden, angefüllt
mit Infos, Spaß und Entspannung. Nicht mal das Plumpsklo hat mich
diesmal wirklich verschreckt. Und nun sitze ich hier und denke zurück.
Spaß hat mir vor allem das Theater gemacht - einmal das Zusehen
(Das Karlheinzwird13-team war einfach prima!) und zum 2. das Spielen und
natürlich Radio Robotron. Spaß gemacht haben mir auch die Vorträge
von Regina und Dirk. Wie immer ein Augen- und Ohrenschmaus. Auch das Märchen
von Nathalie war schön. Leider habe ich den Anfang verpasst. Aber
ich denke, im Lover findet sich dafür bestimmt auch ein Plätzchen?
und so kann ich das Versäumte ja nachholen. Spaß gemacht hat
mir auch der Angstraum. Angst hatte ich in diesem kleinen Gruselkabinett
zwar nicht, ich war mir einfach zu sicher, dass mir nichts Ernsthaftes
passieren kann, und so habe ich die Tasterfahrung einfach genossen - mit
Schmunzeln und etwas Vorsicht (schließlich gab es ja Stolpersteine...).
Aber da bin ich schon beim Ernsthaften. Eines hat der Raum oder mehr die
ganze Aktion schon bewirkt. Ich habe etwas mehr über das Thema nachgedacht.
Ich glaube, am meisten Angst habe ich vor der Macht der Normalität,
die immer wieder zugreift und der man sich letztlich nicht entziehen kann.
Egal, ob man Steuern zahlt oder nicht - mal abgesehen von den Steuern,
die wir ohne es beeinflussen zu können, zahlen (für all das,
was wir nutzen). Und es gibt da die Angst davor, sich der Angst auszuliefern
und darunter begraben zu werden, nicht mehr lachen zu können, womöglich
bei jedem Lächeln ein schlechtes Gewissen denen gegenüber zu
haben, denen es nicht so gut geht wie mir. Bei aller Verantwortung, die
wir persönlich übernehmen können und müssen, darf uns
nicht entgehen, dass es noch mehr im Leben gibt. Die Diskussion war gut
und wichtig, um über einiges klarere Sicht zu bekommen, den eigenen
Standpunkt zu konkretisieren. Vor allem Roland und Nathalies Beiträge
zum Krieg waren dazu angetan. Aber es hat mich auch erschüttert, mal
wieder zu der Ansicht zu kommen, dass wir an die Wurzeln des Übels
nicht herankommen. Es ist alles fest miteinander verwoben - auch mit den
Menschen und Dingen, die wir lieben oder von denen wir leben.
Interessant fand ich auch, dass fast alle Vorträge ohne vorherige
Absprache sich mit irgendeiner Form der Angst beschäftigten.
Sehr passend, leider nur von wenigen mitbekommen (Freitag), war da
Hansis toller Joe-Jackson-Vortrag "Heaven and Hell". Ich empfehle eine
Wiederholung nächstes Jahr. Ebenfalls für Dirks ersten Dead-Can-Dance-Vortrag,
der, da erst ein kleiner Teil der Lapsoten anwesend waren, viel zu wenig
Zuschauer hatte. Aber diese "Sendeplätze" müssen ja auch vergeben
werden.
So liebe Grüße und Dank nun noch an die Zarnekleraner. Ginger
LAPSUS BEGANN DIESMAL
für mich wirklich schon am Freitag. Wann denn sonst, werdet ihr
sagen, aber diesmal war mit dem Ankommen in Zarnekla auch der Alltag hinter
mir geblieben. Es lag sicher auch an meinem Termin für Joe Jackson.
Dabei hat mich eigentlich nicht gestört, daß relativ wenige
Leute zusehen und -hören konnten.
Ich hatte von Anfang an das Gefühl, daß ich die Beiträge
diesmal intensiver als sonst aufgenommen habe. Die Vielfältigkeit
der Beiträge war da sicher sehr hilfreich. Dirk und Regina hatten
wieder mal das absolute Gespür für die Kombination von Bild und
Musik. So konnte ich hier richtig in der Musik versinken.
Radio Robotron war dann für den Morgen eigentlich ein perfekter
Einstieg. An der Technik war es keine Arbeit, sondern absoluter Spaß,
hier mitmachen zu dürfen.
Ich bin absolut begeistert, daß sich bei Lapsus als Muß
Theaterstücke einschleichen. Nach "Karl-Heinz wird 13" freue ich mich
jetzt schon auf "Karl-Heinz wird 14" im nächsten Jahr. Tolle Schauspieler
in einem tollen Stück.
Besonders froh (so hinterher) war ich, daß ich bei Christiane
Sabinsen mitmachen durfte (Ich hätte ja nie gedacht, daß ich
das bringe, um mal mit Brunhilde zu sprechen.). Ich freue mich eigentlich
jetzt schon auf das Konzept von Regina für das nächste Jahr.
Ein besonderes Erlebnis war für mich der Abend am Feuer mit den
Trommeln. Sicher hätte ich selbst nie ein Instrument genommen und
so war es genial, daß Roland mir einfach etwas in die Hand drückte.
Es dauerte auch nicht lange, und ich konnte mich dem Rhythmus nicht mehr
entziehen.
Die Umsetzung des Themas Angst fand ich äußerst interessant.
Die Beiträge von Roland und Nathalie und vor allem auch das Gespräch
haben mir geholfen, mir über meine Gedanken und Positionen zu diesem
Thema klarer zu werden. Das gilt besonders für den gerade laufenden
Krieg, den die NATO führt. Mich hat dabei besonders beeindruckt, wie
"Wenn der Wind weht" hier in Beziehung gesetzt wurde.
Einen kleinen Wermutstropfen gab es für mich am Sonntag, als Judith
"Die Rückkehr zum Mittelpunkt der Erde" vorstellte. Gerade bei dieser
CD, die für mich eigentlich ein zusammenhängendes Stück
ist, nahmen die Störungen von Außen manchmal doch viel von der
Wirkung der Musik und der Bilder. Da ich weiß, wieviel Arbeit Judith
in diesen Vortrag steckte und wie sie sich bemühte, die Gesamtheit
der CD rüberzubringen, tat es mir besonders weh. Es ist schön,
wenn jemand lernt, seine Gefühle auszudrücken. Für mich
bleibt jedoch die Frage, ob es eine Rechtfertigung ist, wenn man sich besser
fühlt, auch wenn andere sich dadurch schlechter fühlen.
Lapsus '99 hat mir viel Lust gemacht, auch 2000 so eingespannt zu sein,
wie ich es diesmal war. Hansi
P.S. Wir sind schon wieder an neuen Vorbereitungen.
HALLO NATHALIE, HALLO ROLAND!
Ich möchte Euch danken nochmals für die, wie ich zu großen
Teilen empfand, liebevolle Atmosphäre, die Ihr geschaffen habt. Meine
Irritation bzgl. der erlebten Offenheit und den empfundenen scharfen Wechseln
zu Momenten, wo ich wenig Bezogenheit auf ein - zueinander empfand, fühle
ich auch gerade im Nachhinein noch als sehr schmerzhaft. [...] ich mag
gern an dem mit/bei Euch begonnenen Ideen weiterarbeiten, konkret werden
zum Frieden/Krieg. [...] Im Endeffekt möchte ich, daß alle gemeinsam
und/oder jeder Einzelne durch die Auseinandersetzung/Beschäftigung
an diesem Wochenende klarere Handlungsmöglichkeiten sieht, den eigenen
Anteil am Krieg da unten zu beeinflussen, die Energie dort zu entziehen
(Stecker raus) im besten Fall. Bis denne Rainer
Hallo [Achim]!! Wir sind natürlich schon am Schreiben von
Eindrücken. Es war ja ein bißchen schade, daß du diesmal
nicht da warst, erst recht bei dem Programm. Na Radio und Theater wurden
ja mitgeschnitten ("Karl-Heinz wird 13" und "Christiane Sabinsen"). Wir
werden sicher bald mit konkreteren Texten rüberkommen.
Gruß Hans & Ginger
lieber leo-chim, lapsus ist kein lapsus ohne dich! schmerzhafte
erfahrung für viele, die eigentlich auch / nur wegen dir nach zarnekla
gekommen sind. es war "heuer" etwas intimer, kleiner und nicht so woodstock-like
stressig wie sonst, wenn das hauptproblem, die kulinarische versorgung
der lapsus-konsumenten, im mittelpunkt steht.
aus diesem grund stand bei diesem lapsus das sprechtheater im mittelpunkt,
weil musik-mässig nur wiederholungen möglich waren. du hast einfach
gefehlt. wir haben dich vermisst!!! wir lieben dich! liebe gruesse sigrid
+ dirk
p.s. wer ist leopold? (wegen schizophrenie gibt's doch ärzte!)
HEY ROLI & NATHALIE!
So lasse ich meine Gedanken nach dem gestrigen Telefonat, das mir sehr
gut tat, nochmal um LAPSUS LIVE kreisen. Kurzum, Lapsus Live hat mir tierisch
Spaß gemacht & ich fands bedauerlich, daß es so schnell
wieder vorbei war. Leider konnte ich erst ab Sonnabend dabeisein. Pünktlich
zu Radio Robotron, witzig gemacht von Regina & Ginger (Spitze!!) kam
ich mit Milan an. Diesmal waren auch zwei meiner Weibergespinste-Frauen
mitsamt Familie dabei, das fand ich besonders gut.
Mir ist es zu blöd, über die zu meckern, die nicht kamen
oder über das Schmalkost-Programm klagten. Ich finde, es waren genau
die richtigen Leute da. Nämlich die, die wirklich Lust auf Lapsus
Live haben. Und die haben dann auch was davon. Mir isses z.B. völlig
schnurz, ob ich einen verflossenen Vortrag nochmal erlebe oder er absolut
brandneu ist. Für mich ist es wichtiger, daß was rüberkommt
& mir die Gänsehaut den Rücken hoch- und runterrieselt. Und
ganau das ist tatsächlich dauernd passiert.
Ich kam ins Schwingen & Schwitzen auf dem doch so kalten Boden,
mein Körper bewegte sich ganz von alleine. Es war, als ob ich lange
darauf gewartet hätte. Lapsus-Fieber? Ob Dead Can Dance, die Reise
zum Mittelpunkt der Erde, Rolis & Nathalies Vorträge mit Musik
& wunderwunderschönen Liebes-Dias (die Hand auf die Brust meines
Mannes gelegt... berührte mich sehr!), ich kam jedesmal richtig rein
& schwelgte in Seh-Hör-Tuchfühlung.
Ich empfand viel Nähe zu den anderen. Es mußte gar nicht
immer so benannt werden. Ich spürte es an jedem, Lächeln, Offenheit,
Rumflaxen, der ganzen Atmosphäre, beim Essen - es war meist kuschlig
& angenehm...
