OVER Nr. 34


LOVER Nr. 34

(erschien 11/2002)

Auszüge:

[Basar] - [Ditorial] - [Ich tat es] - [Sprüche] - [Indien-Story] - [Forum] - [Per Anhalter] - [nur der mohn] - [Tagträume] - [Wildbach] - [Suchbild] - [Amerika’s Army] - [Befreiungstraum] - [Heil] - [Ach großer Baal] - [Kill] - [Re@ctor] - [Frau Lehmann] - [Der Turm stürzt ein] - [Landschaften] - [Heimatkunde] - [Vorrang für die Stasi] - [Online-Extra: Wenn sich alles ums Kind dreht von Jean Liedloff, Ro Li]

LOver 34

BASAR

BIETE SUCHE

ÐI†¤®I@£

Diese denkwürdige Nummer des LOvers wird für die meisten die letzte sein, die auf Papier von mir bei euch eintrifft. Zukünftig wird der LOver nur im Internet zu finden sein. In welcher Form, steht noch nicht ganz fest. Ich versuche, eine ansprechende PDF-Variante in gewohnter Aufmachung und druckgeeignet hinzukriegen, vielleicht reicht’s aber nur zu einer HTML-Version. Angesichts der Relation von Kopieraufwand und Reaktionen bleibt nichts einleuchtenderes übrig. Inhaltlich wird es möglichst keinen Bruch geben. Nach wie vor sind alle Leser aufgefordert, das nächste Heft mitzugestalten. Nach wie vor werden die Aktivitäten rund um LAPSUS e.V. hier ihren ‚publizistischen‘ Platz haben - samt eventueller LAPSUS LIVE-Programme etc.. Das im Ditorial des LOvers 33 versprochene Programm von 2002 haben einige vielleicht vermisst. Ich hatte es schlichtweg vergessen... Der Aufruf zum Ideenwettbewerb für LAPSUS LIVE 2003 ist den meisten schon per E-Mail zugegangen. Erste Reaktionen findet ihr im Re¤Act¤Or.
Hauptgrund für die Papierausgabe sind übrigens Teil 3 der Indienstory Davids und der Schlussteil von Frau ?. Die sollten wenigstens noch komplett bei euch landen. V.
 
 
Dave Matthews Band 

I Did It

I'm mixing up a bunch of magic stuff
A magic mushroom cloud of care
A potion that will rock the boat will rock
Make a bomb of love and blow it up

I did it
Do you think I've gone too far
I did it
Guilty as charged
I did it
It was me right or wrong
I did it
Yeah

I never did a single thing that did a single thing to
Change the ugly ways of the world
I didn't know it felt so right inside
I didn't know it at all
Open up the curtains I heard sirens there
the lights flash and crawl
I did it justice I just did it for the buzz

It's a nickel or a dime for what I've done
The truth is that I don't really care
For such a lovely crime I'll do the time
You better lock me up I'll do it again

Refr. (I did it ...  for the buzz)

All you people are the skewers of our dreams
Like the cat collared me
Oh what I gotta say to you got love don't
Turn it down
Turn it loud
Let it build
We got a long way to go
But you gotta start somewhere
Go door to door spread the love you got
You got the love
You get what you want
Does it matter where you get it from
I for one
Don't turn my cheek for anyone
Unturn your cheek to give your love
Love to grow

Dave Matthews Band 

Ich tat es

Ich mix‘ mir einen Haufen Zauberstoff
Eine Pilzzauberwolke der Obhut
Einen Zaubertrank, der das Schiff zum Schaukeln bringt
Mache eine Bombe der Liebe und jage sie in die Luft

Ich tat es
Denkst du, ich bin zu weit gegangen
Ich tat es
Schuldig laut Anklage
Ich tat es
Ich war es - richtig oder falsch
Ich tat es
Jaaa

Ich tat nie einen Deut, das einen Deut dazu beitrug 
Die hässlichen Läufe dieser Welt zu ändern
Ich wusste nicht, dass es sich innerlich so gut anfühlte
Ich wusste es wirklich nicht
Öffne die Vorhänge, höre Sirenen dort,
die Lichter blitzen auf und kriechen
Ich tat es mit und für die Begeisterung

Kostet einen Pfennig oder einen Groschen, was ich tat
Die Wahrheit ist, es ist mir gleich
Für so einen lieblichen Frevel sitz ich die Zeit ab
Sie sperren mir besser ein, ich tu’s noch mal.

Refr. (Ich tat es ...  für die Begeisterung)

All ihr Leute seid die Schrauber unserer Träume
Wie die Katze nach mir schnappte
Oh was ich euch sagen will, habt Liebe,
Würge sie nicht ab
Drehe sie auf
Lasst es entstehen
Wir haben einen langen Weg zu gehen
Aber ihr müsst irgendwo anfangen
Geh von Tür zu Tür und verteile deine Liebe
Du hast die Liebe
Du bekommst, was du willst
Macht es was, wo du sie her hast
Ich für meinen Teil
Halt meine Wange niemandem hin
Halte deine Wange, deine Liebe zu geben
Liebe wachsen zu lassen

LOver Sprüche

Latent
Mein Reich
Doch nicht verloren
Patent
Sogleich
Was neugeboren

Wenn das Herz schon nicht fliegen darf,
sollen wenigstens die Trommelfelle flattern.

Roland

Indien-Story

Schluss (Links zur Indien-Story Teil 1, Teil 2)

(B) Reisefragmente (Fortsetzung)

19.07. Fähre "Swaraj Dweep"

Das Schiff ist schon ein Mordsinstrument und diese Welt der Mechanik-Maschine schiebt sich durch die viel größere der Wasserwüste. Nur das Mondlicht sorgt dafür, daß man Himmel und Meer unterscheiden kann, denn in der Nacht löst sich die Linie des Horizontes auf, wahrscheinlich springt sie vertikal durch die Gegend solange wir von nichts ahnen. Und so gleiten wir durch den schwarzen Raum - was ist fest und was ist flüssig - und verteilen großzügig Wellen, die unermüdlich weiße Breschen in das grünblaue Wassergeflecht schlagen.
Blau und rund sieht die Welt nicht nur aus dem Weltall, sondern auch durch das Bullauge betrachtet aus.

21.07. Fähre "Swaraj Dweep"

Ich sitze draußen auf dem Deck, schaue auf die Wasseroberfläche, die wie ein Bildschirm unaufhörlich neue Formationen zeigt, immer ist sie in Bewegung, mit Licht und Schatten darauf, je nach Sonneneinfall ändert sich die Farbe. Von schmutzig-grau, tintig, über dunkelblau, marineblau, hellblau zu türkis und lagunengrün; die weißen Schaumkronen leuchten weit und rollen kreuz und quer soweit das Auge reicht.
Ich gehe vor zum Bug, unter mir spritzen mit gewaltigem Klatschen die Brecher hoch, wenn die Welle gut kommt schaffen sie es bis zu fünf Meter hoch und dann bläst mir der Wind salzige Tropfen ins Gesicht und in dem davoneilenden Nebelwirbeln bildet sich für Sekunden ein Regenbogen. Dann geht die Sonne unter und die Hypnosekreisel verwandeln sich in undifferenzierbare Brühe im Mix mit der Nacht, in die heute kein Mond glitzernde Reflexionen setzt.

23.07. Madras

Madras, oder Chennai wie es neuerdings heißt, ist eine dreckige und arme Stadt. Überall wo Platz ist, drängen sich armselige behelfsmäßige Hütten an den Straßenrand, in Gassen, an Kloaken, am Strand. Aber alles ist überaus farbenfroh. Selbst verhutzelte Omis, zahnlos und mit dicken Hornbrillen, mit dunkelbrauner faltiger Haut und grauem Haar wackeln in quietschbunten Saris und Blusen durch die Gegend, Ohr- und Nasenringe blitzen aus ihren Gesichtern. Vor so gut wie jedem Haus findet man mit Kreidepulver gezogene mandala-ähnliche Glückssymbole, von denen keines dem anderen gleicht, wie bei Schneeflocken.
Augenscheinlich leidet die Stadtwüste an Wassermangel: In einer Straße steht ein Tanklaster um den sich Menschentrauben mit großen bunten Plastikeimern und -kanistern drängen.
Wir finden die St.Thomas-Kathedrale, wo sich angeblich die Gebeine des Christusapostel befinden. Ihn, den Urvater aller christlichen Missionare, soll es um das Jahr 50 in diese Gegend verschlagen haben. Irgendwie gefallen mir die indischen Kirchen, deren Heiligenfiguren alle einen indischen, bunten und belebten Einschlag haben; auch die Menschen scheinen lebendiger in ihrem Glauben, unschuldiger irgendwie, nicht so durchsetzt vom scheinheiligen Sonntagschristentum des Westens. Gleich hinter der äußerlich schmucklos und renoviert aussehenden Kirche beginnt der breite Strand, Marina Beach, angeblich der zweitlängste der Welt nach Miami Beach. Er ist sagenhaft schmutzig, stinkend und heiß. Überall stehen Slumhütten vor denen Frauen Wäsche waschen und Heerscharen von Kindern springen rum, spielen Cricket oder fahren auch mal akrobatisch zu viert auf einem Fahrrad, betteln oder wollen für ein Foto posieren. Ein Mangel an Fotomodellen herrscht garantiert nicht, die Kids sind wild aufs Knipsen.
Indien ist eine Freakshow, ein Panoptikum, ein Zirkus, in dem die traurigen Clowns echt sind und die einarmigen Banditen lebendig, während die schönen Tänzerinnen auf bunt behängten Elefanten vorüberfliegen. Wir lachen den Artisten und Exzentrikern zu und applaudieren begeistert; für die Trolle und Zwerge haben wir noch etwas Mitleid und höchstens ein paar Münzen übrig. Uns hat man als Besucher dressiert und es wird erwartet, daß wir uns dementsprechend aufführen.
Also Vorhang auf für immer noch eine Show.
(Wie Würmer liegen wir in den Eingeweiden des Zuges, der sich mit blinden Augen durch die Landschaft frißt, immer dem Geruch des Metalles folgend - kalter Stahl macht ihn rasend, Finsternis im Tank.)

Besuch in einem durchschnittlichen indischen Lokal:

1. Der Gast betritt das Lokal, von zehn anwesenden Kellnern scheinen sich höchstens zwei zu bewegen, der Rest steht wie Statisten ohne Rolle in der Gegend rum und glotzt.

2. Man setzt sich. Ein Stromausfall würde erklären, warum der Ventilator nicht funktioniert. Gut würde sich auch Hindi-Musik oder ein laufender Fernseher machen. Der Blick wandert über die betelnußsaftgesprenkelten Wände, kurz wird die sich munter tummelnde Insektenpopulation taxiert.
In der Ecke steht ein fetter schnauzbärtiger Koch in einem schmierigen hochgezogenen Unterhemd und lungi und krault sich die Wampe und/oder den Sack.

3. Gut, Menükarten sind vorhanden, teilweise sogar ins Englische übersetzt. Der Kellner steht seit fünf Minuten am Tisch und erwartet ungeduldig die Bestellung. Das Gewünschte gibt es natürlich nicht, der Kellner versteht leider kein Wort Englisch und stammelt nur "Dosa" und "Idli". Man entscheidet sich notgedrungen für eins der beiden Gerichte. Statt dem bestellten Tee kommt Kaffee.
Oder man verlangt zum Beispiel "Tomato Uttapam" (eine Art herzhafter Eierkuchen); doch der Kellner bedauert: den gibt es erst zum Abendmenü, nicht aber nachmittags, freundlicherweise weist er darauf hin, daß "Uttapam", also das gleiche Gericht bloß ohne Tomaten, ohne Weiteres verfügbar ist.

4. Es wird serviert. Ein Teil der Bestellung wird vergessen, man hilft dem Gedächtnis des Kellners auf die Sprünge. Es ist nicht einfach, Besteck zu ergattern. Während des Essens starren einem die herumstehenden Kellner auf den Teller und rotzen dabei penetrant und geräuschvoll in die Ecke. Die obligatorische Wasserkanne wird gebracht, doch schwimmt leider der halbe Tisch davon, da solche Kannen beim schwungvollen Aufstellen immer überschwappen. Ein Junge fängt an, dem Gast mit einem Besen um die Beine herumzufuchteln, er könnte auch ein aggressives Putzmittel auf dem Boden rund um den Tisch verschmieren.

5. Man ist noch nicht fertig, da wird einem der Teller unter der Gabel weggezogen, die halbleeren Getränke abgeräumt, die Rechnung hingeknallt und der Tisch abgewischt, das heißt, es wird mit einem schmierigen Putzlappen ein paar Mal lustlos darüber gefahren, wobei man seine eventuell auf dem Tisch befindlichen Sachen schnellstens in Sicherheit bringen sollte.
Sollte man es wagen, noch ein Buch oder eine Zeitung hervorzuziehen, wird man darauf hingewiesen, daß das nicht erwünscht sei.

6. Zeit zu gehen. Natürlich nachdem man sich noch wegen offensichtlicher Unstimmigkeiten in der Rechnung mit den Kellnern herumgestritten hat; die Inder neigen bei Addition leicht zur Übertreibung.

24.07. Bangalore

Wir verbringen den ganzen Tag an der MG Road, der pulsierenden Shopping-Meile Bangalores. Hier gibt es jede Menge Bars, Einkaufszentren und Supermärkte, Computerspielhallen und Fast-Food-Läden, jeden westlichen Schnickschnack, "Markenwaren" und dergleichen. Die Inder tragen dynamisch-sportlichen Dress, Inderinnen tragen Hosen und Blusen, Handy und Sonnenbrille sind Pflicht.
Die westliche Konsummaschinerie hat in Bangalore eine Festung gefunden, einen Vorposten im "rückständigen abergläubischen Hinterland" Asiens, es wird produziert, konsumiert und programmiert, längst sind alle von der seligmachenden Doktrin der Moderne erfaßt. Es geht internetmäßig ab. Zu viele Inder übernehmen die Patentlösungen des Westens, ohne die Konsequenzen zu bedenken, treten blind in die gleichen alten Fußstapfen, Fettnäpfchen und Fallen.
Die Konsumtempel und Shoppingmalls, nach amerikanischem Vorbild errichtet, sind für mich ein vertrauter und befremdender Anblick zugleich. Vertraut für Europa/Amerika, befremdend für Indien, gerade wenn man andere indische Städte oder gar Dörfer gesehen hat oder eben von der "anderen Welt" der Andamanen kommt. Selbst das Klima ist in Bangalore westlich, das heißt gemäßigt. Die Straßen sind breit und sauber, die Bettler (jedenfalls im Zentrum) weniger.....

