OVER
Nr. 34
Wenn das Herz schon nicht fliegen darf,
sollen wenigstens die Trommelfelle flattern.
Roland
Das Schiff ist schon ein Mordsinstrument und diese Welt der Mechanik-Maschine
schiebt sich durch die viel größere der Wasserwüste. Nur
das Mondlicht sorgt dafür, daß man Himmel und Meer unterscheiden
kann, denn in der Nacht löst sich die Linie des Horizontes auf, wahrscheinlich
springt sie vertikal durch die Gegend solange wir von nichts ahnen. Und
so gleiten wir durch den schwarzen Raum - was ist fest und was ist flüssig
- und verteilen großzügig Wellen, die unermüdlich weiße
Breschen in das grünblaue Wassergeflecht schlagen.
Blau und rund sieht die Welt nicht nur aus dem Weltall, sondern auch
durch das Bullauge betrachtet aus.
21.07. Fähre "Swaraj Dweep"
Ich sitze draußen auf dem Deck, schaue auf die Wasseroberfläche,
die wie ein Bildschirm unaufhörlich neue Formationen zeigt, immer
ist sie in Bewegung, mit Licht und Schatten darauf, je nach Sonneneinfall
ändert sich die Farbe. Von schmutzig-grau, tintig, über dunkelblau,
marineblau, hellblau zu türkis und lagunengrün; die weißen
Schaumkronen leuchten weit und rollen kreuz und quer soweit das Auge reicht.
Ich gehe vor zum Bug, unter mir spritzen mit gewaltigem Klatschen die
Brecher hoch, wenn die Welle gut kommt schaffen sie es bis zu fünf
Meter hoch und dann bläst mir der Wind salzige Tropfen ins Gesicht
und in dem davoneilenden Nebelwirbeln bildet sich für Sekunden ein
Regenbogen. Dann geht die Sonne unter und die Hypnosekreisel verwandeln
sich in undifferenzierbare Brühe im Mix mit der Nacht, in die heute
kein Mond glitzernde Reflexionen setzt.
23.07. Madras
Madras, oder Chennai wie es neuerdings heißt, ist eine dreckige
und arme Stadt. Überall wo Platz ist, drängen sich armselige
behelfsmäßige Hütten an den Straßenrand, in Gassen,
an Kloaken, am Strand. Aber alles ist überaus farbenfroh. Selbst verhutzelte
Omis, zahnlos und mit dicken Hornbrillen, mit dunkelbrauner faltiger Haut
und grauem Haar wackeln in quietschbunten Saris und Blusen durch die Gegend,
Ohr- und Nasenringe blitzen aus ihren Gesichtern. Vor so gut wie jedem
Haus findet man mit Kreidepulver gezogene mandala-ähnliche Glückssymbole,
von denen keines dem anderen gleicht, wie bei Schneeflocken.
Augenscheinlich leidet die Stadtwüste an Wassermangel: In einer
Straße steht ein Tanklaster um den sich Menschentrauben mit großen
bunten Plastikeimern und -kanistern drängen.
Wir finden die St.Thomas-Kathedrale, wo sich angeblich die Gebeine
des Christusapostel befinden. Ihn, den Urvater aller christlichen Missionare,
soll es um das Jahr 50 in diese Gegend verschlagen haben. Irgendwie gefallen
mir die indischen Kirchen, deren Heiligenfiguren alle einen indischen,
bunten und belebten Einschlag haben; auch die Menschen scheinen lebendiger
in ihrem Glauben, unschuldiger irgendwie, nicht so durchsetzt vom scheinheiligen
Sonntagschristentum des Westens. Gleich hinter der äußerlich
schmucklos und renoviert aussehenden Kirche beginnt der breite Strand,
Marina Beach, angeblich der zweitlängste der Welt nach Miami Beach.
Er ist sagenhaft schmutzig, stinkend und heiß. Überall stehen
Slumhütten vor denen Frauen Wäsche waschen und Heerscharen von
Kindern springen rum, spielen Cricket oder fahren auch mal akrobatisch
zu viert auf einem Fahrrad, betteln oder wollen für ein Foto posieren.
Ein Mangel an Fotomodellen herrscht garantiert nicht, die Kids sind wild
aufs Knipsen.
Indien ist eine Freakshow, ein Panoptikum, ein Zirkus, in dem die traurigen
Clowns echt sind und die einarmigen Banditen lebendig, während die
schönen Tänzerinnen auf bunt behängten Elefanten vorüberfliegen.
Wir lachen den Artisten und Exzentrikern zu und applaudieren begeistert;
für die Trolle und Zwerge haben wir noch etwas Mitleid und höchstens
ein paar Münzen übrig. Uns hat man als Besucher dressiert und
es wird erwartet, daß wir uns dementsprechend aufführen.
Also Vorhang auf für immer noch eine Show.
(Wie Würmer liegen wir in den Eingeweiden des Zuges, der sich
mit blinden Augen durch die Landschaft frißt, immer dem Geruch des
Metalles folgend - kalter Stahl macht ihn rasend, Finsternis im Tank.)
Besuch in einem durchschnittlichen indischen Lokal:
1. Der Gast betritt das Lokal, von zehn anwesenden Kellnern scheinen sich höchstens zwei zu bewegen, der Rest steht wie Statisten ohne Rolle in der Gegend rum und glotzt.
2. Man setzt sich. Ein Stromausfall würde erklären,
warum der Ventilator nicht funktioniert. Gut würde sich auch Hindi-Musik
oder ein laufender Fernseher machen. Der Blick wandert über die betelnußsaftgesprenkelten
Wände, kurz wird die sich munter tummelnde Insektenpopulation taxiert.
In der Ecke steht ein fetter schnauzbärtiger Koch in einem schmierigen
hochgezogenen Unterhemd und lungi und krault sich die Wampe und/oder den
Sack.
3. Gut, Menükarten sind vorhanden, teilweise sogar ins Englische
übersetzt. Der Kellner steht seit fünf Minuten am Tisch und erwartet
ungeduldig die Bestellung. Das Gewünschte gibt es natürlich nicht,
der Kellner versteht leider kein Wort Englisch und stammelt nur "Dosa"
und "Idli". Man entscheidet sich notgedrungen für eins der beiden
Gerichte. Statt dem bestellten Tee kommt Kaffee.
Oder man verlangt zum Beispiel "Tomato Uttapam" (eine Art herzhafter
Eierkuchen); doch der Kellner bedauert: den gibt es erst zum Abendmenü,
nicht aber nachmittags, freundlicherweise weist er darauf hin, daß
"Uttapam", also das gleiche Gericht bloß ohne Tomaten, ohne Weiteres
verfügbar ist.
4. Es wird serviert. Ein Teil der Bestellung wird vergessen, man hilft dem Gedächtnis des Kellners auf die Sprünge. Es ist nicht einfach, Besteck zu ergattern. Während des Essens starren einem die herumstehenden Kellner auf den Teller und rotzen dabei penetrant und geräuschvoll in die Ecke. Die obligatorische Wasserkanne wird gebracht, doch schwimmt leider der halbe Tisch davon, da solche Kannen beim schwungvollen Aufstellen immer überschwappen. Ein Junge fängt an, dem Gast mit einem Besen um die Beine herumzufuchteln, er könnte auch ein aggressives Putzmittel auf dem Boden rund um den Tisch verschmieren.
5. Man ist noch nicht fertig, da wird einem der Teller unter
der Gabel weggezogen, die halbleeren Getränke abgeräumt, die
Rechnung hingeknallt und der Tisch abgewischt, das heißt, es wird
mit einem schmierigen Putzlappen ein paar Mal lustlos darüber gefahren,
wobei man seine eventuell auf dem Tisch befindlichen Sachen schnellstens
in Sicherheit bringen sollte.
Sollte man es wagen, noch ein Buch oder eine Zeitung hervorzuziehen,
wird man darauf hingewiesen, daß das nicht erwünscht sei.
6. Zeit zu gehen. Natürlich nachdem man sich noch wegen offensichtlicher Unstimmigkeiten in der Rechnung mit den Kellnern herumgestritten hat; die Inder neigen bei Addition leicht zur Übertreibung.
24.07. Bangalore
Wir verbringen den ganzen Tag an der MG Road, der pulsierenden Shopping-Meile
Bangalores. Hier gibt es jede Menge Bars, Einkaufszentren und Supermärkte,
Computerspielhallen und Fast-Food-Läden, jeden westlichen Schnickschnack,
"Markenwaren" und dergleichen. Die Inder tragen dynamisch-sportlichen Dress,
Inderinnen tragen Hosen und Blusen, Handy und Sonnenbrille sind Pflicht.
Die westliche Konsummaschinerie hat in Bangalore eine Festung gefunden,
einen Vorposten im "rückständigen abergläubischen Hinterland"
Asiens, es wird produziert, konsumiert und programmiert, längst sind
alle von der seligmachenden Doktrin der Moderne erfaßt. Es geht internetmäßig
ab. Zu viele Inder übernehmen die Patentlösungen des Westens,
ohne die Konsequenzen zu bedenken, treten blind in die gleichen alten Fußstapfen,
Fettnäpfchen und Fallen.
Die Konsumtempel und Shoppingmalls, nach amerikanischem Vorbild errichtet,
sind für mich ein vertrauter und befremdender Anblick zugleich. Vertraut
für Europa/Amerika, befremdend für Indien, gerade wenn man andere
indische Städte oder gar Dörfer gesehen hat oder eben von der
"anderen Welt" der Andamanen kommt. Selbst das Klima ist in Bangalore westlich,
das heißt gemäßigt. Die Straßen sind breit und sauber,
die Bettler (jedenfalls im Zentrum) weniger.....
26.07. Hampi
Die Zugfahrt war ziemlich unruhig und vor allem kalt, denn die Ventilatoren
liefen stur volle Pulle und schufen mit den gemäßigteren Temperaturen
des Dekkan-Hochlandes ein eher kühles Klima, was mir einen Zug im
Zug einbringt, nun rotze ich wie ein undichtes Ventil.
Aber Hampi macht den allerbesten Eindruck auf mich. Erstmal wäre
da die Landschaft: Die Gegend ist ziemlich flach, nur von ein paar Hügeln
gewellt, die allesamt mit riesigen ockerbraunen Felsbrocken bestreuselt
sind, so etwa wie gigantische steinerne Kaninchenkacke oder Sandkörner
aus Amöbenperspektive; dazwischen wuchern Büschel von Grün,
ein paar Sträucher, Palmenhaine, Bananenplantagen. In diese Felsbrockenlandschaft
eingebettet liegen verstreut hunderte von Tempeln bzw. deren Ruinen, Paläste,
Ställe, Brücken usw., alles Überbleibsel jener glorreichen
Zeit als Hampi einmal Hauptstadt eines großen südindischen Reiches
war, welches später von den muslimischen Mogul-Kaisern aus dem Norden
überrannt wurde. Daher also die Ruinen.
Heutzutage ist Hampi ein kleiner Furz in der Landschaft, ein Dorf,
das man nach einer Stunde Fahrt über Holperstrecken vom nächstgrößeren
Städtchen an der Bahnlinie her erreicht. Das Gebiet ist eher ländlich,
das heißt es gibt wenige schmale Straßen, in Hampi-City selbst
fahren keine Autos, was sich wiederrum positiv auf den Lärmpegel auswirkt.
Vogelgezwitscher, Hundegebell und Kindergeschrei sowie gelegentliche Muh-Laute
rangieren weit vor Mopedgeknatter. Überragt wird das Örtchen
von einem großen kuhgehörnten Shiva-Tempel, der auf ockergelber
Erde thront.

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27.07. Hampi
Zur Dämmerung sind wir ein Stück die alte Prozessionsstraße
runtergelatscht, mit dem großen Shiva-Tempel im Rücken. Die
Ruinen sehen wirklich pittoresk aus, die untergehende Sonne wirft ein lila
Licht auf die Szene und gestaltet sie noch unwirklicher, macht einen in
der Ahnung noch ungewisser: Ist es Griechenland oder Ägypten oder
die Sächsische Schweiz ? Derlei Assoziationen befallen uns jedenfalls
beim Anblick der großartigen friedlichen Landschaft voller Säulentempel,
Steinbrocken und Palmen ....
Man bekommt jede Menge Steine und Tempelruinen zu Gesicht und manchmal
läßt sich das auch schwer auseinanderhalten. Die Sonne sirrt,
Affen springen herum und Hunde knurren. Der Ort macht schon einen grandiosen
Eindruck. Palmen rascheln, mir läuft der Rotz und jeder zweite möchte
von mir fotografiert werden. Es sind meist die Kiddies oder "normale" Inder,
die überall freudig posieren und ganz enttäuscht sind, wenn man
mal ablehnt; aber schließlich will ich nicht unbedingt eine Volksstudie
durchführen.
2.08. Panaji/Goa
Nun sind wir in Goa angekommen, Land der schlaflosen Nächte, der katholischen Kirchen, des Alkohols und der Parties. Die Altstadt von Goa-City (von den Portugiesen um 1510 gegründet) ist voller kleiner portugiesisch anmutender Häuschen im mediterranen Stil. Goa ist nicht typisch indisch, eher ein Mix aus Mittelmeer-Flair und tropischem Indien, der durch den "wahren Glauben" verbunden ist. Alles scheint erzkatholisch: Überall Kreuze, Kapellen und Plastikjesusanhänger. Überall Bars und Alk-Shops (in Indien sonst eigentlich ein recht seltener Anblick). Davon hatten die gierigen weißen Männer aus dem Westen genügend zu verteilen: Rechter Glaube und Alkohol.