Highlights gabs für mich 'ne ganze Menge. Natürlich die Theaterstücke
(Dirk, ich hab sone Lust gekriegt, mal mitzumachen ...). Die Lapsus-Hits
höre, singe & tanze ich bis heute noch. Hansi & Band mit Sängerin
war richtig lustig, weils immer besser wurde & wir so richtig euphorisch
mitsingen konnten! Und das Fußballspielen hat mir schon ewige Jahre
nicht mehr sonen Spaß gemacht! Ob das am Nachthemd gelegen hat? Mir
ist sehr vieles dabei wie nebenbei zu Bewußtsein gekommen. Wie gehemmt
& zurückhaltend einige gespielt haben (die Dresdner Fräulein-Liga,
& Rainer jonglierte mehr, als daß er seine männliche Kraft
ausspielen konnte...). Und daß auch ich letztes Jahr mich überhaupt
nicht traute, aber seitdem einen Riesensprung gemacht habe. Ich finds schade,
daß wir Frauen so verunsichert werden (ich hab ja bis zur 8.Klasse
aktiv Fußball gespielt - wohin hat sich meine Kraft dann verflüchtigt?)
& uns selber hemmen, bis wir saft- und kraftlos die Das-kann-ich-nicht-Weibchen
werden. Aber ich sehe auch, wie das wieder rückgängig zu machen
ist. Und ich spüre es an meiner eigenen immer mehr wachsenden Vitalität
& riesigen Energie. Mein Körper belohnt mich, wenn ich ihm wieder
vertraue.
Richtig geil fand ich das Tanzen, Trommeln am Feuer, als wir den Festplatz
einweihten. Es hätte noch viel länger gehen können, ich
kam da gegen Ende erst richtig in Fahrt. Und das Tanzen sowieso dann nachts,
als fast alle schon gegangen waren. Das war ein Nach(t)schlag ganz besonderer
Art. Mit Imre auf der Tanzfläche ganz & gar verwildern - fühlt
sich traumhaft an! Und mit Roli, Nathalie & Rainer zu hotten war irre!?
Jedenfalls kamen mir danach deutliche Bilder & Botschaften. Und ich
bin mit Rainer im Morgendämmer noch über Wiesen & Felder
gestapft. Es nahm alles kein Ende! Die Märchenstunde mit den Kindern
war sehr lustig. Mit all den Faxen ist es doch eine runde überraschende
Geschichte geworden, die wir uns im Kreis erzählten. Katrin weiß
schon, wie frau Fäden spinnt... Im Angstraum unten waren wir auch.
Milan hat uns durchgeführt & am anderen Ende am Geheimausgang
wieder hinaus! Nathalies Märchen war so schön! Und dann nahtlos
weiter Rolis Zitate zum Krieg. Und unsere Diskussion, auch die abends,
ich war ganz lausch.
Zu Rainers Aus-Bruch möchte ich noch sagen: Für ihn war es
in Ordnung so & hatte seine Berechtigung. Für mich aber war es
ein Ein-Bruch, denn wir wollten tatsächlich Gingers Vortrag hören/sehen
& empfanden die vielen Vorträge bestimmt nicht als Gehirnwäsche.
Wer nicht mehr kann, kann ja gehen. Und für das Jahr Vorfreude nehme
ich auch gern ein geballtes Programm in Kauf. Ich bin ja auch deswegen
dabei. Klar dauert das Sackenlassen & Verarbeiten viel länger.
Ich freue mich also sehr auf das nächste Lapsus Live. Und schön,
daß von dir, Roli, das Angebot kam, auch zwischendurch in Zarnekla
high life zu machen. Die Anlage steht noch im Sonnenraum & wartet auf
Leute, die sich mit ihr anlegen bzw. was einlegen & sich dann in die
Musik reinlegen! Ich wäre auch gern mit von der Partie, z.B. Theater
mit Dirk & Regina u.a., ist das machbar? Gern auch mit Gesang &
self-made-Musik. Das proben wir ja in der Fabrik im wüsten Friedelhain
öfter mal beim Tangoabend freitags!
Das reicht erstmal. Da ist mir doch noch ne Menge Lapsus eingefallen.
Ich glaube, daß es Kräfte in mir freisetzt, wenn ich mich positiv
auf wichtige Sachen einstimme. In diesem Sinne alles Liebe von Nina!
IN LETZTER SEKUNDE TRAF ER EIN
Karl-Heinz hatte Vaterprobleme - er hatte einfach keinen mehr, nachdem
sich Clemens wegen zu erwartender Überlänge des nach Karl-Heinz
benannten Theaterstückes des Vaterdaseins entledigte - mit Tränen
in den Augen. Roland sollte die Lücke füllen, um dem Projekt
"Kinder machen Theater" doch noch zum Erfolg verhelfen zu können.
Denn die Aussichten auf einen überzeugenderen Vater (in diesem Falle
zumindest) waren zunächst eher gering. Jedenfalls ließen die
Vorgefühle in bezug auf Lapsus einen angemessenen Optimismus in dieser
Hinsicht nicht wirklich zu: Wer wollte denn überhaupt noch kommen?!
Und wenn sich schon in Clemens kein verkappter Vater, alias Karl-August,
verbarg, oder wollte er es nur nicht wahrhaben - in wem dann??
Nein, natürlich, Roland war schon dicht dran, wollte sogar, Gerüchten
zu folge, beim Einwohnermeldeamt in Zarnekla(?) eine Namensänderung
vornehmen lassen, um sich ganz als Karl-August fühlen zu können,
aber letztendlich fehlte ihm wohl der Mut - auch zu den Konsequenzen, die
damit verbunden waren - jeden Tag einen Hackepeter, äh, Krombacher
bitte oder so! Und meistens bleibt's ja nicht bei einem! Mit Roland, dem
ältesten Kind, war nun alles abgesprochen. Wenn schon keine Namensänderung,
so sollte er die Rolle des Karl-August wenigstens spielen.
Am Freitag war Anreise in Zarnekla, und als wir (ich und Regina) ankamen,
war noch keiner weiter da. Es war, als wären schon wieder alle abgereist
und Lapsus vorbei. Das machte mich wütend! - 'Dann spielen wir eben
für uns selbst', war mein erster Gedanke, und ich war wieder guter
Dinge - so guter Dinge, daß ich mir einzureden begann, daß
Lapsus ohne all die vielen nervenden Teilnehmer, die immer nur ihren eigenen
Senf abgeben wollen, ohne meine echt tollen Beiträge zu beachten,
viel besser für uns, äh, für mich sein könnte.
Aber denkste, Puppe! Plötzlich stand da Julia vor mir und gab
mir den Auftrag, die Dresdner Mädchen vom Bahnhof abzuholen. 'Was?!!'
dachte ich innerlich, 'Lapsus nicht ganz für mich alleine' - und natürlich
hätten die Zarneklaraner auch mitmachen dürfen, da sie nun schon
mal da waren. Aber jetzt auch noch die Dresdner Mädchen! Na gut, Anna
konnte ich ja noch akzeptieren, da sie eine wichtige Rolle als Kellnerin
zu spielen hatte. Und ich konnte sie ja kurzer Hand nicht wieder ausladen
(was auch ein unverzeihlicher Lapsus gewesen wäre, wie sich später
bei der Vorstellung herausstellte), und man stelle sich vor - Roland in
einer Doppelbesetzung, nun auch noch als Kellnerin, denn irgendjemand mußte
diese Rolle ja spielen, da die anderen mit ihren Rollen schon voll ausgelastet
waren (Mutti, äh, Julia als exzellente Mutti - ach wäre ich doch
noch mal ein Kind!, Frieda, Clemens, Nathalie und Regina als uneingeschränkt
begeistertes Publikum).
Ich fuhr also mit dem Auto zum Bahnhof, die Mädchen abzuholen.
Ich hatte mich schon wieder soweit im Griff, auch Maria freundlich begrüßen
zu wollen, aber bei der Ankunft am Bahnhof traf es mich wie aus heiterem
Himmel: Ich sah Anna - okay, Maria - ich blieb freundlich, Judith - das
konnte doch nicht wahr sein, Christin - das Maß war voll! Ich legte
eine Vollbremsung hin, die sich gewaschen hatte. Ich sprang wutentbrannt
aus dem Auto und begrüßte die Mädchen nacheinander und
schaute ihnen dabei tief in die Augen, als wäre nichts gewesen - ich
hab' mich halt unter Kontrolle.
Auf einmal zuckte ich zusammen. Es waren nicht nur die vier Mädchen
angereist, nein, unter sie hatte sich noch eine andere Person gemischt.
Völlig überwältigt erkannte ich ihn: Er war es, ja, er,
Vater - eben Karl-August, wie er im Theaterstück stand. Die Rettung
war da! Karl-August hatte sich kurzer Hand als Christin verkleidet. Aber
das störte mich nun nicht mehr. In Zarnekla wieder angekommen fragte
ich Christin, ob sie für den Zeitraum der Theateraufführung Karl-August
freigeben würde, und sie stimmte zu! Roland, der sich inzwischen doch
noch für eine vollständige Mutation zu Karl-August entschieden
hatte (irgendetwas an dieser Rolle schien ihn maßlos zu faszinieren),
mußte sich wohl oder übel wieder zurückverwandeln. Glücklicherweise
hatte er noch kein Hackepeter verspeist. Ob eine Rückverwandlung dann
noch möglich gewesen wäre, muß stark bezweifelt werden.
Ich persönlich war nun so froh über den bisherigen Verlauf
der Ereignisse, daß ich am Samstag dann auch gar nicht mehr böse
darüber war, daß sich bei der Vorstellung (in erster Linie natürlich)
und bei Lapsus überhaupt noch so viele Leute einfanden, so daß
man seine Probleme faßt vergessen hätte - aber das wäre
dann wirklich zu weit gegangen! Karl-Heinz, alias Dirk
der ozean begann bei kummerow
sternenhimmel hielt den horizont
jetzt lieg ich auf dem trockenen
feindlich glotzt der mond
aus grauennächten aufgeweckt,
liebesfeuertrunken, lustgespannt,
blutschwitzend, zähneschmelzend -
ein frohes wir mit weitem rand
wolken luden ein zum tanz
leib und seele so verwöhnt
jetzt grollt selbst blauer himmel
und die sonne höhnt
heut' ist nicht mein leben
dies ist nicht mein planet
verlorenes und schmerz in allem
seh haltlos wie die zeit vergeht
der tag versprach zurückzukehren
zeit und leben wieder eins
jetzt greift die nacht ins leere laken
das herz im magen wie ein ätzend stein
mir war eng in meinem leben
doch ich hab mich nicht entschieden
festgefahrnes einfach abzulegen
als mir noch zeit geblieben
endlich weich und leicht - ich konnte fliegen
auf sanften hügeln wie ein kolibri
jetzt bleibt mir fluchen in den spiegel
und böses zittern in den knien
liedzeilen trugen weisheit huckepack
schmerzlich tönen meine lieblingslieder
ich schäme mich, als hätt' ich sie verraten
im absprung fror'n zu krücken mir die glieder
nicht vergessen können heißt doch:
nur erinnern bleibt
p.s.
ein gedicht
ist
ein gedicht
ist
ein gedicht
Achim
Die Urkraft führt alles Trügerische von uns fort. Die Macht der klaren und ungewollten, ungelenkten Betrachtungen zieht die Spur, die erst sich ewig erneuernd das sein wird, wozu unser Seelengrund geschaffen ist. Ich lasse mich in die Welt der anderen ein und spüre so sehr das Gleichgewicht und Ungleichgewicht in meinem und eurem Leben. Ich habe keine Wünsche mehr, als nur noch mit euch zu sein.
