OVER Nr. 38


LOVER Nr. 38

(erschien 11/2004)

Auszüge:

[Ditorial] - [Baum] - [Abo] - [Kanonen auf Spatzen] - [Krise] - [Quiz] - [5 Affenschwänze] - [Ferien in Lychen] - [Das Idol] - [Erfolgsgeschichte] - [LL 2005] - [the song] - [Kokon] - [Interview] - [Schwarzbuch Kapitalismus] - [Phiel!] - [Spuren] - [Re@ctor] - [Ökosozialismus] - [Bardentreffen] - [Stein zu] - [Zur Schwärmerei] - [Grundlos zärtlich] - [Sonnenuntergang] - [liebe] - [Zärtlichkeiten]

LOver 38


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Dieser LOver enthält die Reaktionen auf LAPSUS LIVE 2004 und einige Fotos der fröhlich-freundlichen Tage. Außerdem wird ein gemeinschaftliches Projekt für LAPSUS LIVE 2005 vorgestellt. In einem Quiz könnt ihr beweisen, dass ihr euch mit LAPSUS LIVE richtig gut auskennt. Und ein paar Preise dabei abstauben. Wenn ihr die Chancen verbessern wollt, hilft ein Blick auf Leopolds Homepage...
Dieses Heft sollte schon im September bei euch sein, aber der (neue) PC, auf dem der LOver gestrickt wird, hatte sich leider für drei Wochen „krank gemeldet“. Ich erspare euch die betrüblichen Einzelheiten, aber dafür dürft ihr mir die Daumen drücken, das der dritte komplette Neuaufbau nun endlich der letzte war...
Bedingt durch die Verspätung ist auch ein Resümee zur Wahl vom King of the World möglich: Krebs hat gewonnen und Polio hat gratuliert. Ansonsten bleibt alles wie es (fast) alle haben wollen.
Doch zurück zum Inhalt des Heftes: Ginger hat den interessant gestrickten Krimi „Das Idol“ beigesteuert. Das Buch „Ökosozialismus oder Barbarei“, das Roland gern komplett abgedruckt im LOver hätte, ist dazu leider doch etwas zu umfänglich. Deshalb hier die Einführung und der Link auf den kompletten Text. Von Roland gibt’s u.a. „LAPSUS live“, zu LL 2004 vorgetragen und hier zum Nachlesen, neue „Spuren“ sowie den Briefwechsel „Phiel! Oh, so phiel!“. Die 5 Affenschwänze gibt’s auch wieder, allerdings nicht mehr mit dem Anspruch, komplett zu sein. Außerdem findet ihr ein Interview mit Uwe, der 1989 mächtig die Garage in Züsedom rockte, und manches andere an Gereimtem und Ungereimtem. Leopold


Ein Euro für 1 m² Baum!

Der I.G.E.L. e.V. ist nach wie vor dringend auf Spenden angewiesen zwecks Parkfreikauf in Drosedow. Er steht zwar schon länger als Eigentümer im Grundbuch, aber auch noch mit 3.900 EUR in der Kreide.
Sein Konto ist unter Nummer 1039482 bei der Volksbank Greifswald, BLZ 15061638, geführt. Verwendungszweck: "Landfreikauf". Spendenquittungen gibt es postwendend: diesen Wunsch und Absender an: I.G.E.L. e.V., Dorfstr. 19, 17121 Zarnekla oder igel@lapsus-gil.de.
Alles Grüne! Roland


Ich will den LOver...

Dazu müsst ihr euch nicht auf die Straße stellen, sondern einfach ein paar entsprechende Briefmarken an Leopold schicken. Pro Heft 1 Euro + 1,44 Porto. Logisch, dass sich das eher für mehrere Hefte lohnt. Spendenquittungen gibt’s jedoch nicht. :-)

Mit Kanonen auf Spatzen

Jugendliche Kiffer vor Gericht
von René Althammer (ARD-Sendung "Kontraste")