26.07. Hampi

Die Zugfahrt war ziemlich unruhig und vor allem kalt, denn die Ventilatoren liefen stur volle Pulle und schufen mit den gemäßigteren Temperaturen des Dekkan-Hochlandes ein eher kühles Klima, was mir einen Zug im Zug einbringt, nun rotze ich wie ein undichtes Ventil.
Aber Hampi macht den allerbesten Eindruck auf mich. Erstmal wäre da die Landschaft: Die Gegend ist ziemlich flach, nur von ein paar Hügeln gewellt, die allesamt mit riesigen ockerbraunen Felsbrocken bestreuselt sind, so etwa wie gigantische steinerne Kaninchenkacke oder Sandkörner aus Amöbenperspektive; dazwischen wuchern Büschel von Grün, ein paar Sträucher, Palmenhaine, Bananenplantagen. In diese Felsbrockenlandschaft eingebettet liegen verstreut hunderte von Tempeln bzw. deren Ruinen, Paläste, Ställe, Brücken usw., alles Überbleibsel jener glorreichen Zeit als Hampi einmal Hauptstadt eines großen südindischen Reiches war, welches später von den muslimischen Mogul-Kaisern aus dem Norden überrannt wurde. Daher also die Ruinen.
Heutzutage ist Hampi ein kleiner Furz in der Landschaft, ein Dorf, das man nach einer Stunde Fahrt über Holperstrecken vom nächstgrößeren Städtchen an der Bahnlinie her erreicht. Das Gebiet ist eher ländlich, das heißt es gibt wenige schmale Straßen, in Hampi-City selbst fahren keine Autos, was sich wiederrum positiv auf den Lärmpegel auswirkt. Vogelgezwitscher, Hundegebell und Kindergeschrei sowie gelegentliche Muh-Laute rangieren weit vor Mopedgeknatter. Überragt wird das Örtchen von einem großen kuhgehörnten Shiva-Tempel, der auf ockergelber Erde thront.

27.07. Hampi

Zur Dämmerung sind wir ein Stück die alte Prozessionsstraße runtergelatscht, mit dem großen Shiva-Tempel im Rücken. Die Ruinen sehen wirklich pittoresk aus, die untergehende Sonne wirft ein lila Licht auf die Szene und gestaltet sie noch unwirklicher, macht einen in der Ahnung noch ungewisser: Ist es Griechenland oder Ägypten oder die Sächsische Schweiz ? Derlei Assoziationen befallen uns jedenfalls beim Anblick der großartigen friedlichen Landschaft voller Säulentempel, Steinbrocken und Palmen ....
Man bekommt jede Menge Steine und Tempelruinen zu Gesicht und manchmal läßt sich das auch schwer auseinanderhalten. Die Sonne sirrt, Affen springen herum und Hunde knurren. Der Ort macht schon einen grandiosen Eindruck. Palmen rascheln, mir läuft der Rotz und jeder zweite möchte von mir fotografiert werden. Es sind meist die Kiddies oder "normale" Inder, die überall freudig posieren und ganz enttäuscht sind, wenn man mal ablehnt; aber schließlich will ich nicht unbedingt eine Volksstudie durchführen.

2.08. Panaji/Goa

Nun sind wir in Goa angekommen, Land der schlaflosen Nächte, der katholischen Kirchen, des Alkohols und der Parties. Die Altstadt von Goa-City (von den Portugiesen um 1510 gegründet) ist voller kleiner portugiesisch anmutender Häuschen im mediterranen Stil. Goa ist nicht typisch indisch, eher ein Mix aus Mittelmeer-Flair und tropischem Indien, der durch den "wahren Glauben" verbunden ist. Alles scheint erzkatholisch: Überall Kreuze, Kapellen und Plastikjesusanhänger. Überall Bars und Alk-Shops (in Indien sonst eigentlich ein recht seltener Anblick). Davon hatten die gierigen weißen Männer aus dem Westen genügend zu verteilen: Rechter Glaube und Alkohol.

4.08. Colva/Goa

Goa scheint gänzlich aus Palmen, Meer, Fisch, Reis, Kirchen und Kreuzen zu bestehen. Die Frauen sehen mit ihren Röcken und blumenbedruckten Blusen irgendwie katholisch aus. Einige Szenen könnten sich durchaus genauso in Lateinamerika abspielen. Aber nein, es ist Goa, Indien, und wir fahren an den Strand. Colva wirkt wie ein verschlafenes Fischerdorf, das vom Tourismus unsanft geweckt wurde. Am Strand und in den Seitenstraßen sieht es tropisch-gemütlich, sprich: nach Siesta aus. Palmen und Sand, blauer Himmel, das Meer voller Wellen; es riecht nach Fisch, was kein Wunder ist, da er überall auf Planen zum Trocknen ausliegt. Gierige kläffende Köter streichen herum, alle möglichen Promenadenmischungen, mehr oder weniger verlaust. Sobald wir durch die Straßen kommen erwachen sie vom Dösen im Schatten, rollen sich auf die Beine und bellen wie blöde. Fängt einer an, stimmen binnen kürzester Zeit alle Köter der Nachbarschaft mit ein, man geht durch ein Spalier von nervigen Krachquellen; die Sonne platzt unerbittlich und die Viecher knurren.
Jedenfalls sehen wir auf unserem Erkundungsgang die verdorbene Seite Colvas. Die breite Hauptstraße führt bis runter zum Strand, gesäumt von Ständen und Läden für Touristenhorden aller Mannschaftsstärken; davor lauern Händler auf helle Haut oder reiche Inder um allen möglichen Kram zu verhökern. Betonhotelzentren und "Beach-Ressorts" gibt es in großer Auswahl, ebenso Restaurants und Kneipen, in denen westliche Chartsmusik läuft. Es kommt mir so vor, als ob sie überall in Indien dieselbe Hitparaden-Dancefloor-Kassette abspielen. Einige Inder scheinen tatsächlich zu denken, sie würden uns damit einen Gefallen tun und uns anlocken... Ein Hauch von Mallorca-Kultur.
Die Inder haben einen unverwechselbaren Hang zum Kitsch, der sich natürlich besonders in der Religion niederschlägt. Das Christentum der Goaner ist durchsetzt von bunten Plastikheiligen, Maria-Bildnissen und Amulett-Kreuzen in Frontscheiben aller Vehikel, Jesussen auf T-Shirts und Wänden, Kruzifix-Anhängern in allen Farben. Manche Kapellen, die mit langen blinkenden Lichterketten blau, rot und grün geschmückt sind, sehen wie zur Grillparty hergerichtet aus. Und sonntags dringen fromme Choräle aus den kühl-muffigen Kirchenhallen in die stille Hitze unter den Palmen.

5.08. Colva/Goa

Auf dem Rückweg vom windzerzausten, breitgeleckten Strand von Palolem (er ist wie eine kleine Wüste, dort könnte man einen halluzinierenden Morrison treffen) schüsseln wir durch zartgrüne Reisfelder und endlose Reihen von Palmenhainen. Wenn man mit der Enfield unterwegs ist, spürt man die Strecke viel direkter als mit Bus oder Bahn, die Fahrt wird intensiver und man bekommt gleichzeitig einen komprimierten Eindruck von der Gegend.
Seltsame Gestalten wandern am Straßenrand entlang, zwei Typen tragen auf ihren Köpfen Körbe mit grellen Plastikblumen, ein weiterer eine mordsmäßige Garbe Heu, so daß er aussieht wie eine winzige Ameise unter einem Blatt. Eine füllige Dame im rosa Sari schleift ein Bündel Palmenblätter hinter sich her, das sie sich locker unter den Arm geklemmt hat, während sie in der freien Hand eine Kokosnuß an einem Strick trägt. Ein Trupp Straßenarbeiter hat Feierabend: Ausgezehrte Gestalten traben hintereinander mit ihren Schaufeln über der Schulter wie eine Prozession verschworener Totengräber. Im nächsten Dorf steht ein hackevoller Kerl auf der Straße und stiert mit glasigem Blick irgendwohin in die zunehmende Dunkelheit, wirre Worte an fiktive Gesprächspartner oder Gott persönlich murmelnd. Der Himmel orgelt jetzt ein komplettes Feuerwerk herunter, ein tief rotes Glühen wütet über den Palmen, auf der einen Seite geht es über einem Hügel in Bengal-Grün, auf der anderen in ein kräftiges Blau über. Der Himmel plantscht in der Farbpalette wie ein besoffener Kitschpostkartenmaler. Wir knattern und wummern weiter. Doch die Dämmerung legt fast augenblicklich einen Minengürtel aus Insekten aus, die Käfer und Motten hageln auf uns ein wie Hartgummigeschosse, sie ziehen leuchtende Kometenspuren im Scheinwerferlicht bevor sie einschlagen. Eine Orientierungsfahrt durch die anonyme Nacht führt uns kreuz und quer durch Margao, eine portugiesische Kolonialperle. Überirdisch erstrahlt die große Fassade der alten Kirche, Kreuze aus Glühlampen verkünden die frohe Botschaft, preisen den Erlöser und die Mutter Gottes. Wer behauptet, die katholische Kirche sei am Ende? In den Goanern hat sie jedenfalls begeisterte Verteidiger des wahren Glaubens gefunden und nicht zuletzt ist es diese Kirchenpräsenz, zusammen mit Fetzen von Portugiesisch in den Straßennamen und den in Rock und Kleidern bzw. Bügelfaltenhose gekleideten braungebrannten Menschen, die mich stark an Kuba erinnert, zumindest stelle ich es mir dort so vor. Die Finsternis bleibt undurchdringlich, wir fahren noch ein paar mal im Kreis, passieren einen Typ der in dicke Schichten zerfranster Plastikplanen eingepackt ist und wie ein bizarres Flattergespenst aussieht (keine Ahnung was für eine tragische Geschichte er symbolisiert); wir erschrecken einen Hund (rein exemplarisch, aber Rache ist süß) und überlegen (durch zu viele Kruzifixe angestachelt), ob wir einen bunt leuchtenden Hindu-Tempel in einem Kamikaze-Akt rammen (gebt den Heiden Saures!), entscheiden uns dann aber doch anders und fahren was essen.

19.08. Bombay (Mumbai)

Mond über Collaba

Leg dich ruhig auf die Straße wo die Katze thront wie die Sphinx, die ihre Frage im Rinnstein verloren hat, dafür frißt sie jetzt Rupees aus der Hand, schmackhafte kleine Brocken, jeder tut halt was er kann, wer sorgt sich schon um den Nährwert von Plastiktüten, solange sie nicht unter die Räder kommen, nein nicht unter die Räder! Da klebt nämlich Scheiße darunter, frische Spuren immer neuer Opfer, das Maul bleibt offen und die Schienen führen direkt hinein, da gibt es nicht mehr viel zu zermalmen, die Freiwilligen-Armee wird eher größer als kleiner und ohnmächtiger als stärker, es existiert natürlich durchaus die Möglichkeit, abzuspringen und sich dem Hofe zuzuwenden, dem Hof der blechernen Paläste, klimper klimper, da wird`s eng, aber bestimmt niemand alt, wenigstens diese Neotenie scheint halbwegs gesund, wie erbärmlich und angeschlagen sie auch ist, ihr müßt ja nur mal das Prinzip erkennen! schreien die Herrschaften von den Terrassen mit den buntbedruckten Sonnenschirmen - Deodorant-Duft unter den frischgeduschten Achseln, noch einen von diesen prickelnden Exotic-Drinks für meine reizende Begleitung - das erleichtert die Wahl der Gestalt und der Termine, einfacher ist das vielleicht auch nicht als Brot zu finden, es sind nur verschiedene Arten, den Menschen zu definieren, in deren Schatten physisches und psychisches Leid miteinander um Aufmerksamkeit und Anerkennung kämpfen, doch was soll das Leid und jede Anerkennung, du wirst schon verstehen dich zu amüsieren (du mußt doch ....), ein paar Schritte weiter auf der regennassen Straße, solche Güsse kommen vor um diese Jahreszeit, kommen vor und vergehen, nur die Luft bleibt noch etwas schwül, doch das hindert niemanden wirklich am Schlaf oder am Vergnügen, weder die Versorger noch die Konsumenten, die alle alles hoffnungslos verbrauchen - Energie Kraft Nahrung Aufmerksamkeit Zeit Leben Atem - und die Stimme wird rauh vom Krächzen nach dem Liebsten, nach Geld oder Brot oder Blicken oder Ruhe, und entweder man bietet es an oder man verbraucht es: Die Körperlichkeit, Begehrlichkeit, das Lachen, man sieht dieses Außen und wendet alle Mühe auf, um ins Innere zu gelangen, man möchte hineinkriechen und dann von innen glücklich herausschauen mit dem vielstimmigen Lachen der anderen, oh ferne Illusion, was sind wir nicht alle für wunderbare Aushängeschilder auf dem Flohmarkt der Eitelkeiten, der chaotischen Emotionen, der Eruptionen ohne Richtung (mit einem Impuls zu Vernunft und Ordnung auf unserem Bewußtseinschip), denn die Hauptsache ist: Weit und hoch und vor allem: daß, immer mit der Angst und der Hoffnung, daß nicht.

Was "wirklich" passiert:
Im Zug von Pune nach Bombay tastet sich ein blinder Mann lauthals singend und eine Büchse schwenkend durch die Waggons. Ein Mädchen fegt mit einem selbst gebastelten Besen unter den Sitzen und bettelt um Kleingeld. Sie beide rufen nicht viele Reaktionen hervor. Wir fahren eine Viertelstunde durch eine Stadt aus Wellblech und Plastikplanen, sozusagen die Fundamente Bombays. Wir schlafen, die Geschäfte indes nie. (Als Europäer kann man sich schwer verstecken).

