OVER
Nr. 33
Das stündliche
Trommelfeuer
Winterhilfswerksstimmung
trampeln dir
die humanitären Katastrophen-
Kriegsberichterstatter
in den Bauch
bis du morgens vor dem Spiegel
ergriffen stammelst
"Gold gab ich für Eisen"
und aus deiner weichgebombten Birne
lechzt das schuldbeladene
Gefühl
nicht selbst
den Antichristen zu enthaupten
nach Absolution
Der Ablasshandel
funktioniert
statt deiner
schickst du
Kreuzzugspilger
mit deinem Solidaritätszuschlag
nach Belgrad
Worscht und Weck
für den Flüchtlingstreck
Ums Geld
geht's nicht
der Überfall auf Jugoslawien
kostet täglich
das Tausendfache aller Almosen
unsrer WiederWinterAufbauhilfswerks-
Sammeldosen
Es geht ums Üben
Es geht ums Folgen
Es geht ums Vertrauen
Es geht darum, daß du dich fügst
dich ohne Widerstand belügen lässt
und selbst belügst
bis du dran glaubst
und dann beim absehbaren nächsten Mal
den Bombenteppich mit ausrollst
untertänig und entzückt
gebückt die Füße küsst
den Herren
denen du den Weg frei mordest
am Tresen
beim Zeitungslesen
gerade so
wie die Piloten
im Cockpit
der Tornadobomber
Es geht darum
daß du
den Sender Gleiwitz glaubst
dem Führerhauptquartier vertraust
noch bevor man dir
die virtuellen Dokumente
per Kabelwellensatellit
in deine Hirnfestplatte
speist
Bis du entrüstet, humanitär entfesselt
als Überzeugungsrächer
meinst
Slobodan-Sadam-Chomeni-Li-Peng-il-Sung
Mandela-Öcalan-Mugabe
beim Verspeisen albanischer Säuglinge
gesehen zu haben
Dein Kriegseintritt
wird abrufbar
per Mausklick
und kommt
als deutsche Sonderleistung daher
als vermeintliche Vollstreckung
des Willens der Opfer von Auschwitz
Und wer da Auschwitz
überlebt hat
und unbelehrbar
gegen diesen Krieg
und die bereits geplanten
nächsten auftritt
den fragt dann
im neuen Hause der Geschichte
in der Reichshauptstatt Berlin
die historische Inquisition:
Ein guter Widerständler ist ein Toter
ein gutes Auschwitzopfer
egal ob Christ, ob Jude
oder Roter
ist ein Toter
Bei Ihnen stellt sich doch
die Frage
warum gerade sie
die Todeslager überleben
konnten
Hartmut Barth-Engelbart
Inmitten
all dieser Aktivitäten unterschrieb Doug nebenbei einen Vertrag mit
Warner Bros. Zuerst wollte er das Album im Alleingang aufnehmen, merkte
dann aber, daß er Unterstützung benötigte. Zum Glück
kannte der Freund eines Freundes einen guten Drummer namens Scott Plouf
und mit Bassist Brett Nelson hatte Martsch schon in den 80ern zusammengearbeitet.
Mit ihrem
neuen Album "Keep It Like A Secret" führen die drei konsequent weiter,
was sie mit "Perfect From Now On" begannen: Wundervolle Musik.
"Das einzige,
was ich in meinem Leben vermeiden wollte, ist ein Haus mit Rasen und einem
Zaun drumherum - das alles." John Lennon
"LAPSUS live muß nicht danach beurteilt werden, wieweit es die Gewohnheiten des Publikums befriedigt, sondern danach, wieweit es sie verändert." Bertolt Brecht
"Aktivisten müssen niemals vor der Flucht nach innen, sie müssen
vor der Flucht nach außen gewarnt werden. Nach einem der ältesten
Weisheitsbücher, nach Laudses Dau De Dschin wird jeder Mensch, der
handelt, ohne mit dem Sinn und Wesen des Ganzen eins zu sein, die ohnehin
gestörte Harmonie nur noch mehr stören. Meist ist es ja die Art
und Weise, wie wir Ordnung halten und schaffen, selbst schon störend.
Sinnvolle Weltveränderung fängt mit der Selbstveränderung
an. Deshalb hat Vaclav Havel neulich nach Menschen gefragt, die beides
verbinden, sich selbst und die Welt verbessern. In der Regel machen sogar
diejenigen einen Fortschritt, die dann zum Weltverbessern eine Weile nicht
mehr kommen, wenn sie erstmal den schwankenden Boden ihrer selbst wahrgenommen
haben. Wahrscheinlich wird das bei uns für weniger Leute so auseinanderfallen
wie im Westen. Für mich ist es geradezu der notwendige Durchgang zu
einer Regeneration meines politischen Engagements gewesen, mich auf den
Weg nach innen einzulassen." Rudolf Bahro, 10/90
Christian Hofmann von Hoffmannswaldau
Warum
willst Du das Tor verschließen,
in dem die Liebe Einzug nehmen will?
Laß deine Brunst doch sicher schießen
und halte meiner Regung still.
Du darfst dich nicht, mein Engel, schämen,
den Ehrenpreis
wird niemand können von dir nehmen,
weil ich allein von diesem Diebstahl weiß.
So darf die Furcht dich nicht verblenden,
als wenn der Schmerz unüberwindlich sei,
ich weiß bereits aus meinen Händen:
Die Angeln reißen nicht entzwei.
Du wirst als Helden dich begrüßen,
wenn etwas Blut
gleich möcht aus zarten Adern fließen,
genug: du weißt, daß es uns sachte tut.
Will dein Gewissen nicht erschrecken,
so denk, die Jugend sei in Glut entbrannt,
wer wird in heißen Flammen stecken,
dem eine Löschung ist bekannt?
Es wird das Alter bald verstören,
was Feuer ist,
und du wirst solches besser ehren,
wenn in der Blüt du abgekühlet bist.
Ich wüßte nicht, was dich sollt neigen,
daß deinem Schoß du keine Feier gönnst,
ach! Sorge nicht für einen Zeugen,
weil Du mein treues Lieben kennst!
Die Kunst kommt der Natur zu Hülfe,
kein Anker haft',
wenn er gesenkt im ersten Schilfe
und nur vom Schlunde nicht wird weggerafft.
Drum laß die Stützen von einander,
auf welchem dieses Schloß sich ruht.
Du weißt, ich bin nicht Alexander,
der alles mit der Hitze tut.
Ich will beim Kindchen erst probieren,
was Sanftmut sei,
und wo er sich wird nicht verlieren,
alsdann zerbricht den Trotz die Macht entzwei.
Fort! Laß das warme Etwas schießen,
das ich gefühlt und nicht zu nennen weiß,
laß diesen Nektar mich umfließen,
mach mich in deinen Armen heiß!
Dein Auge selber heget Flammen
vom bloßen Dunst,
laß unsre Hitze doch zusammen,
mach mich beseelt durch ganz erteilte Gunst!
Was hilft mir doch ein bloß Berühren,
wenn ich die Ros vom Stock nicht pflücken soll,
darf ich die schnöden Hände zieren
und füllen nicht das Herze voll?
Verachte nicht die anderen Glieder,
weil keines schlecht -
sind dir die Finger nicht zuwider,
warum ist dir der Daumen denn nicht recht?
nichts sehen: Für die bloße ratio sieht die Welt immer zweidimensional aus
schweigen!: Wenn man drüber redet, wird auch das Einfachste gleich kompliziert und unverständlich.
ja...ich glaube das sind zitate von hermann hesse... eigentlich egal
von wem... denn irgendwie hätte auch ich das sagen können - aber
alles wurde halt schon mal von irgendwem irgendwann irgendwo gesagt. hmm...egal
naja.
habt ihr...ähm...duzen wir uns eigentlich? ja... ich bin mea.
also...habt ihr schon mal versucht jemanden zuzuhören der versucht,
euch seinen geistigen müll aufzuzwängen? eine art therapeut der
allgemeinen menschlichen weltschmerzen - natürlich selbsternannt.
er sie klingt wie ein voll idiot. meistens ist es zudem nicht mal gewollt.
oder?
wie beneide ich menschen, die so richtig aus den tiefsten tiefen weise
sind. gescheit. man hört sie nicht reden. man hört sie denken.
man wird gefesselt vom wort. nichts ist aufgedrängt oder gestellt.
alles ist! fertig. toll....
leider selten...
weiter...
nichts sehen. ist vielleicht etwas arg krass formuliert... klar...
wir sehen und oje ich will nicht gar nichts sehen. aber ich will das recht,
mit meinem hirn und mit meinem herz zu sehen. auch wenn's nicht gut tut
im klassischen sinne manchmal. leider leider ... wer schafft es schon zur
rechten zeit das richtige mass im sehen zu finden. ratio - gefühl.
kopf und bauch.
mein ziel mehrdimensionales sehen. schön wäre ein switch.
ein umschalter. der ganz automatisch funktioniert...
ich bin noch jung. ich darf noch träumen und wünschen und wunschträumen. und wäre ich alt - tät ich's trotzdem...
ich drifte ...
schweigen!
ja ... manchmal ist jedes wort gesprochen, gelesen, geschrieben, gehört:
zuviel. unnötig. vielleicht falsch. weil das gehört-gesehen-gedachte
auch schon verkehrt gelaufen ist. manchmal ist es aber auch einfach nicht
nötig. weil das gesehene genügend war. oder vielleicht hat man
ja auch einfach ein gefühl und man hört zur abwechslung mal drauf.
ja. es geht auch ohne das man spricht.
geschrieben für LOver 33 von mea parvitas (mehr von mea unter
www.und3macht9e.de)
Ich sitze auf den ausgelatschten steinalten Steintreppen am Ufer der heiligen Ganga. Ein Frieden überkommt mich. Die Ghats, welch eine vor Zeit und Lärm der Welt verborgene Atmophäre. Die Ufertreppen und die Tempel dahinter sind ockergelb, nur eine Kleinigkeit heller als der Fluß und die gedämpften Farben schlucken einiges an Hektik. Das Ufer gegenüber erinnert mich an Afrika, sieht aus wie frisch importiert; breiter blaßgelber Strand, gepunktet von ein paar hölzernen Kähnen und den Gestalten die etwas auf- oder abladen. Der Hintergrund ist von dichtem Grün: Wald, Palmen, wie am Nil. Hinter mir spielen ein paar Kids Cricket, schlagen den Ball auf eine Terrasse weiter oben, lachen, rennen, rufen. Eine Stimmung von heißen Nachmittagen in englischen Hinterhöfen kommt auf ....
23.06. Varanasi
Schon mit der ersten Ahnung des Morgengrauen erklingt das gleichmäßige
Klatschen von nassem Stoff, den die Wäscher unten am Fluß auf
die Steine schlagen. Noch total verpennt schlurfe ich vor die Tür,
kracks, das war der Panzer eines fetten Käfers, der da unter meinen
Füßen geknackt hat. Guten Morgen. Ein paar Affen springen hinter
meinem Rücken rum, seit das gestern einer auch auf mir tat, trau ich
den Viechern nicht mehr. Gegenüber hängt die orangerote Sonne
im Wolkendunst des Morgens wie der Dotter im Spiegelei, wirft erste Reflexionen
auf das Wasser, das die dunklen Silhouetten einiger Boote aus dem silbrigen
Netz der Oberfläche ausspart.
Die Stadt wirkt doppelt so alt wie sie wirklich ist, vorzeitig gealtert
und zerfurcht durch Millionen heilsuchender Füße. Die Steinquader
der Flußtreppen liegen schief wie die Tasten eines geborstenen Klaviers,
dessen ungewisse Melodie an nagende raspelnde Sandkörner erinnert,
während sein Leib wie der eines Krokodils unsichtbar im trüben
Wasser bleibt; nur blitzende gelbe Augen, starr und fixierend, verraten,
daß ich gemeint bin, ich und jeder andere.
Varanasi und der Ganges sind untrennbar miteinander verbunden. Der
Fluß verleiht der Stadt ihre besondere Heiligkeit und die Stadt huldigt
dem Fluß.
Varanasi: Die Stadt Shivas, "Kashi"- die Stadt des Lichts wird sie
auch genannt. Gerußt und geschwärzt, verschleiert und geweiht
von so vielen Rauchschwaden, soviel Zeit, die sich in Staub aufgelöst
hat, soviel Staub, der in der Zeit verschwand. Geheiligter Rauch, Opferqualm,
Weihrauch, Blütenduft, die dicken Schwaden der Leichenverbrennungen,
kleine Wolken aus den Shillums der Sadhus, der dampfende Reis und das Dhal
der kleinen Eßstände, der Geruch von Asche und Holz, Smog über
der Stadt, Morgennebel über dem Fluß. All das: süß
und würzig, schwer und kratzig, verfault und frisch, holzig, angesengt,
verbrannt. Rauch bedeutet Übergang. In Varansi gehen die Dinge in
eine andere Welt, in eine andere Wirklichkeit über. Verwandlung. Schwebende,
ungreifbare Heiligkeit des Rauches. Den Dingen gehen ihre quantitativen
Dimensionen verloren, es bleibt nichts Meßbares, nur die Qualität
des Heiligen. Varanasi ist ein Transformator, in dem Alltägliches
in Bedeutungsvolles umgewandelt wird, der Rauch zeugt davon.
Das Feuer ist der Umwandler. Aus den verbrannten Dingen entsteht etwas
Neues. Die Hindus glauben, die Feueropfer (und auch die Leichenverbrennung
ist ein solches) halten die Ordnung des Universums im Gleichgewicht. Durch
das Feuer und das, was man hineingibt, läßt sich Einfluß
nehmen auf die heiligen Umwandlungsprozesse des Lebens.
Fluß: Die Dinge vergehen. Leben, das vergeht, Leben, das vergangen
ist, das als Echo noch aus Straßen und Mündern hallt, dehnbare
Erinnerung. Absolute Gegenwart: Es ist. Leben das entsteht und entstanden
ist und sich immer entwickelt. Leben das noch entstehen wird aus dem Entstehenden
oder sich in Vorfreude darauf befindet - Dieses Rad wurde mit kräftigen
Armen in Schwung gebracht und der Ganges hält es am Laufen. Der Ganges
ist das Wasser das sich auf die Mühlen des Lebenskreislaufes ergießt.
So sehr die dreckige zerfallene Stadt, schwarzer Rumpf beengter Mauern,
ihre Straßen von Lumpen, Essensresten, Exkrementen bedeckt, so sehr
der brodelnde Moloch drängt - er wird die Ruhe der Ufer nicht überrollen.
Das Knattern der letzten Boote geht in das abendliche Rufen der Frösche
über. Ein paar Kinder springen noch lauthals über die Ghats,
wo viel Platz ist, denn all die bunten Saris, die zum Trocknen auslagen,
sind in den Hauseingängen verschwunden. Verlassene Kähne drehen
sich lahm an ihren Stricken. Viel zu viele Insekten - Heuschrecken, Käfer
und Fliegen - schwirren blind und in immer neuen Scharen zum Licht, im
Sekundentakt prasseln die Chitinpanzer auf mich. Der Strom fällt aus.
Gute Nacht.

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24.06.Varanasi
Die Gassen der Altstadt sind voller Kloake, räudiger Hunde, Gemüsestände,
Kühe und ihren Fladen sowie unzähligen Kids, die einen nicht
zur Ruhe kommen lassen möchten. Mühsam bahnen wir uns durch die
verwesenden Gassen, deren Häuser wie vom Verfall persönlich angehaucht
aussehen, einen Weg zum Fluß, nur irgendwie der Hitze entfliehen!