40.000 Tote im Jahr. 217.000 Straftaten. 1,2 Millionen Menschen sind süchtig. Die Suchttherapien verlaufen oft erfolglos, die Rückfallgefahr ist hoch. Wer erst mal drauf ist, kommt selten zurück.
Die Droge? Überall zu kaufen. Na, dann Prost, die Rede ist von Alkohol! Die Droge, um die es in unserem Beitrag geht, macht, so sagen Mediziner, nicht süchtig. Fälle von Gewalt als Folge sind bis jetzt nicht bekannt. Warum also ist Alkohol überall erhältlich und Haschisch illegal? Auf diese Frage hat unser Autor René Althammer die Antwort gesucht.
Heute ist ein wichtiger Tag am Amtsgericht Bernau. Jugendrichter Müller kämpft für die Volksgesundheit, gegen den internationalen Drogenhandel und für die elementaren Werte unseres Zusammenlebens.
Die Delinquenten warten schon. Ihr Vergehen: sie haben Cannabis, Haschisch geraucht. Ein schwere Straftat, die den vollen Einsatz der Justiz fordert: Richter, Schreibkraft, Staatsanwalt, Jugendgerichtshilfe, alle sind sie da. Denn Haschischbesitz ist verboten, so steht es im Betäubungsmittelgesetz.
Insgesamt zehn Tatverdächtige stehen heute vor Gericht: zehn von ungefähr 94.000 bundesweit - die allesamt nur eins tun, ab und an mal kiffen.
Auch er soll gekifft haben - und das auf dem Schulhof. Einziger Beweis, zwei Mitschülerinnen wollen eine Haschpfeife gesehen und etwas gerochen haben. Das bringt die Staatsgewalt so richtig auf Trab.
Svenja Gamm, Rechtsanwältin: "Die Schulleitung hat die Polizei informiert, die dann mit zunächst zwei Beamten die Schule aufsuchte, den Vorgang aufnahm und am folgenden Tag mit vier Beamten die Schule erneut aufsuchte, zwei Mitschüler durchsuchte, nichts gefunden hat und letztendlich dann nach allen Zeugenvernehmungen das Verfahren abgab an die Staatsanwaltschaft, die Anklage erhoben hat."
Frage: "Und die hat Anklage erhoben, weil zwei Schülerinnen etwas gerochen haben?"
Svenja Gamm, Rechtsanwältin: "Ja, ja."
Im Gerichtssaal dürfen wir nicht drehen, aber es dauert auch nicht lange, dann wird das Verfahren eingestellt.
Zuvor aber haben Polizisten unermüdlich ermittelt. In diesem Fall mindestens 40 Stunden. Kosten: ca. 1.000 Euro. Und das ist noch nicht alles: KONTRASTE hat weiter gerechnet: bundesweit kostet die Strafverfolgung von Haschischrauchern mindestens 15 Millionen Euro jährlich. Die Zahl der Kiffer nimmt trotzdem zu. Die Verfolgung der Konsumenten hält Richter Müller deshalb für reine Geldverschwendung.
Andreas Müller, Richter: "Wenn sie dieses Geld in eine vernünftige Präventionsarbeit hinsichtlich aller Drogen einsetzen würden, nämlich Nikotin, Alkohol, übermäßiger Computer-Missbrauch, dann würde meines Erachtens nach dem Staat viel, viel mehr gegeben werden. Dann hätten wir möglicherweise nicht so viele Suchtgefährdete wie jetzt."
Doch davon will der Staat bislang nichts wissen. Cannabis ist eine Droge, ihre Verbreitung muss durch das Strafgesetz verhindert werden. Aber Cannabis ist gar nicht so gefährlich, wie man noch vor Jahrzehnten annahm, als man das Gesetz verabschiedete.
Deshalb hat Richter Müller sich an das Bundesverfassungsgericht gewandt. Er hält das Cannabis-Verbot nämlich für überholt und verfassungswidrig.
Andreas Müller, Richter: "Wir haben in jeder Gesellschaft die verschiedensten Risiken, stellen aber nicht jedes Risiko unter Strafe oder bekämpfen nicht jedes Risiko mittels des Strafgesetzbuches. Wir haben das Risiko der Zuckerkranken: Tausende von jungen Menschen essen zu viel, nehmen zu viel Schokolade. Käme jemand auf die Idee, jetzt zu sagen, wir müssen Schokolade reglementieren? Wohl nein, und so verhält es sich meines Erachtens nach auch bei dem Suchtstoff Cannabis. Das Risiko, das damit einhergeht, ist da, wie bei jeder anderen Geschichte, aber es rechtfertigt nicht, dass der Staat, ich sag jetzt, mit Kanonen auf Spatzen schießt."
Dieter Kleiber ist einer der bekanntesten Drogenexperten. In einer Studie für das Bundesgesundheitsministerium hat er schon vor Jahren festgestellt, dass von Cannabis keine Suchtgefahr ausgeht.
Prof. Dieter Kleiber, FU Berlin, Drogenexperte: "Die internationale Fachwelt ist sich einig, dass körperliche Abhängigkeit im Zusammenhang mit Cannabis nicht vorkommt. Psychische Formen der Abhängigkeit kommen in ein bis zwei Prozent vor."
Ganz anders ist das bei der legalen Droge Alkohol. Sie macht körperlich abhängig. 1,2 Millionen Alkoholiker und 40.000 Tote jährlich sind das Ergebnis.
Prof. Dieter Kleiber, FU Berlin, Drogenexperte: "Dass Menschen durch eine Überdosierung von Cannabis zu Tode kommen, ist nicht festgestellt worden."
Neu ist das nicht und deshalb demonstrieren Jahr für Jahr Tausende auf der Hanfparade in Berlin für die Legalisierung von Cannabis. Angst vor Abhängigkeit hat hier niemand.