4.08. Colva/Goa
Goa scheint gänzlich aus Palmen, Meer, Fisch, Reis, Kirchen und
Kreuzen zu bestehen. Die Frauen sehen mit ihren Röcken und blumenbedruckten
Blusen irgendwie katholisch aus. Einige Szenen könnten sich durchaus
genauso in Lateinamerika abspielen. Aber nein, es ist Goa, Indien, und
wir fahren an den Strand. Colva wirkt wie ein verschlafenes Fischerdorf,
das vom Tourismus unsanft geweckt wurde. Am Strand und in den Seitenstraßen
sieht es tropisch-gemütlich, sprich: nach Siesta aus. Palmen und Sand,
blauer Himmel, das Meer voller Wellen; es riecht nach Fisch, was kein Wunder
ist, da er überall auf Planen zum Trocknen ausliegt. Gierige kläffende
Köter streichen herum, alle möglichen Promenadenmischungen, mehr
oder weniger verlaust. Sobald wir durch die Straßen kommen erwachen
sie vom Dösen im Schatten, rollen sich auf die Beine und bellen wie
blöde. Fängt einer an, stimmen binnen kürzester Zeit alle
Köter der Nachbarschaft mit ein, man geht durch ein Spalier von nervigen
Krachquellen; die Sonne platzt unerbittlich und die Viecher knurren.
Jedenfalls sehen wir auf unserem Erkundungsgang die verdorbene Seite
Colvas. Die breite Hauptstraße führt bis runter zum Strand,
gesäumt von Ständen und Läden für Touristenhorden aller
Mannschaftsstärken; davor lauern Händler auf helle Haut oder
reiche Inder um allen möglichen Kram zu verhökern. Betonhotelzentren
und "Beach-Ressorts" gibt es in großer Auswahl, ebenso Restaurants
und Kneipen, in denen westliche Chartsmusik läuft. Es kommt mir so
vor, als ob sie überall in Indien dieselbe Hitparaden-Dancefloor-Kassette
abspielen. Einige Inder scheinen tatsächlich zu denken, sie würden
uns damit einen Gefallen tun und uns anlocken... Ein Hauch von Mallorca-Kultur.
Die Inder haben einen unverwechselbaren Hang zum Kitsch, der sich natürlich
besonders in der Religion niederschlägt. Das Christentum der Goaner
ist durchsetzt von bunten Plastikheiligen, Maria-Bildnissen und Amulett-Kreuzen
in Frontscheiben aller Vehikel, Jesussen auf T-Shirts und Wänden,
Kruzifix-Anhängern in allen Farben. Manche Kapellen, die mit langen
blinkenden Lichterketten blau, rot und grün geschmückt sind,
sehen wie zur Grillparty hergerichtet aus. Und sonntags dringen fromme
Choräle aus den kühl-muffigen Kirchenhallen in die stille Hitze
unter den Palmen.
5.08. Colva/Goa
Auf dem Rückweg vom windzerzausten, breitgeleckten Strand von Palolem
(er ist wie eine kleine Wüste, dort könnte man einen halluzinierenden
Morrison treffen) schüsseln wir durch zartgrüne Reisfelder und
endlose Reihen von Palmenhainen. Wenn man mit der Enfield unterwegs ist,
spürt man die Strecke viel direkter als mit Bus oder Bahn, die Fahrt
wird intensiver und man bekommt gleichzeitig einen komprimierten Eindruck
von der Gegend.
Seltsame Gestalten wandern am Straßenrand entlang, zwei Typen
tragen auf ihren Köpfen Körbe mit grellen Plastikblumen, ein
weiterer eine mordsmäßige Garbe Heu, so daß er aussieht
wie eine winzige Ameise unter einem Blatt. Eine füllige Dame im rosa
Sari schleift ein Bündel Palmenblätter hinter sich her, das sie
sich locker unter den Arm geklemmt hat, während sie in der freien
Hand eine Kokosnuß an einem Strick trägt. Ein Trupp Straßenarbeiter
hat Feierabend: Ausgezehrte Gestalten traben hintereinander mit ihren Schaufeln
über der Schulter wie eine Prozession verschworener Totengräber.
Im nächsten Dorf steht ein hackevoller Kerl auf der Straße und
stiert mit glasigem Blick irgendwohin in die zunehmende Dunkelheit, wirre
Worte an fiktive Gesprächspartner oder Gott persönlich murmelnd.
Der Himmel orgelt jetzt ein komplettes Feuerwerk herunter, ein tief rotes
Glühen wütet über den Palmen, auf der einen Seite geht es
über einem Hügel in Bengal-Grün, auf der anderen in ein
kräftiges Blau über. Der Himmel plantscht in der Farbpalette
wie ein besoffener Kitschpostkartenmaler. Wir knattern und wummern weiter.
Doch die Dämmerung legt fast augenblicklich einen Minengürtel
aus Insekten aus, die Käfer und Motten hageln auf uns ein wie Hartgummigeschosse,
sie ziehen leuchtende Kometenspuren im Scheinwerferlicht bevor sie einschlagen.
Eine Orientierungsfahrt durch die anonyme Nacht führt uns kreuz und
quer durch Margao, eine portugiesische Kolonialperle. Überirdisch
erstrahlt die große Fassade der alten Kirche, Kreuze aus Glühlampen
verkünden die frohe Botschaft, preisen den Erlöser und die Mutter
Gottes. Wer behauptet, die katholische Kirche sei am Ende? In den Goanern
hat sie jedenfalls begeisterte Verteidiger des wahren Glaubens gefunden
und nicht zuletzt ist es diese Kirchenpräsenz, zusammen mit Fetzen
von Portugiesisch in den Straßennamen und den in Rock und Kleidern
bzw. Bügelfaltenhose gekleideten braungebrannten Menschen, die mich
stark an Kuba erinnert, zumindest stelle ich es mir dort so vor. Die Finsternis
bleibt undurchdringlich, wir fahren noch ein paar mal im Kreis, passieren
einen Typ der in dicke Schichten zerfranster Plastikplanen eingepackt ist
und wie ein bizarres Flattergespenst aussieht (keine Ahnung was für
eine tragische Geschichte er symbolisiert); wir erschrecken einen Hund
(rein exemplarisch, aber Rache ist süß) und überlegen (durch
zu viele Kruzifixe angestachelt), ob wir einen bunt leuchtenden Hindu-Tempel
in einem Kamikaze-Akt rammen (gebt den Heiden Saures!), entscheiden uns
dann aber doch anders und fahren was essen.
19.08. Bombay (Mumbai)
Mond über Collaba
Leg dich ruhig auf die Straße wo die Katze thront wie die Sphinx, die ihre Frage im Rinnstein verloren hat, dafür frißt sie jetzt Rupees aus der Hand, schmackhafte kleine Brocken, jeder tut halt was er kann, wer sorgt sich schon um den Nährwert von Plastiktüten, solange sie nicht unter die Räder kommen, nein nicht unter die Räder! Da klebt nämlich Scheiße darunter, frische Spuren immer neuer Opfer, das Maul bleibt offen und die Schienen führen direkt hinein, da gibt es nicht mehr viel zu zermalmen, die Freiwilligen-Armee wird eher größer als kleiner und ohnmächtiger als stärker, es existiert natürlich durchaus die Möglichkeit, abzuspringen und sich dem Hofe zuzuwenden, dem Hof der blechernen Paläste, klimper klimper, da wird`s eng, aber bestimmt niemand alt, wenigstens diese Neotenie scheint halbwegs gesund, wie erbärmlich und angeschlagen sie auch ist, ihr müßt ja nur mal das Prinzip erkennen! schreien die Herrschaften von den Terrassen mit den buntbedruckten Sonnenschirmen - Deodorant-Duft unter den frischgeduschten Achseln, noch einen von diesen prickelnden Exotic-Drinks für meine reizende Begleitung - das erleichtert die Wahl der Gestalt und der Termine, einfacher ist das vielleicht auch nicht als Brot zu finden, es sind nur verschiedene Arten, den Menschen zu definieren, in deren Schatten physisches und psychisches Leid miteinander um Aufmerksamkeit und Anerkennung kämpfen, doch was soll das Leid und jede Anerkennung, du wirst schon verstehen dich zu amüsieren (du mußt doch ....), ein paar Schritte weiter auf der regennassen Straße, solche Güsse kommen vor um diese Jahreszeit, kommen vor und vergehen, nur die Luft bleibt noch etwas schwül, doch das hindert niemanden wirklich am Schlaf oder am Vergnügen, weder die Versorger noch die Konsumenten, die alle alles hoffnungslos verbrauchen - Energie Kraft Nahrung Aufmerksamkeit Zeit Leben Atem - und die Stimme wird rauh vom Krächzen nach dem Liebsten, nach Geld oder Brot oder Blicken oder Ruhe, und entweder man bietet es an oder man verbraucht es: Die Körperlichkeit, Begehrlichkeit, das Lachen, man sieht dieses Außen und wendet alle Mühe auf, um ins Innere zu gelangen, man möchte hineinkriechen und dann von innen glücklich herausschauen mit dem vielstimmigen Lachen der anderen, oh ferne Illusion, was sind wir nicht alle für wunderbare Aushängeschilder auf dem Flohmarkt der Eitelkeiten, der chaotischen Emotionen, der Eruptionen ohne Richtung (mit einem Impuls zu Vernunft und Ordnung auf unserem Bewußtseinschip), denn die Hauptsache ist: Weit und hoch und vor allem: daß, immer mit der Angst und der Hoffnung, daß nicht.
Was "wirklich" passiert:
Im Zug von Pune nach Bombay tastet sich ein blinder Mann lauthals singend
und eine Büchse schwenkend durch die Waggons. Ein Mädchen fegt
mit einem selbst gebastelten Besen unter den Sitzen und bettelt um Kleingeld.
Sie beide rufen nicht viele Reaktionen hervor. Wir fahren eine Viertelstunde
durch eine Stadt aus Wellblech und Plastikplanen, sozusagen die Fundamente
Bombays. Wir schlafen, die Geschäfte indes nie. (Als Europäer
kann man sich schwer verstecken).
20.08. Bombay
Meer und Strand sind modrig, keimig und vermüllt. Die Neubauten
absolut trist und runtergekommen. Ich sehe eine Familie die in einem verrosteten
Metallcontainer wohnt....
Ja ja Mumbai. Sehr groß, sehr modern, sehr arm, ein Mix aus Kalkutta
und Bangalore. Kolonialbauten, viel Neo-Gothik. Cricketspieler. "Schnabel"-Frauen
(schwarz verhüllte Musliminnen mit einer Art Schnabel-Maske vor dem
Gesicht), Kaftankugeln (ihre vollschlanken Gatten). Im Tourie-Viertel Collaba,
das sich rund um das Wahrzeichen Bombays, das Gateway of India, erstreckt,
und welches wir zu unserm Stützpunkt erwählt haben, gibt es eine
ausgeprägte Moslemkultur. Iranische Restaurants, arabische Schrift
an den Geschäften, Gestalten in Kaftanen mit Fezen und Kappen, Schleier,
Tücher, grüne Fahnen.
Das Taj-Hotel, das sich der höchsten Übernachtungspreise
in ganz Indien rühmt, zählt zu unserer Nachbarschaft, wobei wir
bei den Preisen in Mumbai, den ziemlich hohen Preisen, wieder mit einem
muffigen Loch von einem Zimmer vorlieb nehmen müssen. Der Raum besitzt
eine schon faszinierende Ausstrahlung von Trostlosigkeit. Kein Fenster,
fleckige Wände, betelnußgesprenkelte Ecken, der Spiegel hängt
schief und in der luxuriösen Dusche liegt ein gebrauchter Gummi. Ein
Kommentar auf der Wand spricht für sich:
"Ihr Inder mit eurem nervenden Verkaufsgelalle - Ihr Fotzen ihr könnt
uns alle!"
Da hat wohl jemand empfindlich auf die Konfrontation mit der indischen
Verkaufsmentalität reagiert. Das sollte nicht verwundern, denn Mumbai
ist die "Stadt der Freunde". Ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht
so viele Freunde gehabt wie in Indien. "My friend, look here! T-Shirt for
you my friend! ...."
22./23.08. Ellora
Mit einer sehr informativen Stadtrundfahrt durch Bombay - look right,
look left, 20 Minuten Stop, Weiterfahrt - bekommen wir die Zeit bis zum
Abend herum, dann setzen wir uns in den Nachtzug Richtung Aurangabad. Der
Zug rollt durch das nächtliche triste Bombay, das mit einem eigenartigen
rostigen Schimmer überzogen ist. Eine schwüle Regendämmerung
liegt auf der Stadt, schäbig und melancholisch ...