Und trifft es mich, erkenne ich es im Herzen. Denn es ist wahr. Und der Augenblick wird vergehen. Doch der Ausblick hat mich umfangen und segnet mich mit leuchtender Freude und Trauer.
Wann immer ich dich sehen darf, es führt mich zurück zu den tief vergrabenen Geheimnissen in dieser, meiner Welt. Es ist nicht deine und meine Schuld allein, daß wir uns abwenden, um nicht zu sehen, was dieses leblose Dasein nicht zu dulden vermag. Warten werden wir, geduldig warten und uns einer Ahnung überlassen, die bald nichts mehr in sich tragen wird.
Und ich werde mich erinnern, solange die Ahnung mich trägt. Gestärkt durch jenen Traum, sind die Fragen beantwortet, die das Leben mir stellte.
Nie führst du meine Sprache zu einem Ganzen hin. Du windest dich herum und meidest alle Worte, die dich angeblich zu zerstören drohen. Du kennst die eigene Ruhe, die dieser Welt nicht angemessen scheint und wagst die Ruhe nur geheim und ungesehen. Und ungesehen siehst du uns an und freust dich über dieses Leben. Doch wenn du spürst, daß einer fühlt wie du, grenzt du das Ausmaß deiner Freude ein, daß ich den Weg zu dir nicht finden kann.
Ich weiß, in deinen Augen ist zu sehen der Widerschein, den meine Seele dir gewährt. Es ist so viel, wo ich mich da so ganz und gar erlösen könnte.
Mein Leben war und ist dir und dir zu plump. Du berührtest meine Wangen, und ein Feuer ging durch meine Adern, und du warst so wach und unbeschwert - entzückt in der Schwebe unbändiger Gefühle. Diese atemberaubende Nähe enthob uns all der angehäuften Jahre zersetzender Zweifel. Mein Leben war zu plump - dir und dir. Es war doch nur noch ein kleiner Moment - ein kleiner Moment bis zur Ewigkeit, die wir wohl niemals vollführen werden?!
Die Größe hat uns verlassen. Die Gefühle waren einst nicht zu halten. Das Reich - das unermeßliche - schien so vollkommen unausweichlich unseren Herzen Einlaß zu gewähren. Wollten wir nicht unserem Schicksal zu jener beseelten Wendung verhelfen, die ich so sicher in deinen Armen zu finden glaubte?! Ich weiß alles nun - alles, was sich in dieser Welt nicht ereignen wird. Ich weiß alles, was dir und mir, uns allen hier geschah.
Alles, was ich durchlitten, hast du mir genommen? Alles, was ich durchlitten, hat in dir keine Wege mehr! Im Traum fand ich deine Hände - unberührt und voller Weisheit. Ohne ein Wort von deinen Lippen erkenne ich dich im tiefsten wieder. Denn nur du warst und bist der ewigliche Grund meines Lebens - meines Wesens.
Wenn das Ende kommt, gibt es nichts weiter zu tun. Auch der Kampf war ein Teil von uns und jegliche Bemühungen und all die Angst vor dem scheinbar vollkommen Unausweichlichen. Wenn das Ende kommt, fallen wir endlos fort, und nichts wird sein wie früher.
Was wissen wir nun nach all den Jahren rastlosen Mühens? Standen wir nicht einst und ließen uns berühren?!
Doch Schmerz - aus allem, was einst war - kennt keine Ruhe, wird nicht vergehen, hält alle Einsicht dieses Tages fern von dir und wird die Brücke niemals schlagen zu jenem Ort, wo deine Angst sich ganz verlieren würde.
Könntest du die Trauer doch ermessen, die ich aus dir zu mir erhoben hab. In allem würden wir vergessen, was Anfang und was Ende hat.
Wenn du fällst durch meine Augen in dein Selbst zurück, so kann ich dich berühren, und keine Angst hält dich zurück und weicht der Wahrheit aus, die dir die Liebe wiederschenkt.
Ich bin angekommen, mich wärmt die Sonne, kein Hunger zehrt mich aus und treibt mich fort zu suchen. Ich wohne hier und warte nicht auf bessere Tage.
(Von Dirk Hübner geschrieben für den Vortrag "Dead Can Dance: Within The Realm Of A Dying Sun" bzw. "Dead Can Dance 2", LAPSUS live 99.)
WITHIN MYSELF
Obwohl sie mich
hin und her zerrten,
hier,
genau hier
werde ich stehen.
Hier werde ich stehen.
Nirgendwohin gehen.
Nirgendwo anders hin.
Obwohl sie mich zerrten,
vor und zurück,
hier,
genau hier
werde ich stehen.
Nicht weggehen.
Nirgendwohin.
Nicht weggehen.
Nirgendwohin.
HEAR THE VOICES OF THE FOREMOTHERS
Höre die Stimmen der Ahnen.
Horche.
Sie fragen dich, warum du zuläßt,
daß die Erde verschmutzt,
vergiftet, ausgenommen wird.
Sie erinnern dich,
woher du kommst.
Hörst du,
sie wollen dich erinnern.
Die Erde ist deine Mutter.
Nehmen wir ihr das Leben,
töten wir uns selbst.
COME WITH ME TO THE SACRED MOUNTAIN
Komm mit mir zum heiligen Berg.
Zum heiligen Berg.
Sei mit mir
an diesem Ort.
Bevor sich die Dunkelheit
herabsenkt.
Bevor es dunkelt.
Bevor.
Es dunkelte.
Alles war dunkel.
Wirst du jemals,
wirst du jemals
wiederkommen?
Wirst du jemals,
wirst du mir jemals
dorthin folgen?
FREE
Ich bin auf meinem Weg
zurück.
Ich ging los heimzufinden.
Ich segelte auf vielen Meeren.
Jetzt finde ich meinen Weg.
Ich versuchte,
den Regenbogen zu fangen.
Jetzt finde ich meinen Weg
zurück nach Hause.
Ich finde meinen Weg zurück.
Ich finde meinen Weg nach Hause.
Du wirst nicht wieder
über mich hinweggehen.
Nein.
Ich werde nicht wieder
unterwegs sein.
Ich segelte auf vielen Meeren.
Nun finde ich meinen Weg zurück.
Ich versuchte,
den Regenbogen zu fangen.
Ich finde meinen Weg heim.
Die trübseligen Internatsschulen
haben ihren Kollaps.
Ich bin auf meinem Weg zurück.
Der schwere, mächtige Gesetzeswust -
Aber ich finde nun
meinen Weg nach Hause.
"Ich will nicht, daß Coco zu mir kommt ... oder doch?" (Clemens)
"Wer von euch ist Clemens?" (Max(?) zu Elisa, Julia und Frieda)
"Entschuldigt bitte mein schlechtes Englisch!" - "Ach, du singst englisch?"
(Micha & Regina beim Auftritt von Hansi & The Hurricans)
Regina
"Wie soll ich dich denn küssen, wenn ich den Mund voll hab?" "Mit
den Augen." (Nathalie, Roland)
Roland
Das Loch
FATALIA
zitternd erwacht einsam hungriger zweifel zerfrißt nächtliche
beute zittternd erwacht einsam in meiner morgengrauenhaft nach der kein
hahn kräht zittternd erwacht einsam doch sturm zieht auf und wind
der keine antwort weiß zittternd erwacht einsam stoßen ins
gluthorn dämmriger asche herzfunken zittternd erwacht einsam und hör
nur die möwe schreit meine zweifel möwengesang zittternd erwacht
einsam hei weißer engel hei ich komm mit dir hei fatalia hei fatalia
hei mein herbstuntergang unterging untergeht und irgendetwas trinkt mich
und weißt du noch tou est vain alles vergeblich irgendetwas trinkt
mich irgendetwas kommt da kommt das sowieso na komm komm komm komm und
trink mich es kommt als feuer geht als asche es kommt als feuer geht als
asche fatalia fatalia fatalia fatalia es kommt als feuer geht als asche
im nacken hockt mein eigener sohn die brut frohlockt immer wartend hechelnd
weiht mich der dämon meinem ende ein und aus es kommt als feuer geht
als asche fatalia fatalia fatalia fatalia kommt als feuer geht als asche
TOHUWA
the black hole is no black sheep schwarzes loch frißt sich friß
doch schwarzes loch tohuwa frißt alle zeit und räume verbiegend
friß friß friß die zeit blutiges füllhorn ist längst
bereit und dir geweiht tohuwa lachende spalte alle farben beschleunigt
bin fetzen deiner allmacht und höhnenden vergnügens mein gähnender
schlund harret der empfängnis meine mauer länger als die chinas
harret dem großen stelldichdran jammerchöre hohegesang fauliger
demut memento mori enfant pardieu auf die knie tohuwa und dann vorbei und
besser vergessen ich brenn mir die seele frei davon und besser vergessen
tohuwa marschiert wie es marschiert richtet rastlos richtet richtig ach
nimm mich doch ein stück zu dir hinunter und alles was wahr war war
wahr wirr warr singsang klingklang fine ein witz für die chronisten
verronnen verkommen wird nie wieder kommen was war wenn es je war auslöschen
nullsetzen stillegen beilschaften gründen dem entsetzen entgegensetzen
fetzen wilder schreie denn wundenflicker ernten eiter im geschwür
ohne lösung im geschwür ohne heilung nabel mich ab in terror
und versessen abschied ist ein schneller gast friedrich ich hör dir
trapsen wer schreibt der bleibt da bleibt nicht viel doch tohuwa schafft
freiraum für vielleicht einen funken tohuwa und dann vorbei und besser
vergessen ich brenn mir die seele frei davon und besser vergessen tohuwa
marschiert wie es marschiert richtet rastlos richtet richtig und dann vorbei
und besser vergessen ich brenn mir die seele frei davon und besser besessen
tohuwa marschiert wie es marschiert richtet rastlos richtet richtig und
aus ruinen aufersteht ein funken
IN "MEMENTO MORI"
schlammenwandel es röchelt die zeit blutloser schwamm gierig stumpes
feuer wach wie's böse nebel für alle klägliche köster
IM FELDE DIE MÄNNER DIE SICHEL WETZEND AM HEILIGEN SCHREIN PEKUNIAS
seelige mätze und mätzchen frohn am tempo diener unser sprüche
schwer die glieder schwer die lieder feiert feiert faules obst geburt in
gräbern krakeel der knochen wieder niederkünfte im moder prophetische
armeen mit der alten platte und leidensleier leider wieder unter beifall
ihres staubes die würmer lallen im sielen fruchtwasser der oasen die
säure der maschine könnte sein wie einst "könnte sein wie
einst mit wurzelhaar und tiergesicht "(Villon) wird wohl nicht sein doch
auch bucklige können krieger sein hau mir in meinen stein die drei
magisch wörter ein ich weiß schon was dann kommt nun jetzt ich
weiß schon wie man's singt zuletzt ich weiß schon was da springt
und tanzt ich weiß schon wer da springt und tanzt EIN LETZTER MENSCH