Frage: "Keine Angst, abhängig zu werden davon?"
Demonstranten: "Nö!" "Es gibt vielleicht Leute, die Missbrauch damit treiben, aber die meisten nicht, würd’ ich sagen.“
Christian Ströbele, MdB, Bündnis 90/Die Grünen: "Ich finde das eine der schlimmsten Gesellschaftslügen, dass man auf der einen Seite in Deutschland Alkohol und Zigaretten, die ja ganz schlimme Drogen sind, schlimmere Drogen sind, dass man für die öffentlich werben darf, dass man die sogar mit Steuermitteln unterstützt, und auf der anderen Seite die Leute ins Gefängnis wirft, weil sie solche Pflanzen hier anbauen und möglicherweise auch einen Joint rauchen."
300 Polizisten sind an diesem Tag im Einsatz. Und sie haben gut zu tun. 59 Ermittlungsverfahren wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz werden eingeleitet. Ein sinnloser Einsatz, der unnütz Geld und Arbeitszeit verschwendet. Denn, wenn die Polizei mit ihren Ermittlungen fertig ist, stellt die Staatsanwaltschaft die Verfahren meist ein, weil es sich nur um geringe Mengen handelt.
Die Folge - jährlich ermitteln bundesweit cirka 300 Polizisten für den Papierkorb, als hätten sie nichts besseres zu tun.
Konrad Freiberg, Gewerkschaft der Polizei: "Das ist unbefriedigend und das kann sicherlich einen Polizisten überhaupt nicht irgendwo zufrieden stellen, zumal, wenn man sieht, das man genug Arbeit hat, um große Verbrecher einzusperren."
Auch Bundesinnenminister Otto Schily war einst dieser Meinung. Aber da war er noch in der Opposition. Die SPD schlug damals eine Gesetzesänderung vor:
Zitat: "Straflos bleibt, wer die Betäubungsmittel ausschließlich zum Eigenverbrauch in geringer Menge ... besitzt."
Otto Schily, 1997: "Es geht also darum, den Eigenverbrauch nicht mehr zu bestrafen. Man muss ja wissen, wenn die Polizei sich damit beschäftigen muss, dann hat sie nicht genügend Kräfte."
Doch dann kam der Wahlkampf und mit der liberalen Drogenpolitik war es zu Ende. Der Gesetzentwurf wurde 1998 zurückgezogen - seither herrscht Ruhe bei den einst fortschrittlichen Sozialdemokraten.
H. hat das zu spüren bekommen. Der 40jährige Lehrer setzt sich seit Jahren für die Freigabe von Cannabis ein. Auf seiner Homepage hatte er zudem ein Quiz installiert. Der Preis: zehn Gramm Cannabis. Das war dann doch zuviel. Die Hamburger Polizei wurde tätig und holte ihn gleich mit drei Beamten aus dem Unterricht in seiner Schule.
H.: "Ansonsten wurde meine Wohnung durchsucht, es wurde in die privatesten Sphären eingedrungen. Fremde Menschen sind in meine Wohnung gekommen und haben Dinge gesehen und angefasst, die einfach in den privaten und auch den intimen Bereich gehen. Und es war ein Gefühl der Ohnmacht und des Verletztwordenseins."
Das Ergebnis der Durchsuchung: etwas mehr als 4 Gramm Cannabis. H. wurde angeklagt, inzwischen ist der Fall in der dritten Instanz angekommen.
Die Hamburger Staatsanwaltschaft tut, was sie tun muss. Auch wenn H. mit seinen vier Gramm für niemanden eine Bedrohung darstellt, Gesetz ist eben Gesetz.
Frage: "Könnten Sie sich auch ein anderes Gesetz vorstellen, das Ihnen die Arbeit leichter macht?"
Rüdiger Bagger, Staatsanwaltschaft Hamburg: "Also ich könnte mir ein Gesetz vorstellen, wo grundsätzlich festgeschrieben ist, dass zu einem bestimmten Betäubungsmittel wie Cannabis bis zu einer bestimmtem Grenze, meinetwegen zehn Gramm, eine Strafverfolgung ausgeschlossen ist. Wenn das so wäre, dann wäre die Staatsanwaltschaft an der Strafverfolgung gehindert, und dann könnte man jetzt sagen, vom Ökonomischen her, wär’ das für eine Staatsanwaltschaft wie Hamburg eine wunderbare Sache. Dann würden wir uns viele Verfahren ersparen."
Im Bundesgesundheitsministerium, zuständig für die Drogengesetze, sieht man das ganz anders. Vor die Kamera will hier niemand, aber schriftlich erfahren wir: Nikotin und Alkohol seien genug schlimme Drogen, da brauche man nicht noch Cannabis.
Im Amtsgericht Bernau wird deshalb auch zukünftig viel Zeit mit kleinen und großen Kiffern vergeudet werden. Dabei hätten Polizisten, Staatsanwälte und Richter wichtigere Dinge zu tun.
Frage: "Was ist das für ein Gefühl als Richter wenn man so einen Tag hinter sich hat?" Andreas Müller, Richter: "Ich denke, ich habe heute eine für mich unsinnige Arbeit gemacht. Ich hätte diese Zeit sehr wohl gerne aufgebracht in einer vernünftigen Behandlung von Körperverletzungsdelikten, von sexuellem Missbrauch oder sonst etwas. Nein, ich habe hier Kinder kriminalisieren müssen, in Anführungsstrichen Kinder, Jugendliche kriminalisieren müssen."
Jugendliche, die nicht verstehen, warum der Staat sie mit viel Geld und Personal verfolgt. Würden sie saufen, wäre die Welt in Ordnung. Ein sturzbesoffener 16jähriger ist noch nie wegen Alkoholmissbrauch vor Gericht gelandet.