Triefend vor Schweiß schlendern wir die Ghats entlang, suchen einen
halbwegs sauberen Platz im Schatten, wo man von Händlern unbehelligt
bleibt. Kaum haben wir uns niedergelassen, entdeckt Sven ein Etwas einige
Meter vor uns im Wasser; dieses Etwas ist aufgequollen und bleich und ein
Hund zerrt ihm gerade einen Imbiß von der Schulter. Bei näherem
Hinschauen wird klar: es ist eine Leiche, mit dem Gesicht nach unten wiegt
sie sich im Wasser, eine Hand reckt sich verdreht nach oben, die Finger
fehlen. Einige der Leichname werden nämlich nicht zeremoniell verbrannt,
sondern mit Gewichten beschwert den Fluten übergeben von wo aber manche
wieder ans Ufer treiben. Zu dieser Szene muß man sich vorstellen,
daß nur einige Meter davon entfernt Kinder vergnügt plantschen,
Hindus sich rituell waschen und sogar von dem Wasser trinken. Für
die Hindus steht die Reinheit und heilige Kraft des Ganges trotz der offensichtlichen
Verschmutzung (ich habe gelesen, daß der E-Coli-Gehalt des Ganges
angeblich 100 000 mal höher als die zulässige EU-Norm liegt)
völlig außer Frage.
Irgendwie ist dieser Anblick nicht so der Stimmungshit, also zieht
es uns weiter, passenderweise gleich am Hauptverbrennungsghat vorbei. Dort
sind die Stufen geschwärzt von Ruß und Asche, und Kähne
mit Bergen von Brennholz umringen den Platz, schaffen eine kleine Bucht,
man könnte sagen: Die Schwarze Lagune, das Reich des Todes. Alle außer
den allzu begierigen Kameraaugen sind eingeladen, sich die permanenten
Feuerbestattungen und dazugehörigen Riten anzuschauen. Tag und Nacht
sind drei große Scheiterhaufen in Betrieb, um die Toten unter der
Fürsorge von Mantras murmelnden Brahmanen einer weiteren Station im
ewigen Kreislauf oder gar der endgültigen Erlösung zuzuführen
(die Hindus sagen, wer in Varanasi stirbt erlange sofortige Befreiung).
Man ist dem Geschehen sehr nahe, fettiger Rauch gemischt mit Duftqualm
und Wirbel von Asche blasen einem direkt ins Gesicht. Von den Körpern
kann man alle Einzelheiten erkennen, sofern sie das Feuer noch nicht aufgefressen
hat: Die an der Seite aufplatzenden Bäuche; das Weiß des Schädels,
der von Hautfetzen freigeleckt wird; feuerverstümmelte Gliedmaßen....
Hier ist der Tod zumindest in den Köpfen der Menschen irgendwie
enger mit dem Sein verbunden.
Käfernacht
Die Nacht gehört den Käfern. Sobald die großen elektrischen
Lampen am Ufer ausfallen, und das tun sie verläßlich jeden Abend,
begeben sich ganze Völkerstämme von Heuschrecken und Käfern
auf den Weg in ein neues Domizil, wo sie gefesselt, ohnmächtig und
unaufhörlich den kalten künstlichen Nektar unberührbaren
Neonlichts aufsaugen. Jede Art von Licht in unserem Zimmer führt sie
auf die Fährte. Und wenn ich dann schlafen will, schwirren mir die
Viecher wie Kugeln um den Kopf, in allen Ecken raschelt das blinde Flattern
und Hüpfen. Besonders das offene Restaurant eine Terrasse tiefer mit
seinen Neonröhren ist ab um zehn Sperrzone, ist Käferland.
25.06. Varanasi
Nach einem kleinen Imbiß sitzen wir wieder mal an den Ghats auf
den unerschütterlichen Steinen, den Stufen zur "Heiligen Welt", und
schauen dem Film zu, der sich da vor unseren Augen abspielt, bis die Dämmerung
die Szenen in Ungewißheit taucht. ....
Ein Sadhu packt einen Hund am Ohr und schleudert in zu einer kleinen
Abkühlung in den Ganges, Kinder springen kreischend von Plattformen
ins Wasser, ein paar Leute waschen sich, putzen sich die Zähne mit
Zeigefinger und Flußwasser. Es ist nun genau die richtige Zeit für
einen Boots-Trip, einige Ruderschläge bringen uns in die unwirkliche
Nacht, die den Tempeln und Uferfassaden zusätzliches Alter verleiht
und von den Feuern der allabendlichen Pooja am Dasaswamedh-Ghat erleuchtet
wird: Wie Motten strömen die Menschen zu dem Ritual zu Ehren Shivas,
singende murmelnde Motten ohne Flügel. Die ganze Stimmung ist irgendwie
so geheimnisvoll-orientalisch (gerade so wie man es sich klischeemäßig
immer vorstellt); da mir die Handlungsabläufe des Shiva-Spektakels
unbekannt sind, scheinen mir die Menschen auf besondere Art und Weise miteinander
verbunden. Der Kahn verweilt, wir genießen schweigend das Schauspiel
und folgen mit den Augen den Lichtspuren der Flammentöpfe, die von
drei Brahmanenpriestern synchron geschwenkt werden. Trommeln erklingen,
Stimmen rezitieren uralte Opfergesänge, es wird gehuldigt und verehrt.
Die Priester wenden sich in alle Himmelsrichtungen bevor sie in ihre Muschelhörner
blasen. Zum Schluß lassen die Pilger kleine Boote zu Wasser und eine
ganze Armada von Öllämpchen und Blätterschiffen mit Blumen
- beladen mit Hoffnungen und Bitten - tanzt den Ganges hinunter. Und das
Tag für Tag, Jahr für Jahr. Das Wort "Feierabend" bekommt hier
eine wörtliche Bedeutung. Unser Boot treibt weiter zu den Verbrennungsghats;
das Bild der geschwärzten Stufen, die im Licht von drei lodernden
Holzstößen aufflackern und die Gestalten die wie Teufel um diese
herumlaufen, entspricht so ziemlich dem Klischee von der Hölle, was
mich aber eher amüsiert.
29.06. Kalkutta
Halb neun kommen wir auf dem Howrah Station an und betreten die Riesenstadt (unsere vierte Millionenstadt in Indien). Der erste Eindruck ist ein relativ positiver: Breite ziemlich saubere Straßen, die nicht total überfüllt sind und zahlreiche marode Kolonialbauten. Die monumentale Howrah-Bridge - die angeblich meistbefahrene Brücke der Welt mit täglich einer Million Menschen - erstreckt sich gleich zur Linken als wir vom Bahnhof zur Fähre am Hoogly, einem Seitenarm des Ganges, gehen. Die Anmache ist in Kalkutta weniger aggressiv als z.B. in Delhi oder Agra, dafür gibt es viele bettelnde Kinder, Alte und Krüppel. Ganze Familien "wohnen" auf Stücken des Gehsteigs mitten in der City, von ihren wenigen Habseligkeiten umgeben; die Frauen bereiten Essen zu oder waschen ihre Wäsche während der Verkehr um sie herum brandet und sich Passanten vorbeidrängen; für die, die in solch krasser Armut leben hat "Privatleben" keine Bedeutung mehr.
30.06. Kalkutta
Tut. Tuut. Tut-Tut. Tut-Tut-Tut-Tu-u-u-t! Tuuuuut!
Guten Morgen, 6 Uhr 30.Tuuut. Mäck-mäck, biep-biep, klingeling,
schell, flöt, tröt. Rufe, lautes Gerotze und Musik. Ich tuuut
gebe mir Mühe - määäck - noch etwas zu schlafen, doch
Straßenlärm und Sonne hauen mich aus dem Bett.
Auf unserem "Behördentrip" am Vormittag entdecken wir einige verkehrstechnische
Besonderheiten Kalkuttas: Nicht nur die bekannten Lauf-Rikshas (statt eines
Pferdes steht ein Riksha-Wallah zwischen den Deichseln eines Wagens für
eigentlich (!) zwei Personen), die sich nur noch hier gehalten haben, sondern
auch eine klapprige Straßenbahn sowie eine erstaunlich moderne saubere
und unkomplizierte Metro ("The exit is on the left side"). Scheinbar jedes
zweite Auto ist ein gelb-schwarzes Taxi, alle von der indischen "Ambassador"-Marke
im robusten Fifties-Style, und sie fahren in Scharen durch breite, englisch
wirkende Straßen, die gesäumt sind von großen verfallenden
Kolonialbauten (im viktorianischen Stil) aus denen schon wieder grünes
Leben sprießt und die ihre besten Zeiten einige Generationen vor
uns hatten. Bei manchen Gebäuden ist es ein Wunder, daß die
Mauern den Schutthaufen noch halten; die meisten haben ihre imposante,
monumentale Wirkung, ihr klotziges Dasein aus prunkenden Säulen, Fassaden
und Türmchen jedoch behalten, auch wenn sich der Glanz - bearbeitet
vom zersetzenden tropischen Klima - längst in Staub aufgelöst
hat. Ein interessanter indisch-alteuropäischer Mix: das sind die Straßen
im Zentrum Kalkuttas.
Wir schlendern über die von Bettlern und Haschverkäufern
bevölkerte Sudder-Street, Schlagader im Touristenviertel Kalkuttas...
Unser kleiner musikbegleiteter Ausgang durch die nächtlichen Straßen
Kalkuttas geriet zum Markttrip in verwitterten Kolonialstraßen, zum
Slalom zwischen Ständen voller hemden, Hosen, Shorts, Slips, bunt,
kariert,bedruckt; Krawatten, Portemonnaies, Bücher, Gürtel, Uhren,
Batterien, Kassetten, Radios, Stifte, Spielzeug, Plüschtiere, Rucksäcke....
Spielhallen, Kinos und Juwelliere stellten die Kulissen an den Seiten,
Bettler und Krüppel flehten um Münzen im Gedränge, die anpreisenden
Rufe der Verkäufer versuchen die Aufmerksamkeit auf ihre Waren zu
lenken. Ich lege mir das "White Album" auf die Ohren und es wird ein easy-going
durch das wilde chaotische heiße Gewühl, durch den losen Teppich
aus Verkaufsbeziehungen, Unterhaltung und fehlgeschlagenen Kommunikationsversuchen;
in weiser Vorraussicht decken wir uns mit trashigen Hawaihemden für
die Andamanen ein, karierte Hosen dazu, perfekt ...
2.07. Kalkutta
>"Verdammt heißer Tag heute" sagte ich zu Bob, und Bob zog nur
die Augenbrauen zusammen und spuckte in den Staub. <
Ich sehe den vom Stromausfall entkräfteten Flügeln des Ventilators
zu, wie sie langsam dem Stillstand entgegentrudeln, das Flattern löst
sich in Stille auf, die Stille weicht all den Geräuschen von der Straße.
Sonntag ist Museumstag. Nachdem wir früh so`n bißchen abhängen
steht und also ein Kulturnachmittag im Indian Museum of Calcutta bevor,
das 1814 von den Briten errichtet wurde, und genauso sieht es heute noch
drin aus. Die weißen Mauern im viktorianischen Prunk-Stil beherbergen
riesige vergilbte schummrige Säle voller alter verstaubter Vitrinen
aus dunklem Holz. Wenn die Ventilatoren nicht wären - obwohl sie genauso
vergammelt aussehen - könnte man meinen, alles sei seit über
hundert Jahren nicht verändert worden. In den Sälen sind Unmengen
Fossilien, Mineralien, Pflanzen und Tiere mit verblichener Beschriftung
ausgestellt, vieles fällt schon auseinander, einige Scheiben sind
zerbrochen, ein paar Ecken verschwinden im Schutt, es türmen sich
Regale voll mit lateinisch beschrifteten Apothekerfläschchen, die
bunte Flüssigkeiten, Steine, Pülverchen, Samen, Blätter,
eingelegte Reptilien oder Gemüse enthalten. Dazu schimmert ein unbestimmtes
bräunliches Licht von den großen schmutzigen Fenstern hinein,
und dieser typische, muffige Geruch, eine Mischung aus dem Aroma von Verrotten
und Konservierungslösungen, gibt einem das Gefühl, seit den Zeiten
der alten englischen Lords hat sich abgesehen von der allmählichen
natürlichen Auflösung nichts getan. Die Inder scheinen außer
der Folklore- und Textilienabteilung nichts hinzugefügt, geschweige
denn gepflegt, gesäubert oder restauriert zu haben; ein paar Wärter
hängen lahm und dösend auf ihren Stühlen vor den Ventilatoren.
Kurz: das Museum mit seinem schäbigen dunklen Schummer-Style ist echt
strange, groß und stickig und uralt, wahrscheinlich wäre es
der ideale Set für ein paar abgedrehte Psycho-Horror-Filme.
Manchmal überrollt mich die ganze Faszination des Landes, dieses
bunte Mandala, dieses Chaos-Puzzle, die Logik der Fantasie, die mystische
Denkweise, das praktizierte Heiligtum, die offenkundigen Geschichten, die
sich auf der Straße abspielen.
Ich als Zuschauer werde mit einer ganz neuen Dichte an Eindrücken:
Gerüche Farben Bewegungen Formen konfrontiert, mit der ganzen Palette
von Zaubertricks, die sich ein verrückter alter tierköpfiger
Hindugott aus dem Ärmel schüttelt, es fallen Geschichten, Leben
und ganze Parallel-Universen heraus und lösen irgendwo im Kopf die
trivial-geniale Erkenntnis aus: Das alles ist real. Das alles ist jetzt.
Das alles ist.
Alles ist Bestandteil des öffentlichen Lebens, Splitter des Weltgeschehens,
Faser aus dem Geflecht der Geschichte. Das beschert dem an Intimsphäre
und beobachtenden Abstand gewohnten Europäer interessante und abstoßende
Erlebnisse in Hülle und Fülle. Egal wie: er muß reagieren.
2.07. Kalkutta
Nach den dämmrigen Moder-Museumsräumen zog es mich durch die
von fetter gelber herabtriefender Abendsonne beleckten Straßen. Es
hatte geregnet, doch von der Nässe war nicht viel übrig geblieben.
Ein gutes Licht und gute Zeit zum Knipsen. Das Marktgeschehen - zeitlose
Fülle vertrauter und nie gesehener Früchte. Die Familien, die
auf einem Stück Fußweg wohnen - ihre Kinder spielen an einer
Wasserpumpe oder schlafen nackt auf Plastikplanen, die Mütter bereiten
auf kleinen Kochern das Essen zu, eine weitere Plane dient als Dach. Alle
sind barfuß, schmutzig, zerlumpt, und das Lachen und Toben der Kinder
ist laut. Die totale Vernichtung des Privatlebens. Man kann ihnen sogar
zuschauen, wie sie sich auf der Straße waschen, wie sie sich einseifen
oder die Zähne putzen, wie sie Wäsche oder Geschirr waschen.
Alles Private ist Luxus.
Männer sitzen biddirauchend beim Kartenspiel zusammen; weißhaarige
Riksha-Wallahs schlafen auf ihren Karren; ein Mann packt seinen kleinen
Bücherstand aus einem alten Kartoffelsack aus, plaziert sich auf dem
Fußweg vor einer mit bunten Plakatfetzen bekleisterten Betonwand,
deren Fragmente vom Glanz und Glamour des Kinos sowie von Aufrufen der
Kommunisten verkünden - die Hammer-und-Sichel-Symbole findet man an
beinah jeder zweiten Hausecke in Kalkutta; Krähen und Schweine durchwühlen
die riesigen Haufen von Gemüseabfällen und stinkendem Irgendwas,
gelegentlich stochern Ratten oder Straßenkinder noch den kleinsten
verwertbaren Bissen aus dem verrottenden Müll, bevor Kühe ihn
mit gleichgültig kauenden Mäulern in sich hineinstopfen.