Schnitt. – Eben sind wir von unserem Ausflug zu den Höhlen von
Ellora zurückgekommen ....Die Höhlen von Ellora sind allesamt
(es sind circa 35) aus einer Basaltfelswand herausgeschlagen worden, eine
denkbar mühselige und langwierige Arbeit, die ja auch mehrere Jahrhunderte
in Anspruch genommen hat. Die ersten Höhlen in dieser Gegend wurden
im 5.Jahrhundert von Buddhisten geschaffen, die in den so entstandenen
Felsenklöstern Zuflucht fanden vor Regen, Hitze und Menschen. Statuen,
Säulen, Reliefs mit Szenen aus dem Leben und der Lehre Buddhas - alles
ist in einem Stück aus dem Stein getrieben worden, von den großen
Räumen ganz zu schweigen. Später gesellten sich die Hindus zu
der beschaulichen Stätte dazu (da waren die Buddhisten schon längst
wieder über alle Berge); ihre Felsentempel bestechen vor allem durch
eine Fülle von Figuren und Reliefs aus dem reichhaltigen Pantheon
des Hinduismus. Tänzerinnen, Dämonen, Götterpaare und zahlreiche
Inkarnationen bevölkern prunkvoll die Wände.
Das herausragendste Werk der gesamten Stätte ist der Kailash-Tempel,
eine Abbildung eben jenes Berges im Himalaya auf dem angeblich Lord Shiva
himself residiert - und darüber hinaus ist es eine wahre Wucht von
einem Bauwerk: Er ist nämlich in einem Stück von oben nach unten
komplett aus dem Fels gehauen worden, 60 Meter tief, unvorstellbar. Man
denke nur an die Planung und die Härte des Gesteins!
Es ist ein großes Shiva-Heiligtum mit zwei Vorhallen, zwei Prunkpfeilern
und drei kleineren Tempeltürmen, die das eigentliche, mehrteilige
Monument umgeben. Außerdem befinden sich in der Felswand noch mehrere
separate Nebentempelchen. An allen Wänden herrscht ein Reichtum an
filigranen Verzierungen, üppigen Figuren und Geschichten erzählenden
Reliefs; eine ganze Herde steinerner Elefanten zieht sich wie ein Gürtel
um das Hauptbauwerk. Früher soll das Prachtstück auch noch mit
Gips (Sinnbild des ewigen Schnees auf dem Berg Kailash) ausgekleidet und
bunt bemalt gewesen sein, Reste davon schimmern noch im Regendunst. Überhaupt
läßt die regnerische Atmosphäre mit ihrem unbestimmten
Licht, den Tropfen, Pfützen und Reflexionen viel Raum für die
Fantasie und den Tempel wie aus einer uralten längst vergessenen Welt
erscheinen. Diese imposante Manifestation der göttlichen Inspiration
aus massivem Fels nimmt und derart in Anspruch, daß wir auf die restlichen
zwanzig Höhlen pfeifen und lieber noch etwas eine wild umherspringende
Horde langschwänziger Affen begaffen, die sich necken, jagen und gegenseitig
die Früchte klauen. Dabei gilt die Regel: Je kleiner der Affe, desto
forscher sein Verhalten. Mir fällt ein besonders dreistes Exemplar
auf; hat er einen Mit-Affen durch Anstupsen provoziert und spürt Verfolger
auf den Fersen, flüchtet er blitzschnell zur lieben Mama wie zur rettenden
Festung. Natürlich traut sich keiner an die friedlich kauende Mutter
heran; (Menschliches, Allzumenschliches?!).
Nach kurzer Cola-Pause besteigen wir einen altersschwachen Jeep, in
den im Laufe der Fahrt 19(!) Personen gequetscht werden. Das läuft
so ab, daß so viele Menschen wie möglich unterwegs aufgesammelt
und in alle verfügbaren Ecken übereinandergefrachtet werden,
um so maximalen Profit herauszuschlagen. Drei Leute hängen sich noch
außen an die Türen. Ich nutze die anderthalb Stunden um etwas
Hindi zu erlernen...dann sind wir daheim im "Badeort" Aurangabad, das mittlerweile
vom Zorn Gottes heimgesucht wurde, denn es regnet aus allen Rohren, erbarmungslos
werfen sich die Tropfen in die Schlacht um die Liquidierung der Erde. Da
es ganz danach aussieht, als würden sie diesmal die Oberhand gewinnen,
verkriechen wir uns in unser Zimmer. Das Toben der Elemente ist der Elektrizitätsversorgung
wenig zuträglich und so bricht sie denn auch prompt zusammen. Das
Kerzenlicht steigert zwar den Gemütlichkeitsfaktor, ist aber zugleich
auch Signalfeuer für die Mücken, die sich von Rauchschwaden nicht
stören lassen. Und auch nachdem wir uns zum Schlafen gebettet haben,
ebbt das bedrohliche Schwirren der miesen kleinen Blutsauger nicht ab,
im Gegenteil, nun gehen die Geschwader zum Angriff über und halten
uns in Trab. Wir beschäftigen uns zur Abwechslung mal die ganze Nacht
mit der Abfolge von Wälzen, blindem Um-sich-schlagen, fluchen und
Mückenjagd im Strahl der Taschenlampe.

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24.08. Ajanta
Ein klappriger überfüllter Bus schaukelt uns durch den üblichen
Regen von Aurangabad nach Ellora. Die Landschaft ist grün und wird
von ein paar jäh auftauchenden Hügeln - teilweise mit Steilwänden-
überragt. Ein junger Inder bietet uns im Bus das hierzulande so beliebte
Betelnuß-Kautabak-Gemisch namens Gutka an, das es in allen Formen
gibt, ob handgemischt "aus besten Zutaten" im biologisch abbaubarem Blatt
(dann "Pan-Masala" genannt) oder industriell in kleinen Tüten gefertigt.
Dieser "Volkssport" ist in Indien mindestens so populär wie das Rauchen
- jung und alt schiebt Gutka durch die Backen. Wir nehmen also mutig an.
Das körnige Pulver brennt leicht scharf im Mund und regt den Speichelfluß
beträchtlich an. Schnell hat man den Mund voller rötlicher Brühe,
etwas bitter, würzig, zitronig, wie Seife oder Räucherstäbchen
irgendwie, dann wird es langsam Zeit, das Zeug portionsweise auszuspucken.
Die Inder mit ihrer jahrelangen Erfahrung tun dies gekonnt mit einem kurzen
gezielten Strahl, der die an allen öffentlichen Gebäuden, in
Treppenhäusern und auf Zimmerwänden sichtbaren roten Flecken
hinterläßt, was auf den ehemals weißen Wänden ungemein
häßlich aussehen kann. Auf der Zunge bleibt ein seltsamer Geschmack
nach Parfüm zurück, der zwei bis drei Stunden bleibt, und ich
bilde mir eine schwache Aufputschwirkung wie bei Koffein ein (könnte
allerdings auch die Aufregung gewesen sein). Man sagt der Betelnuß
eine abhängig machende Wirkung nach, wie bei Zigaretten. Natürlich
ist sie auch nicht gerade gesundheitsförderlich, vor allem nicht für
die Zähne; die Beweise grinsen einen mit rotverfärbten Zahnfragmenten
an. Übrigens: So sorgfältig man auch ausspuckt, verfolgen einen
die Krümel im Mund noch nach Stunden.
Als wir in einem Ort unterwegs halten, versammelt sich die neugierige
Ortsjugend vor unserem Busfenster und läßt ihr Gewitter von
nicht enden wollenden, immer gleichen Fragen auf uns herniedergehen. Jeder,
der auch nur "Hello!" auf Englisch herausbringen kann, drängelt sich
nach vorne und fragt nach Namen, Alter, Beruf, Herkunft, Religion (wir
sind dazu übergegangen, uns einfach als Christen zu bezeichnen, damit
sind die Inder "zufrieden" und können uns einordnen, Konfessionslosigkeit
ist ihnen dagegen völlig unverständlich), wo wir gerade herkommen
und wo wir hinwollen, nach dem Familienstand, der Ausbildung und dem Beruf
der Eltern. Das meiste muß man sich zusammenreimen. Dutzende Augenpaare
mustern uns aufmerksam und starr; sie verfolgen uns und man kann sich sicher
sein, daß ihnen kein Detail entgeht, ja sie scheinen einen geradezu
mit ihren Blicken aufsaugen zu wollen, um somit jede Erinnerung unauslöschlich
in ihr Gedächtnis einzubrennen und jedes Bild in ihr Bewußtsein
aufzunehmen. Das ist selbstverständlich bloß meine Interpretation
des - finde ich - typisch indischen minutenlangen forschend-kritischen
Anschauens. Der junge Inder steigt aus und schenkt uns zum Abschied noch
zwei Gutkas.
25.08. Ajanta
Auch im 150 Kilometer von Ellora entfernten Ajanta gibt es Höhlenattraktionen,
nur daß sie älter und durchweg buddhistisch sind. Der Himmel
am Morgen verspricht einen regenfreien Vormittag, den wir zur Höhlentour
nutzen. Die insgesamt 29 Höhlen in der durch einen Fluß geformten
U-förmigen Felsschlucht wurden erst in den fünfziger Jahren dieses
Jahrhunderts zufällig von einer britischen Tigerjagdgesellschaft wiederentdeckt,
davor mußten sie Ewigkeiten im Vergessen versunken sein. Sie sind
allesamt frühbuddhistisch aus der Zeit von 200 vor bis 500 nach Chr.
. Die meisten Höhlen dienten den Mönchen als Klöster, in
die sie sich in den heißen Sommer - sowie gewittersturmreichen Regenmonaten
zurückzogen, andere wurden als Tempel benutzt. Alle Räume wurden
wie in Ellora tief in den Fels getrieben, wobei große Buddha-Figuren,
Säulengänge und ganze Stupas herausgearbeitet worden sind. Die
Motive der Reliefs und Figuren sind dem Mahayana-Buddhismus entlehnt und
zeigen die Buddhas der verschiedenen Sphären, es gibt Schutzgottheiten
und Boddhisattvas, Paare und beschwingte Tänzerinnen, die den Erleuchteten
becircen und vom Weg abbringen sollten (im Auftrag des Dämonen Mara).
Das haben sie damals nicht geschafft und so erproben sie ihren zeitlosen
Charme nun noch immer am anonymen Betrachter, genauso wie ihre Ebenbilder
in Ellora, Hampi, Khajuraho usw. .
Das Prächtigste an Ajanta aber sind die aufwendigen detaillierten
Wandmalereien. Leider sind nur noch wenige der großflächigen
Bilder erhalten, bzw. verschwinden einige im ewigen Halbdunkel der Höhlen,
denn nur vier von ihnen sind sozusagen als Musterexemplare beleuchtet.
Doch das genügt, um die Blüte, zu der es die Malerei im alten
Indien brachte, offensichtlich werden zu lassen; man denke nur an die primitiven
Krakeleien der frühen Christen. Decken und Säulen sind mit Mandalas
und dekorativen Pflanzenmustern verziert, die Wände enthalten ganze
Bildbände über das Wirken des Buddha. Die Farben dazu wurden
aus Pflanzen und Mineralien (z.B. Blau aus Lapis-Lazuli) gewonnen. Die
alten Mönche wußten es sich trotz aller Abgeschiedenheit und
Askese schön einzurichten und haben sich ordentlich ins Zeug gelegt
("Schöner Wohnen"!). Heutzutage hat sich der Buddhismus in Indien
immer weiter nach Norden in die Täler des Himalaya verkrochen.
Wir spazieren gerade aus einer Höhle, als sich zwanzig Meter vor
uns plötzlich ein paar Brocken aus der steilen Felswand lösen
und krachend auf den Weg schlagen; ironischerweise zermalmen sie dabei
ein "Baustelle"-Schild vor einer Höhle. Kleiner Schock. Das Sicherheitspersonal
läuft für ein paar Minuten wie aufgescheucht umher, dann wird
der Schutt weggeräumt und alles vergessen. Eine Gruppe dunkelhäutiger
Rajasthanis mit knallig roten und grünen Turbanen sowie ebenso bunten
Saris kommt uns entgegen. Neugieriges beiderseitiges Beschauen folgt....
In einem besonders schönen Höhlentempel dessen Decke wie
ein umgedrehter Schiffsbauch gewölbt ist und wie mit Rippen aus einem
Walskelett durchzogen ist, lassen wir ein "Ooommmmm....." erklingen, das
noch mehrere Sekunden lang vibrierend durch den Raum rollt. Eine wirklich
imponierende Akustik, die man sich erstmal bei hundert "ommenden" Mönchen
vorstellen muß. Dieses mächtige Brummen würde die zerstreuten
Gedanken zum Schweigen bringen und nicht nur Luft und Raum, sondern auch
den Geist restlos mit seiner Schwingung erfüllen (everything is vibration...).
Kann ich mir jedenfalls gut ausmalen.
Für ein Bakshish von zehn Rupien bedeutet uns ein "Aufseher" in
einer Höhle ruhig mal zu Blitzen, was sonst streng verboten ist, und
entlockt einer Säulen einen hellen Ton wie von einer Glocke, indem
er mit dem Handballen kräftig und präzise dagegen schlägt....
27.08. Ahmedabad
Wir entschließen uns heute zur Sight-seeing-Tour durch Ahmedabad.
