OVER
Nr. 23
Es
ist doch notwendig und für mich auch hinreichend, daß uns was
trägt, was treibt, Fingsten der Art zusammen zu kommen, daß
wir das LAPSUS live nennen und als solches erleben, ohne daß ich
weiß, was genau das nun für jedeN einzelneN ist. Rare Musik,
ein gutes Gefühl, Liebe, Senf loswerden, mal tanzen... Hauptsache
es ist stark und groß und überhaupt. Selbst, wenn ein + alles,
ist die Gelassenheit beruhigend vielfarben. Und mit den Selbstdarstellungsgelüsten,
na klar auch meinen eigenen, wird im allgemeinen lustfreundlich umgegangen.
Ja, ich will was von Dir erfahren. Hugh. How.
Die
vermißte ich dann bei der Vorstellung von Rick Wakemans CD "Rückkehr
zum Mittelpunkt der RD". Auch wenn der Titel interessant klingen will.
So blieben Musik und Texte für mich aussagelos. Zwar bombastisch angelegt
und verheißungsvoll, aber eben an der Oberfläche, trotz meilenweitem
Abstieg. Und ich bin zu faul, hinter Sensationen tiefgründiges finden
zu wollen. Meistens ist da nicht viel. Eher was für Kinder? Jedenfalls
bietet sich - nach meinem Empfinden - als Verbesserung an, die Geschichte/den
Sprechertext vorab ohne Pause vorzutragen, mit den Bildern dann beim Abspielen
der CD direkten Bezug dazu zu nehmen. Das wäre dann runder, schöner.
Die ausgewählten Bilder paßten gut in den Fluß der Musik.
(Ich mache in Gedanken immer Hm?, wenn ich sehe, daß wer die gleichen
Bücher abfotografiert wie ich...) Vielleicht hätte von hier mehr
Tiefe reingebracht werden können. Die Übersetzungen der Musiktexte
holperten mir auch hier. Es war manchmal nicht recht zu fassen, was sie
bedeuten wollten. Ich hätte da wieder mal kräftig freiweg dazugedichtet.
Jaja, ich hör's schon: meine mangelnde Fantasie. Nichts für ungut...
Die Sache mit dem Laptop zu begleiten, finde ich lapsustop. Schade, damit
ich keine Sekretärin habe und keinen Lapsustopf. Was wird denn der
Mensch im Mittelpunkt der Erde finden? Saurier? Was wird denn der Mensch
am Anfang, am Ende der Welt finden? Was bringt er von seinem Ur-Laub aus
dem Wald in Afrika mit? Oder wolltest du das, Rick Wakeman, Fragestellerei?
Lieber
Roland,
Lieber
Roland,
Robert
Kurz' hat sich wohl einen ziemlichen 'kategorialen Bruch' gehoben mit seiner
Einrichtungsanleitung in einer Gesellschaft, die Arbeit nur als Quelle
von Profit gelten läßt und in der das Kapital immer weniger
produktive Leute benötigt. ("Selbstzweckhafte Verausgabung von 'Arbeitskraft'"
kann ich nur im Fitnisstudio feststellen, ansonsten ist der Zweck doch
sehr klar: Lebenszeit verkaufen, um leben zu können.)
"Dein Leben klingt den Menschen nicht in die Ohren: für sie lebst
du ein stummes Leben, und alle Feinheiten der Melodie, alle zarte Entschließung
im Folgen oder Vorangehen bleibt ihnen verborgen. Es ist wahr: du kommst
nicht auf breiter Straße mit Regimentsmusik daher - aber deshalb
haben diese Guten doch kein Recht zu sagen, es fehle deinem Lebenswandel
an Musik. Wer Ohren hat, der höre."
Friedrich Nietzsche
Eine kleine gerichtete Kraft trägt den Sieg über eine große,
blinde Kraft davon.
Simone Weil, 1941, aus "Seinen Ort finden"
Ach,
wüßte ich gern den Kontext um eure Fragerei... Und was ahnt
man?
Und hier die Ein- und Ausfälle:
Ginger:
Mit diesen Namen kann ich einfach nichts verbinden.. Sind das irgendwelche
Berühmtheiten? Muss ich die kennen? Während ich ja bei allen
anderen Rätseln alles auf Anhieb wusste, muss ich mich diesmal auf´s
Raten verlegen:
#1: Wie heißt Bibl mit Vornamen? [siehe 2. Buch Hansi, 12, 36]
#2: Was heißt Ingwer auf englisch?oder Wer bin ich? [Frag nicht
mich!]
#3: Welchen Namen gibt man am besten einer Königin? [Schon geschehen?]
#4: Was heißt Krid rückwärts gelesen? [Dirgis]
#5: Wer macht die Internetseiten zum Thema Lapsus? [4. Buch Joachim,
3,11]
#6: Wer hatte beim letzten L.L. eine Tüte über dem Kopf?
[Es war doch nicht das letzte!]
#7: Wie heißen der erste und letzte Teil des Namens eines berühmten
Zirkus mit dem Mittelteil ncal? [Im Mittelteil zu viel kcal.]
#Z: Was wird in Verkaufsstellen außer dem Verfallsdatum auf die
Waren geschrieben? [Und die Sondermülldeklaration nicht zu vergESSEN!]
Dirk:
#1: Wer kam sehr gut an?
#2: Wer kam noch sehr gut an?
#3: Wer kommt immer sehr gut an?
#4: Wer kam am allerbesten an?
#5: Wer kam nicht an?
#6: Hallo Du! Ich habe Dich gesehen - in der Talk-Show. Wie nur kann
ich Dich kennenlernen? Ich bin ganz außer mir! Wenn Du Interesse
hast, antworte mir bitte mit dem Kot-Wort "Brunhilde"! In der Süße
der Erwartung - Horst.
#7: Wer konnte überhaupt nicht ankommen?
Z: Und was kommt immer gut an? [Das werden wir jetzt erstmal sehen!]
Regina:
#1:
Was glaubt Gilbert 2, wer er wirklich ist? [Zu Glaubensfragen siehe auch
2. Buch Hansi, zu Wahrheitsfragen siehe Lover 1bis 23 ff.]
#2: Wer lachte über Radio Robotron am meisten? [Vorher oder nachher?]
#3: Wer noch? [Am meistesten.]
#4: Und wer gibt noch gern an? [Am meistestesten.]
#5: Wer glaubt immer noch, daß LL '99 in Neustrelitz stattfand?
#6: Welches Pseudonym benutzte Brunhilde in der Talk-Show, um von ihrem
Mann nicht erkannt zu werden? [Naja, da wurden wohl noch einige Pseudonyme
mehr benutzt, zumindest Sigrid habe ich gleich erkannt.]
#7: Was heißt Lo Li (chin.) auf deutsch?
Z: Was gebührt diesen ausgeklügelten Superfragen? [Und Fröhlichkeit!]
Achim:
#1: Mehrzahl von Hansa? [Nö, mehr zahlt der nich.]
#2: Vorname von Ale? [Schon Lange nicht mehr. Ahlsdorf.]
#3: Königin der Lateiner? [Des ... Lateiners...]
#4: LAPSUS-Doppelgänger?
#5: Micha rückwärts? [Und dann "Vorwärts immer..."]
#6: Ersatz für Schlagsahne? [Na Du bist ja ein ganz Süßer!]
#7: Chinesisch für Beatrice?
Z: Wer ist angeblich die mögliche Folge von Fleiß?
Einfach köstlich!
Also vielen Dank für die Klärung der wichtigsten Fragen!