UND WURM ein letzter narr der springt und tanzt mein letzter narr der springt
und tanzt HEI in"memento mori" in"memento mori" in"memento mori" in"memento
mori" knall auf fall auf tod auf heil auf sturz auf steh auf geh verzückung
auf kuss der götter abschied erteilen nicht mehr teilen goldenes schweigen
ja sag mal was weißt du überhaupt staubiger krieger spur tretend
spur lassend wundbrande kehle ja sag mal wer frißt denn hier wen
richtige richtung richtet rastlos hau in meinen stein drei magisch wörter
ein und letzter mensch sei willkommen mein letzter narr der singt und tanzt
die letzte laus die springt und tanzt HEI in"memento mori" in"memento mori"
in"memento mori" in"memento mori" klick auf klack auf urgesetzt auf aus
auch aus und zu den flammen auf pferden auf blitzen auf apokalypsen auf
pferden final auf pferden final auf pferden final auf und davon
INTERGEMEZZO
grey in grey was the day after you tell me we must die when laughing
suffocates until the long march to the funeral all my birds were burning
in the stinking graves but always look at the bride sight of knifes SHINY
SHINY BLACK SHEEP fear and fright are your first shapes grey in grey was
the day after but listen to the call the call of crow listen to the call
the call of crow
DISDÄMONIA - DER RUF DER KRÄHE
durch die taube welt durch die toten täler und verstreut wie die
vier winde die vier zeiten und hungrig kein zweifel verfluchter sog geliebte
HAST MICH WIEDER hast mich komm wir gehen los in die dämmerung wo
den hügeln deinen hügeln krähenköpfe wachsen deine
bestien der nacht am nistplatz der weisen vergiß was wahr war vergiß
was wahr war hör die trommel rühr die trommel DIE TROMMELN STÜRZEN
AB GELIEBTE GELIEBTE dämonia stehn am abgrund stehn am anschlag an
der grenze klippenufer mittelpol rand der scherben loch der träume
komm wir gehen los über abgrund über anschlag des verkauften
lieben landes die geliebte macht uns flügel goldene fetzen schaum
der nächte hör die trommel rühr die trommel die trommeln
heben ab GELIEBTE GELIEBTE DÄMONIA
HUKAHEY
mein zu mir gefallener engel mein zu mir gefallener engel bin da bin
da mein zu mir gefallenes engelsvieh bin da bin da jaja wär selbst
ein schwarzer engel wär selbst ein schwarzer engel UND ICH FLOG UND
ICH FLOG heb mich auf heb mich ab heb mich auf zu dir du fällst nach
oben und über mich her oh dich schicken ganz bestimmt die götter
ein racheengel so gleißend schön oh teuflisch flug verhexte
wonne ich weiß dein stamm wohnt in der hölle DA WIRD AUCH NUR
MIT FEUER GEKOCHT der schwarze traum der hinkt auch noch und ich flog und
ich flog und ich flog UND ICH FLOG AUCH ÜBER KUCKUCKSNESTER heute
ist ein guter tag zu ... heute ist ein guter tag HUKAHEY HUKAHEY HUKAHEY
HUKAHEY verlogene schönheit verlogenes glück verlockende falle
notwendiger strick ich brech dir flügel würgeengel nimmst du
mir meine erdanziehung ich kreuz dich wieder zwischen den lüften die
sucht kennt lieder zwischen den lüften NUR NIMM MIR NICHT MEINE ERDANZIEHUNG
NUR NIMM MIR NICHT MEINE ERDANZIEHUNG NIMM MIR NICHT MEINE ERDANZIEHUNG
NIMM MIR NICHT MEINE ERDANZIEHUNG heute ist ein guter tag zu ... heute
ist ein guter tag HUKAHEY HUKAHEY HUKAHEY HUKAHEY HUKAHEIHEIHEIHEIHEI
P.S. Fatalia stand auf dem Programm von LAPSUS
LIVE 1999. Eines der letzten Konzerte von Sandow fand im Frühjahr
'99 in der Dresdner Scheune statt. Kai-Uwe und seine Mannen nahmen mit
einem furiosen Gig und sichtlich bewegt Abschied von ihrer Dresdner Fangemeinde.
Ich sah sie dort zum ersten Mal live. Und ich hatte einige Mühe die
Göre aus 'Flüstern und Schreien' und den ziemlich energischen
Typ da vorn auf der Bühne zu einer Person zusammenzukriegen.
Ein bißchen Verzweiflung schimmerte wie immer bei Sandow auch
in diesem Konzert durch. Nicht umsonst zitieren sie auf ANSCHLAG Antonin
Artaud:
"ICH GLAUBE UM ALL DIESEN LEUTEN ETWAS BEGREIFLICH ZU MACHEN MÜSSTE
MAN SIE TÖTEN"
Von
1916 an stand ich vollkommen allein, für die Patrioten ein Schwein,
für die Revolutionäre ein rückständiger Bürgerlicher.
[...] Ich habe den Krieg so intensiv und bis zur Vernichtung erlebt, daß
ich seither über eines vollkommen und unerschütterlich im klaren
bin: daß ich, für meine Person, jede Änderung der Welt
durch Gewalt ablehne und nicht unterstütze, auch nicht die sozialistische,
auch nicht die scheinbar erwünschte und gerechte. Es werden immer
die falschen totgeschlagen, und auch wenn es die rechten wären: an
die bessernde und entsühnende Kraft des Totschlagens glaube ich nun
einmal nicht und sehe in der Zuspitzung der Parteikämpfe im Bürgerkrieg
zwar wohl die Kraft des Entschlusses, die moralische Spannung des "Entweder-Oder",
aber ich lehne die Gewalt ab. Die Welt ist krank an Ungerechtigkeit, ja.
Sie ist noch viel mehr krank aus Mangel an Liebe, an Menschentum, an Brudergefühl.
Das Brudergefühl, das dadurch genährt wird, daß man zu
Tausenden marschiert, ist mir sowohl in der militärischen wie in der
revolutionären Form nicht annehmbar.
Die Gewalt ist das Böse, und die Gewaltlosigkeit der einzige Weg für die, die wach geworden sind. Er wird nie der Weg aller sein und nie der Weg derer, die die Weltgeschichte machen möchten. Wenn man weiss, auf welcher Seite man steht, lebt man freier und ruhiger.
Kriege führen auch die Ameisen, Staaten haben auch die Bienen. Deine Seele sucht andere Wege, und wo sie zu kurz kommt, blüht dir kein Glück.
Besser ist es, Unrecht leiden als Unrecht tun. Falsch ist es, mit dem Mittel der Gewalt das erwünschte erreichen zu wollen. Eine neue und hellere Epoche der Weltgeschichte wird gewiss nicht von den Siegern der nächsten Kriege geschaffen werden, vermutlich aber von den Leidenden und auf Gewalt Verzichtenden.
Man lacht über die Militärdienstverweigerer! Nach meiner Meinung sind sie das allerwertvollste Symptom der Zeit, auch wenn der Einzelne sonderbare Gründe angibt für sein Tun. Jetzt aber ist man schon so weit, daß eine ernsthafte Motion im Gange ist, man solle denen, die aus sittlichen Gründen den Dienst verweigern, Gelegenheit schaffen, ihren Dienst in ziviler Arbeit abzulösen. Vielleicht wird das nicht durchgehen, heut noch nicht, aber kommen wird es absolut sicher, und vielleicht kommt dann auch eine Zeit, wo auf drei Soldaten zehn Zivildiensttuende kommen werden, wo man ganz natürlich das Kriegshandwerk, soweit es noch existiert, den geborenen Raufbolden und Sauhunden überläßt. Aber alles das wäre nie gekommen, wenn nicht zuerst eine Anzahl Menschen den Mut gehabt hätten, einem starken Gefühl zulieb gegen die Allgemeinheit zu protestieren und den Dienst zu verweigern.
Wir haben die Aufgabe, den übernationalen Gedanken, den Gedanken der Einheit der Menschheit und ihrer Kultur, fördern zu helfen, und haben jedem Nationalismus Widerstand zu leisten: dem dummstolzen Patriotismus und Größenwahn des Durchschnittsdeutschen, Durchschnittsamerikaners etc. wie umgekehrt den Ressentiments gegen ganze Nationen in unseren eigenen Herzen. Wir Geistigen haben, allen Dampfwalzen und Normierungen zum Trotz, das Differenzieren zu üben und nicht das Verallgemeinern.
Aus einer Dichtung kann jeder Leser sich holen, was ihm gemäß ist. Doch ist es ein Irrtum anzunehmen, ich habe da dem Leser gewisse Gedanken oder Lehren mitteilen wollen. Das würde bedeuten: der sogenannte "Sinn" oder gedankliche Inhalt der Erzählung sei mir das Wichtigste daran gewesen, die Erzählung selbst, ihre Gestalten, Farben usw. nur Mittel zum Zweck, nur Einkleidung. Das ist eine vollkommene Verkennung der künstlerischen Arbeit. Es verhält sich für den Künstler genau umgekehrt; das Sichtbare, Tastbare, Fühlbare ist ihm sehr viel wichtiger als alles Gedankliche.
Alle Dinge, die man gegen sein Gefühl und gegen sein inneres Wissen tut, anderen zuliebe, sind nicht gut, und müssen früher oder später teuer bezahlt werden.
[Und nun noch zum Begriff "Lapsoten":]
Wenn jene anscheinend so robusten und verflucht gesunden Geld- und
Maschinenmenschen glücklich noch eine Generation lang weiter vertrottelt
sind, dann werden sie vielleicht Ärzte, Lehrer, Künstler und
Magier halten und hoch bezahlen, welche sie wieder in die Geheimnisse des
Schönen und der Seele einführen.
[Ja, du sollst dich nicht nach einem vollkommenen Lapsus live sehnen,
sondern nach der Vervollkommnung deiner selbst. Die Gottheit ist in dir,
nicht in den Vorträgen und Theatern. Lapsus live wird gelebt, nicht
doziert... frei - nach Hesse.]
Roland
Nur ein Gedankenwinken
Wie ein verlorenes Küssen.
Wie auf Dauer? Wie, ich halt's nicht aus.
Wie geht das auf Dauer? Ich hab Angst.
Wird dein Blick rauher, wird's rauher.
Inzwischen. Dazwischen. Inzwischen.
Unmöglich, wo wir sind. Wo bin ich?
Ich schau auf deine Hand... Du!
Du, mein lebendiger Traum.
Was machst du? Was mach ich?
Inzwischen. Dazwischen. Inzwischen.
Der Tag ist dunkel gemacht.
Was hast du gedacht?
Zu laut, zu laut...
Rory Gallagher
Daß eine Hand in deiner Hand,
Eine Antwort auf dein Wort,
Ein Kuß, der in weichen Lippen versinkt
Eine neue Welt erschaffen kann.
Neues Leben, weite Himmel
Im Spiegel der Augen,
Und auf Gräbern wachsen Bäume.
Doch daß dir schon selbst
Die Träume fortlaufen,
Vergehen, wie der Rest deines Lebens.
Nichts, was du mehr halten kannst.
Durch kahle Äste weht der Wind...
