OVER Nr. 23


LOVER Nr. 23

(erschien 10/99)

Auszüge:

[Ditorial] - [Reactor] - [Basar] - [Manifest] - [Preisausschreiben #8] - [Preisausschreiben #9] - [Erde] - [18 Gramm] - [Interview] - [Deutung] - [Wahrheit] - [Verdichtet] - [Legende] - [dreamtime] - [Bessere Zeiten] - [Do What I Say] - [Bodies] - [Hope] - [Un-Art] - [Schätzerdeutsch] - [Frau ? (4)] - [Heimatkunde] - [Geschichten] - [Knackwurst] - [Blue Movies] - [ZIVILISATION] - [Status quo] - [Zweitens] - [2166]

LOVER Nr. 23

ÐI†¤®I@£

Nur [...]sein ist schöner.
Nur (...)sein ist schöner.Es ist doch notwendig und für mich auch hinreichend, daß uns was trägt, was treibt, Fingsten der Art zusammen zu kommen, daß wir das LAPSUS live nennen und als solches erleben, ohne daß ich weiß, was genau das nun für jedeN einzelneN ist. Rare Musik, ein gutes Gefühl, Liebe, Senf loswerden, mal tanzen... Hauptsache es ist stark und groß und überhaupt. Selbst, wenn ein + alles, ist die Gelassenheit beruhigend vielfarben. Und mit den Selbstdarstellungsgelüsten, na klar auch meinen eigenen, wird im allgemeinen lustfreundlich umgegangen. Ja, ich will was von Dir erfahren. Hugh. How.
Allso reactore ich auch auf den Lover 22. Und erfahre in "Frau Meyer 3", was ich zur übersatten Genüge von meinem Alten in den ersten 2 Lebensjahrzehnten eingeimpft bekam: Alle Laster dieser Welt liegen im und kommen vom Rauchen, Saufen, Fröhlichsein. Und alle Wertschätzung des Menschen und des Daseins findet da seine Kriterien. Na Regina, ist das nicht vorbei? Noch lange nicht vorbei? So holte diese Fortsetzung meine Täuschungen kiel. Wie ungerecht ist doch die Welt!
Aber langweilig fand ich das Springsteen-Interview, bin wohl eher nicht der typische SPIEgel-Leser und nicht gleich beeindruckt, wenn mal das Wort "Sex" irgendwo vorkommt. Wenigstens ist Musik "mit Biß" dabei rausgekommen.
Mit der Loverei bin ich weiterhin recht froh, auch wenn's eher nachts passiert. Nur hatte ich bis jetzt noch nicht die Zeit, die linke Begleitmusik zum Tippen und (lay)Outen rauszusuchen. Es schickt mir ja auch keiner eine Kassette mit Supergrass. Oder Corr. Oder Waco Brothers. Oder Renft-3, könnte ich dann rezensieren...
Aber 5 Monate nach Uraufführung sah und hörte ich die LAPSUS-Vorträge von Hansa und Ale, als sie uns besuchten. Bei Joe Jackson wurde ich anfangs gleich begeistert 'Stark, eine Vegetarier-Hymne!' - erst hinterher wurde ich an die CD-Thematik erinnert. Todsünde, auch gut. Stimmt doch. Musikalisch hat mich die CD - bis auf 2...3 Stücke - weiter begeistert (die Ausnahmen wie z.B. "Brücke", erinnerten an Joe Jackson im Rockpalast vor 10 oder 12 Jahren, wo ich nicht allzulange zuhören mochte - gar nicht mein Fall). Bildmotive auf verschiedene Art zu verfremden, das gefiel mir als Diabegleitung. Es hätten mehr gewesen sein können. Ich denke bei sowas mal wieder, ob ein Video es nicht doch besser bringen würde. Auf großer Leinwand. Oder eine Methode, die Bilder direkt ins Gehirn zu projezieren... Bei den Texten dachte ich zunächst, es wären Übersetzungen eines Amis (oder Inders) aus dem Englischen ins Deutsche, mir war es zu holprig, manchmal fehlte der Zusammenhang oder die Aussage wurde nicht recht deutlich. (Ich helfe da bei meinen Vorträgen mittlerweile schamlos nach Gutdünken nach.) Alles in allem interessant und manchmal mit überraschenden Entdeckungen.
Im Mittelpunkt...Die vermißte ich dann bei der Vorstellung von Rick Wakemans CD "Rückkehr zum Mittelpunkt der RD". Auch wenn der Titel interessant klingen will. So blieben Musik und Texte für mich aussagelos. Zwar bombastisch angelegt und verheißungsvoll, aber eben an der Oberfläche, trotz meilenweitem Abstieg. Und ich bin zu faul, hinter Sensationen tiefgründiges finden zu wollen. Meistens ist da nicht viel. Eher was für Kinder? Jedenfalls bietet sich - nach meinem Empfinden - als Verbesserung an, die  Geschichte/den Sprechertext vorab ohne Pause vorzutragen, mit den Bildern dann beim Abspielen der CD direkten Bezug dazu zu nehmen. Das wäre dann runder, schöner. Die ausgewählten Bilder paßten gut in den Fluß der Musik. (Ich mache in Gedanken immer Hm?, wenn ich sehe, daß wer die gleichen Bücher abfotografiert wie ich...) Vielleicht hätte von hier mehr Tiefe reingebracht werden können. Die Übersetzungen der Musiktexte holperten mir auch hier. Es war manchmal nicht recht zu fassen, was sie bedeuten wollten. Ich hätte da wieder mal kräftig freiweg dazugedichtet. Jaja, ich hör's schon: meine mangelnde Fantasie. Nichts für ungut... Die Sache mit dem Laptop zu begleiten, finde ich lapsustop. Schade, damit ich keine Sekretärin habe und keinen Lapsustopf. Was wird denn der Mensch im Mittelpunkt der Erde finden? Saurier? Was wird denn der Mensch am Anfang, am Ende der Welt finden? Was bringt er von seinem Ur-Laub aus dem Wald in Afrika mit? Oder wolltest du das, Rick Wakeman, Fragestellerei?
Und jetzt? Diese Nummer? Zugegeben, ich habe noch nicht alles von den Beiträgen lesen können, will ja auch noch was vom Heft haben, wenn alles fertig kopiert und geheftet ist und die digitale Vorbereitung der Texte durch die Autoren war diesmal sehr lobenswert und die Software ist bis jetzt nur 2x ausgestiegen, aber ohne mich in den Urin treiben zu können, aber was ich so an einzelnen Versatzstücken aus den Augenwinkeln aufschnappte, tat gut. Ist ja wahr. Und besonders die Reactionen von Dirk und Achim sind ja wahr. Tun gut.
Roland

Reactor

Lieber Roland,
vielen Dank für das kontinuierliche Zukommenlassen Eurer LAPSUS-Lover-Live-Zeitung. Ich lese sie zwar, doch bleibe ich Außenstehender. Liebe Grüße von Lutz
Hallo Roland,
hab' Dank für den Lover + den Preis! Von der Kur gibt's danach noch viel zu erzählen, jetzt nur so viel: Mir geht's hier nicht besonders gut, aber ich weiß warum.
Alles Liebe, Regina
Hallo Roland,
vielen Dank für den Lover 22. Da wir ihn ja erhalten haben, ist Hans davon ausgegangen, dass die Software-Probleme sich von selbst erledigt haben.
Oh, wie schön, wieder ein Lover! Besonders war ich auf das Schicksal von Frau Meyer gespannt. Und ich wurde nicht enttäuscht.
Womit ich allerdings wenig anfangen konnte war das Preisausschreiben. Liebe Grüße von uns allen! Ginger
Hallo Roland,
oh doch Du, wir wollen den Lover haben! Wir freuen uns richtig! Du, ich les' den, den Lover! Weißt ja selbst, wie das mit der Zeit ist, was man alles um die Ohren hat, da können wir gar nichts beitragen... Tschüß! Anke
Na weißt Du, Roland,
was da im Lover steht ist mir viel zu kompliziert. Mir kommt es so vor, als säßen die Leute da und schauen in die Luft - was könnte ich denn jetzt noch dazu schreiben -  und denken sich dann Sätze aus, von denen ich kein Wort verstehe, man gar nicht weiß, worum es überhaupt geht. Was soll da eigentlich gesagt werden? Ich würde nie auf die Idee kommen, so was von mir zu geben.
Alles Gute, Anni
Lover lesen???
Sprich ihn mir auf Kassette und ich werde ihn mir beim Autofahren anhören... Sigrid
Lieber Roland,
warum sollte ich nicht auch mal z.B. was über Berdjajew schreiben oder mich von seinen Gedanken inspirieren lassen. Wenn Krishnamurti vom Schweigen spricht, so sehe ich sofort die Freiheit vor mir, die Berdjajew meint, die allein nur mich ganz und gar erfüllen kann - unaussprechlich. Für mich sind die Gedanken über das Schweigen und die Freiheit wesentlich und immer wieder wert, nachvollzogen und weitergegeben zu werden gerade in Bezug auf diese Welt, die sich soweit vom Schweigen und von der Freiheit zu entfernen sucht. Und es geht immer wieder um das Wesentliche. Und jeder, der in der überwältigenden Lage ist, darüber sprechen zu können, findet meine liebende Erwiderung - innerlich und eben auch in einem "Versuch einer Deutung". Und ich bin froh, daß es nicht nur einen Krishnamurti gibt mit seiner ganz besonderen Sicht des Wesentlichen, sondern noch viele mehr. Und erst in einer Gemeinschaft, die aus der auch individuellen Wesensschau heraus das Leben begreift und gestaltet, ist meineserachtens die Vollendung und somit auch die Rettung möglich.
Und wenn ich den "Versuch einer Deutung" als meinen Beitrag für den Lover geschrieben habe, so habe ich das getan, weil mir dies alles sehr, sehr am Herzen liegt!
Und wenn Du sagst, wir hätten nichts zum Lover geschrieben - okay, aber die Anregung zum Thema der Wahrheit und der inneren Befindlichkeiten hatte ich auch aus dem letzten Lover entnommen - und die schon erwähnte Beziehung zwischen dem Schweigen und der Freiheit.
Wie denn soll ich auch etwas über den Lover äußern - schreiben? Natürlich sollte der Lover auch eine kommunikative Auseinandersetzung zur Folge haben mit den Leuten, die ihn gestalten. Ja, diese Auseinandersetzung kommt vielleicht etwas zu kurz, aber sie ist konkret, was die einzelnen Beiträge anbelangt, für mich nicht einfach. Und ehe ich in mancherlei Hinsicht ungerecht wäre, bin ich lieber vorsichtig. Denn jeder Beitrag zeigt doch auch immer wieder, wie unterschiedlich die Auffassungen davon sind, was wirklich von Bedeutung und was nebensächlich ist. Ich mag den Zeigefinger nicht erheben, und um Lobgesänge geht es, finde ich, auch nicht. Ich schätze den Lover sehr als Möglichkeit der Kommunikation, auch wenn diese nicht immer direkt vollzogen wird und Beiträge oft unerwidert bleiben. Und doch zeigt jeder immer wieder ein Stück von sich und manchmal auch anders, als es eigentlich beabsichtigt wurde und dem einzelnen bewußt ist.
Ich versuche mich auf meine Art verständlich zu machen und suche Verständnis, wie die anderen auch. Vielleicht fruchtet es, vielleicht auch nicht.
Und was das ganz Besondere ist: Fast alle, die am Lover beteiligt sind, kennen sich mehr oder minder und finden sich bei Lapsus zusammen. Und einen ganz allgemeinen Lobgesang gestattete ich mir: Was wäre Lapsus ohne den Lover?! Und einen ganz speziellen: Die Gestaltung des Lovers ist immer wieder beeindruckend - auch hinsichtlich des Aufwandes - und ganz individuell! Das alles ist nicht selbstverständlich! Dirk
Hallo Roland!
Bevor ich's noch ganz und gar verdösel: hier meine Zeilen zum neuen Lover:
Vielen Dank für die liebevolle Mühe zum LOVER 22. LOVER sei natürlich dreimal unterstrichen! Ich würde das schon sehr seltsam finden, wenn sich plötzlich Allergien gegen diesen Namen bemerkbar machen sollten, denn bisher gab es keinerlei KontroVerse zu lesen. Allerdings ist die Nummer 22 durch das Weglassen der Standard-LOVER-Zeile nun auch nicht gerade unkenntlich geworden. Der übersichtliche Verteilerschlüssel tut ein übriges...
Hier meine Beiträge zur Ausgabe 23 und einige Anmerkungen zur 22.
Inhaltlich ist die 22 so richtig gut durchwachsen. Meine Favoriten sind diesmal Rolis poetische Texte, das Gedicht von Valentin Rathgeber, der auch schon Lapzot gewesen sein muß, und aus einem besonderen Grund Kummer Rohe Liebe von Nina. Eine Leseperle ist auch wieder das Schicksal der Frau Meyer von Regina. Interessant auch Hansis Joe Jackson Interview. Die bei den Profikritikern eher schlecht weggekommene Platte ist wohl doch eines genaueren Hinhörens wert. (Joe Jackson ist überhaupt einfach Wow!)
Robert Kurz' hat sich wohl einen ziemlichen 'kategorialen Bruch' gehoben mit seiner Einrichtungsanleitung in einer Gesellschaft, die Arbeit nur als Quelle von Profit gelten läßt und in der das Kapital immer weniger produktive Leute benötigt. ("Selbstzweckhafte Verausgabung von 'Arbeitskraft'" kann ich nur im Fitnisstudio feststellen, ansonsten ist der Zweck doch sehr klar: Lebenszeit verkaufen, um leben zu können.)
Obwohl mir die Umsetzung solcher Fülle wie im Heft 22 in die Internetseiten ziemliche Mühe macht, bin ich natürlich froh über die vielen lesenswerten Beiträge. (Und um festzustellen, daß etwas nicht so lesenswert war, muß man es ja auch erst mal lesen. ;-))
Nina-Pina hat natürlich eine extra Aufmunterung verdient, uns ja nicht mit ihren Gedichten zu verschonen. Wonach soll man sonst zuerst im Heft suchen? (Gleich nachdem man die Antworten zum Preisausschreiben neidvoll und amüsiert studiert hat...) Eine Diskussion zu dem Thema, wer warum, angekündigt oder einfach so, nicht mehr oder eben mal nicht zu LAPSUS LIVE kommt, wird's wohl kaum auf den Zaun schaffen, um von dort gebrochen werden zu können. Wenn meine Interessen nicht genügend vorkommen, bedient werden oder ich keine Lust habe, sie zum Vorkommnis zu machen und den andern dazu zu verhelfen, bedient zu sein, gibt's ja keinen Grund, zu diesem Fest auf- und damit aus dem Alltag abzutauchen. Es haben ja bei Leibe nicht alle von Anfang an LAPSUS LIVE erlebt. Und als 'Therapieseminar' startete LAPSUS nun ganz sicher nicht. Ein ursprünglich sehr wichtiger Grund für dieses Fest, nämlich rare Musik ideenreich aufbereitet zu hören (manchmal ja richtig LIVE!), kann das ganze heute anscheinend nur schwer tragen.
Selbst wenn die Radiolandschaft heute eher noch dürftiger ist, als sie es damals schon war. Die Theater- und Showstücke sind ein deutlicher Gewinn. Sehr schade, daß Porträts von Künstlern anderer Genre kaum noch vorkommen. Ich erinnere zum Beispiel an Christofs Dali-Vortrag.
Ansonsten: das ist schon ein besonderes Heft, in dem Sätze wie "Liebe steht am Anfang und nicht am Ende." und "& Liebe froh lockt am Ende" einträchtig nebeneinander stehen.
P.S.
Hab' ich mich eigentlich schon für die Sonderausgabe des letzten Lovers bedankt? Sei hiermit geschehen. Achim