Und auf ein neues:
Ro Li B., Spätfolge 19, 17121 ZarNektar!
|
Sie hat nicht genug für die Wünsche aller. |
Für die Lapsus CD 2000 finde ich den Titel "Only A Lapsus Song" am besten. Regina
Um die schwerfällige Diskussion
um die LAPSUS-CD wieder ein Stückchen voranzutreiben, hier mein Vorschlag
für den Titel des 18-Gramm-Silberlings: 20 Jahre LAPSUS - 20 Songs
Und Sounds (Lapsodie im Grün). Und meine 20 Wahl-Lalas sind (siehe
LOVER 22):
1. 19. Glass Torpedos: "Heart Surgery"
2. 6. Renft: "Weggefährten"
3. 4. Frank Zappa: "It Might Be a One-Shut-Deal"
4. 7. Roy Harper: "Referendum" oder Gehli: ?? (wer hat die Aufnahmen?)
5. 23. Pink Floyd: was kurzes von The Wall
6. 8. Can: "Thief"
7. 11. Deák 'Bill' Gyula: "Közép-Európai
Hobo Blues III."
8. 12. Ton Steine Scherben: "Jenseits von Eden"
9. 28. The Rolling Stones: "Paint it black"
10. 15. Tangerine Dream: "Beach Scene II"
11. 25. The Beatles: "She's leaving home"
12. 21. Quicksilver Messenger Service: "The Fool"
13. 5. Yes: was kurzes
14. 22. Fischer Z: "Cruise Missiles"
15. XX Handicap: ??
16. 14. Omega: "Gyöngyhaju Lány"
17. 27. The Doors: was kurzes
18. 26. The Who: "Love reign over me"
Summe < 70 min, hab' es noch nicht durchkalkuliert...
Entsprechend Platz: 2 x 1. Spotts (oder vorindizierte Spotts zu den
Songs)
Hidden Track, wenn unerwarteter Weise noch Luft sein sollte: 2. Live
Achim
Julia
"Kuckuck, Kuckuck ruft's aus dem
Wald, lasset uns singen
und trommeln..."
Frieda
"Aufhören. Unerhört. -
20 LAPSUS-Jahre"
Hatten wir ja alles nicht...
Von Pink Floyd "In The Flesh" oder von Quicksilver statt "The Fool"
"Hope", dafür von Floyd "One Of These Days". Von Beatles ist mein
Topteil "Only A Nothern Song". Yes "Starship Trooper"... nicht kurz genug.
Doors "My Wild Love".
Habe Mitschnitte von Handicap, CD von Gehli, MC von Gehli hatte ich
mal an Achim geschickt... Paar Spotts, 1000e Fotos aus dem Archiv für
Lover, Dias, Cover. Schreibe auch noch was, wie LAPSUS wirklich war, wie
gehabt.
Roland
Glaubst Du, daß die populäre Musik das Bewußtsein
der Menschen beeinflußt und ihre Einstellung im Laufe der Geschichte
geprägt hat?
Auf jeden Fall. Das steht für mich außer Frage, vor allem
wegen der Reaktionen, die ich immer noch bekomme. Erst neulich hat mir
ein Homöopath aus London den Brief einer 84jährigen Patientin
zugeschickt, in dem sie schreibt, daß mein Song "My Sweet Lord" ihr
ganzes Leben verändert hat, daß das stück bis zum heutigen
Tag einen großen Einfluß auf sie ausübt. Andere Fans sagen
mir heute noch mit Tränen in den Augen, wieviel ihnen die Musik der
Beatles bedeutet hat - und immer noch bedeutet. Das ist ja das Tolle an
Musik: Eine Hoagy Carmichael-Platte aus dem Jahr 1929 kann mich heute noch
beeinflussen. So etwas ist zeitlos. Musik beeinflußt dich auf jeden
Fall, sie kann dich glücklich oder traurig machen. Deshalb bin ich
mir sicher, daß all die fürchterliche Musik, die heute im Umlauf
ist, die Gesellschaft verändert - die Verbrechen werden schlimmer
und die Menschen werden zynischer. Dafür ist die Musik zwar nicht
direkt verantwortlich, aber es ist die Chemie, die durch endloses Fernsehen,
Musiksendungen und Werbung geschaffen wird - beschissene Musik, Filme über
Mord, und obendrein richtet Robert DeNiro auch noch überall auf zahllosen
Plakaten (für den Film "Ronin" - Anm. d. Red.) eine große Knarre
auf den Betrachter. Es ist genauso, wie mein Sohn Dhani sagt: "Wen kümmert's,
wenn irgendwo Bomben fallen?" Das ist die verbreitete Meinung auf dem Universitätscampus,
weil die Leute desensibilisiert sind. Vor ein paar Jahren habe ich etwas
einerseits Schreckliches und andererseits unglaublich Komisches in Los
Angeles im Fernsehen gesehen: Beim Wetterbericht wurde zu einem Moderator
am Strand weitergeschaltet. Der stand da, während man im Hintergrund
genau sehen konnte, wie schlimm die Luft verschmutzt war, und er plauderte
munter: "Ja, Leute, heute haben wir hier in Santa Monica wieder einen wunderschönen
Tag!" Ich hab' mich gefragt: Wovon redet der Mann? Das stinkt doch zum
Himmel! Das meine ich mit Desensibilisierung. Vielleicht leben die Leute
in ein paar hundert Jahren in Abwasserkanälen, in denen die Ratten
auf ihnen krabbeln und denken sich: "Ist das Leben nicht wunderbar?" Mahatma
Gandhi hat gesagt: "Schaffe und bewahre das Bild deiner Wahl." Anscheinend
sind Gier und Gemetzel die Bilder unserer Wahl.
Du
hast Dich in den letzten Jahren hauptsächlich auf Deine Familie konzentriert
und dabei zu Hause nur so aus Spaß ein bißchen Musik aufgenommen.
Ich habe zu viel Zeit im Garten verbracht (lacht leise). Mir erscheint
die Vorstellung, in einer Fernsehshow mit Jerry Stringer aufzutreten, oder
wie dieser Typ heißen mag, um über etwas zu reden, während
sich die anderen Gäste prügeln, ziemlich erbärmlich. Wer
so etwas verkaufen will, verkauft auch seine Seele. Deshalb bin auch überzeugt,
daß ich niemals zu der Seite des Business zurückkehren werde,
die sich in diese Richtung entwickelt hat. Ich habe volles Verständnis
für die Sängerin von ABBA, die in Talkshows dafür kritisiert
wird, daß sie heute zurückgezogen auf einer Insel lebt und keinerlei
Kontakte zur Musikindustrie pflegt. Neulich hat ein Typ im fernsehen über
sie gesagt: "Sie hatte einen tollen Arsch, jetzt ist sie selber ein Arsch!"
Diesen Kommentar fand ich unglaublich übel. Dabei lebt sie vermutlich
viel spiritueller, viel zufriedener und ist für ihre Familie und ihre
Freunde ein besserer Mensch.
Im Leben gibt es keine Grenze nach oben, man muß nur den Mut
haben, hoch genug zu klettern. Aber wer bis ganz unten hinabtauchen will,
wird feststellen, daß auch in dieser Richtung keinerlei Grenzen gesetzt
sind.
Genau, es gibt kein Ende, und es gibt keinen Anfang. Worum es wirklich
geht, ist das Jetzt, und gerade jetzt wird die Musik von Leuten bestimmt,
die im Grunde gar nichts damit zu tun haben - etwa von Sponsoren und Aufsichtsräten,
denen es lediglich darum geht, auf der Leiter des gesellschaftlichen Erfolges
ein Stückchen weiterzukommen. Folglich wird die Musik dann auch immer
schlechter. Nenn mir jemanden, der eine moralische Botschaft besser in
eine Melodie verpackt hat als Bob Dylan in seinem Song "Every Grain of
Sand":
"Don't have the inclination to look back on any mistakes / Like Cain
I now behold this chain of events that I must break / In the fury of the
moment I can see the master's hand / In every leaf that trembles ! In every
grain of sand / Oh the flowers of indulgence and the weeds of yesteryear
/ Like criminals they have choked the breath of conscience and good cheer
/... I gaze into the doorway of temptation's angry frame / And every time
I pass that way / I always hear my name / Then onward in my journey / I
come to understand / That every hair is numbered / Like every grain of
sand."
