OVER Nr. 37


LOVER Nr. 37

(erschien 5/2004)

Auszüge:

[Ditorial] - [Staumelder] - [Déjà vu] - [Der Herr des Scheunenhofs] - [Vor 1980 Geborene] - [Verse] - [Gips im Bein] - [güters high] - [Große Augen] - [5 Affenschwänze] - [Werbung LAPSUS LIVE 2004] - [Gotcha!] - [Heimatkunde] - [Nuklearmüll ins ewige Eis] - [Re@ctor]

LOver 37


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Das freudigste Ereignis der letzten Tage? Dass Anja in jedem Fall auch kommen will – zum 21. LAPSUS LIVE. Sicherlich werden wir damit nicht den Besucherrekord brechen, aber wer steht schon auf schneller, höher, weiter? Wie wär’s mal mit interessanter, tiefsinniger, gehaltvoller? Zu hoch gepokert? Ein Blick ins Programm von LAPSUS LIVE 2004 im Mittelteil dieses Heftes (Zum Herausnehmen! Geil, gell!?) könnte euch davon überzeugen, dass wir diesen Maximen wieder mal sehr nahe kommen. Zu den Höhepunkten gehören dabei sicher Franks Dia-Vortrag "Mali-Blues", Elisas Porträt der "Red Hot Chili Peppers", Gingers Theater- und Rolands Waldspiele, Achims Lesung "Der Herr des Scheunenhofs" mit Musik und Bildern und und und... Alle, die sich entschließen können, dabei zu sein, werden also einiges erleben – an diesem ganz besonderen Wochenende.

Außergewöhnlich wird auch der allabendliche bzw. eher morgentliche Kehraus in der Scheune, denn wir haben einen Beamer und können uns deshalb als Abschluss der Tage jeweils wenigstens einen Film ansehen, natürlich mit Vorfilm und ohne Werbung. Die Liste zur Auswahl eurer Wunschfilme findet ihr hier schon mal im Heft. Wenn ihr selbst noch besseres und LAPSUS-gerechtes im Video- oder DVD-Regal habt, dann bringt es einfach mit.

Allen Lesern eine interessante Lektüre dieses Lovers, allen Teilnehmern ein wundervolles Fingsttreffen bei allerherrlichstem Wetter und allen Mitgestaltern Danke! LAPSUS LIVE 2004. Neugierig!? ;-) Leopold

Keep On Rockin‘!


Staumelder

Achtung AutofahrerInnen und Autofahrer! Falls es mal wieder etwas länger dauert, z.B. auf dem Weg nach Zarnekla: Vielleicht befinden sich Menschen auf der Fahrbahn. Einfach die richtige Musik einlegen und ausnahmsweise mal darüber nachdenken. Wir melden uns, wenn die Gefahr vorüber ist. Allen eine gute Fahrt oder einen guten Gang... 


Déjà vu

Geheimbotschaft aus dem Jenseits oder Gedächtnis-Fehler?

Déjà-vu-Erlebnisse umgibt eine magische Aura: Stammen die Erinnerungen aus einem früheren Leben? Oder gerät nur etwas im Hirn durcheinander? Forscher versuchen seit langem, dem mysteriösen Erinnern auf die Schliche zu kommen.

Déjà vu ist französisch und bedeutet auf Deutsch übersetzt "schon mal gesehen". Es beschreibt das unheimliche Gefühl oder die Illusion, man habe etwas, das man zum ersten Mal wahrnimmt, schon einmal gesehen oder erlebt. Der Begriff Déjà-vu geht angeblich auf Napoleon zurück. Als der auf einem Hügel bei Jena stand, die Aufstellung seines Heeres überblickte und im Morgendunst das feindliche Heer der Preußen sah, soll ihn das Gefühl beschlichen haben, er habe genau diese Szene ohne Unterschied schon einmal gesehen.

Fast alle Menschen kennen Déjà-vu-Erlebnisse: Man steckt mitten in einer völlig neuen Situation, und trotzdem wähnt man für Sekundenbruchteile, dies alles genau zu kennen, dies schon einmal erlebt zu haben. Manchmal reicht schon ein gehörter Satzfetzen oder ein flüchtiger Blick auf irgendein Muster, um das Gefühl des Irgendwie-Vertraut-Seins, des Wieder-Erkennens aufkommen zu lassen.

Déjà-vu-Erlebnisse unterscheiden sich von normalen Erinnerungen: Erstens weiß man ganz genau, dass die Vertrautheit mit der gerade erlebten Situation nicht wirklich echt sein kann. Zweitens kann man bei einem Déjà-vu-Gefühl nie genau sagen, wann und wo man dieselbe Situation schon einmal erlebt haben will. Drittens verflüchtigt sich das Gefühl der Vertrautheit schnell wieder - nach wenigen Sekunden, spätestens nach einer Minute, ist der Spuk vorbei.

Und noch etwas Geheimnisvolles unterscheidet ein Déjà-vu-Erlebnis von einer normalen Erinnerung: Während des Déjà-vus vermeint man häufig, den weiteren Lauf der Dinge vorhersagen zu können - zumindest für die nächsten Bruchteile von Sekunden. Bei dem entgegengesetzten Phänomen, dem "Jamais vu" (nie gesehen), wird eine wohlvertraute Situation als fremdartig und "noch nie da gewesen" verkannt.

Wenn wir davon ausgehen, dass diese Erfahrung tatsächlich auf einem erinnerten Ereignis beruht, dann tritt Déjà-vu vermutlich auf, weil eine ursprüngliche Erfahrung nicht vollständig erfasst und nicht sorgfältig kodiert wurde. Falls dies zutrifft, scheint es höchst wahrscheinlich, dass die gegenwärtige Situation die Erinnerung an ein Fragment aus der eigenen Vergangenheit auslöst. Dieses Erlebnis kommt einem vielleicht unheimlich vor, wenn die Erinnerung so bruchstückhaft ist, dass keine soliden Verbindungen zwischen dem Bruchstück und anderen Erinnerungen aufgestellt werden können. Daher tritt das Gefühl, schon mal da gewesen zu sein, aufgrund der Tatsache ein, dass man schon mal da gewesen ist. Man hat einfach den größten Teil der ursprünglichen Erfahrung vergessen, da man ihr beim ersten Mal keine große Aufmerksamkeit geschenkt hat. Diese ursprüngliche Erfahrung kann durchaus nur Minuten oder Sekunden alt sein. Andererseits kann eine Déjà-vu-Erfahrung auch auf Bildern oder Geschichten basieren, die man viele Jahre zuvor gesehen oder gehört hat. Diese Erfahrungen könnten Teil der schwammigen Erinnerungen an die eigene Kindheit sein, von denen man dann irrtümlich annimmt, sie stammten aus früheren Inkarnationen, denn man "weiß ja", dass sie nicht aus diesem Leben kommen.

Es ist jedoch auch möglich, dass ein Déjà-vu-Gefühl von einem neurochemischen Vorgang im Gehirn ausgelöst wird, der nicht an eine tatsächliche Erfahrung aus der Vergangenheit gekoppelt ist. Man fühlt sich seltsam und ordnet dem Gefühl eine Erinnerung zu, obwohl die Erfahrung vollkommen neu ist. Das bedeutet, Déjà-vu könnte auch ohne die vermeintliche Wiedererkennung von etwas bereits Wahrgenommenen stattfinden. Daraus folgt, dass die Möglichkeit besteht, dass alle Erklärungsansätze für Déjà-vu mit Rückgriff auf verlorene Erinnerungen, frühere Leben oder Hellsicht in die Irre führen. Man sollte vielmehr über das Déjà-vu-Gefühl sprechen. Dieses Gefühl könnte von einer Gehirnaktivität, also neurochemischen Faktoren während der Wahrnehmung, hervorgerufen werden, die nichts mit Erinnerung zu tun haben. Es lohnt sich festzuhalten, dass Déjà-vu-Gefühle bei Patienten der Psychiatrie häufig sind. Das Déjà-vu-Gefühl tritt auch oft kurz vor epileptischen Anfällen der Schläfenlappen auf. Als Wilder Penfield 1955 sein berühmtes Experiment durchführte, in dem er die Schläfenlappen elektrisch stimulierte, fand er heraus, dass etwa acht Prozent seiner Testsubjekte "Erinnerungen" durchlebten. Er lieferte keine Belege für die Behauptung, dass er echte Erinnerungen hervorgerufen habe. Sie könnten genauso gut Halluzinationen und die ersten Beispiele von künstlich erzeugtem Déjà-vu gewesen sein.

Déjà-vus treten gehäuft in seelischen Belastungszuständen, nach längerer Übermüdung und nach der Einnahme aufputschender Psychodrogen auf. Déjà-vus ereignen sich aber auch auffallend häufig während einer "Aura", der eigenartigen Bewusstseinstrübung unmittelbar vor einem epileptischen Anfall in bestimmten Hirnregionen. Schon-Gesehen-Erlebnisse lassen sich künstlich herbeiführen, indem man solche Hirnareale mit elektrischen Strömen reizt.

Cover des Albums "Déjà Vu" vom Archie Shepp Quartet

Versuchspersonen, die Uwe Wolfradt vom Institut für Psychologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in einer neuen Studie befragte, gaben an, dass die Erfahrung bei ihnen überwiegend an einem bestimmten Ort, bei einer konzentrierten Tätigkeit, zumeist für einige Sekunden, jedoch zu keiner bestimmten Tageszeit aufgetreten war. Dem Erlebnis ging zumeist eine entspannte und fröhliche Stimmungslage voraus, und es löste im typischen Fall ein Gefühl der Überraschung aus.

Der heilige Augustinus bezog sich bereits vor Jahrhunderten auf die seltsame Erfahrung, die er, wie viele spätere Denker, mit "falschen Erinnerungen" gleichsetzte. Auch für Sigmund Freud, den Begründer der Psychoanalyse, war das Déjà vu eine Art Resonanz-Effekt: Eine neuartige Situation ruft Anklänge an verdrängte und unbewusste Phantasien oder an vergessene Träume hervor. In gegenwärtigen Situationen, die denen ähnlich sind, die wir in der Vergangenheit durchlebt haben, ist das Individuum möglicherweise nicht in der Lage, diese bewusst zu erinnern und erlebt nur das Gefühl, die gleiche Situation bereits erfahren zu haben.

Moderne Wissenschaftler führen das Phänomen eher auf eine Fehlfunktion im Zentralnervensystem zurück. Nach einer Theorie kommen "Doppelwahrnehmungen" vor, weil das Großhirn in zweifacher Ausführung unter der Schädeldecke existiert. Die vorherrschende (dominante) linke Großhirnhälfte empfängt Sinneseindrücke gleich doppelt: Einmal direkt von den Sinnesorganen und einmal indirekt über die rechte Großhirnhälfte, mit der sie durch Nervenfasern verbunden ist. Wenn nun der Informations-Transfer von der rechten in die linke Hirnhälfte aus irgendwelchen Gründen ins Stocken kommt und 100 Millisekunden bis eine Minute währt, geht die "Synchronisation" verloren. Dann erhält die dominante, mit dem Bewusstsein verknüpfte Hälfte den gleichen Sinneseindruck gleich zweimal hintereinander zugespielt. Daraus könnte leicht ein trügerisches Gefühl der Vertrautheit erwachsen.

Nach einer anderen Theorie lässt sich das Gedächtnis wie ein Videorecorder betrachten, der Bilder aufnehmen und wiedergeben kann. Déjà-vu-Erlebnisse treten dann auf, wenn eine Störung in der Koordination des Videorecorders stattfindet. Das Gehirn ist demnach in der Lage, Informationen gleichzeitig aufzunehmen, also zu speichern, und auch wiederzugeben, also gespeicherte Informationen abzurufen, um sie in unser Bewusstsein zu heben. Wird eine Information gleichzeitig wahrgenommen und gespeichert, so kann das neue Erlebnis bereits im Moment des Erlebens fälschlich als Erinnerung registriert werden - obwohl die Erinnerung erst gerade "geschaffen" wurde.

"Deja vu" von Ramez Razmadze

Deplatziertes Vertrauen

Der US-Psychologe Karl Pribram hält das Déjà vu für eine "deplatzierte Vertrautheits-Reaktion". Alle neuen und ungewöhnlichen Eindrücke rufen nach dieser Hypothese eine aktivierende "Orientierungsreaktion" hervor, weil sie neu sind, und weil neue Reize oft wichtig für uns sind. Nach wiederholter Darbietung büßt der Stimulus jedoch seinen Neuigkeitswert ein, so dass die Orientierungsreaktion abflaut. Wie Pribram ausführt, hängt das vertraut werden offenbar von der Aktivität des Mandelkerns (Amygdala) ab, einer Struktur in der Tiefe des Schläfenlappens.

Der Mandelkern steuert offenbar die emotionale Bedeutung "Vertrautheit" zur neutralen Wahrnehmung bei. Reize werden mit seiner Hilfe als bekannt eingestuft. Versuchstiere mit zerstörter Amygdala etwa verlieren die Fähigkeit, die Orientierungsreaktion bei ständig wiederholenden Reizen auszublenden. Wie gebannt wenden sie alten Reizen, denen sie sonst keine Beachtung mehr schenken würden, immer wieder ihre Aufmerksamkeit zu.

Ein Déjà vu entsteht demnach, wenn der Mandelkern überreagiert und eine neuartige Situation vorschnell mit der Gefühlsqualität "vertraut" einfärbt. So etwas könnte etwa passieren, wenn sich unkontrollierte elektrische Entladungen ausbreiten, wie bei einem epileptischen Anfall.

Bemerkenswerterweise ist es nicht nur so, dass viele Epileptiker während der Aura von Déjà vus berichten. Epileptische Anfälle gehen sehr häufig vom Mandelkern aus. Man kann sich das vielleicht wie ein starkes Gewitter im Mandelkern vorstellen, was diesen überaktiviert und so unbekannte Reize als vertraut einstufen lässt. Schließlich wird so auch erklärbar, dass die elektrische Reizung des Schläfenlappens mit eingepflanzten Elektroden Déjà-vu-Erlebnisse provoziert. Wahrscheinlich landen diese Impulse direkt im Mandelkern und erregen die Schaltkreise, die das Prädikat "vertraut" verleihen.