Diese Stadt hat auf den ersten Blick nichts besonderes an sich, der übliche
Lärm und Dreck eben, das Menschen- und Verkehrsgewimmel. Als Hauptstadt
des Bundesstaates Gujarat beherbergt sie auch gleich mal 3,5 Millionen
Menschen, welche sich aber nach den ersten Kontakten als überaus und
unerwartet freundlich erweisen, mal so ganz allgemein gesprochen. Ahmedabad
ist - wie der Name schon sagt - überwiegend islamisch und von Moscheen
übersät. Wir begeben uns über die Hauptstraße, wo
es - zu unserem Leidwesen, denn es ist Frühstückszeit und wir
sind ziemlich hungrig - abgesehen von Restaurants allen möglichen
Kram gibt, zu einem Basar vor einer Moschee, der provokanterweise von den
lautsprecherverstärkten Lobpreisungen einer Krishna-Truppe beschallt
wird. Der Platz zwischen Moschee und einem alten Tor, das wie ein Fragment
aus der ehemaligen Stadtmauer aussieht, ist von einer Menge kleiner Stände
besiedelt, die kosmetischen Kitsch (selbstklebende Plastik-Tikkas, Plastikarmreifen
in allen Farben, Nagellack, Lippenstifte, Khol, Henna-Stempel usw.), Kokosnüsse,
geröstete Maiskolben und Lotusblumen verkaufen. Sofort stürzen
sich Bettler auf uns, als ob unser fremdes Aussehen ein Signal wäre;
es sind vor allem Kinder, zerzauste Haare, schmutzige zerrissene Kleider
und Hosen, sowie deren Mütter, die noch ein, zwei Babys auf den Armen
tragen. Ein immer wiederkehrendes Bild.
Wie vielen Bettlern mögen wir in Indien schon begegnet sein? So
viele Alte, gebeugt und krank, unfähig, sich durch Arbeit etwas zu
verdienen, die aussehen als ob sie ihre letzten Monate auf Erden verbrächten;
Krüppel und Behinderte, Leprakranke mit Arm- und Beinstümpfen;
blinde Augen; entzündete, eiternde, schwärende Wunden; geblähte
Bäuche; schmutzdurchtränkte, halb verrottete Verbände, echte
Knochenbrüche bedeckend oder nur zur Simulation; Kinder auf Krücken,
mit schweren Gipsarmen, mit Verbrennungsnarben, die das Gesicht entstellen,
die die Ohren gefressen und kahle Stellen auf dem Kopf hinterlassen haben;
Krüppel ohne Beine, die sich auf kleinen, aus Brettern gezimmerten
Rollkarren durchs Gedränge schieben; Mißgebildete, die Augenhöhlen
verklebt, der Mund sabbrig und schief. Sie alle warten an Kreuzungen, in
Bahnhöfen, Slums, Tempelvorhöfen oder vor Touristenattraktionen.
Ganze Heerscharen von stöhnenden, unablässig ihr Leid klagenden
oder stumm flehenden menschlichen Leibern, denen man vielleicht eine Münze
hinwirft, um schnell wieder wegschauen zu können, denen man ein gezwungenes
Lächeln schenkt, weil man sich dem Elend gegenüber ohnmächtig
fühlt oder die man ignoriert, weil man in Gedanken ganz woanders ist,
kein Kleingeld dabei hat oder durch das ewige Bitten, Drängen, Fordern,
Berührtwerden entnervt ist.
Wie oft wurde ich mit dieser Geste angesprochen: Den Kopf leicht gesenkt,
die Augen fangen den Blick, fixieren einen mit einem Ausdruck, der unerträglich
viel Leid und Schmerz enthält, die Hand wird zum Mund geführt
als hielte sie ein Stück Brot und einem dann geöffnet entgegengestreckt:
"Baba, Rupee. Bakshish, Baba." Hunger, Not und Überlebenskampf bei
den allermeisten, die keine Zukunft haben und deren Vergangenheit eine
lange Kette von Elend ist - gestern wie heute wie morgen die gleiche Verzweiflung
- und die überhaupt nie "gelebt" haben werden. Wie man mit diesen
Menschen und deren Elend umgeht, muß jeder als Tourie selbst entscheiden,
man wird sich wohl zwischen Mitleid, Ohnmacht und Wegschauen bewegen ....
Es gibt natürlich auch Simulanten und z.B. von ihren Eltern absichtlich
verstümmelte Kinder, die sich so ihren "Lebensunterhalt" sichern,
denn - so hart wie es klingt - das Bettlergeschäft ist zumindest vielerorts
in Indien wie jedes andere auch organisiert, es gibt auch lokale "Bettlermafias",
die Lizenzen vergibt und Anteile einfordert.
Doch um auf die bettelnden Kinder von Ahmedabad zurückzukommen:
Sie hängen sich an uns dran, ziehen an Ärmeln und Hosenbeinen
und fangen sogar an, uns in die Arme und Seiten zu kneifen; sie versuchen
verzweifelt unsere Aufmerksamkeit auf sie zu lenken. Diese Berührung,
sei es bloßes permanent wiederholtes Anfassen oder gar Kneifen, empfinde
ich als ziemlich unangenehm, denn ich als Europäer bin derartige Nähe
nicht gewohnt. In der westlichen Mentalität nimmt die Respektierung
der Intimsphäre (die aber so in Indien nicht existiert) einen hohen
Stellenwert ein. Wenn uns ein Mensch, den wir nicht kennen, zuhause zu
nahe kommt oder uns anfaßt, versuchen wir Abstand zu gewinnen oder
werden ärgerlich, uns gefällt die Situation nicht. Aber hier
führen die Menschen ein "öffentlicheres" Leben als wir (oder
sie machen sich zumindest die irritierte hilflose Reaktion der meisten
Westler durch Erfahrung zunutze), sie werden von Kind auf an die Gemeinschaft
der Familie, der Straße, der Schule, der Kaste und das "Überleben"
in diesen gewöhnt, was auch an den Wohn- und Platzverhältnissen
liegt. Oftmals lebt und schläft eine ganze Großfamilie in einem
einzigen Raum. Keiner der "einfachen" Bevölkerung zögert, sich
an einen belebten Straßenrand zu hocken und sein Geschäft zu
verrichten. Wobei angemerkt werden muß, daß das Zusammenleben
auch vielschichtigen, teils komplizierten sozialen Regeln unterworfen ist,
zum Beispiel Mann und Frau, die Kasten oder das Alter betreffend. Die Besitzverhältnisse
spielen ebenfalls eine Rolle. Die im "westlichen Weg" so hoch gehaltene
Individualität gehört nicht zum Konzept der indischen Gesellschaft.
Ich denke, dieser anderen Auffassung von Privatsphäre und Öffentlichkeit
entstammt die ungeniert offen zur Schau getragene Neugier der Inder, dieses
minutenlange Anstarren, Glotzen und Berühren, das viele Westler als
respektlos empfinden.
Immer noch befinden wir uns in den Straßen der Altstadt von Ahmedabad,
werfen einen Blick in eine Seitengasse, wo Fleisch verkauft wird (das machen
die Moslems), gehen aber pikiert vom Gestank und den hygienischen Verhältnissen
(ich sage nur: Fliegen noch und nöcher) gleich weiter. Zwischen zahllosen
Vespas, Rikshas, Fahrrädern, Karren, Wagen und Autobussen, die zu
einem undurchdringlichen Verkehrsteppich verflochten sind - hupend, schwirrend,
miefend - taucht ein würdevoll trottender Elefant samt Bemalung und
Herrchen auf den Schultern auf. An Ständen voller westlichem Plastik-
und Klamottenkram vorbei bewegen wir uns zur Freitagsmoschee, der Jama
Masjid, die vom Baustil her arabische und indische Elemente vereinigt.
Viele ihrer prächtigen Säulen wurden einfach aus Hindu-Tempeln
genommen. Das Innere ist reich verziert; ein alter Mann hockt unter der
Kuppel auf dem Boden, in den Händen hält er den Koran, er wippt
mit dem Oberkörper hin und her, flüstert irgendwelche Suren und
küßt die golden eingeprägten arabischen Lettern auf dem
Einband. Ein anderer Mann kniet in einem Säulengang unterhalb eines
großen arabischen Schriftzeichens, er trägt einen weißen
Kaftan und ein Kopftuch, seine Augen sind geschlossen und sein Gesicht
ist angespannt vor Konzentration und Hingabe, aus dem Mund strömt
gepreßter Gesang, während er seine Hände geöffnet
vor seinem Oberkörper aneinander hält, als wolle er die Gnade
Allahs in ihnen auffangen als wäre sie eine segenbringende Flüssigkeit.
28.08. Udaipur
Die Fahrt hierher war eine der angenehmsten, die ich in Indien erlebt
habe. Der Zug war – man mag es kaum glauben – fast leer und deswegen ruhig,
so daß ich auch etwas Schlaf finden konnte. Da die Züge in Rajasthan
noch auf Schmalspur fahren, fallen die Waggons auch kleiner als gewöhnlich
aus.
Als wir morgens erwachen, rollt unser Schmalspurzug durch eine leicht
begrünte bergige Landschaft, die kaum besiedelt scheint. Nur ab und
zu taucht eine Bauernhütte auf oder man sieht Hirten mit braungegerbten
Gesichtern und farbigen Turbanen, die ihre Ziegenherden über die trockene
Erde führen. Die Landschaft hat ihren ganz eigenen Reiz. Der Untergrund
ist felsig und die Vegetation geht in eine Art grüner Steppe über,
in der der Sukkulentenanteil an Gewächsen deutlich zunimmt. Es ist
gegen Ende der Regenzeit, es gibt Wiesen und zwischen den Hügeln Bäche
und kleine Seen. Stachelpalmen sehen aus wie zottelige Klobürsten.
Ein kaktusähnliches Gewächs bildet ganze Büsche und vereinzelt
wachsen Bäume mit seltsamen dicken Blättern.
Wir sind in Rajasthan angekommen, in der wüstengeprägten
Farbkammer Indiens .....
(Abruptes) Ende der Aufzeichnungen, aber die Reise geht weiter ...
... und weiter ...
(c) 2001-2002 David Pinzer
Der Nacht entgegen
und schon von ihr geentert,
mit 120
- mehr schafft er nicht -
durch den Heil Geist Hof.
Wiedermal die letzte wie die letzte Nacht.
Und ich ahnte es und schon vorbei:
und auch nach 200 Metern keine Vollbremsung:
(Ich hab's gewußt, atemlos.)
aus der Dunkelheit Stelle halte Bus,
eine junge Frauinnengestalt,
der Wink
um Mitnahme, gefangener Flügelschlag,
im hellen Traumgewand
in der Nacht, unentrinnbar.
Dem Boden entgegen
inmitten der Wiese:
ich ahnte es:
der wilde freie Mann des Waldes
versinkt in Blütenträumen,
vergeht im Staub,
ist vollkommen ruhig
im prasselnden Blut.
Ro Li B.
sonne im höchsten zenit
plötzlich
schwarze wolken
boshaft, schwer
den blick zur erde ihr verwehrend
langsam
doch gewiss
luft vibriert
wind kommt auf
verwandelt sich in sturm
himmel explodiert
und
ergiesst sich
in dicken regentropfen
weinend
auf das feld
blutrot
glänzt der raps im sonnenlicht
tausend rote tropfen
aphrodisiieren ihn
und
schluchzen
das lied des abschiedes
von der jugend
...blutrot
anne, juni 2002


Nicht gefunden? Zu wenig Kontrast?
An den Seitenleitwerken der Schutzstaffel-Kampfflugzeuge. Mit fragloser
Selbstverständlichkeit werden die Totenköpfe zur Symbolisierung
herangezogen (wohl kaum gewählt, oder?). Was für einen Untertassenhorizont
hat jemand, der sich einen toten Schädel samt gekreuzten Knochen ans
Revers heftet? Welchen hat jemand, der seine Mordmaschinen damit auszeichnet?
Kann man doch vergleichen, was bringen die hie wie da zum Ausdruck?
Gothic? Heavy Metal? Dark Noise? Nicht eßbar?
Laßt euch nicht stören beim Hören. Hörigkeit.
Alle Castoren rollen für den Sieg. Endsieg. Endlösung Endlager.
Endsorgen. Roland
P.S. Übrigens (vielleicht) standen gar keine Araber auf den PassaGier-Listen der besagten Flugzeuge damals, und manche der abgebildeten Attentäter waren schon 2000 gestorben, und Roland
Von Hartmut Barth-Engelbart
für Video-Spiel-Freunde-Rhein-Main-Kinzig-Fulda-Werra
Wenn schon eine weitere Militärstartbahn gebaut wird (von der dann
auch die FRAPORTEINTRACHT wieder aufsteigen darf), sollten die Regionalplaner
eine weitere Besiedlung des Speckgürtels um Krankfurt verhindern und
rechtzeitig genügend Absturzräume unter den Warteschleifen ausweisen.
Rechtzeitig überlegen, wie wir nach Überlingen noch überleben
können. Absturzausweise bereithalten. Und rechtzeitig prophylaktisch
zu Boden gehen.
Aktentaschen nicht vergessen. Der zivilitärische Flugterror in
der Region wird so oder so langfristig für eine Entvölkerung
sorgen. Sodom und Gomorrah? Der letzte Überlebende war bekanntlich
ein FlugLOTse, der den selbstgebackenen Apokalypso nicht mehr mit ansehen
wollte. Und seine Frau hat sich nicht an die letzten Anweisungen des Katastrophenschutzwartes
gehalten: niemals in den Explosionsblitz schauen. Wer da leichtsinnig hineinstarrt,
darf sich nicht wundern, wenn er/sie erstarrt. Oder in mehr oder weniger
aktive Miniklickern zerbröselt, wenn eine GALAXY nach einem openairmeeting
mit einer A400 auf dem Blutonium-Bunker in Hanau-Wolfgang notdürftiglanden
muss...