Wie reagiert George Harrison als Songwriter und auch als Mensch
auf diese schreckliche Ära, die Bob Dylan einst vorausgesagt hat?
Nun, ich denke, daß inzwischen jedem Menschen klar sein dürfte,
daß man uns in jeder Hinsicht einer Gehirnwäsche unterziehen
will. Also singe ich eben Stücke wie "Valentine", einen Rock'n'Roll-Song
über die Macht der Liebe, oder "Psces Fish" über den unendlichen
Fluß, der ganz in der Nähe meines Hauses verläuft, oder
ich singe (zitiert aus seinem Song "Brainwashed"): "God, God, God, won't
you lead us through this mess?!"
P.S.: Das Böse ist eine relative Größe. Das absolut
Böse gibt es nicht, denn es wäre absoluter Zerfall und somit
absolute Nichtexistenz. Doch dieser absolute Nullpunkt ist das absolut
geheimnisvolle Nichts, die sogenannte Leere, das absolute Potential von
allem, von wo aus das Inerscheinungtreten die Dynamik immer zur Grundlage
hat.
Dort kann sich in WAHRHEIT (großgeschrieben) immer nur die unendlich
unerschaffene Freiheit (nach Berdjajew) befinden als Voraussetzung für
den Beginn oder den Anfang des Guten, das immer nur gut ist, weil es nur
mit dem Guten auch immer ein Böses gibt, welches nur! relativ sein
kann.
Und auf dieser Erde ist erst durch den Menschen die Möglichkeit
gegeben, daß die unbedingte, voraussetzungslose Freiheit im Menschen
und nur durch den Menschen in einem Prozeß des Werdens sich seiner
selbst und sich der Mensch in der Freiheit seiner wahrhaft tiefsten Existenz
bewußt wird, daß die Freiheit im Menschen und der Mensch in
der Freiheit zu sich selbst kommen. Und diese bewegte, dynamische, Freiheit
ist letztlich absolut gut als WAHRHEIT überhaupt.
Und diese Freiheit ist das vollkommen Wesentliche (der Geist) und geht
der Materie voraus. Und nur diese Freiheit im Menschen und nur der Mensch
in dieser Freiheit ist zu der Liebe fähig, die einzig sinnvoll über
die Vernunft auf unsere diesseitig materielle Welt einwirken kann und kein
Böses mehr hat! So sehe ich das zur Zeit.
"Wie die Marxisten voraussahen, verschwindet das tragische Element im Leben, und es wird endgütlig verschwinden. Diese Abwesenheit des Tragischen wird vielleicht selbst tragisch sein. Innerhalb der Grenzen dieser Welt sind wir dazu verurteilt, uns Licht im Zusammenhang mit Dunkelheit und Gutes in Zusammenhang mit Bösem vorzustellen."
"Die neue Geistigkeit wird vor allem Erfahrung einer schöpferischen Aktivität und Inspiration sein. Sie wird Schluß machen mit der Symbolisierung, die mit der Erniedrigung und Bedrückung des Menschen zusammenhängt ..."
"Der Geist der Gesetzlichkeit ist immer eine Gefahr für das Geistige, er entstellt es, er paßt es im Prozess der sozialen Objektivierung der Alltäglichkeit an. Das geistige Leben besteht aber nicht darin, Regeln, Gesetze, Normen zu befolgen, dem 'Allgemeinen', dem überall Notwendigen, dem Normalen zu entsprechen. Das geistige Leben ist innerer Kampf, Erprobung der Freiheit, Zusammenstoß zweier entgegengesetzter Prinzipien, es setzt Widerspruch, Widerstand, Verneinung voraus; es enthält ein tragisches Element. Die neue Geistigkeit muß die Geistigkeit von jedem geistfremden Prinzip reinigen - von der Anpassung an das soziale Leben, vom normalen mittelmäßigen Bewußtsein ..."
"Paradies und Vollendung innerhalb der Grenzen unseres Äons wären unerträglich. Dostojewskij verstand dies sehr gut. Aber in diesem neuen Äon wird sich alles ändern, unsere Kategorien und unsere Unterscheidungen zwischen Gut und Böse werden auf ihn nicht anwendbar sein. Aber der neue Äon gehört nicht einfach zur jenseitigen Welt, zum Leben nach dem Tod, zu dem ganz Anderen. Er ist auch unsere erleuchtete und verklärte Welt, die schöpferisch frei geworden ist. Im übrigen können wir uns eine Menge Welten vorstellen, in die unsere eigene Welt eintritt und in denen die spirituelle Reise des Menschen weitergeht." - (N. Berdjajew)
(Mehr dazu bei den tiefblickenden Größen Wladimir Solowjew[1853-1900]:
Die Rechtfertigung des Guten, Eine Moralphilosophie; Nikolai Berdjajew
[1874-1948]: Wahrheit und Offenbarung.)
Dirk
"Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben" (Joh 14,6). Was meint
dies? Es bedeutet, daß die Natur der Wahrheit nicht intellektuell
und ausschließlich kognitiv ist, sondern daß sie integral von
der ganzen Persönlichkeit verstanden werden muß; es meint, daß
Wahrheit existentiell ist. Es bedeutet, daß Wahrheit den Menschen
nicht in einer gebrauchsfertigen Form übermittelt wird, so, als wäre
sie ein Artikel oder eine der Realitäten in einer Welt von Dingen,
es bedeutet, daß die Wahrheit auf dem Weg und im Leben ergriffen
wird. Wahrheit setzt Bewegung und Sehnsucht nach Unendlichkeit voraus;
sie ist dynamisch, nicht statisch. Wahrheit ist eine Fülle, die nicht
in ihrer vollendeten Vollständigkeit gewährt wird. Fanatismus
war immer das Ergebnis dessen, daß ein Teil für das Ganze genommen
wurde und die Menschen abgeneigt waren, eine Bewegung zur Vollständigkeit
hin zuzulassen.
Dies ist der Grund dafür, daß Jesus die Frage des Pilatus
"Was ist Wahrheit?" nicht beatwortete. Er selbst war die Wahrheit, aber
er war die WAHRHEIT, die im Laufe der ganzen Geschichte enträtselt
werden sollte. Wahrheit ist nicht sbereinstimmung in der Erkenntnis einer
Realität, die außerhalb des Menschen liegt. Die Erkenntnis der
Wahrheit ist nicht das Gleiche wie Objektivität; mit anderen Worten:
Sie ist keine Entfremdung und kein Prozeß der Abkühlung. Wahrheit
ist ursprünglich, nicht abgeleitet, das heißt, sie hat keine
Ähnlichkeit mit irgendetwas anderem. In ihrer äußersten
Tiefe ist die Wahrheit Gott, und Gott ist die Wahrheit, und diese Tatsache
wird durch dieses Buch ans Licht gebracht werden. Wahrheit ist keine Realität
und nichts, was einer Realität entspricht. Sie ist vielmehr der Sinn
der Wirklichkeit, ihr 'Logos', höchste Qualität und höchster
Wert der Realität.