Basar

Manifest

/Roland /


"Dein Leben klingt den Menschen nicht in die Ohren: für sie lebst du ein stummes Leben, und alle Feinheiten der Melodie, alle zarte Entschließung im Folgen oder Vorangehen bleibt ihnen verborgen. Es ist wahr: du kommst nicht auf breiter Straße mit Regimentsmusik daher - aber deshalb haben diese Guten doch kein Recht zu sagen, es fehle deinem Lebenswandel an Musik. Wer Ohren hat, der höre."
Friedrich Nietzsche


Eine kleine gerichtete Kraft trägt den Sieg über eine große, blinde Kraft davon.
Simone Weil, 1941, aus "Seinen Ort finden"

Preisausschreiben #8

Ach, wüßte ich gern den Kontext um eure Fragerei... Und was ahnt man?
Hier zur Erinnerung die alten Antworten:
#1: Hansi.
#2: Ginger.
#3: Regina.
#4: Dirk.
#5: Achim.
#6: Brunhilde.
#7: Ro Li.
Z: Der Preis.

Und hier die Ein- und Ausfälle:

Ginger:
Mit diesen Namen kann ich einfach nichts verbinden.. Sind das irgendwelche Berühmtheiten? Muss ich die kennen? Während ich ja bei allen anderen Rätseln alles auf Anhieb wusste, muss ich mich diesmal auf´s Raten verlegen:
#1: Wie heißt Bibl mit Vornamen? [siehe 2. Buch Hansi, 12, 36]
#2: Was heißt Ingwer auf englisch?oder Wer bin ich? [Frag nicht mich!]
#3: Welchen Namen gibt man am besten einer Königin? [Schon geschehen?]
#4: Was heißt Krid rückwärts gelesen? [Dirgis]
#5: Wer macht die Internetseiten zum Thema Lapsus? [4. Buch Joachim, 3,11]
#6: Wer hatte beim letzten L.L. eine Tüte über dem Kopf? [Es war doch nicht das letzte!]
#7: Wie heißen der erste und letzte Teil des Namens eines berühmten Zirkus mit dem Mittelteil ncal? [Im Mittelteil zu viel kcal.]
#Z: Was wird in Verkaufsstellen außer dem Verfallsdatum auf die Waren geschrieben? [Und die Sondermülldeklaration nicht zu vergESSEN!]

Dirk:
#1: Wer kam sehr gut an?
#2: Wer kam noch sehr gut an?
#3: Wer kommt immer sehr gut an?
#4: Wer kam am allerbesten an?
#5: Wer kam nicht an?
#6: Hallo Du! Ich habe Dich gesehen - in der Talk-Show. Wie nur kann ich Dich kennenlernen? Ich bin ganz außer mir! Wenn Du Interesse hast, antworte mir bitte mit dem Kot-Wort "Brunhilde"! In der Süße der Erwartung - Horst.
#7: Wer konnte überhaupt nicht ankommen?
Z: Und was kommt immer gut an? [Das werden wir jetzt erstmal sehen!]

Regina:
#1: Was glaubt Gilbert 2, wer er wirklich ist? [Zu Glaubensfragen siehe auch 2. Buch Hansi, zu Wahrheitsfragen siehe Lover 1bis 23 ff.]
#2: Wer lachte über Radio Robotron am meisten? [Vorher oder nachher?]
#3: Wer noch? [Am meistesten.]
#4: Und wer gibt noch gern an? [Am meistestesten.]
#5: Wer glaubt immer noch, daß LL '99 in Neustrelitz stattfand?
#6: Welches Pseudonym benutzte Brunhilde in der Talk-Show, um von ihrem Mann nicht erkannt zu werden? [Naja, da wurden wohl noch einige Pseudonyme mehr benutzt, zumindest Sigrid habe ich gleich erkannt.]
#7: Was heißt Lo Li (chin.) auf deutsch?
Z: Was gebührt diesen ausgeklügelten Superfragen? [Und Fröhlichkeit!]

Achim:
#1: Mehrzahl von Hansa? [Nö, mehr zahlt der nich.]
#2: Vorname von Ale? [Schon Lange nicht mehr. Ahlsdorf.]
#3: Königin der Lateiner? [Des ... Lateiners...]
#4: LAPSUS-Doppelgänger?
#5: Micha rückwärts? [Und dann "Vorwärts immer..."]
#6: Ersatz für Schlagsahne? [Na Du bist ja ein ganz Süßer!]
#7: Chinesisch für Beatrice?
Z: Wer ist angeblich die mögliche Folge von Fleiß?

Einfach köstlich!
Also vielen Dank für die Klärung der wichtigsten Fragen! Und auf ein neues:

Preisausschreiben #9

Und um die Antworten nicht verlegen:
#1: Wie heißen Dylans Zeilen im LAPSUS-Interview der Woche auf deutsch?
#2: Ergänze das 2. Wort in der ersten Zeile des Ditorials!
#3: Für welches berühmte und überaus lesens- und lobenswerte Fanzine war der folgende Titelbildvorschlag?
#4: "Ich hoffe, ich bin tot, wenn ich sterbe." - Wer sagte das?
#5: Wofür läßt Du alles stehen und liegen?
#6: Was sagst Du dazu: Die Worte wollen, sollen, können, dürfen, müssen haben alle dieselbe Wurzel?
#7: #3 - und wer schlug dies vor?
Z: Was wünschst Du Dir zu Weihnachten?
Die Nieten wie immer von:

Ro Li B., Spätfolge 19, 17121 ZarNektar!

Die Erde hat genug für die Bedürfnisse aller. 
Sie hat nicht genug für die Wünsche aller.
Mahatma Ghandhi
 

18 Gramm Songs Und Sounds

(Fortsetzung)

Für die Lapsus CD 2000 finde ich den Titel "Only A Lapsus Song" am besten. Regina

Um die schwerfällige Diskussion um die LAPSUS-CD wieder ein Stückchen voranzutreiben, hier mein Vorschlag für den Titel des 18-Gramm-Silberlings: 20 Jahre LAPSUS - 20 Songs Und Sounds (Lapsodie im Grün). Und meine 20 Wahl-Lalas sind (siehe LOVER 22):
1. 19. Glass Torpedos: "Heart Surgery"
2. 6. Renft: "Weggefährten"
3. 4. Frank Zappa: "It Might Be a One-Shut-Deal"
4. 7. Roy Harper: "Referendum" oder Gehli: ?? (wer hat die Aufnahmen?)
5. 23. Pink Floyd: was kurzes von The Wall
6. 8. Can: "Thief"
7. 11. Deák 'Bill' Gyula: "Közép-Európai Hobo Blues III."
8. 12. Ton Steine Scherben: "Jenseits von Eden"
9. 28. The Rolling Stones: "Paint it black"
10. 15. Tangerine Dream: "Beach Scene II"
11. 25. The Beatles: "She's leaving home"
12. 21. Quicksilver Messenger Service: "The Fool"
13. 5. Yes: was kurzes
14. 22. Fischer Z: "Cruise Missiles"
15. XX Handicap: ??
16. 14. Omega: "Gyöngyhaju Lány"
17. 27. The Doors: was kurzes
18. 26. The Who: "Love reign over me"
Summe < 70 min, hab' es noch nicht durchkalkuliert...
Entsprechend Platz: 2 x 1. Spotts (oder vorindizierte Spotts zu den Songs)
Hidden Track, wenn unerwarteter Weise noch Luft sein sollte: 2. Live
Achim


Julia

"Kuckuck, Kuckuck ruft's aus dem Wald, lasset uns singen
und trommeln..."
Frieda

"Aufhören. Unerhört. - 20 LAPSUS-Jahre"
Hatten wir ja alles nicht...
Von Pink Floyd "In The Flesh" oder von Quicksilver statt "The Fool" "Hope", dafür von Floyd "One Of These Days". Von Beatles ist mein Topteil "Only A Nothern Song". Yes "Starship Trooper"... nicht kurz genug. Doors "My Wild Love".
Habe Mitschnitte von Handicap, CD von Gehli, MC von Gehli hatte ich mal an Achim geschickt... Paar Spotts, 1000e Fotos aus dem Archiv für Lover, Dias, Cover. Schreibe auch noch was, wie LAPSUS wirklich war, wie gehabt.
Roland

LAPSUS-Interview der Woche

/Roland /

"God, God, God, won't you lead us through this mess?!"

(Auszüge aus einem Interview mit George Harrison, me 9/99)
 