4.07. Kalkutta
Wir nehmen die große brandende, vor lauter Taxis gelbe Nehru Road am Maidan entlang, mitten im Zentrum von Kalkutta, voller zerbröckelnder runtergekommener Protzbauten, die einst vielleicht ein London in Asien zu imitieren versuchten, heute ist das alles ein riesiges Geschäftsviertel. Mit gequollenen Zungen drehen wir unsere Köpfe vergebens nach einer kühlen Spelunke, links und rechts gibt es nur Straßenschluchten in denen verbeulte Straßenbahnen kriechen, zerschrammte Busse qualmen, Taxis hupen und Mopeds schwirren. Gemüse- und Klamottenhändler stehen auf dem Gehweg gedrängt und preisen ihr Zeug an, während die Leute in den tausenden Snackständen - ob Thali oder Dhal, Idli, Dosa oder Bruzzelfettzeug, Kokosnüsse oder Bananen - den Weg verstopfen. Es wimmelt und wuselt von Menschen, die Sonne scheint munter aus einem Wolkenbrockenhimmel herab ....
5.07. Kalkutta
Heute ist Halbzeit, Mittelpunkt und Scheideweg. Gleich drei Dinge zu
feiern. Man könnte jetzt je nach persönlicher Ausrichtung und
abgedroschener
Klassifizierung behaupten, die Hälfte der Reise liegt schon hinter
mir oder die Hälfte der Reise liegt noch vor mir, ohne dabei zu beachten,
daß sie vielleicht auch faul im Schatten oder siechend im Dreck liegt,
vielleicht auch auf duftenden Kissen gebettet mit Koffern voller Asphaltrollen
und Schläuchen mit Schweiß, die Kehle voller Worte unter Augen
aus spiegelnden Facetten, jedes Teil eine eigene Plakatwand, jede Plakatwand
in millionenfachem Wandel als wäre sie ein Bildschirm deren Fernbedienung
ein paranoider Zapp-Freak in der Hand hält. Die Reise liegt ausgedehnt
und weit wie Reis-Felder, sie strickt ein Muster in diesen Kontinent -
klein aber fein, Spinnweben kreuzen sich (ich bin die Oberspinne), verbundene
Orte getrennte Wege unbeachtete Möglichkeiten, Kabelrollen tauschen
Funkenregen aus, und im Herz des Tempelwaldes schaltet die zehnarmige Maha
Devi die Gänge; immer mit diesem fernen Lächeln, entrückt,
entschwoben, unbewußt und gerade deshalb vollkommen da, vollkommen
hier....Ohne Frage, tu es, tu es einfach, eigentlich bist es gar nicht
du der tut, der handelt, denn das Tun, die Aktion bemächtigt sich
deiner als Werkzeug, die Handlung definiert dich und nur die Variation
interessiert sich dafür.
Zunächst erledigen wir so hübsch profane Sachen wie unsere
akkumulierte Dreckwäsche in die Reinigung zu bringen und den Stapel
Karten auf dem Postamt loszuwerden. Eigentlich wollten wir heute ins Reich
der Botanik vorstoßen und uns in den Schatten des Riesenbaumes im
hiesigen Botanischen Garten pflanzen, doch die Fähre am Hoogly wollte
uns partout nicht übersetzen, angeblich sind alle Fähren in diese
Richtung closed, also fahren wir Richtung Norden zur seltsamen eckigen
metallischen Howrah-Brücke. Per Bus gelangen wir über diese hinüber
zum großen Howrah-Bahnhof und stellen langsam fest, daß wir
so ziemlich genau am entgegengesetzten Ende der Stadt sind, der Botanische
Garten ist in große Ferne gerückt, dafür ist die Brücke
näher, immerhin betitelt sie sich als die meistüberquerte Brücke
der Welt - Bilanz: Täglich eine Million Menschen. Und so beschließen
wir, ihr einen Besuch abzustatten. Doch ersteinmal setzen wir uns in die
Bahnhofskaschemme. Gemütliches grün-grelles Licht erhellt die
triste Szenerie. Zeit für das zweite Frühstück. Ich gönne
mir ein Omelette mit Toast (ehrlich gesagt hatten sie auch nicht viel mehr)
und dazu heißes Zuckerwasser mit dezentem Kaffeearoma. Auch hier
ist der Kellner wieder äußerst beflissen, räumt einem den
Teller unterm Toast weg; bei manchen Spelunken hat man den Eindruck, Gäste
seien unerwünschte Störfaktoren die so schnell wie möglich
abgefertigt werden müssen. Macht nix. Über die menschenbeladenen
Bahnhofshallen gelangen wir nach draußen, folgen der hummelfarbenen
Autoschlange: gelb-schwarz, gelb-schwarz bevölkern Karosserien den
Weg zur Mega-Brücke, die aussieht wie eine Konstruktion aus dem Metallbaukasten
und die die mahnende Aufschrift trägt: "Be proud of this bridge, keep
it clean and beautiful". Auch die Brücke ist ein Marktplatz: Frauen
verkaufen Mangos, Ananas, Melonen, Papayas und Stinkfrüchte sowie
Plastikkram, Schmuck und billige Schundromanheftchen. Wir gesellen uns
zu den übrigen Rekordinstandhaltern, überqueren die Brücke
und landen auf dem Blumenmarkt: Körbe voller orangefarbener Blüten
stechen in den Augen, es ist ein so reines, so kräftiges Orange, geradezu
die Definition dieser Farbe. All diese Blütenpracht teilen sich die
Götter mit den seidenschwarzen Haaren der Inderinnen....An weiteren
Farben und an Früchten mangelt es auch nicht, nur an Platz im üblichen
Gedränge. Ein paar hungrige Kühe fressen den Grünzeugverkäufern
in einer unbeobachteten Minute ihre Waren weg und werden dafür von
diesen ungeachtet ihres Heiligen-Status ziemlich säkular mit Stockschlägen
vertrieben. Nachdem wir uns genug gelabt haben an Duft und Farbe schlendern
wir weiter durch die Stadt, es folgen waghalsige Manöver über
Straßenkreuzungen; ich möchte mal wissen, welche Versicherung
mit irgendeinem Verkehrteilnehmer in Indien Policen abschließt.
8.07. Port Blair (Andaman Islands)
Der Morgen hängt dunstig und feucht wie eine alkoholsüchtige
Nymphomanin über den mit Palmen und sonstigen Dschungelgewächsen
überwucherten Inseln. Die Blicke verlieren sich in Nebelschleiern,
die Stücke von gedämpften Grün und grauem Meer freigeben.
Aus der Nähe betrachtet glänzt alles vor vitaler Feuchtigkeit,
aber wenigstens sind dei Temperaturen mit gerade mal 25 Grad durchaus akzeptabel,
nur eben mit dem Beigeschmack von Nässe. Was uns sofort auffällt
sind die fast leeren Straßen auf der Insel, geradezu ein Phänomen
im Vergleich zum indischen Festland, und gleichzeitig kleben die Leute
auch nicht mit der Hand auf der Hupe, jedenfalls ist es angenehm ruhig
und entspannt. Bemerkenswert ist auch, daß wir um das Geld für
die Motorriksha nicht feilschen müssen, der Fahrer nennt auf unsere
Frage einen vernünftigen Preis und der Kampf um den Bestimmungsort
bleibt uns netterweise ebenfalls erspart, es folgen keine faulen Ausreden
um uns zu einem Shop oder einem "viel besseren" Hotel zu bringen. Was wohl
damit zusammenhängt, daß die Andamanen einfach noch nicht so
stark vom Tourismus verseucht sind.
Es ist Off-season, Regenzeit. Das merken wir schnell, denn draußen
entleeren sich die Wolken hektoliterweise und das mit stundenlanger Ausdauer.
Vorerst ist das schnurz, denn wir schlafen bis zum Nachmittag. Ab und zu
wache ich auf, wenn das gleichmäßige Regenrauschen zu krachendem
Getöse anschwillt und die Gardinenlaken vor den scheibenlosen Gitterfenstern
aufgebläht gegen die Pfosten klatschen. Auch später am Nachmittag
zeigt der Himmel nichts von seiner blauen Haut, und díe Wolken
scheinen in Alarmbereitschaft zu stehen: jederzeit bereit loszuregnen.
Bereits dreiviertel sechs geht hier die Sonne - unsichtbar für uns
- unter.
9.07. Port Blair
Der Regen ist lange vor mir wach und gießt fleißig Pflanzen
und Dächer, er hat die Lage hier fest in seinem glitschigen Griff
und läßt auch heute der Sonne keinerlei Chance. Langsam dämmert
mir, daß es mit Schnorcheln und Relaxen in Hängematten am Strand
allem Anschein nach nichts wird. Ein Anflug von Enttäuschung überkommt
mich.
Wir beschließen, etwas essen zu gehen, es ist schon Mittag, und
dann die Fähre zum nahegelegenen Ross-Island in der Bucht von
Port Blair zu nehmen, das den Briten als Hauptverwaltungssitz ihrer ehemaligen
Sträflingskolonie auf den Andamanen diente. Heute bedecken nur noch
vom Dschungel überwucherte und zersprengte, geisterhafte Ruinen die
kleine Insel, aber früher muß es mal ein komplettes britisches
Dorf gewesen sein. Riesige Wurzelknäuel ranken sich alte Mauern hinauf,
bohren sich in alle Ritzen und lassen von den Gebäuden nicht viel
übrig. (Die Sprengkraft des Lebens ist enorm. Wenn sie nicht eine
längere Entfaltungszeit benötigte, wäre die Wurzel-Bio-Bombe
längst erfunden.)
Überall im Wald stehen moosbewachsene beschilderte Fragmente von
Kasernen, Ämtern, Wohnhäusern und ein paar Rehe laufen gemächlich
herum. Höhepunkt sind die Reste einer Kirche auf einem Hügel.
Es sind bröckelnde gespenstische Mauern ohne Dach, aus dem Turm ragt
ein mächtiger Urwald-Baum und grabscht mit seiner weitgespannten Krone
das ganze Licht weg. Auch ein Friedhof ist vorhanden; die meisten Gräber
gehören armen Schweinen der britischen Kolonialarmee im Alter von
20 bis 30 Jahren, sie sind wahrscheinlich an irgendeiner fiesen Tropenseuche
zugrunde gegangen.
Wir stolpern noch ein bißchen durch die Gegend, auf den rutschigen
bemoosten Steinen legt es mich zweimal hin. Später bringt uns die
Fähre zurück, wir essen was, es wird dunkel, es regnet .....
10.07. Port Blair
Auch dieser Tag ist vom Regen geritten. Nachts bin ich des öfteren
aufgewacht: Regenstakkato auf dem Blechdach, die Wolken schleudern mit
maschinengewehrgleicher Wucht Tropfensalven gegen Mauern und Fenster. Und
auch als ich die Fensterlaken früh beiseite schiebe: Naßtriefende
Landschaft, Marathonregen.
Der Himmel macht den Eindruck als wolle er dem Regen seine volle Unterstützung
zusichern, für Nachschub werde er schon sorgen. An einen Mopedausflug
ist nicht zu denken, also schnapen wir uns wenigstens unsere Regenjacken,
latschen durch die Stadt und versuchen herauszufinden, wie es so mit den
Fähranbindungen zu den kleineren Inseln oder dem Festland steht.
11.07. Port Blair
Wir mieten uns ne Suzuki und erkunden das Gebiet (Sollte es außer
Regen doch noch etwas anderes geben?).Die ganze South-Andaman-Insel ist
ein überaus grünes tropisches Eiland mit Korallenriffen und Palmen
am Strand. Leute sitzen vor palmblattgedeckten Hütten und zerhauen
Kokosnüsse, das weiße Fleisch leuchtet aus den braunen Halbkugeln.
Ganze Palmenwälder stehen in der Landschaft rum und riesige Raketenbäume,
es gibt Hügel mit Bambus, Bananen und Papayas und dazwischen flache
Einschnitte mit zartgrünen glitzernden Reisfeldern oder kleinen Bächen.
An der Küste oder an Flüssen erstrecken sich Mangrovenwälder,
sie stehen auf ihren Wurzeln wie auf Stelzen im Wasser.
Auf einem kleinen Feld neben der Straße übt ein Armeetrupp
Lastwagentarnung; in dieser Tropenkulisse drängen sich mit dabei automatisch
Assoziationen zu Vietnamkriegsfilmen auf: Charlie lauert überall!
Seltsam ist: Überall wo wir langkommen stehen Mädels und
Buben im School-Dress am Straßenrand und winken, lediglich die Farben
der Uniformen der verschiedenen Schulen unterscheiden sich. Erstaunlich,
halb Andaman-Island scheint sich auf dem Bildungsweg zu befinden, strebsame
Menschen sind das hier.
12.07. Port Blair
Nachdem der Himmel etwas Ruhe gibt schwingen wir uns auf die Suzuki
für die Exkursion Richtung Norden, denn wir wollen uns den Mount Harriet
anschauen, seines Zeichens höchste Erhebung auf den Andamenen. Es
macht Spaß auf den kleinen Straßen langzudüsen, während
alles auf einen zukommt oder hinter einem zurückbleibt - die
Dörfer, die Felder, feuchte Wiesen und Mangrovenwälder, riesige
farnbewachsene urige Bäume; es sind richtige Charakterbäume,
die nur so vor Kraft und Leben strotzen (ich würde mich nicht trauen
einen zu fällen).
Vom Straßenrand her winken uns alle möglichen Leute zu,
überall ertönt ein "Hello" verschluckt und abgehackt durch das
Tempo, schreien Kinder als hätten sie exotische Tiere entdeckt, verfolgen
uns neugierige Blicke. In der Ferne sind undeutlich im Dunst palmenbewachsene
Hügel mit kleinen Hütten zu erkennen, davor schöpfen Männer
mithilfe einer uralten Holzpumpe Wasser aus einem Brunnen; andere stapfen
hinter ihren dickbäuchigen Wasserbüffeln durch den Morast der
Felder, sie benutzen einfache Holzpflüge. Die gebückten Gestalten
der Frauen in ihren knallbunten Saris leuchten aus den jungen hellgrünen
Reisfeldern in die sie Stecklinge setzen.
Ab und zu tröpfelt es, doch jedes Mal, wenn wir unsere Regenjacken
auspacken, hört es wieder auf - das scheint Gesetz zu sein.
Wir fragen nach dem Weg und setzen den Slalom zwischen Kühen, Ziegen,
Hühnern und Hunden fort. Besonders die gleichmütigen Kühe
liegen oft breit auf der Fahrbahn und lassen sich durch nichts aus ihrem
friedlichen Konzept bringen, sie sind die natürlichen Hindernisse
auf den Straßen; vielleicht ahnen sie ja etwas von ihren Vorrechten
und nutzen das schamlos aus. Ebenso wie die Tiere nerven die Speedbreaker
- Bodenwellen, die man kaum sieht, dafür aber umso kräftiger
im Arsch spürt. Sobald wir die Hupe eines Busses oder Lastwagens vernehmen,
ist das ein ernstzunehmeendes Warnsignal, sofort die Fahrbahn zu räumen,
sofern man sich nicht mit der Absicht trägt als Matsch auf dem Kühlergrill
zu enden, denn sie brettern mit aller Kraft durch die Kante und Vorfahrt
scheint sich hier in erster Linie nach Masse zu richten.