(1982 kam das US-Strategie-Spiel "FULDA-GAP' The First Battle Of The Next War" auf den Toy-Market, seit ein paar Tagen geistert das Video-Spiel "Amerika's Army" über die Monitore mit live-szenen aus diversen live-Kriegen. Erfurt live wäre ein klitze kleiner Klacks dagegen. Das Spiel ist Baal sei Dank, ziemlich dröge und blöde, so blöd, dass selbst die NBC-Moderatoren darüber rumwitzeln. Es hätte aber auch besser werden können, vielleicht ja auch so gut wie die Bundeswehr-PR-Kampagnen, wo ganz toffe Jungs Sicherheit produzieren. Mit solcher Hardware kann man sicher auch an die Börse gehen, beim nemax fallen die shooting-stars überhaupt nicht mehr auf.die sehen auch nicht anders aus als der grüne Staatsekretäer Berninger mit seiner nemax-Brille)
Vorsicht! Jetzt folgt Lyrik!
Dass alles nur
ein Horror-Clip gewesen?
ein Trailer sein soll
für ein neues Videospiel?
Den Fernseher ausmachen!? ..
Die Kinder haben es vergessen!?
Die US-Army dringt unschlagbar
- jeder Flecken Erde Target! Ziel! -
durch jeden Monitor und jede Schallschutzscheibe
selbst in die Alptraumzimmerecken meiner Kinder
und schonungslos rückt sie auch hier
dem Allerheiligsten zu Leibe
Niedergewalzt und überbrüllt,
erschlagen geb ich mich geschlagen
und fall in tief traumhaften Schlaf
Da klicke ich schlafwandelnd sicher
ganz einfach mit der Maus
'Amerika's Army' aus.
Hartmut

Schick alles Baal
was du uns schickst
wir werden es als Schicksal nehmen
das trifft und eintrifft
nicht nach unsrem
nach dem Baalschen Plane
und alles werden wir
wie seit Urzeiten
geduldig hadernd überdauern
und klagen
und trauern
vielleicht
für einen Augenblick
um Tote und um Götzenbilder
um unsrer grauen Städte Mauern
und noch in Trümmern werden wir
geschlagen zwar
jedoch mit deinem Segen
Geschäfte machen
und zumindest
Baal sei Dank
als Gattung
nicht überlegen
aber all das
überleben.
Nur eines Baal,
schick uns um deinet-
und um unsretwillen
nicht entgegen:
UNS SELBST
im Himmel und auf Erden
das könnte für die Gattung tödlich werden
Hartmut
Commander, your mission is to destroy aliens.
Good luck!
Hey, Kleener, kauf dir einen Krieg.
Nimm Knete mit, viel Geld - viel Sieg.
Zerstöre die Feinde, fahr ab auf deine Wut.
Schieß sie alle ab, dann geht's dir gut.
KILL Destroy aliens
KILL Sie sind schon überall
KILL Nur auf dich kommt's an
KILL Du bist ein Guerillero
Punkte steigen, Zeit fliegt weg.
Dein Logger rast, der Feind verreckt.
In zehn Minuten bist du schlapp.
Du bist schneller, drück ab, drück ab.
KILL Destroy aliens
KILL Die seh'n wie Russen aus
KILL Mach sie nieder
KILL Wie ein Guerillero
Auf dem Bildschirm roter Fleck.
Schlechte Karten, Geld ist weg.
Keine Asche und kein Ziel.
War viel zu kurz, das letzte Spiel.
KILL Destroy aliens
KILL Ey, haste ma' 'ne Mark, ey
KILL Geh nach Hause
KILL Kleener Guerillero
KILL Kleener Guerillero
KILL
KILL
Spliff
P.S. KILL ist Bestandteil der 1984 erstmals aufgeführten LAPSUS-Collage Planet der Traurigkeit. Alles wird besser...
hallo ihr Lieben, der Planet entlässt seine Kinder auf eine
lange, beschwerliche Reise, auf der viele Gefahren drohen. Feuerbrünste
überwindend, Dämonen bezwingend - mit den Elfen tanzen. Das Salz
der Tränen grub tiefe Furchen in die vielen hoffnungsvollen Gesichter.
Das Lachen gleicht den tausend Farben eines Regenbogens. Ein Hauch von
Sehnsucht vom Winde getragen und wie das Echo tausendfach erklingt in einer
Seele. Lichtfunken sprühen, Vulkane ergießen sich in einem unerschöpflichen
Strom - fruchtbar wie der Schoß einer Mutter. Wachsen heißt
Leben und Sterben mit jedem Augenblick.
Nur ein Schritt bringt uns zurück zu der Quell, der wir entsprangen.
Bewegung - Bewegung - Bewegung - Bewegung - eins sein mit mir - eins
sein mit dir - eins sein mit allen - Universum - Sterne am Himmel.
Alles Liebe Basti
Alle sind wir Worte zusammen ein Gedicht. (bitte weitergeben) Lasst
Euch umarmen.
Servus Hartmut, es war sehr wohltuend im weitem Sinne, Deine Worte zu lesen, zu empfinden! Falls Du mal Deinen Lebensplatz auch außen verändern willst: wir sind derzeit dabei (3 Dorfgemeinschaften in McPomm), "Familienschulen" zu gründen und als Freie Schulen zur Genehmigung einzureichen – und würden dann auch Lehrer brauchen.
Servus liebe LapsuslerInnen! Es regnet und übermorgen hole
ich die 600 Bäume für die diesherbstliche Baumpflanzaktion. Aber
zuvor noch die Anmerkungen: Natürlich könnte in "Suchbild"
noch der Hinweis auf das Bundeswehrmachtskreuzlein stehen. Vermißt?
Und auch im Bezug auf Leos letzte Mail – ich habe noch immer keinerlei
Brief- oder Meinungsäußerung bekommen. Ja, Mea, Schweigen kann
ganz schön laut werden. Übrigens stimmt das mit den Wortfesseln
in jedem Fall.
Lustig am letzten Heft fand ich, daß sich Achim geschickt in
die Fotos auf Seiten 4 und 5 reinmontiert hat und denkt wohl, das merkt
Niemand! Insgesamt (bis auf das Cover) hat Achim mit sicherer Hand eine
richtig gute Gestaltung hingelegt. Wenn ich so andere ungeregelt regelmäßige
Blätter ansehe, wie die hingeschustert sind... Aber man kann ja nicht
alles allein machen, nicht wahr mein Engel? Der Strom fällt aus. Gute
Nacht. Der Strom fällt ein. Guten Tag. Warum ich nicht nach Indien
pilgere? Es bleibt für mich genauso sinnlos wie vor dem Lesen der
Story.
Oder könnte ich mir nicht auch aus dem Stehgreif ein Buch ausdenken?
Das Glück mag ja immer anderen lachen, ich habe wieder selbst
von vorne bis hinten gefeixt bei Prudlo und Co, köstlich! "Schlußteil
folgt" - muß ja nicht im nächsten Heft sein. Danke für
die schönen Lacher, Regina!
Es regnet noch immer, morgen kommen die Pflaster runter. So long -
und mit Yoko: open! Roland
P.S. Zur Grafik: pseudostrasse@web.de
Hi Achim, ich hab mir tatsächlich die "Mühe" gemacht
und die Bilder angeschaut. Da wurde natürlich eine alte Sehnsucht
geweckt... wieder mal Lapsus-Live. Und dann noch auf das ganz Schlimme:
King Crimson genau aus der Zeit die ich sehr liebe (alles spätere
kenne ich nicht). Wenn ich mich recht entsinne, hatte ich meine Mitarbeit
an LL 2002 in Aussicht gestellt, aber dann kam es wie jedesmal in den letzten
Jahren: Eine Firma zumachen, eine neue aufmachen, bangen um Geld und graue
Haare wegen der Schulden.
Ich habe momentan das Problem, dass ich mich zu kaum etwas Aktivem
aufraffen kann. Arbeiten könnte man ohne Ende, zuhause muss ich (fast)
alles allein machen, mein Vater ist gestorben und ich bin der einzige,
der sich um meine Mutter kümmern kann. Schlage ich zuhause auf, habe
ich meist restlos die Nase voll.
Zu neuer und interessanter Musik (meine ich) bin ich schon gekommen,
aber um was draus zu machen bedarf es schon einigen Aufwandes.
Meine größten Aktivitäten dieses Jahr waren zwei Reisen
zu Jonatha-Brooke-Konzerten zusammen mit Sarah. Die waren wirklich Klasse,
aber eigentlich auch nur eine Konsum"aktivität".
Lange Rede kurzer Sinn, ich wollte mein weiter vorhandenes Interesse
an LL bekunden. Wenn zeitlich machbar wäre sicher auch Sarah zu begeistern.
Wenn Du wieder eine Spielstätte ausserhalb veganischen Hoheitsgebietes
flott machen kannst, würde ich jetzt schon mal anfangen zu planen
und mich langsam wieder auch zuhause zu aktivieren.
Dann mail mich mal an und ich aktiviere mich.
I keep on rockin' !! George
Betreff: LAPSUS 2003. Natürlich habe ich große Lust an LAPSUS 2003 teilzunehmen. Mit allem, was ich so mitbringen kann. Darf ruhig in Demmin oder so sein. Die Bilder haben mir gut gefallen, die Menschen darauf auch.
EIN GUTER ALTER DOOFER GRILL
ERZEUGT SO MANCHEN OVER-KILL
Auch wenn der Lover mal nicht will
ob im Pull-over oder Drill-
ich halt nicht UNDER-COVER still
und schrei noch auf dem Sofa schrill
Jetzt packe deine Koffer Bill
weil ich dich sonst ganz offen till
im dir bekannten Zoffer-Stil
auch wenn ich dann betroffen schiel
nachdem ich sturzbesoffen fiel
ach jetzt fällt mir grade nix mehr ein
ich schicks trotzdem mit
Liebe Grüße Hartmut
Hallo Achim, ich bin mir noch selbst nicht im Klaren, zwecks
"Demmin" und 2003. Gerade sind wieder 2 Besucher da, ich habe etwa 2 Stunden
Vortrag Politik, Ökologie, Sprittualität gerade hinter mir, fast
heiser, morgen kommen noch 8 dazu, Musizieren, Lichtbilder, Lagerfeuer
und Bäumepflanzen - die Tage, wo was passiert. Nächsten Mittwoch
(2 der Leute bleiben sowieso länger) geht's mit dem nächsten
Besuch weiter, danach das Wochenende dazu 2 plus Kind. Das "nur" von meiner
Seite, bei Nathalie haben sich auch noch Gäste angemeldet, ich weiß
die Termine noch nicht mal und habe einen Freund gewonnen, mit dem ich
über "Bewegung" reden kann. Kontra Angst. Außerdem könnte
ich die Band "Mothers Little Helper" ranorganisieren. Derzeit fühlt
es sich gut an, langfristig beide Orte mit uns zu beleben, Hohenbüssow
und Zarnekla, also jedenfalls über uns eine liegende-Acht-förmige
lebendige Verbindung zu schaffen, zwei blühende Landschaften versehen
mehr als eine.
Ist es für Dich fraglos klar, den Lapsusler-Stamm zu halten, egal
wo, egal welcher Inhalt? Was willst D u eigentlich? So long - Roland
N a c h t r a g 1
Betreff: LL2002-Krisenstab (E-Mail vom 21.3.02)
Liebe Geheimnisträger, Aktivatoren und harte Kerne!
Dieses Jahr wird es nichts mit Lapsus live in Zarnekla. Wir haben alles
um und um überlegt (und überfühlt), aber wir haben derzeit
rein gar nichts frei für diesen Akt. Vielleicht läßt sich
ja woanders noch was löten. Nichts für ungut! Und das for ever!
Ro
Li
N a c h t r a g 2
Servus, schönen Tag!
Als Anlage (DOS-Text) meine Kommentare zur Eurem After-LAPSUS-LOver-Brief.
Übrigens ist auch bezeichnend, daß niemand an mich direkt
geschrieben hat (seit April, nebenher), alles geht an großen starken
Papa Achim, der wird schon irgendwas machen...
Lustige Grüße! Roland
Hallo ihr Lieben, [...] Etwas traurig macht uns, was so im Nachhinein
abgelaufen ist.
[Roland fügt hinzu:]
Ein bißchen Frieden, ein bißchen Wehmut, ein bißchen
Trauer, ein bißchen Glück...
Über E-mail konnten wir schon einiges aus dem Lover lesen. Wir
haben uns eine ganze Weile darüber unterhalten und sind zu dem Entschluss
gekommen, auch dazu einige Zeilen zu schreiben.
Wir können Rolands Verbitterung nicht so recht nachvollziehen.
Das wäre ja noch schöner! Dann hätte ich z.B. Bert
Brecht im LOver 33 gar nimmer zitieren brauchen usw! Meine "Verbitterung"
ist nichts als Klarheit über den Stillstand der Dinge. Zugedeckelt
mit dem Begriff "Menschlichkeit", der völlig belanglos ist, vollgestopft
mit x-beliebigen Meinungen wie ne Weinaxgans. Aber vollzieht (Vollzug...)
doch einfach die "Verbitterung" unrecht nach, klappt garantiert!
Natürlich tat es uns leid (und mit Sicherheit auch vielen anderen),
dass Lapsus diesmal nicht in Zarnekla stattfand. Aber, wir glauben, alle,
die in letzter Zeit zu Lapsus waren und auch die Beiträge im Lover
mitverfolgten, wussten von den Problemen, vor allem gesundheitlicher Art
und akzeptierten einfach die getroffene Entscheidung.