Im Menschen muß ein spirituelles Erwachen zur Wahrheit stattfinden,
andernfalls wird die Wahrheit nicht oder in einem erstarrten und versteinerten
Stadium begriffen. Wahrheit kann über Gott zu Gericht sitzen, aber
nur weil Wahrheit wirklich Gott in seiner Reinheit und Majestät ist,
im Unterschied zu dem Gott, der durch die menschlichen Ideen über
ihn herabgesetzt und entstellt ist. Wahrheit ist nicht ein objektives 'datum'
(= Gegebenes) sondern ein Sieg, der durch einen kreativen Akt errungen
wird. Sie ist eine schöpferische Entdeckung, mehr als die reflektierte
Erkenntnis eines Objekts oder eines Wesens. Wahrheit sieht nicht einer
gebrauchsfertigen Realität außerhalb ihrer selbst ins Gesicht,
sie ist die schöpferische Verwandlung der Realität. Eine Welt,
die ausschließlich intellektuell ist, eine Welt rein intellektueller
Erkenntnis, ist ihrem Wesen nach abstrakt, sie ist in bemerkenswertem Maß
eine fiktive Welt. Wahrheit meint Veränderung, sie ist die Verklärung
der vorhandenen Realität.
Mein Leben
ist eine zwitschernde Schwalbe
die durch die Städte schwirrt
auf der Suche nach Sommer
Eintagsfliegen hinterher
Mein Leben
ist eine gepanzerte Schildkröte
die durch die Sümpfe kriecht
auf der Suche nach Ruhe
Schattenspielen hinterher
Mein Leben
ist buntscheckig
zwitschernd
gepanzert
hinterher
bin ich geflohen wie zuvor
Pina Sommergrün

Die
SkeptikerJaja. Was? Nein, ich weiß nicht, bin jetzt nicht ganz da.
Sonntagabend war auch Traumzeit. Helmut Lehnert war (oder ist, gibt's
das noch?) der Moderator einer der wenigen Radiosendungen, die man außerhalb
von DT 64 überhaupt hören konnte, ohne zu veröden. Er spielte
Musik, die ihm gefiel, die deshalb kaum mal woanders zu hören war
und dementsprechend gut, die Geschichten erzählte. Und meist webte
Helmut Lehnert dazwischen Fortsetzungen oder neues, Geschichten, um die
Musik oder die Musiker, um sich oder seine Träume, oder er spann welche
mit Anrufern zusammen.
Das alles mit einer Stimme, die direkt das Traumzentrum in Hirn, Mark
und Bauch ansprach. Man fühlte sich entführt auf die Traumfährte,
man fühlte sich mit anderen Menschen irgendwo in der Dunkelheit verbunden,
auf Trauminseln oder hineingezogen in das Meer der Radiowellen, die einen
manchmal emporhoben, manchmal "nur" sacht mit einem Gespinst berührten.
Hinter alldem war nie eine Idee zu spüren, deshalb war immer ein Gefühl
von Weite da, alles kam unvorhergesehen und man konnte deshalb gar nicht
anders, als sich dieser Magie hingeben.
So würde ich auch Radio machen (wollen).
Roland
| Do What I Say
Don't do this don't do that
I don't want you to lie
When I grow up there will be a day
I've paid to raise you good
You don't know anything
When I grow up there will be a day
Don't ask me why not
When I grow up there will be a day
|
Mach was ich sag'
Mach nicht dies, mach nicht das
Ich will nicht, daß du lügst
Wenn ich groß bin, wird's einen Tag geben
Ich habe gezahlt, um dich groß zu ziehen
Du weißt nichts
Wenn ich groß bin, wird's einen Tag geben
Frag mich nicht, warum nicht
Wenn ich groß bin, wird's einen Tag geben
|

Knochen, heiße Augen blind zu sehen.
Vibrierende Haut taub zu fühlen.
Gehetzte Gedanken flach zu spüren.
Gepreßter Mund trocken zu küssen.
Rinnender Schweiß brennend zu streicheln.
Schwarzer Locken inniger Liebe
Heißer Tage Sonnenluft
Grauer Schimmer Traurigkeit
Über schwindendem Lächeln
Tod tief drinnen
Kein Zurück
Lila ist schön!
Weiß ist grün!
Es muß was passieren!
Ey!
Laß uns tanzen
Mit zuen Augen!
Liebe die kurze lange Nacht,
Sonne hat mich um den Schlaf gebracht.
Bleibe allein und denke an dich.
Zeit, die stirbt, denkt nur an sich.
Ich rausch den Sternen nach,
und du wirst wach.
Offenbart sich dann das Leben,
würd' ich dir meine Hände geben?
Daß mit dem Blühen der Linden
der Sommer erst beginnt
und nicht im Traum zu finden
durch meine Zimmer rinnt.
Still, geschlossen unsere Augen,
dann will ich die Bilder sehen,
dieses Lieben will ich schauen!
und nicht die Dinge,
die zwischen uns stehen.
Die meisten von euch werden sich nur selten mit Personalcomputern, Monitoren, Keyboards, Scannern, anderer Hard- und Software beschäftigen. Das Computerenglisch schreckt viele ab, man versteht sowieso nur 'station' (Bahnhof). Aber es geht auch ganz ohne Englisch! Den meisten von uns ist klar, dass das englische Wort Computer vom Verb compute (rechnen, schätzen) kommt, dass ein Computer also ein Rechner oder Schätzer ist. Dieser Artikel soll all jenen helfen, die vielleicht gerade erst anfangen, sich mit diesem komplexen Thema etwas näher zu befassen, die nicht mit einem Spielbuben aufgewachsen sind und die nicht schon von Kind auf all diese verwirrenden Begriffe wie eine Muttersprache auf natürlichem Wege erlernen konnten! Die Autoren haben versucht, all jene Begriffe, die man im Umgang mit dem Computer benötigt, in die deutsche Muttersprache zu transferieren ... d.h. umzusetzen...
Frau ? erwachte am nächsten Morgen völlig zerschlagen in dem
wackligen, bei jeder Bewegung abscheulich quietschenden Bett der Pension
"Nach des Tages Mühen".
Durch die vergilbten Gardinenfetzen blinzelte bereits die Sonne ins
Zimmer. Frau ? erschrak: 'Oh Gott, ich habe verschlafen! Ich muß
doch längst im Büro sein!' Aber dann erinnerte sie sich daran,
daß weder im Büro noch sonstwo irgendjemand auf sie wartete,
und ihr wurde hundeelend zumute. Doch immerhin hatte sie heute den Termin
beim Arbeitsamt. Dort würde sie endlich erfahren, wer sie vor ihrem
Leben mit Horst gewesen war. Mein Gott, vielleicht war sie ja in Wirklichkeit
eine berühmte Schriftstellerin, die diese ABM "Frau Meyer" nur angenommen
hatte, um dabei Recherchen für ein neues Buch anzustellen? Oder sie
stammte aus schrecklich reichen Kreisen und wollte sich einmal - des Müßiggangs
überdrüssig geworden - ihren Unterhalt auf ehrliche Weise erarbeiten?
Wer auch immer sie gewesen sein mochte, Frau ? war sich jetzt sicher,
daß es irgendetwas Besonderes war. Sie stand voller Elan auf und
blickte selbstbewußt in den angeschlagenen Spiegel über dem
kleinen, schmuddeligen Waschbecken. Nein, so sah keine x-beliebige Frau
von der Straße aus! Diese interessanten Fältchen um den Mund
herum und diese Augen: blau und unergründlich wie der Ozean! Und dazu
diese weißen, zarten Hände, von kleinen blauen Äderchen
durchzogen - wie der reinste Marmor! Ob sie gar irgendeinem adligen Hause
angehörte?