Glaubst Du, daß die populäre Musik das Bewußtsein der Menschen beeinflußt und ihre Einstellung im Laufe der Geschichte geprägt hat?
Auf jeden Fall. Das steht für mich außer Frage, vor allem wegen der Reaktionen, die ich immer noch bekomme. Erst neulich hat mir ein Homöopath aus London den Brief einer 84jährigen Patientin zugeschickt, in dem sie schreibt, daß mein Song "My Sweet Lord" ihr ganzes Leben verändert hat, daß das stück bis zum heutigen Tag einen großen Einfluß auf sie ausübt. Andere Fans sagen mir heute noch mit Tränen in den Augen, wieviel ihnen die Musik der Beatles bedeutet hat - und immer noch bedeutet. Das ist ja das Tolle an Musik: Eine Hoagy Carmichael-Platte aus dem Jahr 1929 kann mich heute noch beeinflussen. So etwas ist zeitlos. Musik beeinflußt dich auf jeden Fall, sie kann dich glücklich oder traurig machen. Deshalb bin ich mir sicher, daß all die fürchterliche Musik, die heute im Umlauf ist, die Gesellschaft verändert - die Verbrechen werden schlimmer und die Menschen werden zynischer. Dafür ist die Musik zwar nicht direkt verantwortlich, aber es ist die Chemie, die durch endloses Fernsehen, Musiksendungen und Werbung geschaffen wird - beschissene Musik, Filme über Mord, und obendrein richtet Robert DeNiro auch noch überall auf zahllosen Plakaten (für den Film "Ronin" - Anm. d. Red.) eine große Knarre auf den Betrachter. Es ist genauso, wie mein Sohn Dhani sagt: "Wen kümmert's, wenn irgendwo Bomben fallen?" Das ist die verbreitete Meinung auf dem Universitätscampus, weil die Leute desensibilisiert sind. Vor ein paar Jahren habe ich etwas einerseits Schreckliches und andererseits unglaublich Komisches in Los Angeles im Fernsehen gesehen: Beim Wetterbericht wurde zu einem Moderator am Strand weitergeschaltet. Der stand da, während man im Hintergrund genau sehen konnte, wie schlimm die Luft verschmutzt war, und er plauderte munter: "Ja, Leute, heute haben wir hier in Santa Monica wieder einen wunderschönen Tag!" Ich hab' mich gefragt: Wovon redet der Mann? Das stinkt doch zum Himmel! Das meine ich mit Desensibilisierung. Vielleicht leben die Leute in ein paar hundert Jahren in Abwasserkanälen, in denen die Ratten auf ihnen krabbeln und denken sich: "Ist das Leben nicht wunderbar?" Mahatma Gandhi hat gesagt: "Schaffe und bewahre das Bild deiner Wahl." Anscheinend sind Gier und Gemetzel die Bilder unserer Wahl.
Du hast Dich in den letzten Jahren hauptsächlich auf Deine Familie konzentriert und dabei zu Hause nur so aus Spaß ein bißchen Musik aufgenommen.
Ich habe zu viel Zeit im Garten verbracht (lacht leise). Mir erscheint die Vorstellung, in einer Fernsehshow mit Jerry Stringer aufzutreten, oder wie dieser Typ heißen mag, um über etwas zu reden, während sich die anderen Gäste prügeln, ziemlich erbärmlich. Wer so etwas verkaufen will, verkauft auch seine Seele. Deshalb bin auch überzeugt, daß ich niemals zu der Seite des Business zurückkehren werde, die sich in diese Richtung entwickelt hat. Ich habe volles Verständnis für die Sängerin von ABBA, die in Talkshows dafür kritisiert wird, daß sie heute zurückgezogen auf einer Insel lebt und keinerlei Kontakte zur Musikindustrie pflegt. Neulich hat ein Typ im fernsehen über sie gesagt: "Sie hatte einen tollen Arsch, jetzt ist sie selber ein Arsch!" Diesen Kommentar fand ich unglaublich übel. Dabei lebt sie vermutlich viel spiritueller, viel zufriedener und ist für ihre Familie und ihre Freunde ein besserer Mensch.
Im Leben gibt es keine Grenze nach oben, man muß nur den Mut haben, hoch genug zu klettern. Aber wer bis ganz unten hinabtauchen will, wird feststellen, daß auch in dieser Richtung keinerlei Grenzen gesetzt sind.
Genau, es gibt kein Ende, und es gibt keinen Anfang. Worum es wirklich geht, ist das Jetzt, und gerade jetzt wird die Musik von Leuten bestimmt, die im Grunde gar nichts damit zu tun haben - etwa von Sponsoren und Aufsichtsräten, denen es lediglich darum geht, auf der Leiter des gesellschaftlichen Erfolges ein Stückchen weiterzukommen. Folglich wird die Musik dann auch immer schlechter. Nenn mir jemanden, der eine moralische Botschaft besser in eine Melodie verpackt hat als Bob Dylan in seinem Song "Every Grain of Sand":
"Don't have the inclination to look back on any mistakes / Like Cain I now behold this chain of events that I must break / In the fury of the moment I can see the master's hand / In every leaf that trembles ! In every grain of sand / Oh the flowers of indulgence and the weeds of yesteryear / Like criminals they have choked the breath of conscience and good cheer /... I gaze into the doorway of temptation's angry frame / And every time I pass that way / I always hear my name / Then onward in my journey / I come to understand / That every hair is numbered / Like every grain of sand."
Wie reagiert George Harrison als Songwriter und auch als Mensch auf diese schreckliche Ära, die Bob Dylan einst vorausgesagt hat?
Nun, ich denke, daß inzwischen jedem Menschen klar sein dürfte, daß man uns in jeder Hinsicht einer Gehirnwäsche unterziehen will. Also singe ich eben Stücke wie "Valentine", einen Rock'n'Roll-Song über die Macht der Liebe, oder "Psces Fish" über den unendlichen Fluß, der ganz in der Nähe meines Hauses verläuft, oder ich singe (zitiert aus seinem Song "Brainwashed"): "God, God, God, won't you lead us through this mess?!"

Versuch einer Deutung

Als gestrenger Materialist müßte ich nach dem Grundsatz handeln: Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit - was absoluter Unsinn ist. Denn die Notwendigkeit schließt Freiheit notwendigerweise aus. Habe ich nur die Freiheit, mich der Notwendigkeit unterzuordnen, so wäre meine Freiheit bedingt und nicht mehr unbedingt und absolut. Es ist wahr, im Reich des Materialismus und der damit korrespondierenden "Objektiven Realität" (was immer das auch sein mag) ist der Anspruch auf unbedingte, absolute Freiheit ein Unding und wird auch nicht gefordert. Im Materialismus wird die Freiheit degradiert und verkehrt sich in eine Zwangsmaßnahme - Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit und ist somit Unfreiheit.
Man argumentiert, Freiheit sei ein relativer Begriff. Wir haben die Freiheit, innerhalb festgelegter Grenzen uns für oder gegen etwas zu entscheiden. Man gibt damit zu, daß Freiheit nur ein irreführender, illusionärer Begriff sei, der einen Absolutheitscharakter für sich nicht beanspruchen kann.
Die Grenze, über die die materialistische Sichtweise nicht hinauskommt, das ist die sogenannte "Objektive Realität", das, was da draußen unabhängig von uns herumspukt und uns im wahrsten Sinne des Wortes das Leben schwermacht. Sie beansprucht Allgemeingültigkeit und macht uns dementsprechend vollständig von ihr abhängig!
Die "Objektive Realität" hat Priorität. Wir sind nur ihr Anhängsel und dürfen zu ihr aufschauen oder hinschauen und uns von ihr Tricks abgucken, um uns das Leben mit technischen Hilfsmitteln etwas leichter machen zu können. Doch letztendlich profitiert nur unser Herr davon, die Materie, die sich mittels des Menschen in der Technik vervollkommnen darf. Da könnte ich ja echt neidisch werden, aber den Selbstvervollkommnungstick habe ich mir knallhart abgeschminkt aus objektiv notwendiger Einsicht. Ich muß meinen Platz in dieser Gesellschaft finden. In die Maschine,
in den Computer etc., hinein, ja, da finde ich meine Selbstverwirklichung in materieller Form endlich deutlich sichtbar und zum Anfassen verwirklicht. Selbst im humanmedizinischen Bereich wird auf das materielle Prinzip in technischer und immer mehr auch organisatorischer Hinsicht zurückgegriffen. Die Kliniken gleichen zunehmend einem Instandsetzungsbetrieb, in denen die lästigen Körperdisfunktionen des menschlichen Potentials eingeschränkt werden sollen. Und die Psyche erst, aber das ist eigentlich alles Quatsch, die ist sowieso nur Beiwerk!
#
Die "Objektive Realität" ist ein gar mysteriöses Ding. Kein Wunder, denn sie existiert nur in unserem Geist. Was die "Objektive Realität" wirklich ist, wird nach gestrenger materialistischer Wissenschaftlichkeit nie endgültig aufzuklären sein. Man wird immer nur Erklärungen, bruchstückhafte Annährungen, aber nie das Ganze selber finden. Und dies alles wird auch nur ein Produkt unserer Logik sein, die wiederum subjektiv ist. Auf den Punkt gebracht ist die "Objektive Realität" real nur in unserer Subjektivität vorhanden, man könnte sagen als Subjektive Realität. Was da draußen, außerhalb, wirklich vorhanden ist, wird durch den Begriff der "Objektiven Realität" in Wirklichkeit nur symbolisiert. Was da draußen an Materie usw. wirklich vorhanden ist, ist von Widersprüchen derartig durchsetzt, daß es ein Ganzes, Vollständiges nicht bilden kann. Erforderlich ist immer eine entsprechend innere, geistige Komponente. Zusammenfassend kann man sagen, daß das Äußere ohne das Innere undenkbar ist. Das Äußere und das Innere sind untrennbar miteinander verbunden.
Die Subjektive Realität ist die einzige Realität, derer wir gewiß sein können. Und diese innere Realität wird unter anderem gespeist durch unsere Vernunft, durch unsere Gefühle, durch die Befindlichkeiten, auf die wir Rücksicht nehmen sollten. Durch die subjektive Wahrnehmung bietet sich uns erst die einzig wahrhafte Möglichkeit, auch die äußere Welt zu erschließen und gegebenenfalls auf sie einzuwirken.
#
Die Materie für sich genommen wird nie das Wesen dieser Welt erkennen. Erkenntnis ist ein innerer Prozeß, der das Materielle dieser Welt übersteigt. Und nur in diesem Sinne  kann die Erkenntnis ihrem wahren Wesen gerecht werden, das sich im Tiefsten der Seele als unbedingte Freiheit offenbart. Je tiefer wir in unserer Erkenntnis gelangen, um so eindringlicher wird uns bewußt, daß es die Freiheit ist (vor allem nach Berdjajew), in ihrem absoluten Anspruch, die sich nach uns sehnt auf eine andere Weise, als es die  diesseitige Welt mit ihren materiellen Beschränkungen vermag. Führt man dagegen die materialistische Weltanschauung konsequent bis zu ihrer vermeintlichen Essenz, so ergibt sich aus ihr heraus kein Sinn, sondern nur ein Bild mechanistischer Sinnlosigkeit - haltlos und wertefrei - ein Unternehmen, das sich von innen her selbst zerstört, da es die begrenzte äußerliche Gesetzesstrenge verinnerlicht und zum Grundsatz erhebt.
#
Die Subjektivität an sich ist noch nichts Positives, sie ist einfach die innere Komponente. Auch in ihr kann der Gegensatz des Guten, das Böse, oder der Gegensatz des Bösen, das Gute, überwiegen. Und das Gute (nach Wladimir Solowjew und Berdjajew) ist letztendlich immer die einzige Wahrheit, die existiert (im Gegensatz zum Bösen), nach der wir immer suchen, auch wenn wir sie verkennen. Und verkennen wir sie, unterliegen wir dem Bösen, ein Umstand, der das Gute und mit ihr die existierende Wahrheit an sich immer nur bestätigen kann. Wäre das Böse die Wahrheit, so gäbe es uns nicht, denn das Böse ist Zerfall, Auseinanderbrechen in unendlich Vieles, doch das Gute ist das Zusammenkommen, das ist das Zusammenführen zum Ganzen hin (zum Bösen und Guten siehe P.S. am Schluß).
Das Gute ist keine feststehende Wahrheit (siehe Berdjajew!). Die Wahrheit ist kein Ausdruck der sogenannten "Objektiven Realität", die wir immer nur in uns tragen, welche "eine Bewegung zur Vollständigkeit hin" (Berdjajew) nicht zuläßt und von der Behauptung aufrecht gehalten wird, daß nur die äußere Welt einen Anspruch auf Wirklichkeit (was mit Wahrheit gleichgesetzt wird - auch dazu siehe Berdjajew) besitzt. Läge die Wahrheit allein in der äußeren Welt, so wären all unsere subjektiven Befindlichkeiten reine Illusionen, aber eigentlich gar nicht real vorhanden. Dann wäre die geistige Kommunikation, der Mensch, seine rationale Fähigkeit (die in dieser Welt paradoxer Weise irrationale Züge annimmt), die Sprache, die Subjektivität, dann wäre das primitivste Leben überhaupt erst recht nicht möglich. Die Wahrheit verlangt unsere wahrhaftige, tätige Ganzheit nach außen und nach innen. Und der Gradmesser unseres Tätigwerdens offenbart sich uns (u.a. nach Berdjajew und Solowjew) wahrhaftig immer nur in einer überwältigenden mystischen Erfahrung, die wir als bedingungslose Freiheit und als allumfassende Liebe zum Ganzen hin wahrzunehmen bereit sind, die einen Menschen insbesondere in der Liebe zu einem anderen Menschen ganz und gar erfaßt.
Freiheit und Liebe sind nichts Statisches, sondern die vollständigste Bewegtheit und Fülle in uns selbst.

P.S.: Das Böse ist eine relative Größe. Das absolut Böse gibt es nicht, denn es wäre absoluter Zerfall und somit absolute Nichtexistenz. Doch dieser absolute Nullpunkt ist das absolut geheimnisvolle Nichts, die sogenannte Leere, das absolute Potential von allem, von wo aus das Inerscheinungtreten die Dynamik immer zur Grundlage hat.
Dort kann sich in WAHRHEIT (großgeschrieben) immer nur die unendlich unerschaffene Freiheit (nach Berdjajew) befinden als Voraussetzung für den Beginn oder den Anfang des Guten, das immer nur gut ist, weil es nur mit dem Guten auch immer ein Böses gibt, welches nur! relativ sein kann.
Und auf dieser Erde ist erst durch den Menschen die Möglichkeit gegeben, daß die unbedingte, voraussetzungslose Freiheit im Menschen und nur durch den Menschen in einem Prozeß des Werdens sich seiner selbst und sich der Mensch in der Freiheit seiner wahrhaft tiefsten Existenz bewußt wird, daß die Freiheit im Menschen und der Mensch in der Freiheit zu sich selbst kommen. Und diese bewegte, dynamische, Freiheit ist letztlich absolut gut als WAHRHEIT überhaupt.
Und diese Freiheit ist das vollkommen Wesentliche (der Geist) und geht der Materie voraus. Und nur diese Freiheit im Menschen und nur der Mensch in dieser Freiheit ist zu der Liebe fähig, die einzig sinnvoll über die Vernunft auf unsere diesseitig materielle Welt einwirken kann und kein Böses mehr hat! So sehe ich das zur Zeit.

#
Aber: "Wenn wir beginnen, über das Kommen des neuen Menschen nachzudenken, kommen wir in Konflikt mit einem unüberwindbaren, tragischen Widerspruch. Wir stellen uns vor, daß die Askese der Wüstenbewohner, Krieg und Revolution und alles, was menschliches Heldentum und Opferbereitschaft voraussetzt, endgütlig von der Erde verschwinden wird und alle Gewalttaten, aber auch der Widerstand gegenüber Gewaltakten, aufhören werden. Weil es nicht länger erforderlich ist, wird alles, was den kriegerischen und kämpferischen Instinkten des Menschen entspricht, verschwinden; es wird keine Grausamkeit mehr geben, die diesen Instinkten entspringt, aber auch keinen Aufschwung mehr. Jede Form von Ekstase, der Zustand der Besessenheit der Massen, die Vergötzung des Führers oder des Königs wird veschwinden, weil es verwirklicht worden ist. Die Menschen werden mit der Verwirklichung des schon erlangten Guten zufrieden sein, und es wird keine Begeisterung geben, die zum Kampf gegen das Böse gehört. Darin liegt etwas Unerträgliches. Es wird das spießbürgerliche Reich des Mittelmäßigen sein.
Die Gefahr, bürgerlich zu werden, bleibt jeder Revolution auf den Fersen."