Klare Konsens-Entscheidung aller, die LAPSUS-live mittragen. Da
sehe ich, wieviele das sind. Und ein Ruck geht durch LAPSUS-Land, und jedes
duckt sich und hält still. Die da oben werden's schon wissen. Die
Mauer muß weg! Stasi in die Produktion!
Oder war sie gar nicht ernst gemeint?
Und sonst so?
Wäre sie bei vielen Bitten um Durchführung zurückgenommen
werden?
Nee. Aber bei vielen anteilnehmenden Händen und Herzen der
LAPSUS-Nation. Ähm LAPSUS-Kaution, ähm Lapsusen-Union, ähm
Knorbel-Subvention, sowas.
Wir denken doch nicht, dass es so gemeint war.
Und? Pustekuchen!
Außerdem ist es uns unverständlich, dass Roland über
das Lapsus in Tangermünde nach dem Ansehen einiger Bilder so hart
urteilt.
Was hart? Ohje. Sorry! Eigentlich habe ich doch erst jetzt in der
Ostseezeitung annonciert: Derselbe Trog, nur die Schweine wechseln.
Ja, es gab Grillfleisch und Torte - na und?! Hat sich irgend jemand
darüber aufgeregt, dass es so etwas in Zarnekla nicht gab? Oder muss
nur dort Toleranz und Akzeptanz gegenüber den Gastgebern gezeigt werden,
was anderen nicht zugestanden wird?
Na und?! Über was regt Ihr Euch auf? Nitrogen?
Wir jedenfalls kamen nach Zarnekla und überhaupt zu Lapsus, weil
wir die Leute mochten, sie sehen wollten und mit ihnen zusammen sein, auch
wenn die Lebensweise eben nicht unserer sonstigen entsprach.
Ohja, haben wir deutlich gemerkt dieses Jahr.
Es ist uns aber auch nicht all zu schwer gefallen, weil eben die Menschen
herzlich waren. Für uns war Lapsus immer eine Zeit der Toleranz. 3
Tage, in denen man sich traf und mochte, ohne sich gegenseitig Fehler vorzuwerfen.
Und die restlichen 362 Tage? Null Toleranz, unendlich Vorwurf, allschwerer
Fall, gallige Leute?
Klar gab es Gemeinsamkeiten, aber müssen deshalb alle gleich sein?
Gleich menschlich? Desganz?? Bald menschlich???
Warum ist es nicht möglich, sich einfach so als Mensch zu sehen,
Falls diese Frage ernst gemeint ist, kann ich nur dringendst empfehlen,
"Formen der Wirklichkeit" von Laurent Verycken zu lesen!!!
mit Schwächen, wie immer die auch sein mögen. Gerade die
Menschlichkeit beinhaltet doch einen Lapsus oder meist mehrere.
Ist Euch das wirklich nicht zu bekloppt oder einfach öde? Fragt
doch mal Mao, was "Menschlichkeit" beinhaltet oder Neanda Thaler oder Georg
UU Busch oder Eure Nachbarn oder Güntha Jauch oder Achim oder die
UNO oder die Stasi oder Euer Sozialkundebuch oder das Grundgesetz oder
Kollateralgeschädigte oder Adolf Schinkenhuber oder Iks Beliebig.
Nein, Ihr fragt Euch. (Ohne den leisesten Ansatz der Frage, woher
Ihr's haben könntet!) Und Ihr wißt bescheid! Ihr seid die ersten,
die den Begriff mit allmächtiger Wahrheit gefüllt haben! Glückwunsch!
Aber Vorsicht: alle anderen (Schüler!) könnten anders handeln!
Also feste, feste...
Nur - mir ist das nichts als leeres Stroh dreschen. Verzeiht mir
diesen LAPSUS!
Götter mögen vielleicht perfekt sein, aber oft auch grausam
und mitleidslos. So auch die Götter des beschworenen Walhalla.
Ja, da kann ich nicht so mitreden. Ich glaube nicht. Weder an Götter,
noch an Mitleid, noch an Buntsamkeit, noch an Schwüre, noch an Wale,
noch an Lalla, noch an Perfekt-Motorradhelme.
Bei allen Prinzipien, so gut sie auch angedacht sein sollten, darf
doch nicht vergessen werden, dass wir alle Menschen sind, ob wir nun Bratwurst
essen oder nicht.
Ob
wir nun Fünfen schreiben oder nicht. Ob wir nun Bomben über Belgrad
ausklinken oder nicht. Opfer nun zum Zyklon-B-Duschen einladen oder nicht.
Ob wir nun dummes Volk von der Straße knüppeln oder nicht. Ob
wir nun Fleisch essen oder nicht. Ob wir nun Regenwälder abholzen
oder nicht. Opfer sterben oder nicht. Ob wir nun scheinheilig sind oder
ja.
Aber ich will Euch auch mal trösten: man kann nichts gut denken
oder andenken oder ausdenken. Aber was wäret Ihr ohne Prinzipien?
Ohje.
Und wenn wir zu dem stehen, was wir sind, sollten wir auch so handeln
- also menschlich.
Kann ja jeder sagen. Was seid Ihr denn? Kann ja jeder sagen.
Denn ohne Menschlichkeit ist alles andere ohne Wert.
Und ohne Werte. Und ohne Essen. Und ohne LAPSUS. Und ohne Demokratie.
Und ohne Schulen. Und ohne Ordnung. Und ohne Freiheit. Und ohne Informationen.
Und ohne Arbeit. Und ohne Hansi. Und ohne Ginger.
Und für mich ist jemand, der anderen seine Lebensweise aufzwingen
will, ein Spießbürger, ob es nun Bratwürste und Torten
oder Müsli und Möhren sind (wenn wir es der Einfachheit halber
beim Essen als Symbol lassen).
So was höre ich von staatsdienenden Lehrern immer besonders
gern! Aber sonst wären's ja auch keine Lehrer. Fraglos systemerhaltend
füllend des Spießers Wunderhorn: mit Müsli, fetten Turnschuhen,
geilen Torten, Castoren, Pastoren, Ähren und Möhren.
Aber Ihr wollt ja nicht. Ihr müßt einfach. Halb. Leben???
By the way: versucht's mal paar Wochen mit symbolischem Essen. Einfach
halb, ruckzuck!
Trotzdem habe ich dann Mitleid, so eine Einstellung zeugt immer von
tiefer Einsamkeit, Unzufriedenheit und Zerrissenheit.
Danke bestens! Aber leider Irrthum: Mich hat noch niemand (da laß
ich nicht mal Gott himself ran) eingestellt, ich bleibe glücklich
"abeitslos von Amp wegen". Geht Ihr öfter mal inne Werkstatt, die
Einstellungen zu korrigieren, regelmäßig TÜV-Check, TV-Abgleich?
Ihr hattet sicher auch ein paar Tränen für Joschka Fisher, was?
Der arme Kerl, ganz zerrissen, tief einsam und unbefriedigt damals ob des
Kriegzeugens auf dem Balkan. Denkt nur: ohne Alleinsein ist alles
nichts. Und Beten im Stillkämmerlein nicht vergessen, Mitleid macht
frei!
Schön finde ich aber trotz all der Kritik, dass Roland auch über
die Synchronisation lachen konnte und ich hoffe, herzhaft und befreiend
und nicht kaputt, (das wünsche ich ihm auf jeden Fall).
Hab' ich fein gemacht, gell? Komisch, daß niemand meine Kritik
schön findet. Das genau ist ja ein Punkt. Gut Winter miteinander,
in freyer Herz-Haft! Ich lache noch immer!
Liebe Grüße Ginger und Hans
Grüße Liebe Roland
"Denn Sicherheit jeglicher Art, nicht erst der Krieg, ist das den Frieden unter den Menschen am meisten bedrohende." Gerhard Weber "Ro Li B.
Es war ein harter, erbarmungsloser Kampf, den Frau Lehmann im Arbeitslosenverband "Dau wat – egal wat e.V." auszufechten hatte, aber sie stellte sich ihm mit der nötigen Kaltblütigkeit, denn sie wußte genau: Hier ging es um ihr Leben, und ihre Ehre – um ihr Glück, kurz: Es ging um Dietfried. Und wer es wagte, ihr dabei in die Quere zu kommen, hatte ganz einfach Pech gehabt.
Die blonde Moni zu vergraulen, war relativ einfach. Frau Lehmann lauerte dieser dummen Schnepfe spätabends auf dem Nachhauseweg auf und hielt sich die Taschenlampe unter das Gesicht, so daß sich Moni plötzlich einer gespenstisch erleuchteten, gräßlichen Fratze gegenübersah. Diese Fratze öffnete ihren blutrot geschminkten Schlund und dröhnte mit markerschütternder Grabesstimme: "Ich bin der Geist von Inge Fies. Wenn du dich noch einmal im Arbeitslosenverband blicken läßt, komme ich dich holen!" Laut kreischend lief Moni davon, und seitdem mied sie den Verband wie die Pest, was nur zu ihrem Besten war.
Der rothaarigen Isolde, diesem zähen Luder, war so nicht beizukommen, zumal sich zwischen ihr und Dietfried offensichtlich erste zarte Bande entwickelt hatten. Allzu auffällig lobte er Isoldes alberne Bastel- und Häkelarbeiten und legte ihr dabei manchmal sogar seine kräftigen Hände auf die Schultern. Dem mußte Einhalt geboten werden.
Frau Lehmann begann Isolde auf Schritt und Tritt zu observieren, und bald konnte sie Dietfried die knallharten Beweise dafür auf den Tisch legen, daß Isolde heimlich nachts in einer Bar jobte. Und tagsüber mimte sie dann die unschuldige Arbeitslose! Als Dietfried von dieser bodenlosen Infamie erfuhr, wurde Isolde sofort dem Arbeitsamt gemeldet und gnadenlos aus dem Verein ausgeschlossen, denn auch er war der festen Überzeugung: Wer arbeitet, und sei es auch nur stundenweise, hat im Arbeitslosenverein nichts zu suchen. Was tun – ja, aber arbeiten – nein!
Endlich war der Weg für Frau Lehmann frei. Wegen ihres engagierten Auftretens wurde sie von Dietfried bald probehalber als Sekretärin eingestellt, allerdings zunächst nur ehrenamtlich. Doch nachdem sie Dietfried gezeigt hatte, welche Möglichkeiten sich für ihn als Vorsitzenden auftaten, stieg sie bald zu seiner Stellvertreterin auf und hatte so endlich einen richtigen, gut bezahlten Job.
Die kleinen Schummeleien, die Dietfried vor Frau Lehmanns Zeiten unternommen hatte, wie das Beiseiteschaffen von Kaffeepulver (deshalb der dünne Kaffee), rührten Frau Lehmann ob ihrer Naivität zutiefst. Doch auf diese Weise konnte man auf keinen grünen Zweig kommen, das sah auch Dietfried bald ein. Und es war diesen arbeitslosen Frauen doch egal, ob sie ins Allgäu oder nach Polen fuhren – Hauptsache, sie konnten was einkaufen. Und in Polen war es doch viel billiger.
Quittungen ließen sich wunderbar fälschen, und die Frauen unterschrieben für ihren Dietfried einfach alles. Sie murrten auch nicht, wenn es zum Basteln nur noch abgebrannte Streichhölzer, Butterbrotpapier und Bierdeckel gab – die waren ja so genügsam! Selber schuld!
Bald war Dietfried von Frau Lehmanns Einfallsreichtum und ihrer messerscharfen Intelligenz so beeindruckt, daß er ihr einen Heiratsantrag machte. Es blieb ihm auch kaum etwas anderes übrig – sie hatte einfach zuviel gegen ihn in der Hand.
Frau Lehmann machte ihm klar, daß sich vor ihrer Hochzeit so einiges ändern mußte: Seine doch etwas heruntergekommen wirkende, verräucherte 2-Zimmer-Wohnung in der Altstadt war für ein Paar in ihrer Position nun wirklich nicht tragbar. Auch wenn Dietfried dafür seine Eltern anpumpen mußte: Ein schmuckes Einfamilienhaus am Rande der Stadt mußte her. Außerdem rechnete sie ihrem Zukünftigen haarklein vor, daß, wenn er auf seine Zigaretten und sein Bier sowie auf die niveaulose Skatrunde am Freitag abend verzichtete, sie sich sehr wohl einen geleasten BMW leisten konnten. Dietfried fuhr doch wahrhaftig noch mit einem hinterwäldlerischen Škoda (!), Baujahr ’85 (!!), herum!
Nach zähem Ringen durfte Dietfried immerhin seine alte Modelleisenbahn behalten. Im neuen Haus kam die eh in den Keller, wo sie keiner sah.
Im Sommer 2000, genauer am 7.7. um 7 Uhr, gaben sich Dietfried Schmidt und Frau Lehmann, die sich von nun an stolz Frau Schmidt nennen durfte, im engsten Kreis der Familie das Ja-Wort. Die stattliche Braut bezauberte in einem Traum aus rosa Rüschen, Schleifen und Bordüren, und zu den Klängen von Gilbert und Gilbert schworen sich Else und Dietfried ewige Treue.