Frau ? machte sich, so gut es unter diesen mißlichen Umständen
eben ging, zurecht und begab sich stolz erhobenen Hauptes in den Speisesaal
der Pension.
Ein äußerst schmieriger Mensch stellte wortlos, aber mit
großem Geschepper ein Tablett auf ihrem Tisch ab und verschwand gleich
darauf wieder. Frau ? warf einen angewiderten Blick auf das, was ihr Frühstück
darstellen sollte: Die Tasse mit der dünnen, bräunlichen Brühe,
welche die Bezeichnung Kaffee nicht verdiente, war bereits zur Hälfte
geleert, denn der fehlende Inhalt hatte sich auf den Teller ergossen, auf
dem zwei gummiähnliche Semmeln schwammen. Die Butter entpuppte sich
als ranzige Margarine, die Marmelade war von einem weißlichen Pelz
überzogen, das Ei erwies sich beim Aufschlagen als fast roh und strömte
einen fauligen Geruch aus. Frau ? wurde übel. Sie wollte sich gerade
lauthals beschweren, da betraten weitere Gäste das Speisezimmer. Da
Frau ? mit dem Rücken zur Tür saß, konnte sie zunächst
nur die Stimmen der Neuankömmlinge vernehmen: ein weibliches, aufdringliches
Kreischen und ein männliches Grunzen. Kein Zweifel, es mußte
sich um ihre nächtlichen Zimmernachbarn handeln. Frau ? drehte
sich um, und beinahe wäre ihr dabei das Messer, das sie noch unentschlossen
in der Hand hielt, zu Boden gefallen.
Der grunzende, geile Bock von gestern Nacht war niemand anders als
ihr ehemaliger Chef aus dem Büro! Deshalb hatte der immer so schlecht
ausgesehen, wenn er sich mal auf der Arbeit blicken ließ. Auch der
Chef erkannte seine entlassene Sekretärin und lief, peinlich berührt,
rot an. Ungelenk kam er auf Frau ?-s Tisch zu, das plötzlich verstummte
Frauenzimmer folgte ihm nur zögerlich und sichtlich genervt.
"Frau
Meyer?! Was machen sie denn hier? Darf ich vorstellen: Meine Nichte Sieglinde
Hüpenbecker - Frau Meyer, meine ehemalige Mitarbeiterin." "Guten Tag,
Chef - im übrigen ab heute nicht mehr Frau Meyer!" "Ach ja, Entschuldigung,
und wie heißen sie jetzt ..., ich meine, wie ist ihr richtiger Name?"
"Ja, also, ich bin ..., auf jeden Fall werden sie noch von mir hören,
Chef! Jetzt muß ich aber los, wichtige Termine - sie verstehen!"
Und Frau ? steuerte, nachdem sie sich von ihrem Ex-Chef und dessen angeblicher
"Nichte" - welch lächerlicher Einfall! - verabschiedet hatte, siegessicher
dem Ausgang zu.
Verängstigt nahm der Chef mit seiner Bettgenossin am Frühstückstisch
Platz.
"Wat is denn man bloß los, Karl-Otto? Dir is ja vor Schreck die
Kauleiste uffjeklappt! Schanierst du dir vor so 'ner billigen Angestellten?!"
"Oh Gott, Sieglindchen, vielleicht war die von der Presse bei uns eingeschleust,
dieser ganze Arbeitseifer kam mir gleich so verdächtig vor.
Wenn die jetzt vom Leder zieht! Hoffentlich hat die uns nicht heimlich
geknipst! Die Firma gehört doch meiner Frau!"
"Nu mach dir mal nich ins Hemde, die gibt doch bloß an! Komm
schon, 'eß 'ne Semmel, denn jeht et dich besser!" Doch der Appetit
war dem Chef gründlich vergangen.
Zwei Stunden später saß Frau ? im Flur des Arbeitsamtes.
Zwei ältere Frauen warteten mit ihr und unterhielten sich über
die gestrige Ausstrahlung der "Heimatmelodien". Die hatte Frau ? in der
ganzen Aufregung fast vergessen, doch nun mußte sie es wissen: "Entschuldigen
sie, wer hat denn den 1. Preis in der Kategorie 'Volkstümliches Gesangsduo'
gewonnen?" "Ich glaube, das waren Gilbert und Gilbert mit 'Du hast nichts
gesagt', dabei ist das doch der reinste Schlager! Die tragen ja nicht mal
Lederhosen!"
Frau ? wollte ihre ausgemachten Lieblinge gerade energisch verteidigen,
als ihre Nummer auf der elektronischen Anzeige erschien. So zischte sie
der Schmäherin nur zu: "Sie haben doch keine Ahnung!" und begab sich
unverzüglich in das Zimmer 117 zu Frau Schindler. "Ach ja, Frau ...?,
setzen sie sich doch!" wurde Frau ? begrüßt. "Tja, ihre ABM-Stelle
ist ja nun ausgelaufen. Sie werden verstehen, daß wir jüngeren
Leuten auch eine Chance geben wollen."
"Ja, natürlich. Obwohl man mich schon etwas langfristiger auf
diesen Wechsel hätte vorbereiten können. Andererseits ist so
eine schäbige Bürostelle auf die Dauer etwas lästig." "Na,
na, da würde sich so manche die Finger danach lecken, zumal sie ja
bei Herrn Meyer in guten Händen waren!" "Ach ja, der Horst ... Es
mag ja ein ganz netter Kerl sein, aber wenn ich es recht bedenke, so fehlte
ihm doch jegliche Klasse." "Wenn sie meinen. ich glaube allerdings, daß
wir so auf die Schnelle nichts Vergleichbares für sie finden werden.
Na, fragen wir mal den Computer. Wie war noch gleich der Name?"
"Meyer, Trude." "Nein, nein, ich meine jetzt ihren richtigen Namen."
"Ja, wissen sie, man hat ja heutzutage so viel im Kopf ... Ehrlich gesagt,
ich weiß es nicht mehr."
"Wie bitte?! -
Na, er muß ja unter ihrer Stamm-Nr. eingegeben sein." Doch so
sehr Frau Schindler auch die Tasten bemühte, der ursprüngliche
Name von Frau Meyer war durch irgendeinen Fehler nicht auffindbar.
Fortsetzung folgt
Nach zehn Jahren ist der musikalische Underground der DDR wirkungslos
verpufft, Ihr seid die Letzten.
Natürlich sind Feeling B die einzigen, die das Banner hochhalten.
Du kannst uns fragen, wie war es vor der Sintflut, während der Sintflut
und nach ihr. Und wir sagen, vor und während war's gut, und nach der
Sintflut ist alles besser geworden. Nach der Wende gibt's die Sintflut,
und die einzigen, die überleben, sind die Ostler. Die sind jetzt alle
ein bißchen in den Underground gegangen, sie ertragen den normalen
Westen nicht. Der Westen ist nur zu ertragen, wenn du ihn vollkommen im
Griff hast.
Wie greift man den Westen?
Indem du ihnen alle Möglichkeiten zeigst, die sie hier verspielen,
dieses ganze Kunstgewerbe, die Superstarversuche, in den Schatten stellst.
Der ganze Kreis von Bands, die den Rand der Legalität besetzten,
ist bis auf euch und Freygang verschwunden.
Die Skeptiker gibt's noch.
Die waren FDJ-Förderband.
Das ist für mich die einzige Ost-Undergroundband, die überlebt
hat. Wir waren nie Underground, wir sind offiziell eingestiegen. Wir haben
sofort Einstufung gemacht, Sonderstufe, die höchste Einstufung.
Wer
hat da gedreht?