Umfange uns Frühling, verwandle!
Umfange uns Liebe, wandle.
Scorpions
"ANGST VOR DER ANGST
...
Ich sehe, was um mich passiert, sehe Ozonloch und Kriege, Konsumrausch
und Rassenhaß und weiß, daß diese Gesellschaft die Ursachen
dafür garnicht aufdecken darf, weil sie sich sonst selbst das Wasser
abgräbt, und erkläre mir so das Gelabere der Politiker.
Und ich kriege Angst. [...Kriege Angst...]
Aber ich darf doch nicht so viel Angst haben, sonst geht meine Energie, mein strahlendes Schutzschild verloren und ich gehe dann kaputt.
...
Es könnte so viel dazwischen kommen, das mir mein Glück zerstört,
was ich nicht selbst in der Hand habe, das ich nicht beeinflussen kann,
vor dem mich nur meine "Strahlung" schützt.
Wieviel Angst verträgt der Mensch, wieviel ist gesund, wann frißt
sie ihn auf?" [von Hanka Rieschel in "ich" 4/93]
Roland, Nathalie
GRUNDFORMEN
DER ANGST
(Aus dem gleichnamigen Buch von Fritz Riemann)
1. Die Angst vor der Selbsthingabe, als Ich.Verlust und Abhängigkeit
erlebt - Die schizoide Persönlichkeit
2. Die Angst vor der Selbstwerdung, als Ungeborgenheit und Isolierung
erlebt - Die depressive Persönlichkeit
3. Die Angst vor der Wandlung, als Vergänglichkeit und Unfreiheit
erlebt - Die zwanghafte Persönlichkeit
4. Die Angst vor der Notwendigkeit, als Endgültigkeit und Unfreiheit
erlebt - Die hysterische Persönlichkeit
es geht uns gut
sagten die besitzenden
und sorgten
daß es so blieb
es geht uns nicht gut
sagten die besitzlosen
und konnten nicht sorgen
daß es nicht so blieb
ILLUSIONEN
Nr. 1: Den Krieg beginnen immer die anderen
Nr. 2: Der gute Krieg
Nr. 3: Bewaffnung schafft Frieden
Es gibt nichts gutes, außer man tut es.
Und plötzlich merken wir, daß wir nie Frieden hatten und die folgenden Gebote alltäglich in unseren Lieblingszeitschriften lesen:
"10 KRIEGSGEBOTE
1. Iß nicht mehr als nötig. Vermeide überflüssige
Zwischenmahlzeiten; Du wirst Dich dabei gesund erhalten.
2. Halte das Brot heilig und verwende jedes Stückchen Brot als
menschliche Nahrung. Trockene Brotreste geben eine wohlschmeckende und
nahrhafte Suppe.
3. Spare an Butter und Fetten; ersetze sie beim Bestreichen des Brotes
durch Sirup, Mus oder Marmelade. Einen großen Teil aller Fette bezogen
wir bisher vom Auslande.
4. Halte Dich an Milch und Käse. Genieße namentlich auch
Magermilch und Buttermilch.
5. Genieße viel Zucker in den Speisen, denn Zucker ist ein vorzügliches
Nahrungsmittel.
6. Koche Kartoffeln nur mit der Schale; dadurch sparst Du 20 von Hundert.
7. Mindere Deinen Bedarf an Bier und anderen alkoholischen Getränken;
dadurch vermehrst Du unseren Getreide- und Kartoffelvorrat, aus dem Bier
und Alkohol hergestellt werden.
8. Iß viel Gemüse und Obst und benutze jedes Stückchen
geeignetes Land zum Anbau von Gemüsen. Spare aber die Konserven, solange
frische Gemüse zu haben sind.
9. Sammle alle zur menschlichen Nahrung nicht geeigneten Küchenabfälle
als Viehfutter; achte aber streng darauf, daß nicht schädliche
Stoffe in die Abfälle hineingeraten.
10. Koche und heize mit Gas oder Koks; dadurch hilfst Du namentlich
ein wichtiges Düngemittel schaffen, denn bei der Gas- oder Koksbereitung
wird außer anderen wichtigen Nebenerzeugnissen auch das stickstoffhaltige
Ammoniak gewonnen.
Beachte bei allen diesen Geboten, daß Du für das Vaterland sparst. Deshalb muß auch derjenige diese Gebote beherzigen, dem seine Mittel erlauben, zur Zeit noch in der bisherigen Art weiterzuleben."
(Zu nervös, mich auf die Musik, die Impulse, die Gefühle, das Denken einzulassen, zu angespannt vom WasWieWoWann der nächsten Honigstulle, die nicht natürlich aber live!)
Oder sei so gut und spende Geld für die Flüchtlingshilfswerke, für die die NATO-Staaten gerademal ihre "Decken" über haben. Jeden Tag war etwa eine halbe Milliarde Mark (Steuergelder) über, um Jugoslawien per "Luftpost" zu verwüsten, nun darf auch der deutsche Volkskörper ganz freiwillig seine Fettzellen für die Lebensrettung der Ausgebombten, Vertriebenen, Flüchtlinge verheizen, völlig steuerfrei. Die christlichen Abendländer (na dann: Gut Nacht!) haben halt nix zu schenken - außer hochdosierte Feuerwerksartikel, den nötigen Druck zu machen - aber die EU tut, was sie halt kann, und denkt beispielsweise darüber nach, den jährlichen Zinsschuldendienst von 300 Mio Mark der beiden ärmsten Länder Europas: Mazedonien und Albanien zu ... stunden...Usw. Aber mir beschert das Lesen/Wissen um das, was tatsächlich so läuft, nicht was uns weisgemacht werden soll - auch wenn es sich ausschließlich um Sauereien auf allen Seiten handelt, Klarheit, Kraft versus die unbestimmte Angst vor dieser fatalen Machtausübung in "unserer" Gesellschaft. Hier die für mich beste Quelle:
Gegenstandpunkt, Politische
Vierteljahreszeitschrift, ISSN-Nr. 0941-5831, Jahresabo 100 Marx;
Postadresse: Gegenstandpunkt, Türkenstr.57, 80799 M
Das aktuelle Heft (2/99) ist "Die NATO-Mission" betitelt...
Ja, wer nun mal genau wissen will, in was für einem Lande sie eigentlich
so lebt, der findet noch oft genug in den normalen, gleichgeschalteten
Mao Zei Tungen was:
"VOLKSBEGEHREN FÜR MEHR DEMOKRATIE UNZULÄSSIG
Berlin. Das geplante Volksbegehren für mehr direkte Demokratie
ist unzulässig. Das Berliner Verfassungsgericht bestätigte die
Auffassung der Landesregierung, daß das Vorhaben nicht mit der Landesverfassung
in Einklang stehe. Der Verfassung zufolge sind Volksbegehren zur Verfassung
oder auch zum Haushalt nicht erlaubt." (Aus Ostseezeitung, 6/99, auch ne
Tsetung für mündige Bürger.)
In der gleichen lesen wir best informiertesten Menschen der Welt auch:
"GERICHTSHOF WEIST VÖLKERMORD-KLAGE AB
[...] Die Richter gaben mit deutlicher Mehrheit der Klage in allen
zehn Fällen nicht statt, in der der Nato Bruch internationalen Rechtes
und Völkermord vorgeworfen wurde. Die Richter kündigten aber
eine grundsätzliche Prüfung der völkerrechtlichen Legitimation
der Luftangriffe an. Zugleich äußerten sie ihre tiefe Besorgnis
über das Blutvergießen [...] Der Einsatz von Gewalt werfe ernste
Fragen auf [...] Die Fälle Spanien und USA will das Gericht von seiner
Liste nehmen, da diese Staaten die Zuständigkeit des Internationalen
Gerichtshofes prinzipiell nicht annehmen."
Na, wie diese "Prüfung" wohl ausfallen wird, da darf man 1x raten.
Und daß die UndWolltIhrNichtMeineUntertanenSeinSoBombIchEuchDieSchädelEin-USA
samt Anhang auf alle Prüfungsergebnisse scheißen wird, da kann
man gleich Gift drauf nehmen.
Aber wir mundenden Bürger bekommen ja sogar noch - unerwarteter
Weise - genau 1 Grund genannt für dieses Urteil: "Es gebe keine deutlichen
Hinweise auf einen Versuch zur Zerstörung Jugoslawiens." Zumindest
das ist doch ein deutlicher Hinweis, oder? Roland
"Mir zu Diensten, mir zur Zier - oder zur Hölle mit dir, ist das
Motto der übermütigen, zerstörerischen und letzlich selbstzerstörerischen
Herren aller Zeiten und Gesellschaftsformationen gewesen. Spätestens
seit Vester und Meadows wissen wir um die Konsequenzen seiner heutigen
Versionen.
Jene Tulpenfelder in Holland, um beim Beispiel zu bleiben, zeigen zu
genetischen Krüppeln gezüchtete Wesen, die nicht leben können,
und mit allen Mitteln am Sterben gehindert werden. Sie bilden Leichentücher
über unzähligen (sic!) Populationen autochthoner, und Dutzenden
allochthoner Lebewesen - zu keinem anderen Zweck als dem Kitzel übersättigter
oder abgestumpfter Sinne, besser zu deren Ausbeutung." (Hans-Peter Geißen
in
einem Leserbrief der Zeitschrift "Kommune")
"Kochen ist Gotteslästerung." (Roland aufm Sommercamp 98)
Usw. Usw.
Roland
Alles, was ich letztes Ostern gemacht habe,
war, ein paar Eier anzumalen.
Es war ein heiliger Auferstehungstag.
Keine Nägel mehr in heiligen Gebeinen.
Nur 1 wahres geweihtes Buch in deiner Hand.
Singsang in Latein, was niemand versteht.
Papierne Waffeln lutschend.
- Ach, stumpfsinniger Christ, das ist so großartig?
Ist das dein Grund für diesen Tag?
Hast du irgendwas kleines, gottgefälliges zu sagen?
Irgendwas über einen magischen, heiligen Tag des Feierns?
Du schaust gottgeweiht drein und humpelst auf deinen Knien daher.
Doch es sieht reichlich komisch aus, wenn du so rumläufst.
Papst Paul nimmt all dein Geld, deine Füße wieder zu Lehm
zu machen.
Tontaube...
Ein Mann des Friedens stirbt, und hunderte Kriege beginnen.
Du mordest immer weiter Menschen in seinem heiligen Namen.
Und ich dachte, er hatte gesagt, das sei eine Sünde.
Soldat, wo warst du?
Was ist dein Anlaß für diesen Tag?
Hast du irgendwas kleines, gottgefälliges zu sagen?
Irgendwas über einen magischen, heiligen Tag des Feierns?
Alles, was ich dieses Ostern tun werde,
ich werde Eiersuchen gehen.
Es war ein heiliger Auferstehungstag.
Keine Nägel mehr in heiligen Gebeinen.
Kein Verstand mehr in den Christen.