Krise, wessen Krise?

Feature des Schallplattenmanns #384 vom 5.4.2004
An der aktuellen, großen Krise gibt die Musikindustrie vornehmlich illegalen Brennern und Downloadern die Schuld — wohlgemerkt bisher immer noch ohne adäquate Unternehmungen, diesen offenbar vorhandenen Markt selbst mit einem legalen Angebot zu bedienen — und quält dafür legale Tonträgerkäufer mit Kopierschutz, der die Klangqualität bzw. Spielbarkeit auf Playern im Auto und gerade besseren Hi-End-Geräten mindert. Argumentiert wird mit Zahlen, die Rückgänge von CD-Verkäufen und Zuwächse von verkauften Rohlingen gegenüberstellen. Was letztlich gebrannt wird, das wird allerdings kaum untersucht. Denn entsprächen mehr verkaufte Rohlinge in etwa weniger verkauften Leerkassetten, dann hätte sich außer dem Medium ja nicht viel geändert, denn:

LAPSUS LIVE QUIZ

Nach dem angenehmen und fröhlichen LAPSUS LIVE 2004 ist vielleicht der richtige Zeitpunkt für ein paar Fragen zu diesem Fest und seinen Gästen. Die Fragen sind nicht einfach und am ehesten mit Hilfe einer Recherche auf der LAPSUS-Homepage zu beantworten: http://www.lapsus-gil.de.
Unter den Gewinnern werden einige Preise verlost, z.B. CDs und Bücher.