20.08. Bombay

Meer und Strand sind modrig, keimig und vermüllt. Die Neubauten absolut trist und runtergekommen. Ich sehe eine Familie die in einem verrosteten Metallcontainer wohnt....
Ja ja Mumbai. Sehr groß, sehr modern, sehr arm, ein Mix aus Kalkutta und Bangalore. Kolonialbauten, viel Neo-Gothik. Cricketspieler. "Schnabel"-Frauen (schwarz verhüllte Musliminnen mit einer Art Schnabel-Maske vor dem Gesicht), Kaftankugeln (ihre vollschlanken Gatten). Im Tourie-Viertel Collaba, das sich rund um das Wahrzeichen Bombays, das Gateway of India, erstreckt, und welches wir zu unserm Stützpunkt erwählt haben, gibt es eine ausgeprägte Moslemkultur. Iranische Restaurants, arabische Schrift an den Geschäften, Gestalten in Kaftanen mit Fezen und Kappen, Schleier, Tücher, grüne Fahnen.
Das Taj-Hotel, das sich der höchsten Übernachtungspreise in ganz Indien rühmt, zählt zu unserer Nachbarschaft, wobei wir bei den Preisen in Mumbai, den ziemlich hohen Preisen, wieder mit einem muffigen Loch von einem Zimmer vorlieb nehmen müssen. Der Raum besitzt eine schon faszinierende Ausstrahlung von Trostlosigkeit. Kein Fenster, fleckige Wände, betelnußgesprenkelte Ecken, der Spiegel hängt schief und in der luxuriösen Dusche liegt ein gebrauchter Gummi. Ein Kommentar auf der Wand spricht für sich:
"Ihr Inder mit eurem nervenden Verkaufsgelalle - Ihr Fotzen ihr könnt uns alle!"
Da hat wohl jemand empfindlich auf die Konfrontation mit der indischen Verkaufsmentalität reagiert. Das sollte nicht verwundern, denn Mumbai ist die "Stadt der Freunde". Ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht so viele Freunde gehabt wie in Indien. "My friend, look here! T-Shirt for you my friend! ...."

22./23.08. Ellora

Mit einer sehr informativen Stadtrundfahrt durch Bombay - look right, look left, 20 Minuten Stop, Weiterfahrt - bekommen wir die Zeit bis zum Abend herum, dann setzen wir uns in den Nachtzug Richtung Aurangabad. Der Zug rollt durch das nächtliche triste Bombay, das mit einem eigenartigen rostigen Schimmer überzogen ist. Eine schwüle Regendämmerung liegt auf der Stadt, schäbig und melancholisch ...
Schnitt. – Eben sind wir von unserem Ausflug zu den Höhlen von Ellora zurückgekommen ....Die Höhlen von Ellora sind allesamt (es sind circa 35) aus einer Basaltfelswand herausgeschlagen worden, eine denkbar mühselige und langwierige Arbeit, die ja auch mehrere Jahrhunderte in Anspruch genommen hat. Die ersten Höhlen in dieser Gegend wurden im 5.Jahrhundert von Buddhisten geschaffen, die in den so entstandenen Felsenklöstern Zuflucht fanden vor Regen, Hitze und Menschen. Statuen, Säulen, Reliefs mit Szenen aus dem Leben und der Lehre Buddhas - alles ist in einem Stück aus dem Stein getrieben worden, von den großen Räumen ganz zu schweigen. Später gesellten sich die Hindus zu der beschaulichen Stätte dazu (da waren die Buddhisten schon längst wieder über alle Berge); ihre Felsentempel bestechen vor allem durch eine Fülle von Figuren und Reliefs aus dem reichhaltigen Pantheon des Hinduismus. Tänzerinnen, Dämonen, Götterpaare und zahlreiche Inkarnationen bevölkern prunkvoll die Wände.
Das herausragendste Werk der gesamten Stätte ist der Kailash-Tempel, eine Abbildung eben jenes Berges im Himalaya auf dem angeblich Lord Shiva himself residiert - und darüber hinaus ist es eine wahre Wucht von einem Bauwerk: Er ist nämlich in einem Stück von oben nach unten komplett aus dem Fels gehauen worden, 60 Meter tief, unvorstellbar. Man denke nur an die Planung und die Härte des Gesteins!
Es ist ein großes Shiva-Heiligtum mit zwei Vorhallen, zwei Prunkpfeilern und drei kleineren Tempeltürmen, die das eigentliche, mehrteilige Monument umgeben. Außerdem befinden sich in der Felswand noch mehrere separate Nebentempelchen. An allen Wänden herrscht ein Reichtum an filigranen Verzierungen, üppigen Figuren und Geschichten erzählenden Reliefs; eine ganze Herde steinerner Elefanten zieht sich wie ein Gürtel um das Hauptbauwerk. Früher soll das Prachtstück auch noch mit Gips (Sinnbild des ewigen Schnees auf dem Berg Kailash) ausgekleidet und bunt bemalt gewesen sein, Reste davon schimmern noch im Regendunst. Überhaupt läßt die regnerische Atmosphäre mit ihrem unbestimmten Licht, den Tropfen, Pfützen und Reflexionen viel Raum für die Fantasie und den Tempel wie aus einer uralten längst vergessenen Welt erscheinen. Diese imposante Manifestation der göttlichen Inspiration aus massivem Fels nimmt und derart in Anspruch, daß wir auf die restlichen zwanzig Höhlen pfeifen und lieber noch etwas eine wild umherspringende Horde langschwänziger Affen begaffen, die sich necken, jagen und gegenseitig die Früchte klauen. Dabei gilt die Regel: Je kleiner der Affe, desto forscher sein Verhalten. Mir fällt ein besonders dreistes Exemplar auf; hat er einen Mit-Affen durch Anstupsen provoziert und spürt Verfolger auf den Fersen, flüchtet er blitzschnell zur lieben Mama wie zur rettenden Festung. Natürlich traut sich keiner an die friedlich kauende Mutter heran; (Menschliches, Allzumenschliches?!).
Nach kurzer Cola-Pause besteigen wir einen altersschwachen Jeep, in den im Laufe der Fahrt 19(!) Personen gequetscht werden. Das läuft so ab, daß so viele Menschen wie möglich unterwegs aufgesammelt und in alle verfügbaren Ecken übereinandergefrachtet werden, um so maximalen Profit herauszuschlagen. Drei Leute hängen sich noch außen an die Türen. Ich nutze die anderthalb Stunden um etwas Hindi zu erlernen...dann sind wir daheim im "Badeort" Aurangabad, das mittlerweile vom Zorn Gottes heimgesucht wurde, denn es regnet aus allen Rohren, erbarmungslos werfen sich die Tropfen in die Schlacht um die Liquidierung der Erde. Da es ganz danach aussieht, als würden sie diesmal die Oberhand gewinnen, verkriechen wir uns in unser Zimmer. Das Toben der Elemente ist der Elektrizitätsversorgung wenig zuträglich und so bricht sie denn auch prompt zusammen. Das Kerzenlicht steigert zwar den Gemütlichkeitsfaktor, ist aber zugleich auch Signalfeuer für die Mücken, die sich von Rauchschwaden nicht stören lassen. Und auch nachdem wir uns zum Schlafen gebettet haben, ebbt das bedrohliche Schwirren der miesen kleinen Blutsauger nicht ab, im Gegenteil, nun gehen die Geschwader zum Angriff über und halten uns in Trab. Wir beschäftigen uns zur Abwechslung mal die ganze Nacht mit der Abfolge von Wälzen, blindem Um-sich-schlagen, fluchen und Mückenjagd im Strahl der Taschenlampe.

24.08. Ajanta

Ein klappriger überfüllter Bus schaukelt uns durch den üblichen Regen von Aurangabad nach Ellora. Die Landschaft ist grün und wird von ein paar jäh auftauchenden Hügeln - teilweise mit Steilwänden- überragt. Ein junger Inder bietet uns im Bus das hierzulande so beliebte Betelnuß-Kautabak-Gemisch namens Gutka an, das es in allen Formen gibt, ob handgemischt "aus besten Zutaten" im biologisch abbaubarem Blatt (dann "Pan-Masala" genannt) oder industriell in kleinen Tüten gefertigt. Dieser "Volkssport" ist in Indien mindestens so populär wie das Rauchen - jung und alt schiebt Gutka durch die Backen. Wir nehmen also mutig an. Das körnige Pulver brennt leicht scharf im Mund und regt den Speichelfluß beträchtlich an. Schnell hat man den Mund voller rötlicher Brühe, etwas bitter, würzig, zitronig, wie Seife oder Räucherstäbchen irgendwie, dann wird es langsam Zeit, das Zeug portionsweise auszuspucken. Die Inder mit ihrer jahrelangen Erfahrung tun dies gekonnt mit einem kurzen gezielten Strahl, der die an allen öffentlichen Gebäuden, in Treppenhäusern und auf Zimmerwänden sichtbaren roten Flecken hinterläßt, was auf den ehemals weißen Wänden ungemein häßlich aussehen kann. Auf der Zunge bleibt ein seltsamer Geschmack nach Parfüm zurück, der zwei bis drei Stunden bleibt, und ich bilde mir eine schwache Aufputschwirkung wie bei Koffein ein (könnte allerdings auch die Aufregung gewesen sein). Man sagt der Betelnuß eine abhängig machende Wirkung nach, wie bei Zigaretten. Natürlich ist sie auch nicht gerade gesundheitsförderlich, vor allem nicht für die Zähne; die Beweise grinsen einen mit rotverfärbten Zahnfragmenten an. Übrigens: So sorgfältig man auch ausspuckt, verfolgen einen die Krümel im Mund noch nach Stunden.
Als wir in einem Ort unterwegs halten, versammelt sich die neugierige Ortsjugend vor unserem Busfenster und läßt ihr Gewitter von nicht enden wollenden, immer gleichen Fragen auf uns herniedergehen. Jeder, der auch nur "Hello!" auf Englisch herausbringen kann, drängelt sich nach vorne und fragt nach Namen, Alter, Beruf, Herkunft, Religion (wir sind dazu übergegangen, uns einfach als Christen zu bezeichnen, damit sind die Inder "zufrieden" und können uns einordnen, Konfessionslosigkeit ist ihnen dagegen völlig unverständlich), wo wir gerade herkommen und wo wir hinwollen, nach dem Familienstand, der Ausbildung und dem Beruf der Eltern. Das meiste muß man sich zusammenreimen. Dutzende Augenpaare mustern uns aufmerksam und starr; sie verfolgen uns und man kann sich sicher sein, daß ihnen kein Detail entgeht, ja sie scheinen einen geradezu mit ihren Blicken aufsaugen zu wollen, um somit jede Erinnerung unauslöschlich in ihr Gedächtnis einzubrennen und jedes Bild in ihr Bewußtsein aufzunehmen. Das ist selbstverständlich bloß meine Interpretation des - finde ich - typisch indischen minutenlangen forschend-kritischen Anschauens. Der junge Inder steigt aus und schenkt uns zum Abschied noch zwei Gutkas.

25.08. Ajanta

Auch im 150 Kilometer von Ellora entfernten Ajanta gibt es Höhlenattraktionen, nur daß sie älter und durchweg buddhistisch sind. Der Himmel am Morgen verspricht einen regenfreien Vormittag, den wir zur Höhlentour nutzen. Die insgesamt 29 Höhlen in der durch einen Fluß geformten U-förmigen Felsschlucht wurden erst in den fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts zufällig von einer britischen Tigerjagdgesellschaft wiederentdeckt, davor mußten sie Ewigkeiten im Vergessen versunken sein. Sie sind allesamt frühbuddhistisch aus der Zeit von 200 vor bis 500 nach Chr. . Die meisten Höhlen dienten den Mönchen als Klöster, in die sie sich in den heißen Sommer - sowie gewittersturmreichen Regenmonaten zurückzogen, andere wurden als Tempel benutzt. Alle Räume wurden wie in Ellora tief in den Fels getrieben, wobei große Buddha-Figuren, Säulengänge und ganze Stupas herausgearbeitet worden sind. Die Motive der Reliefs und Figuren sind dem Mahayana-Buddhismus entlehnt und zeigen die Buddhas der verschiedenen Sphären, es gibt Schutzgottheiten und Boddhisattvas, Paare und beschwingte Tänzerinnen, die den Erleuchteten becircen und vom Weg abbringen sollten (im Auftrag des Dämonen Mara). Das haben sie damals nicht geschafft und so erproben sie ihren zeitlosen Charme nun noch immer am anonymen Betrachter, genauso wie ihre Ebenbilder in Ellora, Hampi, Khajuraho usw. .
Das Prächtigste an Ajanta aber sind die aufwendigen detaillierten Wandmalereien. Leider sind nur noch wenige der großflächigen Bilder erhalten, bzw. verschwinden einige im ewigen Halbdunkel der Höhlen, denn nur vier von ihnen sind sozusagen als Musterexemplare beleuchtet. Doch das genügt, um die Blüte, zu der es die Malerei im alten Indien brachte, offensichtlich werden zu lassen; man denke nur an die primitiven Krakeleien der frühen Christen. Decken und Säulen sind mit Mandalas und dekorativen Pflanzenmustern verziert, die Wände enthalten ganze Bildbände über das Wirken des Buddha. Die Farben dazu wurden aus Pflanzen und Mineralien (z.B. Blau aus Lapis-Lazuli) gewonnen. Die alten Mönche wußten es sich trotz aller Abgeschiedenheit und Askese schön einzurichten und haben sich ordentlich ins Zeug gelegt ("Schöner Wohnen"!). Heutzutage hat sich der Buddhismus in Indien immer weiter nach Norden in die Täler des Himalaya verkrochen.
Wir spazieren gerade aus einer Höhle, als sich zwanzig Meter vor uns plötzlich ein paar Brocken aus der steilen Felswand lösen und krachend auf den Weg schlagen; ironischerweise zermalmen sie dabei ein "Baustelle"-Schild vor einer Höhle. Kleiner Schock. Das Sicherheitspersonal läuft für ein paar Minuten wie aufgescheucht umher, dann wird der Schutt weggeräumt und alles vergessen. Eine Gruppe dunkelhäutiger Rajasthanis mit knallig roten und grünen Turbanen sowie ebenso bunten Saris kommt uns entgegen. Neugieriges beiderseitiges Beschauen folgt....
In einem besonders schönen Höhlentempel dessen Decke wie ein umgedrehter Schiffsbauch gewölbt ist und wie mit Rippen aus einem Walskelett durchzogen ist, lassen wir ein "Ooommmmm....." erklingen, das noch mehrere Sekunden lang vibrierend durch den Raum rollt. Eine wirklich imponierende Akustik, die man sich erstmal bei hundert "ommenden" Mönchen vorstellen muß. Dieses mächtige Brummen würde die zerstreuten Gedanken zum Schweigen bringen und nicht nur Luft und Raum, sondern auch den Geist restlos mit seiner Schwingung erfüllen (everything is vibration...). Kann ich mir jedenfalls gut ausmalen.
Für ein Bakshish von zehn Rupien bedeutet uns ein "Aufseher" in einer Höhle ruhig mal zu Blitzen, was sonst streng verboten ist, und entlockt einer Säulen einen hellen Ton wie von einer Glocke, indem er mit dem Handballen kräftig und präzise dagegen schlägt....