Nischt gedreht. Alexander Krienig, der jetzt als Fakir durch die Gegend
rennt, trommelte so phantastisch, die konnten gar nicht anders. Einen Tag
später hab' ich einen riesigen Bus gekauft, das war nur den Profibands
vorbehalten, ich aber hatte Geld. Innerhalb von fünf Minuten hatten
wir Bus, PA und einen Techniker. Das war der Anfang von Feeling B.
Da sind alle ins Essen gefallen. Drei Monate vorher sind wir noch mit
Bands umhergefahren, haben drei Lieder gespielt und sind besoffen von der
Bühne gefallen. Wir sind ohne Geld losgefahren, haben Ohrringe gemacht
während der Zugfahrt, dann haben wir ein Taxi genommen, sind zum Konzert
gefahren, haben ein bißchen Ohrringe verkauft, dann haben wir zum
Schluß die Band in die Bar eingeladen. Und alles mit drei Liedern.
Wir haben Geld verdient wie Heu. Für die anderen waren wir immer bekloppte
Chaoten, musikalische Idioten. So'ne typische Ostband, den Namen weiß
ich nicht mehr, mit diesem Lukas Langhoff, der jetzt Theater machen will,
als Beleuchter, hat Paul vorher immer auf die Schulter geklopft, "Du schaffst
das schon", dann haben sie überlegt, welche Hosen sie sich anziehen.
Die konnten sich nicht vorstellen, wie das ging und haben sich aus Frust
aufgelöst, obwohl sie 'n Hit hatten.
So ist Feeling B gestartet. Wir flogen durch die Gegend, wie es sich
für eine Band gehört.
Wir sind keine Underground-Band. Man denkt immer, wie schwer das war.
Die Schere dabei aber ist im Kopf. Das ist hier verboten, das ist da verboten,
wie kann man denn so einen Text machen. Aber eigentlich konntest du machen,
was du wolltest. Jede Tür, die wir geöffnet haben, blieb offen.
Wir sind zu Amiga [die DDR-Plattenfirma] gekommen und haben als erste Band
dieser Szenerie eine LP gemacht. Wir haben "Flüstern und Schreien"
[DEFA-Film] mit Tontechnik ausgerüstet. Paul hat den Film geschnitten,
ich die Public Relations übernommen, weil der Public-Relation-Direktor
der DEFA ein Kranker war, der hatte drei Herzinfarkte und durfte nicht
aufgeregt werden, das waren Kommunisten bei der DEFA.
Alle erinnern sich laut nur daran, daß sie verboten waren?
Wir haben immer versucht, keinen Krampf zu machen. Mir war es immer
peinlich, wenn Tatjana von der Firma [DDR-Punkband] mir von politischen
Aktionen erzählte, ich wollte keine politischen Aktionen machen, ich
wußte immer, das ist alles Blödsinn. Alle, die in dieser Richtung
gearbeitet haben, sind bekloppt, damit wollte ich nichts zu tun haben.
Die meisten der mutigen Kämpfer, stellte sich dann heraus, waren bei
der Staatssicherheit. Mir waren die Kämpfer immer peinlich. Die Fans
haben gesagt, ihr seid doch nicht so rot wie die Firma. Das war kein Lob.
Rot hieß positiver Kampf, dioe Fans fanden die Idee des Sozialismus
zumindest attraktiver als die Idee des Kapitalismus. Die Idee des Kapitalismus
heißt ja nur Geld. Klar konnten die nicht in den Westen fahren
und wurden politisch kurz gehalten, das Makabere aber ist, jedes Wort,
das ihnen über den Kapitalismus gesagt wurde, stimmt nicht nur, die
Propaganda war untertrieben. Der Kapitalismus ist so ein bescheuertes,
betrügerisches System. Millionen Idioten arbeiten für die, die
nischt machen, dreihundertzwanzig Milliardäre, die auf Zinsen schlafen.
Und das Geld wird dafür eingesetzt, noch beklopptere Menschen zu züchten,
die Produktion und den Geschmack noch billiger zu machen. Hunderte Millionen
Menschen werden in den letzten Schwachsinn 'reingeschossen.
Du warst einer der wenigen, der das kannte.
Ich bin zwei Jahre durch die Welt getrampt und wußte: Das ist
die Welt. Ich wollte Kontakte zur Westberliner Musikszene aufbauen, das
ging nicht. Alles überdrehte Leute, die wollten irgendwie Faxen machen,
die wußten überhaupt nicht, was sie taten. Versuchten mit dämlichem
Schwachsinn aufzufallen, mit besonderen Frisuren, irgendwelchen Stylings,
es war nicht auszuhalten. Irgendwann bin ich nur noch zu finanziellen Transaktionen
in den Westen gegangen, wenn ich Geräte kaufen mußte. Ich wollte
mich nicht in Kreuzberger Kneipen aufhalten, unter diesen kleinen Idioten,
diese ganzen sogenannten Alternativen, langweilig, bekloppt und haben nischt
auf Tasche.
Im Osten waren die Leute wenigstens natürlich, im Westen waren
sie zu aller Blödheit auch noch unnatürlich. Hat man schon seinen
Geist versaut, sollte man wenigstens natürlich bleiben und nicht versuchen,
Geld zu verdienen, als einziges Ziel im Leben, seine Existenz abzusichern.
Das sind die Primitiven, mit denen wollte ich nichts zu tun haben.
Ihr habt nie in Kirchen gespielt.
Feeling B war nie verboten, das hat mich immer gewundert. Wir hatten
Vorbereitungen getroffen, uns zu evakuieren, nach Polen. Der Westen war
zu unangenehm. Nach Polen mit 'nem Schweizer Paß, das ging.
Die meisten Punkbands, die heute kein Schwein mehr kennt, haben
fast nur in Kirchen gespielt und verstanden sich als Systemopfer im Widerstand.
Das Problem ist, daß du die Welt so interpretierst, wie du bist.
Wenn du paranoid bist, dich unterdrückt fühlst, dann bist du
unterdrückt. Gerechterweise muß ich sagen, daß mein Vater
im Zentralkomitee [der SED] war und ich hatte 'nen Schweizer Paß,
eine geniale Situation. Die Stasi hat mich drei Monate wegen staatsfeindlicher
Hetze eingesperrt, weil ich nicht mit ihnen redete. Ich habe ihnen gesagt,
sie brächten alles durcheinander. Mein Vater leitete aber die ganze
Wissenschaftsspionage und war im nationalen Forschungsrat und außerdem
angeblich beim KGB [sowjetischer Geheimdienst]. Ich hatte den besten Anwalt
der DDR, Professor Kaul, der war gottgleich, den hätte nicht mal Erich
Honecker angegriffen. Sie haben versucht, mich in die sozialistische Produktion
einzugliedern, in einem Staatsbetrieb für Überwachungskameras,
nach einer Woche bin ich krank geworden und hab' gekündigt. Dann hat
mein Vater mich als seinen persönlichen Sekretär eingestellt,
und die Stasi hat ihm gesagt, er muß die ganze Verantwortung für
mich übernehmen. Ich konnte sympathisch auf die Kacke hauen.
Du warst dann der Outlaw, der durch die Lande zog und trotzdem diese
Strukturen bediente.
Das war genau wie jetzt, du hast irgendwo Verträge gemacht und
gespielt. Im Prinzip hat der Staat gezahlt, die Leute haben drei Mark zehn
bezahlt, und die Gage der Staat. Wie die Schrippensubventionen, das war
wirklich einmalig in der Welt. Ich hab' die band immer als Guerillakommando
begriffen. Was ist eine band? Die ist nicht faßbar. Die taucht mal
da auf, dann ist sie wieder am entgegengesetzten Ende des Landes, dann
gibt's wieder ein unheilvolles Konzert, und wenn sie in Sachsen verboten
war, dann haben wir eben in Thüringen gespielt.