Arten von Déjà vus

Vernon M. Neppe, Seelenkundler am südafrikanischen Pacific Neuropsychiatric Institute, schlägt vor, die Déjà-vu-Erlebnisse nach ihrer Qualität zu unterscheiden: Neben dem Déjà-vu-Gefühl gibt es auch das Déjà-entendu (schon gehört), das Déjà-revé (schon geträumt), das Déjà-fait (schon getan), das Déjà-pensé (schon gedacht), das Déjà-senti (schon gefühlt), das Déjà-dit (schon gesagt), das Déjà-gouté (schon geschmeckt) und das Déjà-visité (schon besucht).

Kennen alle Menschen das Déjà-vu-Phänomen?

70 bis 80 Prozent aller Menschen haben schon Déjà-vu-Erlebnisse gehabt. Dabei spielt der Kulturkreis keine Rolle: Das plötzliche Gefühl, Unbekanntes schon längst zu kennen, erfahren Menschen auf der ganzen Welt. Eine aktuelle Studie zur Häufigkeit dieses Phänomens stammt von Kei Ito von der britischen University of Buckingham: Er hat herausgefunden, dass rund zwei Drittel aller Déjà-vu-erfahrenen Personen auch das Gefühl kennen, in diesem Moment in die Zukunft schauen zu können.

Jüngere Menschen machen häufiger Déjà-vu-Erfahrungen als ältere Personen, Gebildete häufiger als Ungebildete. Ein Unterschied zwischen Männern und Frauen besteht nicht: Beide Geschlechter empfinden das Schon-erlebt-Gefühl gleich oft. 

aus http://www.allmystery.de/special/130702.shtml
 Achim für Manuela


Der Herr des Scheunenhofs

Vom Schlachten des gemästeten Kalbs und vom Aufrüsten der Aufrechten im Cornbelt
Ein Roman von Tristan Egolf und ein Album von Buddy And The Huddle

John Kaltenbrunner lebt allein mit seiner verwitweten, lethargischen Mutter in Baker, einem hinterwäldlerischen Industriekaff im Corn Belt. Noch keine 15, macht er aus der heruntergekommenen Familienfarm ein florierendes Geflügel- und Schafzuchtunternehmen. Aber als Johns Mutter erkrankt, sorgen die frommen Betschwestern der Stadt dafür, dass die Sterbende ihnen alles überschreibt. Klar, dass John sich wehrt. Selbst wenn kein Stein auf dem anderen bleibt und Bakers geballte Ordnungsmacht anrücken muss. Auch die weiteren Stationen dieser modernen Outlaw-Ballade, die den Schelmen- wie den Bildungsroman sarkastisch zitiert und auf den Kopf stellt, verlaufen drastisch. Nach jahrelanger Achterbahnfahrt landet John schließlich bei der Müllabfuhr. Ein Alltag voller Strapazen und Schikanen – bis der schweigsame junge Mann seine Kollegen in einen Müllstreik führt, der die Stadt in apokalyptische Zustände stürzt...

Tristan Egolf, 1971 in Pennsylvania geboren, spielte, nachdem er das College geschmissen hatte, in einer Punkrockband, reiste quer durchs Land und lebte eine Zeit lang in Indiana. Er begann mit der Niederschrift seines Romans, während er mit seiner Gitarre durch Europa zog. Nachdem Egolf in den USA keinen Verlag für sein Debüt fand, brachte der renommierte französische Verlag Gallimard 1998 das Buch heraus. Der Roman wurde ein großer Erfolg und in mehrere Sprachen übersetzt; unter dem Titel Monument für John Kaltenbrunner erschien er 2000 auch in Deutschland. Heute lebt Tristan Egolf in New York.

(Siehe auch Interview mit Tristan Egolf)

Buddy & The Huddle ist eine Band aus der Oberpfalz, die ihre Musik auf ihrer Homepage als Americana, Klagelieder und Rumpeln bezeichnet. Exotisch, aber nachfühlbar sind die Elemente, die bei ihrem fünften Album zu einem stimmigen Erlebnis werden: Allumfassende Soundscapes sind dies, impressionistisch im einen Moment, expressiv im nächsten. Cinematographisch auf jeden Fall. Oder auch: Eine Achterbahnfahrt voller Überraschungen. Auf dem nach Motiven des Romans entstandenen Album monument for john kaltenbrunner verbindet die Band wieder allerlei Gutes aus den letzten 50 Jahren Popmusik. Sie schaffen es aus amerikanischem Songwriting, Polka, Indigitarren, Tarantella, Alternative Country, Bebop, Marriachi und Gospel einen unverwechselbaren Sound zu kreieren. Dabei entsteht Musik "...zwischen allen Wohlfühl- und Schockzuständen zeitgenössischer Populärkunst..." Der Roman ist eine grotesk-komische und berührend zornige Abrechnung mit Konformismus und Borniertheit der Provinz. Und eine grimmige Ermunterung, sich niemals unterkriegen zu lassen. Die Musik nicht minder.

Interview mit Tristan Egolf, Dezember 1999

Von Frank Heibert

Ihr erster Roman Monument für John Kaltenbrunner hat eine ziemlich abenteuerliche Publikationsgeschichte, jedenfalls ist sie von romantischen Gerüchten einer Liebesgeschichte umrankt: Junge, schöne Pariserin mit Kontakten zur Verlagswelt trifft jungen Amerikaner, der unter den Brücken von Paris Gitarre spielt und zufällig diesen Roman in der Schublade hat... Wie war die Sache wirklich?

Ja, ich kann's schon fast nicht mehr hören. Auf meiner Lesereise in Spanien fragten die Journalisten nach nichts Anderem als den saftigen Details einer Geschichte, die es so nie gegeben hat.

In Wahrheit war es so: Nach der Schule lebte ich in Philadelphia und machte tausend Dinge, schrieb, spielte in einer Band, probierte die Möglichkeiten dieser Stadt aus, und eines Tages packte ich meinen Rucksack und machte mich mit 600 Dollar und meiner Gitarre auf nach Europa, wie es viele junge Amerikaner tun, um dort aufs Geratewohl durch die Gegend zu trampen und auf der Straße Musik zu machen. Nach einiger Zeit in Italien und in Amsterdam landete ich schließlich in Paris; dort arbeitete ich unter anderem an einem Text, der später in den Roman einging.

Als Straßenmusiker kriegt man die unterschiedlichsten Reaktionen zu spüren: Die einen spucken dir in den Gitarrenkoffer, die anderen tun Geld rein, nehmen welches raus, bedrohen dich und so weiter; aber ich habe auch tolle Leute kennengelernt, darunter Maria Modiano, die Tochter des französischen Schriftstellers Patrick Modiano. Wir unterhielten uns, freundeten uns an, und das war alles. Den Roman gab es zu dem Zeitpunkt eigentlich überhaupt noch nicht. Ich fuhr zurück in die USA, in die Stadt im Süden Indianas, die das Vorbild für Baker ist, um sorgfältig zu recherchieren. Am Tag, als ich dort eintraf, entdeckte ich ein Lager der »river rats«, der Flußratten, und dachte, o je, ich habe alles falsch angelegt, muß nochmal ganz von vorn beginnen. So blieb ich ein halbes Jahr in »Baker«. Ich jobbte eine Zeitlang in einer Fabrik, die »Velvet Elvis and Polkadots Inc.« hieß und lauter Geschenkartikel-Schrott für einen TV-Shoppingkanal herstellte, darunter das namengebende Porträt von Elvis, vielfarbig auf Samt aufgesprüht, ein schlechter Witz. Da riß ich meine Schichten am Fließband runter und verbrachte den Rest der Zeit damit, in die Bücherei zu gehen und zu lesen, durch die Stadt zu laufen und viele Orte kennenzulernen, mit Menschen zu reden, Material zu sammeln. Ein entfernter Cousin von mir wohnte dort, er führte mich herum, denn er wußte ungefähr, was ich suchte, und brachte mich auf die richtigen Spuren; so erlebte ich dann auch Szenen wie die Kneipenschlägereien.

Nach fast einem halben Jahr dort kehrte ich nach Paris zurück, und das einzige wirklich Erstaunliche an der Geschichte mit Maria Modiano ist wohl, daß ich ihre Telefonnummer nicht verloren hatte, das hatte wahrscheinlich alles seinen tieferen Sinn. Ich meldete mich bei ihr, wir wurden aber weiterhin kein Paar. Später zogen wir eine Zeitlang zusammen, und bis ich die Rohfassung des Romans fertig hatte, waren achtzehn Monate vergangen, von Oktober 95 bis März 97.

Ich kehrte in die USA zurück und schickte den Roman insgesamt an rund 75 Verlage, unaufgefordert. Da ich keinen Agenten hatte und vollkommen unbekannt war, ist es kein Wunder, daß daraus nichts wurde. Als unveröffentlichter, junger, weißer Mann ohne besondere Kennzeichen gehörte ich in die Kategorie mit den schlechtesten Chancen im Bereich Belletristik. Und binnen einer Woche hatte ich schon die meisten Antworten; ungeöffnet zurück, Verlag dicht gemacht, ungelesen abgelehnt, all das. Später hat die Presse in Europa mit viel Getöse einen Propheten, der im eigenen Land nichts gilt, aus mir gemacht; ich sehe das gar nicht so dramatisch.

Ich hatte im Gegenteil viel Glück – nur zwei Monate, nachdem ich das Manuskript beendet hatte, wurde es angenommen, allerdings nicht in den USA. Es lief statt dessen tatsächlich über die Modianos, die wirklich eine wunderbare Familie sind und mir sehr geholfen haben, bei lauter Dingen, die man ohne Aufenthaltsgenehmigung nicht selber regeln kann. Patrick Modiano hatte natürlich mitbekommen, daß ich an einem Roman arbeitete, und war neugierig, ihn mal zu lesen, also gab ich ihm ein Exemplar des Manuskripts. Und ohne mein Wissen ließ er es bei Gallimard, wo er als Lektor arbeitet, prüfen. Ich war inzwischen wieder in Philadelphia und recherchierte für den zweiten Roman, an dem ich immer noch sitze – seit Jahren keine Pause, das ist auch idiotisch –, als ich einen Anruf bekam, Maria sagte: »Sitzt du?« und erzählte mir, Gallimard wollte die Weltrechte kaufen und hätte auch schon mit Picador den Deal für England geplant.

Ich war überglücklich und wollte loslaufen und es allen erzählen, aber ich hatte niemanden, dem das irgend etwas gesagt hätte; damals wohnte ich gerade mit einem TV-Junkie zusammen, der für seine Mutter das Haus hütete. Ich sprudelte über vor Begeisterung, und der guckte nur gelangweilt hoch und sagte: Hä? Also rannte ich durch die Straßen und wußte gar nicht, wo ich mich lassen sollte, und am Ende war derjenige, mit dem ich den Erfolg feierte, ein ganz netter Obdachloser, wir rauchten eine zusammen und freuten uns.

Das ist ein lustiger Zufall, aber die romantische PR-Story, die aus mir einen Penner mit literarischen Ambitionen und Pariser Edelfreundin machen will, hat trotzdem nichts mit mir zu tun.

Gallimard kaufte die Weltrechte, hat den Roman in ungefähr zwölf Länder verkauft, so genau weiß ich's gar nicht mehr, und ungefähr die Hälfte dieser Übersetzungen ist inzwischen erschienen. In Frankreich war das Buch erfolgreich, nicht nur von den Verkaufszahlen her, sondern was den ganzen Rummel drumherum betrifft, damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. In England waren die Verkäufe okay, ansonsten blieb man aber eher kühl, und in den USA lief es deutlich besser, als ich je gedacht hätte. Und die Presse hat überall ziemlich gut reagiert.

Bei einem Erstlingsroman stellt man immer besonders gern die Frage nach den möglichen literarischen Vorbildern, und die Literaturkritiker in den verschiedenen Ländern haben auch alles getan, um ihre diesbezüglichen Thesen nicht für sich zu behalten. Was sagt der Autor dazu – gibt es Vorbilder, und welche?

Natürlich haben mich Schriftsteller beeinflußt, aber das sind andere Namen als die oft zitierten; offenbar lassen die sich nicht so direkt aus dem Roman ablesen. Ich zähle auch Filmemacher zu den ästhetischen Vorbildern, die ihre Spuren hinterlassen haben, insbesondere Charlie Chaplin oder der frühe Werner Herzog; unter den Autoren fällt mir Céline ein und auch jemand wie der Kritiker und Romancier H.L. Mencken, dem ich ein paar gute Sprüche zu verdanken habe und den Mut, zu meinen eigenen Wörtern und Bildern zu stehen.

Aber warum soll es nur die hohe Kunst sein? In Dingen, die ich in der Zeitung lese, oder einfach Geschichten, die mir die Leute erzählen, steckt oft so viel drin, das ist kaum zu glauben. Ganz zu schweigen von wahren Begebenheiten; eine erschreckend hohe Anzahl einzelner Szenen aus Monument für John Kaltenbrunner sind wirklich passiert, und gar nicht so selten mir.

Angesichts des üppigen, originellen Vokabulars voller Wortspiele und Neuschöpfungen, wie man es in kaum einem Erstlingsroman findet, wird es Sie aber nicht wundern, daß da nach literarischen Vorbildern gesucht wird.

Nein, natürlich nicht, und ich sage ja auch nicht, daß ich nicht viel gelesen hätte. Aber die Beobachtungen, die wirklich etwas in Gang setzen, kommen woanders her; ich lese gern auch die Lokalpresse mit ihren vollkommen absurden Meldungen – »Bus voller Rollstuhlfahrer auf dem Weg ins Spielcasino von Klippe abgestürzt« oder so. Da bekommt man einen ganz anderen Blick auf das Geschichtenerzählen. Die Welt dieser Ereignisse bleibt aber auf die Region beschränkt; für New Yorker ist das genauso fremd und weit weg wie für Europäer.

Haben Sie als Kind oder Jugendlicher oft Geschichten erfunden oder gar schon aufgeschrieben?