27.08. Ahmedabad

Wir entschließen uns heute zur Sight-seeing-Tour durch Ahmedabad. Diese Stadt hat auf den ersten Blick nichts besonderes an sich, der übliche Lärm und Dreck eben, das Menschen- und Verkehrsgewimmel. Als Hauptstadt des Bundesstaates Gujarat beherbergt sie auch gleich mal 3,5 Millionen Menschen, welche sich aber nach den ersten Kontakten als überaus und unerwartet freundlich erweisen, mal so ganz allgemein gesprochen. Ahmedabad ist - wie der Name schon sagt - überwiegend islamisch und von Moscheen übersät. Wir begeben uns über die Hauptstraße, wo es - zu unserem Leidwesen, denn es ist Frühstückszeit und wir sind ziemlich hungrig - abgesehen von Restaurants allen möglichen Kram gibt, zu einem Basar vor einer Moschee, der provokanterweise von den lautsprecherverstärkten Lobpreisungen einer Krishna-Truppe beschallt wird. Der Platz zwischen Moschee und einem alten Tor, das wie ein Fragment aus der ehemaligen Stadtmauer aussieht, ist von einer Menge kleiner Stände besiedelt, die kosmetischen Kitsch (selbstklebende Plastik-Tikkas, Plastikarmreifen in allen Farben, Nagellack, Lippenstifte, Khol, Henna-Stempel usw.), Kokosnüsse, geröstete Maiskolben und Lotusblumen verkaufen. Sofort stürzen sich Bettler auf uns, als ob unser fremdes Aussehen ein Signal wäre; es sind vor allem Kinder, zerzauste Haare, schmutzige zerrissene Kleider und Hosen, sowie deren Mütter, die noch ein, zwei Babys auf den Armen tragen. Ein immer wiederkehrendes Bild.
Wie vielen Bettlern mögen wir in Indien schon begegnet sein? So viele Alte, gebeugt und krank, unfähig, sich durch Arbeit etwas zu verdienen, die aussehen als ob sie ihre letzten Monate auf Erden verbrächten; Krüppel und Behinderte, Leprakranke mit Arm- und Beinstümpfen; blinde Augen; entzündete, eiternde, schwärende Wunden; geblähte Bäuche; schmutzdurchtränkte, halb verrottete Verbände, echte Knochenbrüche bedeckend oder nur zur Simulation; Kinder auf Krücken, mit schweren Gipsarmen, mit Verbrennungsnarben, die das Gesicht entstellen, die die Ohren gefressen und kahle Stellen auf dem Kopf hinterlassen haben; Krüppel ohne Beine, die sich auf kleinen, aus Brettern gezimmerten Rollkarren durchs Gedränge schieben; Mißgebildete, die Augenhöhlen verklebt, der Mund sabbrig und schief. Sie alle warten an Kreuzungen, in Bahnhöfen, Slums, Tempelvorhöfen oder vor Touristenattraktionen. Ganze Heerscharen von stöhnenden, unablässig ihr Leid klagenden oder stumm flehenden menschlichen Leibern, denen man vielleicht eine Münze hinwirft, um schnell wieder wegschauen zu können, denen man ein gezwungenes Lächeln schenkt, weil man sich dem Elend gegenüber ohnmächtig fühlt oder die man ignoriert, weil man in Gedanken ganz woanders ist, kein Kleingeld dabei hat oder durch das ewige Bitten, Drängen, Fordern, Berührtwerden entnervt ist.
Wie oft wurde ich mit dieser Geste angesprochen: Den Kopf leicht gesenkt, die Augen fangen den Blick, fixieren einen mit einem Ausdruck, der unerträglich viel Leid und Schmerz enthält, die Hand wird zum Mund geführt als hielte sie ein Stück Brot und einem dann geöffnet entgegengestreckt: "Baba, Rupee. Bakshish, Baba." Hunger, Not und Überlebenskampf bei den allermeisten, die keine Zukunft haben und deren Vergangenheit eine lange Kette von Elend ist - gestern wie heute wie morgen die gleiche Verzweiflung - und die überhaupt nie "gelebt" haben werden. Wie man mit diesen Menschen und deren Elend umgeht, muß jeder als Tourie selbst entscheiden, man wird sich wohl zwischen Mitleid, Ohnmacht und Wegschauen bewegen ....
Es gibt natürlich auch Simulanten und z.B. von ihren Eltern absichtlich verstümmelte Kinder, die sich so ihren "Lebensunterhalt" sichern, denn - so hart wie es klingt - das Bettlergeschäft ist zumindest vielerorts in Indien wie jedes andere auch organisiert, es gibt auch lokale "Bettlermafias", die Lizenzen vergibt und Anteile einfordert.
Doch um auf die bettelnden Kinder von Ahmedabad zurückzukommen: Sie hängen sich an uns dran, ziehen an Ärmeln und Hosenbeinen und fangen sogar an, uns in die Arme und Seiten zu kneifen; sie versuchen verzweifelt unsere Aufmerksamkeit auf sie zu lenken. Diese Berührung, sei es bloßes permanent wiederholtes Anfassen oder gar Kneifen, empfinde ich als ziemlich unangenehm, denn ich als Europäer bin derartige Nähe nicht gewohnt. In der westlichen Mentalität nimmt die Respektierung der Intimsphäre (die aber so in Indien nicht existiert) einen hohen Stellenwert ein. Wenn uns ein Mensch, den wir nicht kennen, zuhause zu nahe kommt oder uns anfaßt, versuchen wir Abstand zu gewinnen oder werden ärgerlich, uns gefällt die Situation nicht. Aber hier führen die Menschen ein "öffentlicheres" Leben als wir (oder sie machen sich zumindest die irritierte hilflose Reaktion der meisten Westler durch Erfahrung zunutze), sie werden von Kind auf an die Gemeinschaft der Familie, der Straße, der Schule, der Kaste und das "Überleben" in diesen gewöhnt, was auch an den Wohn- und Platzverhältnissen liegt. Oftmals lebt und schläft eine ganze Großfamilie in einem einzigen Raum. Keiner der "einfachen" Bevölkerung zögert, sich an einen belebten Straßenrand zu hocken und sein Geschäft zu verrichten. Wobei angemerkt werden muß, daß das Zusammenleben auch vielschichtigen, teils komplizierten sozialen Regeln unterworfen ist, zum Beispiel Mann und Frau, die Kasten oder das Alter betreffend. Die Besitzverhältnisse spielen ebenfalls eine Rolle. Die im "westlichen Weg" so hoch gehaltene Individualität gehört nicht zum Konzept der indischen Gesellschaft. Ich denke, dieser anderen Auffassung von Privatsphäre und Öffentlichkeit entstammt die ungeniert offen zur Schau getragene Neugier der Inder, dieses minutenlange Anstarren, Glotzen und Berühren, das viele Westler als respektlos empfinden.
Immer noch befinden wir uns in den Straßen der Altstadt von Ahmedabad, werfen einen Blick in eine Seitengasse, wo Fleisch verkauft wird (das machen die Moslems), gehen aber pikiert vom Gestank und den hygienischen Verhältnissen (ich sage nur: Fliegen noch und nöcher) gleich weiter. Zwischen zahllosen Vespas, Rikshas, Fahrrädern, Karren, Wagen und Autobussen, die zu einem undurchdringlichen Verkehrsteppich verflochten sind - hupend, schwirrend, miefend - taucht ein würdevoll trottender Elefant samt Bemalung und Herrchen auf den Schultern auf. An Ständen voller westlichem Plastik- und Klamottenkram vorbei bewegen wir uns zur Freitagsmoschee, der Jama Masjid, die vom Baustil her arabische und indische Elemente vereinigt. Viele ihrer prächtigen Säulen wurden einfach aus Hindu-Tempeln genommen. Das Innere ist reich verziert; ein alter Mann hockt unter der Kuppel auf dem Boden, in den Händen hält er den Koran, er wippt mit dem Oberkörper hin und her, flüstert irgendwelche Suren und küßt die golden eingeprägten arabischen Lettern auf dem Einband. Ein anderer Mann kniet in einem Säulengang unterhalb eines großen arabischen Schriftzeichens, er trägt einen weißen Kaftan und ein Kopftuch, seine Augen sind geschlossen und sein Gesicht ist angespannt vor Konzentration und Hingabe, aus dem Mund strömt gepreßter Gesang, während er seine Hände geöffnet vor seinem Oberkörper aneinander hält, als wolle er die Gnade Allahs in ihnen auffangen als wäre sie eine segenbringende Flüssigkeit.

28.08. Udaipur

Die Fahrt hierher war eine der angenehmsten, die ich in Indien erlebt habe. Der Zug war – man mag es kaum glauben – fast leer und deswegen ruhig, so daß ich auch etwas Schlaf finden konnte. Da die Züge in Rajasthan noch auf Schmalspur fahren, fallen die Waggons auch kleiner als gewöhnlich aus.
Als wir morgens erwachen, rollt unser Schmalspurzug durch eine leicht begrünte bergige Landschaft, die kaum besiedelt scheint. Nur ab und zu taucht eine Bauernhütte auf oder man sieht Hirten mit braungegerbten Gesichtern und farbigen Turbanen, die ihre Ziegenherden über die trockene Erde führen. Die Landschaft hat ihren ganz eigenen Reiz. Der Untergrund ist felsig und die Vegetation geht in eine Art grüner Steppe über, in der der Sukkulentenanteil an Gewächsen deutlich zunimmt. Es ist gegen Ende der Regenzeit, es gibt Wiesen und zwischen den Hügeln Bäche und kleine Seen. Stachelpalmen sehen aus wie zottelige Klobürsten. Ein kaktusähnliches Gewächs bildet ganze Büsche und vereinzelt wachsen Bäume mit seltsamen dicken Blättern.
Wir sind in Rajasthan angekommen, in der wüstengeprägten Farbkammer Indiens .....
(Abruptes) Ende der Aufzeichnungen, aber die Reise geht weiter ... ... und weiter ...

(c) 2001-2002 David Pinzer

Forum im Lirumlarum-LAPSUS-Stil

Da der LOver – wie im Ditorial angekündigt – in Zukunft eine eher virtuelle Existenz fristen wird, sei an dieser Stelle nochmal auf das LAPSUS-Forum hingewiesen, das - neben der Heimatseite www.lapsus-gil.de - die digitale Heimat der Lapsusen ist – oder zumindest sein könnte. Das Forum bietet neben der einfachen Mitteilung an alle Mitglieder (ohne Pflege eigener Adresslisten) etlichen Platz für Dateien, Fotoalben, Links und Datenbank. Außerdem lässt sich ein Kalender mit Informationen füttern, die dann allen zur Verfügung stehen, einschließlich individueller Erinnerungsfunktion per E-Mail. Kurzum: ein Arsenal von Funktionen, die Leopold seinen Freunden gern zur Verfügung stellt, die er aber nicht selbst basteln kann. Die Hoffnung, dass die Resonanz auf das Forum merklich zunimmt, ist zwar sehr bescheiden, aber wenigstens wird Leopold das Forum stärker als bisher füttern und euch dies kundtun.

PER ANHALTER


Der Nacht entgegen
und schon von ihr geentert,
mit 120
- mehr schafft er nicht -
durch den Heil Geist Hof.
Wiedermal die letzte wie die letzte Nacht.
Und ich ahnte es und schon vorbei:
und auch nach 200 Metern keine Vollbremsung:
(Ich hab's gewußt, atemlos.)
aus der Dunkelheit Stelle halte Bus,
eine junge Frauinnengestalt,
der Wink
um Mitnahme, gefangener Flügelschlag,
im hellen Traumgewand
in der Nacht, unentrinnbar.

Dem Boden entgegen
inmitten der Wiese:
ich ahnte es:
der wilde freie Mann des Waldes
versinkt in Blütenträumen,
vergeht im Staub,
ist vollkommen ruhig
im prasselnden Blut.

Ro Li B.

nur der mohn...

was erblicken meine augen da...
blutrotgefärbt alles
dort an jener stelle vor drei wochen noch
sonnengelber raps in vollster blüte...

sonne im höchsten zenit
plötzlich
schwarze wolken
boshaft, schwer
den blick zur erde ihr verwehrend

langsam
doch gewiss
luft vibriert
wind kommt auf
verwandelt sich in sturm
himmel explodiert
und
ergiesst sich
in dicken regentropfen
weinend
auf das feld

blutrot
glänzt der raps im sonnenlicht
tausend rote tropfen
aphrodisiieren ihn
und
schluchzen
das lied des abschiedes
von der jugend

...blutrot
 

anne, juni 2002

Tagträume

... im Wildbach flussaufwärts

SUCHBILD

Für die einen ist es eine tiefste Entrüstung auslösende Zumutung, ihren Führer überhaupt mit solchen Gestalten verglichen zu wissen: Hitler mit Saddam, Ho, Erich, Georg, Wolfgang, Slobodan usw., für die anderen auch. Mir geht's nun nicht um einen Vergleich ("Äh! Du ja selbers!"), aber zuvor müßt ihr's im Suchbild ausfindig machen:

Nicht gefunden? Zu wenig Kontrast?

An den Seitenleitwerken der Schutzstaffel-Kampfflugzeuge. Mit fragloser Selbstverständlichkeit werden die Totenköpfe zur Symbolisierung herangezogen (wohl kaum gewählt, oder?). Was für einen Untertassenhorizont hat jemand, der sich einen toten Schädel samt gekreuzten Knochen ans Revers heftet? Welchen hat jemand, der seine Mordmaschinen damit auszeichnet?
Kann man doch vergleichen, was bringen die hie wie da zum Ausdruck? Gothic? Heavy Metal? Dark Noise? Nicht eßbar?
Laßt euch nicht stören beim Hören. Hörigkeit. Alle Castoren rollen für den Sieg. Endsieg. Endlösung Endlager. Endsorgen. Roland

P.S. Übrigens (vielleicht) standen gar keine Araber auf den PassaGier-Listen der besagten Flugzeuge damals, und manche der abgebildeten Attentäter waren schon 2000 gestorben, und       Roland

Amerika's Army

macht beim 'Fulda-Gap' am 'Ground-Zero' nicht nur Fluglärm

Von Hartmut Barth-Engelbart
für Video-Spiel-Freunde-Rhein-Main-Kinzig-Fulda-Werra

Wenn schon eine weitere Militärstartbahn gebaut wird (von der dann auch die FRAPORTEINTRACHT wieder aufsteigen darf), sollten die Regionalplaner eine weitere Besiedlung des Speckgürtels um Krankfurt verhindern und rechtzeitig genügend Absturzräume unter den Warteschleifen ausweisen. Rechtzeitig überlegen, wie wir nach Überlingen noch überleben können. Absturzausweise bereithalten. Und rechtzeitig prophylaktisch zu Boden gehen.
Aktentaschen nicht vergessen. Der zivilitärische Flugterror in der Region wird so oder so langfristig für eine Entvölkerung sorgen. Sodom und Gomorrah? Der letzte Überlebende war bekanntlich ein FlugLOTse, der den selbstgebackenen Apokalypso nicht mehr mit ansehen wollte. Und seine Frau hat sich nicht an die letzten Anweisungen des Katastrophenschutzwartes gehalten: niemals in den Explosionsblitz schauen. Wer da leichtsinnig hineinstarrt, darf sich nicht wundern, wenn er/sie erstarrt. Oder in mehr oder weniger aktive Miniklickern zerbröselt, wenn eine GALAXY nach einem openairmeeting mit einer A400 auf dem Blutonium-Bunker in Hanau-Wolfgang notdürftiglanden muss...