Jefferson Airplane, 1972
Bei der Angelobung zum Heer bei meinem ersten Freund war ich dabei. Da stand die Menge der neuen Soldaten: alle gleich, EINE Kriegsmaschine. Und dann nahmen sie zum Schwur alle ihre Helme und Mützen ab. Und auf einmal waren es nur noch verletzliche Menschen, alle verschieden, alle so jung, "Menschen gehen so leicht kaputt". Ich konnte nicht mehr. Mir sind die Tränen nur so runtergelaufen. Wie kann man die Männer verletzen? Wie kann man Männer, verletzlich wie sie sind, in die erste Reihe stellen, sie Kugeln und Granaten aussetzen; Eisen, Maschinen, Metall gegen eine weiche, warme, Geborgenheit und Verletzlichkeit ausstrahlende Männerbrust, in der ein Herz schlägt, das man fühlen kann, das lieben kann....Ich ertrag sowas nicht. Ich möchte das Verletzliche aus der Schußlinie nehmen. Männer in Uniform haben eine eigenartige Anziehung auf mich. Vielleicht, weil mir so bewußt ist, daß sie leben und leben bleiben sollen. Daß sie NOCH leben.
Es hat daher für mich etwas Berührendes, Dich in Deinen Militärklamotten
zu sehen. Du bist berührend schutzlos dadurch, bist Zielscheibe -
nicht nur im Krieg, ja auch in der Gesellschaft. In Soldatenuniform ist
man nicht sicherer, sondern preisgegeben.
[...]
Bei einer Militärparade hier konnte ich mich mal kaum zurückhalten,
hätte mich am liebsten vor die Panzer gesetzt. Dieses ZurSchauStellen
von Verletzlichkeit unserer Männer macht mich hilflos und wütend.
Oft werden mir diese Gefühle so übermächtig, daß ich
eben aggressiv zu schimpfen beginne, Ablehnung und Verachtung zeige. Eigentlich
ist es Berührtheit und Hilflosigkeit, was in mir vorgeht. Auch Verzweiflung
über das, was auf der Welt so vor sich geht......
[...]
Zielscheibe der Gewalt im Fadenkreuz: unsere Männer.
Ich liebe meinen Mann. Ich lege den Kopf an seine Brust,
Männerbrust, Zielscheibe der Gewalt, darauf zielen
sie.
Ich habe die toten Männer gesehen.
Die nackte Brust eines toten Soldaten.
Da wurde ich die Frau, die an dieser Brust gelegen hatte,
deren Hand diese Brust gestreichelt hatte und ich weinte
Er war Dein Mann, Du hast ihn geliebt. Es sind unsere
Männer,
die wir in den Krieg schicken.
Ich lege die Hand auf die Brust meines Mannes: diese uralte Geste der
Vertrautheit. Ich berühre das ganz Zarte an ihm, das ganz Weiche.
Fühle warm, wie er atmet, lebt, unter meinen Fingerspitzen das sachte
Klopfen seines Herzens. Und ich denke: Was bedeutet diese Geste? Meine
Hand sagt: ich bin bei Dir, bin Dir nah. Beruhigend, beschützend berühre
ich Deine Brust sanft. Ich will nicht verletzen.
Nathalie
Hallo, Traum der lichten Ferne.
Wirst mich mein Leben umwehn.
Wolltest du mit mir gehn,
Dann könnten wir wohl bleiben.
Hallo, ihr lachenden Augen!
Was sollten euch meine Tränen?
Find ich Boden unter den Füßen.
Steh ich sicher auf federndem Stamm,
Steh ich selbst auf rauhem Findling,
Steh ich mir zu, zu mir
Am Rande des Wassers,
Steh ich sicher in fremdem Geraune.
Ich lief' nicht fort,
Und ich ging' mit dir.
Ich lief' nicht fort,
Und ich ging' mit dir.
Edda Müvek
In der Dämmerung schwillt der Abgrund,
Will mich schlucken,
Bevor ich spring'.
Schon bevor ich mich
Ganz aufgegeben hatte,
Wollt ich nicht mehr leben
In Trümmern der alten Ruinen.
Die Sonne steht still.
Da irgendwo.
Ich weiß, irgendwo da ist sie.
Die Sonne steht still.
Ich weiß, sie gibt Leben,
Schenkt Wärme und Liebe.
Die Sonne steht still.
Da irgendwo.
Und darum muß ich gehen.
Deak 'Bill' Gyula
Sind wir so weit gekommen - ich glaub's nicht
Nach allem, was wir durchgemacht haben - ich glaub's nicht
Ich schau mich um hier - ich glaub's nicht
Und ich schau in mein eigenes süßes Herz - ich glaub's nicht
Oh, wie sie über uns reden
Wenn wir weit weg sind
Hinter ihren kühlen Augen
Wissen sie mehr als sie jemals sagen
Sie sagen Dir nur die Wahrheit,
Wenn sie betrunken genug werden
Es ist eine Stadt voll in die Enge getriebener Tiere
die Zähne gefletscht - außer Kontrolle
Oh, sind wir so weit gekommen - ich glaub' es nicht
Nach allem, was wir erlebt haben - ich glaub' es nicht
Ich schau mich hier um - ich glaub' es nicht
Ist es das, wohin wir gehen - ich glaub' es nicht
Und jede Nacht beiße ich meine Zähne zusammen und kann nicht
einschlafen
Ich kann die Stille nicht ertragen, die sich über die Oberfläche
der Welt spannt
Ich habe nie gelernt, den ersten Schlag zu tun
Vielleicht wird Deine Angst umso größer, je mehr Du weißt
Am Ende wolltest Du nichts mehr von Deiner Bestimmung wissen
Um einen Grund für all diesen Schmerz zu finden
Und wie sehr wünschte ich, ich wäre mit Dir gegangen
immer und immer wieder
Sind wir so weit gekommen - ich glaub's nicht
Nach allem, was wir durchgemacht haben - ich glaub's nicht
Ich schau mich um hier - ich glaub's nicht
Und ich schau in mein eigenes süßes Herz - ich glaub's nicht
New Model Army
Gegen 16 Uhr machte sich Frau Meyer, mit vielen Einkaufstüten bepackt
und einer neuen, topmodernen Frisur ausgestattet, auf den Weg nach Hause.
Sowohl die Einkäufe als auch der Friseurbesuch hatten sich gelohnt.
Für eine neue Stelle besaß Frau Meyer jetzt das passende Outfit
(vor allem der blaßlila Hosenanzug war geradezu perfekt), und mit
dem feschen Haarschnitt hatte sie auch das nötige Selbstbewußtsein
wiedergewonnen.
Sie war etwas später dran als gewöhnlich, aber Horst würde
sich sonst eventuell wegen der Einkaufstüten wundern. Die neue Frisur
würde er sowieso nicht bemerken: dafür hatte Horst nun mal einfach
keinen Blick!
Da Frau Meyer alle Hände voll hatte, drückte sie mit der
Nasenspitze auf die Klingel, damit ihr Horst öffnete. Die Tür
sprang auch prompt auf, doch mit namenlosem Entsetzen mußte Frau
Meyer feststellen, daß es nicht Horst war, der sie dort erwartete.
"Frau Klarsen? Was wollen Sie denn hier?!" stieß Frau Meyer fassungslos
hervor. "Ab heute Frau Meyer, wenn ich bitten darf. Und außerdem
ist es ja wohl an mir, Sie zu fragen, was Sie hier zu suchen haben! Wahrscheinlich
wollen Sie Ihren Krempel abholen, der hier noch überall rumliegt.
Oder bringen Sie etwa noch mehr davon?!" Höhnisch wies diese schreckliche
Person auf Frau Meyers Einkaufstaschen.
Frau Meyer fühlte, wie ihr schwindlig wurde, sie mußte sich
für einen Moment am Türpfosten festhalten. Was zum Teufel ging
hier vor?!
"Horst! Horst!" rief Frau Meyer verzweifelt und war schon wieder den
Tränen nahe. Horst war ihre letzte Rettung. Vielleicht hatte sich
diese Klarsen oder Meyer oder wie auch immer irgendwie unbemerkt Zutritt
in die Wohnung verschafft. Oh Gott, wenn sie nun Horst etwas angetan hatte?!
Doch da kam Horst schon herangeschlurft. Ach, wie oft hatte sie ihn darum
gebeten, er solle die Füße beim Laufen heben! Horst schien sich
allerdings gar nicht über die Anwesenheit dieses ominösen Frauenzimmers
zu wundern.
"Trudchen, warum bist du denn noch nicht ausgezogen? Ich hatte dir
doch den Brief vom Arbeitsamt auf den Küchentisch gelegt. Es fällt
mir ja auch nicht leicht, mich von Dir zu trennen, aber die 2 Jahre sind
nun mal um. Mach's dir doch nicht so schwer!" War Horst verrückt geworden?
Hatte er zu viele von seinen Blutdrucktabletten genommen? Er war ja dauernd
so schusselig! "Aber Horst, was für ein Brief denn?" "Warte, ich hole
ihn." Gleich darauf kam Horst tatsächlich mit einem Schreiben vom
Arbeitsamt wieder. "Entschuldige, er war zwischen die Sportseiten gerutscht..."
Typisch Horst! Er vermöhlte alles, was wichtig war.
Frau Meyer riß mit zitternden Fingern den Brief auf, wobei sie
von dieser furchtbaren Person Klarsen-Meyer mit unverschämter Schadenfreude
beobachtet wurde.
Es war ungeheuerlich, was Frau Meyer da lesen mußte:
Liebe Frau ...?
Ihre ABM-Stelle "Frau Meyer" läuft leider vorfristig am 25.4.99
aus.
Bitte melden Sie sich am Montag, den 26.4., in Zimmer 117 bei Frau
Schindler. Wir werden dort alles weitere mit Ihnen besprechen.
Mit freundlichen Grüßen
i.A. Petrowski
"Mein Gott Trudchen, du bist ja ganz weiß - komm', setz dich einen
Augenblick!" Horst schob Frau Meyer, die völlig apathisch alles mit
sich geschehen ließ, in Richtung Wohnzimmer.
"Aber nicht auf die gute Couchgarnitur", zeterte dieses schreckliche
Subjekt Klarsen-Meyer. Frau Meyer wurde also auf einen der schon etwas
wackligen Küchenstühle bugsiert. Mit glasigen Augen stierte sie
in die Luft. Doch dann durchzuckte es sie wie ein Blitz, und sie schrie
mit sich vor irrem Triumph überschlagender Stimme: "Diese Couchgarnitur
habe ich ausgesucht!"; dann jedoch sackte Frau Meyer wieder wie leblos
in sich zusammen.
"Horst, so geht das nicht", nörgelte die furchtbare Person. "Sie
muß hier endlich weg. Schließlich wollten wir es uns heute
abend so richtig gemütlich machen, um uns besser kennenzulernen."
"Ja, ja, da hast du Recht", stimmte Horst ihr, wenn auch noch etwas zögerlich,
zu. "Schließlich haben wir Chips und Wein gekauft." "Und dann kommt
auch gleich die bunte Sendung 'Heimatmelodien' - wir müssen sie irgendwie
loswerden!" nun wurde Horst energischer: "Ja, also die 'Heimatmelodien'
will ich auf gar keinen Fall verpassen. Die hab' ich mit Trudchen auch
immer gesehen. Weißt du was? Wir rufen ein Taxi und schicken sie
in die Pension 'Nach des Tages Mühen'." "Das ist mal eine gute Idee",
lobte ihn die Klarsen-Meyer und lief gleich zum Telefon.