13.07. Port Blair
Interessant ist, daß, obwohl die Andamanen so nahe an Südostasien
(speziell bei Myanmar und Indonesien) liegen, es hier drei negroide Stämme
gibt, die wirklich afrikanisch aussehen: die Onge, die Jawara und die Sentinelesen.
Sie sind Ureinwohner die größtenteils noch immer abgekapselt
von der "Zivilisation" leben und sich weigern, irgendwelche "Kultur" zu
übernehmen oder Siedler in ihr Gebiet zu lassen. Ich habe Stories
gelesen, denen zufolge sie ab und zu zur Abschreckung ein paar Siedler
(meist Festlandsinder aus dem Süden oder flüchtende Tamilen aus
Sri Lanka) killen; andere Stämme auf abgelegenen Inseln empfangen
die jährlichen Abordnungen von Regierung und Wissenschaft zwecks Kontakzaufnahme
und "Erforschung" - und obwohl sie mit Geschenken locken - nun schon traditionell
mit einem Pfeilhagel.
Sie scheinen entdeckt zu haben, daß dies - traurig aber wahr
- der einzige Weg ist, nicht vom Zivilisationgeschwür gefressen zu
werden.
Und es ist nicht so, daß die Eingeborenen hier die widerspenstigen
Gallier wären, sie leben abgedrängt auf ein paar ihnen verbliebenen
Inseln oder in Reservaten, während der Großteil der Andamanen
voon indischen Siedlern belegt ist. Die indische Regierung rührt kräftig
die Werbetrommel für die Inseln und animiert die Leute mit Subventionen
und Vergünstigungen angesichts der prekären Menschendichte auf
dem Festland.
Von jedem der Stämme (es gibt noch einige eher asiatische) leben
heute nicht mehr als ein paar hundert, bei manchen sind es sogar bloß
noch einige dutzend. Wenn erst der große internationale Flughafen
in Port Blair, an dem zur Zeit fleißig gearbeitet wird, in zwei,
drei Jahren fertig ist, wird diese Entwicklung wohl endgültig unumkehrbar
sein.
14.07. Havelock Island
Momentan liege ich unter dem Moskitonetz und der Ventilatorbrise in
unserem Hüttenzelt in Nähe des Dorfes Nummer 5 auf Havelock Island,
etwa 40 Kilometer von Port Blair entfernt. Die Orte auf dieser Insel, eher
winzige Hüttenansammlungen, sind so klein, daß sich niemand
die Mühe gemacht hat, ihnen Namen zu verpassen, so heißen sie
denn Dörfer 1 bis 7. Unser "Hotel" Coconut Grove besteht aus einer
handvoll kleiner zeltförmiger Holzhütten auf Stelzen und einer
ebenso kleinen Imbißhütte, man könnte es als einmalig romantisch
bezeichnen, und das trifft es wohl: Direkt am Strand, absolut ruhig bis
auf das sanfte Schlagen der Wellen (ich meine auf der ganzen Insel
gibt es kaum Straßen und höchstens ein halbes dutzend Busse),
feiner Sand unter den Füßen,endlich Sonnenschein, schattenspendende
Kokospalmen wiegen sich über dem Kopf, eine fette Bananenstaude hängt
zur Selbstbedienung in der Imbißhütte, die Leute sind absolut
nett und umgänglich - Herz was willst du mehr?!
Es sind Frösche die hier in warmer Tropennacht die Luft mit kakophonischem
Gequake erfüllen; Quaken und Zirpen unter Palmenwedeln, die wie Risse
in den nachtblauen Himmel greifen, und das Meer ordnet die Spur der Blätter
und Muscheln unablässig neu, beständige Linie der Wellen, durchbrochen
von den krümelumhäuften Höhlen der Krebse, die mit ihren
mobilen Appartements auf Achse sind.
15.07. Havelock Island
Was für eine Premiere!
An diesem Strand zu sitzen, auf das dunkle glatte Meer und die kleinen
Wellen zu schauen und Palmenwedel und Mangrovenäste beugen sich über
mich. Hunderte Krabben stelzen und trippeln herum wie kleine lautlose Aufziehpüppchen
mit Richtungsdefekt. Das beste an dieser Szene ist der Fast-Vollmond der
über dem nächtlichen Meer steht als wäre er geradewegs einem
dieser "Romantik"-Poster oder Liebesroman entsprungen, er schimmert durch
eine dünne Wolkendecke auf das Wasser, wo sich eine silbrige Reflexion
bildet: Ein schlängelnder Pfad führt in den Silbersee, ein Moonlight
Drive der im Ancient Lake mündet und unten in der Tiefe ringelt sich
die Schlange. Kleiner Ritt gefällig?
Das Ganze hat etwas von einer Kulisse an sich, der Mond hängt
am Himmel wie ein Spot der den Auftritt des Stars ankündigt; wem wäre
es vergönnt den Vorhang der Nacht zu teilen?
a) Jesus, der mit ausgebreiteten Armen moonwalkmäßig übers
Wasser wandert (wo hat er den Wein versteckt?)
b) Die zarte Meerjungfrau, die auf einem diamantenem Felsen sitzend
ihr güldenes Haar kämmt und ihren sirenenhaften Gesang über
den dunklen Spiegel des Meeres schickt
c) Eine abgedrehte Band mit flowendem Mond-Groove, sie bläst in
Muschelhörner, trommelt auf Seeigeln und greift in die Saiten einer
(S)eegitarre
(Nessie und Fischers Fritze treten außerhalb der Konkurrenz an)
(c) 2001 David Pinzer
(Fortsetzung in LOver
34)
|
Zurückhaltend, distanziert Schaut sie dich an Aber sie ist reich Du glaubst es nicht Schon ein Almosen Macht mich glücklich Und mitten in der Nacht schenkt sie Dir die glücklichsten Zeiten deines Lebens Süchtig stehe ich an der Mauer Was bleibt mir weiter übrig Sitz ich zitternd am Ufer Eben konnte ich noch strömen Dem Fluß erzähl ich alles Was mir in den Schoß fällt Dem reißenden Ungeheuer |
![]() |
blicke treffen
sich
Anne
Jede
Erörterung zur Reinhaltung der Luft (beispielsweise), zu Ozonloch
und Treibhauseffekt verkommt zu theoretischem Geschwätz, solange der
Einzelne alternativlos zum Hausbrand verurteilt ist, gezwungen, auf primitivste
Weise das zu verheizen, was man ihm vor die Haustür schüttet:
brikettierte Heimaterde. Gewissenhaftes Handeln wird hier durch die gesellschaftlichen
Rahmenbedingungen unmöglich gemacht, und im Gefüge solcher ethischen
Nullstellen wächst Gewissenlosigkeit mit sozialer Dimension, die organisierte
Verantwortungslosigkeit.
1994 (2001 neu bearbeitet)
siehe auch www.gegenstandpunkt.de "16+1 Leichen in Erfurt" in Gegenstandpunkt 2-02
Die Trauerfeiern sind vorbei
pro Jahr ein Sonntag für die Toten
wir ziehen weiter in den Krieg
und geben weiter Noten
Hartmut Barth-Engelbart
Hallo, liebe LapsusInnen! Ich bin
auf den nächsten Lapsus-Rundbrief gespannt.
Schöne Tage wünsch ich euch! Roland
Servus Leo, [...] Fingsten fahren wir eher nicht nach TM, nicht
sehr anziehend einfach. Clemens kommt aber bestimmt.
Mach's gut - Roland
LAPSUS LIVE Nr. 20 - RockRagnarök
Ragnarök ist ein Begriff der nordischen Mythen. Er bedeutet Weltuntergang.
Etwas Untergangsstimmung war im Vorfeld von LAPSUS LIVE 2002 zu spüren.
Der gewohnte Ort stand nicht zur Verfügung. Der neue Ort erlaubte
nur ein sehr familiäres Zusammensein. 11 Lapsusen und 7 Lapsoten konnten
in Tangermünde dabei sein, mehr Platz war leider nicht vorhanden.
Sie erlebten ein Programm, das - gemessen an seinen Vorgängern - eher
sparsam zu nennen wäre. Am ehesten kann man es mit dem von 1982 vergleichen.
Vor 20 Jahren hatte das Silver Jubilee der Eltern ein Kurzprogramm verursacht.
"Klein aber fein" - so könnte man das Programm beschreiben, das
von Regina, Frank, Dirk, Achim und ihren Mitstreitern - liebevoll wie immer
- auf die Beine gestellt wurde.
Völlig neuartig und sehr spaßig waren die Neusynchronisationen
von "Der Alte" und "Sabine Christiansen", die Regina und Dirk ausgeheckt
hatten.
Manch einer schaut jetzt vielleicht nachdenklicher in den Spiegel -
'Passt es zu meinem Vornamen?'. Nur wie das mit dem Internet geht, weiß
der Alte wahrscheinlich immer noch nicht...
Besonders beeindruckend war Franks Dia-Bericht von seiner Reise durch
die Ténéré. Untermalt von stimmigen Tribe-Vibes plauderte
Frank über seine Erlebnisse und Eindrücke in der nigerianischen
Wüste.
Musikalisch war die eingeschlagene Richtung der Dia-Ton-Vorträge
diesmal eindeutig Progrock. Yes und King Crimson sind Ikonen dieser Spielart
und die ausgewählten Stücke bewiesen die außergewöhnliche
Stellung dieser Bands. Leider hatte Leopold keine Generalprobe angesetzt
und lief deshalb mit King Crimson ab und an ins technische Abseits - sehr
schade.
Sehr stimmig und exzellent synchron war Dirks Beitrag "Meine Heimat
DDR" mit Songs von Silly und Schwarzweißfotografien aus der DDR.
Tja - was gab's noch? Baden, Grillen, Quatschen, Lachen, Essen, Essen,
Essen, Sonne, Billard, Regen...
Und das einhellige Resümee, ein angenehmes Pfingstwochenende verbracht
zu haben - auch ohne Dampferfahrt und Radtour.
Großes Dankeschön an die Gastgeber Anni und Eckart, die
LAPSUS LIVE zum wiederholten Male möglich machten und wie immer hervorragende
Gastgeber waren. Danke an alle, die dabei waren. Küsschen für
Frieda, die weiß, wo Pfingsten was passiert.
Keep On Rockin'! Leopold Lapsus
Hallo, Wunderschönes Frühlingswetter und wieder einmal
stand Lapus vor der Tür. Im Gepäck hatten wir unsere Diatonvorträge
und die synchronisierten Sendungen auf Video. Die Idee zu "Meine Heimat
DDR" geisterte schon des längeren in meinem Kopf herum. Doch wollte
ich zunächst nicht so recht an eine stimmige Verkoppelung von DDR-Fotos
mit meiner Lieblingsmusik von Silly aus DDR-Zeiten glauben. Und entsprechend
viele Fotos aus "guten alten DDR-Zeiten" zu finden, schien mir auch äußerst
mühselig zu sein. In der Bibliothek fand ich jedoch reichlich Material
und dazu schön komprimiert in ein paar ausgezeichneten Fotobänden.
Kurzerhand hatte ich mich dann 4 Wochen vor Lapsus doch noch an die Arbeit
gemacht und den Vortrag zusammengestellt. Ich war letztlich selber überrascht,
wie sich die Bilder mit der Silly-Musik, die vor allem auch textlich an
Aktualität und Kraft für mich nichts eingebüßt hat,
vertrugen. Erinnerungen wurden wieder wach.
Eine neue Art von Beiträgen stellten auch unsere Synchronisationen
und Zusammenschnitte von der Promi-Talkshow "Sabine Christiansen" und der
für uns zur Kultserie avancierten Krimireihe "Der Alte" dar. Die Idee
zu synchronisieren entwickelte sich mehr oder weniger spontan (was auch
zu merken war) u. a. an den vielen Abenden, an denen wir (Regina und ich)
uns bis zum Überdruß auf diese sich monoton wiederholenden und
klischeehaft ablaufenden Sendungen einließen und nicht umhin kamen,
den Promis und Darstellern neuartige und nach unseren "Geschmack" passendere
bzw. authentischere Worte in den Mund zu legen und aberwitzige Dialoge
zu entwerfen. Und letztlich wurde auch der Alte zu einem Lapsus-Fan, der
im Vorfeld zu Lapsus Live und in Konkurrenz zu seinen Kollegen immer wieder
den Kontakt zu Achim suchte, der wiederum verständlicher Weise hin
und wieder mal genervt den Hörer auflegte. Die Realisierung der Synchronisationen
war letztlich jedoch mit einem gewissen Aufwand verbunden hinsichtlich
der im Vergleich zu richtigen Studios dürftigen Technik, die uns zur
Verfügung stand. Für unsere Zwecke reichte diese jedoch vollauf
aus.
Hervorheben möchte ich an dieser Stelle auch, mit welchem Enthusiasmus
Julia sich an der Synchronisation beteiligt hat. Julia stand für die
Synchronisation nur einen Abend zur Verfügung, also mußten wir
sehr produktiv sein und brachten es innerhalb von ca. 3 Stunden auf eine
halbe Stunde synchronisierten Alten. Mit Julia zusammenzuarbeiten war wirklich
eine Freude, und wir waren schön aufgeregt und haben viel gelacht
über soviel spontanen Klamauk.
Insgesamt haben mir alle Beiträge sehr gut gefallen - egal ob
Franks beeindruckende Afrikareise in Wort, Musik und Bild, Reginas liebevolle
YES-Musik-Reprise erster Teil mit ebenfalls vielen tollen Bildern und einer
mit viel Aufwand betriebenen Textübersetzung oder Achims technisch
originelle und teilweise brillante Musik-Bilder-Film-Show und den
Übersetzungen der vielen eigenwilligen und kritischen Texten von King
Crimson, in deren Musik sich Genialität widerspiegelt. Das läßt
sich aber auch von YES sagen. Und auch die Rockband Silly war auf ihre
Art genial.
Nun aber noch das Wichtigste: Ein Dank an Anni und Eckart, die als
Gastgeber nichts zu wünschen übrig ließen! So konnte Lapsus
Live auch in diesem kleineren, eher familiären Rahmen zu einem insgesamt
schönen Erlebnis werden. Dirk
Hallo Achim, nein, leg' nicht gleich wieder auf, sonst denk'
ich noch, ich bin im Film.
Deiner Lapsus-Zusammenfassung möchte ich eigentlich nur einen
speziellen Dank an Anni & Eckart hinzufügen, die sich als Gastgeber
enorm ins Zeug legten und durch ihren beherzten Entschluß Lapsus
in diesem Jahr erst möglich machten. Ich hoffe und glaube, daß
sie es trotz der vielen Arbeit und den halbvollen Saftgläsern nicht
bereuen!
Beim Durchsehen unserer Lapsusfotos (eine Auswahl landet demnächst
bei Dir im Briefkasten) stieß mir nur eines auf: Die Nummern 1, 4,
7 und 14 müssen unbedingt zum Friseur! Es muß ja kein Hundefriseur
sein...
Ja, ich fand dieses Minilapsus auch recht erfreulich, und das Programm
schien mir vom Umfang her völlig ausreichend, dazu abwechslungs- und
ideenreich. Und es gibt schon wieder vage Ideen für's nächste
Mal. Die Hoffnung höret nimmer auf. (Hoffen und Harren...)
Liebe Grüße, Regina [1 - Anmerkungen
von Roland in eckigen Klammern siehe unten]
Na dann Tschüß! und macht's besser!