1. Von welchem Kontinent war noch kein Besucher bei LAPSUS LIVE?
A Asien
B Afrika
C Amerika
D Europa
2. Welche der folgenden Bands hat noch nicht bei LAPSUS LIVE gespielt?
A Jamboree
B Zar Nekla und die Zimmermänner
C Die Frustration des Elches
D Handicap
3. Welcher Schriftsteller kam noch nicht in einem LAPSUS-LIVE-Vortrag vor?
A Wladimir Kaminer
B Wolfgang Borchert
C Allen Ginsberg
D Alexander Puschkin
4. Wo liegt der Besucherrekord bei LAPSUS LIVE?
A 31 Personen
B 41 Personen
C 51 Personen
D 61 Personen
5. Wie lange dauerte das längste LAPSUS LIVE?
A 4 Tage
B 5 Tage
C 6 Tage
D 7 Tage
6. Wann fand das längste LAPSUS LIVE statt?
A 1982
B 1989
C 1990
D 1995
7. Wie viele Leute nahmen über die Jahre an LAPSUS LIVE teil? (Mehrfachzählung!)
A ca. 200
B ca. 400
C ca. 800
D ca. 1200
8. Wo fand LAPSUS LIVE bisher nicht statt?
A Tangermünde
B Zarnekla
C Dresden
D Berlin
9. Wo fand LAPSUS LIVE am häufigsten statt?
A Zarnekla
B Tangermünde
C Berlin
D Züsedom
10. Welche Vorführtechnik kam bei LAPSUS LIVE bisher nicht zum Einsatz?
A LCD-Beamer
B Plattenspieler
C 8mm-Filmprojektor
D Videoplayer
11. Welcher Gastmusiker ist international am erfolgreichsten?
A Oliver Kandale
B Uwe Matschke
C Andreas Glaser
D Jürgen Gehlert
12. Wie oft trat Martin Gorsleben bei einem Konzert zu LAPSUS LIVE auf?
A keinmal
B einmal
C zweimal
D dreimal
13. Welcher Musiker kann auf die meisten Auftritte bei LAPSUS LIVE zurückblicken?
A Martin Gorsleben
B Hans-Jürgen Lange
C Jürgen Gehlert
D Uwe Matschke
14. Welche Vortragsreihe hatte die meisten Folgen?
A Guitar Jamboree
B Deutschsprachige Lieder
C Radio Robotron
D Beatles Total
15. Zu welcher der folgenden Bands gab es im Programm von LAPSUS LIVE bisher weder ein Porträt noch eine Albumvorstellung?
A The Police
B The Commitments
C The Smiths
D The Kinks
16. Welcher Vortrag wurde am häufigsten wiederholt?
A Die Mauer — Stein um Stein mit Pink Floyd
B Fluchtversuch oder Die blaue Lagune — Wachträume eines Aussteigers
C Quadrophenia — Eine Geschichte nicht nur über Mods
D Sonnenwende — eine geschichte
17. Mit Songs und Spotts aus 20 Jahren LAPSUS-LIVE erschien eine CD bei EigenArt. Wie heißt diese CD?
A 20 Jahre Lustige Avantgardistische Populäre Songs Und Sounds
B Unerhörtes. Aufgehörtes. 20 Jahre LAPSUS.
C Radio Robotron - Best of
D Aufhören. Unerhört. 20 LAPSUS-Jahre.
18. Wie heißt die renommierteste Sportveranstaltung bei LAPSUS LIVE?
A Arbeitertestspiele
B Kicken im Pyjama
C Bauernolympiade
D Theatersport
19. Welches Theaterstück wurde bei LAPSUS LIVE noch nicht aufgeführt?
A Monika's Große Chance
B Karl-Heinz wird 18
C 5 nach 12 mit Christiane Sabinsen
D Monikas großer Aufstieg
20. Welcher Band verdankt die Homepage von LAPSUS LIVE das „-gil.de“?
A Renft
B Silly
C Pankow
D Lift

So — hat doch gar nicht weh getan... :-)
Die Antworten per e-mail an Leopold Lapsus. Unter den (so ziemlich) richtigen Einsendungen wird was verlost. Die kommentierte Auflösung folgt im LOver 39.

Der Kampf gegen die Dummheit...

Mit 5 Klammeraffen (@) kennzeichnet Der Schallplattenmann superbe Veröffentlichungen. Der Rezensent hält die so eingeordneten Tonträger schlicht für einen potentiellen Meilenstein der Musikhistorie – was meist an der großartigen Musik liegt. Hier die erste Auswahl der Ausbeute 2004. Wunschgemäß gekürzt auf die nachvollziehbaren Tipps...