(1982 kam das US-Strategie-Spiel "FULDA-GAP' The First Battle Of The Next War" auf den Toy-Market, seit ein paar Tagen geistert das Video-Spiel "Amerika's Army" über die Monitore mit live-szenen aus diversen live-Kriegen. Erfurt live wäre ein klitze kleiner Klacks dagegen. Das Spiel ist Baal sei Dank, ziemlich dröge und blöde, so blöd, dass selbst die NBC-Moderatoren darüber rumwitzeln. Es hätte aber auch besser werden können, vielleicht ja auch so gut wie die Bundeswehr-PR-Kampagnen, wo ganz toffe Jungs Sicherheit produzieren. Mit solcher Hardware kann man sicher auch an die Börse gehen, beim nemax fallen die shooting-stars überhaupt nicht mehr auf.die sehen auch nicht anders aus als der grüne Staatsekretäer Berninger mit seiner nemax-Brille)

Vorsicht! Jetzt folgt Lyrik!

Befreiungstraum

Solange ich
- mittendrin
im Minenfeld GroundZero
InstantCircleFuldaGap
von dem Big Bam
gerade noch verschont geblieben
die Himmelfahrt zur letzten Freiheit
durchs große schwarze Loch nicht angetreten
schlaflos des Nachts
die Army-Helikopter dröhnen höre
da fangen andere an zu beten
doch ich weiß immerhin
dass sie zumindest hier
die letzten Stunden keine Bomben warfen
(nur Übungsmunition und keine scharfen
die scharfen Waffen
sind für weiter weg
den Frieden schaffen)
und beim großen Baal, ich schwöre
dass ich noch am Leben bin

Dass alles nur
ein Horror-Clip gewesen?
ein Trailer sein soll
für ein neues Videospiel?
Den Fernseher ausmachen!? ..
Die Kinder haben es vergessen!?

Die US-Army dringt unschlagbar
- jeder Flecken Erde Target! Ziel! -
durch jeden Monitor und jede Schallschutzscheibe
selbst in die Alptraumzimmerecken meiner Kinder
und schonungslos rückt sie auch hier
dem Allerheiligsten zu Leibe

Niedergewalzt und überbrüllt,
erschlagen geb ich mich geschlagen
und fall in tief traumhaften Schlaf

Da klicke ich schlafwandelnd sicher
ganz einfach mit der Maus
'Amerika's Army' aus.

Hartmut

Ach großer Baal

so gib uns deinen Segen
schick Donner uns
Blitz, Hagel, Schnee und Regen
Tornados, Meteore und Orkane
Vulkanausbrüche, bring die See zum Beben
die Erde auch, lass Berge bersten
schick von den sieben Plagen
die längsten und die schwersten
fahr auf uns nieder
mit dem kleinen und dem Großen Wagen

Schick alles Baal
was du uns schickst
wir werden es als Schicksal nehmen
das trifft und eintrifft
nicht nach unsrem
nach dem Baalschen Plane
und alles werden wir
wie seit Urzeiten
geduldig hadernd überdauern
und klagen
und trauern
vielleicht
für einen Augenblick
um Tote und um Götzenbilder
um unsrer grauen Städte Mauern
und noch in Trümmern werden wir
geschlagen zwar
jedoch mit deinem Segen
Geschäfte machen
und zumindest
Baal sei Dank
als Gattung
nicht überlegen
aber all das
überleben.

Nur eines Baal,
schick uns um deinet-
und um unsretwillen
nicht entgegen:
UNS SELBST
im Himmel und auf Erden

das könnte für die Gattung tödlich werden

Hartmut

KILL


Commander, your mission is to destroy aliens.
Good luck!

Hey, Kleener, kauf dir einen Krieg.
Nimm Knete mit, viel Geld - viel Sieg.
Zerstöre die Feinde, fahr ab auf deine Wut.
Schieß sie alle ab, dann geht's dir gut.

KILL Destroy aliens
KILL Sie sind schon überall
KILL Nur auf dich kommt's an
KILL Du bist ein Guerillero

Punkte steigen, Zeit fliegt weg.
Dein Logger rast, der Feind verreckt.
In zehn Minuten bist du schlapp.
Du bist schneller, drück ab, drück ab.

KILL Destroy aliens
KILL Die seh'n wie Russen aus
KILL Mach sie nieder
KILL Wie ein Guerillero

Auf dem Bildschirm roter Fleck.
Schlechte Karten, Geld ist weg.
Keine Asche und kein Ziel.
War viel zu kurz, das letzte Spiel.

KILL Destroy aliens
KILL Ey, haste ma' 'ne Mark, ey
KILL Geh nach Hause
KILL Kleener Guerillero
KILL Kleener Guerillero

KILL

KILL

Spliff

P.S. KILL ist Bestandteil der 1984 erstmals aufgeführten LAPSUS-Collage Planet der Traurigkeit. Alles wird besser...

Re ¤ act ¤ or

Lieber Joachim, über den LOver 33 habe ich mich - frisch und noch lebend aus der Klinik zurückgekehrt - riesig gefreut. Besonders gefreut hat mich deine 'kongeniale' (das klingt voll professionell) Änderung bzw. notwendige Ergänzung beim 'Kollateralschaden' und die gelungene Präsentation. (..."unsrer Wieder-WinterAufbauhilfswerks-Sammeldosen" ... das stammt nicht von mir ... könnte aber von mir stammen.) Ich glaube, wir könnten sehr viel zusammen (nicht nur) anfangen. Vielleicht krieg ichs ja doch mal mit Hilfe meiner Kids hin, dir meine scharfen Fotocolla- und -montagen zu schicken.
Zum nächsten Lapsus-Live wär ich auch ganz gern dabei. Jetzt muss ich aber erst mal die OstlandReiterei durchplanen. Gruß HArtmut

hallo ihr Lieben, der Planet entlässt seine Kinder auf eine lange, beschwerliche Reise, auf der viele Gefahren drohen. Feuerbrünste überwindend, Dämonen bezwingend - mit den Elfen tanzen. Das Salz der Tränen grub tiefe Furchen in die vielen hoffnungsvollen Gesichter. Das Lachen gleicht den tausend Farben eines Regenbogens. Ein Hauch von Sehnsucht vom Winde getragen und wie das Echo tausendfach erklingt in einer Seele. Lichtfunken sprühen, Vulkane ergießen sich in einem unerschöpflichen Strom - fruchtbar wie der Schoß einer Mutter. Wachsen heißt Leben und Sterben mit jedem Augenblick.
Nur ein Schritt bringt uns zurück zu der Quell, der wir entsprangen.
Bewegung - Bewegung - Bewegung - Bewegung - eins sein mit mir - eins sein mit dir - eins sein mit allen - Universum - Sterne am Himmel.
Alles Liebe Basti
Alle sind wir Worte zusammen ein Gedicht. (bitte weitergeben) Lasst Euch umarmen.

Servus Hartmut, es war sehr wohltuend im weitem Sinne, Deine Worte zu lesen, zu empfinden! Falls Du mal Deinen Lebensplatz auch außen verändern willst: wir sind derzeit dabei (3 Dorfgemeinschaften in McPomm), "Familienschulen" zu gründen und als Freie Schulen zur Genehmigung einzureichen – und würden dann auch Lehrer brauchen.

Servus liebe LapsuslerInnen! Es regnet und übermorgen hole ich die 600 Bäume für die diesherbstliche Baumpflanzaktion. Aber zuvor noch die Anmerkungen: Natürlich könnte in "Suchbild" noch der Hinweis auf das Bundeswehrmachtskreuzlein stehen. Vermißt? Und auch im Bezug auf Leos letzte Mail – ich habe noch immer keinerlei Brief- oder Meinungsäußerung bekommen. Ja, Mea, Schweigen kann ganz schön laut werden. Übrigens stimmt das mit den Wortfesseln in jedem Fall.
Lustig am letzten Heft fand ich, daß sich Achim geschickt in die Fotos auf Seiten 4 und 5 reinmontiert hat und denkt wohl, das merkt Niemand! Insgesamt (bis auf das Cover) hat Achim mit sicherer Hand eine richtig gute Gestaltung hingelegt. Wenn ich so andere ungeregelt regelmäßige Blätter ansehe, wie die hingeschustert sind... Aber man kann ja nicht alles allein machen, nicht wahr mein Engel? Der Strom fällt aus. Gute Nacht. Der Strom fällt ein. Guten Tag. Warum ich nicht nach Indien pilgere? Es bleibt für mich genauso sinnlos wie vor dem Lesen der Story.
Oder könnte ich mir nicht auch aus dem Stehgreif ein Buch ausdenken?
Das Glück mag ja immer anderen lachen, ich habe wieder selbst von vorne bis hinten gefeixt bei Prudlo und Co, köstlich! "Schlußteil folgt" - muß ja nicht im nächsten Heft sein. Danke für die schönen Lacher, Regina!
Es regnet noch immer, morgen kommen die Pflaster runter. So long - und mit Yoko: open! Roland

P.S. Zur Grafik: pseudostrasse@web.de

Hi Achim, ich hab mir tatsächlich die "Mühe" gemacht und die Bilder angeschaut. Da wurde natürlich eine alte Sehnsucht geweckt... wieder mal Lapsus-Live. Und dann noch auf das ganz Schlimme: King Crimson genau aus der Zeit die ich sehr liebe (alles spätere kenne ich nicht). Wenn ich mich recht entsinne, hatte ich meine Mitarbeit an LL 2002 in Aussicht gestellt, aber dann kam es wie jedesmal in den letzten Jahren: Eine Firma zumachen, eine neue aufmachen, bangen um Geld und graue Haare wegen der Schulden.
Ich habe momentan das Problem, dass ich mich zu kaum etwas Aktivem aufraffen kann. Arbeiten könnte man ohne Ende, zuhause muss ich (fast) alles allein machen, mein Vater ist gestorben und ich bin der einzige, der sich um meine Mutter kümmern kann. Schlage ich zuhause auf, habe ich meist restlos die Nase voll.
Zu neuer und interessanter Musik (meine ich) bin ich schon gekommen, aber um was draus zu machen bedarf es schon einigen Aufwandes.
Meine größten Aktivitäten dieses Jahr waren zwei Reisen zu Jonatha-Brooke-Konzerten zusammen mit Sarah. Die waren wirklich Klasse, aber eigentlich auch nur eine Konsum"aktivität".
Lange Rede kurzer Sinn, ich wollte mein weiter vorhandenes Interesse an LL bekunden. Wenn zeitlich machbar wäre sicher auch Sarah zu begeistern. Wenn Du wieder eine Spielstätte ausserhalb veganischen Hoheitsgebietes flott machen kannst, würde ich jetzt schon mal anfangen zu planen und mich langsam wieder auch zuhause zu aktivieren.
Dann mail mich mal an und ich aktiviere mich.
I keep on rockin' !! George

Betreff: LAPSUS 2003. Natürlich habe ich große Lust an LAPSUS 2003 teilzunehmen. Mit allem, was ich so mitbringen kann. Darf ruhig in Demmin oder so sein. Die Bilder haben mir gut gefallen, die Menschen darauf auch.

EIN GUTER ALTER DOOFER GRILL
ERZEUGT SO MANCHEN OVER-KILL
Auch wenn der Lover mal nicht will
ob im Pull-over oder Drill-
ich halt nicht UNDER-COVER still
und schrei noch auf dem Sofa schrill
Jetzt packe deine Koffer Bill
weil ich dich sonst ganz offen till
im dir bekannten Zoffer-Stil
auch wenn ich dann betroffen schiel
nachdem ich sturzbesoffen fiel

ach jetzt fällt mir grade nix mehr ein
ich schicks trotzdem mit
Liebe Grüße Hartmut

Hallo Achim, ich bin mir noch selbst nicht im Klaren, zwecks "Demmin" und 2003. Gerade sind wieder 2 Besucher da, ich habe etwa 2 Stunden Vortrag Politik, Ökologie, Sprittualität gerade hinter mir, fast heiser, morgen kommen noch 8 dazu, Musizieren, Lichtbilder, Lagerfeuer und Bäumepflanzen - die Tage, wo was passiert. Nächsten Mittwoch (2 der Leute bleiben sowieso länger) geht's mit dem nächsten Besuch weiter, danach das Wochenende dazu 2 plus Kind. Das "nur" von meiner Seite, bei Nathalie haben sich auch noch Gäste angemeldet, ich weiß die Termine noch nicht mal und habe einen Freund gewonnen, mit dem ich über "Bewegung" reden kann. Kontra Angst. Außerdem könnte ich die Band "Mothers Little Helper" ranorganisieren. Derzeit fühlt es sich gut an, langfristig beide Orte mit uns zu beleben, Hohenbüssow und Zarnekla, also jedenfalls über uns eine liegende-Acht-förmige lebendige Verbindung zu schaffen, zwei blühende Landschaften versehen mehr als eine.
Ist es für Dich fraglos klar, den Lapsusler-Stamm zu halten, egal wo, egal welcher Inhalt? Was willst D u eigentlich? So long - Roland

N a c h t r a g 1
Betreff: LL2002-Krisenstab (E-Mail vom 21.3.02)
Liebe Geheimnisträger, Aktivatoren und harte Kerne!
Dieses Jahr wird es nichts mit Lapsus live in Zarnekla. Wir haben alles um und um überlegt (und überfühlt), aber wir haben derzeit rein gar nichts frei für diesen Akt. Vielleicht läßt sich ja woanders noch was löten. Nichts für ungut! Und das for ever! Ro Li

N a c h t r a g 2
Servus, schönen Tag!
Als Anlage (DOS-Text) meine Kommentare zur Eurem After-LAPSUS-LOver-Brief.
Übrigens ist auch bezeichnend, daß niemand an mich direkt geschrieben hat (seit April, nebenher), alles geht an großen starken Papa Achim, der wird schon irgendwas machen...
Lustige Grüße! Roland