Alles verlief wunderbar, bis sie das Rathaus verließen, und Dietfrieds Toupet von einem heftigen Windstoß in den Dreck gefegt wurde. Er stellte sich manchmal aber auch zu trottelig an! Das Toupet war beim besten Willen nicht mehr brauchbar, und es gab der frischgebackenen Frau Schmidt schon einen Stich, mit einem glatzköpfigen Mann Hochzeit zu feiern. Die gelben, vorstehenden Zähne waren doch nun wahrlich schlimm genug.
Als ihr Vater, der alte Saufkopp, sie nach dem Sektfrühstück auch noch vor allen Leuten mit "Schrubberelse" titulierte, und ihr ältester Bruder Bernd, der gerade erst wegen schwerer Körperverletzung im Knast gesessen hatte, mit Dietfrieds Onkel eine handfeste Schlägerei anzettelte, sank Frau Schmidts Stimmung bedrohlich. Gut, der Onkel nervte wirklich. Er bekam nie auch nur das Geringste mit und fragte dauernd "Was ist denn jetzt wieder?" Aber mußte ihn Bernd gleich so verdreschen, daß er notärztlicher Versorgung bedurfte? Innerlich schwor sie sich, ihre peinliche Sippe so selten wie möglich zu sich in das neue schnieke Häuschen einzuladen. Sie entsprach ganz einfach nicht dem Umfeld, in dem sich Frau Schmidt von nun an bewegte.
Frau Schmidt hatte viel zu hart für ihr Glück kämpfen müssen, um sich jetzt von diesem ungehobelten Pack alles verderben zu lassen. Verwandtschaft konnte man sich zwar nicht aussuchen, aber man konnte sie Gott sei Dank meiden.
Sechs Monate sind seit der Hochzeit vergangen. Frau Schmidt sitzt an einem kalten Winterabend in ihrem Arbeitszimmer am Schreibtisch und tippt an einer Geschichte, die garantiert ein Bestseller werden wird, denn es ist ihre eigene, ergreifende Lebensgeschichte mit all ihren Höhen und Tiefen, welche sie letztlich mit Bravour gemeistert hat. Selbst die Alpträume von einem sich bewegenden Laubhaufen, der in ihrer Geschichte so natürlich nicht vorkommt, werden immer seltener. Sie hat erreicht, was sie wollte: Sie hat ein Haus, ein Auto, einen Job und einen Mann. Na gut, Dietfried ist nicht der Supertyp, für den sie ihn gehalten hat. Die angeblichen Muskeln haben sich als Schulterpolster und die meerblauen Augen als Kontaktlinsen entpuppt, und ein Toupet hilft auch nichts mehr. Dietfried schnarcht, schlürft beim Essen, spuckt beim Sprechen, wäscht sich nach dem Toilettengang nie die Hände, und sein Schlurfen mit den Pantoffeln erinnert sie nur allzusehr an Horst. Doch welche Rose ist schon ohne Dornen? Außerdem ist ihr Ehevertrag wasserdicht. Und so kann sie mit Stolz auf das Erreichte die grandiosen Schlußworte ihrer Story schreiben, die da lauten:
Frau Meyer-Klarsen gerät nach der ABM-Stelle "Frau Meyer", die sie nur sechs Monate innehatte, da Horst ihre Tyrannei nicht länger ertragen konnte, in die Arbeitslosigkeit. Im Winter ’99/’00 taucht sie völlig verwahrlost im Arbeitslosenverband "Dau wat – egal wat e. V." auf, um einige ihrer Kleidungsstücke zu verkaufen. Frau Schmidt, damals noch Lehmann, gibt ihr den guten Rat, ihre gräßlichen Lumpen gefälligst in die Kleidertonne zu werfen und damit nicht anständige Menschen zu behelligen. Ob die Klarsen überhaupt einen Gewerbeschein habe. An ihrer Stelle würde sie bei dieser frappierenden Ähnlichkeit mit Inge Fies lieber hübsch artig im Obdachlosenheim bleiben. Frau Meyer-Klarsen zieht mit Tränen in den Augen ab.
Die fette Frau Schneider wird so fett, daß sie nicht mehr
hinter den Schreibtisch des Büros paßt und nach einer erfolglosen
Abmagerungskur entlassen werden muß.
Auf einer Parkbank wird sie eines Tages von zwei Pitbulls angegriffen
und übel zugerichtet. Seitdem hat sie Anspruch auf Rente und ist somit
sozial abgesichert.
Frau Hiller-Sasse macht sich mit dem Kosmetiksalon "Pink Fluid"
selbständig und wundert sich darüber, daß ihr Laden hauptsächlich
von langhaarigen Althippies frequentiert wird, die nach CD‘s und Videos
fragen und enttäuscht wieder gehen.
Nach einem Jahr muß sie den Konkurs anmelden und wird Sozialhilfeempfängerin.
Fräulein Thoms lernt während ihres Urlaubs in Costa Rica den 63-jährigen Zuckerrohrplantagenbesitzer José Rodriguez kennen. José ist klein, schwerhörig und nicht sehr ansehnlich. Außerdem spricht er kein Wort Deutsch. Aber Fräulein Thoms möchte um keinen Preis der Welt wieder ins Büro zurück und willigt schließlich in eine Hochzeit ein. Wegen eines Mißverständnisses hinsichtlich ihres Vornamens nennt man sie nach der Heirat überall Fräulein Rodriguez.
Dr. Klaus-Uwe Rötelmeyer muß nach der Sitzung mit der mutmaßlichen RAF-Terroristin Inge Fies in die geschlossene Abteilung der Psychiatrischen Klinik eingeliefert werden, die von Prof. Dr. Dr. Flach-Zange geleitet wird. Er leidet unter zunehmendem Verfolgungswahn – selbst seine Mutter hat für ihn plötzlich beängstigende Ähnlichkeit mit Inge Fies. Sogar der berühmte Professor kann ihm nicht helfen.
Der Mops von Frau Krüger fällt eines schlimmen Tages einem Chinesen zum Opfer, der seit drei Jahren in Deutschland ausharren mußte, bevor er sich endlich wieder sein Lieblingsessen kochen kann: "Mops Sui".
Im Frühjahr 2000 findet man im hiesigen Stadtpark die sterblichen Überreste eines etwa 50-jährigen Mannes, dessen Identität nie geklärt werden kann, da er anscheinend nie einen Zahnarzt besucht hat. Es gibt auch keine Vermißtenanzeige, die mit dem Leichenfund übereinstimmt.
Nach der ehemaligen RAF-Terroristen Inge Fies wird nach wie vor überall im Land fieberhaft gefahndet, bisher jedoch ohne den geringsten Erfolg.
Gilbert & Gilbert sind mit dem Titel "Du hast nichts gesagt" bis auf den heutigen Tag die Nr. 1 der "Heimatmelodien"-Hitparade.
Auf den
Asphaltfeldern grasen
Refrain:
Der Turm stürzt ein.
Der Turm stürzt ein.
Halleluja, der Turm stürzt ein.
Der Pepsodent von Ju-Es-Ah
ist ein cooler Loser seiner Macht.
Glänzend, doch schon rostzerfressen
fliegt er durch den Wilden Westen.
Ach, wo ist noch Platz für mich
oder ein Dach für dich?
Hörst du es flüstern im Land?
Old Shatterhand und Nietzsche tot,
im Kaufhof klaut Gott sein Brot.
Siehst du die Schrift an der Wand?
Refrain…
Risse in Beton und Stahl,
müde alles Material.
Hörst du das Flüstern im Land?
Jesus kommt trotz Pillenknick,
Goethe hat mit Faust gefickt.
Die Postbeamten tragen schwarz,
´ne Tonne Öl kost´ tausend Mark.
Siehst du die Chefs an der Wand?
Wie oft fahren wir gemütlich Bahn und betrachten die vorbeihuschende Kulturlandschaft mit wohlwollendem Verständnis, mindestens jedoch in einem milden Licht der Klar- und Reinheit. Und finden Balance. Um so größer die Bestürzung, die von unseren in dieser Jahreszeit eh schon schwächelnden Gemütern Besitz ergreift, wenn wir die Totalität des Unheils präsentiert bekommen, das gewaltbereite Barbaren über die wehrlose Landschaft gebreitet haben. Millionen ungeklärte Sinnfragen okkupieren die letzten freien Hirnkapazitäten. Man möchte am liebsten wegsehen, doch keineswegs abflauende Erschütterung und verkümmernde Reste von verantwortungsgefühl halten unsere Augen offen. Knallrote und später kohlrabenschwarze Ränder sind es, mit denen sie sich schmücken. Schwer nur sind die Tränen zu halten.
Was war geschehen? Um der Arbeitslosenstatistik vor den Wahlen noch einen entscheidenden Kick zu verpassen, hatte der weiland Arbeitsminister Blüm den Deckel von der ABM-Hölle gerissen. Ganze Armeen von ABM-Kräften, vor allem im Osten, wurden übers Land gestreut. Um eine erhöhte Binnennachfrage anzutäuschen, hängte man jedem eine von frisch gedrucktem Steuergeld gekaufte Kettensäge, Motorsense, ein paar Spitzhacken, Harken und Laubsauger um und ließ sie über bisher ansehnliche oder bisweilen gar liebliche Landstriche hereinbrechen. Zeugen übertreffen sich seither in plastischen Schilderungen der Verheerungen, internationale Beobachter ziehen Windhosen und die Einfälle der Hunnen oder kinderreicher Familien zum Vergleich heran.
In meterdicke Asbestjacken gehüllte Mittvierziger bis Mittfünfziger sägen ab, was abzusägen geht, schreddern, was zu schreddern geht. Bahndämmen rupfen sie das schützende Buschkleid roh vom Leib, Parks werden "ausgeästet" (kein Menschen- und Naturfreund erahnt auch nur, was sich hinter diesem Euphemismus verbergen kann), Straßenbegleitgrün wird unter aufmunternden Zurufen geschändet, der letzte zage Halm zerlatscht von bunten Gummistiefeln. Diabolisches Gelächter hallt wider aus den noch dampfenden Kahlschlägen. "Wir sind zu was nütze. Wir sind wieder wer!" blökt das ABM-Volk wie rasend in den herbstlichen Wind. Während Mutter Natur verzweifelt darüber sinniert, wie viele Erdzeitalter sie brauchen wird, um die gröbsten Schäden zu beheben. Zersägte und zerschredderte Landschaften, die niemals wieder blühen werden.
Wenn's draußen schifft, verkriechen sich die meisten in die überall herumlungernden Bauwagen, rauchen wie die Stadtsoldaten, stopfen Kuchen und Eisbein in sich hinein, knacken mit leeren Bierdosen, weiden die Abfalleimer nach halbverfaulten Bratwürsten ab und liegen auch sonst toxologisch voll daneben. Äußerlich erschreckend maskulin veranlagte Damen thematisieren öffentlich ihre Klimakteriumsbeschwerden oder machen uns mit unsittlichen Angeboten die Entscheidung für diverse Kapitalverbrechen leicht. Die stets alkoholisierten Männchen assoziieren frei über den Weltuntergang, den sie sogleich mit ihren Gerätschaftenauf die Sprünge zu helfen gewillt seien. Und niemand schreitet ein.
Verstehen Sie uns nicht falsch. Der ABM-Gedanke ist ein unmittelbar schlechter nicht. Doch Arbeit ist ein zweckmäßiger und bewußter Stoffwechselprozeß mit der Natur, können Sie überall nachlesen. Ro Li B.
Natürlich
hören sie beim Frühstückswurstbrot die Überschwemmungsnachrichten,
das dauert nur 5 Minuten - wasn Arbeitsplatz -, und morgen hier der Platzregen,
der 5 Stunden dauert, jetzt - erstmal - weiter mit dem Versiegeln: Straße,
Radweg, Rentnerweg, Hundeweg, Landeplatz, Parkplatz, Landepark, Hundepark,
Rentnerpark, Radpark, Straßenplatz.
Hallo, folgendes will ich seit langem schon schreiben: Der Zeitgeist
scheint doch mächtig gewaltig mit den Tassen im Schrank aufzuräumen.
Der lüttere Stein: "mit dem bunteren Aussehen ändern sich nicht
die Ziele" - haben schon viele behauptet! Alles so schon bunt hier, Mitmachen
ist erste Bürgerpflicht! Und wozu??? Erzähl mir keiner, daß
die Farbpanscherei, die Multichrombildschirme, die Grafikkarten, der ganze
Trödel dahinter nicht die Grundlast auf die Biosphäre erhöht!
Und mittlerweile allseits bekannt ist ja wohl, daß wir (auch wir
Herren und Damen Radler) bis 2050 unseren Stoff- und Energiedurchsatz auf
wenigstens 10% des heutigen Standes runterfahren müssen, um die allerschlimmsten
Auswirkungen unseres derzeitigen Seins auf die Biosphäre halbwegs
verhindern zu können oder wenigstens zu verzögern. Merkt man
irgendwas davon im Plattrad? Nö. Die große Klamotte: Da wird
noch zum Ausbau der Fahrradwege aufgerufen! Bodenversiegelung, Erdöl
aus Sibirien oder sonstwo, wo dafür ganze Landstriche verwüstet
werden, "Uns gehört die ganze Welt!" - na klar!, Schneller-Höher-Weiter!,
"effektive" Baumaschinen, Biotope zerschneiden, Landstriche erobern, Ausgleichpflanzungen,
dem Industriesystem hofieren bis zur Analliebkosung! Am besten noch zweispurig
(kommt noch!), mit Unfalltelefonen, Krötentunneln, Wildbrücken,
Leitplanken, ADFC-Rettungshubschraubern (natürlich "grüne Engel"!),
Raststätten usw. usf. - kommt alles noch, wird alles noch gefordert!