Frau Meyer schien sich inzwischen etwas erholt zu haben. Mit großen
Augen schaute sie Horst an und fragte mehr sich selbst als ihn: "Was mach'
ich jetzt bloß?"
"Na, Kopf hoch Trudchen! Hier hast du deine Schecks - schau mal, fast
2000,- DM sind da noch drauf. Die hast du dir ja ehrlich verdient.Und jetzt
fährst du in diese nette Pension, schläfst dich so richtig aus
- vielleicht haben die ja sogar einen Fernseher im Zimmer, und du kannst
dir die 'Heimatmelodien' ansehen! Und morgen sieht die Welt schon ganz
anders aus!" In diesem Moment vermeldete diese vermaledeite Klarsen-Meyer,
die die ganze Zeit auf die Straße gelugt hatte, mit fröhlicher
Stimme: "Das Taxi ist da!" "Aber Horst, du kannst mich doch nicht einfach
so wegschicken, nach all den Jahren!" begehrte Frau Meyer ein letztes Mal
auf.
Doch ehe Horst antworten konnte, hatte sie diese schreckliche Person
schon vom Stuhl gezerrt und unsanft zur Tür befördert.
"Nach unten schaffen Sie's ja wohl alleine. Und holen Sie rechtzeitig
Ihren Krempel ab, schließlich brauch' ich den Platz für meine
Sachen!"
Traumwandlerisch verließ Frau Meyer das Haus, in dem sie eine
so lange Zeit gewohnt hatte.
"Na, junge Frau, nun kommen Sie mal. Ich hab' ja auch nicht ewig Zeit.
Zur Pension 'Nach des Tages Mühen' ist doch richtig oder? Ist ja nicht
gerade die nobelste Adresse", nahm sie übertrieben munter der Taxifahrer
in Empfang. Teilnahmslos ließ sich Frau Meyer auf den Rücksitz
fallen. "Na, Sie haben auch schon bessere Tage gesehen, was?" Doch Frau
Meyer beachtete ihn gar nicht und reichte ihm wortlos das Geld, als sie
am Ziel der Fahrt angekommen waren. "Ja, ja, die Wechseljahre", hörte
sie den Taxifahrer noch brubbeln. 'So ein Flegel', dachte Frau Meyer. Sie
schaute auf die schäbige Fassade der Pension und fühlte sich
hundeelend. Und als sie die völlig heruntergekommene, muffig riechende
Rezeption betrat, schwanden all ihre Hoffnungen dahin, sich heute abend
die "Heimatmelodien" ansehen zu können.
aufgeschrieben von Regina
(Fortsetzung in LOver 22)
immernoch renne ich
rot-grün herum
meine Augenäpfel
blutunterlaufen
ich regne ich wachse
ich regne ich wachse
meine Fingernägel
rostbraun
kratzen in der Erde
kratzen ab
vom ich zum du
vom Dur zum wir
vom wir zum ich
ichich wirr
ich gehe schwanger
mit einem gelben
Gehdicht
bist du nicht ganz dicht
bist du Dichter
ich stehe im Bombenhagel
pechschwarz
versehentlich betroffen
meine Nase tropft
weiße Zapfenkälte
unschuldig nachts
wenn die Feuer
Flammen werfen
ich halte den Stein
noch in der Hand
einen Steinwurf weiter
klammheimlich
grüne Spucke
auf dem rissigen Asphalt
Himbeersirup
es wird ein mörderisches
Theater geben
ich drehe mich im Kreis
ich drehe durch
ein tollwütiges Tier
das sich in den Schwanz beißt
aber ich habe keinen
aus mir vulvat Lava
eine wachsame Katze äugt
aus den rosa Spalten
den Lettern
ich gerate aus den Fugen
gerade noch zur
rechten Zeit
mein Herz schlägt
links lustig
rechts ordne ich mich ein
wer von rechts kommt
hat Vorfahrt
doch die Kreuzung
ist gesperrt
durch die Straßen
ziehen Patrouillen
es zieht
meine Pupillen verengen sich
zuschlitzen
ich weite meine Ohnmacht
um den grünen Stengel
platzen Knospen auf
stehen Spalier
im Feuchtdickicht der Träume
Raumvorteil für Bäume
Kettensägenmassaker warten
nur eine Schweigeminute
stelle ich das Radio ab
ich atme sterbend
Wut zu Kraft
ich atme Leben
Nina
#1: Welche Nazion füttert das Wappentier von Seite 2? [Bumsadler
alias Fette Henne]
#2: Womit?
#3: Und was heißt das?: Alaser mu Sassi. Dicufant cledensi Fraas.
Derra beli sdenkae Sefall én. Eindro Medarfi lumundiam mertela ut.
#4: Was ist das Ende von Frau Meyer?
#5: Was sind die meisten?
#6: Unter welcher Adresse findet man LAPSUS im Internet?
#7: Hast du Angst vor freier Zeit?
#Z: Warum gab es 91, 92, 93 kein LAPSUS-LIVE?
Achim ließ sich durch das Fehlen seiner Antworten im LOVER 20 (Heftausgabe) nicht abhalten, bei #6 wieder sein Glück zu versuchen:
zu #1: Die DOITSCHE. Hat aber Riesenappetit auf mehr.
zu #2: Leben. Zunehmend restlos. [Zunehmender Rest, hoff ich.]
zu #3: Aal aß er, Mus aß sie. Die Kuh fand Klee, den sie
fraß. Der Rabe ließ den Käse fallen. Ein Dromedar fiel
um und jammerte laut.
(Mußte mir dauernd Lachtränen abwischen...)
zu #4: Offen. (oder doch männlich?) [ähnlich]
zu #5: Die Mehrheit ist bescheuert und gewinnt die Wahl. [Aber Mißgalaxis
wird nur eine!]
zu #6: http://www.fortunecity.de/kraftwerk/klingklang/23 - aber nicht
weitersagen!! [pscht!!!]
zu #7: Nein. (Erinnnert mich wieder an den bekloppten Spruch von Breshnev
"Freizeit ist die Zeit, die frei ist von der Verantwortung gegenüber
der Gesellschaft.") [Falls sie fragt.]
zu #Z: Keiner hat Jemanden eingeladen - Und Niemand war gekommen. Und
der nannte das dann nicht LAPSUS, was ja auch berechtigt war. [Einer]
Für Lach-Tränen hat's heute nicht gereicht, aber es tat wieder gut und wohl, Deine Antworten zu erfahren. Preissturz nach Süden! Mit dem Verschusseln Deiner Antworten zu #5 das tut mir sehr leid, Achim, sie seien nachgereicht:
#1: Ro Li
#2: FdE
#3: Hansi & ?
#4: Dirk? Klassiker?
#5: Mari Boine
#6: Julia
#7: Frieda
#Z: S. 12, 19.
Nun weiter mit Antworten zu #6 von Werner Klopsteg & Co...
Dirk:
#1: Die Nazion der Vogelliebhaber. [Welchen Vogel hast Du?]
#2: Mit Vogelfutter - oder? [Schau nur nach, noch alles dran an Dir?]
#3: Weiß nicht. [Ohje, ohje... Erbspüree]
#4: Wer will, kriegt auch Arbeit! [Nun komm, was ist denn eigentlich
mit Dir los? "Arbeit", "Arbeit", "Arbeit"?]
#5: Man sollte doch erstmal das Gute im Menschen sehen! [Endoskop?
Skalpell? Fell über die Ohren? Magensonde? Finger in den Hals? Rhizinus?]
#6: Und wo finde ich das Internet? [Weiß nicht.]
#7: Nein, denn wer will, der kriegt auch Arbeit! [Bis denne!]
Z: Lassen wir uns nicht beirren und blicken in die Zukunft! [Na los,
ich meinte ja 2091, 2092, 2093!]
Vielen Dank, ich hör also mal wieder paar CDs durch, ne Maxi wird schon rausspringen...
Und Regina:
#1: Es ist jedenfalls eine ganz böse Nazion! [Und wenn ich die
zwischen die Finger kriege!]
#2: Mit Kruppstahl! [Prothesen?]
#3: Allah muß sehr nötig auf Toilette. (Allerdings fehlt
da ein G.) Die Kuh fand Klee, den sie fraß. Der Rabe ließ den
Käse fallen. Ein Dromeda fiel um und jammerte laut. [Gassi in Dubai,
wer war dabei?]
#4: Das wird erst zum Schluß verraten!
#5: Stöckchenwerfer bzw. Schwanzwedler. [Schlimme Kindheitserlebnisse
oder Gegenwartstraumata? Oder sind die meisten nicht etwa - - - Untertanen?!]
#6: Bei Hansi, Köpenicker Str. 213, 12683 Berlin - eine gute Adresse!
[und eine Lange]
#7: Dann kaufe dir ein neues Kleid. [Meinst Du, ich sollte, ich meine
... wirklich?]
Z: Das wußte ich ja gar nicht. Da ist man bloß mal kurz
im Ausland, und schon läuft nichts mehr! [Ich, Bloß, NIchTS]
Tja, werd' Dich über die Preisverteilung wieder mal einig mit #5!
Nun noch die (R)Einfälle von Ginger aus Indien:
1. Ist da jetzt der Halbaffe mit dem Buckel gemeint? [Der auch, genau!]
2. Na mit dem Wappentier! [Schön wär's!]
3. Jet ztwi rdse twa släng eric hkon tem ird asdi chtenich tve
rknei fen:
(Es handelt sich hier um alte isländische Sage in Versen / Minnesang
für tierliebe Brunhilden)
Es war, und dies könnt ihr mir glauben
eine Kuh, die auf der Wiese stand
etwas Essbares zu klauben
und auch bald etwas Klee dort fand.
So konnt' fressen ihn geschwind
und geben Milch so weiß
die Kuh für Käs' und Kind
mit großem Fleiß.
Den Käse nun ein Rabe find',
der will sogleich ihn speisen.
Doch müd' von seinen Flügen allen
die er tat auf langen Reisen
ließ er den Käse fallen
auf eines Dromedares Haupt
im Zoo von Reykjavik.
Dieses fiel um - des Gleichgewichts beraubt
und jammert' laut: Quiek, Quiek!
(Eig entlic hwar esjae insch wei nu ndke indro me dar.) [Hab ich gelacht!!]
4. -Eier mit Üpsilon oder nur -er (wie man 's auch dreht, es ist
immer wieder maskulin) [Es nun auch schon?]
5. Frau? Meyer???? [Letzteres...]
6. Unter der, die drüber steht. [Hab ich gelacht? Ja.]
7. Was ist das? Etwa die Stunde zwischen Sommer und Winter? [LAPSUS
live dauert doch wohl etwas länger...]
Z: Es ging schließlich straff auf die 2000 zu (wie unsereiner
auf die 40). [40 Kilo?] Da kann man schon mal Torschlusspanik bekommen
und von alten Gewohnheiten abrücken. [Kommt doch endlich mal alle
in Torschußkomik und nicht nur für ne halbe Stunde!]