Also doch verboten?
Nein. In Berlin-Weißensee zum Beispiel durften wir nicht spielen.
Da war so 'ne Kuh bei der Polizei, Erlaubniswesen, die verbot unsere Veranstaltungen
immer, dann haben wir eben in Adlershof gespielt. Zwischendurch sind wir
in Polen verschwunden, als deutsche Band erstaunlich erfolgreich.
Nicht ein Text von euch wurde verboten?
Ich hab' überhaupt nie eine Textkritik bekommen, wir sind einfach
begünstigt. Klar hab' ich auch immer gedacht, irgendwas wird jetzt
passieren, du wirst jetzt rausgeschmissen.
Ich
hab' den Staat betrachtet wie eine hysterische Mutter, bei der du nie weißt,
was passiert, aber komischerweise immer alles durchsetzt, was du willst.
Deshalb ist alles geglückt. Man hat so vorsichtig eine Tür bei
Amiga aufgemacht, zum Schluß haben die uns ein ganzes Studio drei
Monate gestellt. Ich habe dort Grillpartys gemacht, im teuersten Studio
der DDR, mit hundert Mann, ich habe mich dort regelmäßig besoffen,
die Fans haben die teuren Neumann-Mikrophone geklaut, dreitausend Mark
das Stück, ich hab' drei Monate nur gesungen, wenn ich besoffen war.
Drei Monate, das sind jetzt 250.000 Mark, das bietet dir heute keine Firma.
Wir waren die erste Punkband, die zu der einzigen professionellen Plattenfirma
kam. Und Paul hat denen über Musik einen Vortrag gehalten, dem Produzenten
und dem Tonmeister. Er hat ihnen die schlimmsten Garagenplatten vorgespielt,
völlig schräge Geschichten, er hat ihnen gesagt, das ist die
Musik der Welt. Die haben gesagt, das ist ja unglaublich, daß es
so etwas gibt, da wissen wir nicht, was wir machen sollen. Danach akzeptierten
die alles. Ich lag besoffen auf der Erde, na und?
Die Staatsprofis durften ständig Platten machen, ihr habt wenigstens
musikalisch in der Opposition gearbeitet. Wart ihr neidisch?
Ich kenne die alle privat, Toni Krahl von City kenn' ich, seit der
sechzehn war. Ich finde viele der DDR-Songs aus diesem Bereich wunderbar.
Ich hab' überlegt, ob man nicht 'ne Cover-CD macht mit den besten
Titeln, ganz phantastische Hits, die eine ganz eigene Art haben, wo man
sagt, das ist DDR. Text und Inhalt gehen mit fast religiöser Kraft
über die Grenzen des normalen Lebens hinaus. Da sie den Sozialismus
nicht real kritisieren durften und wollten, mußten sie etwas finden,
was weit drüber steht, mit phantastischer Wirkung. Im Westen hatten
die nur ihre blöden Schlagertexte, ohne diese Dichte, die richtige
Power. Das würd' ich mal nebenbei produzieren.
Gut laufende Bands haben bis zu zwölftausend Mark für
den einzelnen Musiker im Monat eingespielt. Du bist nie reich gewesen.
Wozu? Ich brauchte im Osten zweitausend Mark im Monat, um sehr gut
zu leben. Das heißt, die anderen haben zu viel gearbeitet.
So ein Titel wie "Ich weiß nicht, was soll es", der steht immer
über allem, wie alle unsere Lieder. Die sind alle aktuell. "Mix mir
einen Drink", die Sachen haben heute genau dieselbe Relevanz. Mysteriöserweise
sind alle Feeling B-Titel völlig modern.
Warum schmieren dann jetzt nach zehn Jahren alle diese Bands ab?
Sandow haben sich aufgelöst, Herbst in Peking spielen vor zwanzig
Leuten, Die Art verkaufen achthundert Platten.
Wenn man jetzt in dieser Welt lebt, muß man in einer Vision leben,
einer Vision mit Zukunft, wenn man die nicht besitzt, hat man keine Existenzberechtigung
auf der Bühne. Das ist das Problem. Früher war es einfach, sich
an den eigenen Haaren an der Regierung aufzuziehen. Ich habe nie dem Staat
an irgendetwas die Schuld gegeben. Die Frage ist doch, wo ist die eigene
Unvollkommenheit, was ist die Wurzel. Man eilt den Zeiten immer voraus.
Wir haben keine anderen Dimensionen erreichen können, das geht auch
gar nicht in Berlin. Von hier aus kann man die Welt nicht verändern,
abgesehen davon, daß die Welt sich sowieso ändert. Manche Wellen
hinterlassen keine Spuren.
Wenn es ein Monopol gibt, gibt es ein Monopol. Früher war das
Amiga, jetzt sind es Sony und Bertelsmann. Also gehen wir jetzt zu Sony.
Was soll ich bei 'ner anderen Firma? Wenn dein Zeug nicht gespielt wird,
hat es keinen Sinn, eine Platte zu machen. Die fragen mich immer, wann
kommt die vierte Platte, wir könnten jede Woche eine Platte machen,
wenn die aber nicht im Radio kommt, ist das Blödsinn. Früher
konnte ich persönlich zu DT 64 gehen, habe zwanzig CDs verteilt -
und die Reklamekampagne war perfekt. Das lief dann. Jetzt kannst du die
Firmen dazwischenklemmen, hundertzwanzigtausend Mark ausgeben, damit die
mit der Grundwerbung anfangen, und du läufst immer noch unter "ferner
liefen". Ich muß nicht nach Westfalen gehen, in Mexico oder Frankreich
ist es viel lustiger, was soll ich in Deutschland weiter robben? Die ganze
Welt ist die DDR. Und wir nehmen die Welt in den Griff.
Übrig bleibt dann nur Schwachsinn wie die Prinzen und Rammstein.
Es können ja nur die übrig bleiben, die neu in die Zeit denken.
Wir haben beschlossen, Rammstein zu machen, das wurde die erfolgreichste
deutsche Band aller Zeiten. Und jetzt machen wir Feeling B, und das wird
alles schlagen, was es überhaupt auf dieser Welt gegeben hat. Rammstein
haben wir geschickt, das sind heimliche Agenten von uns. Unser erstes Konzert
war mit Freygang auf einem Dorf zwischen Berlin und Potsdam, da haben wir
drei Lieder gespielt, haben vorher fünf Wodka getrunken, sangen "du
wirst den Gipfel nie erreichen", dann sind wir von der Bühne gefallen.
Das letzte eigentliche DDR-Konzert war dann am 9. November in Westberlin,
das wurde immer voller. Die haben die Mauer aufgemacht, damit wir ausverkauft
spielen, das war nett von der DDR.
(Heinrich Hecht, aus jW)
Warum hast du 1989 für "What's So Funny About" keine Ostuntergrundband
verpflichtet?
Musikalisch erschien mir die meiste DDR-Musik als zu wenig eigenständig,
ja geradezu drittklassig. Es gab im Untergrund zwar musikalisch sehr interessante
Sachen wie Sandow und AG. Geige, doch hatten die im positiven Sinn eigenartige
Texte, die man inhaltlich nicht in den Westen transportieren konnte. Verglichen
mit den sehr direkten Alltagstexten, wie sie im Westen üblich waren,
kamen aus dem Osten zurückgenommene,, verschlüsselte, eher lyrische
Sachen, die ihr Publikum nur im osten finden konnten, weil man dort die
Hintergründe verstand, aus denen sie entstanden waren. Darüberhinaus
hat mich der sofortige Zugriff von westlichen Labels auf den Osten - wie
in anderen Bereichen von Kultur und Wirtschaft fiel man dort in Piratenmanier
über den Osten her - so angeekelt, daß ich mir sagte: Mit diesem
Scheiß willst du nichts zu tun haben - ich trag' doch nicht dazu
bei, den Osten auszuverkaufen.