Jaja, die Touristen, für die schon seit tausenden Jahren das menschliche
Dasein hergerichtet werden muß und die "Vorteile für die Bevölkerung",
die sich nur im Zoo wohlfühlt, ich meine mit dem Eintrittsgeld, ich
meine überhaupt nur bunte Bilder und Geld. Und eine Beschilderung
natürlich (verschönert jedes Dorf!), daß wir immer wissen,
wo es lang geht und nicht mehr als Rückenmark oder maximal das Kleinhirn
benutzen müssen. Tja, was sind wir Radler doch für Gutmenschen
und was haben wir doch auch für edle Werbung im Plattrad!
Und sonst so?
Schulterklopfen. Die Aliens sind unter uns.
| Derselbe Trog, nur die Schweine wechseln.
Verkaufe meine Wahlstimmen meistbietend: Roland Gorsleben, Dorfstr. 19, 17121 Zarnekla |
Ich schickte sie ab und sie kam abgelehnt zurück: vom Blitz-Verlag
ohne Begründung, von der Ostsee-Zeitung (gehört dem Springer-Konzern)
wegen "grundsätzlicher Erwägungen", vom Nordkurier (Gruner&Jahr)
wegen "verlagsinternen Gründen". Ich rief dann bei der OZ, um näheres
über die Begründung zu erfahren, es blieb trotz 8-minütigen
Gesprächs aber bei dieser grundsätzlich schwammigen Aussage,
ich könne es ja ohne den Eröffnungsspruch nochmal probieren,
die Worte werden dann aber wohl trotzdem wieder gegen die "guten Sitten"
verstoßen, wenn der Text den zensierenden Gutachtern vorgelegt würde,
"so was hatten wir bisher auch noch nie" und "eine Zeitung muß nicht
jede Anzeige annehmen" und "auch bei den Sex-Anzeigen fliegt manchmal die
eine oder andere raus"... Die meiste Zeit war aber betretenes Schweigen
am anderen Ende der Leitung, obwohl ich den Anzeigenchef dran hatte. Nun
gut, es gibt ja noch das Neue Deutschland.
Aber auch da - retour ohne Begründung. Ich wollte es aber genauer
wissen, warum (denn die "Wahl" rückte näher), hakte nach und
bekam diese Antwort:
Sehr geehrter Herr Gorsleben,
Sie fragen nach einer Begründung für die Ablehnung Ihrer
Anzeige: "Derselbe Trog..." : In der Frankfurter Rundschau hatte ein Akademiker
seine Wahlstimmen für einen Arbeitsplatz angeboten. Daraufhin hat
die Staatsanwaltschaft seine Wohnung durchsucht. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft
kann der Verkauf einer Wählerstimme mit bis zu fünf Jahren Haft
bestraft werden. Davor wollten wir Sie bewahren!
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Friedrun Hardt
Anzeigenleiterin
Tel.: 030/29 39 06 41, Fax -640
f.hardt@nd-online.de
Habe ich es nötig, immer wieder gesagt zu kriegen, in was für
einem Land ich lebe? Das weiß ich doch bis zum Schluckreflex. Was
war die DDR doch jungfräulich gegen diese subtile Stacheldrahtzieherei
(vonwegen Honecker: "Wer sich bewegt, hat verloren"!): hier im gehorsamen
Osten funktioniert die Beschneidung schon von den Medien aus, ohne daß
die genau wissen, warum sie da was tun, im freien Westen druckt das natürlch
eine Zeitung (FR für den Akademiker), da greift aber dann das Gesetz,
Resultat dasselbe (ich meine, mein Schreibtisch sieht nach einer Hausdurchsuchung
auch nicht anders aus). Und wenn Wanzenspürgeräte nicht zu teuer
wären.
Werte Frau Holznagel!
Interessiert habe ich Ihr Portrait im Kreisanzeiger gelesen! Ich
finde es gut, daß auch Sie Interesse an den Wählern haben ("Renate
Holznagel ist für Sie da!")!
Eine Frage nun also (zu dem Kästchen unten links, Ziele Ihrer
künftigen Politik): Welches Land "hat es" denn "verdient, zum Schlußlicht
in Deutschland zu werden" (wenn nicht Mecklenburg-Vorpommern)?
(Ich meine Rheinland-Pfalz, eines der häßlichsten Länder
- aber ich glaube, Sie sind da mit der Bewertung einfach kompetenter, wissen
auch eher, wo der "Wille" nur fürs Schlußlicht reicht.)
Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen und verbleibe
mit freundlichen Grüßen - Roland Gorsleben, Zarnekla.
Hoppla, ich bekam Antwort!
renate.holznagel@freenet.de schrieb:
sehr geehrter Herr Gorsleben,vielen Dank für Ihre E-Mail und
Ihr Interesse.Sie haben natürlich Recht , kein Land hat es verdient
an letzter Stelle zu stehen ,aber um die Entäuschung deutlich zu machen
habe ich diese Ausdrucksweise gewählt.Für ein Gespräch stehe
ich gern zur Verfügung,wir sollten einen Termin vereinbaren(03999814834).viele
Grüsse R.Holznagel
Vielleicht stünde die gute Frauin ja auch für eine Brieffreundschaft zur Verfügung? Ich antwortete prompt:
Werte Frau Holznagel!
Ich hatte kaum an eine Antwort geglaubt! Haben Sie recht herzlichen Dank dafür!
Wir könnten uns sehr gern unterhalten, jedoch wurde ich vor kurzem am Kreuzband operiert, daß ich derzeit nur äußerst mühsam unterwegs bin und möglichst alle Wege vermeide. Am Telefon würde es leider zu teuer werden (bin arbeitslos...). Ich hoffe, es stört Sie nicht, wenn ich mir erlaube, auf diesem Wege noch einige Anregungen zu geben!
(Übrigens kennen wir uns zumindest vom Sehen, ich war vor einigen Jahren bei einer Verantstaltung mit Ihnen hier im Gemeindesaal in Zarnekla!)
Sie können es sich vielleicht gar nicht vorstellen, wie weh mir das tut, daß der Bundeswehrstandort Basepohl trotz unserer Lichterkette [7000 Läutchens gingen hier für "Standorterhaltung" eines Sonntages auf die Straße, vom Bürgermeister über alle Muschkurtens bis zu den Pfaffen, hielten sich an einem Seil vom Rathaus Stavenhagen bis zur Kaserne Basepohl und an Kerzen fest und sangen so schön.] geschlossen wird - denn ich habe dort 1980 bis 82 gedient und schon damals alles für unser Land gegeben! Sie betonen in Ihrer Wahlanzeige, "besonders die Auslandseinsätze haben gezeigt, wie leistungsfähig die Bundeswehr ist", ich hätte das schon damals brennend gern bewiesen, nicht nur in Polen, auch in der SPD-regierten BRD. Schade, daß es zu meiner Zeit im Ausland nichts wurde. Meine damaligen Vorgesetzten verstanden mich auch überhaupt nicht! (Das sind übrigens alles die selben alten Seilschaften! Vor einiger Zeit war ich an so einem Stand von der PDS aufgehalten worden, "Helm ab", "Frieden schaffen" und so, das gleiche Gerede wie früher!) Und was kann ich heute schon groß tun, ich wurde zwar als Strela-Schütze ausgezeichnet und bewahre auch die Schützenschnur noch an einem Ehrenplatz auf, aber als Reservist... (Ach wissen Sie, wie wohltuend das ist, mal einem Politiker das Herz ausschütten zu können?!) Vielleicht kommen unsere Jungs ja doch noch im Irak groß raus, was meinen Sie? Das wird doch da sonst nie was mit Demokratie und sozialistischer Marktwirtschaft!
Ich finde es gut, daß Sie "um jeden Arbeitsplatz, um jeden Investor im Landkreis Demmin kämpfen werden"! Kann man in Basepohl nicht ein etabliertes Rüstungsunternehmen ansiedeln? Es wird doch in Zukunft (und mit der CDU!) notwendig sein, die Bundeswehr mit allem bestens zu versorgen, Munition, Euro-Fighter, was weiß ich, Schuhe, AK 47, Messer... Vielleicht sogar russisch-deutsche Joint-Ventures? Die Gebäude sind da, die Verbindungen nach Rußland sind da, Testgelände ist da, die Arbeitskräfte, "die sich lohnen", auch!
Einen Punkt möchte ich noch berühren: Ihre Erfahrung, daß "ganz besonders die Kinder unseren Willand mögen" [ein Maskottchen, abstrakter Storch, Wille + Land...]. Mir fiel da gleich ein, daß ein Wahlrecht für Kinder gar nicht so schlecht wäre. Der Wahlkampf würde viel unmittelbarer Früchte tragen: Springburgen, Coca-Cola, Fähnchen. Obwohl mein Ältester sich von der Wahlseite nur Ihr Foto vor dem Panzer angeschaut hat. Aber auch Jugendliche könnte man ja mit abgewandelten Maskottchen erreichen: z.B. Panzer Leopohl (Leo für Leopard, pohl für Basepohl!). Naja, ich hätte da noch viele Ideen!
Nun, ich schließe hier, ich hoffe, Sie haben trotz der heißen Wahlkampf-Phase wieder etwas Zeit für eine Antwort und grüße Sie herzlich - Roland Gorsleben, Zarnekla
P.S. Unsere "mutlose Landesregierung" hat wirklich "nichts ins Land geholt", gerademal das Hochwasser! ;-)
P.P.S. Zu Ihrer Antwort oben noch, ich meine, aus christlicher Ethik heraus könnte ich nicht sagen, es soll keine Schlußlichter geben, wenn ich gleichzeitig Spitzenplätze einräume - oder?
Schade, nun folgte nur noch das große komische Rauschen. Und für
die Eule noch zu mager. Und für ne Hausdurchsuchung auch. Und an alle
verfügbaren CDU-Adressen (Bonn, Berlin, Greifswald, Wolgast, Lötz...)
schickte ich ("Empfänger zahlt!") die Wahlkampfbriefpostwurfsendungen
zurück und nur Lötz nahm's nicht an und wenn er nicht gestorben
ist, so geht der Brief noch bis zur nächsten "Wahl" hin und her und
hin und her...
Roland
Dieser Mißstand soll nun beseitigt werden: Der Staat muss seine Gesellschaft effektiver unter Aufsicht nehmen und dafür sorgen, dass er alleweil weiß, was die Leute in seinem Herrschaftsbereich treiben. Die Freiheit des Bürgers und ihre Unterabteilungen - Privatsphäre, Datenschutz, Bankgeheimnis, rechtsstaatliche Prozeduren bei der Verbrechensbekämpfung und beschränkte Polizeibefugnisse - alles das gilt jetzt als Sicherheitsrisiko, das sich Deutschland angesichts der Bedrohung nicht mehr leisten darf.
Eine schöne Auskunft wird da über die liberale Ordnung gegeben: Freiräume werden nur gewährt, wenn der Staat unangefochten herrscht und niemand widerstrebt. Alles andere ist Mißbrauch der Freiheit. Wo der vermutet oder entdeckt wird, geht die Macht des Staates, der die Freiheit schützt, vor und die Freiheit der Bürger wird beschränkt.
Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit: Die Darstellung der Freiheitsrechte als schöner, aber gefährlicher Luxus unterschlägt, dass sie eben kein Luxus und auch kein Verzicht auf Indienstnahme des Bürgers für Staat und Wirtschaft sind, sondern vielmehr deren bürgerliche Grundform. Der freie Bürger darf und muss sich selbst um seinen Gelderwerb kümmern - und kann gar nicht umhin, sich dabei fürs Kapitalwachstum und für den Fiskus nützlich zu machen. Diese Freiheit wird auch nicht abgeschafft, sondern durch ihre Einschränkung geschützt. Der Konflikt zwischen Freiheit und Ordnung, zwischen dem Imperativ zum freien Konkurrieren und der hoheitlichen Aufsicht über das Tun und Lassen der Freien gehört zum Betrieb und ist deshalb auch älter als die neuen Initiativen zur Terroristenbekämpfung. Einige ‚neue‘ Verschärfungen hatte Innenminister Schily schon vor den Anschlägen in der Schublade; ihm fehlte zu ihrer Durchsetzung nur die parlamentarische Mehrheit.
Jetzt werden sie unter dem Beifall der Deutschen beschlossen, die vor
15 Jahren ihrer Regierung wegen einer Volkszählung einmal das Schlimmste
zugetraut hatten: Mißtrauen gegen die Bürger, Schnüffelstaat,
Gesinnungsprüfung, Repression. Heute zielt die verschärfte Aufsicht
aufs Aufstöbern islamistischer Geheimbünde - und da sehen sich
die Deutschen nicht betroffen. Wenn es darum geht, dass verdächtige
Ausländer geschnappt werden, lassen sich die Deutschen gerne durchleuchten.
Sie merken, dass sie den Schutz ihrer Daten und ihrer Privatsphäre
vor dem Staat gar nicht brauchen: Wer keinen Dreck am Stecken hat, muss
sich nicht fürchten, ein "gläserner Bürger" zu sein. Mehr
im www.Gegenstandpunkt.com.
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