Hallo ihr Lieben, [...] Etwas traurig macht uns, was so im Nachhinein abgelaufen ist.
[Roland fügt hinzu:]
Ein bißchen Frieden, ein bißchen Wehmut, ein bißchen Trauer, ein bißchen Glück...
Über E-mail konnten wir schon einiges aus dem Lover lesen. Wir haben uns eine ganze Weile darüber unterhalten und sind zu dem Entschluss gekommen, auch dazu einige Zeilen zu schreiben.
Wir können Rolands Verbitterung nicht so recht nachvollziehen.
Das wäre ja noch schöner! Dann hätte ich z.B. Bert Brecht im LOver 33 gar nimmer zitieren brauchen usw! Meine "Verbitterung" ist nichts als Klarheit über den Stillstand der Dinge. Zugedeckelt mit dem Begriff "Menschlichkeit", der völlig belanglos ist, vollgestopft mit x-beliebigen Meinungen wie ne Weinaxgans. Aber vollzieht (Vollzug...) doch einfach die "Verbitterung" unrecht nach, klappt garantiert!
Natürlich tat es uns leid (und mit Sicherheit auch vielen anderen), dass Lapsus diesmal nicht in Zarnekla stattfand. Aber, wir glauben, alle, die in letzter Zeit zu Lapsus waren und auch die Beiträge im Lover mitverfolgten, wussten von den Problemen, vor allem gesundheitlicher Art und akzeptierten einfach die getroffene Entscheidung.
Klare Konsens-Entscheidung aller, die LAPSUS-live mittragen. Da sehe ich, wieviele das sind. Und ein Ruck geht durch LAPSUS-Land, und jedes duckt sich und hält still. Die da oben werden's schon wissen. Die Mauer muß weg! Stasi in die Produktion!
Oder war sie gar nicht ernst gemeint?
Und sonst so?
Wäre sie bei vielen Bitten um Durchführung zurückgenommen werden?
Nee. Aber bei vielen anteilnehmenden Händen und Herzen der LAPSUS-Nation. Ähm LAPSUS-Kaution, ähm Lapsusen-Union, ähm Knorbel-Subvention, sowas.
Wir denken doch nicht, dass es so gemeint war.
Und? Pustekuchen!
Außerdem ist es uns unverständlich, dass Roland über das Lapsus in Tangermünde nach dem Ansehen einiger Bilder so hart urteilt.
Was hart? Ohje. Sorry! Eigentlich habe ich doch erst jetzt in der Ostseezeitung annonciert: Derselbe Trog, nur die Schweine wechseln.
Ja, es gab Grillfleisch und Torte - na und?! Hat sich irgend jemand darüber aufgeregt, dass es so etwas in Zarnekla nicht gab? Oder muss nur dort Toleranz und Akzeptanz gegenüber den Gastgebern gezeigt werden, was anderen nicht zugestanden wird?
Na und?! Über was regt Ihr Euch auf? Nitrogen?
Wir jedenfalls kamen nach Zarnekla und überhaupt zu Lapsus, weil wir die Leute mochten, sie sehen wollten und mit ihnen zusammen sein, auch wenn die Lebensweise eben nicht unserer sonstigen entsprach.
Ohja, haben wir deutlich gemerkt dieses Jahr.
Es ist uns aber auch nicht all zu schwer gefallen, weil eben die Menschen herzlich waren. Für uns war Lapsus immer eine Zeit der Toleranz. 3 Tage, in denen man sich traf und mochte, ohne sich gegenseitig Fehler vorzuwerfen.
Und die restlichen 362 Tage? Null Toleranz, unendlich Vorwurf, allschwerer Fall, gallige Leute?
Klar gab es Gemeinsamkeiten, aber müssen deshalb alle gleich sein?
Gleich menschlich? Desganz?? Bald menschlich???
Warum ist es nicht möglich, sich einfach so als Mensch zu sehen,
Falls diese Frage ernst gemeint ist, kann ich nur dringendst empfehlen, "Formen der Wirklichkeit" von Laurent Verycken zu lesen!!!
mit Schwächen, wie immer die auch sein mögen. Gerade die Menschlichkeit beinhaltet doch einen Lapsus oder meist mehrere.
Ist Euch das wirklich nicht zu bekloppt oder einfach öde? Fragt doch mal Mao, was "Menschlichkeit" beinhaltet oder Neanda Thaler oder Georg UU Busch oder Eure Nachbarn oder Güntha Jauch oder Achim oder die UNO oder die Stasi oder Euer Sozialkundebuch oder das Grundgesetz oder Kollateralgeschädigte oder Adolf Schinkenhuber oder Iks Beliebig.
Nein, Ihr fragt Euch. (Ohne den leisesten Ansatz der Frage, woher Ihr's haben könntet!) Und Ihr wißt bescheid! Ihr seid die ersten, die den Begriff mit allmächtiger Wahrheit gefüllt haben! Glückwunsch! Aber Vorsicht: alle anderen (Schüler!) könnten anders handeln! Also feste, feste...
Nur - mir ist das nichts als leeres Stroh dreschen. Verzeiht mir diesen LAPSUS!
Götter mögen vielleicht perfekt sein, aber oft auch grausam und mitleidslos. So auch die Götter des beschworenen Walhalla.
Ja, da kann ich nicht so mitreden. Ich glaube nicht. Weder an Götter, noch an Mitleid, noch an Buntsamkeit, noch an Schwüre, noch an Wale, noch an Lalla, noch an Perfekt-Motorradhelme.
Bei allen Prinzipien, so gut sie auch angedacht sein sollten, darf doch nicht vergessen werden, dass wir alle Menschen sind, ob wir nun Bratwurst essen oder nicht.
Ob wir nun Fünfen schreiben oder nicht. Ob wir nun Bomben über Belgrad ausklinken oder nicht. Opfer nun zum Zyklon-B-Duschen einladen oder nicht. Ob wir nun dummes Volk von der Straße knüppeln oder nicht. Ob wir nun Fleisch essen oder nicht. Ob wir nun Regenwälder abholzen oder nicht. Opfer sterben oder nicht. Ob wir nun scheinheilig sind oder ja.
Aber ich will Euch auch mal trösten: man kann nichts gut denken oder andenken oder ausdenken. Aber was wäret Ihr ohne Prinzipien? Ohje.
Und wenn wir zu dem stehen, was wir sind, sollten wir auch so handeln - also menschlich.
Kann ja jeder sagen. Was seid Ihr denn? Kann ja jeder sagen.
Denn ohne Menschlichkeit ist alles andere ohne Wert.
Und ohne Werte. Und ohne Essen. Und ohne LAPSUS. Und ohne Demokratie. Und ohne Schulen. Und ohne Ordnung. Und ohne Freiheit. Und ohne Informationen. Und ohne Arbeit. Und ohne Hansi. Und ohne Ginger.
Und für mich ist jemand, der anderen seine Lebensweise aufzwingen will, ein Spießbürger, ob es nun Bratwürste und Torten oder Müsli und Möhren sind (wenn wir es der Einfachheit halber beim Essen als Symbol lassen).
So was höre ich von staatsdienenden Lehrern immer besonders gern! Aber sonst wären's ja auch keine Lehrer. Fraglos systemerhaltend füllend des Spießers Wunderhorn: mit Müsli, fetten Turnschuhen, geilen Torten, Castoren, Pastoren, Ähren und Möhren.
Aber Ihr wollt ja nicht. Ihr müßt einfach. Halb. Leben??? By the way: versucht's mal paar Wochen mit symbolischem Essen. Einfach halb, ruckzuck!
Trotzdem habe ich dann Mitleid, so eine Einstellung zeugt immer von tiefer Einsamkeit, Unzufriedenheit und Zerrissenheit.
Danke bestens! Aber leider Irrthum: Mich hat noch niemand (da laß ich nicht mal Gott himself ran) eingestellt, ich bleibe glücklich "abeitslos von Amp wegen". Geht Ihr öfter mal inne Werkstatt, die Einstellungen zu korrigieren, regelmäßig TÜV-Check, TV-Abgleich? Ihr hattet sicher auch ein paar Tränen für Joschka Fisher, was? Der arme Kerl, ganz zerrissen, tief einsam und unbefriedigt damals ob des Kriegzeugens auf dem Balkan. Denkt nur: ohne Alleinsein ist alles nichts. Und Beten im Stillkämmerlein nicht vergessen, Mitleid macht frei!
Schön finde ich aber trotz all der Kritik, dass Roland auch über die Synchronisation lachen konnte und ich hoffe, herzhaft und befreiend und nicht kaputt, (das wünsche ich ihm auf jeden Fall).
Hab' ich fein gemacht, gell? Komisch, daß niemand meine Kritik schön findet. Das genau ist ja ein Punkt. Gut Winter miteinander, in freyer Herz-Haft! Ich lache noch immer!
Liebe Grüße Ginger und Hans
Grüße Liebe Roland

"Denn Sicherheit jeglicher Art, nicht erst der Krieg, ist das den Frieden unter den Menschen am meisten bedrohende." Gerhard Weber "Ro Li B.

Frau Lehmann

eine Odyssee, 13. und letzter Teil, aufgeschrieben von Regina
(1. Teil in LOVER 20, 2. Teil in LOVER 21, 3. Teil in LOVER 22, 4. Teil in LOVER 23, 5. Teil in LOVER 24, 6. Teil in LOVER 26, 7. Teil in LOVER 27, 8. Teil in LOVER 28, 9. Teil in LOVER 30, 10. Teil in LOVER 31, 11. Teil in LOVER 32, 12. Teil in LOVER 33)
***** Die komplette illustrierte Geschichte kann als Buch beim Odyssee-Verlag bestellt werden. *****

Es war ein harter, erbarmungsloser Kampf, den Frau Lehmann im Arbeitslosenverband "Dau wat – egal wat e.V." auszufechten hatte, aber sie stellte sich ihm mit der nötigen Kaltblütigkeit, denn sie wußte genau: Hier ging es um ihr Leben, und ihre Ehre – um ihr Glück, kurz: Es ging um Dietfried. Und wer es wagte, ihr dabei in die Quere zu kommen, hatte ganz einfach Pech gehabt.

Die blonde Moni zu vergraulen, war relativ einfach. Frau Lehmann lauerte dieser dummen Schnepfe spätabends auf dem Nachhauseweg auf und hielt sich die Taschenlampe unter das Gesicht, so daß sich Moni plötzlich einer gespenstisch erleuchteten, gräßlichen Fratze gegenübersah. Diese Fratze öffnete ihren blutrot geschminkten Schlund und dröhnte mit markerschütternder Grabesstimme: "Ich bin der Geist von Inge Fies. Wenn du dich noch einmal im Arbeitslosenverband blicken läßt, komme ich dich holen!" Laut kreischend lief Moni davon, und seitdem mied sie den Verband wie die Pest, was nur zu ihrem Besten war.

Der rothaarigen Isolde, diesem zähen Luder, war so nicht beizukommen, zumal sich zwischen ihr und Dietfried offensichtlich erste zarte Bande entwickelt hatten. Allzu auffällig lobte er Isoldes alberne Bastel- und Häkelarbeiten und legte ihr dabei manchmal sogar seine kräftigen Hände auf die Schultern. Dem mußte Einhalt geboten werden.

Frau Lehmann begann Isolde auf Schritt und Tritt zu observieren, und bald konnte sie Dietfried die knallharten Beweise dafür auf den Tisch legen, daß Isolde heimlich nachts in einer Bar jobte. Und tagsüber mimte sie dann die unschuldige Arbeitslose! Als Dietfried von dieser bodenlosen Infamie erfuhr, wurde Isolde sofort dem Arbeitsamt gemeldet und gnadenlos aus dem Verein ausgeschlossen, denn auch er war der festen Überzeugung: Wer arbeitet, und sei es auch nur stundenweise, hat im Arbeitslosenverein nichts zu suchen. Was tun – ja, aber arbeiten – nein!

Endlich war der Weg für Frau Lehmann frei. Wegen ihres engagierten Auftretens wurde sie von Dietfried bald probehalber als Sekretärin eingestellt, allerdings zunächst nur ehrenamtlich. Doch nachdem sie Dietfried gezeigt hatte, welche Möglichkeiten sich für ihn als Vorsitzenden auftaten, stieg sie bald zu seiner Stellvertreterin auf und hatte so endlich einen richtigen, gut bezahlten Job.

Die kleinen Schummeleien, die Dietfried vor Frau Lehmanns Zeiten unternommen hatte, wie das Beiseiteschaffen von Kaffeepulver (deshalb der dünne Kaffee), rührten Frau Lehmann ob ihrer Naivität zutiefst. Doch auf diese Weise konnte man auf keinen grünen Zweig kommen, das sah auch Dietfried bald ein. Und es war diesen arbeitslosen Frauen doch egal, ob sie ins Allgäu oder nach Polen fuhren – Hauptsache, sie konnten was einkaufen. Und in Polen war es doch viel billiger.

Quittungen ließen sich wunderbar fälschen, und die Frauen unterschrieben für ihren Dietfried einfach alles. Sie murrten auch nicht, wenn es zum Basteln nur noch abgebrannte Streichhölzer, Butterbrotpapier und Bierdeckel gab – die waren ja so genügsam! Selber schuld!

Bald war Dietfried von Frau Lehmanns Einfallsreichtum und ihrer messerscharfen Intelligenz so beeindruckt, daß er ihr einen Heiratsantrag machte. Es blieb ihm auch kaum etwas anderes übrig – sie hatte einfach zuviel gegen ihn in der Hand.

Frau Lehmann machte ihm klar, daß sich vor ihrer Hochzeit so einiges ändern mußte: Seine doch etwas heruntergekommen wirkende, verräucherte 2-Zimmer-Wohnung in der Altstadt war für ein Paar in ihrer Position nun wirklich nicht tragbar. Auch wenn Dietfried dafür seine Eltern anpumpen mußte: Ein schmuckes Einfamilienhaus am Rande der Stadt mußte her. Außerdem rechnete sie ihrem Zukünftigen haarklein vor, daß, wenn er auf seine Zigaretten und sein Bier sowie auf die niveaulose Skatrunde am Freitag abend verzichtete, sie sich sehr wohl einen geleasten BMW leisten konnten. Dietfried fuhr doch wahrhaftig noch mit einem hinterwäldlerischen Škoda (!), Baujahr ’85 (!!), herum!

Nach zähem Ringen durfte Dietfried immerhin seine alte Modelleisenbahn behalten. Im neuen Haus kam die eh in den Keller, wo sie keiner sah.

Im Sommer 2000, genauer am 7.7. um 7 Uhr, gaben sich Dietfried Schmidt und Frau Lehmann, die sich von nun an stolz Frau Schmidt nennen durfte, im engsten Kreis der Familie das Ja-Wort. Die stattliche Braut bezauberte in einem Traum aus rosa Rüschen, Schleifen und Bordüren, und zu den Klängen von Gilbert und Gilbert schworen sich Else und Dietfried ewige Treue.