Ja, das hat mir immer Spaß gemacht. Als ich meine erste Geschichte aufschrieb, vor ungefähr zwanzig Jahren, da war mir das Konzept der Zeichensetzung noch fremd, und meine Mutter, die die vier Seiten zu lesen versuchte, begriff die Hälfte nicht, weil es ohne Punkt und Komma durchlief. Da war ich schwer frustriert. Aber ich merkte schon, wie toll es ist, im Erzählen eine Welt zu erschaffen.

Vorhin haben Sie erwähnt, daß Sie einige der Romanszenen mehr oder weniger selbst erlebt haben, und man kann sich auch kaum vorstellen, daß es gar keine Verbindung zwischen Ihrem Leben und den Erfahrungen des Helden John gäbe. Wie weit geht das? Ich nehme nicht an, daß Sie im Alter von sieben Jahren Hühnerzucht betrieben haben, aber wenn ich an bestimmte Gefühle denke, eine Weltsicht, ein Gerechtigkeitsgefühl bei John...

Tja, ich glaube, alles hat mit Isabelle angefangen. Das Schaf Isabelle gab es wirklich, ich mußte mich als Kind um sie kümmern, und ich kann Ihnen sagen, sie war genau so teuflisch, wie ich sie beschrieben habe, da ist nichts übertrieben. Sie war das boshafteste, zäheste, aggressivste und unglaublichste Vieh, das man sich denken kann, und ich mußte sie jeden Tag versorgen. Sogar, wenn ich ihr Futter brachte, mußte ich sie mit einem Stock in Schach halten. Und das war erst der Anfang.

Aber um auf einer weniger anekdotischen Ebene zu antworten: Grundsätzlich gibt es nichts Schädlicheres und Erstickenderes für die Entwicklung einer Persönlichkeit – ganz zu schweigen von einer sensiblen oder künstlerisch veranlagten Persönlichkeit – als die amerikanische Public School. In den ersten fünf, sechs Jahren meiner Schulzeit gab es keinen einzigen Tag, an dem ich nicht am liebsten eine Bombe auf den Laden geworfen hätte, da bestand ich nur aus Wut. Wenn man das übersteht, dieses Gefühl der totalen Abgeschnittenheit, weil man sich mit niemandem verständigen kann, dann hat man was fürs Leben gelernt.

John ist auf eine Weise isoliert, wie ich es nicht war, meine Familie war in vieler Hinsicht stärker eingebunden, während er ein wahrer Außenseiter ist, dem bald alles gleichgültig wird. Für mich galt das nicht, mir war es nicht egal, und in dieser Hinsicht ist John meine Rache an dieser engen Gemeinschaft. Ich versetzte mich beim Schreiben zurück in viele Situationen, die ich, im Rückblick gesehen, natürlich viel besser hätte handhaben können, aber da war ich eben jünger und konnte es nicht. Zum Teil ließ ich John das tun, was ich nicht geschafft hatte, weil ich manchmal nicht hartnäckig genug war und manchmal zu hart – nach dem Motto: Erst draufschlagen, dann nachfragen.

Es gibt, obwohl ich nicht im Süden von Indiana, sondern in Pennsylvania aufgewachsen bin, in einer größeren Stadt als Baker, eine ganze Reihe Parallelen zu meiner Geburtsstadt; allgemein gesprochen, war das eine Lebenslage, in der man vollkommen normale Sätze sagen konnte und die anderen guckten einen an, als wäre man verrückt geworden.

Insofern fing für mich das Leben erst richtig an, als ich in die Großstadt kam, wo sich das änderte; John dagegen lernt bis auf seine Zeit als Flußschiffer nichts anderes kennen. Dummheit, Heuchelei und Konformismus zu erleben und nichts dagegen tun zu können, das haben wir aber gemeinsam, und es macht einen wirklich wild. Jahrelang denkt man, ich will weg hier, oder: Eines Tages muß ich doch endlich einem Menschen begegnen, der mich irgendwie versteht...

Neben diesem gesellschaftskritischen Aspekt steckt auch etwas Sozialkritisches in Ihrem Roman, wenn auch mehr im Hintergrund. Die Bewohner von Baker, die Sie am ausführlichsten beschreiben, sind Arbeiter, Fabrikarbeiter oder Müllmänner, und Sie malen ein eindringliches Bild von der Tretmühle, der Knochenmühle in deren Alltag. Würden Sie so weit gehen, dies als eine klassenkämpferische Kritik zu bezeichnen?

Ach, ich glaube, ohne irgendeine Art der industriellen Tretmühle geht es auf dieser Welt wohl nicht, und es wird vermutlich immer eine Klasse geben, die diese Mühen auf sich nimmt. Aber wie diese Klasse entsteht oder sich fortschreibt, ist kein Thema, auf das ich eingehen wollte oder könnte. Mein Ansatz ist eher eine Mischung aus Gespür für die absurden Seiten vieler ziemlich harter Arbeiterberufe und Mitgefühl mit denen, die sie leisten; ich hatte schon immer etwas für »die Verdammten« übrig und beschreibe sie mit einer gewissen Zärtlichkeit. Das schließt wohl zwangsläufig einen kritischen Blick auf die Verhältnisse ein. Aber als Sprachrohr der Arbeiterklasse oder als ihr Chronist, etwa in einer John-Steinbeck-Tradition, sehe ich mich nicht.

Also kein Sendungsbewußtsein.

Vielleicht doch, aber dann auf der Ebene des Einzelnen. Egal, wieviel Wind dir ins Gesicht bläst, egal, ob dich kein Mensch versteht und die ganze Welt gegen dich ist, du mußt dich wehren, standhalten, weitermachen. Darum ging es mir vor allem in Monument für John Kaltenbrunner; das Parodistische, Groteske kam unterwegs fast automatisch mit.

Die Ermutigung fällt, da die Geschichte ja nicht gerade positiv endet, aber eher relativ aus, oder?

Ach, ich finde, dieser Schluß hat trotz allem etwas Triumphierendes. Klar, John geht unter, aber er hat nicht aufgegeben; und schließlich hat er viel bewirkt, nicht nur Chaos und Zerstörung, sondern auch eine deutliche Verbesserung der Situation für die Müllmänner, die zweiundzwanzig »Haldenschrate«. Die groteske Art, wie sie ihn nach seinem Tod ehren – die Schweinejagd auf dem Friedhof –, zeigt, daß er eben doch nicht allein gewesen ist, daß es Menschen gegeben hat, die ihn verstehen. Auch wenn es nur wenige sind.

Sehen Sie Amerika so pessimistisch?

Ja. Aber nicht nur Amerika; Johns Geschichte ist letztlich universell. Mein Bild von der gesamten Menschheit ist nicht viel optimistischer, aber der Roman spielt in Amerika, weil ich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten – der unbegrenzten Auswahl vollkommen unglaublicher, verrückter Situationen – einfach besser kenne. Vielleicht gibt es andere Länder, in denen der fragwürdige Einfluß des Fernsehens nicht so extrem ist, aber Dummheit hat keinen eigenen Paß, die gibt's überall.
Achim


Für alle vor 1980 Geborenen

Wenn du nach 1980 geboren wurdest, hat das hier nichts mit dir zu tun... Verschwinde... Kinder von heute werden in Watte gepackt...
Wenn du als Kind in den 50er, 60er oder 70 Jahren lebtest, ist es zurückblickend kaum zu glauben, dass du so lange überlebt hast.
Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte, einfach so auf den Sitzen, ohne Kindersitze oder Sitzschalen und natürlich in Fahrzeugen ohne Airbags.
Auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm.
Unsere Bettchen waren angemalt in strahlenden Farben voller Blei und Cadmium.
Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit Bleichmittel.
Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen.
Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen.
Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, dass wir die Bremsen vergessen hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar.
Wir verließen morgens das Haus zum Spielen, blieben den ganzen Tag weg und mussten erst zu Hause sein, wenn die Straßenlaternen angingen. Niemand wusste, wo wir waren und wir hatten nicht mal ein Handy dabei.
Wir haben uns geschnitten, brachen Knochen und Zähne und niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben Unfälle. Niemand hatte Schuld außer wir selbst. Keiner fragte nach "Aufsichtspflicht". Kannst du dich noch an "Unfälle" erinnern? Wir kämpften und schlugen einander manchmal bunt und blau. Damit mussten wir leben, denn es interessierte die Erwachsenen nicht.
Wir aßen Kekse, Brot mit Butter dick, tranken sehr viel und wurden trotzdem nicht zu dick.
Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und niemand starb an den Folgen.
Wir hatten nicht: Playstation, Nintendo 64, X-Box, Videospiele, 64 Fernsehkanäle, Filme auf Video, Surround Sound, eigene Fernseher, Computer, Internet-Chat-Rooms.
Wir hatten Freunde. Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße. Oder wir marschierten einfach zu deren Heim und klingelten. Manchmal brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach hinein. Ohne Termin und ohne Wissen unserer gegenseitigen Eltern. Keiner brachte uns und keiner holte uns... Wie war das nur möglich?
Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Tennisbällen. Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen nicht ein: Die Würmer lebten nicht in unseren Mägen für immer weiter und mit den Stöcken stachen wir nicht besonders viele Augen aus.
Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer nicht gut war, musste lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen.
Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere oder sie hatten einfach einen schlechten Tag. Sie rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das führte nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zur Änderung der Leistungsbewertung.
Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen. Das war klar und keiner konnte sich verstecken. Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstoßen hatte, war klar, dass die Eltern ihn nicht aus dem Schlamassel heraushauten. Im Gegenteil: Sie waren der gleichen Meinung wie die Polizei. So etwas!
Unsere Generation hat eine ganze Menge an innovativen Problemlösern und Erfindern mit Risikobereitschaft hervorgebracht. Wir hatten Freiheit, Misserfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit alldem wussten wir umzugehen.
Und du gehörst auch dazu? Herzlichen Glückwunsch!

(Quelle: Internet, Autor unbekannt)


Matthias Noack

Liebevolle Verse aus dem duftenden Gemach

Verliebtem Sonnengang gleich die Frisur

Eichhörnchen verwoben beim ersten Frühlingsklang
benetzend sich die letzte Kühle hinfortküssen
so einem Windhauche gleich, die träge Eule weckt
auf weisen Wogen zur nächsten Widmung hinbeikosend
wenn des Jünglings Klage durch den güldenen Sonnenstrahl dringt
sehnen nach ewigem Schlupf, nur ihre Haarespracht den Einklang singt

Apfelsinenblattgleiche Brauen

Pure Harmonie all ihr Regen niemals in Lüge ihres Ursprungs
wellengleich der ersten Wasserwesen auf dem Simse Seelenglas
ja, weil der Ursprung gleich darunter mit allem Fühlen lacht
wie kokonbefreit die Segengleiter in kleb'ren Blüten Wollust tummeln
ihre Perlen formen Hingabe auf dem Zwillingsdach zur Ruhe kommen
vereint sie Diener Rechenschaft
dem Liebenden nie gleicher Porenstoff an ihren Pfauenbrauen kitzelnd
wahre Eigenschaft

Rubinweinroter Mund

Vom Göttereifer Trank bezaubert
selten Muscheln Zier im Muster endlos reichend
dem Horizont zur freuden Wiederkehr gestimmt
die Zierung funkelnd sich verlierend
so der Wunsche ihm am sehnlichsten nur liebend
dem Finder eins wie Morgenröte Abendspiel
im Abschied schmerzgepresster Worte
verheißt er balde süße Milch

Schneeglöckchenweiße Brüste

In trist grünem Pullover schmiegt sie sich
an ihren so geliebten, wärmet und liebkost
dem Winterkleide neugeborenen Federsaums
schwärmt der nächtliche Schwan dem
Weiher seiner Kindheit
entleihet sie im Feengewand
darüber ältester Poetentraum
in nimmer enden Seidensamt
kullernd Tröpfchen kühlen Nass
auf ihrem jauchzen Zipfel
zum Diamanten goldnen Baches
schon betaumelt unerwartet

  Schlanke Figur

Zierlich Fliederblüten rosazart
an dünnen Zweigchen allen Segen eines
Engeltraums gepaart
laue Brise Frühlingsluft
durch das angelehnte Fenster strömt
lufter Pollenhonig in ach betörend Yasminduft
in kunstvollen Kurven das Fingerspiel
ihn verführt auf ihre bald gestreichelt wollen Beine

Niedliche Füße

In einer roten jeher stolzen Schüssel
pflegt sie ihre gerecht erschöpften Füße,
warmes Wasser hüllts in Wehmut,
denn er beneidet es doch sehr
mit dem Tuche trocknet er behutsam,
küsset neue Lebenskraft
Engelsstaub im Elixier
fruchtbarster Strom wandert tief
ins Erdenreich
saften Wiesen neuen Sommerpfang
auf leisen Schritten trafen sie sich
im Abschied umso mehr
sie liebten sich


Gips im Bein

Müßig zu fragen, ob es nun die Sonne ist, die mich rauszieht auf die Wiese oder mein Wunsch, Dir nah zu sein. Das sind alles Gründe, die sich bebildern (lassen). Ich kann auch nicht sagen, ich will ein zärtliches Spiel der Liebe mit Dir, haut-, wind- und lebensnah - ich will ja nichts erreichen, ich weiß ja nicht, was kommt. Ich kann auch nicht sagen, ich fänd's schön, mich nackt mit Dir (zu) fotografieren (zu lassen).

Das warme Leuchten in unseren weichen Bäuchen sich umkreisen, umschwingen zu lassen, im Kuß, im Puls des Augenblicks, im liebkosenden Tanz - es sind ja nur (schöne) Vorstellungen [und dann (schöne) Erinnerungen]. Aber nicht die Wahrheit und nicht die Liebe.

Die Wahrheit liegt hier mit mir im Bett.

Ich kann auch nicht sagen, daß meine Liebe atmet und ich von Deiner wüßte, wie sie sich sehnt und bewegt, wie sie atmet und sich anfühlt. Ich kann mich unmöglich daran erinnern, was Liebe ist. (Noch es mir vorstellen.)

Zwei schimmernde Lebensfelder in Verzückung, die sich durchdringen und niemals vergehen. Ich kann sagen - bedeutungslos!, daß ich soeben glücklich war. Und das immer wieder. Du. [...] Sonne, Mond und Sterne.

Ro Li B.