"Wie die Marxisten voraussahen, verschwindet das tragische Element im Leben, und es wird endgütlig verschwinden. Diese Abwesenheit des Tragischen wird vielleicht selbst tragisch sein. Innerhalb der Grenzen dieser Welt sind wir dazu verurteilt, uns Licht im Zusammenhang mit Dunkelheit und Gutes in Zusammenhang mit Bösem vorzustellen."

"Die neue Geistigkeit wird vor allem Erfahrung einer schöpferischen Aktivität und Inspiration sein. Sie wird Schluß machen mit der Symbolisierung, die mit der Erniedrigung und Bedrückung des Menschen zusammenhängt ..."

"Der Geist der Gesetzlichkeit ist immer eine Gefahr für das Geistige, er entstellt es, er paßt es im Prozess der sozialen Objektivierung der Alltäglichkeit an. Das geistige Leben besteht aber nicht darin, Regeln, Gesetze, Normen zu befolgen, dem 'Allgemeinen', dem überall Notwendigen, dem Normalen zu entsprechen. Das geistige Leben ist innerer Kampf, Erprobung der Freiheit, Zusammenstoß zweier entgegengesetzter Prinzipien, es setzt Widerspruch, Widerstand, Verneinung voraus; es enthält ein tragisches Element. Die neue Geistigkeit muß die Geistigkeit von jedem geistfremden Prinzip reinigen - von der Anpassung an das soziale Leben, vom normalen mittelmäßigen Bewußtsein ..."

"Paradies und Vollendung innerhalb der Grenzen unseres Äons wären unerträglich. Dostojewskij verstand dies sehr gut. Aber in diesem neuen Äon wird sich alles ändern, unsere Kategorien und unsere Unterscheidungen zwischen Gut und Böse werden auf ihn nicht anwendbar sein. Aber der neue Äon gehört nicht einfach zur jenseitigen Welt, zum Leben nach dem Tod, zu dem ganz Anderen. Er ist auch unsere erleuchtete und verklärte Welt, die schöpferisch frei geworden ist. Im übrigen können wir uns eine Menge Welten vorstellen, in die unsere eigene Welt eintritt und in denen die spirituelle Reise des Menschen weitergeht." - (N. Berdjajew)

(Mehr dazu bei den tiefblickenden Größen Wladimir Solowjew[1853-1900]: Die Rechtfertigung des Guten, Eine Moralphilosophie; Nikolai Berdjajew [1874-1948]: Wahrheit und Offenbarung.)
Dirk

Wahrheit ist keine objektive Wirklichkeit auf gegenständlicher Ebene

Aus: Wahrheit und Offenbarung von Nikolai Berdjajew (1874-1948):
/Dirk /

"Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben" (Joh 14,6). Was meint dies? Es bedeutet, daß die Natur der Wahrheit nicht intellektuell und ausschließlich kognitiv ist, sondern daß sie integral von der ganzen Persönlichkeit verstanden werden muß; es meint, daß Wahrheit existentiell ist. Es bedeutet, daß Wahrheit den Menschen nicht in einer gebrauchsfertigen Form übermittelt wird, so, als wäre sie ein Artikel oder eine der Realitäten in einer Welt von Dingen, es bedeutet, daß die Wahrheit auf dem Weg und im Leben ergriffen wird. Wahrheit setzt Bewegung und Sehnsucht nach Unendlichkeit voraus; sie ist dynamisch, nicht statisch. Wahrheit ist eine Fülle, die nicht in ihrer vollendeten Vollständigkeit gewährt wird. Fanatismus war immer das Ergebnis dessen, daß ein Teil für das Ganze genommen wurde und die Menschen abgeneigt waren, eine Bewegung zur Vollständigkeit hin zuzulassen.
Dies ist der Grund dafür, daß Jesus die Frage des Pilatus "Was ist Wahrheit?" nicht beatwortete. Er selbst war die Wahrheit, aber er war die WAHRHEIT, die im Laufe der ganzen Geschichte enträtselt werden sollte. Wahrheit ist nicht sbereinstimmung in der Erkenntnis einer Realität, die außerhalb des Menschen liegt. Die Erkenntnis der Wahrheit ist nicht das Gleiche wie Objektivität; mit anderen Worten: Sie ist keine Entfremdung und kein Prozeß der Abkühlung. Wahrheit ist ursprünglich, nicht abgeleitet, das heißt, sie hat keine Ähnlichkeit mit irgendetwas anderem. In ihrer äußersten Tiefe ist die Wahrheit Gott, und Gott ist die Wahrheit, und diese Tatsache wird durch dieses Buch ans Licht gebracht werden. Wahrheit ist keine Realität und nichts, was einer Realität entspricht. Sie ist vielmehr der Sinn der Wirklichkeit, ihr 'Logos', höchste Qualität und höchster Wert der Realität.
Im Menschen muß ein spirituelles Erwachen zur Wahrheit stattfinden, andernfalls wird die Wahrheit nicht oder in einem erstarrten und versteinerten Stadium begriffen. Wahrheit kann über Gott zu Gericht sitzen, aber nur weil Wahrheit wirklich Gott in seiner Reinheit und Majestät ist, im Unterschied zu dem Gott, der durch die menschlichen Ideen über ihn herabgesetzt und entstellt ist. Wahrheit ist nicht ein objektives 'datum' (= Gegebenes) sondern ein Sieg, der durch einen kreativen Akt errungen wird. Sie ist eine schöpferische Entdeckung, mehr als die reflektierte Erkenntnis eines Objekts oder eines Wesens. Wahrheit sieht nicht einer gebrauchsfertigen Realität außerhalb ihrer selbst ins Gesicht, sie ist die schöpferische Verwandlung der Realität. Eine Welt, die ausschließlich intellektuell ist, eine Welt rein intellektueller Erkenntnis, ist ihrem Wesen nach abstrakt, sie ist in bemerkenswertem Maß eine fiktive Welt. Wahrheit meint Veränderung, sie ist die Verklärung der vorhandenen Realität.

#
Wahrheit ist kein Ding, keine Realität, die zur Sphäre des Seins gehört, die sich im Erkennenden widerspiegelt und von außen in ihn eintritt. Wahrheit ist das Licht, das durch die Realität bricht und sie verklärt; sie ist die Einführung von Qualität in die Welt, die uns gegeben ist, einer Qualität, die die Welt nicht besaß, bevor die Wahrheit offenbart und erkannt war. Wahrheit ist kein Korrelat zum Sein, sondern das Anzünden des Lichtes im Sein. Ich bin in der Dunkelheit und ich suche nach Licht, ich kenne die Wahrheit noch nicht und suche sie. Aber durch diese bloße Tatsache verteidige ich bereits die Existenz der Wahrheit und des Lichts, obwohl ihre Existenz eine Existenz einer anderen Art als die Realitäten dieser Welt ist. Meine Suche ist schon das Licht, das entzündet ist und die Wahrheit, die bekannt zu werden beginnt.

Lover - Verdichtet

VAMPIR

dir kann ich es offen sagen
ich liebe frisches junges Blut
die zarte hingestreckte Kehle
ganz weiche nackte Stellen am Bauch
Rundbogen der Schultern
kantige Bogen der Hüften
zum Zerreißen gespannt
ein leckeres Nachtmahl
Pina Sommergrün

Mein Leben

Mein Leben
ist ein buntscheckiger Gaul
der durch die Wüsten jagt
auf der Suche nach Wasser
Fatamorgasmen hinterher

Mein Leben
ist eine zwitschernde Schwalbe
die durch die Städte schwirrt
auf der Suche nach Sommer
Eintagsfliegen hinterher

Mein Leben
ist eine gepanzerte Schildkröte
die durch die Sümpfe kriecht
auf der Suche nach Ruhe
Schattenspielen hinterher

Mein Leben
  ist buntscheckig
    zwitschernd
      gepanzert

         hinterher
bin ich geflohen wie zuvor
Pina Sommergrün

ich seh' dich

Erhelltes Dämmer Dunkel Baches Glitzer Funkel Nadeln glänzen grünen Blumen schweben blühen Wipfel Himmel wiegen Leben geben lieben Lüfte duften wogen Träumen fliegen droben Wiesen Gräser streicheln Lassen Sommer weichen Freude Haare wehen Hören tanzen sehen
Ro Li B.

 

GRUND

Grund
Boden den Füßen,
steh ich sicher
auf federndem Stamm vom Baum,
steh ich wie selbst
auf rauhem Findling,
stehe ich mir zu,
zu mir
am Rande des Wassers,
sehe ich mich wogend vergehen,
wogend entstehen.
Ich fühle die Wellen des Lebens,
stehe ich sicher
in dem Geraune fremder Worte,
stehe ich sicher.
Ro Li B.

Die Legende

/Roland /

Fröhlich verzweifeln

Permanenter Aufbruch mit überragenden Gitarrenduos:

Die Skeptiker

Die Skeptiker sind die Erfolgsgeschichte des DDR-Undergrounds nach der Klowende, ob-wohl sie nicht dazugehörten. Der Ehrenkodex "Punk" verbot offizielle Verhandlungen, nachdem Erich Mielke "Härte gegen Punker" angewiesen hatte. Die Skeptiker zeichneten einen Fördervertrag mit der FDJ. Furchtlose Funktionäre entdeckten zu spät, daß evangelisches Jodeln, "Wir sind glücklich, hier Ist's schön", denkende Menschen erbrechen ließ und im Lande eine progressive Kultur wuchs, in linker Opposition zu Jugendverband und Partei. Die zweitgrößte Massenorganisation der DDR besorgte Technik und Proberäume, sie erhoffte sich Einfluß. Ein Fördervertrag mit der FDJ bedeutete vor allem Auftritte. Weder Band noch Veranstalter hatten so Probleme mit dem Erlaubniswesen der Polizei, das jedes Konzert verbieten konnte, weil sich asoziale Elemente, Punks und Penner, versammelten.
Kastrierte Punkcombos der ersten Stunde, wie Schleimkeim, spielten in Kellern und Kirchen, sie erklärten den Erfolg zum Verrat, die Ursache war banal: Die Skeptiker waren die Besten.
Sänger und Texter Eugen Balanskat, der Chef, sammelt ausgesuchte Stromgitarrenduos. Das Gründungspaar Andreas Kupsch/Christoph Buntrock entsetzte mit seiner brachialen Harmonie im preußischen Off-Beat. Balanskat, abhängig vom Geschwindigkeitsrausch, trieb die Combo mit klaren Worten in aufgeräumte Hits. Singt Balanskat Englisch, klingt er wie Jello Biafra. Die Skeptiker waren nie die Dead Kennedys der DDR, sie waren Ostberliner Anspruch auf permanente Revolution, junger Aufbruch.
Das erste Westalbum "Sauerei", vertrat exemplarisch alle Veröffentlichungen des Genres. Die Bands fanden ihre Extreme, die neue Situation, gesamtsdeutsch besetzt zu sein, pumpte sichere Kraft in die Lyrik. Des Deutschen Pop-Historie erlebte nie vergleichbaren Druck, die 90/91-Platten des mehrfach umbesetzten DDR-Untergrunds sind der Höhepunkt aller deutschen Versuche. Feeling Bs "Wir kriegen euch alle", TTOs1) "accident", "Gold" von Die Art, Freunde der Italienischen Oper mit "Um Thron und Liebe", Sandows "Schweigen und Parolen", "Die erste LP" des Expander des Fortschritts waren, mit anderen, das befreite Leuchten der DDR, das den Sillys, Puhdys und Pur ins Gesicht spuckte. Die Skeptiker, mittlerweile Lars Rudel und Jan Fretwurst an den Gitarren, brachten die Sache auf den Punkt, die Hits hießen: "Deutschland hal's Maul" und "Straßenkampf", zwischendurch Pogohymnen. Der kommerzielle Erfolg des Albums ist vor allem den letzten Redakteuren von DT 64 zu danken, bei dessen Nachfolgern, vor allem den Helmut-Lehnert-Vergewaltigungen "Fritz" und "Radio Eins", ist Radio für eine Kulturgesellschaft verboten. Neben dem taz-Quintett Keimzeit und der blökenden Pfarrerstochter Bobo2) profitierten die Skeptiker. Sie kamen sogar ins Westfernsehen. Nach Abwicklung des DDR-Rundfunks sank das Engagement ihrer Firma Rough Trade. Nach zwei weiteren Scheiben, "Schwarze Boten" und "Stahlvogelkrieger", stolperten die Verkaufszahlen unters kapitalistische Fallbeil von 20.000 Exemplaren, obwohl "Schwarze Boten" die überragende Spielkultur der besten Skeptiker-Besetzung in außergewöhnlichen Kompositionen quittierte.
Dröönland, das Label der Rostocker Band Dritte Wahl, betreibt überhaupt keine Anstrengungen, Radioplätze zu besetzen, sie wären sinnlos. Mit "Wehr dich", dem fünften Album, gibt sich Balanskat dem Druck hin, seine Haft in einer Welt, die ihn störend zwingt, in wirksame Form zu gießen. Er schießt Rock'n'Roll, ursprünglich. Zum üblichen "Ich singe, ihr tanzt" verlangt der anständige Künstler: "Ihr habt zuzuhören." Pessimistische Attitüden sind fröhlicher Analyse gewichen, Taten fordernd.
[1) TTO - Tausend Tonnen Obst, 2)Bobo In White Wooden Houses]
(Emil Pasunke, aus jW)

dreamtime

(Helmut Lehnert, Sonntagabend, SFB II)