Ich habe es gewußt, daß es unter "LAPSUS LIVE Nr. 20" internettet
werden wird.
Der "Weltuntergang" Ragnarök - nur ein wenig beschrieben - heißt,
daß der Weltenbaum während des Kampfes der Asen-Welt (die Guten)
gegen die Unterwelt der Riesen (die Bösen) in Flammen zusammenbrechen
und das ganze Weltgefüge über den Haufen werfen wird (auch die
Mittelwelt der Menschen). Was die Götter schon vor Kampfaufnahme als
Wissen von den Nornen mitgeteilt bekommen. Wenn in der Rockmusik die Heroen
im Kampf gegen die poppigen Riesen (Michael Jackson?) untergehen und alles
im Chaos versingt - ? Oder hat Lapsuslive jeden Anspruch verbannt verbrannt,
weggegrillt - ? Die Lapsus-Walhall ist leer - ? Oder werden ab nun nur
noch Hosen getragen - ??? Über die Taten der Einherjer wird nichts
berichtet. In einem Tal zwischen Bergen wird der Stumpf der Weltenesche
vom Feuer verschont. Dort werden ein Mann und eine Frau, Lif und Lifthrasir,
überleben und sich vom Morgentau ernähren. (Und der schuldlose
Balder wird aus Hel zurückkehren...)
Also "Untergangsstimmung im Vorfeld von LAPSUS LIVE 2002". Auf dem
Maisacker hier? Kein Wunder bei den Fungherbpestinsektiziden, nicht wahr?
Oder was war hier los? - Hat niemand gefragt. "Der gewohnte Ort stand nicht
zur Verfügung." Und sonst so?
Na aber hallo - und die gewohnten Menschen? (Zufällig trafen wir
Fingstsonntag in der Nähe Nina, "endlich mal frei".) Aber mißachtet
fühle ich mich. Es ist nicht der gewohnte Ort, der mal eben so Lust
hat, "zur Verfügung" zu "stehen" oder auch nicht. Und ich habe so
die Nase voll davon, im LOver rumzukriechen und um helfende Hände
im LAPSUS-GEIST zu winseln. Sense. Oder manifestes zu beschwören,
wo hier kein Frosch nach quakt. Dieses ganze Lapsusfeeling, was ist das
auch fürne geile Torte geworden, watten fürne fette Grillwurscht,
für die man schon mal "mitstreitet". Oh Gott! Na der iss aber auch
auf die Beine gestellt! "Leider (!) war nicht mehr Platz vorhanden" - na
von dem Leider habe ich nichts gemerkt. Kein Lapsusler hat auch nur einen
kleinen Furz des Bedauerns übrig gehabt, jedenfalls habe ich hier
vorgewohntenort nichts zu riechen gekriegt. Kein Mux, warum denn der "mehr
Platz" nicht wie bewohnt vom Himmelbett fällt. Da ist doch wirklich
nichts an unelektronischer SubsTanz da. Nicht mal eine Krise. Von wegen
"Weltuntergang".
Freundliche Ausnahmen sind Regina und Dirk (und auch Micha aus Berlin).
Achso, ein weiteres Schlüsselerlebnis zu wissen, wovon ich rede,
hatte ich "im Vorfeld" Greifswald "von LAPSUS LIVE 2002":
Ich hatte Clemens zum Bahnhof gebracht, wo wir uns mit Dirk und Regina
trafen, die dann zu dritt zum Fingsttreffen nach Tangermünde fuhren.
Stand da auf dem Bahnsteig gegenüber ein langhaariger junger Bursche,
etwa 19, mit einer Klampfe und rockte paar Riffs rauf und runter vor sich
hin. Ich sagte zu Regina: "Früher sind wir hingegangen und haben die
Leute angequatscht und zu Lapsus eingeladen!", meint Regina: "Ja, aber
auch nur Du."
Na dann also "angenehme" Dampferfahrten bei den "hervorragenden" Gastgebern.
Und nach den ersten Fotos, die ich von "LAPSUS LIVE 2002" sah, möchte
ich mich sehr bei den (sich angesprochen fühlenden) Lapsuslern entschuldigen,
viel mehr um Verzeihung bitten, für all den grausamen Zwang all die
Jahre in Zarnekla, das Essen, Essen, Essen und Scheißen, Scheißen,
Scheißen, na ihr wißt schon! Sonne! Blizzard! Regen!
("Danke an alle, die dabei waren." Besser kann man doch den "inner
circle" [Zitat Frank] gar nicht beschreiben...)
Nun noch eine Rezension eines Beitrags. Bei Regina und Dirk konnte
ich mir neulich "Der Alte" neu! anschauen und viel mehr hören. Ich
habe mich größtenteils halb kaputt gelacht (was bei mir gefährlich
ist, da ich schon halb kaputt bin). Es gab einige Höhepunkte, zum
Beispiel die Szene, wo sich der Alte als Täter ausgibt und der Zivi
völlig verdattert ist und sein Ragnarök erlebt oder die Szenen,
wo der Text so völlig absurd zu Gestik und Mimik paßte, oder
die Charakterstudienszenen. Die allerdings sich dann doch zu häufig
in Wiederholungen hinzogen. Aufschlußreich waren wieder einmal die
Themen, die den Neuautoren der Texte mal eben so spontan einfielen, wie
Bremsspuren in Unterhosen, Männerschweiß oder die Sprünge
in diversen Schüsseln. Mehr tieferen Sinn hätte alles gern haben
können bei der Länge. Mißfallen hat mir sehr im Nachhinein
die Verramschung der Bilder, wo Menschen getötet wurden oder Leichen
in ihrem Blut zu sehen waren. Ich möchte solche Bilder nicht x-beliebig
besprochen sehen. Übrigens habe ich letztens mal wieder einen guten
Film im Kino gesehen (Thema u.a. verlorene oder bewahrte Träume und
Ideale, tjaja): "Was tun wenn es brennt" ("Das Feuer in Gang halten" tjaja,
Ragnarök...), da lebte die Hausbesetzergruppe u.a. von der Aufwertung
vorhandener Mainstreamfilme durch selbstgedrehte Sequenzen oder auch Neusynchronisation...
"Tja - was gab's noch?" Roland
P.S. Und ich kenn noch ne Masse mehr Leute, die wissen, wo Fingsten
at was passiert.
Hallo Achim, da es bis zur Ausgabe des nächsten Lover sicher
einige Zeit dauern wird, und dann vielleicht niemand mehr weiß, worum
es geht, hier gleich eine Reaktion auf Rolands Brief. [2]
Hallo Roland, zunächst einmal gebührt uns die Ehre
der "freundlichen Ausnahme" nicht. Auch wir haben Eure Entscheidung, daß
Lapsus in diesem Jahr nicht in Zarnekla stattfand, einfach akzeptiert,
ohne groß nachzufragen. Wenn Du gewollt hast, daß man Näheres
erfährt, warum hast Du dies dann nicht mitgeteilt? [3]
Sicher gab es auch Bedauern. Lapsus in Zarnekla hat schließlich
schon durch die Umgebung und die Räumlichkeiten eine ganz eigene Atmosphäre.
[4] Ich möchte auch nicht behaupten, daß in Tangermünde
alles viel toller und besser war. Die Krise ist längst da. Die Zeit,
wo sich die gesamte Familie + Freunde unter dem Lapsus-Stern versammelten,
ist wohl endgültig vorbei. [5] Mit dem Tolerieren andersartiger Lebensweisen
ist es nicht mehr weit her! [6] Die meisten Zäune gibt's ja leider
in den Köpfen. (Ich denke dabei auch an Dich und z. B. Deine Essensdoktrin.)
[7] Und genau daran geht das "Lapsusfeeling" zugrunde. [8]
Auch mir fällt der Spagat zunehmend schwerer, aber ich möchte
und werde niemanden verdammen. [9] Schon gar nicht die Eltern, nur weil
es Torte und Grillwürstchen gab. Wenn man Eckart mit Anpacken sah,
was früher doch kaum der Fall war, dann freute ich mich einfach darüber,
wie jemand über seinen Schatten zu springen vermag. [10]
Ich kann ja Deine Enttäuschung verstehen, daß Lapsus woanders
stattfand, ohne Dich bzw. Euch. Aber ich frage mich auch, weshalb Du darüber
so wütend bist. Zumal Du bzw. Ihr ja eingeladen wart. Hättest
Du es lieber gesehen, daß Lapsus ausfällt? Darf es ein Lapsus
ohne Dich und Zarnekla nicht geben? Wem gehört Lapsus? [11]
Nun noch ein paar Gedanken zu Deiner "Rezension". Es widerstrebt mir
ja, unseren Humor zu erklären, aber anscheinend kann man diesen auch
in den falschen Hals kriegen. In der Originalserie "Der Alte" gibt es jede
Woche eine Leiche. Das gehört nun mal zum Standard eines Krimis. [12]
Und gerade bei "Der Alte" ist dies so zur Routine verkommen, daß
die Kommissare völlig ungerührt damit umgehen. Es ist halt ihr
Job, den Mörder zu finden. So wie andere Brötchen backen oder
Autos reparieren. Und genau das versuchten wir, auf die Schippe zu nehmen.
In unserem Zusammenschnitt häufen sich die Leichen so, daß es
sogar den abgebrühten Kommissaren zuviel wird. Und dummerweise sind
die Leichen nicht mal tot, was sich nun wirklich nicht gehört und
deshalb möglichst ignoriert wird. Ich glaube nicht, daß solch
eine Satire der Ort ist, sich ernsthaft mit der Frage des Todes auseinanderzusetzen!
Und jeder weiß doch, daß im Film niemand wirklich stirbt, oder...?
[13]
Und bei einer Satire sei es auch erlaubt, die banalen, aber oft mit
Vehemenz ausgetragenen Alltagsstreitigkeiten einer Ehe/Beziehung auf die
Spitze zu treiben. Keine Angst, ich muß Dirks Unterhosen nicht waschen!
[14]
Sicher gab es in unserer Synchronisation einige Längen bzw. Wiederholungen.
Aber wir wollten ohne großen Aufwand etwas produzieren, worüber
man gemeinsam lachen kann.
Das war's von meiner Seite. [15] Regina
Hallo Roland, was ist das für eine Reaktion auf Lapsus,
zumal Du nicht selbst dabei gewesen bist? [16] Was grollt da im Untergrund
[17], daß Du mit solch einer Vehemenz gegen "Grillwurscht" und "geile
Torte" und "Dampferfahrten" anrennen mußt? [18] Und vielleicht wäre
auch der ‚langhaarige junge Bursche, etwa 19', auf "Grillwurscht" und "geile
Torte" abgefahren und hätte sich nebenbei noch ordentlich vollaufen
lassen. [19] Das äußere Erscheinungsbild bietet noch keine Garantie.
[20] Und ich bin mir auch nicht so sicher, ob sich die Rockmusik-Heroen
nicht ebenfalls mal schnell nach einem technisch aufwendigen Konzert eine
"Grillwurscht" oder eine "geile Torte" oder andere Drogen reingeschoben
haben. [21]
"Kein Lapsusler hat auch nur einen kleinen Furz des Bedauerns übrig
gehabt..." (Zitat Roland). Was erwartest Du von Menschen, die nach Deiner
Meinung den ganzen Tag nur "Grillwurscht" und "geile Torte" essen möchten
und fortwährend auf "Dampferfahrten" erpicht sind? [22] Dirk
[23]
Hallo Bruderherz, Tangermünde mag für dich ja "nicht
sehr anziehend" gewesen sein, ein nahezu gewöhnliches Familientreffen
ebenso und LAPSUS LIVE 2002 sowieso - aber dann verwundert die harsche
Reaktion aus der Ferne um so mehr. [24] Und dass sie gleich mit "Seht mal
zu, wo ihr jetzt bleibt" (frei übersetzt) losgeht, ist schon ziemlich
ruppig. Oder kann man dein "Tschüß!" auch anders verstehen?
[25]
Dass "LAPSUS LIVE Nr. 20" Etikettenschwindel gewesen sein soll, können
die, die dabei waren, sicher nicht bestätigen. Klar war es anders.
Klar war es schade, dass nicht mehr Platz war. Aber genauso klar ist, dass
die Nr. 20 durchaus an einem mehr als akzeptablen Ort stattfand. Schließlich
haben unsere Eltern LAPSUS LIVE Nr. 1 bis 11 nicht bloß geduldet
und die oft unbekannten Gäste nicht bloß toleriert. Sie haben
LAPSUS LIVE möglich gemacht und tatkräftiger unterstützt
als mancher ‚waschechte Lapsot'. Die Lapsoten waren willkommene Gäste
und fühlten sich aufgenommen. Und die Forderungen, Regeln und Gebote
der Gastgeber stießen kaum jemandem sauer auf. Warum auch, sie waren
ok.
Die kleine - vielleicht aufklärerisch gemeinte - Mythenabteilung
überspringe ich mal. Den Zusammenhang zum Anspruch von LAPSUS LIVE
mag erkennen, wer will. [26] Selbst verpackte Progressive Songs Und Sounds
gab's auch 2002 jede Menge.
Tja, was war Pfingsten los in Zarnekla? Davon erfahren wir noch immer
nichts. Sollen wir wirklich um Auskunft bitten? Deine Absage war knapp
und bestimmt. Wenn es mitteilenswerte Gründe gegeben hat, hättest
du sie mitteilen können. [27] Mag sein, dass der Genuss [28], den
du aus LAPSUS LIVE in den letzten Jahren gezogen hast, die Vorbereitungs-
und Nachräummühen nicht aufwiegt. Dass zu wenig von gleichem
Geiste zurück kam. Irgendwie schwebte dir ja vielleicht eher ein Come-Together
á la Sieben Linden vor. [29]
Unsere Eltern haben in LAPSUS LIVE sicher auch nicht ihre Ideale und
Ideen verwirklicht gesehen. [30] Haben wir sie "winseln" hören? Haben
sie "Sense" gesagt? [31] Kannten sie überhaupt unser Manifest? [32]
Gingen sie mit ihren Ansprüchen hausieren? [33]
Sind alle Gründe für LAPSUS LIVE längst lächerlich?
[34] Sich auf außergewöhnliche Weise mitteilen. Ausprobieren.
Entdecken. Spielen. Natürlich kann man es als hirnrissig, elektronisch
und substanzlos ansehen, z. B. einen Beitrag vorzubereiten und dann auch
tatsächlich aufzuführen, der in über 5 Stunden die Musik
eines englischen Gitarristen vorstellt. Jeder Normalo wird das tun. [35]
Und man kann sich mit gutem Recht hinstellen und fragen, wer sich das denn
anhören soll. Ich bin so hinrissig. So verrückt. Das hat für
mich Würze und auch Substanz. Wie so ziemlich alles, was sonst noch
zu LAPSUS LIVE auf dem Programm stand. Absolut unwürzig und -witzig
finde ich es von dir, die Mitstreiter als "Grillwurscht"-Hanseln zu diffamieren.
[36] Die hätte auch in Zarnekla mancher gern gegessen. [37] Wer war
da wohl toleranter? [38]
Wenn du auf Bedauern aus bist, dann kannst du das schon haben. [39]
Bedauerlich, dass du nicht dabei warst in Tangermünde. Dann müsste
ich mich jetzt nicht mit deinen ungehaltenen Poltereien befassen. [40]
Bedauerlich auch, dass keiner mit Klampfe dabei war. Er hätte interessierte
Zuhörer gehabt. Ich quatsche übrigens öfters Leute an und
lade sie zu LAPSUS LIVE ein. In diesem Jahr musste ich sie wieder ausladen.