Matthias Noack

güters high

im schwarzen rabenkleid verfangen
einsam im sonnenschein
wenn die dunkelheit hereinbricht
ist der hilfeschrei ein abtauchen
in die anonymität des todeskampfes
ich will die ganzheit der leere
seelen aller atmen
rettet nur dies meine fixiertheit
völlegefühle
es ist mehr als der schein
ich will kotzen, will tot sein
selbst meine mutter sieht das ein
wäre besser tot, als
diese verschwendung von idealen
da ist immer einer, der einen rettet
habe alle gehen lassen
in demut knie ich vor dir
drücke dir mein blutgedachtes papier
hol mich vom baum
endlich kann ich es dir sagen
allzugern hätt ich deinen schweiss
in mir aufgesogen
du mein letzter strick überm galgen
aber es nützt nichts
der stuhl fällt
traurig ist nur
ich hatte ihn für dich bestellt

 

Matthias Noack

Große Augen

Große Augen, die mögen verkünden
von einer Welt, einem Blau,
im Ewig werdenden, doch bin ich hier,
bin ich nun, und verkläre, weiß nichts mehr,
vorher alles gewußt habe, dachte ich,
im Abend- und im warmen Licht,
füllte die Angst, sie eher füllte mich,
war ich dort und sie auch,
ihre Augen lehnten mich zurück,
Erkenntnis oft schwer, schmerzenhaft,
nun fehlen Augen,
wäre Tag eigentlich voll Kraft,
ein Tag wie damals
sich nun durch Worte zwängt,
bin ich undankbar,
gutfühlend? Wenn sie krank ist und mein Wesen vergewaltigt,
ist dies euers, ist dies meins?

Mit 5 Klammeraffen (@) kennzeichnet Der Schallplattenmann superbe Veröffentlichungen. Der Rezensent hält die so eingeordneten Tonträger schlicht für einen potentiellen Meilenstein der Musikhistorie – was meist an der großartigen Musik liegt. Im LOver 36 gab's den ersten Teil der Ausbeute 2003, hier folgt der zweite und letzte Teil der Empfehlungen aus dem Jahre 2003. Fortsetzung für 2004 folgt...

Sergio Cammariere "Dalla Pace Del Mare Lontano"

(Chanson + Jazz – Italiens neuer Star, EMI)

Dass die italienische Szene durchaus mehr zu bieten hat, als die berüchtigten, alle Klischees erfüllenden und befriedigenden Italo-Pop-Fuzzis, habe ich an dieser Stelle ja schon öfter gepredigt. Es wäre in der Tat beschämend für eine so reiche und versierte Szene, auf Amore-Radioschlager-Gedudel reduziert zu werden, zumal jene, die hier als italienische Superstars gefeiert werden in Italien alles andere als unbestrittene (oder gar unkritisierte) Protagonisten der Szene sind. Doch selbst in Italien ist der phänomenale Erfolg des Sängers und Pianisten Sergio Cammariere etwas ganz besonderes. Seine anspruchsvolle Musik, irgendwo zwischen französischen Chansons, Jazz, südamerikanischen und mediterranen Rhythmen und Melodien ist betörend, charmant, melancholisch und von einer selten gehörten Musikalität. Cammarieres virtuoses und treibendes Piano-Spiel steht im Mittelpunkt eines akustischen Rahmens, angenehm frei von elektrischer Verzerrung oder gar elektronischer Moderne, dazu seine traurige Stimme mit resignierten oder ironischen Texten von vergangener oder ersehnter Liebe, vom Meer oder einfach nur voll beißenden Spotts für die oberflächliche italienische Gesellschaft: All dies ist in Italien selten so zauberhaft, so nonchalant und auf solch hohem Niveau dargeboten und vom Publikum und von der Kritik gleichermaßen begeistert aufgenommen worden. Schön, dass man das Album nun auch in Deutschland ohne teuren Import-Service erwerben kann. [sal]

Klee "Unverwundbar"

(Licht und Farben, Gefühl und Weite zum Träumen und Freuen, Ministry Of Sound)

Nicht nur mit Helden kann man alles schaffen, wenn man nur will. Mit dem Duft von frischem Gras, Sonne im Herzen und einem dreiblättrigem Klee am Ohr wird man gar "unverwundbar". Mit Rebellion und Aufruhr hat Suzie, die Sängerin der Formation Klee mit ihren zwei Mannen nicht viel am Hut. Wenn schon Aufruhr, dann gefühlvoll und leicht mit einem Plätschersound, der nicht belastet, und Texten, die die Seele beleben. Nach "Erinner Dich", dem Popkomm-Song des vergangenen Jahres, reichen die Kölner mit ihrem Album "Unverwundbar" ein Glanzlicht deutschen Pops nach. 14 Songs für Verliebte, Freiheitsliebende und Freunde üppiger Picknicknachmittage, die gemütlich in der Sonne sitzend, sagen: "Was für ein schöner Tag, ich spür mein Herz schlagen". Dann ist alles gut "und mit jeder Sekunde geht es ein Stück weiter" Richtung Zeit und Raum. http://www.kleemusik.de/ [mic]

Michael Brecker Quindectet "Wide Angels"

(Jazz – großer Wurf mit großem Ensemble, Verve)

Für diese neue CD hat Michael Brecker mal wieder weit ausgeholt und der große Wurf scheint gelungen. Mit einem 15-köpfigen Ensemble aus Streichern, Blech- und Holzbläsern und Rhythmusgrupppe legt der Saxophonist ein Programmm aus komplett neu komponierten und arrangierten Stücken vor. Komponiert hat er (mit einer Ausnahme) alles selbst, arrangiert hat er zusammen mit Gil Goldstein, der auch das Orchester leitet. Anders als bei den Saxophon-Kollegen Joe Lovano und Wayne Shorter, die zuletzt auch Werke mit Orchester eingespielt haben, trägt hier alles eine sehr persönliche Handschrift. Nur wenn das Quindectet allzu deutlich typische Brecker-Phrasen spielt, wird das fast etwas zu viel (besonders beim Opener "Loxodrome"), davon darf man sich nicht abschrecken lassen. Brecker verlangt dem Ensemble alles ab: zwischen Balladen, Hard Bop und Funk ist alles dabei. Aber da die Musiker alle Jazz-erfahren sind (etwa Robin Eubanks, Steve Wilson, Mark Feldmann oder Erik Friedlander) und die Rhythmus-Gruppe mit Adam Rogers (g), John Patitucci (b) und Antonio Sanchez (dr) gut besetzt ist, gelingt das durchweg hervorrangend. [sg]

s.a. Michael Brecker "Nearness Of You - The Ballad Bo... [#249: @@@]

Ulrich Tukur und die Rhythmus Boys "Morphium"

("Die letzte Feier des Lebens vor dem Tod" – abgründige und nur scheinbar harmlose Schlager der 20er- und 30er-Jahre, Roof)

Dem Glanz der vergangenen Jahre nachzuspüren ist schick. Neben Max Raabe und Götz Alsmann ist auch der Schauspieler Ulrich Tukur der Zeit der possierlichen Liebeslieder verfallen, der Zeit der schmissig-verruchten Schlager, mit denen übertüncht wurde, dass der Tanz auf den Abgrund zuging. Doch Tukur und seine Rhythmus Boys erliegen nicht dem falschen Glanz der Musik der 20er- und 30er-Jahre, wenn sie mit Tango und Walzer, im Foxtrott- und im Schlagerrhythmus die Wirkungen der Rauschmittel besingen. Sie zeigen mit dem morbiden, langsamen Walzer "Morphium" von Mischa Spolianksy oder dem apokalyptischen "Fox Macabre" von Friedrich Hollaender auch die abgründige Kehrseite der aufgesetzten Fröhlichkeit. Das längst abgenudelte "La Paloma" wird zu einer unheimlichen Reise über das nebelverhangene Meer, Peter Kreuders schmissiges Lied "Traummusik" zu einem unheimlichen Ritt durch die Finsternis, und das oft geträllerte "Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da" lässt hier durch seinen dämonischen Chor erschauern. Effektvoll lebt die singende Säge als charaktervolles Instrument genauso wieder auf wie seliger Geigenklang und schmelzender Chorgesang, ein schwelgerisches Akkordeon und skurrile Geräusche. Ein berauschender, mit zeitgemäßen Akzenten versetzter Ausflug zur Musik von gestern. [ms]

s.a. Ödön von Horváth / Ulrich Tukur "36 Stunden. Die... [#310]

Warren Zevon "The Wind"

(Singer/Songwriter – Großes Vermächtnis des ewigen Zynikers, Ryko)

"Knockin' On Heavens Door" ist wohl einer der Songs auf einer imaginären, schwarzen Liste mit der Überschrift "Keine Coverversion mehr"! Ausgerechnet diese Dylan-Nummer ist allerdings der einzige, nicht von Zevon selbst geschriebene Song auf "The Wind", und allein diese Wahl ist ein weiteres Indiz für seinen einzigartigen Humor. Als Warren Zevon letztes Jahr erfuhr, dass er an Krebs leide und nur noch drei Monate zu leben hätte, wollte er noch zwei Dinge erledigen: Seine Enkel sehen und dieses Album aufnehmen. Er hatte fast ein Jahr Zeit, beides hat er geschafft. Schon das Line-up liest sich beeindruckend: Bruce Springsteen, Jackson Browne und David Lindley, die halben Eagles, Tom Petty, Emmylou Harris und Dwight Yoakam, Ry Cooder, Jim Keltner undundund. Die Songs, die Zevon noch in der Schublade hatte und wohl auch die, die er während dieser Zeit geschrieben hat, passen zu all den ungeschliffenen Perlen seiner großen, langjährigen Karriere. "The Wind" ist nicht das Album einer Plattenfirma für das schnelle Geld, sondern der würdige Abschluss einer großen Karriere. Musikalisch ist Zevons 14. Album wohl eins der ausgereiftesten, Songs wie "She's Too Good For Me" oder vor allem "Prison Grove" sind in ihrer Eindringlichkeit Garanten für eine Gänsehaut, und auch wenn Zevon textlich hier versöhnlicher, ja fast romantischer ist als auf den meisten seiner anderen Alben, bringt mich sein Aufruf "Why slow down? Let's party for the rest of the night!" bei jedem Hören zum Lächeln. "Shadows are falling and I'm running out of breath/Keep me in your heart for awhile/If I leave you it doesn't mean I love you any less/Keep me in your heart for awhile/When you get up in the morning and you see that crazy sun/Keep me in your heart for awhile/There's a train leaving nightly called when all is said and done/Keep me in your heart for awhile" singt Warren Zevon auf dem allerletzten Song. Da kann er verdammt sicher sein! [pb]

s.a. Warren Zevon "Life'll Kill Ya" [#184: @@@@@]

A Perfect Circle "Thirteenth Step"

(Rock – Atmosphärisch, präzise, aber niemals konstruiert, Virgin)

A Perfect Circle sind subtile Verführer. Während Tool jedem Innovationsfass den Boden ausschlagen, ist Maynard James Keenan's Zweitband verhältnismäßig zugänglich. Waren auf dem Vorgänger "Mer De Noms" noch einige Hits am Start, ist das zweite Werk introvertierter, aber auch intensiver ausgefallen. Billy Howerdel, der Gitarrist und zweite kreative Kopf hinter A Perfect Circle, bereitet das perfekte musikalische Feld für Keenans Vokalkunst. Seine Stimme klingt weich und unverzerrt, aber trotz allem schwebt in ihr diese permanente Bedrohung mit, die Maynard Keenan wie kein anderer verkörpert. Die Songs können noch so melodisch sein, sie hinterlassen trotz allem das Gefühl, dass man eine Nadel genau zwischen Haut und Fleisch den Arm hochtreibt. 13 Titel lang führen A Perfect Circle den Hörer immer tiefer in ein musikalisches Verließ, aus dem es kein Entrinnen gibt. Harsche Attacken wie "The Outsider" sind selten, es ist ein gleichmäßiger Weg treppab. Und paradoxerweise endet das Album mit der Zeile "I choose to live", und damit schließt sich ein Kreis – ein perfekter Kreis. http://www.aperfectcircle.com/ [dmm]

s.a. Tool "Lateralus" [#246: @@@@@]

Twinemen "Twinemen"

(Indie-RockPopSoulJazzTripHop, Cooking Vinyl)

Die Twinemen erinnern an mehr Bands als bloß an Morphine, der unkonventionell besetzten Indie-Band, aus dessen Resten das Trio hervorgegangen ist. Die Kombination von Langsamkeit und Intensität verbindet sie mit den Walkabouts oder den Tindersticks. Smoothe TripHop-Anklänge erinnern an Morcheeba und die subtil eingeflochtenen Geräusche würden auch Tom Waits gut anstehen. Und bei der Kombination von rustikal-treibendem Schlagzeug und Saxophon denke ich manchmal an die raue Intensität von Blur. Laurie Sargents Stimme wird oft von sanften Saxophonen umschmeichelt oder auch mal von der gutturalen Stimme von Dana Colley konterkariert. Manches, vor allem das scheppernd-schlurfende Schlagzeug ist roh gespielt, aber feinsinnig erdacht. Und vor allem durch das schmeichelnde Saxophon und sanfte Background-Vocals verbreiten die Songs eine heimelig-ruhige Stimmung. Die Musik der Twinemen weckt viele und vielfältige Assoziationen – aber vor allem ein angenehmes Gefühl und die Lust, sie ständig in die Gehörgänge tröpfeln zu lassen. http://www.twinemen.com/ [ms]

s.a. Morphine "The Night" [#184: @@@@]
The Walkabouts "Shimmers" [#358: @@@@]
Tindersticks "Waiting For ..." [#345: @@@@]
Morcheeba "Charango" [#301: @@@@@]
Tom Waits "Alice", "Blood Money" [#294: @@@@]
Blur "The Best Of Blur" [#225: @@@@]

Emmylou Harris "Stumble Into Grace"

(Längst nicht mehr Country – die Königin ist wieder da!, Nonesuch)