Jaja. Was? Nein, ich weiß nicht, bin jetzt nicht ganz da.
Sonntagabend war auch Traumzeit. Helmut Lehnert war (oder ist, gibt's das noch?) der Moderator einer der wenigen Radiosendungen, die man außerhalb von DT 64 überhaupt hören konnte, ohne zu veröden. Er spielte Musik, die ihm gefiel, die deshalb kaum mal woanders zu hören war und dementsprechend gut, die Geschichten erzählte. Und meist webte Helmut Lehnert dazwischen Fortsetzungen oder neues, Geschichten, um die Musik oder die Musiker, um sich oder seine Träume, oder er spann welche mit Anrufern zusammen.
Das alles mit einer Stimme, die direkt das Traumzentrum in Hirn, Mark und Bauch ansprach. Man fühlte sich entführt auf die Traumfährte, man fühlte sich mit anderen Menschen irgendwo in der Dunkelheit verbunden, auf Trauminseln oder hineingezogen in das Meer der Radiowellen, die einen manchmal emporhoben, manchmal "nur" sacht mit einem Gespinst berührten. Hinter alldem war nie eine Idee zu spüren, deshalb war immer ein Gefühl von Weite da, alles kam unvorhergesehen und man konnte deshalb gar nicht anders, als sich dieser Magie hingeben.
So würde ich auch Radio machen (wollen).
Roland

"Sicher gibt es bessere Zeiten, doch diese war die unsere"

(Teil 1, Schluß im Lover 24)
/Roland /

Einstufungen

Eine Einstufung in der Zone war ein delikates Beurteilungsverfahren von Bands aller Art durch die örtliche Kulturbürokratie. Die Reglementierung stammte wie fast alle derartigen Gesetzgebungen aus den Fünfzigern, in denen die Bezeichnung "Einstufung einer Tanzmusikformation (TMF)" durchaus noch Sinn machte. Es mußte ein Wertesystem her, um vorrangig den Lohnschlüssel für derart Beschäftigte festzulegen. Beurteilt wurden Spielqualität und Gesamteindruck. Vergeben wurden Elementar-, Grund-, Mittel-, Ober- und Sonderstufe im Amateurbereich und die begehrte Profipappe. Einher ging jedoch wie in vielen Bereichen die zunehmende Ideologisierung solcher Kulturgerichte.
Mitte der sechziger Jahre entwickelten Bands zunehmend eigenes Material, und das mußte natürlich in irgendeiner Weise kontrolliert werden können. So ergab sich mit der Zeit eine Fülle bizarrer Anforderungen, deren Erfüllung mit verschiedenen Punktzahlen von der Jury bewertet wurden. Gefragt waren zunächst plumpe Standards aus der Musiktheorie wie Dynamik, Intonation und Rhythmussicherheit. Die Gabe zum Melodischen und dessen harmonischen Auflösungen wurden ebenso liebevoll studiert wie Gruppenzusammenspiel, solistische Einlagen und Stilsicherheit. Der dritte, in den Punkten gleichstarke Kontrollbereich erfaßte die "gesellschaftliche Wirkung" der TMF. Das betraf die Ansagen, das Aussehen, die Bühnenkleidung und natürlich die Textinhalte. Hier konnte man stark ins Stolpern geraten, aber nur die Zensur glaubte das wirklich. Politisch brisante Bands wie wir lieferten brave Einstufungssets ab, um später wie gewohnt zwischen den Zeilen oder ganz offen zuzulangen.
Die Kommissionen waren oft gemischt besetzt. Da gab es Musiklehrer von den örtlichen Schulen, Mitarbeiter der Bezirks- oder Stadtkabinette für Kulturarbeit, FDJ-Funktionäre und, wenn es heikle Fälle waren, gar die Partei persönlich. Später saßen dann auch mal "gestandene Musiker" mit dabei, aber das war nicht die Regel. Einstufungen konnten nur vor der Kommission, d.h. ohne Öffentlichkeit, auf der Bühne stattfinden oder, was die Mehrheit praktizierte, bei einem normalen Auftritt., also in einem Biersaal auf dem Dorf oder in einem Klub in der Stadt.
Ende der Achtziger verschwammen die Kriterien zusehends. Die Bands kümmerten sich vorher um die Besetzung der Kommission, versuchten, eine ihnen selbst gewogene Mischung zu initialisieren. Wenn es in den Bezirken zu eng wurde, versuchte man, Leute aus Berlin dazuzulotsen. Dort sah man den Dingen längst gelassener entgegen als in der Provinz. Auch gab es schon reichlich Widerständler innerhalb der Kulturbürokratien. Ich habe mit Sandow in den Achtzigern alle nur erdenklichen Einstufungen durchgemacht, von der Elementarstufe bis zum Berufsausweis ganz kurz vor Toresschluß, was Einnahmen von 100 bis 1.700 Mark für die ganze Band bedeutete. Am Anfang hatte man noch einen gewissen Respekt, später war es wie vieles in der DDR ein nervtötendes Räuber- und Gendarmspiel.
(Kai-Uwe Kohlschmidt, aus jW)

Technik

Im Prinzip kam man erst nach einer Weile hinter den ganzen Schwindel. Man mußte schon ein paar Jährchen in einer Band gespielt haben,  um zu bemerken, daß man mit drittklssigem Zeug hantierte. Was aber auch nichts half, denn entweder hatte man astronomisch viel Geld, oder alles blieb, wie es war. Natürlich konnte man Instrumente, Verstärker und Mischpulte kaufen. Es gab sogar verschiedene Firmen, unvergeßliche Namen wie "Regent" (Verstärker, PA-Boxen), "Vermona" (Tasteninstrumente, Mischpulte) oder "Musima" (Gitarrenbau). Es gab DJ-Mischpulte der unvorstellbar untersten Kategorie ("Disco 2000") oder die legendären "schwarzen Teufel" (Mikrophone), Stereo-12-Band-Equalizer von "Vermona", die man besser gar nicht erst einschliff, da es dann erheblich mehr rauschte.
Echte Qulität allerdings gab es nur im klassischen Bereich. Traditionell verwurzelter Instrumentenbau im Erzgebirge hielt hier Weltmarken parat - bis heute sind sie im Geschäft. Bands hatten es da wesentlich schwerer. Bis auf ganz akzeptable Gitarren eben aus dem Erzgebirge oder aus der CSSR ("Diamant" und "Jolana") sah es sehr trübe aus. Keine Effekte, keine brauchbaren Verstärker, ja noch nicht einmal ernstzunehmende Kabel. Wer also keine Valuta hatte, um im Altglienicker Musik-Intershop einkaufen zu gehen, oder gar einen Reisepaß besaß, um direkt im Westen zu shoppen, der konnte nur für sehr viel Ostgeld auf em Gebrauchtmarkt seine Problemchen regeln. Und sein Mütchen kühlen dazu.
Ein bei Ostmuggern angehimmeltes Objekt der Begierde wie der Synthesizer "DX 7" kostete 20.000 Mark. Ein "Peavy-Combo", 120 Watt, schlappe 6.000 M. Ein "Boss-Overdrive" 1.100 M. Bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von knapp 600 M kann man sich vorstellen, daß der große Kaufrausch nur den wenigsten vorbehalten war. Natürlich der gasamten Mischpoke der DDR-Profirocker. Und der Rest? Der Rest war am Basteln. In jeder Band verstand sich zumindest einer darauf. Alles, was fehlte, wurde abenteuerlich zusammengelötet. Es gab sogar einen winzigen Betrieb, der anständige PA-Lautsprecher bis 500 Watt baute. Man nannte sie "Görlitzer", wie die Stadt, wo eben jene Helden friemelten. Die hatte einfach jeder. Bands hatten überhaupt sehr lange, bis Mitte der Achtziger, eigene PAs, eigene LKWs. Erst spät entwickelte sich ein kleines, aber oft überbuchtes Verleihernetz. Selbst Telefone waren keine Selbstverständlichkeit. Ich wickelte jahrelang das Bandmanagement über Telefonzellen, vor denen immer Schlangen standen, oder von Baustellentelefonen aus ab, Die Leitungen nach Berlin waren ständig überlastet. Wieder warten. Naja. Es hat mich eigentlich nie gestört, der Konkurrenzdruck war dafür wesentlich geringer. Wo wir gespielt haben, brannte die Luft und die Dielen wurden herausgeruppt für ein paar schräge Akkorde und die Wahrheit gratis dazu. Dieses ständige Improvisieren, dieses Leben als gerechter Indianer und dieser imaginäre Druck der Staatsmacht vermittelten einem viel mehramerikanische Werte vom freien Leben als dem Osten je lieb war und im Westen je erfahrbar sein wird.
(Kai-Uwe Kohlschmidt, aus jW)

Auftritte

Die klassische Rechteverwertung, Plattenverkäufe und Radiotantiemen, ließ nur Etablierte verdienen, die, wie die Puhdys, einen lebenslangen Vertrag mit Amiga über Veröffentlichungen besaßen. Musiker lebten von Konzerten. Veranstalter war jede Einrichtung, die einen Saal und Kulturfondgewalt hatte. Punkfestivals fanden durchaus zur klassischen Dorfkirmes statt, erste Multimedia Performances gingen in großen Betriebssälen gut bezahlt über die Bühne. Veranstalter waren: HO-Jugendtanzgaststätten der FDJ, Filmtheater, Theater, Konsumgaststätten, Jugendklubs der FDJ und von Betrieben, Jugendklubhäuser, Kreiskulturhäuser, Konzert- und Gastspieldirektionen in den jeweiligen Bezirken, Kreis- und Bezirkskabinette für Kulturarbeit, VEB mit eigenen Veranstaltungsreihen, FDJ-Kreis- und -Bezirksleitungen, Räte der Gemeinden und Städte, Hochschulen und Unis, Kurverwaltungen, private Kneiper und Musikantenklubs in verschiedenen Städten [und auch alle möglichen Organisationen wie NVA, DFD, VKS...].
Manager, die Organisationsleiter heißen mußten, konnten sich im Schlafe drehen, eine Tour gab's immer. Während die Profis mit garantierten Gagen von 1.200 bis ca. 20.000 Mark Veranstaltungen staatlicher und gesellschaftlicher Organisatoren bevorzugten, spielten Amateure mit zugelassenen Höchstgagen bis 1.500 M bevorzugt in privaten Etablissements gegen Eintritt. An begehrte Veranstalter wurden Schmiergelder gezahlt, ein Auftritt im "Berliner Haus der jungen Talente", heute Podewil, kostete die unbekannte Provinzband in der Regel einen Hunni, sie durfte dafür vor halbleerem Saal die versammelte Berliner Prominenz beglücken. Auftritte im Fernsehen waren teuer, die Redakteure kompensierten ihre politische Einflußlosigkeit mit Geld.
Die böse Diskrepanz zwischen Einstufung und Zuschauerinteresse, die Bombastjauler Elektra z.B. spielten im Berliner Kulturpark vor dreißig Zuschauern für weit mehr als 7.000 M, während Konzerte von Die anderen und Die Art immer überfüllt waren, ließen kapitalistische Strukturen entstehen, an ihnen profitierten private Veranstalter und Manager, gleichzeitig wurde eine komplette Szene direkter staatlicher Kontrolle entzogen. In beiden Lagern wurde sich totgemuggt, mehr als dreißig Konzerte im Monat waren in der Hochsaison durch Doppelauftritte bei Stadtfesten und Kurkonzerten möglich. Ein Häuschen mit Golf war nach zwei Jahren eingespielt. Westbands purzelten nach der Wende ins Essen, wenn ihnen Zwanzigjährige erzählten, sie hätten 1.500 Konzerte absolviert, das überdurchschnittliche Spielniveau von DDR-Musikern ist so erklärt.
Rückgrat der Entwicklung waren FDJ-Jugendklubs, bezahlt von den Gemeinden, fanden sich im warmen Arm der FDJ sogenannte Klubaktive, die spätestens seit 1986 organisierten, was ihnen paßte. Irgendwann war jeder Klub ein autonomes Zentrum mit besten Verbindungen und guter Finanzierung. Die große Anzahl machte flächendeckende Kontrollen unmöglich, das unheimliche Potential innovativer Combos Ende '89 gärte im Mist der FDJ.
(Heinrich Hecht, aus jW)

Do What I Say

Clawfinger
/Achim  und Übersetzung/
 
Do What I Say

Don't do this don't do that
Don't you ever talk back
Don't speak with food in your mouth
Just keep quiet while the grown ups are talking
I'm not being mean I'm just being fair
It's just because I really care
You know that I love you
But shut your mouth you just have to do what I say

I don't want you to lie
You're much too old to cry
You're just to young to know
But when you're older you'll understand
You are mine I own you
Look at me I'm talking to you
Don't use that tone to me
So shut your mouth you just have to do what I say

When I grow up there will be a day
When everybody has to do what I say
When I grow up there will be a day
When everybody has to do it my way

I've paid to raise you good
Done everything I could so don't you dare to say
That I never cared about you anyway
I gave you good food to eat
I kept you on your feet
I gave you all my good advice
Not once did I hear you thank me for all that I've done

You don't know anything
About my suffering
I went through a lot of pain
Just to get you where you are today
If I ever hit you
It's because I have to
You have done something wrong
And you deserve the punishment, you'll have to pay

When I grow up there will be a day
When everybody has to do what I say
When I grow up there will be a day
When everybody has to do it my way