Aber wir wissen es ja alle: Was gut ist, setzt sich durch.
So, ham wa se nu alle? Dann die Ärmel hoch und weiter gewühlt in dem abgründigen Triefen der menschlichen Seele:
#1: Lover.
#2: Das hätte ich ja nicht gedacht!
#3: RockRuf!
#4: Weiß nicht.
#5: Nein, das bleibt unter uns!
#6: Geil.
#7: For ever Yang!
Z: Echt? Die haben da wirklich...?
Die Fragen wie gewohnt an Ro Li B. Aber mehr werd ich auch nicht antworten! Denn schlimm genug ist folgender Hinterrücken gewesen:
1: Woher kommt Deine Vorliebe für Preisausschreiben?
Von links. Ich gebe linker Hand viel Geld für Unsinn aus. Ich
bin zwar dann das Geld los, was auch schön ist, habe dafür aber
wieder viel unnützen Schietkram am Hacken. Aber wie ich den loswerde,
verrate ich nun doch nicht weiter.
2: Wer bist Du und warum?
Einige Fragen unterwegs auf den Antworten. Weil ich das so will.
3: Was hast Du, was andere nicht haben?
Och, das wechselt mit jedem neuen Preisausschreiben.
4: Wieviele Dias hast Du zu Lapsus gezeigt und warum?
Zwei, wo ich vom Regenbogenschmetterling umgeben war. Die anderen waren
wie immer nur Beiwerk. Warum - weil ich während ganz LAPSUS live nicht
ein Mal die Zeit hatte, mir einen netten grünen Würger zu kochen,
aber das interessiert ja keinen! Mehr als mich. Jedenfalls hatte ich da
gleich die Idee für nächstes Jahr: Bei LAPSUS gehen nicht nur
die Uhren anders, sondern gleich der ganze Kalender! Ein LAPSUS-Monat wird
zwischen Mai und Juni eingeschoben! Wenn das mal reicht... Für alle
Dias... Und zwischen April und Mai! Und zwischen März und... Aber
das alles ist ja schon längst geschehen! Ich lebe und liebe und fühle
mich gut. In den lichten, freundlichen Tagen, den wunderbaren Nächten.
5: Wo liegt Dubai?
Momentan auf Platz 1. Meiner intimen Radio-Rumpeltron-Hitparade. Warum?
Wohl weil meine Eltern weiße Araber sind.
6: Was wollte Coco sagen und warum?
Warum, das weiß ich ganz genau: um Geld zu verdienen. Was, das
weiß ich überhaupt nicht. Vielleicht die Unzufriedenheit mit
ihrem Namen ausdrücken, sie würde doch viel lieber Coca heißen
und als lebender Werbeträger... wie wir... Oder wenn sie landläufig
mit dem Schwanz und wir läufig auf dem Land mit dem Stock? Sie fühlte
sich bestimmt nur belästigt vom Reporter mit seinem Stöckchen.
7: Wie spät war es am 22.5.99 um 8.00 Uhr MEZ und warum?
7 Uhr LAPSUSZ, weil meine Uhr richtig ging! Weil ich die Stunde Zeit
brauchte, pro Sekunde 37 Dias anzuschauen, auszuwählen, einzuordnen,
fallenzulassen, aufzuheben, anzuschauen...
Z: Vor welcher Frage hast Du Dich am meisten gefürchtet und warum?
"Was möchtest du?", weil ich lange nicht heim fand.
[Achso, falls es sich um Preise handelt, die ihr mal bei mir gewonnen
hattet... verzichte ich lieberst. So, nun laßt mich wieder über
wichtigere Dinge nachdenken, das Hauptproblem, die kulinarische Versorgung
der Lapsus-Konsumenten...]
Dirk, Regina
Als
Gira nach Mitternacht eine Saite riß, jagte er sein Publikum an die
Bar, damit es die unvermeidliche Pause sinnvoll nutze. Und dieses kurze
Abtauchen in die alltägliche Realität tat den meisten sichtlich
gut. Zu sehr hatte sie zuvor der apokalyptische Sanges-Ritt des Ex-Swans
beansprucht. Seine Stimme dominierte alles, kein instrumentaler Ton erreichte
deren packende Präsenz. Eben noch tiefdunkel bis höIIenschwarz
- Lou Reed trifft Leonard Cohen - flog sie plötzlich auf eine klare
Höhe ins Engelslicht. Nicht einmal das plumpe Ploppen von Bierflaschenverschlüssen
konnte sie dort herunterholen.
Der
Text enstammt einer Kolumne von Mary Schmich, die ihn für die Zeitung
"Chicago Tribune" verfaßt hat. Über das Internet ist Baz Luhrman
(bekannt aus den Filmen "Romeo & Julia" und "Strictly Ballroom") aufmerksam
geworden und hat den Text gemeinsam mit dem Schauspieler Lee Perry (von
ihm ist die Stimme) vertont. Die weibliche Stimme gehört Quindon Tarver.
Jeder hat die Wahl (Sonnenschutz zu tragen)
Meine Damen und Herren der Klasse von ’99
Tragen Sie Sonnenschutz
Wenn ich Ihnen einen Tip geben dürfte für die Zukunft, dann
wäre es Sonnenschutz
Die langfristigen Vorteile von Sonnenschutz sind von Wissenschaftlern
bewiesen worden
Der Rest meiner Ratschläge hingegen basiert auf meinen eigenen
Erfahrungen
Hier sind meine Ratschläge:
Genießen Sie die Kraft und Schönheit Ihrer Jugend
Oh, keine Sorge, Sie werden die Kraft und Schönheit Ihrer Jugend
erst dann verstehen,
wenn sie vergangen sind
Aber glauben Sie mir, in 20 Jahren werden Sie zurückschauen auf
Fotos
und sich in einer Weise sehen, die Ihnen jetzt unbegreiflich ist:
Wie viele Möglichkeiten liegen vor Ihnen und wie toll sehen Sie
aus!
Sie sind nicht so fett wie sie denken
Machen Sie sich keine Sorgen über die Zukunft
Wenn Sie es doch tun, bedenken Sie, daß es genauso wirkungsvoll
ist,
wie eine mathematische Gleichung durch Kaugummikauen zu lösen
Die wirklichen Schwierigkeiten in Ihrem Leben sind die,
die Ihnen niemals durch Ihren sorgenvollen Kopf gehen
Die Sie voll erwischen an einem ruhigen Dienstag
Singen sie
Gehen Sie nicht rücksichtslos um mit den Herzen anderer Leute
Geben Sie sich nicht ab mit den Leuten, die rücksichtlos mit Ihrem
umgehen
Benutzen Sie Zahnseide
Verschwenden Sie nicht Ihre Zeit mit Eifersucht
Manchmal sind Sie vorne, manchmal sind Sie hinten
Das Rennen ist lang, und am Ende machen Sie’s nur mit sich selbst aus
Behalten Sie Komplimente, die Sie bekommen
Vergessen Sie Beleidigungen
Wenn Sie das hinkriegen, Sagen Sie mir wie
Bewahren Sie Ihre alten Liebesbriefe auf
Werfen Sie Ihre alten Kontoauszüge weg
Dehnen Sie sich
Fühlen Sie sich nicht schuldig, wenn Sie nicht wissen,
was Sie mit Ihrem Leben anfangen sollen
Die interessantesten Leute, die ich kenne, wußten mit 22 auch
nicht,
was sie mit ihrem Leben anfangen sollten
Einige der interessantesten 40jährigen wissen es immer noch nicht
Nehmen Sie reichlich Kalzium
Gehen Sie behutsam mit Ihren Knien um
Sie werden Sie vermissen, wenn sie nicht mehr funktionieren
Vielleicht werden Sie heiraten, vielleicht nicht
Vielleicht werden Sie Kinder haben, vielleicht nicht
Vielleicht werden Sie sich scheiden lassen mit 40
Vielleicht werden Sie auf Ihrem 75sten Hochzeitstag noch den Ententanz
machen
Was immer Sie tun, beglückwünschen Sie sich nicht zu sehr
Und machen Sie sich auch nicht runter
Ihre Entscheidungen sind halbe Zufälle
Wie bei allen anderen auch
Haben Sie Spaß an Ihrem Körper
Benutzen Sie ihn, wann immer es geht
Haben Sie keine Angst vor ihm oder davor, was andere Leute über
ihn denken
Er ist das großartigste Instrument, das Sie jemals besitzen werden
Tanzen Sie
Selbst wenn Sie keinen anderen Platz dazu haben als Ihr Wohnzimmer
Lesen Sie die Vorschriften, auch wenn Sie sich nicht daran halten werden
Lesen Sie KEINE Schönheits-Magazine
Sie bringen Sie nur dazu, sich häßlich zu fühlen
Lernen Sie Ihre Eltern kennen
Sie wissen nie, wann Sie für immer gehen werden
Seien Sie nett zu Ihren Geschwistern
Sie sind die beste Verbindung zu Ihrer Vergangenheit
und sehr wahrscheinlich die Menschen, die auch in Zukunft zu Ihnen
halten werden
Verstehen Sie, daß Freunde kommen und gehen
Aber an den wenigen kostbaren sollten Sie festhalten
Arbeiten Sie hart daran, die Gräben in der Geographie des Lebensstils
zu überbrücken
Denn je älter Sie werden desto mehr brauchen Sie die Menschen,
die Sie kannten, als Sie jung waren
Leben Sie einmal in New York City, aber gehen Sie weg, bevor es Sie
zu hart macht
Leben Sie einmal in Nord-Kalifornien, aber gehen Sie weg, bevor es
Sie zu weich macht
Reisen Sie
Akzeptieren Sie bestimmte unverrückbare Wahrheiten
Die Preise werden steigen, Politiker werden wanken, auch Sie werden
älter
Und wenn Sie alt sind, werden Sie davon fantasieren,
wie vernünftig die Preise waren, wie standhaft die Politiker
und wie die Kinder ihre Eltern respektierten, als Sie noch jung waren
Respektieren Sie Ihre Eltern
Erwarten Sie von niemandem, daß er Sie unterstützt
Vielleicht haben Sie ein Treuhand-Vermögen, vielleicht einen reichen
Partner
Aber Sie wissen nie, wann das eine oder andere zuneige geht
Pfuschen Sie nicht mit Ihrem Haar
Oder es wird mit 40 so aussehen wie mit 85
Seien Sie vorsichtig mit denen, deren Rat Sie einkaufen
Aber seien Sie geduldig mit denen, die Ihnen einen Rat umsonst geben
Ein Rat ist eine Form von Nostalgie,
ihn zu geben ist wie die Vergangenheit aus dem Abfall zu angeln,
sie abzuputzen, die häßlichen Stellen zu übermalen
und sie wiederherzustellen,
mehr als es sich lohnt
Aber vertrauen Sie mir bei dem Sonnenschutz
Ich freue mich mit allen, die die vielen lustigen Gags, Anspielungen, Wortfindungen ergötzen. Ich wünsche Euch mit jedem Lover auch gute Lacher! So long meine Lieben! Roland
Und zum Schluß:
"Die herrschende Meinung ist immer die Meinung der Herrschenden." Lenin