Haben damals Ostbands versucht, mit dir in Kontakt zu treten?
Das war eher die Ausnahme. Die meisten ostbands waren sofort begehrt
bei westlichen Firmen, so daß sie kaum Gelegenheit hatten, sich etwas
Vernünftiges zu überlegen und sich nicht über den Tisch
ziehen zu lassen. Manche haben von sich aus etwas auf die Beine gestellt,
wie z.B. "Peking ReKords", was ich einen interessanten, wenn auch zum Scheitern
verurteilten Ansatz fand. Schon in den frühen Achtzigern bekam ich
obskurste Tapes, z.B. von Müllstation, einer Punkband aus der Nähe
von Magdeburg, die mir sehr gefiel. Der Sänger rief mich immer von
einem Landkino an. Als das aufflog, bekamen die Schwierigkeiten und der
Kontakt riß ab.
Bis heute scheint der Osten den subkulturellen Westen gut zu kennen,
der Westen aber überhaupt nichts Vergleichbares über den Osten.
Weil
er meist nichts wissen will. Daher ist außer dem Mainstream-Elend
wie Puhdys im Westen nichts bekannt geworden. Die Leute, die Anfang der
Achtziger begannen, sich in entsprechenden Medien als Avantgarde zu stilisieren,
haben sich gegen den Osten abgeschottet. Zum Teil zu Recht, zum Teil aus
Unsicherheit, aber auch aus einer unglaublichen Arroganz heraus.
Eine der Ekelgruppen überhaupt sind Keimzeit. Warum die im Westen
keinen Erfolg hatten, verstehe ich nicht. Das ist eigentlich eine Band,
die von den Grünen hätte vereinnahmt werden können. Die
hatten das richtige Hippie-Image und scheiterten trotz Westfirma am Oststigma.
Die einzigen, die es im Westen geschafft haben, sind die Inchies, die verkaufen
heute fünfstellig.
Hätte man nicht Bands aus dem Ost- wie West-Underground als
Paket bündeln und im Westen auf Tour schicken können?
Ich habe Die Freunde Der Italienischen Oper, die mich mit ihrer eigentümlichen
Idee von Rockmusik sehr faszinierten, damals auf einem Sampler herausgebracht
- das fanden die Westler dann plötzlich interessant und fragten: Wo
kommen die denn her, von denen haben wir ja noch nie was gehört. [
- : "Interessant". Das Leben ist "interessant". Oh Gott!...] Aber leider
lösten die sich aus unklaren Gründen auf.
Wir haben versucht, Sandow im Westen auftreten zu lassen, das hat überhaupt
nicht funktioniert. Die wollte niemand buchen. Es gab dann die Idee, im
Frühjahr dieses Jahres Sandow mit Rammstein zu koppeln. Das ist aber
nicht zustande gekommen, weil Rammstein im ersten Halbjahr keine Konzerte
gegeben haben. Tragisch, wie viele dieser Geschichten. ["Geschichten"]
Rammstein könnten von überall kommen, egal ob aus Salzgitter
oder Schwerin. Die haben einen Masterplan konsequent umgesetzt. Insofern
bewundernswert, auch wenn ich die politische Haltung, die sich in ihren
Texten und ihrer musikalischen und optischen Selbstdarstellung manifestiert,
für sehr fragwürdig und gefährlich halte, weil sich dadurch
das ganze Dumpfbackenpotential angesprochen fühlt.
Was bleibt für dich an Bemerkenswertem hängen nach zehn
Jahren Kontakt mit Musikern aus dem Osten?
Erstaunlich war für mich schon immer das handwerkliche Können
der aus der DDR stammenden Musiker, auch das Bewußtsein für
gut funktionierende Arrangements hat mich oft verblüfft. Was aber
als Kehrseite wenig Mut zu Experimenten zeigt. Was übrig, was wichtig
bleibt, sind Individuen, die sich weder an die Verhältnisse früher
und heute opportunistisch oder D-Mark-spekulativ anpassen. Ob sie nun Kai-Uwe
Kohlschmidt, Raymund Haensch von FDIO, Rex Joswig, Olaf Bender oder Donis
heißen. Und last not least: das Poptrio Unicycle Men aus Leipzig.
(Christof Meueler, aus jW)
| Gewiß, unser großer Dichter Wieland hat ein Hausmittel angegeben, gegen jedweden Konflikt mit Staat und Staatsreligion: "Friß Deine Knackwurst, Sklav, / und halt Dein Maul!" - aber klingt es nicht doch irgendwie unbefriedigend? |
Zeichnung von Julia
BLUE
MOVIESWir behalten den Tropenhelm auf. Die Frischluftkonten in der Karibik,
die akkumulierten Paradiese, über die Highways des Hungers mit frisch
geliftetem Grinsen.
Wir werden die Indianer aller Zeiten in die Reservate schließen,
damit das Öl fließt, und Europas dankbare Nigger verkabeln.
Wir sind in Nylonwäsche geboren. Es gibt wichtigeres als den Frieden.
Der Schweißfilm in der Schweinebucht. Das lebendige Büchsenfleisch
unserer Frauen. Die tiefgefrorene Freiheit aus Bombenkratern genießen.
Teilhaber unserer Gefühle, arbeitslose Abonnenten, wir realisieren
die gesteckten Ziele, illustrierter Sahnequark.
Wir spielen Domino mit den Republiken.
Unlustgreise und eiserne Ladies: wir werden das Universum übernehmen.
So wahr uns Gott helfe.
Nun synchronisiert die Hymne, jede Filmnation!
ZIVILISATIONBevor unsere weißen Brüder kamen, um zivilisierte Menschen
aus uns zu machen, hatten wir keine Gefängnisse. Aus diesem Grund
hatten wir auch keine Verbrecher. Ohne ein Gefängnis kann es keine
Verbrecher geben. Wir hatten weder Schlösser noch Schlüssel,
und deshalb gab es auch keine Diebe. Wenn jemand so arm war, daß
er kein Pferd besaß, kein Zelt oder keine Decke, so bekam er all
dies geschenkt. Wir waren viel zu unzivilisiert, um großen Wert auf
persönlichen Besitz zu legen. Wir strebten Besitz nur an, um ihn weitergeben
zu können. Wir kannten kein Geld, und deshalb wurde der Wert eines
Menschen nicht nach seinem Reichtum bemessen. Wir hatten keine schriftlich
niedergelegten Gesetze, keine Rechtsanwälte und keine Politiker, daher
konnten wir einander nicht betrügen. Es stand wirklich schlecht um
uns, bevor die Weißen kamen, und ich kann es mir nicht erklären,
wie wir ohne die grundlegenden Dinge auskommen konnten, die - wie man uns
sagt - für eine zivilisierte Gesellschaft notwendig sind.
Lame Deer, Sioux, aus Tarantel Nr. 9
alle wissen, daß schön das schöne
so gibt es das häßliche
alle wissen, daß gut das gute
so gibt es das böse
denn:
voll und leer gebären einander
leicht und schwer vollbringen einander
lang und kurz bedingen einander
hoch und niedrig bezwingen einander
vorher und nachher folgen einander
darum tut der weise ohne taten
bringt belehrung ohne worte
so gedeihen die dinge ohne widerstand
so läßt er sie wachsen und besitzt sie nicht
tut und verlangt nichts für sich
nimmt nichts für sich, was er vollbracht
und da er nichts nimmt
verliert er nichts
Laudse, etwa vor 2500 Jahren