So: Ich will gar nicht objektiv sein mit dieser Besprechung. Die CD hab ich jetzt mindestens 93-mal gehört, und bin ihrer nicht überdrüssig geworden; habe mich von dieser Stimme tragen lassen, bin ihr blind in dunkle Tiefen gefolgt... Ihre abrupte Abwendung vom Glitter-Country-Girl mit der epochalen Platte "Wrecking Ball" (1995 von Daniel Lanois produziert) hat vielleicht die konservative Fraktion der Stetson-Träger als Fans verprellt, ihr aber tonnenweise Respekt und künstlerische Anerkennung aus dem alt.country-Lager eingebracht. Über das kontrovers von der Kritik aufgenommene "Red Dirt Girl" mit ausschließlich eigenen Songs ging sie diesen Weg konsequent weiter: schwebende Sounds im Stile von Lanois, dazwischen knarzige Gitarreneinsprengsel von Buddy Miller, und Brady Blade klopft hypnotische Rhythmen dazu. Eingefangen auf dem '98er Live-Album "Spyboy". An diesem Muster hat sich auf "Stumble" nicht viel geändert. Sie schreibt ihre Texte selbst und die Musik dazu. Malcolm Burn produziert und spielt mit, ähnlich Lanois versteht er sich auf flirrende Stimmungen. Und da finden sich Musiker auf der Besetzungsliste, deren Platten zu meinen Favoriten gehören: die Kanadierin Jane Siberry, die franko-kanadischen Songwriter-Schwestern Kate und Anna McGarrigle und Gillian Welch singen im Background, Julie & Buddy Miller, die Gitarristen Kevin Salem und Bernie Leadon und natürlich auch wieder Daniel Lanois. Traumhaft schöne Melodien, und Emmylou kann in einem Atemzug selbstbewusst und zerbrechlich und sinnlich singen. Lieder von vergeblicher Liebe, von Verlassenheit, Einsamkeit, so schön, daß es schmerzt... Textzeilen: "I used to wear my trouble like a crown" ("Can You Hear Me Now"), "But in this world dreams don't come true" ("I Will Dream"), "In the land of the proud and free/You can sell your soul and your dignity/For fifteen minutes on TV" ("Time In Babylon"), "Beauty fades and pleasures cannot/Take away the chill/And the glamour lures you down into a lie" ("Cup Of Kindness"). "Plaisir d'amour", von den McGarrigles und Emmylou demo-artig mit Akkordeon und Violine eingespielt, fällt klanglich etwas aus diesem Rahmen. Egal was andere sagen werden: Meine Platte des Jahres 2003. Da kann nichts mehr kommen. [www]

s.a. Emmylou Harris "Red Dirt Girl" [#221: @@@]
The McGarrigle Hour "The McGarrigle Hour" [#135: @@@@@]
Gillian Welch "Time (The Revelator)" [#272: @@@@]
Daniel Lanois "Shine" [#342: @@@@]

Koop "Waltz For Koop. Alternative Takes"

(Jazz-not-Jazz – Prickelnde Re-Interpretationen zwischen Listening und Drum'n'Bass, Compost)

Das Album "Waltz For Koop" war lange ein Geheimtipp im letzten Jahr: Jazzy, elektronisch und dazu auch noch romantisch. Und wie das so ist bei erfolgreichen und gefeierten Platten, erscheinen dann Single-Auskoppelungen mit Remixen, damit es auf den Tanzflächen dann doch nicht zu romantisch zugeht. Denn ein paar Breakbeats oder ein paar BPMs mehr können dort nicht schaden. Im Falle Koop hat sich mittlerweile eine sehr ansehnliche Liste von solchen Mixen aufgereiht und es wurde höchste Zeit, diese Tracks vom schwarzen DJ-Vinyl auf die silberne Homelistening-CD zu transportieren. Die "Alternative Takes" bestehen aus neun Re-Interpretationen der originalen Stücke und sie bestechen nicht nur durch das erstklassige Line-Up (Richard Dorfmeister, Nicola Conte, 2 Banks of 4, Rima, DJ Patife u.a.), sondern vor allem durch den ständig zu verspürenden Respekt, den die Remixer dem Original-Material entgegenbringen. Die "Alternative Takes" sind also alles andere als eine lieblos zusammengewürfelte Compi mit irgendwelchen Mixen, sondern vielmehr eine äußerst tanzbare Version von "Waltz for Koop" und gleichzeitig eine wunderschöne Hommage an dieses Album. http://www.k-o-o-p.com/ [mst]

s.a. Koop "Waltz For Koop" [#280: @@@@@]

Erik Satie / Aldo Ciccolini "Piano Works"

(Satie satt vom Spezialisten – 5CD, EMI Classics)

Wie schön, dass sich die großen Klassik-Plattenfirmen immer häufiger ihres Back-Catalogue's besinnen und diesen in preisgünstigen Editionen wieder verwerten, wohl auch um der Billig-Konkurrenz etwas entgegenzusetzen. Schon einmal waren die 'Budget Box Sets' von EMI Classics hier Grund freundlicher Worte meinerseits (bei den Debussy & Ravel Orchesterwerken), heuer gilt es sich an der nun erschienenen und wirklich herausragenden 5-CD-Ausgabe der wichtigsten Kompositionen Erik Saties mit Aldo Ciccolini am Klavier, dem Satie-Spezialisten schlechthin, zu erfreuen. Ciccolini trägt hier die bekanntesten, schönsten, skurrilsten und seltsamsten Werke des Franzosen zusammen und spielt sie mit unerreichter Kompetenz, Ausdrucksstärke, Überzeugungskraft und dem nötigen Quäntchen Humor (wenn angebracht) – kurz: einen besseren Satie gibt es nicht. Zugreifen! [sal]

s.a. Claude Debussy / Maurice Ravel / Jean Martinon "... [#316: @@@@]
Erik Satie / Jean-Yves Thibaudet "The Magic Of S... [#319: @@@@]

Rokia Traoré "Bowmboï"

(Schlicht und tiefgründig, zärtlich & zeitlos, weltläufig afrikanisch, Indigo)

Rokia Traoré wird mit jedem Album besser und hebt sich dabei schon mit ihrem dritten Album von herausragenden Afropop-Musikern wie Salif Keita oder Oumou Sangare ab. Mandinke-Tradition, Blues, Neue Klassik und eindrückliche Polyphonie verbinden sich zu harmonischer Weltläufigkeit. Traoré macht aus der Verbindung von überlieferter Musik und traditionellen Instrumenten mehr als Popmusik. Das belegen nicht nur die beiden mit dem Kronos Quartett eingespielten Stücke "Manian" und "Bowmboï". Zu diesen gesellen sich noch so mitreißende wie eingängige Songs im Mandinke-Stil ("Mariama", "Sara" oder "Niènafing") oder exquisite Stücke wie "Déli", das eine feinsinnige und originell reduzierte Slide-Gitarre mit dem von der Ngoni gespielten urtümlich wirkenden Grundrhythmus kombiniert. Dazu gibt es an ihren Namensvetter Boubacar Traoré erinnernde ruhige Songs wie "M'Bifo" oder "Kèle Mandi", in denen sie auch die noch junge malische Blues-Tradition zitiert. Polyphone Gesangseinlagen, die außergewöhnlich ausdrucksstarke und modulationsfähige Stimme von Rokia Traoré und nachdenkliche Texte machen "Bowmboï" nicht nur zu einem persönlichen Meisterwerk – es ist ein neuer Meilenstein der westafrikanischen Musik. [ms]

s.a. Salif Keita "Moffou" [#288: @@@@]
Boubacar Traoré "Je chanterai pour toi" [#330: @@@@@]

Die Ärzte "Geräusch"

(Beste Band der Welt mit besten Album der Welt – 2CD, Hot Action)

Sie sind ganz und gar nicht "unrockbar", die Ärzte, selbsternannte - in voll gerechtfertigter Selbsteinschätzung - beste Band der Welt. Sie kommen diesmal mit aufgewecktem "Geräusch-Zeug": 26 Songs für andersdenkende, überzeugte Rockanarchisten, die das Hirn beflügeln, die Beine wippen lassen und die heimischen Boxen auf Hochtouren bringen. Belafarinrod stimmen ein Liedchen an "anders als beim letzten Mal" und singen von "Dingen, von denen" sie was verstehen. "Die klügsten Männer der Welt" machen musikalisch kräftig "T-Error" mit ihrem ersten Studiodoppelalbum und Zugangscode für downloadbares Extramaterial aus dem Rock-Internet. Wer kann und will, besorgt sich die kreativ und üppig aufgemachte Doppel-LP, bei der dann auch die Augen auf ihre Kosten kommen. Edel!

http://www.bademeister.com/ [mic]

Rechenzentrum "Director's Cut"

(Elektronisches Gesamtkunstwerk – CD+DVD, Mille Plateaux)

Die Berliner Künstlergruppe, die zur Zeit aus zwei Musikern und einem Filmemacher besteht, sieht Bilder und Musik als Einheit. Während Filmmusik normalerweise Dienstleistungsfunktion hat, also Handlung und Bilder unterstützt, ist sie bei Rechenzentrum gleichberechtigt. Wahrscheinlich gibt diese Einheit der Musik ungemeine Kraft. Geheimnisvolle, mitunter verstörend wirkende, endlos fließende Ambient-Tracks, dann wieder aus Geräuschen zusammengesampelte Stücke oder Rechnerpiepsen wie aus einem futuristischen Film, Knistern und dazu ein stumpfer Rhythmus, später eine Truffaz-mäßige Trompete. Selbst ohne Bilder ist die Musik fulminant. Die Bilder dazu erzählen keine Geschichte. Nicht nur der Auftakt wirkt wie die moderne Version von Oskar Schlemmers "Mechanischem Ballett". Unterschiedliche Farbflächen huschen durch das Bild, bis sich daraus langsam eine Bildgeschichte entwickelt – wenn man es so interpretieren möchte. Denn es gibt keine Erzählung, sondern oft nur Farben, Formen, Strukturen und Bewegung. Eine intellektuelle Herangehensweise benötigen diese Multimediakunstwerke trotzdem nicht. Sie sprechen für sich und wecken bei jedem Betrachter sicherlich andere Assoziationen. Eine allgemeingültige Deutung, wie sie oft für Kunstwerke beansprucht wird, kann es für sie nicht geben – es gilt die Dreieinigkeit von Hören, Sehen, Genießen. http://www.rechenzentrum.org/ [ms]

Kari Bremnes "You'd Have To Be Here"

(Folk, Pop, Jazz, wunderschön, Strangeways)

Als ich das erste Mal "You'd Have To Be Here" gehört habe, saß ich ziemlich müde im abgedunkelten Wohnzimmer und musste mich von der CD losreißen wie von einem guten Buch. Gefangen von einer atemberaubenden Produktion und einer nicht minder spektakulären Stimme habe ich mich irgendwann doch ins Bett geschleppt und eine objektive Beurteilung auf den hellichten Tag verschoben. Und was dieses Album dir in der Dunkelheit in das müde Ohr flüstert, hat auch im Sonnenlicht Bestand. Warum kenne ich diese Frau nicht? Kari Bremnes veröffentlicht seit 1987 Alben in ihrem Heimatland Norwegen und "You'd Have To Be Here" ist erst das zweite, das in englischer Sprache für einen Markt außerhalb Norwegens aufgenommen wurde. An manchen Stellen schlägt ihr harter Akzent durch, was aber der Tiefe des Albums keinen Abbruch tut. Es reicht schon, wenn man Joni Mitchell und Natalie Merchant gut findet, um Kari Bremnes allumfassend ins Herz zu schließen. Begleitet wird sie von der klassischen Bandbesetzung, erweitert um eine Bratsche und Nils Petter Molvær an der Trompete. Wenn er seine Trompete an die Lippen setzt, hat das nichts von diesem klassischen "Hey, wir spielen jetzt ein bisschen Jazz und kommen dann ins Feuilleton"-Getute, sondern er hält sich behutsam zurück und verschönert die Songs fast zaghaft. Die pudrigen Töne in "Zarepta" perforieren deine Seele. "You'd Have To Be Here" ist eines dieser Alben, wo man zur Box gehen möchte, sie in den Arm nehmen und leise "Danke" sagen. Von der präsenten Produktion über diese unverwechselbare Stimme bis hin zur abgehangenen Weisheit der Songs ist Kari Bremnes für mich eine der Entdeckungen dieses Jahres. http://karibremnes.no/ [dmm]

s.a. Joni Mitchell "Travelogue" [#323: @@@@@]
Natalie Merchant "Motherland" [#270: @@@@@]
Nils Petter Molvær "NP3" [#302: @@@@]

The Walkabouts "Slow Days With Nina"

(Independent – 23 intensive Minuten mit Chris, Carla, Glen und Nina, Shingle Street)

Es gibt Dinge, die können nicht schiefgehen. Ein Album mit fünf Songs aus dem Repertoire einer Nina Simone musste funktionieren, wenn diese von Carla Torgerson, Chris Eckman und Glenn Slater von den Walkabouts gespielt werden. Wieder einmal zeigen die Walkabouts, wie sehr sie sich in fremde Songs einfühlen können. Schon die ersten Töne von "The Desperate Ones" beweisen, dass Eckman und Co. der Herausforderung gewachsen sind. Eckman singt so eindringlich, dass man eine Gänsehaut bekommt und diese bis zu den letzen Tönen von "Nobody's Fault But Mine" nicht los wird. Auch Carla Torgersons stimmliche Interpretationen von "Lilac Wine", "Come Ye" und "Cotton Eyed-Joe" treffen voll ins Herz und es tut gut, den letzten Song einmal wieder in ganzer Schönheit zu hören (Simone spielte das Traditional bereits 1959 bei ihrem ersten Konzert, für die Verballhornung durch Rednex kann sie am wenigsten). "Slow Days With Nina" sind schon deshalb so intensiv, weil den beiden Walkabouts-Stimmen nichts im Weg steht. Sparsamer kann die Instrumentierung nicht mehr sein. Das Klavier Glen Slaters umspielt sanft die Stille, ruft sich zaghaft ins Gedächnis, nur um sich dann wieder klaglos in seine Rolle als hintergründiger Begleiter zu fügen. Die Gitarre folgt bei einigen Songs dem Verlauf der Stimme und hält sich ebenfalls zurück. Die Songs werden auf das Wesentliche zurückgeführt: Stimmung und Stimmen entfalten sich. Leider ist das Ganze dann schon nach 23 Minuten vorbei. [hb]

s.a. The Walkabouts "Shimmers" [#358: @@@@]
Nina Simone "Four Women: The Nina Simone Philips... [#350: @@@@]