Alles verlief wunderbar, bis sie das Rathaus verließen, und Dietfrieds Toupet von einem heftigen Windstoß in den Dreck gefegt wurde. Er stellte sich manchmal aber auch zu trottelig an! Das Toupet war beim besten Willen nicht mehr brauchbar, und es gab der frischgebackenen Frau Schmidt schon einen Stich, mit einem glatzköpfigen Mann Hochzeit zu feiern. Die gelben, vorstehenden Zähne waren doch nun wahrlich schlimm genug.

Als ihr Vater, der alte Saufkopp, sie nach dem Sektfrühstück auch noch vor allen Leuten mit "Schrubberelse" titulierte, und ihr ältester Bruder Bernd, der gerade erst wegen schwerer Körperverletzung im Knast gesessen hatte, mit Dietfrieds Onkel eine handfeste Schlägerei anzettelte, sank Frau Schmidts Stimmung bedrohlich. Gut, der Onkel nervte wirklich. Er bekam nie auch nur das Geringste mit und fragte dauernd "Was ist denn jetzt wieder?" Aber mußte ihn Bernd gleich so verdreschen, daß er notärztlicher Versorgung bedurfte? Innerlich schwor sie sich, ihre peinliche Sippe so selten wie möglich zu sich in das neue schnieke Häuschen einzuladen. Sie entsprach ganz einfach nicht dem Umfeld, in dem sich Frau Schmidt von nun an bewegte.

Frau Schmidt hatte viel zu hart für ihr Glück kämpfen müssen, um sich jetzt von diesem ungehobelten Pack alles verderben zu lassen. Verwandtschaft konnte man sich zwar nicht aussuchen, aber man konnte sie Gott sei Dank meiden.

Sechs Monate sind seit der Hochzeit vergangen. Frau Schmidt sitzt an einem kalten Winterabend in ihrem Arbeitszimmer am Schreibtisch und tippt an einer Geschichte, die garantiert ein Bestseller werden wird, denn es ist ihre eigene, ergreifende Lebensgeschichte mit all ihren Höhen und Tiefen, welche sie letztlich mit Bravour gemeistert hat. Selbst die Alpträume von einem sich bewegenden Laubhaufen, der in ihrer Geschichte so natürlich nicht vorkommt, werden immer seltener. Sie hat erreicht, was sie wollte: Sie hat ein Haus, ein Auto, einen Job und einen Mann. Na gut, Dietfried ist nicht der Supertyp, für den sie ihn gehalten hat. Die angeblichen Muskeln haben sich als Schulterpolster und die meerblauen Augen als Kontaktlinsen entpuppt, und ein Toupet hilft auch nichts mehr. Dietfried schnarcht, schlürft beim Essen, spuckt beim Sprechen, wäscht sich nach dem Toilettengang nie die Hände, und sein Schlurfen mit den Pantoffeln erinnert sie nur allzusehr an Horst. Doch welche Rose ist schon ohne Dornen? Außerdem ist ihr Ehevertrag wasserdicht. Und so kann sie mit Stolz auf das Erreichte die grandiosen Schlußworte ihrer Story schreiben, die da lauten:

Happy End

Nachtrag

Horst Meyer hat es inzwischen aufgegeben, die vielen Frau Meyers in seinem Leben zu zählen. Selbst an die ursprüngliche kann er sich nur noch vage erinnern.
Doch oft denkt er wehmütig an die Frau Meyer mit den leckeren Fleischklöpschen zurück.

Frau Meyer-Klarsen gerät nach der ABM-Stelle "Frau Meyer", die sie nur sechs Monate innehatte, da Horst ihre Tyrannei nicht länger ertragen konnte, in die Arbeitslosigkeit. Im Winter ’99/’00 taucht sie völlig verwahrlost im Arbeitslosenverband "Dau wat – egal wat e. V." auf, um einige ihrer Kleidungsstücke zu verkaufen. Frau Schmidt, damals noch Lehmann, gibt ihr den guten Rat, ihre gräßlichen Lumpen gefälligst in die Kleidertonne zu werfen und damit nicht anständige Menschen zu behelligen. Ob die Klarsen überhaupt einen Gewerbeschein habe. An ihrer Stelle würde sie bei dieser frappierenden Ähnlichkeit mit Inge Fies lieber hübsch artig im Obdachlosenheim bleiben. Frau Meyer-Klarsen zieht mit Tränen in den Augen ab.

Die fette Frau Schneider wird so fett, daß sie nicht mehr hinter den Schreibtisch des Büros paßt und nach einer erfolglosen Abmagerungskur entlassen werden muß.
Auf einer Parkbank wird sie eines Tages von zwei Pitbulls angegriffen und übel zugerichtet. Seitdem hat sie Anspruch auf Rente und ist somit sozial abgesichert.

Frau Hiller-Sasse macht sich mit dem Kosmetiksalon "Pink Fluid" selbständig und wundert sich darüber, daß ihr Laden hauptsächlich von langhaarigen Althippies frequentiert wird, die nach CD‘s und Videos fragen und enttäuscht wieder gehen.
Nach einem Jahr muß sie den Konkurs anmelden und wird Sozialhilfeempfängerin.

Fräulein Thoms lernt während ihres Urlaubs in Costa Rica den 63-jährigen Zuckerrohrplantagenbesitzer José Rodriguez kennen. José ist klein, schwerhörig und nicht sehr ansehnlich. Außerdem spricht er kein Wort Deutsch. Aber Fräulein Thoms möchte um keinen Preis der Welt wieder ins Büro zurück und willigt schließlich in eine Hochzeit ein. Wegen eines Mißverständnisses hinsichtlich ihres Vornamens nennt man sie nach der Heirat überall Fräulein Rodriguez.

Dr. Klaus-Uwe Rötelmeyer muß nach der Sitzung mit der mutmaßlichen RAF-Terroristin Inge Fies in die geschlossene Abteilung der Psychiatrischen Klinik eingeliefert werden, die von Prof. Dr. Dr. Flach-Zange geleitet wird. Er leidet unter zunehmendem Verfolgungswahn – selbst seine Mutter hat für ihn plötzlich beängstigende Ähnlichkeit mit Inge Fies. Sogar der berühmte Professor kann ihm nicht helfen.

Der Mops von Frau Krüger fällt eines schlimmen Tages einem Chinesen zum Opfer, der seit drei Jahren in Deutschland ausharren mußte, bevor er sich endlich wieder sein Lieblingsessen kochen kann: "Mops Sui".

Im Frühjahr 2000 findet man im hiesigen Stadtpark die sterblichen Überreste eines etwa 50-jährigen Mannes, dessen Identität nie geklärt werden kann, da er anscheinend nie einen Zahnarzt besucht hat. Es gibt auch keine Vermißtenanzeige, die mit dem Leichenfund übereinstimmt.

Nach der ehemaligen RAF-Terroristen Inge Fies wird nach wie vor überall im Land fieberhaft gefahndet, bisher jedoch ohne den geringsten Erfolg.

Gilbert & Gilbert sind mit dem Titel "Du hast nichts gesagt" bis auf den heutigen Tag die Nr. 1 der "Heimatmelodien"-Hitparade.

Regina

Der Turm stürzt ein

Auf den Asphaltfeldern grasen
goldene Kälberherden Tag und Nacht.
Über ihnen Wolkenkratzer,
wo die Computer schmatzen.
Ach, wo ist noch Platz für mich
oder ein Dach für dich?
Hörst du es flüstern im Land?
Dracula sucht einen Sarg,
Helmut kauft sich Koks im Park.
Siehst du die Schatten an der Wand?

Refrain:
Der Turm stürzt ein.
Der Turm stürzt ein.
Halleluja, der Turm stürzt ein.

Der Pepsodent von Ju-Es-Ah
ist ein cooler Loser seiner Macht.
Glänzend, doch schon rostzerfressen
fliegt er durch den Wilden Westen.
Ach, wo ist noch Platz für mich
oder ein Dach für dich?
Hörst du es flüstern im Land?
Old Shatterhand und Nietzsche tot,
im Kaufhof klaut Gott sein Brot.
Siehst du die Schrift an der Wand?

Refrain…

Risse in Beton und Stahl,
müde alles Material.
Hörst du das Flüstern im Land?
Jesus kommt trotz Pillenknick,
Goethe hat mit Faust gefickt.
Die Postbeamten tragen schwarz,
´ne Tonne Öl kost´ tausend Mark.
Siehst du die Chefs an der Wand?

NIE MEHR BLÜHENDE LANDSCHAFTEN

von Michael Rudolf, ND

Wie oft fahren wir gemütlich Bahn und betrachten die vorbeihuschende Kulturlandschaft mit wohlwollendem Verständnis, mindestens jedoch in einem milden Licht der Klar- und Reinheit. Und finden Balance. Um so größer die Bestürzung, die von unseren in dieser Jahreszeit eh schon schwächelnden Gemütern Besitz ergreift, wenn wir die Totalität des Unheils präsentiert bekommen, das gewaltbereite Barbaren über die wehrlose Landschaft gebreitet haben. Millionen ungeklärte Sinnfragen okkupieren die letzten freien Hirnkapazitäten. Man möchte am liebsten wegsehen, doch keineswegs abflauende Erschütterung und verkümmernde Reste von verantwortungsgefühl halten unsere Augen offen. Knallrote und später kohlrabenschwarze Ränder sind es, mit denen sie sich schmücken. Schwer nur sind die Tränen zu halten.

Was war geschehen? Um der Arbeitslosenstatistik vor den Wahlen noch einen entscheidenden Kick zu verpassen, hatte der weiland Arbeitsminister Blüm den Deckel von der ABM-Hölle gerissen. Ganze Armeen von ABM-Kräften, vor allem im Osten, wurden übers Land gestreut. Um eine erhöhte Binnennachfrage anzutäuschen, hängte man jedem eine von frisch gedrucktem Steuergeld gekaufte Kettensäge, Motorsense, ein paar Spitzhacken, Harken und Laubsauger um und ließ sie über bisher ansehnliche oder bisweilen gar liebliche Landstriche hereinbrechen. Zeugen übertreffen sich seither in plastischen Schilderungen der Verheerungen, internationale Beobachter ziehen Windhosen und die Einfälle der Hunnen oder kinderreicher Familien zum Vergleich heran.

In meterdicke Asbestjacken gehüllte Mittvierziger bis Mittfünfziger sägen ab, was abzusägen geht, schreddern, was zu schreddern geht. Bahndämmen rupfen sie das schützende Buschkleid roh vom Leib, Parks werden "ausgeästet" (kein Menschen- und Naturfreund erahnt auch nur, was sich hinter diesem Euphemismus verbergen kann), Straßenbegleitgrün wird unter aufmunternden Zurufen geschändet, der letzte zage Halm zerlatscht von bunten Gummistiefeln. Diabolisches Gelächter hallt wider aus den noch dampfenden Kahlschlägen. "Wir sind zu was nütze. Wir sind wieder wer!" blökt das ABM-Volk wie rasend in den herbstlichen Wind. Während Mutter Natur verzweifelt darüber sinniert, wie viele Erdzeitalter sie brauchen wird, um die gröbsten Schäden zu beheben. Zersägte und zerschredderte Landschaften, die niemals wieder blühen werden.

Wenn's draußen schifft, verkriechen sich die meisten in die überall herumlungernden Bauwagen, rauchen wie die Stadtsoldaten, stopfen Kuchen und Eisbein in sich hinein, knacken mit leeren Bierdosen, weiden die Abfalleimer nach halbverfaulten Bratwürsten ab und liegen auch sonst toxologisch voll daneben. Äußerlich erschreckend maskulin veranlagte Damen thematisieren öffentlich ihre Klimakteriumsbeschwerden oder machen uns mit unsittlichen Angeboten die Entscheidung für diverse Kapitalverbrechen leicht. Die stets alkoholisierten Männchen assoziieren frei über den Weltuntergang, den sie sogleich mit ihren Gerätschaftenauf die Sprünge zu helfen gewillt seien. Und niemand schreitet ein.

Verstehen Sie uns nicht falsch. Der ABM-Gedanke ist ein unmittelbar schlechter nicht. Doch Arbeit ist ein zweckmäßiger und bewußter Stoffwechselprozeß mit der Natur, können Sie überall nachlesen. Ro Li B.

HEIMATKUNDE

Natürlich hören sie beim Frühstückswurstbrot die Überschwemmungsnachrichten, das dauert nur 5 Minuten - wasn Arbeitsplatz -, und morgen hier der Platzregen, der 5 Stunden dauert, jetzt - erstmal - weiter mit dem Versiegeln: Straße, Radweg, Rentnerweg, Hundeweg, Landeplatz, Parkplatz, Landepark, Hundepark, Rentnerpark, Radpark, Straßenplatz.
Natürlich sehe ich den Himmel nicht in der Nacht der Sternschnuppen, der Kunstlichtpark vertreibt uns sogar einen Ansatz nur des Nachdenkens. Das Denken berührt nicht mal die Oberfläche.
Natürlich werden die versiegelten Flächen mit Pflanzen-Ex blank gehalten.
Roland (im August im Krankenhaus)

Nichtveröffentlichte Leserbriefe (#5)

Auch Blätter aus dem "alternativen" Wald haben so ihre Schwierigkeiten mit der Post ihrer Leserschaft. Ich hetz nicht gedacht: (an "plattrad", Fahrrad-Magazin für McPomm)

Hallo, folgendes will ich seit langem schon schreiben: Der Zeitgeist scheint doch mächtig gewaltig mit den Tassen im Schrank aufzuräumen. Der lüttere Stein: "mit dem bunteren Aussehen ändern sich nicht die Ziele" - haben schon viele behauptet! Alles so schon bunt hier, Mitmachen ist erste Bürgerpflicht! Und wozu??? Erzähl mir keiner, daß die Farbpanscherei, die Multichrombildschirme, die Grafikkarten, der ganze Trödel dahinter nicht die Grundlast auf die Biosphäre erhöht! Und mittlerweile allseits bekannt ist ja wohl, daß wir (auch wir Herren und Damen Radler) bis 2050 unseren Stoff- und Energiedurchsatz auf wenigstens 10% des heutigen Standes runterfahren müssen, um die allerschlimmsten Auswirkungen unseres derzeitigen Seins auf die Biosphäre halbwegs verhindern zu können oder wenigstens zu verzögern. Merkt man irgendwas davon im Plattrad? Nö. Die große Klamotte: Da wird noch zum Ausbau der Fahrradwege aufgerufen! Bodenversiegelung, Erdöl aus Sibirien oder sonstwo, wo dafür ganze Landstriche verwüstet werden, "Uns gehört die ganze Welt!" - na klar!, Schneller-Höher-Weiter!, "effektive" Baumaschinen, Biotope zerschneiden, Landstriche erobern, Ausgleichpflanzungen, dem Industriesystem hofieren bis zur Analliebkosung! Am besten noch zweispurig (kommt noch!), mit Unfalltelefonen, Krötentunneln, Wildbrücken, Leitplanken, ADFC-Rettungshubschraubern (natürlich "grüne Engel"!), Raststätten usw. usf. - kommt alles noch, wird alles noch gefordert! Jaja, die Touristen, für die schon seit tausenden Jahren das menschliche Dasein hergerichtet werden muß und die "Vorteile für die Bevölkerung", die sich nur im Zoo wohlfühlt, ich meine mit dem Eintrittsgeld, ich meine überhaupt nur bunte Bilder und Geld. Und eine Beschilderung natürlich (verschönert jedes Dorf!), daß wir immer wissen, wo es lang geht und nicht mehr als Rückenmark oder maximal das Kleinhirn benutzen müssen. Tja, was sind wir Radler doch für Gutmenschen und was haben wir doch auch für edle Werbung im Plattrad!
Und sonst so?
Schulterklopfen. Die Aliens sind unter uns.