Auch bedauerlich. Leute wie Mea, die sich spontan was für den LOver
hat einfallen lassen, gibt es ja tatsächlich.
Dass du auf die kleine Ironie mit dem "Essen, Essen, Essen" in Leopolds
LL2002-Bericht so heftig anspringst, ist durch das Verhalten von irgendeinem
Lapsusler kaum zu begründen, oder!? Waren doch alle ziemlich brav.
(Waren ja alle bald wieder zu Hause.) [41]
Das offenbar beliebte Thema "inner circle" steht mit meiner Danksagung
in keinem Zusammenhang. Hätte ich mich bei denen bedanken sollen,
die nicht dabei waren? Sollte mir da jemand einfallen? [42]
Da der LOver noch ein bisschen brutzeln muss, folgt sicher noch deine
Erwiderung. Achim
Hallo Lapsoten, vielleicht ist es ja noch nicht zu spät
ein paar Worte für den Lover zu schicken.
Anfangs waren wir uns nicht so ganz sicher, ob unser Pfingsttreffen
in Tangermünde Lapsus war oder eher ein Ableger, aber das ist ja eigentlich
auch egal.
Wir waren knappe 2 Tage da und fühlten uns sehr wohl. Ein großer
Dank an Reginas Eltern, die uns, obwohl keine Gorslebens, so nett aufgenommen
haben. Auch ein Dank für die liebevolle Bewirtung.
Diesmal war ja einiges anders, nicht nur der Ort, es waren auch weniger
Leute da, dafür aber auch einige, die schon lange nicht mehr zu Pfingsten
zu sehen waren. Vorträge gab es auch dieses Mal- von amüsant
bis durchgestylt. Achims Show bestach durch tolle Effekte (Schade nur,
dass die Technik nicht immer so wollte, wie sie sollte), gute Musik und
interessante Texte.
Franks Afrika-Vortrag war sehr interessant und kurzweilig und machte
durchaus Lust auf die Gegend, wenn das Klima auch absolut nicht meines
wäre.
Dirks Vortrag „Meine Heimat DDR“ mit der Auswahl der Silly-Songs brachte
tolle Musik mit sehr passenden Bildern zusammen, die schon manchmal recht
skuril wirkten und manches Vergessene wieder in Erinnerung rief. Im ganzen
wirkte die Mischung frisch und vor allem echt, mal witzig, mal melancholisch.
Der Yes-Vortrag von Regina war wieder einmal ein Augen- und Ohrenschmauß.
Musik, Texte und Bilder waren von Licht durchdrungen. Selbst das kitschigste
Delphinbildchen passte irgendwie.
Am meisten Spaß gemacht haben uns die Synchronisationen (trotz
einiger Längen) , vielleicht gerade deshalb, weil man den Spaß
der Macher (Regina, Dirk, Julia) darin fühlen konnte.
Etwas traurig macht uns, was so im Nachhinein abgelaufen ist.
Über E-mail konnten wir schon einiges aus dem Lover lesen. Wir
haben uns eine ganze Weile darüber unterhalten und sind zu dem Entschluss
gekommen, auch dazu einige Zeilen zu schreiben.
Wir können Rolands Verbitterung nicht so recht nachvollziehen.
Natürlich tat es uns leid (und mit Sicherheit auch vielen anderen),
dass Lapsus diesmal nicht in Zarnekla stattfand. Aber ,wir glauben, alle,
die in letzter Zeit zu Lapsus waren und auch die Beiträge im Lover
mitverfolgten, wussten von den Problemen, vor allem gesundheitlicher Art
und akzeptierten einfach die getroffene Entscheidung. Oder war sie gar
nicht ernst gemeint? Wäre sie bei vielen Bitten um Durchführung
zurückgenommen werden? Wir denken doch nicht, dass es so gemeint war.
Außerdem ist es uns unverständlich, dass Roland
über das Lapsus in Tangermünde nach dem Ansehen einiger Bilder
so hart urteilt. Ja, es gab Grillfleisch und Torte- na und?! Hat sich irgend
jemand darüber aufgeregt, dass es so etwas in Zarnekla nicht gab?
Oder muss nur dort Toleranz und Akzeptanz gegenüber den Gastgebern
gezeigt werden, was anderen nicht zugestanden wird? Wir jedenfalls kamen
nach Zarnekla und überhaupt zu Lapsus, weil wir die Leute mochten,
sie sehen wollten und mit ihnen zusammen sein, auch wenn die Lebensweise
eben nicht unserer sonstigen entsprach. Es ist uns aber auch nicht all
zu schwer gefallen, weil eben die Menschen herzlich waren.
Für uns war Lapsus immer eine Zeit der Toleranz. 3 Tage , in denen
man sich traf und mochte, ohne sich gegenseitig Fehler vorzuwerfen. Klar
gab es Gemeinsamkeiten, aber müssen deshalb alle gleich sein? Warum
ist es nicht möglich, sich einfach so als Mensch zu sehen, mit Schwächen,
wie immer die auch sein mögen. Gerade die Menschlichkeit beinhaltet
doch einen Lapsus oder meist mehrere. Götter mögen vielleicht
perfekt sein, aber oft auch grausam und mitleidslos. So auch die Götter
des beschworenen Walhalla. Bei allen Prinzipien, so gut sie auch angedacht
sein sollten, darf doch nicht vergessen werden, dass wir alle Menschen
sind, ob wir nun Bratwurst essen oder nicht. Und wenn wir zu dem stehen,
was wir sind, sollten wir auch so handeln- also menschlich. Denn
ohne Menschlichkeit ist alles andere ohne Wert. Und für mich ist jemand,
der anderen seine Lebensweise aufzwingen will, ein Spießbürger,
ob es nun Bratwürste und Torten oder Müsli und Möhren sind
(wenn wir es der Einfachheit halber beim Essen als Symbol lassen). Trotzdem
habe ich dann Mitleid, so eine Einstellung zeugt immer von tiefer Einsamkeit,
Unzufriedenheit und Zerrissenheit.
Schön finde aber trotz all der Kritik, dass Roland auch
über die Synchronisation lachen konnte und ich hoffe, herzhaft und
befreiend und nicht kaputt, (das wünsche ich ihm auf jeden Fall).
Liebe Grüße Ginger und Hans
So, fix eingestreut meine Rareriroru-Aktionen [...]
[1] Und was für Impulse (für eine bessere Welt) gehen davon
aus? Was an Solidarität? An Innehalten? Was an Fragen??? Das ist die
bessere Welt?! Genau darum! Übrigens war es sicher kein beherzter
Entschluß, die Umlenkung nach TM, sondern liegt mittlerweile in der
Natur der Sache. Kastration der Elche.
[2] "Was hat er denn sonst noch vom Leben?" [Roland zitiert Dirk]
[3] Na aber hallo, danke für die Belehrung! War einfachsomal eine
Entscheidung. Toleriert man halt. Warum tolerierst Du denn mein "Poltern"
(Zitat Gegenstandpunkt) nicht??? Akzeptierst nicht mal eben die paar Worte?
Watt isset ooch für ne kuhle Gefaßtheit. Lapsusfeeling.
[4] Ganz eigen - hätte ich ja nicht vermutet, ich dachte eher
eine ganz andere oder ganz besondere oder ganz ganz ganz dingsda.
[5] Lapsus-Stern in Krise. Herr im Himmel, hilf!
[6] Mal unser Gästebuch lesen (leider erst seit 97 lückenhaft
geführt)? Meinst also doch eher Dich, was.
[7] Von der Du herzlich wenig weißt. Und an Frank und Sigrid
mit ihrer Weiß-Nicht-Was-Doktrin und an Dich selbst mit Deiner Hundehaar-Doktrin.
Mal zusammenreißen! Brav!
[8] Oh Gott! Am Erdulden? Geht (nochmal:) was zu Grunde? Na Dein Feeling
will ich nicht haben!
[9] Außer wenn's knirscht im Getriebe. Die Zäune, Gräben,
Mauern, das ganz eigene, die Sonnenuntergangs-Sternstunden-Doktrin! (Jetzt
Du, Dirk, ein Satz.)
[10] (Das ist doch gar nicht mehr nötig! Von was für Licht
sprichst Du? Ahso der Lapsus-Stern, ich ahnte es!) Du kannst doch gar nichts
sehen außer Grillwurst und Torte? Für Dich scheint LL wirklich
nur daraus zu bestehen, ja? Was gäbe es denn sonst zu kritisieren??
("Krise" - wovon sprichst Du nur???)
[11] (Erstmal hätte ich mich schon noch allein eingeladen, das
nur am Rande.) Ich bin keineswegs enttäuscht, daß LL nicht hier
stattfand. Sondern sehr froh darüber! Du verstehst also von mir wirklich
gar nichts! Und ich bin auch sehr erleichtert darüber, da nicht mehr
dabei zu sein! Wütend hat mich nur mal der Ausfall der Bauernolympiade
gemacht, die mangelnde Bewegung - Obwohl - vielleicht gibt es ja bald 3D,
Lasershow und Übertragung per Satellit, natürlich live (mal ganz
abgesehen davon, was unlive so alles abgeht).
[12] Ja, das ist nun mal so, das kann ich auch nicht ändern.
[13] Was wollt ihr denn auf die Schippe nehmen, da jeder weiß,
daß alles, alles nur ein Film ist - auch Deine Gedanken. Und hat
Dir irgendwer eine Frage gestellt? Des Todes gar? Na also. Oder kannst
Du nicht akzeptieren, ich meine tolerieren, ich meine meine Meinung?
[14] Also freiwillig.
[15] Ohha, Seite! Ja, eigentlich schon schade.
[16] Noch nix von der allgegenwärtigen universalen, göttlichen
Liebe gehört? Aber doch gelesen, oder? Ich war in Gedanken bei euch.
Aber Selbst? Durfte nicht. Notdurfte nicht.
[17] (Das übermäßige, fette Essen. Oder The Doors?
Oder Zappa? Oder doch Velfett?)
[18] Mach vielleicht mal nur kurz die Augen auf ohne Vorurteile, kriegst
Du wirklich nicht mit, daß es mir um die Beziehungen zwischen Menschen
geht, um "Inhalte", "Impulse" oder so und nicht um Dein schlechtes Gewissen
mit irgendwelchen Torten ausm Aldi (mit "Torten" meine i c h
eine bestimmte Sorte Leute). Und anrennen tu ich da eh nicht mehr, nicht
mehr winseln. Von wegen Lapsus Hauptquartier - mir doch Latte!
[19] Hauptsache ordentlich. Und auf Deine geile Torte mußt Du
schon selber aufpassen.
[20] Ach nein! Na sowas. Was bietet denn Garantie? Da bin ich ja mal
auf eine Belehrung gespannt!
[21] Bist Dir echt nicht sicher? Du, der Mick Jagger soll mal mit,
ich meine der soll mal zwei Nächte durchgemacht haben. Mit Musik,
so und, naja, der andere da, der soll mal auf einem Fahrrad oder mit nem
Buch sogar. Meinst Du allen Ernstes, irgendwelche Heroen interessieren
mich? Oder deren Speiseplan? Oh Gott! Du lebst ja noch sonstwo und -wann!
(Jetzt Du, Regina, ein Satz!) Kommst Du eigentlich an Drogen ran? Nur mal
so nebenbei, Du, ich, naja,
nicht hier.
[22] Ehrlich gesagt: nichts. Mehr. Kein Bedauern.
[23] Du hast die Grußformel vergessen.
[24] War nur noch mal son Anflug des Bedauerns, was es mal hätte
werden können, sollen, müssen - weiß nicht.
[25] Tschüß ihr Illusionen. Hallo ihr angenehmen und genialen
und brillianten und liebevollen Bequemlichkeiten
[26] Aber das große Wort "Weltuntergang" in den Titel nehmen!
Ist doch nur leeres Rumgemache mit irgendwelchen Federn. Und ihr seid ja
sowieso die Guten, die noch jeden Weltenbrand überleben. Nicht wahr?
Nur daß das mit nem Baum zu tun haben soll... Hehe hehe. Hat wirklich
nichts mit dem Anspruch von LL zu tun. Nächstes Jahr lieber Rock Ritter
Runkel oder Rock Ritze oder Rock Rathausuhr.
[27] [28] Und sonst so?
[29] Wovon redest Du? Keine Ahnung.
[30] Sei Dir da mal nicht sicher. Sondern gerade!
[31] Haben doch Rasenmäher oder?
[32] Was fürn Manifest?
[33] Na aber hallo, bei den offenen Türen!
[34] Die Gründe vielleicht nicht.
[35] Gerade nicht, schau Dir doch die unendlich aneinander gereihten
5-h-Für-Die-Normalos-Beiträge an. Völlig belanglos dabei,
wie groß der Produktionsaufwand war. (Außer für unsere
Lebensgrundlagen vielleicht, aber das interessiert eh nicht so.)
[36] Was man da so alles rauslesen kann bei mir, alle Achtung. Oder
doch alle Grillwurscht?
[37] Hab mich schon entschuldigt!
[38] Du, Toleranz gehört für mich nicht zur Abteilung der
erstrebenswerten Eigenschaften. Ist für mich also nichts "Gutes",
daher geht die Frage etwas daneben.
[39] Nee, eigentlich nicht. Be-Dauern heißt wohl etwas am Dasein
halten. Ich lebe lieber leichten Herzens, habe genug wichtigeren Kram im
Leben.
[40] Mußt Du auch so nicht. Ich hatte gedacht, Du lachst drüber
und wirst rot wie ein junges Mädel.
[41] Bedauerlich, daß es nur für eine kleine, feine Ironie
langt, das ist es u.a. ja auch gerade. Und schön brav bleiben!
[42] Früher hast Du mal die paar Hippies per Dia in den Kreis
geholt. Heute bin ich nur noch peinlich. Form der Wirklichkeit. Aber welcher?
Naja, ich hoffe ja auch noch auf einen Artikel von der tarantel per
mail, zu viel zu tippen... da kann ich schon nochmals Tschüß
sagen. War ja schon mal so weit. Da hatte ich übrigens nicht "geile
Torte" gesagt sondern "fetter Turnschuh".
Und falls der 33er noch im Heumond kommt:
Ab 8.7. bin ich im Krankenhaus, neues Kreuzband ins Knie flicken (Was
fällt Dir hier ein, Nina? Mir ja auch...), ab etwa 18. bin ich wieder
zuhause präsent,
allerdings nur im Erdgeschoß und etwa 6 Wochen an Krücken.
Reimt sich eh alles.
Träume sind Bäume. Die Bäumung der besetzten Häuser.
Wat gibtet ooch fürne geile Torte von Bildschirmschoner! (mit
Torte meine i c h eine bestimmte Sorte Taten) Wenn man im Herbst...
B r ü n s t i g ...
So, genug gefeiert und gelacht, ich versüß mich - Roland
Hallo Nathalie & Roland, leider bekomm ich es nicht auf die
"Reihe" und darum, wenn auch nur elektronisch, meine herzlichen Grüße
an EUCH UND ALLEN zum Treffen!!! Macht was Gutes d'raus - ich bin mit den
Gedanken dabei - Was mir nur ein schwacher Trost, da ein Wiedersehen mit
Euch wichtig war / wichtig ist - . (...Und paßt auf, daß die
Röstkartoffeln nicht ins Holzfeuer fallen ... und andere tanzende
Erinnerungen.) Panta rhei.