Yehudi Menuhin "The Violinist"

(Aufnahmen des wichtigsten Violinen-Repertoires aus den Jahren 1951-1979 – 10CD, EMI Classics)

Noch eine herausragende Veröffentlichung in der Budget Box Sets-Reihe von EMI Classics: Das künstlerische Schaffen von Yehudi Menuhin (1916-1999), einem der bedeutendsten Violinisten des 20. Jahrhunderts, der auch als Dirigent und Musikpädagoge über Generationen die klassische Musik prägte. Die Box fasst einige der wichtigsten Aufnahmen seiner Karriere zusammen und deckt praktisch alle wichtigen Violinkonzerte aller Epochen ab. Von Bach, Beethoven, Brahms über Vivaldi, Corelli und Paganini bis zu Mozart, Haydn und vielen anderen, auch zeitgenössischen Komponisten, erstrahlen meisterliche Kompositionen in wahrhaft meisterlichen Interpretationen (und im Falle der historischen Aufnahmen mit durchaus guter Klangrestauration). Zehn CDs randvoll mit Violinen-Geschichte im doppelten Sinne – das alles für einen wahrhaft lächerlichen Preis. [sal]

s.a. Erik Satie / Aldo Ciccolini "Piano Works" [#363: @@@@@]

Peter Gabriel "Growing Up Live"

(Konzertfilm – Gänsehaut: Der Meister live – DVD, Warner)

Nach langer Abwesenheit von der Konzertbühne kehrte Peter Gabriel 2002 und 2003 mit einer Welttournee zurück und setzte – wie immer – mit seiner Live-Performance neue Standards in punkto Inszenierung und musikalischer Perfektion. Wer die Tournee verpasst hat, kann sich nun dieses Ereignis mit "Growing Up Live" ins Wohnzimmer holen. Die DVD wurde bei zwei Konzerten in Mailand aufgezeichnet und gefilmt (das enthusiastische italienische Publikum war schon auf der Vorgänger-DVD "Secret World Live" zu sehen) und ist eine schlichtweg überwältigende Produktion von makelloser Qualität. Die Magie der Auftritte, die hohe musikalische Qualität Gabriels und seiner Band (allen voran Bass-Gott Tony Levin), selbst das unbeschreibliche Charisma Peter Gabriels wurden eingefangen. Der perfekte Sound und die stilvolle Aufmachung komplettieren den Gesamteindruck und machen aus "Growing Up Live" einer der besten und schönsten Musik-DVDs des Jahres. [sal]


The Rapture "Echoes"

(House of Post-Wave-Disco-Punk... this is The Rapture!, (DFA)

Mit etwas Verspätung nun auch bei uns die Würdigung der schwer gehypten The Rapture. Und um es gleich vorauszuschicken, meiner Meinung nach zu Recht bereits mit einigen Lorbeerkränzen bedacht. Post-Punk und New Wave ist ja schon seit einiger Zeit wieder hip, aber was die vier Wahl-New Yorker daraus gemacht haben, das hat einfach Klasse. Nach zwei Mini-Alben, eines davon auf dem einstmals legendären Sub-Pop Label, mit "Echoes" nun die erste geballte Ladung. Der Opener "Olio" hat zwar auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, macht aber gar nichts. Man könnte sowieso meinen, hier hätte jemand einen zeitgemässen Remix eines unveröffentlichten Cure-Songs aus der Disintegration-Zeit erstellt. Gitarrist und Sänger Luke Jenner klingt wirklich original wie Robert Smith zu seinen besten Zeiten. Das bleibt aber nicht so, auf dem beschaulicheren "I Need Your Love" werden Erinnerungen an den seligen Jeff Buckley wach, oder er gibt eine wütende Punk-Röhre wenn nötig. Vielseitig ist das Album allemal, aber jeder stilistischen Reminiszenz, die die vier Jungs in sich aufgesaugt haben, drücken sie ihren eigenen Stempel auf. Einen nicht unbeträchtlichen Anteil an dem gelungenen Konzentrat aus Post-Punk, New Wave, Disco und House dürfte das Manhattener Produzentenduo The DFA haben. Die haben mit ihrem gleichnamigen Label dieses Jahr auch schon für Furore gesorgt und den Rapture-Jungs die Weihen der elektronischen Musikproduktion verliehen. Eine der Entdeckungen dieses Jahres, wie diese fabulösen Vier raue Rock'n'Roll-Energie mit den Segnungen der elektronischen Tanzmusik zu verbinden verstehen. Fazit: Platte kaufen, wenn Konzert auf jeden Fall hingehen, wild Tanzen (auch zu Hause), glücklich sein! http://www.therapturemusic.com/ [lr]

Dimitri Shostakovich "Piano Concertos, 3 Fantastic Dances, 5 Preludes & Fugues"

(Klassik – Shostakovich plays Shostakovich, EMI Classics)

Dimitri Shostakovich (1906-1975) war nicht nur einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, sondern auch ein brillianter Pianist. Auf seinen Konzertreisen durch das (westliche) Ausland nahm er sich immer wieder Zeit um für seine zahlreichen Bewunderer im Westen einige seiner Hauptwerke einzuspielen. Die nun wiederveröffentlichten Aufnahmen aus dem Jahr 1959 (nur ein einziges Prelude wurde bereits 1958 aufgenommen) präsentieren einen Shostakovich, der seinen Zenit als Pianist schon überschritten hat – eine mysteriöse Schwächung der rechten Hand fand just in jenen Tagen zum ersten Mal Erwähnung in seinen Aufzeichnungen und zweifelsohne beeinträchtigt sie auch seine Spieltechnik. Nichtsdestotrotz strahlt er eine überwältigende Souveränität in der Interpretation seiner eigenen Kompositionen aus, die gelegentliche Ungenauigkeit seines Spiels kann der Erhabenheit seiner Kunst nichts anhaben. Geradezu magisch ist sein Spiel bisweilen - wie ein Rückgriff auf eigentliche Talente - besonders deutlich spürbar im zweiten Satz des Klavierkonzerts No.2 und ebenso im Prelude No.1 und im Prelude No.24. Eine wahrhaft suggestiv wirkendes Zeitdokument. [sal]


Dream Theater "Train Of Thought"

(Progmetal – Modern, ambitioniert und kitschfrei, Elektra)

Hoppla - den Herren und Meistern des Progmetal genügt es jetzt also nicht mehr, gute Alben auf den Markt zu bringen, sie müssen geradezu kompromisslos brillant sein. Ich bin gar nicht so der Fan der harten Töne, doch was die Herren LaBrie, Rudess, Myung und natürlich allen voran Mike Portnoy und John Petrucci hier eingespielt haben, ist modernster, kitschfreier Metal mit starken progressiven Komponenten. Das klingt so hart, wie Metallica gerne klingen würden und ist so musikalisch, wie Heerscharen von Epigonen zu klingen versuchen. "Train Of Thought" ist mit Bestimmtheit das Album mit den besten Vocals des nicht unumstrittenen James LaBrie und gehört zu den besten Alben der Band überhaupt. Clever haben es die New Yorker verstanden, dem Progmetal neue Elemente hinzuzufügen, ohne ihn zu verfälschen. Was will man im Progmetal Anno 2003 mehr? Nicht viel – das Album ist rundum gelungen. [sal]


The Flower Kings "Meet The Flower Kings"

(Retro-Prog – Live, eine Klasse für sich – 2CD oder auch 2DVD, InsideOut)

Schon das letzte Studio-Album "Unfold The Future" versetzte mich in schwärmendes Entzücken (und ihre erste Live-Scheibe "Alive On Planet Earth" dereinst ebenso). Das Album dann letztes Jahr live präsentiert zu bekommen, war eines meiner eindruckvollsten Konzert-Erlebnisse. Nun liegt mit "Meet The Flower Kings" ein würdiger Mitschnitt der letzten Tournee vor, aufgenommen am 10.2.2003 in ihrer Heimatstadt Uppsala vor einem erlauchten Kreis ausgesuchter Fans. Wie immer technisch perfekt gespielt (und technisch perfekt aufgenommen), präsentieren die schwedischen Blumenkönige ihre "Epics", ihre langen, epischen Kompositionen in leicht veränderten Arrangements und – trotz der nordischen Zurückhaltung der Band und des Publikums – alle Stücke gewinnen durch die Live-Performance. Die Doppel-DVD bietet neben dem eigentlichen Auftritt allerlei filmisches Material (im Studio, im Bus, Backstage), die Hauptsache allerdings findet man auch auf der Doppel-CD, nämlich die hinreißende Musik der Flower Kings. [sal]

s.a. The Flower Kings "Unfold The Future" [#323: @@@@@]
The Flower Kings "Alive On Planet Earth" [#186: @@@@@]


Übernahme von Schallplattenmann.de.

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LAPSUS LIVE 2004 * Vortrag vom Nachwuchs!

Elisa rockt die Pfeffersocken!

Ihr solltet euch meinen Vortrag zu den Red Hot Chili Peppers auf keinen Fall entgehen lassen, denn das würdet ihr versäumen:

 LAPSUS LIVE 2004

SPONTANTHEATER

Hallo ihr Lapsoten!
Wenn ihr Lust auf mehr oder weniger ernst zu nehmendes Spontantheater habt, dann ist für euch Theatersport das Richtige!!!
Voraussetzungen:
- Ideen
- Mut und Spaß daran, sich für und vor anderen zum Klops zu machen
Wenn ihr nur zuschauen wollt, seid ihr auch richtig.
Meldet euch bei mir!Ginger

LAPSUS LIVE 2004 « Lesung mit Musik

Ich war Babuschka

Ein City-Blues von Peter Henri
Collage, wenigstens aus Texten und Musik

LAPSUS LIVE 2004

Mali Blues

Dia-Bericht mit Musik zu einer Reise im Dez. 2002 / Jan. 2003


Gotcha !

Ein seltsames Duell

Turbulente Zeiten: Noch nie war Zukunft so ungewiss. Es gibt für immer mehr Menschen immer weniger Arbeit. Und qualifizierte Frauen, die eine Zeitlang auf die Errungenschaft der Selbständigkeit und Unabhängigkeit stolz sein konnten, sehen sich auf den Status einer stinknormalen Hafennutte herabgestuft. Dieser labernde Beitrag wird daran nichts ändern.

Ulrike war stolz auf ihren kleinen Freund Emil, den knallblauen Twingo, den sie vor Jahren mit ihrem ersten selbstverdienten Geld abgezahlt hatte. Sie machte sich auf den Weg zum Multi-Markt, um endlich einen erfolgreichen Tag zu inszenieren. So viel hatte sie mit ihrem kleinen Flitzer erlebt - Berufs-Fahrten, Urlaubs-Reisen, Liebe, Abenteuer, Fast-Unfälle, Fahrten in Wind und Sonne bei geöffnetem Faltdach, wobei diese Fahrten auch ohne Beifahrer ein Glücksgefühl hervorriefen. Klar, dieses eine Jahr mit Begleiter, das gegen Ende immer zäher verlief, hatte schon auch seine wunderbaren Momente, die vertrauensvolle Zärtlichkeit, die heiße Hingabe, der hemmungslose Sex. Aber sie vermisste nichts, der Typ konnte ihr für immer gestohlen bleiben, und andere konnten gerne vergebens an ihr herumbaggern. Brauchts nicht.

Ihr erster Sturz in die Arbeitslosigkeit erfolgte ein Jahr nach der deutschen Wiedervereinigung. Ihr Arbeitgeber hatte von Engpässen gesprochen, mangelnden Ersatz-Arbeitsplätzen usw - kurz, sie war ihren Abteilungsleiter-Job los, erstritt zwar vor Gericht Abfindung und Recht auf Wiedereinstellung, pfiff aber auf letzteres. Schließlich hatte die Schulfreundin Doris ihr einen ganz tollen Job in den Medien angeboten. Leider nicht im stinknormalen Journalismus, wo sowieso nur noch freie feste Mitarbeiter existierten ( oder feste freie?), sondern im Fernsehen, wo das Regionalstudio eines Privatsenders aufgebaut wurde.

Immerhin, sie durfte sich offiziell Journalistin nennen, man ließ sie aber gleich in der ersten Woche Kaffee kochen und Post herumtragen. Dann wurde sie vor den Talkshow-Redakteur zitiert. Ob ihr die Arbeit Spaß mache? (Z. Zt.: Nein) Ob sie Lust hätte, bei Talkshows mitzuarbeiten (Aber klar.) Also Kabelträger machen nur Studentinnen, und der Einheizer ist ein Neffe des Chefs. Aber es gäbe noch andere kleinere Jobs, wenn sie Lust hätte. Zu spät realisierte sie, warum er das Wort Lust besonders betonte. Er kam hinter dem Schreibtisch vor mit geöffneter Hose und krächzte: Komm her, Kleine, das kriegen wir schon hin, mit allen Aufstiegschancen. Sie erstarrte. Oft hatte sie Witzeleien gelesen über die Besetzungscouch, sie aber nie ernst genommen. Es traf sie so unvorbereitet, dass sie sich fast willenlos fügte, ja sich sogar hineinsteigerte in eine Aufgabe, ihm einen besonders guten, geradezu unvergesslichen Blowjob zu verpassen. Er lobte ihre erfolgreichen Bemühungen nicht, sagte aber: Ok, Du hast den Job. Übrigens, kennste den: Eine Laienschauspielerin aus der Serie Unter uns rennt über den Studio-Flur und schreit: Mit wem muss ich schlafen, um aus der Scheiß-Serie wieder rauszukommen! Haha, wieder rauszukommen, haha. Ist der nicht gut?

Sie konnte den ganzen Ablauf erst viel später rekonstruieren, im Augenblick war alles nicht richtig präsent. Immerhin bekam sie einen Telefonjob, Catering organisieren und so ... Und bei einer Betriebsfeier durfte er auch zwanglos über sie hinwegrobben, und nach dem Arbeitsessen, und auf der Dienstreise und und.

Aber ihre Position war wie zementiert, im Gegenteil überholten sie rechts und links andere Frauen, jüngere, eigentlich Mädchen. Während sie verschimmelte Südfrüchte reklamierte, verhandelten gelernte Friseusen und ungelernte Halbtagskräfte mit mehr oder weniger prominenten Gästen, nicht nur in dummen Vorgesprächen, sondern auch mit fast journalistischen Briefings.