Roland Gorsleben, Zarnekla

Nichtveröffentlichte Leserbriefe (#6)

Irgendwann mit dem Eintreffen meiner Wahlbenachrichtigungskarte hatte ich die Idee, folgende Anzeige in die Zeitung(en) zu setzen:
 
Derselbe Trog, nur die Schweine wechseln. 
Verkaufe meine Wahlstimmen meistbietend: 
Roland Gorsleben, Dorfstr. 19, 17121 Zarnekla

Ich schickte sie ab und sie kam abgelehnt zurück: vom Blitz-Verlag ohne Begründung, von der Ostsee-Zeitung (gehört dem Springer-Konzern) wegen "grundsätzlicher Erwägungen", vom Nordkurier (Gruner&Jahr) wegen "verlagsinternen Gründen". Ich rief dann bei der OZ, um näheres über die Begründung zu erfahren, es blieb trotz 8-minütigen Gesprächs aber bei dieser grundsätzlich schwammigen Aussage, ich könne es ja ohne den Eröffnungsspruch nochmal probieren, die Worte werden dann aber wohl trotzdem wieder gegen die "guten Sitten" verstoßen, wenn der Text den zensierenden Gutachtern vorgelegt würde, "so was hatten wir bisher auch noch nie" und "eine Zeitung muß nicht jede Anzeige annehmen" und "auch bei den Sex-Anzeigen fliegt manchmal die eine oder andere raus"... Die meiste Zeit war aber betretenes Schweigen am anderen Ende der Leitung, obwohl ich den Anzeigenchef dran hatte. Nun gut, es gibt ja noch das Neue Deutschland.
Aber auch da - retour ohne Begründung. Ich wollte es aber genauer wissen, warum (denn die "Wahl" rückte näher), hakte nach und bekam diese Antwort:

Sehr geehrter Herr Gorsleben,
Sie fragen nach einer Begründung für die Ablehnung Ihrer Anzeige: "Derselbe Trog..." : In der Frankfurter Rundschau hatte ein Akademiker seine Wahlstimmen für einen Arbeitsplatz angeboten. Daraufhin hat die Staatsanwaltschaft seine Wohnung durchsucht. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft kann der Verkauf einer Wählerstimme mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. Davor wollten wir Sie bewahren!
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Friedrun Hardt
Anzeigenleiterin
Tel.: 030/29 39 06 41, Fax -640
f.hardt@nd-online.de

Habe ich es nötig, immer wieder gesagt zu kriegen, in was für einem Land ich lebe? Das weiß ich doch bis zum Schluckreflex. Was war die DDR doch jungfräulich gegen diese subtile Stacheldrahtzieherei (vonwegen Honecker: "Wer sich bewegt, hat verloren"!): hier im gehorsamen Osten funktioniert die Beschneidung schon von den Medien aus, ohne daß die genau wissen, warum sie da was tun, im freien Westen druckt das natürlch eine Zeitung (FR für den Akademiker), da greift aber dann das Gesetz, Resultat dasselbe (ich meine, mein Schreibtisch sieht nach einer Hausdurchsuchung auch nicht anders aus). Und wenn Wanzenspürgeräte nicht zu teuer wären.
 

Nichtveröffentlichte Leserbriefe (#7)

Parallel hatte ich noch ein anderes Leserbriefprojekt laufen, es sollte eine Eulenspiegel-Aktion werden, kam jedoch nicht bis ans Happyend, aber das Fragment ist schon amüsant, oder? Ich schrieb an unseren CDU-Kandidaten für den Landtag, weil ich seine ganzseitige Werbung gelesen hatte (und Schluckreflex bekam):

Werte Frau Holznagel!
Interessiert habe ich Ihr Portrait im Kreisanzeiger gelesen! Ich finde es gut, daß auch Sie Interesse an den Wählern haben ("Renate Holznagel ist für Sie da!")!
Eine Frage nun also (zu dem Kästchen unten links, Ziele Ihrer künftigen Politik): Welches Land "hat es" denn "verdient, zum Schlußlicht in Deutschland zu werden" (wenn nicht Mecklenburg-Vorpommern)?
(Ich meine Rheinland-Pfalz, eines der häßlichsten Länder - aber ich glaube, Sie sind da mit der Bewertung einfach kompetenter, wissen auch eher, wo der "Wille" nur fürs Schlußlicht reicht.)
Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen und verbleibe mit freundlichen Grüßen - Roland Gorsleben, Zarnekla.

Hoppla, ich bekam Antwort!

renate.holznagel@freenet.de schrieb:
sehr geehrter Herr Gorsleben,vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihr Interesse.Sie haben natürlich Recht , kein Land hat es verdient an letzter Stelle zu stehen ,aber um die Entäuschung deutlich zu machen habe ich diese Ausdrucksweise gewählt.Für ein Gespräch stehe ich gern zur Verfügung,wir sollten einen Termin vereinbaren(03999814834).viele Grüsse R.Holznagel

Vielleicht stünde die gute Frauin ja auch für eine Brieffreundschaft zur Verfügung? Ich antwortete prompt:

Werte Frau Holznagel!

Ich hatte kaum an eine Antwort geglaubt! Haben Sie recht herzlichen Dank dafür!

Wir könnten uns sehr gern unterhalten, jedoch wurde ich vor kurzem am Kreuzband operiert, daß ich derzeit nur äußerst mühsam unterwegs bin und möglichst alle Wege vermeide. Am Telefon würde es leider zu teuer werden (bin arbeitslos...). Ich hoffe, es stört Sie nicht, wenn ich mir erlaube, auf diesem Wege noch einige Anregungen zu geben!

(Übrigens kennen wir uns zumindest vom Sehen, ich war vor einigen Jahren bei einer Verantstaltung mit Ihnen hier im Gemeindesaal in Zarnekla!)

Sie können es sich vielleicht gar nicht vorstellen, wie weh mir das tut, daß der Bundeswehrstandort Basepohl trotz unserer Lichterkette [7000 Läutchens gingen hier für "Standorterhaltung" eines Sonntages auf die Straße, vom Bürgermeister über alle Muschkurtens bis zu den Pfaffen, hielten sich an einem Seil vom Rathaus Stavenhagen bis zur Kaserne Basepohl und an Kerzen fest und sangen so schön.] geschlossen wird - denn ich habe dort 1980 bis 82 gedient und schon damals alles für unser Land gegeben! Sie betonen in Ihrer Wahlanzeige, "besonders die Auslandseinsätze haben gezeigt, wie leistungsfähig die Bundeswehr ist", ich hätte das schon damals brennend gern bewiesen, nicht nur in Polen, auch in der SPD-regierten BRD. Schade, daß es zu meiner Zeit im Ausland nichts wurde. Meine damaligen Vorgesetzten verstanden mich auch überhaupt nicht! (Das sind übrigens alles die selben alten Seilschaften! Vor einiger Zeit war ich an so einem Stand von der PDS aufgehalten worden, "Helm ab", "Frieden schaffen" und so, das gleiche Gerede wie früher!) Und was kann ich heute schon groß tun, ich wurde zwar als Strela-Schütze ausgezeichnet und bewahre auch die Schützenschnur noch an einem Ehrenplatz auf, aber als Reservist... (Ach wissen Sie, wie wohltuend das ist, mal einem Politiker das Herz ausschütten zu können?!) Vielleicht kommen unsere Jungs ja doch noch im Irak groß raus, was meinen Sie? Das wird doch da sonst nie was mit Demokratie und sozialistischer Marktwirtschaft!

Ich finde es gut, daß Sie "um jeden Arbeitsplatz, um jeden Investor im Landkreis Demmin kämpfen werden"! Kann man in Basepohl nicht ein etabliertes Rüstungsunternehmen ansiedeln? Es wird doch in Zukunft (und mit der CDU!) notwendig sein, die Bundeswehr mit allem bestens zu versorgen, Munition, Euro-Fighter, was weiß ich, Schuhe, AK 47, Messer... Vielleicht sogar russisch-deutsche Joint-Ventures? Die Gebäude sind da, die Verbindungen nach Rußland sind da, Testgelände ist da, die Arbeitskräfte, "die sich lohnen", auch!

Einen Punkt möchte ich noch berühren: Ihre Erfahrung, daß "ganz besonders die Kinder unseren Willand mögen" [ein Maskottchen, abstrakter Storch, Wille + Land...]. Mir fiel da gleich ein, daß ein Wahlrecht für Kinder gar nicht so schlecht wäre. Der Wahlkampf würde viel unmittelbarer Früchte tragen: Springburgen, Coca-Cola, Fähnchen. Obwohl mein Ältester sich von der Wahlseite nur Ihr Foto vor dem Panzer angeschaut hat. Aber auch Jugendliche könnte man ja mit abgewandelten Maskottchen erreichen: z.B. Panzer Leopohl (Leo für Leopard, pohl für Basepohl!). Naja, ich hätte da noch viele Ideen!

Nun, ich schließe hier, ich hoffe, Sie haben trotz der heißen Wahlkampf-Phase wieder etwas Zeit für eine Antwort und grüße Sie herzlich - Roland Gorsleben, Zarnekla

P.S. Unsere "mutlose Landesregierung" hat wirklich "nichts ins Land geholt", gerademal das Hochwasser! ;-)

P.P.S. Zu Ihrer Antwort oben noch, ich meine, aus christlicher Ethik heraus könnte ich nicht sagen, es soll keine Schlußlichter geben, wenn ich gleichzeitig Spitzenplätze einräume - oder?

Schade, nun folgte nur noch das große komische Rauschen. Und für die Eule noch zu mager. Und für ne Hausdurchsuchung auch. Und an alle verfügbaren CDU-Adressen (Bonn, Berlin, Greifswald, Wolgast, Lötz...) schickte ich ("Empfänger zahlt!") die Wahlkampfbriefpostwurfsendungen zurück und nur Lötz nahm's nicht an und wenn er nicht gestorben ist, so geht der Brief noch bis zur nächsten "Wahl" hin und her und hin und her...
Roland

Vorrang für die Staats-Sicherheit

Schnell mündet das Erschrecken über die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon in die sehr praktische Frage, wie so etwas möglich sein konnte - und was getan werden muss, damit es in Zukunft unmöglich wird. Wer so fragt, will nicht wissen, warum diese Weltordnung und die Macht, die sie garantiert, sich so radikale, gegen sich und andere rücksichtslose Feinde macht, sondern steht auf dem Standpunkt der angegriffenen Staatsmacht und wird von da aus selbstkritisch: Möglich sind solche Anschläge nur, weil "Wir" es "Dem Bösen" erlaubt haben, unsere Freiheiten zu mißbrauchen.

Dieser Mißstand soll nun beseitigt werden: Der Staat muss seine Gesellschaft effektiver unter Aufsicht nehmen und dafür sorgen, dass er alleweil weiß, was die Leute in seinem Herrschaftsbereich treiben. Die Freiheit des Bürgers und ihre Unterabteilungen - Privatsphäre, Datenschutz, Bankgeheimnis, rechtsstaatliche Prozeduren bei der Verbrechensbekämpfung und beschränkte Polizeibefugnisse - alles das gilt jetzt als Sicherheitsrisiko, das sich Deutschland angesichts der Bedrohung nicht mehr leisten darf.

Eine schöne Auskunft wird da über die liberale Ordnung gegeben: Freiräume werden nur gewährt, wenn der Staat unangefochten herrscht und niemand widerstrebt. Alles andere ist Mißbrauch der Freiheit. Wo der vermutet oder entdeckt wird, geht die Macht des Staates, der die Freiheit schützt, vor und die Freiheit der Bürger wird beschränkt.

Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit: Die Darstellung der Freiheitsrechte als schöner, aber gefährlicher Luxus unterschlägt, dass sie eben kein Luxus und auch kein Verzicht auf Indienstnahme des Bürgers für Staat und Wirtschaft sind, sondern vielmehr deren bürgerliche Grundform. Der freie Bürger darf und muss sich selbst um seinen Gelderwerb kümmern - und kann gar nicht umhin, sich dabei fürs Kapitalwachstum und für den Fiskus nützlich zu machen. Diese Freiheit wird auch nicht abgeschafft, sondern durch ihre Einschränkung geschützt. Der Konflikt zwischen Freiheit und Ordnung, zwischen dem Imperativ zum freien Konkurrieren und der hoheitlichen Aufsicht über das Tun und Lassen der Freien gehört zum Betrieb und ist deshalb auch älter als die neuen Initiativen zur Terroristenbekämpfung. Einige ‚neue‘ Verschärfungen hatte Innenminister Schily schon vor den Anschlägen in der Schublade; ihm fehlte zu ihrer Durchsetzung nur die parlamentarische Mehrheit.

Jetzt werden sie unter dem Beifall der Deutschen beschlossen, die vor 15 Jahren ihrer Regierung wegen einer Volkszählung einmal das Schlimmste zugetraut hatten: Mißtrauen gegen die Bürger, Schnüffelstaat, Gesinnungsprüfung, Repression. Heute zielt die verschärfte Aufsicht aufs Aufstöbern islamistischer Geheimbünde - und da sehen sich die Deutschen nicht betroffen. Wenn es darum geht, dass verdächtige Ausländer geschnappt werden, lassen sich die Deutschen gerne durchleuchten. Sie merken, dass sie den Schutz ihrer Daten und ihrer Privatsphäre vor dem Staat gar nicht brauchen: Wer keinen Dreck am Stecken hat, muss sich nicht fürchten, ein "gläserner Bürger" zu sein. Mehr im www.Gegenstandpunkt.com.
 


 

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