Aber irgendwann komme ich wieder mal vorbei, ich kann zur Zeit aber
nicht sagen wann.
Und hier noch ein Rätsel: von was spricht RAINER MARIA RILKE:
Wo sich langsam
aus dem Schon-Vergessen,
Einst Erfahrenes
sich uns entgegenhebt,
Rein gemeistert,
milde, unermessen
Und im Unantastbaren
erlebt:
Dort beginnt das
Wort, wie wir es meinen,
Seine Geltung übertrifft
uns still -
Denn der Geist,
der uns vereinsamt, will
Völlig sicher
sein, uns zu vereinen.
Alles Gute, Wolfgang
Lieber Wolfgang! Also einen frohen Tag Dir! Fingsten ist dieses
Jahr ausgefallen hier. Wir hatten 4 Wochen vorher allen Veranstaltern den
Ort hier dafür abgesagt. Und aufgeatmet. Meine Geschwister trafen
sich dann bei meinen Eltern, ich war nicht dort. Einen neuen LOver gab's
auch noch nicht, vielleicht stehe ich aber auch nicht mehr im Verteiler,
wer weiß. Ich weiß nur, daß von allen Lapsoten, denen
wir unsere Notbremsung mitteilten, niemand nachgefragt hat, warum eigentlich.
[...]
Das Wochenende vor Fingsten war 10-Jahre-Zarnekla-Treffen mit allen
Ex-KommunardInnen. Ich hatte auch dafür keine Hand frei und keine
Zeit übrig. Das ganze stattfand auf dem Nachbargrundstück, einige
Leute kamen zum Erzählen zu uns rüber. Insgesamt habe ich nur
positive Meinungen zu diesem Treffen gehört von den Teilnehmenden,
mit denen ich sprach. [...]
Wir haben noch bis Juli eine junge Frau bei uns, die eigentlich hier
entbinden wollte, nun ist das Söhnchen doch vorgestern in der Greifswalder
Klinik geboren, da wegen Fruchtblasen-Sprung und mangelnden Geburtsfortschritt
die Hebammen doch nach einigen Stunden auf Nummer Sicher gingen. Morgen
kommt Rachel mit ihrem Baby dann wieder zu uns. Nathalie war die Tage immer
bei ihr, ich hütete hier Kinder, Haus und Hof. Und nebenher will ich
eigentlich meinen Part am Jugendwochenende "Mein Freund, der Baum" aufm
Darß vorbereiten... Ich kann Dir sagen!
Ein Glück, daß es den Mond, den lauen Wind, die Nachtigallen,
die Frösche - wow! und meinen kleinen Sohn und meinen großen
Sohn und meine Liebe Nathalie gibt und Ton, Steine, Scherben.
Du bist immer willkommen! Lebendiges Leben und bunte Grüße!
Roland
Liebe Nathalie, lieber Roland, [...] Der "Lapsus Lover" ist wie immer hochinteressant. Besonders der Artikel "Schule - unbegrenzt Ferien" hat mich beeindruckt. ich hatte Christiane Ludwig-Wolf und Immanuel, einer ihrer Söhne, einmal bei einem Arche-Freundestreffen kennengelernt. Wäre das für euren Sohn auch eine Alternative? [...] Viele liebe Grüße Frieden
Joypost ist die Software-Loesung fuer Vernetzung und Aufbau von Gemeinschaften und Netzwerken jeder Art, wie z.B. Teams, Vereine, Arbeitskreise, Schulklassen, Aktionsgruppen, Forschungsgruppen, Initiativen, Freundeskreise, Tauschringe usw.
Sie vereinigt in sich die Vorteile von Mailing List, Forum, Anzeigenmarkt, Newsletter, Firmen- bzw.Vereinsmagazin, lokaler Datenbank, Tausch-Kontofuehrung, ohne deren Nachteile.
Joypost funktioniert offline und dezentral und ist unabhaengig von Servern,
Providern usw. Ein einfacher Email-Account genuegt.
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Moeglichkeiten und Anwendungen
Die Anwendungsmoeglichkeiten von Joypost lassen sich in drei Hauptgebiete untergliedern:
Gemeinschafts- und Netzwerkaufbau
Ob Forschungsteam, Schulklasse, Verein oder Tauschring... - es geht
immer um Menschen. Menschen haben ein natuerliches Kontakt-Beduerfnis,
sie wollen sich einander mitteilen und voneinander wissen.
Wirtschaftlicher Austausch mit Anzeigenmarkt und Spielgeld
Jeder Mensch hat eine Fuelle von Faehigkeiten und Angeboten und jeder
Mensch hat Wuensche und Beduerfnisse. Gerade in einer Zeit, wo das herkoemmliche
Geld knapp zu werden scheint, macht es immer mehr Sinn, Angebote und Wuensche
untereinander auszutauschen. Joypost bietet hierfuer einen Anzeigenmarkt
und für den Ausgleich eine Konto-Fuehrung nach dem Joytopia-Modell.
Das Joytopia-Modell ist unserem Wissen nach das einzige Wirtschaftsmodell,
das Freiwilliges Engagement, also gemeinschaftliche Leistungen honoriert,
ja sogar dadurch erst entstehen kann.
Freies Wissen, Freie Universitaet
Es gibt so viel Neues Wissen, das in kaum einer Zeitung steht. Obwohl
gerade dieses Wissen die Menschheit weiterbringt, wird es meist unterdrueckt.
Jeder traegt einen Teil dieses Wissens in sich. Mit Joypost werden wir
GEMEINSAM die Datenbank des Freien Wissens aufbauen, die jedem Menschen
zugaenglich ist. Die Freie Universitaet Joytopia, ein freies Forschung-
und Lehre Netzwerk wird entstehen.
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Gemeinsame Gestaltung einer neuen Welt
Mit Joypost haben wir Menschen ein Werkzeug in der Hand, das uns hilft
GEMEINSAM eine neue gerechtere, liebevollere Welt zu gestalten.
Die Datenbank beginnt sich zu fuellen.
Es liegt an jedem von uns, seinen Input hineinzugeben und damit seinen
persoenlichen Teil zum Schoepfungsprozess beizutragen.
Liebe Gruesse Bernd Hueckstaedt
P.S. Seit der ersten Aussendung unsere Newsletters wurde Joypost innerhalb weniger Tage ueber 80 mal runtergeladen und die ersten ca. 100 Beitraege sind schon da. Denkt beim Downloaden der Software daran, gleich das aktuelle Erste Datenpaket mit runterzuladen. So seid Ihr gleich auf dem neuesten Stand.
TOGETHER FOR FREEDOM!
GIVE PEACE A CHANCE!
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Bernd Hueckstaedt, Email: joytopia@ aol.com
Bei uns gibt's keine Maschinen - dafür aber tosendes Vogelgezwitscher (je nach Jahreszeit...). Das Baustellenradio ersetzen wir durch eigenen Gesang, das Mittags-Steak mit Pommes durch leckere vegane Biokost, den Kaffee ersetzen wir durch noch mehr Enthusiasmus, den Architekten durch (zugegeben bisweilen lange) Diskussionen zwischen uns drei BauherrInnen, die LKWs zum Baustoffetransport ersetzen wir durch unsere Arbeitspferde, Erfahrung (da wo sie uns fehlt) durch kreative Risikobereitschaft - und dabei haben wir eine Menge Spaß und immer ein paar Gäste, die auch noch mitmischen und mitbauen und die bei Interesse unseren Rhythmus teilen: vom (natürlich freiwilligen) Yoga morgens, über die Morgeneinstimmung, Teepausen, und diverse Abendveranstaltungen der Ökodorfgemeinschaft (wie z.B. Chor).
Die Abläufe der normalen Arbeitswoche zwischen April und September
sehen folgendermaßen aus (Mindestteilnahmedauer Sonntag bis Donnerstag):
Anreise Sonntag; Montagmorgen Einführung, anschließend Arbeiten
auf der Baustelle (Arbeitszeiten 9-12.30 Uhr und 14.30 bis 18.30 mit je
einer Teepause); Dienstag und Mittwoch und Freitag normales Arbeiten, am
Donnerstag hören wir bereits um 16 Uhr auf der Baustelle auf, um Zeit
für Feedback und ein Gespräch über die weiteren Inhalte
des Club99 zu haben. Abreise ist dann Samstag, es sein denn, Du bleibst
für die darauffolgende Woche.
Kleinere Veränderungen in den zeitlichen Abläufen sind möglich,
da wir uns immer auch an dem sich bewegenden Rhythmus der Ökodorfgemeinschaft
orientieren sowie Wetterverhältnisse etc. Du bist herzlich eingeladen,
zu verschiedenen Gelegenheiten am Gemeinschaftsleben des Ökodorfs
teilzunehmen als da sind Chor, Meditation, Yoga, Plenum, Feste, Tag der
Achtsamkeit etc.
Allgemeines:
Wir beginnen unsere gemeinsame Arbeit morgens mit einer kleinen Einstimmung
und haben bei den Tee- und Essenspausen auch mal Zeit für Fragen und
Gespräche. Wir essen z.T. in der vegetarisch/veganen Großküche
des Ökodorfes mit, z.T. aber auch bei uns auf dem Gelände (d.h.
vegane regionale Küche).
Unterbringung: Für uns ist es am einfachsten, wenn Du ein Zelt mitbringen kannst. Wenn das nicht geht, können wir ein paar wenige Schlafplätze in Zelten und Bauwägen zur Verfügung stellen, nach vorheriger Absprache wegen Belegung. Es ist darüber hinaus möglich, gegen einen Aufpreis von 5 bis 10 Euro pro Nacht in einem Mehrbett- oder Doppelzimmern im Ökodorf-Gästehaus unterzukommen, ebenfalls nur nach genauer Absprache oder mit Glück...
Mitbringen: Wetterfeste Arbeitskleidung inkl. Arbeitshandschuhe und - Schuhe, Taschenlampe, Schlafsack und je nach Art der Unterbringung Laken, Isomatte, Zelt.
Kosten: Wenn wir nichts anderes vereinbart haben, kostet dich ein Tag (d.h. eine Übernachtung) 8 Euro. Das sind die Ökodorfkosten für Essen und Nebenkosten. Bei Qualifikationen im Baubereich der bei uns benötigten Gewerke können wir evtl. andere Vereinbarungen treffen. Gleiches gilt bei längeren Aufenthalten nach der ersten Woche Mitarbeit.
Für das 5000 m2 große Gelände des Club99 und damit für die Baustelle, gelten ein paar weitere (nicht bauspezifische) Besonderheiten, bei denen es für uns wichtig ist, daß auch unsere Gäste diese Vereinbarungen kennen und akzeptieren: in Plastik verpackte Lebensmittel (z.B. Chips, Kekse), Zigaretten, Alkohol u.a. Drogen, ebenso Handys, Maschinen und nicht-vegane oder nicht-regionale Lebensmittel (z.B. Schokolade) passen nicht zum Leben im Club99 und können nur außerhalb konsumiert werden.
Übrigens: Wir suchen für die ganze Bausaison jemanden zum Kochen des Mittagessens im Club99 (gegen Kost und Logis) und wir haben neben den Arbeiten auf der Baustelle manchmal auch andere Dinge zu tun z.B. auf dem Gelände, im Wald, im Garten, bei den Pferden - falls Du neben dem Bauen mal eine Abwechslung suchst.
Wenn Du nun Lust hast, Dich für eine oder mehrere Wochen zu beteiligen,
dann ruf bitte an und sprich mit Silke über die genauen Termine und
Details.
Wir freuen uns darauf, Dich an unserem Lebens- und Bauexperiment teilhaben
zu lassen und Dich dabei kennenzulernen.
Club99
Ökodorf Sieben Linden
38486 Poppau
Tel & Fax: 039000-51233
club99@siebenlinden.de
Nachhaltige Entwicklung, wie sie z.B. im Brundtland-Bericht definiert
wird, will einerseits ökologische Probleme einer globalen Industrialisierung
eindämmen, andererseits soll an der Maxime eines weiteren weltweiten
Wirtschaftswachstums nicht gerüttelt werden. VerfechterInnen einer
so definierten nachhaltigen Entwicklung verschließen jedoch die Augen
vor einer wesentlichen und alten Erkenntnis: Die Erde ist und bleibt begrenzt.
Weder verstärktes Recycling noch technologischer Umweltschutz noch
eine zunehmende Nutzung von Sonnenenergie führen an dem Problem vorbei,
dass quantitatives Wirtschaftswachstum an stoffliche Grenzen stößt.
Selbst wenn die stofflichen Probleme gelöst werden könnten, bleiben
soziale und politische Probleme der weltweiten Marktwirtschaft ungelöst:
die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. Ein Ausweg aus dem Dilemma
könnte in der Schaffung einer nachhaltigen Gesellschaft bestehen,
die auf einer nicht-industriellen, stationären Ökonomie, auf
Herrschaftsfreiheit und gerechter Verteilung basiert.
Entwicklung war das Rezept gegen zwei alte Konflikte: den zwischen
Arm und Reich in jedem Land und den Nord-Süd-Konflikt. Als in den
achtziger Jahren der Konflikt zwischen Entwicklung und Ökologie manifest
wurde, erweiterte man das Rezept zur "nachhaltigen Entwicklung". Aber weder
das alte Rezept noch das neue funktioniert richtig. Das alte ist schon
ausführlich kritisiert worden. Ich prüfe hier hauptsächlich
das neue Element an dem neuen Rezept.
Hoffnung
TechnologieElse Lehmann! Schrubber-Else! Das Stöhnen eines weidwunden Rehs brach aus Frau Lehmanns Kehle. Das konnte und durfte einfach nicht wahr sein!
Das Dumme war nur, daß jetzt, wo der Damm der Verdrängung gebrochen war, immer neue Einzelheiten ihres früheren Lebens an die Oberfläche drängten. Eine düstere, freudlose Kindheit - der Vater ein wüster Schläger und Säufer, die Mutter unterwürfig und mit der Erziehung ihrer Kinder völlig überfordert, die vier älteren Brüder gemein, hinterhältig und gewaltbereit und die jüngere Schwester eine kleine miese Petze, die wegen jedem ausgeschlagenen Zahn Zeter und Mordio schrie - diese Zimperliese.
Den Abschluß der achten Klasse schaffte Else aufgrund der häuslichen Misere nur mit Ach und Krach. Und danach immer nur Putzen, Putzen, Putzen. Im zarten Alter von 19 Jahren heiratete sie dann, dumm und unerfahren wie sie war, Willi Lehmann, diesen Lustmolch und Suffkopp. Na, den war sie hoffentlich ein für allemal los. Der hatte es bestimmt nicht geschafft, sich aus diesem Blätterberg herauszuwühlen, stockbesoffen, wie der war.
Trotzdem - es war einfach furchtbar. Wie sollte sie mit dieser Vergangenheit weiterleben? War es da ein Wunder, daß sie sich damals auf die einmalige Chance gestürzt hatte, die sich ihr mit der ABM-Stelle "Frau Meyer" bot? (Welche Erniedrigungen und Demütigungen sie auf sich nehmen mußte, um an diesen Job zu kommen, daran dachte Frau Lehmann lieber nicht.) Und war es des weiteren verwunderlich, daß sie die Biographie der schon vor einiger Zeit dahingegangen ‚wirklichen' Frau Meyer bald nicht nur in- und auswendig kannte, sondern sich vollkommen damit identifizierte? Sie war bald so perfekt in ihrer Rolle, daß ihr der Job als Sekretärin, der nun mal zur ABM-Stelle "Frau Meyer" dazugehörte, so flott von der Hand ging, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Und selbst Horst beteuerte in den ersten Wochen immer wieder, daß sie genau so mit ihm herumtotterte, wie seine verblichene Ehegattin es immer getan hatte.