Sie stellte fest, daß die Dominanz von absolut unausgebildeten Mädchen (sicher, klar: Praktikantinnen) und Frauen nur zweierlei Gründe haben konnte: Zum einen waren nicht ausgebildete Frauen billiger. Dann billiger als gleichwertige Männer sowieso. Dann dankbarer. Und williger. Und meinungsloser. Jaja, es fielen ihr noch mehr Gründe ein, vor allem für die eine Brünette, deren Gehalt das einzig hohe auf dieser Etage sein sollte, was aber nicht mit einer erkennbaren Tätigkeit verbunden war. Einmal hatte die Ehefrau des Chefs dieser Tussi ein paar Haare rausgerissen, daraufhin Hausverbot, für die Ehefrau natürlich.

Es machte ihr absolut nichts aus, sich quasi zu prostituieren, sie hatte ihr knappes Auskommen, ihre Ruhe und sowieso auf lange Sicht keinen Bock auf einen Freund. Ihr kleiner Single-Haushalt machte sie irgendwie zufrieden, sie definierte ihre Antriebslosigkeit gerne als wunschlos glücklich. Obwohl es Nächte gab, wo das Kopfkissen von vielen heißen Tränen feucht wurde. Obwohl es viele dieser schlaflosen Nächte gab.

Und dann traf sie aus heiterem Himmel die Entlassung, aus betriebsinternen Gründen. Wieder nahm sie alles seltsam passiv hin, auch daß ihr Arbeitsplatz, wie sie später erfuhr , von einer 16jährigen (kostenlosen) Praktikantin besetzt worden war, konnte sie nicht aufregen.

Mit ihrer geringen Alu ging sie oft ins Karstadt, einkaufen oder klauen oder beides. Sie hatte eine gewisse Schlauheit beim Klauen sich zugelegt, die aber leider nur bei uninteressanten Büroartikeln zum Tragen kam, so dass sie fast zuhause einen Büroartikelvertrieb hätte aufziehen können. Wenn sie den Elan dazu gefunden hätte. Immer wenn Bares all zu knapp wurde und wirre Wünsche im Raum standen, bestellte sie bei Otto, Quelle, Bauer und anderen Versendern, per Katalog und auch bei den vielen Homeshopping-Sendern. Die Rechnungen und Mahnungen häuften sich, und mit unbefriedigter und böser Mine ließ sie alsbald die Post ungeöffnet in den Müll wandern. Die blauen Briefe der Gerichte, die sie bald ultimativ zur Zahlung von Rechnungen aufforderten, musste sie zwar quittieren, las auch interessiert die ersten, aber den Rest öffnete sie schon gar nicht mehr.

Ihr Entschluss stand fest: Es musste Geld ins Haus, egal wie. Ein Klassentreffen der 30er stand bevor, und sie wollte doch als gutverdienende Filialleiterin gelten. Allein der Kosten-Beitrag für das Palace Hotel machte schon 100 Euro, dann buchte man auch noch eine Übernachtung mit Frühstücksbrunch, noch mal 120 Euro. Und vielleicht auch wegen der minimalen Chance, einen Ernährer kennen zulernen und zu beschlagnahmen, musste sie diese Chance wahrnehmen. Und ihr Auto ließ sie sich schon gar nicht wegnehmen, von niemandem. Es musste Geld ins Haus, egal wie.

Sybille freute sich immer noch täglich über ihren kleinen roten Ford Ka, den sie seit einem halben Jahr besaß. Die Leasingraten waren mit 99 Euro verlockend niedrig gewesen. Sie war das winzige Risiko eingegangen, obwohl die Mobbing-Aktionen in ihrem Betrieb sich zentral gegen sie richteten. Und wie das Amen im Gebet kam tatsächlich nach 3 Monaten Dauerangriffen die Kündigung, sie würde Unruhe im Betrieb verbreiten mit ihren unbewiesenen Mobbing-Vorwürfen, auch der Gewerkschaftsvertreter im Betriebsrat war dieser Meinung. Sie wollte nicht daran denken, die Welt war groß, eine Abfindung war immerhin 5stellig, das Arbeitslosengeld war zwar mäßig, aber es kam regelmäßig. Man konnte Pläne schmieden, Kräfte sammeln, viel lesen, viel fernsehen, viele Bewerbungen schreiben, wenige Termine im Arbeitsamt wahrnehmen. Dort wurde ihr immer wieder von neuem von Umschulung und / oder Fortbildung vorgefaselt, wozu sie ergeben mit dem Kopf nickte. AiTi, Computerbranche, OnlineMarketing, OnlinePublishing, Online-Redakteurin. Klar, egal, irgendwie.

Zwar wusste sie nicht, wo und wie Online-Redakteurinnen bezahlt wurden (mit echtem Geld, nicht mit Cybermoney, nicht mit Lob oder staatlichen Zuschüssen). Aber sie zeigte sich kooperativ, besuchte die Kurse, ließ sich kostenpflichtig von Arbeitslosen-Beratern beraten (Foto ist wichtig! Zeigen Sie Interesse! Rufen Sie an! - macht 80 Euro.) In ihren Kursen wunderte man sich, dass diese nur von Frauen besucht wurden, wo doch gerade Männer vorgeblich ein natürliches gen-verwurzeltes Verhältnis zur Computerei hatten. Die seien in separaten Kursen, aus pädagogischen Gründen. Schade eigentlich...

Ihre zuständige Arbeitsamt-Tante kam im März knallbraun aus Florida zurück, baute einen Altar von Souvenirs aus Postkarten, Sandkästchen und Muscheln auf ihrem Schreibtisch auf. Und freute sich natürlich, darauf angesprochen zu werden, und jeder der Arbeitslosen sprach sie darauf an, damit gut Wetter war. Manchmal dachte Sybille darüber nach, was die Staatsdienerin wohl verdiente, mit ihrer Arbeit, den Mangel an Arbeit zu verwalten - wahrscheinlich das Doppelte ihres letzten Gehaltes als Abteilungsleiterin bei Karstadt.

Manchmal überkam sie nächtens der Verdacht, die Frauen würden für völlig aussichtslose Posten aus- und fortgebildet, damit sie endgültig wegwären vom Fenster, vom Arbeitsmarkt, und so wieder die Männerfamilienväter das Familieneinkommen garantierten und überhaupt wieder eine 2-Kinder-Vati-Mutti-Gesellschaft entstand, Ideal aller Parteien und Konfessionen. Fort-Bildung als Entfernung einer störenden Statistik-Trübung. Ihr pfiffiger vierzehnjähriger Neffe sprach dann und wann davon, es gäbe sowieso schon Programme, die selbstständig Programme schreiben könnten, es gäbe sowieso schon Roboter, die selbstständig Verbesserungs-Möglichkeiten entdeckten und durchführten. Und was die Webseitengestaltung anginge, so würde allein schon Frontpage2000 jedem Deppen die auf der Festplatte vorhandenen persönlichen Daten automatisch auf die Website-Vorlage zaubern. Und im übrigen würde keine Sau irgendwelche Websites auf Dauer lesen, vom Benutzen ganz zu schweigen. Na, der Neffe war halt zu jung, um das zu blicken. Obwohl, Onlinebanking war auch ihr schon sehr suspekt, man hatte ihr schon das Kreditkarten-Konto abgeschöpft, einfach so, Hackerangriff, wie es tröstend hieß. Gottseidank war das Limit schon fast ausgeschöpft gewesen und nur ein Zufalls-Rest von 120 Euro drauf, die vermutlich in Moskau als Überweisung landeten.

Auf der Fahrt zum Multi-Markt sah sie eine samstägliche Prozession von Trikot- und Schal-Trägern, von Fahnen- und Bierdosen-Haltern, den begeisterungsfähigen Sportanhängern ihrer drögen Heimatstadt. Hannover 96 - mein Gott, wie viele Kollegen, nämlich Arbeitslose, doch Lebensqualität aus 90 Minuten Fußball schöpfen können. Ihr war dieses nicht vergönnt, und wenn sie buntgekleidete grölende Fans sah rund um diese zentralhannoveranische altmodische Bauwerk, auf dem emMcehDonalds geschrieben war, wünschte sie innigst den sofortigen Wiederabstieg dieses Kicker-Clubs. Aber wahrscheinlich würde der Kanzlerdarsteller auch diese Bastion mit all seiner Einflussnahme verteidigen.

Überhaupt, dessen Expo, das Groschengrab der gesamtdeutschen Steuerzahler, - was war geblieben, außer dem Triumph, das Defizit aus der Landeskasse herausverleugnet zu haben - eigentlich doch nur der Prinzen-Pinkler, oder Pinkel-Prinz. Was hatte sie davon, dass VW RollsRoyce oder Lamborghini oder Bugatti oder einen Riesen-Passat für Knallköppe ins Programm aufnahm. War das ein ernsthafter Statesman oder ein profilneurotischer Hasardeur? Sie konnte und wollte es nicht entscheiden, sie wollte überhaupt nicht ernsthaft politisch denken, würde auch nicht wählen gehen. Sie wollte nur irgendeinen kleinen Nutzen aus dem großen System ziehen, aber wie und wo? Es fiel ihr der Spruch ihres ewig meckernden alten Vaters ein, eines Sozialdemokraten, der mal unter Hitler für seine Überzeugung ins Gefängnis gehen musste: "Wer hat uns verraten ...". Und der so verzweifelte Formulierungen wie "Profilneurotische Duodezfürsten-Mentalität mit dem provinziellen Geruch des neureichen Kulturbanausen" ausstieß, was nichts und niemanden treffen konnte, schon gar nicht die Partei.

Auf dem großen Multi-Markt-Parkplatz herrschte Hochbetrieb, verwunderlich, woher eigentlich die Kaufkraft der Leutchen stammte, allerdings hätte ein Blick in verschiedene Einkaufswägen gezeigt, daß der Qualitäts-Konsum schon lange einer Art von Junk-Konsum gewichen war, so wie sie selbst ja auch nur noch beim Katzenfutter auf Ansprüche Rücksicht nahm.

Dort endlich, - eine Parklücke, Sybille gab Vollgas, um mit ruckelnden Hopsern frontal hineinzupreschen, aber von der anderen Seite näherte sich ein alter Twingo.

Dort endlich, - eine Parklücke, Ulrike tastete nach Jute-Tasche und nach der kleinen Pistole, sie beschleunigte ihren Emil und bog rechts ab hinein - Vollbremsung, sie stand dicht vor dem glänzenden kleinen Flitzer, wohl ein Ford Ka, am Steuer eine verkniffene Rothaarige. Sie hupte vorsichtig, stellte dann den Motor ab, haute die Handbremse rein und stieg voll angesäuert aus.

Sybille blackoutete und näherte ihr Auto dicht an die Stoßstange des abgestellten Twingo und gab dann wieder Vollgas. Mit durchdrehenden qualmenden Vorder-Reifen versuchte jetzt der Ford, den Renault vom Platz zu schieben. Tatsächlich gelang dies mühsam, während die Reifen schwarze Gummispuren auf den Asphalt brannten. Meter um Meter wurde der Ford zurückgedrängt, während sich die Stosstangen verbogen, das Plastik knirschte und zerbrach, während die andere Fahrerin ungläubig, fast staunend zusah, wie ihr Auto sich langsam rückwärts bewegte. Sie schrie, jammerte, weinte, die allmählich anwachsende Menge von Neugierigen lachte, klatschte Beifall. Das große Logo des Multimarktes, eine farbige Zielscheibe, flackerte höhnisch. Der Burnout stank infernalisch und erzeugte kleine Rauchschwaden.

Am Steuer des Ford brach die Fahrerin leise schluchzend zusammen, beschimpfte fast unhörbar ihre Gegnerin: Du blöde Kuh, Du Miststück, hau ab, hau ab, hau ab...

Ulrike schaute nochmals ungläubig auf ihr weggeschobenes Auto, sah in der Ferne hinter den Schaufenstern die polnischen und russischen Kassiererinnen, die das Geld, ihr Geld, in ihren Händen hielten. Langsam näherte sie sich der zusammengesunkenen Fahrerin, zog die verchromte Schreckschusspistole heraus und feuerte Schuss um Schuss gegen die Windschutzscheibe.

Beide Frauen erwachten aus ihrer Trance und blickten sich lange und stumm mit großen fragenden Augen an.

...

© 2002 Peter Henri
für das Buch "Leben und Sterben in Berlin"


HEIMATKUNDE

Veröffentlichte Leserbriefe (#8)

bb.mueller@yahoo.at (alias Roland) an www.loitz.de:

Servus liebe Loitzer! Ich war im letzten Jahr im Urlaub hier und war fasziniert von dem "platten Land". Jetzt vor kurzem auf der Durchreise von der Ostsee schockierte mich, daß da die ganzen riesigen Bäume fehlten vor der Brücke da. Welche hornochsigen Deppen machen denn sowas? Soll alles wie ein Vorgarten aussehen? Wollt ihr gar nicht mehr den Himmel berühren? Zu viel Langeweile? In 10 Jahren hat eure Kettensägenfraktion alles weggeschreddert, was größer als 4 m ist und weiter als euer Horizont? Und dann in Rustow, die Birnbäume! Im Mittelalter wurden Obstbäume auch als erstes abgesägt, um einen Ort unbewohnbar zu machen. Im Krieg. Seid ihr im Krieg? Macht weiter so, sägt Bäume um, baut Straßen, malt Häuser an - unsereiner läßt sich dann nimmer mehr blicken.

Grüßli! Bernd Brandmüller, Österreich

Dr. J. Winter - Loitzer Bürgermeister - antwortete:

Sehr geehrter Herr Müller, die Bäume vor der Brücke entlang der Landesstraße, parallel zum Peenekanal und unserem so genannten Badekanal mussten gefällt werden, weil die Pappeln infolge Sturm stark beschädigt waren und die Verkehrsteilnehmer gefährdet haben. Ich verstehe ihre Beweggründe zur Kritik, da unsere Alleenstraßen deutschlandweit berühmt sind und wir sie auch selbst erhalten möchten. Doch Verkehrsgefährdungen dürfen wir nicht in Kauf nehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. J. Winter, Bürgermeister

Tatsache bleibt, daß da sehr wohl etwas ganz anderes offenbar sturmgeschädigt ist...