Don't ask me why not
Be glad with what you've got
Don't tell me you're alone
You should be glad that you have a home
Just look me in the eyes
You have to realize
I make the rules that's it
It's for your own good so you have to do what I say

When I grow up there will be a day
When everybody has to do what I say
When I grow up there will be a day
When everybody has to do it my way

Mach was ich sag'

Mach nicht dies, mach nicht das
Widersprich bloß nie
Sprich nicht mit vollem Mund
Sei still, wenn Erwachsene sich unterhalten
Ich bin nicht böse, ich bin gerecht
Es ist, weil ich mich wirklich um dich sorge
Du weißt, ich liebe dich
Aber halt den Mund, du hast zu machen, was ich sage

Ich will nicht, daß du lügst
Du bist viel zu alt, um zu weinen
Du bist zu jung, um zu wissen
Aber wenn du älter bist, wirst du's versteh'n
Du bist mein, ich besitze dich
Sieh mich an, ich rede mit dir
Sprich nicht in dem Ton mit mir
Halt deinen Mund, du hast zu machen, was ich sage

Wenn ich groß bin, wird's einen Tag geben
Wenn jeder zu machen hat, was ich sage
Wenn ich groß bin, wird's einen Tag geben
Wenn jeder es nach meiner Nase machen muß

Ich habe gezahlt, um dich groß zu ziehen
Tat, was ich konnte, also wirst du wohl nicht sagen
Daß ich mich nie um dich gekümmert habe
Ich gab dir gutes Essen
Ich hielt dich auf den Füßen
Ich gab dir meine guten Ratschläge
Nicht einmal hörte ich einen Dank für das, was ich tat

Du weißt nichts
Über meine Leiden
Ich ging durch eine Menge Schmerz
Um dich dahin zu bringen, wo du heute bist
Wenn ich dich je schlug
So mußte ich es tun
Du hast etwas falsch gemacht
Und du hast die Strafe verdient, du mußt zahlen

Wenn ich groß bin, wird's einen Tag geben
Wenn jeder zu machen hat, was ich sage
Wenn ich groß bin, wird's einen Tag geben
Wenn jeder es nach meiner Nase machen muß

Frag mich nicht, warum nicht
Sei zufrieden mit dem, was du hast
Erzähl' mir nicht, du seist allein
Du solltest froh sein, ein Zuhause zu haben
Sieh mir in die Augen
Du mußt erkennen
Ich mache die Regeln, so ist es
Es ist zu deinem Besten, also mach, was ich sage

Wenn ich groß bin, wird's einen Tag geben
Wenn jeder zu machen hat, was ich sage
Wenn ich groß bin, wird's einen Tag geben
Wenn jeder es nach meiner Nase machen muß

BODIES

Sex Pistols
/Roland /

Knochen, heiße Augen blind zu sehen.
Vibrierende Haut taub zu fühlen.
Gehetzte Gedanken flach zu spüren.
Gepreßter Mund trocken zu küssen.
Rinnender Schweiß brennend zu streicheln.

Schwarzer Locken inniger Liebe
Heißer Tage Sonnenluft
Grauer Schimmer Traurigkeit
Über schwindendem Lächeln
Tod tief drinnen
Kein Zurück

Lila ist schön!
Weiß ist grün!
Es muß was passieren!
Ey!
Laß uns tanzen
Mit zuen Augen!

HOPE

Quicksilver Messenger Service
/Roland /

Liebe die kurze lange Nacht,
Sonne hat mich um den Schlaf gebracht.
Bleibe allein und denke an dich.
Zeit, die stirbt, denkt nur an sich.

Ich rausch den Sternen nach,
und du wirst wach.
Offenbart sich dann das Leben,
würd' ich dir meine Hände geben?

Daß mit dem Blühen der Linden
der Sommer erst beginnt
und nicht im Traum zu finden
durch meine Zimmer rinnt.

Still, geschlossen unsere Augen,
dann will ich die Bilder sehen,
dieses Lieben will ich schauen!
und nicht die Dinge,
die zwischen uns stehen.

UN-ART

Alles Stümperhafte ist individuell, und bei jeder Stümperhaftigkeit im einzelnen eines Kunstwerks tritt das Individuum hervor. Die Vollendung der Form hingegen ist die höchste Selbstverleugnung des Künstlers.
August von Platen (1796-1835)

Schätzerdeutsch

/Achim /

Die meisten von euch werden sich nur selten mit Personalcomputern, Monitoren, Keyboards, Scannern, anderer Hard- und Software beschäftigen. Das Computerenglisch schreckt viele ab, man versteht sowieso nur 'station' (Bahnhof). Aber es geht auch ganz ohne Englisch! Den meisten von uns ist klar, dass das englische Wort Computer vom Verb compute (rechnen, schätzen) kommt, dass ein Computer also ein Rechner oder Schätzer ist. Dieser Artikel soll all jenen helfen, die vielleicht gerade erst anfangen, sich mit diesem komplexen Thema etwas näher zu befassen, die nicht mit einem Spielbuben aufgewachsen sind und die nicht schon von Kind auf all diese verwirrenden Begriffe wie eine Muttersprache auf natürlichem Wege erlernen konnten! Die Autoren haben versucht, all jene Begriffe, die man im Umgang mit dem Computer benötigt, in die deutsche Muttersprache zu transferieren ... d.h. umzusetzen...

Teil 1: Die Hartware - Mutterbrett und Riesenbiss (zum Eingewöhnen: Motherboard und Megabyte)

Beginnen wir vielleicht mit den einfachen Dingen, die wir sehen, anfassen und damit auch noch begreifen können! Alle Bausteine eines Schätzers werden als Hartware bezeichnet. Es ist sehr wichtig, bei der Auswahl der Hartware sorgsam zu sein, denn nur auf guter Hartware kann die Weichware richtig schnell laufen. Bei der Hartware ist das Mutterbrett von besonderer Bedeutung. Das Mutterbrett soll unter anderem mit einem Schnitzsatz von Intel ausgerüstet sein, die auch die ZVE (Zentrale Voranschreitungs-Einheit) geliefert haben sollte. Damit wir uns bei der Arbeit richtig wohl fühlen, sollten wir einen 17-Daumenlang-Vorzeiger und ein ordentliches Schlüsselbrett dazulegen. Damit auch anspruchsvolle Weichware eine gute Vorführung zeigt, müssen mindestens 32 Riesenbiss Erinnerung eingebaut sein.
Natürlich gehört neben dem 3 1/2-Daumenlang-Schlappscheibentreiber auch ein Dichtscheiben-Lese-nur- Erinnerung-Laufwerk zur Grundausrüstung. Eine Hartscheibe mit zwölf Gigantischbiss dürfte für die nächsten zwei bis drei Jahre ausreichend Erinnerungsplatz für Weichware und Daten bieten. Wenn wir unseren PS (persönlichen Schätzer) auch zum Spielen benutzen wollen, sollten wir uns neben der Maus auch noch einen Freudenstock und ein gutes Schallbrett anschaffen.
(Teil 2 Weichware folgt im Lover 24.)

Frau ? - eine Odyssee, 4. Teil

aufgeschrieben von Regina
(1. Teil in LOVER 20, 2. Teil in LOVER 21, 3. Teil in LOVER 22)

Frau ? erwachte am nächsten Morgen völlig zerschlagen in dem wackligen, bei jeder Bewegung abscheulich quietschenden Bett der Pension "Nach des Tages Mühen".
Durch die vergilbten Gardinenfetzen blinzelte bereits die Sonne ins Zimmer. Frau ? erschrak: 'Oh Gott, ich habe verschlafen! Ich muß doch längst im Büro sein!' Aber dann erinnerte sie sich daran, daß weder im Büro noch sonstwo irgendjemand auf sie wartete, und ihr wurde hundeelend zumute. Doch immerhin hatte sie heute den Termin beim Arbeitsamt. Dort würde sie endlich erfahren, wer sie vor ihrem Leben mit Horst gewesen war. Mein Gott, vielleicht war sie ja in Wirklichkeit eine berühmte Schriftstellerin, die diese ABM "Frau Meyer" nur angenommen hatte, um dabei Recherchen für ein neues Buch anzustellen? Oder sie stammte aus schrecklich reichen Kreisen und wollte sich einmal - des Müßiggangs überdrüssig geworden - ihren Unterhalt auf ehrliche Weise erarbeiten?
Wer auch immer sie gewesen sein mochte, Frau ? war sich jetzt sicher, daß es irgendetwas Besonderes war. Sie stand voller Elan auf und blickte selbstbewußt in den angeschlagenen Spiegel über dem kleinen, schmuddeligen Waschbecken. Nein, so sah keine x-beliebige Frau von der Straße aus! Diese interessanten Fältchen um den Mund herum und diese Augen: blau und unergründlich wie der Ozean! Und dazu diese weißen, zarten Hände, von kleinen blauen Äderchen durchzogen - wie der reinste Marmor! Ob sie gar irgendeinem adligen Hause angehörte?
Frau ? machte sich, so gut es unter diesen mißlichen Umständen eben ging, zurecht und begab sich stolz erhobenen Hauptes in den Speisesaal der Pension.
Ein äußerst schmieriger Mensch stellte wortlos, aber mit großem Geschepper ein Tablett auf ihrem Tisch ab und verschwand gleich darauf wieder. Frau ? warf einen angewiderten Blick auf das, was ihr Frühstück darstellen sollte: Die Tasse mit der dünnen, bräunlichen Brühe, welche die Bezeichnung Kaffee nicht verdiente, war bereits zur Hälfte geleert, denn der fehlende Inhalt hatte sich auf den Teller ergossen, auf dem zwei gummiähnliche Semmeln schwammen. Die Butter entpuppte sich als ranzige Margarine, die Marmelade war von einem weißlichen Pelz überzogen, das Ei erwies sich beim Aufschlagen als fast roh und strömte einen fauligen Geruch aus. Frau ? wurde übel. Sie wollte sich gerade lauthals beschweren, da betraten weitere Gäste das Speisezimmer. Da Frau ? mit dem Rücken zur Tür saß, konnte sie zunächst nur die Stimmen der Neuankömmlinge vernehmen: ein weibliches, aufdringliches Kreischen und ein männliches Grunzen. Kein Zweifel, es mußte sich um ihre nächtlichen Zimmernachbarn handeln. Frau ?  drehte sich um, und beinahe wäre ihr dabei das Messer, das sie noch unentschlossen in der Hand hielt, zu Boden gefallen.
Der grunzende, geile Bock von gestern Nacht war niemand anders als ihr ehemaliger Chef aus dem Büro! Deshalb hatte der immer so schlecht ausgesehen, wenn er sich mal auf der Arbeit blicken ließ. Auch der Chef erkannte seine entlassene Sekretärin und lief, peinlich berührt, rot an. Ungelenk kam er auf Frau ?-s Tisch zu, das plötzlich verstummte Frauenzimmer folgte ihm nur zögerlich und sichtlich genervt.
"Frau Meyer?! Was machen sie denn hier? Darf ich vorstellen: Meine Nichte Sieglinde Hüpenbecker - Frau Meyer, meine ehemalige Mitarbeiterin." "Guten Tag, Chef - im übrigen ab heute nicht mehr Frau Meyer!" "Ach ja, Entschuldigung, und wie heißen sie jetzt ..., ich meine, wie ist ihr richtiger Name?" "Ja, also, ich bin ..., auf jeden Fall werden sie noch von mir hören, Chef! Jetzt muß ich aber los, wichtige Termine - sie verstehen!" Und Frau ? steuerte, nachdem sie sich von ihrem Ex-Chef und dessen angeblicher "Nichte" - welch lächerlicher Einfall! - verabschiedet hatte, siegessicher dem Ausgang zu.
Verängstigt nahm der Chef mit seiner Bettgenossin am Frühstückstisch Platz.
"Wat is denn man bloß los, Karl-Otto? Dir is ja vor Schreck die Kauleiste uffjeklappt! Schanierst du dir vor so 'ner billigen Angestellten?!" "Oh Gott, Sieglindchen, vielleicht war die von der Presse bei uns eingeschleust, dieser ganze Arbeitseifer kam mir gleich so verdächtig vor.
Wenn die jetzt vom Leder zieht! Hoffentlich hat die uns nicht heimlich geknipst! Die Firma gehört doch meiner Frau!"
"Nu mach dir mal nich ins Hemde, die gibt doch bloß an! Komm schon, 'eß 'ne Semmel, denn jeht et dich besser!" Doch der Appetit war dem Chef gründlich vergangen.
Zwei Stunden später saß Frau ? im Flur des Arbeitsamtes. Zwei ältere Frauen warteten mit ihr und unterhielten sich über die gestrige Ausstrahlung der "Heimatmelodien". Die hatte Frau ? in der ganzen Aufregung fast vergessen, doch nun mußte sie es wissen: "Entschuldigen sie, wer hat denn den 1. Preis in der Kategorie 'Volkstümliches Gesangsduo' gewonnen?" "Ich glaube, das waren Gilbert und Gilbert mit 'Du hast nichts gesagt', dabei ist das doch der reinste Schlager! Die tragen ja nicht mal Lederhosen!"
Frau ? wollte ihre ausgemachten Lieblinge gerade energisch verteidigen, als ihre Nummer auf der elektronischen Anzeige erschien. So zischte sie der Schmäherin nur zu: "Sie haben doch keine Ahnung!" und begab sich unverzüglich in das Zimmer 117 zu Frau Schindler. "Ach ja, Frau ...?, setzen sie sich doch!" wurde Frau ? begrüßt. "Tja, ihre ABM-Stelle ist ja nun ausgelaufen. Sie werden verstehen, daß wir jüngeren Leuten auch eine Chance geben wollen."
"Ja, natürlich. Obwohl man mich schon etwas langfristiger auf diesen Wechsel hätte vorbereiten können. Andererseits ist so eine schäbige Bürostelle auf die Dauer etwas lästig." "Na, na, da würde sich so manche die Finger danach lecken, zumal sie ja bei Herrn Meyer in guten Händen waren!" "Ach ja, der Horst ... Es mag ja ein ganz netter Kerl sein, aber wenn ich es recht bedenke, so fehlte ihm doch jegliche Klasse." "Wenn sie meinen. ich glaube allerdings, daß wir so auf die Schnelle nichts Vergleichbares für sie finden werden. Na, fragen wir mal den Computer. Wie war noch gleich der Name?"
"Meyer, Trude." "Nein, nein, ich meine jetzt ihren richtigen Namen." "Ja, wissen sie, man hat ja heutzutage so viel im Kopf ... Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht mehr."
"Wie bitte?! -
Na, er muß ja unter ihrer Stamm-Nr. eingegeben sein." Doch so sehr Frau Schindler auch die Tasten bemühte, der ursprüngliche Name von Frau Meyer war durch irgendeinen Fehler nicht auffindbar.
Fortsetzung folgt