Warum nur hatte Horst sie nicht für immer behalten und sie statt dessen in ihre frühere, triste Existenz zurückgestoßen?! Nun gut, als Frau Meyer wäre sie im blühenden Alter von 56 Jahren durch einen Kunstfehler der Ärzte bei einer Blinddarm-OP gestorben. Aber sie wäre als eine ehrbare Frau in geordneten Verhältnissen von dieser Welt gegangen.
Ach, hätte sie doch nie diese Ultrahypnose über sich ergehen lassen! Dieser eiskalte Prof. Dr. Dr. Flach-Zange kannte einfach keine Gnade, wühlte im Dreck, bis er fündig wurde, zerrte die sogenannte ‚Wahrheit' erbarmungslos ans Licht. Was war das schon: Die ‚Wahrheit'?! Bei ihren glänzenden Anlagen, ihrem natürlichen Charme und ihrer überragenden Intelligenz hätte sie wahrlich eine bessere Biographie verdient! Ganz allein die leidigen äußeren Umstände waren Schuld an der popligen Existenz, in der sie auszuharren gezwungen war.
Hätte sie doch zugegeben, Inge Fies zu sein! Als sie diesen Sockenbügler Rötelmeyer so vor sich zittern sah, hatte sie einen Moment lang selbst daran geglaubt. Es hatte schon Situationen in ihrem Leben gegeben, in denen sie am liebsten alles in die Luft gesprengt hätte! Auch jetzt wäre ihr sehr danach zumute! Ja, gut, als überführte Terroristin hätte man sie für ein paar Jahre in den Knast gesteckt, aber mein Gott, nach den mageren wären dann die fetten Jahre gekommen: Interviews mit den großen renommierten Zeitschriften wie Super-Illu und Bunte, Talkshows im Fernsehen, Ferien in Ibizza!
Und dann hätte sie ihre Memoiren geschrieben, sie wußte auch schon einen Titel: "Ja ich bin Inge Fies!" Millionen hätte sie damit verdienen können. Und mit der RAF-Aktie hätte sie die Börse mal so richtig aufgemischt. Ha!
Warum nur hatte sie darauf bestehen müssen, eine anständige, unbescholtene Bürgerin zu sein, wo doch jedes Kind wußte, daß Anständigkeit und Unbescholtenheit die ersten Schritte in Richtung Mißerfolg und Versagen sind. Zu allem Unglück würde noch vor Weihnachten ihre Stelle in der ABM-Kolonne "Flottes Holzen und Harken" auslaufen, in die sie nur hineingerutscht war, weil ihre Vorgängerin eine feste Stelle in einer Schlächterei in Holland bekommen hatte. Warum lachte immer nur anderen das Glück?
Verzweifelt blätterte Frau Lehmann den Annoncenteil der gebührenfreien Zeitung durch, die jeden Mittwoch in ihrem verbeulten Briefkasten steckte. Die Anzeigen klangen nicht gerade ermutigend. "Mit Spaß und Erfolg von zu Hause arbeiten. Monatlich bis 2000,- DM möglich." Ha! Mit solch billigen Tricks brauchte man Frau Lehmann nicht zu kommen, sie wußte genau, wann man versuchte, sie über den Tisch zu ziehen. Und natürlich suchte man Putzkräfte, aber sollte sie ihre kostbaren Talente wieder jahre- und jahrzehntelang auf den Knien rutschend verplempern?! Wozu gab es so viele Ausländer in Deutschland?
"Live stöhnen" klang nicht schlecht. Aber wie kam man nur an so einen Job? Sie konnte ja schlecht im Arbeitsamt danach fragen. Und für Tabledance war sie wohl doch ein wenig zu alt. Dicke Tränen rollten über Frau Lehmanns ungeschminkte und vor Kummer und Aldi-Nahrung schon ganz ausgezehrte Wangen, als ihr Blick auf eine ganz kleine, unscheinbare Anzeige fiel, die ihr wie ein Licht in der Finsternis entgegenleuchtete: "Dau wat! Egal wat! Der Arbeitslosenverband e.V. lädt ein zum vorweihnachtlichen Basteln."
Das war es! Sie mußte etwas tun! Ganz egal was, nur tätig mußte sie werden, dann würde sich alles andere von selbst finden! Frau Lehmann spürte wie ihr Leben endlich wieder einen Sinn bekam. Zugegeben, sie hatte Basteln immer gehaßt, aber das war jetzt völlig belanglos: Sie würde etwas tun! Was sollte all das Jammern und Stöhnen! Es gab so viele Möglichkeiten: Marmelade kochen, Pullover stricken, Werbebroschüren verteilen, Geburtstagskarten - sei's drum - basteln! Hauptsache nicht putzen. Mit einem seligen Lächeln auf den Lippen schnitt Frau Lehmann die Annonce aus und heftete sie mit einer Reißzwecke an die Wand.
Endlich war es soweit. Es hatte Frau Lehmann schon einige Anstrengungen gekostet, sich für den Arbeitslosentreff einigermaßen herzurichten. Doch die Kleiderkammer des Sozialamtes gab eben nichts Besseres her, und Spucke war einfach kein vollwertiger Ersatz für Haarspray. Gott sei Dank fiel ihr rechtzeitig ein, daß die anderen Frauen, die sich beim Basteltreff einfinden würden, ja genauso arm dran waren wie sie. Und was zählten schon Äußerlichkeiten, wo sie doch das besaß, was eine Persönlichkeit wirklich auszeichnete: Ausstrahlung, Durchsetzungsvermögen und einen knackigen Hintern.
Dennoch war es Frau Lehmann etwas unangenehm, als sie den Raum des Arbeitslosenverbandes betrat und sie die Blicke aller Anwesenden auf sich gerichtet sah. Natürlich, damit hatte sie rechnen müssen: Hier waren nahezu ausschließlich Frauen versammelt. Die Männer hingen feige zu Hause rum und versoffen das letzte bißchen Stütze. Von wegen starkes Geschlecht! Weicheier, Warmduscher, Muttifrager...
Frau Lehmann war im Begriff, ob dieser Erkenntnis verächtlich die Lippen zu schürzen, als plötzlich ihr Herz für einen Augenblick stillstand, denn sie sah IHN: groß, schlank, breite Schultern, schmale Hüften, Augen so blau wie die Adria wie im Lied von Ivica Cervesi. Sie mußte sich am nächsten Stuhl festklammern, um nicht umzufallen, so zitterten ihr die Knie. Endlich hatte sie IHN gefunden, nach all den Jahren des vergeblichen Hoffens und Harrens! Wie viele Wege hatte sie gehen, wie viele Fußböden schrubben müssen, um IHM zu begegnen, ihrem Traummann.
Lächelnd trat er auf sie zu, und sagte zu ihr mit einer Stimme, die die erotische Ausstrahlung eines Reibeisens hatte: "Sie sind sicher neu hier, stimmt's? Keine Angst, die erste Aufgeregtheit legt sich ganz schnell. Mein Name ist Dietfried Schmidt, ich bin der Vorsitzende des Vereins." Während er sprach, hielt er ihre Hand fest in der seinen und schaute ihr tief in die Augen. Ach, sie hätte sich stundenlang in diesen Augen verlieren können!
Aber die anderen Frauen tuschelten schon neidisch miteinander. Also riß sich Frau Lehmann zusammen und stellte sich ihrerseits vor, verschwieg jedoch wohlweislich ihre bisherige Berufskarriere. Aufmunternd strahlte Dietfriedchen, wie sie ihn von nun an in ihrem Herzen nannte, sie an, wobei er seine Zähne entblößte. Fasziniert stellte Frau Lehmann fest, daß seine Kauwerkzeuge noch vollständig waren. Sicher achtete er auf seine Gesundheit. Darauf ließ auch sein muskulöser Körperbau schließen. Der kleine Bauchansatz fiel kaum auf. Daß das Toupet etwas verrutscht und seine Zähne nicht ganz weiß waren störte den Gesamteindruck nicht im mindesten und verlieh diesem Mann etwas Rührendes, Verletzliches.
Dietfried machte sie mit den Frauen und einem älteren Mann bekannt, der sich allerdings dauernd nervöse umblickte und alle fünf Minuten fragte: "Ja, ist das denn hier nicht der Lottoverein?!" - worauf jedoch niemand reagierte.
Frau Lehmann taxierte die weiblichen Vereinsmitglieder gründlich und sortierte die Ungefährlichen sofort aus: die Alten und Häßlichen. Davon gab es hier jede Menge. Als Konkurrentinnen kamen nur zwei Frauen in Frage: Eine junge vollbusige Blondine, die Dietfried ihrerseits nahezu mit den Augen verschlang sowie eine Rothaarige in Frau Lehmanns Alter, die hier anscheinend gleich nach Dietfried den Ton angab und Frau Lehmann mißtrauisch von oben bis unten musterte. Die Blonde hieß Moni und war offensichtlich genauso blöd, wie sie blond war. Sicher verfügte sie über einige weibliche Reize, aber sie war eindeutig unter Dietfrieds Niveau. Hoffte zumindest Frau Lehmann.
Die Rothaarige namens Isolde war von einem ganz anderen Kaliber: Hinterhältig, boshaft und mit allen Wassern gewaschen, dabei nach außen hin scheinheilig freundlich, was sie zu einer wirklichen Gefahr machte. Dazu trug diese Isolde Klamotten vom Feinsten, und die Haare waren selbstverständlich gefärbt. Es mußte also doch was dran sein an dem Gerücht, daß es auch Arbeitslose gab, denen es zu gut ging. Oder arbeitete die irgendwo schwarz? Frau Lehmann würde ein Auge drauf haben. Dieses Samtshirt mit dem tiefen Ausschnitt und den Glitzerpailletten gab's jedenfalls nicht bei Woolworth.
Ausgerechnet Isolde zeigte ihr nun, wie sie einen albernen Schneemann auf eine noch albernere Weihnachtskarte kleben sollte. Frau Lehmann haßte dieses Geschnipsel und Gefummel, bald rochen ihre Hände nicht mehr nach Florena-Creme (den Luxus wenigstens gönnte sie sich), sondern nach billigem Klebstoff - gräßlich. Und die blöden kleinen, fipsligen Schneemannaugen wollten einfach nicht an der richtigen Stelle haften bleiben. Das hatte die Rothaarige doch mit Absicht gemacht, andere durften immerhin dekorative Fensterbilder ausschneiden oder hübsche Topflappen häkeln.
Plötzlich stellte eine kräftige, wohlgeformte Männerhand eine Tasse Kaffee neben Frau Lehmanns Ellenbogen. Na ja, der Kaffee war dünn, aber die Geste zählte. "Nun, wie gefällt es Ihnen bei uns?" fragte Dietfried Frau Lehmann in ihren Nacken hinein, wobei Frau Lehmann ein warmer Lufthauch kitzelte, so daß ihr wohlige Schauer über den Rücken liefen. "Oh, ganz toll, wirklich, Herr Schmidt", versicherte Frau Lehmann überschwenglich. "Sie können mich ruhig Dietfried nennen", bot er Frau Lehmann an, die vor Glück am liebsten laut gejuchzt hätte. Dietfrieds Mund mußte ihrem Ohr jetzt ganz nahe sein, ein paar klitzekleine Spucketröpfchen landeten auf ihrem Ohrläppchen: "Und ihr Vorname, schöne Frau?" Frau Lehmann wurde es ganz heiß. "Else", hauchte sie kaum hörbar.
Doch dieses rothaarige Biest hatte es dennoch aufgeschnappt: "Ach, jetzt weiß ich; ich hab' schon die ganze Zeit darüber nachgegrübelt, woher ich dieses Gesicht kenne. ‚Dieses Gesicht kennst du doch', hab ich mir gesagt. Du bist doch die Schrubber-Else, na klar. Dich hat man ja lange nicht gesehen. Na, verbessert haste dir ja nicht gerade. Was macht eigentlich dein Willi, dieser Suffkopp?!"
Jetzt erkannte auch Frau Lehmann dieses rothaarige Luder: Das war doch Isolde Pröhl, die im gleichen Viertel wie Frau Lehmann aufgewachsen war und schon als ganz junges Ding allen Männern den Kopf verdreht hatte. Und auf Willi war die doch damals selbst ganz scharf, aber gegen sie, die fesche Else, hatte sie keine Chance gehabt. Frau Lehmann zeigte Isolde sofort, wo es langging: "Ich habe mich von diesem Widerling und Lustmolch getrennt. Du kannst ihn jetzt gerne haben! Er entspricht doch besser deinem Niveau." "Na warte!" kreischte Isolde und wollte Frau Lehmann mit ihren spitzen, rotlackierten Fingernägeln ins Gesicht fahren. Geistesgegenwärtig griff diese nach der noch heißen Tasse Kaffee und schüttete ihn Isolde in den teuren Ausschnitt. Dieses geschmacklose Angebershirt war jetzt jedenfalls hin. Isolde schrie wie am Spieß, auch die anderen Vereinsmitgliederinnen gerieten jetzt aus dem Häuschen, einige feuerten Isolde an, andere standen auf Frau Lehmanns Seite. Nur der ältere Herr schlich sich mit eingezogenem Kopf davon.
Schon wollten die ersten Frauen bewaffnet mit Scheren und Häkelnadeln übereinander herfallen, als es plötzlich mucksmäuschenstill wurde: Dietfried hatte die Hand gehoben, und ein Dutzend weiblicher Augenpaare schaute erwartungsvoll zu ihm auf. "Aber, aber, meine Damen", hub Dietfried zu sprechen an und klang genauso salbungsvoll wie Pfarrer Schmeiß-Fliege im Fernsehen. "Wir wollen uns doch hier nicht streiten. Wir alle haben doch unsere kleinen Fehler und Schwächen, auf die wir uns nicht auch noch hinweisen sollten. Wen geht es denn etwas an, daß Frau Wittig unter Inkontinenz leidet und Frau Prudlo im Aldi beim Klauen erwischt wurde? Na also. Und ich möchte Sie wie immer auch an unser Motto erinnern, das da lautet: Dau wat! -" Alle Frauen fielen augenblicklich versöhnend und begeistert im Chor ein: "Egal wat!"
Gott, wie dieser Mann alles im Griff hatte! Es folgte ein allgemeines Händeschütteln und Umarmen, das allerdings zwischen Isolde und Frau Lehmann etwas kühl und distanziert ausfiel. Als Letzte reichte das blonde Dummchen Moni Frau Lehmann die Hand und lispelte: "Gott, bin ich froh, daß du die Schrubber-Else bist!" "Wieso?" fragte Frau Lehmann leicht gereizt. Der würde sie es auch noch austreiben, sie so zu nennen. "Na ja, ich hatte doch solche Angst, ich meine, oh mein Gott, ich dachte, du wärst Inge Fies!"
Fortsetzung folgt
Regina
Frühlingsgefühle
zwischen Gift und Gülle
Pollenallergie mit Rinderwahn
Hormongedopte Fleischtransporter
um acht uhr abends fährt die letzte Bahn
Wer hier noch bleibt
der ist zrückgeblieben
Kein Schwein fühlt sich hier wohl
Die ärmste Sau im Dorf hat jetzt
im Schlachthof
um Asyl gebeten
Anfang Juli 2002
Wer mehr lesen will, kann mich ja besuchen: www.barth-engelbart.de.vu
Hartmut
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