Und was sonst so auf der Lötz-HP mitzuteilen ist:

Zwergpunk:

Na ihr coolen Loitzer ich finde eure Stadt voll geil und grüße meine Oma meine Uroma und mein Opa. Na denn ihr Loitzer haut mal rein.

mailto:Zwergentreff@web.de

Nichtverööffentlichte Bittbriefe (#9)

Nun ja. In Loitz und seiner luftreichen Umgebung leben noch mehr Menschen mit ihren Sorgen und Nöten. Ich z.B. versuchte nebenher meine Brieffreundschaft mit unserer CDU-Landtagsabgeordneten wieder aufleben zu lassen. Anlaß war die Zeitungsmeldung, daß die Betreiber des Zwischenlagers in Lubmin gern mehr Atommüll einlagern würden. (Versprochen wurde ja von allen Partein vorm Bau, nur DDR-KKW würden dort abgestellt, dann wurde es doch aus Versehen sehr sehr groß und ein Ostsee-Hafen wurde auch gleich gebaut, nun paßt die halbe deutsche Atomwelt, der Ostatomblock und einiges mehr hinein, und der Castor-Seeweg läßt sich von Unverbesserlichen nur schwer blockieren...). Aber in der Zeitung sprach die CDU sogleich von "1400 Arbeitsplätzen", die entstünden und die Landesregierung dürfe sich nicht querstellen. So schrieb ich der MdL – ihr kennt sie aus dem LOver 34 – am 28. Februar eine Mail:

Sehr geehrte Frau Holznagel!
Nun wende ich mich doch an Sie mit meinem Anliegen. Ich habe herumtelefoniert, nachgefragt - niemand wußte was. Oder wollte nichts wissen???!
Es geht um die 1400 Arbeitsplätze, die mit der Zwischenlagerausnutzung in Lubmin entstehen werden und ich bräuchte nur einen davon! Jedenfalls stand das in der Zeitung, und sie hätten es gesagt. Und welcher Politiker hat schon solchen Mut? Die reden doch nur! Aber Arbeitsplätze??
Ich bin schon viel zu lange arbeitslos und daß das modernste und größte Zwischenlager Europas auch anständig genutzt wird, ist doch nur zu begrüßen, wo kommen denn sonst noch so viele Arbeitsplätze her? Und ich brauche wie gesagt nur einen und wenn der dann noch diese echte Sicherheit bietet, weil das alles ja wohl ziemlich lange gelagert werden muß - das ist doch endlich wieder eine Perspektive! Meinen Sie, ich will, daß meine Kinder auch unser schönes Land verlassen? Richtig, eben nicht! Vorpommern kann eine Zukunft bekommen, die wieder Arbeit schafft, Spaß macht, wieder Menschen anlockt.
Ja, ich bitte Sie also eindringlich, mich davon in Kenntnis zu setzen, wo ich mich bewerben kann! Machen würde ich alles.
Mit freundlichen Grüßen!

Roland Gorsleben, Zarnekla

Die zu beantworten sie leider nicht die Zeit fand. So hakte ich Ende März nochmal nach:

Sehr geehrte Frau Holznagel!
Schade, daß Sie mir bislang nicht antworten konnten! Oder sind die 1400 Arbeitsplätze etwa alle schon vergeben? Oder sträuben sich die Roten in Schwerin wider alle Vernunft? Ja, die Genossen haben wohl alle Arbeit, was!
Aber da habe ich eine Idee, könnten wir nicht eine Unterschriften-Aktion "Für unser Zwischenlager - wehret den Lubminer Heiden!" oder "Jeder Castor ein Arbeitsplatz - holt sie in den Osten!" starten? Ich würde hier im Dorf bestimmt eine Unterschriftenliste vollkriegen! Sie glauben gar nicht, wieviele Leute sich einen Castor sogar auf ihr Grundstück stellen würden, wenn sie damit nur Arbeit kriegen könnten! Den Touristen aus dem Westen könnte man ja erzählen, das seien Brennstoffzellen für die Hausheizung, die haben ja auch geglaubt, die Futtersilos neben den LPG-Kuhställen seien Raketensilos.
Weiterhin hoffe ich auf eine positive Nachricht von Ihnen! Auf dem Arbeitsamt letzten Mittwoch wollten die gar nicht mit mir über diese Frage reden, diese Ignoranten. Aber da werde ich auch meine Unterschriftenlisten rumgehen lassen! "Wir haben noch lange nicht genug - Castoren willkommen, Kost und Logis frei!"
Mit freundlichen Grüßen!

Roland Gorsleben, Zarnekla

Aber Frau Holznagel kann sich ja nicht um alles kümmern, offenbar ist sie mit anderen Jobs völlig ausgelastet:

Sehr geehrte Frau Holznagel!
Schlimm, von Ihnen gar nichts zu hören! Waren die Lubminer Berichte alles nur Zeitungsenten statt Tauben von Hoffnungen?
Naja, das Leben muß wohl weitergehen.
Gestatten Sie mir abschließend noch eine Frage im Zusammenhang mit der in der Zeitung vermeldeten Eröffnung der diesjährigen Stockcar-Saison: Wie fühlt sich eigentlich Ihr Gewissen als Christin (das nehme ich bei einem CDU-Mitglied mal an), "SchirmHERRIN" der Basepohler "PS-HÖLLE" zu sein?
Herrin der Hölle.
Sie machen mir Angst.

Es grüßt Roland Gorsleben, Zarnekla

In Glaubenskrisen geraten wegen irdischer Zustände im Land auch andere Bürger unserer Gemeinde (alle Namen sind im folgenden geändert), hier ein originaler Briefauszug an das Sozialamt Loitz:

Sehr geehrte Frau Lehmann,
Hiermit teile ich Ihnen mit, das o. a. Schreiben, mir am 10.04.2004 zugegangen ist.
Ausdrücklich widerspreche ich der Pfändungsankündigung.
Nur zu gut wissen Sie, Frau Lehmann, wie es um mich steht. In den letzten Monaten habe ich Ihnen persönlich mehrfach mitgeteilt, das die Wohnung meiner leider verstorbenen lieben Mutter gar nicht von mir bewohnt wird.
Trotzdem fordern Sie immer wieder die Grundsteuern und Abwassergebühren. Entsprechende Grundstücksunterlagen, die möglicherweise zur Klärung dienen könnten, sind allesamt in Händen meines Bruders. Ich gehe davon aus, das Sie nun meinen Bruder mit Ihrer o. g. Forderung anschreiben werden.
Da Sie meinen jetzigen Status kennen. Ich bin Sozialhilfeempfänger, hoffe und bete ich zum Herrn, das Sie von mir ablassen. Die letzten Wochen waren für mich, bedingt durch Ihre terrorisierenden Schreiben an mich, letztes erst am Ostersamstag empfangen, die Reinste Nerventragödie. Ein Osterfest, das Herrn Jesu-Fest war durch Sie bedingt die Wahre Hölle. Soll ich mit meinem Leben abschliessen?
Ihr bisheriges verhalten mir gegenüber löst im mir Krankhafte Zustände, auch Depressionen genannt, aus. Meine persönliche Not ist gross, wo ist Ihr Verständnis für einen Notleidenden Bürger, dem nicht einmal eine Trinkwasserversorgung zur Verfügung steht. In der Trockenen Sommerjahreszeit musste ich sogar bei den Bürgern im Ort um Trinkwasser Betteln. Verstehen Sie mich jetzt, Frau Lehmann?
Mit gleicher Post werde ich auch die Bürgerbeauftragte des Landes in Schwerin über Ihre willkürlichen Zwangsvollstreckungsandrohungen in Kenntnis setzen.
Mit nicht ganz so freundlichen Grüßen

Klaus Schulz


DIE ZEIT 08/2004

Nuklearmüll ins ewige Eis

Wissenschaftler diskutieren über Grönland als Endlager
Von Gero von Randow für ZEIT.de

Wohin mit heißem Atommüll? Agust Valfells vom isländischen Institut für Strahlenschutz präsentierte auf der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science (AAAS) in Seattle einen ungewöhnlichen Vorschlag: ab ins ewige Eis. Und da die Antarktis aufgrund einschlägiger Umweltschutzverträge nicht in Frage komme, wandte sich Valfells einer anderen kalten Gegend zu – und untersuchte das Eis von Grönland auf seine Eignung als Endlager. Die Eisschicht in der grönländischen Zentralregion sei immerhin drei Kilometer dick, am Boden rund 100.000 Jahre alt und – abgesehen vom nordöstlichen Teil des Eisschilds – vollkommen unbewegt. Valfells schlug vor, eingekapselte heiße Spaltprodukte auf der minus zehn Grad Celsius kalten Eisschicht zu platzieren, damit ihre Zerfallswärme sie sodann allmählich durch das aufgetaute Eis nach unten sinken lässt, bis in jene Region, in der es minus 30 Grad und kälter ist. Oben friert das Eis wieder zu, und niemand, auch kein Terrorist, kommt mehr an das Zeug heran.

Nach etwa tausend Jahren – einem Zeitraum, in dem die Eisschicht trotz globaler Erwärmung nicht wegschmelzen kann - entspricht die Radioaktivität des Mülls dann wieder derjenigen des natürlichen Uranerzes, das sich ohnehin in Grönland findet. Technisch sei die Herstellung korrosionssicherer Kapseln, die weitaus länger als tausend Jahre dichthalten, ohnehin kein Problem.

Valfells hat sich die Idee bereits patentieren lassen (US Patent 6.342.650). Das Ganze ist auch schon mal durchgerechnet worden, also nicht bloß so ein Gedanke (siehe www.worldenergy.org ). Doch selbst wenn weitere Modellrechnungen, Simulationen und Experimente zeigen sollten, dass dies sinnvoll wäre: Für den Mann aus Reikjavik sind Eisflächen das, was für uns alltägliche Landschaften sind – für viele andere Menschen hingegen sind es Orte von hohem Symbolwert. Das wird jedem Greenpeace-Campaigner gewiss als erstes einfallen. Mag es also technisch vielleicht funktionieren, politisch wird wohl kaum etwas daraus.


Re ¤ act ¤ or

Danke, Roland, für Karte mit aktuellen Infos und LOver mit schönem Umschlag und freundlicher Einladung zum "LAPSUS live" zu Fingsten 2004 in/nach Zarnekla! Grad hat ich die Moni aus Wien zu Besuch, als der LOver mit Deiner Post hier eintraf. Die Moni las gleich mal im LOver und fand ihn ganz nett. Vielleicht wird sie, wenn sie aus Spanien zurück ist, auch Dich & Zarnekla mal besuchen. Hab ihr ein bisserl von dem schönen Ort erzählt. ;-)
Ich weisz noch nicht, welches der drei Angebote ich zu Pfingsten wahrnehmen werde. Da ist die Rügen-Rad-Tour, zu der die Kerstin, die noch an ihrer schweren Allergie kurt, wieder mit fahren und mich gern wieder sehen will und ein Treffen des "Arbeitskreises Innere Ökologie", der sich ewig nicht traf, auf dem Hof-Gelände eines Anders-Leben-Projektes, das eine vom AK mit gründete, in der Nähe von Belzig.
Und nun noch Deines, das ich auch sehr spannend finde.
Gehen - bleiben, wohin, wenn gehen, was tun, wenn bleiben, Satellit bzw. Biene bleiben, wär toll - aber wie geht das ?
liebe Grüße sendet roy

Hallöle! Drei, vier Ausgaben der LOver hab ich schon durchgelesen (die früheren)... Zitieren würde ich in der subjektiv gerne das "Kriegstagebuch" (Teil 3 von 3, die anderen zwei Teile hab ich leider nicht). Ich muß gestehen, dass ich im Moment auch nur sehr sporadisch - aber immerhin - und leider ebenfalls als Einziger an der subjektiv! arbeite. Der eine hat ein Kind und heiratet, der nächste buckelt auf Norderney, der dritte wohnt in Bremen und der Rest (das "Studentenpack" :-)) hat wohl grad nix mitzuteilen :-)
Auch die Lektüre der restlichen LOver steht noch aus: die liegen zwar auf meinem Nachttisch obenauf, aber ich hänge gerade, wenn ich mal aus der "c't" und dem "Linuxmagazin" raus- und von all den Compluders (deutschlich: PC's) um mich rum wegkomme, auch über zwei Büchern (u.a. "Deutsche Notizen" von H. Sündermann; eine etwas verunglückte Gegenüberstellung der Ansichten des Autors aus den Jahren 1944/45 und 1964/65; dem Autor tat es aber auch sichtlich leid, dass ihm sein Führer wegstarb. Aber nur so konnte jener Nasenbärtige wieder das Deutsche Volk retten... Ja, die Logik ist schwer zu verstehen, aber Herr Sündermann ist auch 1964 immer wieder mit der Bunten Regierung und dem Herrn Erhard aneinandergerückt. Ach gäbe es den Führer noch, hätte man nicht so viel Ärger mit dem Kommunismus. Fragt sich, wie Herr Sündermann seine Ansichten 1944 - 1964 - 2004 proklamieren würde. Weiß aber nicht, ob der fleißige Autor des Druffel-Verlages noch lebt.)
Aber auf jeden Fall kommt in die nächste subjektiv! ein Hinweis auf den LOver. Ich bin zudem selbst HOBBY(!)-Musiker (hab mir gestern bei der freien Session in der Heimat wieder einmal meinen rechten Zeigefinger blasig gespielt...) und hab auch einen ganzen Haufen Musiker-Bekannte um mich rum.
Aus Berlin ist irgendjemand auf die subjektiv! über das Internet aufmerksam geworden und fand das gaaaanz toll. Ja, das finde ich ja auch gaaaanz toll, aber so allein auf weiter Flur fühl ich mich so allein auf weiter Flur :-)
Es wird immer mal wieder jemand aufmerksam auf uns "freie Autoren" und die spontane Meinungsäußerung. Was ist auch dabei, zu allem seinen Senf dazuzugeben? So denn, natürlich hört man voneinander. Denke ich. MfG Jochen

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