Heimatkunde

"Die ganze Welt ist die DDR"
Basisgespräch mit Dr. Aljoscha Rompe, Sänger von Feeling B
/Roland /

Nach zehn Jahren ist der musikalische Underground der DDR wirkungslos verpufft, Ihr seid die Letzten.
Natürlich sind Feeling B die einzigen, die das Banner hochhalten. Du kannst uns fragen, wie war es vor der Sintflut, während der Sintflut und nach ihr. Und wir sagen, vor und während war's gut, und nach der Sintflut ist alles besser geworden. Nach der Wende gibt's die Sintflut, und die einzigen, die überleben, sind die Ostler. Die sind jetzt alle ein bißchen in den Underground gegangen, sie ertragen den normalen Westen nicht. Der Westen ist nur zu ertragen, wenn du ihn vollkommen im Griff hast.
Wie greift man den Westen?
Indem du ihnen alle Möglichkeiten zeigst, die sie hier verspielen, dieses ganze Kunstgewerbe, die Superstarversuche, in den Schatten stellst.
Der ganze Kreis von Bands, die den Rand der Legalität besetzten, ist bis auf euch und Freygang verschwunden.
Die Skeptiker gibt's noch.
Die waren FDJ-Förderband.
Das ist für mich die einzige Ost-Undergroundband, die überlebt hat. Wir waren nie Underground, wir sind offiziell eingestiegen. Wir haben sofort Einstufung gemacht, Sonderstufe, die höchste Einstufung.
Wer hat da gedreht?
Nischt gedreht. Alexander Krienig, der jetzt als Fakir durch die Gegend rennt, trommelte so phantastisch, die konnten gar nicht anders. Einen Tag später hab' ich einen riesigen Bus gekauft, das war nur den Profibands vorbehalten, ich aber hatte Geld. Innerhalb von fünf Minuten hatten wir Bus, PA und einen Techniker. Das war der Anfang von Feeling B.
Da sind alle ins Essen gefallen. Drei Monate vorher sind wir noch mit Bands umhergefahren, haben drei Lieder gespielt und sind besoffen von der Bühne gefallen. Wir sind ohne Geld losgefahren, haben Ohrringe gemacht während der Zugfahrt, dann haben wir ein Taxi genommen, sind zum Konzert gefahren, haben ein bißchen Ohrringe verkauft, dann haben wir zum Schluß die Band in die Bar eingeladen. Und alles mit drei Liedern. Wir haben Geld verdient wie Heu. Für die anderen waren wir immer bekloppte Chaoten, musikalische Idioten. So'ne typische Ostband, den Namen weiß ich nicht mehr, mit diesem Lukas Langhoff, der jetzt Theater machen will, als Beleuchter, hat Paul vorher immer auf die Schulter geklopft, "Du schaffst das schon", dann haben sie überlegt, welche Hosen sie sich anziehen. Die konnten sich nicht vorstellen, wie das ging und haben sich aus Frust aufgelöst, obwohl sie 'n Hit hatten.
So ist Feeling B gestartet. Wir flogen durch die Gegend, wie es sich für eine Band gehört.
Wir sind keine Underground-Band. Man denkt immer, wie schwer das war. Die Schere dabei aber ist im Kopf. Das ist hier verboten, das ist da verboten, wie kann man denn so einen Text machen. Aber eigentlich konntest du machen, was du wolltest. Jede Tür, die wir geöffnet haben, blieb offen. Wir sind zu Amiga [die DDR-Plattenfirma] gekommen und haben als erste Band dieser Szenerie eine LP gemacht. Wir haben "Flüstern und Schreien" [DEFA-Film] mit Tontechnik ausgerüstet. Paul hat den Film geschnitten, ich die Public Relations übernommen, weil der Public-Relation-Direktor der DEFA ein Kranker war, der hatte drei Herzinfarkte und durfte nicht aufgeregt werden, das waren Kommunisten bei der DEFA.
Alle erinnern sich laut nur daran, daß sie verboten waren?
Wir haben immer versucht, keinen Krampf zu machen. Mir war es immer peinlich, wenn Tatjana von der Firma [DDR-Punkband] mir von politischen Aktionen erzählte, ich wollte keine politischen Aktionen machen, ich wußte immer, das ist alles Blödsinn. Alle, die in dieser Richtung gearbeitet haben, sind bekloppt, damit wollte ich nichts zu tun haben. Die meisten der mutigen Kämpfer, stellte sich dann heraus, waren bei der Staatssicherheit. Mir waren die Kämpfer immer peinlich. Die Fans haben gesagt, ihr seid doch nicht so rot wie die Firma. Das war kein Lob. Rot hieß positiver Kampf, dioe Fans fanden die Idee des Sozialismus zumindest attraktiver als die Idee des Kapitalismus. Die Idee des Kapitalismus heißt ja nur Geld. Klar konnten die  nicht in den Westen fahren und wurden politisch kurz gehalten, das Makabere aber ist, jedes Wort, das ihnen über den Kapitalismus gesagt wurde, stimmt nicht nur, die Propaganda war untertrieben. Der Kapitalismus ist so ein bescheuertes, betrügerisches System. Millionen Idioten arbeiten für die, die nischt machen, dreihundertzwanzig Milliardäre, die auf Zinsen schlafen. Und das Geld wird dafür eingesetzt, noch beklopptere Menschen zu züchten, die Produktion und den Geschmack noch billiger zu machen. Hunderte Millionen Menschen werden in den letzten Schwachsinn 'reingeschossen.
Du warst einer der wenigen, der das kannte.
Ich bin zwei Jahre durch die Welt getrampt und wußte: Das ist die Welt. Ich wollte Kontakte zur Westberliner Musikszene aufbauen, das ging nicht. Alles überdrehte Leute, die wollten irgendwie Faxen machen, die wußten überhaupt nicht, was sie taten. Versuchten mit dämlichem Schwachsinn aufzufallen, mit besonderen Frisuren, irgendwelchen Stylings, es war nicht auszuhalten. Irgendwann bin ich nur noch zu finanziellen Transaktionen in den Westen gegangen, wenn ich Geräte kaufen mußte. Ich wollte mich nicht in Kreuzberger Kneipen aufhalten, unter diesen kleinen Idioten, diese ganzen sogenannten Alternativen, langweilig, bekloppt und haben nischt auf Tasche.
Im Osten waren die Leute wenigstens natürlich, im Westen waren sie zu aller Blödheit auch noch unnatürlich. Hat man schon seinen Geist versaut, sollte man wenigstens natürlich bleiben und nicht versuchen, Geld zu verdienen, als einziges Ziel im Leben, seine Existenz abzusichern. Das sind die Primitiven, mit denen wollte ich nichts zu tun haben.
Ihr habt nie in Kirchen gespielt.
Feeling B war nie verboten, das hat mich immer gewundert. Wir hatten Vorbereitungen getroffen, uns zu evakuieren, nach Polen. Der Westen war zu unangenehm. Nach Polen mit 'nem Schweizer Paß, das ging.
Die meisten Punkbands, die heute kein Schwein mehr kennt, haben fast nur in Kirchen gespielt und verstanden sich als Systemopfer im Widerstand.
Das Problem ist, daß du die Welt so interpretierst, wie du bist. Wenn du paranoid bist, dich unterdrückt fühlst, dann bist du unterdrückt. Gerechterweise muß ich sagen, daß mein Vater im Zentralkomitee [der SED] war und ich hatte 'nen Schweizer Paß, eine geniale Situation. Die Stasi hat mich drei Monate wegen staatsfeindlicher Hetze eingesperrt, weil ich nicht mit ihnen redete. Ich habe ihnen gesagt, sie brächten alles durcheinander. Mein Vater leitete aber die ganze Wissenschaftsspionage und war im nationalen Forschungsrat und außerdem angeblich beim KGB [sowjetischer Geheimdienst]. Ich hatte den besten Anwalt der DDR, Professor Kaul, der war gottgleich, den hätte nicht mal Erich Honecker angegriffen. Sie haben versucht, mich in die sozialistische Produktion einzugliedern, in einem Staatsbetrieb für Überwachungskameras, nach einer Woche bin ich krank geworden und hab' gekündigt. Dann hat mein Vater mich als seinen persönlichen Sekretär eingestellt, und die Stasi hat ihm gesagt, er muß die ganze Verantwortung für mich übernehmen. Ich konnte sympathisch auf die Kacke hauen.
Du warst dann der Outlaw, der durch die Lande zog und trotzdem diese Strukturen bediente.
Das war genau wie jetzt, du hast irgendwo Verträge gemacht und gespielt. Im Prinzip hat der Staat gezahlt, die Leute haben drei Mark zehn bezahlt, und die Gage der Staat. Wie die Schrippensubventionen, das war wirklich einmalig in der Welt. Ich hab' die band immer als Guerillakommando begriffen. Was ist eine band? Die ist nicht faßbar. Die taucht mal da auf, dann ist sie wieder am entgegengesetzten Ende des Landes, dann gibt's wieder ein unheilvolles Konzert, und wenn sie in Sachsen verboten war, dann haben wir eben in Thüringen gespielt.
Also doch verboten?
Nein. In Berlin-Weißensee zum Beispiel durften wir nicht spielen. Da war so 'ne Kuh bei der Polizei, Erlaubniswesen, die verbot unsere Veranstaltungen immer, dann haben wir eben in Adlershof gespielt. Zwischendurch sind wir in Polen verschwunden, als deutsche Band erstaunlich erfolgreich.
Nicht ein Text von euch wurde verboten?
Ich hab' überhaupt nie eine Textkritik bekommen, wir sind einfach begünstigt. Klar hab' ich auch immer gedacht, irgendwas wird jetzt passieren, du wirst jetzt rausgeschmissen.
Ich hab' den Staat betrachtet wie eine hysterische Mutter, bei der du nie weißt, was passiert, aber komischerweise immer alles durchsetzt, was du willst. Deshalb ist alles geglückt. Man hat so vorsichtig eine Tür bei Amiga aufgemacht, zum Schluß haben die uns ein ganzes Studio drei Monate gestellt. Ich habe dort Grillpartys gemacht, im teuersten Studio der DDR, mit hundert Mann, ich habe mich dort regelmäßig besoffen, die Fans haben die teuren Neumann-Mikrophone geklaut, dreitausend Mark das Stück, ich hab' drei Monate nur gesungen, wenn ich besoffen war. Drei Monate, das sind jetzt 250.000 Mark, das bietet dir heute keine Firma. Wir waren die erste Punkband, die zu der einzigen professionellen Plattenfirma kam. Und Paul hat denen über Musik einen Vortrag gehalten, dem Produzenten und dem Tonmeister. Er hat ihnen die schlimmsten Garagenplatten vorgespielt, völlig schräge Geschichten, er hat ihnen gesagt, das ist die Musik der Welt. Die haben gesagt, das ist ja unglaublich, daß es so etwas gibt, da wissen wir nicht, was wir machen sollen. Danach akzeptierten die alles. Ich lag besoffen auf der Erde, na und?
Die Staatsprofis durften ständig Platten machen, ihr habt wenigstens musikalisch in der Opposition gearbeitet. Wart ihr neidisch?
Ich kenne die alle privat, Toni Krahl von City kenn' ich, seit der sechzehn war. Ich finde viele der DDR-Songs aus diesem Bereich wunderbar. Ich hab' überlegt, ob man nicht 'ne Cover-CD macht mit den besten Titeln, ganz phantastische Hits, die eine ganz eigene Art haben, wo man sagt, das ist DDR. Text und Inhalt gehen mit fast religiöser Kraft über die Grenzen des normalen Lebens hinaus. Da sie den Sozialismus nicht real kritisieren durften und wollten, mußten sie etwas finden, was weit drüber steht, mit phantastischer Wirkung. Im Westen hatten die nur ihre blöden Schlagertexte, ohne diese Dichte, die richtige Power. Das würd' ich mal nebenbei produzieren.
Gut laufende Bands haben bis zu zwölftausend Mark für den einzelnen Musiker im Monat eingespielt. Du bist nie reich gewesen.
Wozu? Ich brauchte im Osten zweitausend Mark im Monat, um sehr gut zu leben. Das heißt, die anderen haben zu viel gearbeitet.
So ein Titel wie "Ich weiß nicht, was soll es", der steht immer über allem, wie alle unsere Lieder. Die sind alle aktuell. "Mix mir einen Drink", die Sachen haben heute genau dieselbe Relevanz. Mysteriöserweise sind alle Feeling B-Titel völlig modern.
Warum schmieren dann jetzt nach zehn Jahren alle diese Bands ab? Sandow haben sich aufgelöst, Herbst in Peking spielen vor zwanzig Leuten, Die Art verkaufen achthundert Platten.
Wenn man jetzt in dieser Welt lebt, muß man in einer Vision leben, einer Vision mit Zukunft, wenn man die nicht besitzt, hat man keine Existenzberechtigung auf der Bühne. Das ist das Problem. Früher war es einfach, sich an den eigenen Haaren an der Regierung aufzuziehen. Ich habe nie dem Staat an irgendetwas die Schuld gegeben. Die Frage ist doch, wo ist die eigene Unvollkommenheit, was ist die Wurzel. Man eilt den Zeiten immer voraus. Wir haben keine anderen Dimensionen erreichen können, das geht auch gar nicht in Berlin. Von hier aus kann man die Welt nicht verändern, abgesehen davon, daß die Welt sich sowieso ändert. Manche Wellen hinterlassen keine Spuren.
Wenn es ein Monopol gibt, gibt es ein Monopol. Früher war das Amiga, jetzt sind es Sony und Bertelsmann. Also gehen wir jetzt zu Sony. Was soll ich bei 'ner anderen Firma? Wenn dein Zeug nicht gespielt wird, hat es keinen Sinn, eine Platte zu machen. Die fragen mich immer, wann kommt die vierte Platte, wir könnten jede Woche eine Platte machen, wenn die aber nicht im Radio kommt, ist das Blödsinn. Früher konnte ich persönlich zu DT 64 gehen, habe zwanzig CDs verteilt - und die Reklamekampagne war perfekt. Das lief dann. Jetzt kannst du die Firmen dazwischenklemmen, hundertzwanzigtausend Mark ausgeben, damit die mit der Grundwerbung anfangen, und du läufst immer noch unter "ferner liefen". Ich muß nicht nach Westfalen gehen, in Mexico oder Frankreich ist es viel lustiger, was soll ich in Deutschland weiter robben? Die ganze Welt ist die DDR. Und wir nehmen die Welt in den Griff.
Übrig bleibt dann nur Schwachsinn wie die Prinzen und Rammstein.
Es können ja nur die übrig bleiben, die neu in die Zeit denken. Wir haben beschlossen, Rammstein zu machen, das wurde die erfolgreichste deutsche Band aller Zeiten. Und jetzt machen wir Feeling B, und das wird alles schlagen, was es überhaupt auf dieser Welt gegeben hat. Rammstein haben wir geschickt, das sind heimliche Agenten von uns. Unser erstes Konzert war mit Freygang auf einem Dorf zwischen Berlin und Potsdam, da haben wir drei Lieder gespielt, haben vorher fünf Wodka getrunken, sangen "du wirst den Gipfel nie erreichen", dann sind wir von der Bühne gefallen. Das letzte eigentliche DDR-Konzert war dann am 9. November in Westberlin, das wurde immer voller. Die haben die Mauer aufgemacht, damit wir ausverkauft spielen, das war nett von der DDR.
(Heinrich Hecht, aus jW)

Tragische Geschichten

Der Hamburger Indie-Labelmacher Alfres Hilsberg erzählt, warum der Westen nach 1989 keinen Osten hören wollte
/Roland /

Warum hast du 1989 für "What's So Funny About" keine Ostuntergrundband verpflichtet?
Musikalisch erschien mir die  meiste DDR-Musik als zu wenig eigenständig, ja geradezu drittklassig. Es gab im Untergrund zwar musikalisch sehr interessante Sachen wie Sandow und AG. Geige, doch hatten die im positiven Sinn eigenartige Texte, die man inhaltlich nicht in den Westen transportieren konnte. Verglichen mit den sehr direkten Alltagstexten, wie sie im Westen üblich waren, kamen aus dem Osten zurückgenommene,, verschlüsselte, eher lyrische Sachen, die ihr Publikum nur im osten finden konnten, weil man dort die Hintergründe verstand, aus denen sie entstanden waren. Darüberhinaus hat mich der sofortige Zugriff von westlichen Labels auf den Osten - wie in anderen Bereichen von Kultur und Wirtschaft fiel man dort in Piratenmanier über den Osten her - so angeekelt, daß ich mir sagte: Mit diesem Scheiß willst du nichts zu tun haben - ich trag' doch nicht dazu bei, den Osten auszuverkaufen.
Haben damals Ostbands versucht, mit dir in Kontakt zu treten?
Das war eher die Ausnahme. Die meisten ostbands waren sofort begehrt bei westlichen Firmen, so daß sie kaum Gelegenheit hatten, sich etwas Vernünftiges zu überlegen und sich nicht über den Tisch ziehen zu lassen. Manche haben von sich aus etwas auf die Beine gestellt, wie z.B. "Peking ReKords", was ich einen interessanten, wenn auch zum Scheitern verurteilten Ansatz fand. Schon in den frühen Achtzigern bekam ich obskurste Tapes, z.B. von Müllstation, einer Punkband aus der Nähe von Magdeburg, die mir sehr gefiel. Der Sänger rief mich immer von einem Landkino an. Als das aufflog, bekamen die Schwierigkeiten und der Kontakt riß ab.
Bis heute scheint der Osten den subkulturellen Westen gut zu kennen, der Westen aber überhaupt nichts Vergleichbares über den Osten.
Weil er meist nichts wissen will. Daher ist außer dem Mainstream-Elend wie Puhdys im Westen nichts bekannt geworden. Die Leute, die Anfang der Achtziger begannen, sich in entsprechenden Medien als Avantgarde zu stilisieren, haben sich gegen den Osten abgeschottet. Zum Teil zu Recht, zum Teil aus Unsicherheit, aber auch aus einer unglaublichen Arroganz heraus.
Eine der Ekelgruppen überhaupt sind Keimzeit. Warum die im Westen keinen Erfolg hatten, verstehe ich nicht. Das ist eigentlich eine Band, die von den Grünen hätte vereinnahmt werden können. Die hatten das richtige Hippie-Image und scheiterten trotz Westfirma am Oststigma. Die einzigen, die es im Westen geschafft haben, sind die Inchies, die verkaufen heute fünfstellig.
Hätte man nicht Bands aus dem Ost- wie West-Underground als Paket bündeln und im Westen auf Tour schicken können?
Ich habe Die Freunde Der Italienischen Oper, die mich mit ihrer eigentümlichen Idee von Rockmusik sehr faszinierten, damals auf einem Sampler herausgebracht - das fanden die Westler dann plötzlich interessant und fragten: Wo kommen die denn her, von denen haben wir ja noch nie was gehört. [ - : "Interessant". Das Leben ist "interessant". Oh Gott!...] Aber leider lösten die sich aus unklaren Gründen auf.
Wir haben versucht, Sandow im Westen auftreten zu lassen, das hat überhaupt nicht funktioniert. Die wollte niemand buchen. Es gab dann die Idee, im Frühjahr dieses Jahres Sandow mit Rammstein zu koppeln. Das ist aber nicht zustande gekommen, weil Rammstein im ersten Halbjahr keine Konzerte gegeben haben. Tragisch, wie viele dieser Geschichten. ["Geschichten"]
Rammstein könnten von überall kommen, egal ob aus Salzgitter oder Schwerin. Die haben einen Masterplan konsequent umgesetzt. Insofern bewundernswert, auch wenn ich die politische Haltung, die sich in ihren Texten und ihrer musikalischen und optischen Selbstdarstellung manifestiert, für sehr fragwürdig und gefährlich halte, weil sich dadurch das ganze Dumpfbackenpotential angesprochen fühlt.
Was bleibt für dich an Bemerkenswertem hängen nach zehn Jahren Kontakt mit Musikern aus dem Osten?
Erstaunlich war für mich schon immer das handwerkliche Können der aus der DDR stammenden Musiker, auch das Bewußtsein für gut funktionierende Arrangements hat mich oft verblüfft. Was aber als Kehrseite wenig Mut zu Experimenten zeigt. Was übrig, was wichtig bleibt, sind Individuen, die sich weder an die Verhältnisse früher und heute opportunistisch oder D-Mark-spekulativ anpassen. Ob sie nun Kai-Uwe Kohlschmidt, Raymund Haensch von FDIO, Rex Joswig, Olaf Bender oder Donis heißen. Und last not least: das Poptrio Unicycle Men aus Leipzig.
(Christof Meueler, aus jW)

Gewiß, unser großer Dichter Wieland hat ein Hausmittel angegeben, gegen jedweden Konflikt mit Staat und Staatsreligion: "Friß Deine Knackwurst, Sklav, / und halt Dein Maul!" - aber klingt es nicht doch irgendwie unbefriedigend?
Arno Schmidt, 1957

Aufmarsch zum Golfskrieg 1990

Das ist der Beweis #1

Früher, vor der neuen Zeit und Rechnung, war ich nur ein einziges Mal im Rahmen mei-ner Aufnahme in den Kreistanz der Erwachsenen, der Jugendweihe, in einem Gerichtssaal. Da waren wir Zuschauer einer Verhandlung, wobei vom Verteidiger dem Angeklagten zugute gehalten worden war, daß er von seinen etwa 400 M Betrugsvermögen schon 50 zurückgezahlt hatte; und dem Angeklagten es sehr peinlich war, daß unsere Klasse zuschaute, er verlangte öfter den Ausschluß der Öffentlichkeit. Sonst hatte ich nie mit Gerichten zu tun. Klar: DDR = Ohn-Rechts-Staat, Unrechtsstaat, Unterrechtsstaat, Linksstaat, Kommunismusregime.
Jetzt gehört Post von irgendwelchen Gerichten zum gewohnten, was mir das gelbe Auto bringt. Ich habe einiges an Verfahren und -handlungen hinter und vor mir, kenne von den Rechtsanwaltkanzleien der näheren Um-gebung ziemlich viele. Klar: BRD = Rechtsstaat. Oder Rächtsstaat oder so.
Roland

http://go.to/lapsus
Zeichnung von Julia

BLUE MOVIES

VOLKER BRAUN (1986)
/Roland /

Wir behalten den Tropenhelm auf. Die Frischluftkonten in der Karibik, die akkumulierten Paradiese, über die Highways des Hungers mit frisch geliftetem Grinsen.
Wir werden die Indianer aller Zeiten in die Reservate schließen, damit das Öl fließt, und Europas dankbare Nigger verkabeln.
Wir sind in Nylonwäsche geboren. Es gibt wichtigeres als den Frieden.
Der Schweißfilm in der Schweinebucht. Das lebendige Büchsenfleisch unserer Frauen. Die tiefgefrorene Freiheit aus Bombenkratern genießen.
Teilhaber unserer Gefühle, arbeitslose Abonnenten, wir realisieren die gesteckten Ziele, illustrierter Sahnequark.
Wir spielen Domino mit den Republiken.
Unlustgreise und eiserne Ladies: wir werden das Universum übernehmen. So wahr uns Gott helfe.
Nun synchronisiert die Hymne, jede Filmnation!
 
 

ZIVILISATION

(Das Huhn oder das Ei)
/Roland /

Bevor unsere weißen Brüder kamen, um zivilisierte Menschen aus uns zu machen, hatten wir keine Gefängnisse. Aus diesem Grund hatten wir auch keine Verbrecher. Ohne ein Gefängnis kann es keine Verbrecher geben. Wir hatten weder Schlösser noch Schlüssel, und deshalb gab es auch keine Diebe. Wenn jemand so arm war, daß er kein Pferd besaß, kein Zelt oder keine Decke, so bekam er all dies geschenkt. Wir waren viel zu unzivilisiert, um großen Wert auf persönlichen Besitz zu legen. Wir strebten Besitz nur an, um ihn weitergeben zu können. Wir kannten kein Geld, und deshalb wurde der Wert eines Menschen nicht nach seinem Reichtum bemessen. Wir hatten keine schriftlich niedergelegten Gesetze, keine Rechtsanwälte und keine Politiker, daher konnten wir einander nicht betrügen. Es stand wirklich schlecht um uns, bevor die Weißen kamen, und ich kann es mir nicht erklären, wie wir ohne die grundlegenden Dinge auskommen konnten, die - wie man uns sagt - für eine zivilisierte Gesellschaft notwendig sind.
Lame Deer, Sioux, aus Tarantel Nr. 9
 
 

Status quo

Wer will
daß die Welt
so bleibt
wie sie ist
der will nicht
daß sie bleibt
Erich Fried

Zweitens

/Roland /

alle wissen, daß schön das schöne
so gibt es das häßliche
alle wissen, daß gut das gute
so gibt es das böse
denn:
voll und leer gebären einander
leicht und schwer vollbringen einander
lang und kurz bedingen einander
hoch und niedrig bezwingen einander
vorher und nachher folgen einander
darum tut der weise ohne taten
bringt belehrung ohne worte
so gedeihen die dinge ohne widerstand
so läßt er sie wachsen und besitzt sie nicht
tut und verlangt nichts für sich
nimmt nichts für sich, was er vollbracht
und da er nichts nimmt
verliert er nichts
Laudse, etwa vor 2500 Jahren

2166

Und nun?
Habt ein zärtliches Leben bis zum nächsten! Zwischen Euren Perlen und in Euren Briefkästen etwa am 17.1. nächsten Jahres.
  Redaktionsschluß 6.1.00
Ro Li B., Schöpfwerk 19, 17121 ZarneKlar

Zurück zu Willkommen! Zurück zu LAPSUS Zurück zu LOVER