Bratsch "Nomades en vol"
Vom Gypsy-Freejazz mit Umwegen durch die Volksmusik der Welt (Network)

Wenn Bratsch anheben, ist man sofort mitten in der Party. Bratsch, deren Musik ich erst durch diese umwerfende Zusammenstellung kennen gelernt habe, sind mehr als eine französische Band, die im 'Zigeunerstil' spielt. Die zentraleuropäische Zigeunermusik steht im Zentrum, doch Bratsch integrieren wohl alles, was ihnen zu Ohren kommt, egal ob griechische Melodien, Klezmer oder orientalische Einflüsse. Zwischendurch hören sie wohl auch gerne Freejazz. Denn immer wieder enden ihre Lieder nicht als Tanzorgie, sondern als wilde – und dennoch harmonische – Kakophonie . Mit den 35 Songs aus 15 Jahren zeigen die unbändigen Franzosen, dass sie in dieser Zeit keine Entwicklung durchgemacht haben. Nicht durchmachen konnten. Denn vom ersten bis zum letzten Song — ob wild oder schwelgerisch, ob dramatisch oder heimelig — sind Bratsch witzig, virtuos, lebendig, mit fetzigen Läufen á la Django Reinhardt, schrägen Improvisationen, furiosem Gesang und anspornenden Einwürfen. Hep, hep, hep, hep, hrrassssa...     [ms]

Lhasa "The Living Road"
Schwelgerische Lieder, getragene Chansons und wehmütig-getragene Weisen (Warner)

Die Jahre nach ihrem Debüt "La Llorona" ist Lhasa de Sela mit dem Mini-Zirkus ihrer drei Schwestern durch Frankreich getingelt. Doch wer schon mit 15 im Dorfcafé die Leute zwingt, sich ihre Interpretationen von Billie Holiday-Klassikern anzuhören, kommt zur Musik zurück. Fünf Jahre nach dem Erstling ist nun "The Living Road" erschienen – mit der gleichen Art von geheimnisvoll schwebender, teilweise schwermütiger, aber immer bezaubernden Musik. Dabei kommen so eigenwillige Instrumente wie Glockenspiel und Ukulele, Lapsteel oder Bambusflöten zum Einsatz. So wird jeder Text individuell umgesetzt, mal mit einer dezenten Anlehnung an die mexikanischen Mariachi-Trompeten, mal leise schlurfend wie von einem alten, weisen und zur Ruhe gekommenen Tom Waits, dann wieder als berückendes Chanson oder als ergreifend-ruhiger Song zum Klavier. Ausgeheckt haben die ganzen Arrangements ihre neuen musikalischen Partner, Jean Massicotte und François Lalonde, die für alle Lieder von Lhasa de Sela die richtige Stimmung treffen. Ihre Arrangements setzen die fulminante Stimme der Amerikanerin exzellent in Szene. Und ihre Texte sind nicht nur poetisch, sondern zum Glück auch im Booklet übersetzt.     [ms]

Grobschnitt "Illegal Live"
Progressive Rock – Das Abschlusskonzert der "Illegal"-Tournee – 3CD (Wolkenreise)

Eroc, der ehemalige Drummer von Grobschnitt ist ein Magier. Nicht nur, dass er seinerzeit (und später als Solist) ein exzellenter Drummer war und eine schillernde Figur in einer schillernden Band, er ist ein Klangmagier mit viel Gefühl für den richtigen Sound und das richtige Konzert. Waren schon die bisher von ihm restaurierten und auf seinem Label Wolkenreise veröffentlichten vier Volumina der "History Of Solar Music" klanglich und musikalisch absolute Highlights, so setzt der gute Mensch aus Westfalen mit seinem neuesten Archiv-Release noch einen drauf. Auf drei vollgepackten CDs, die in einem wunderschönen Digipak samt rarer Fotos und witzigen und informativen Liner Notes daherkommen, zaubert er noch einmal die Magie dieser Band live von der ersten Note des Intros bis zum finalen Applaus herbei. Einmal Zeitreise: Destination Essen, Grugahalle, 8. Mai 1981. Satte 3 1/2 Stunden beste Rockmusik(-Unterhaltung). Nichts, was die Band zu ihren Lebzeiten veröffentlicht hat, kommt auch nur annährend an die Qualität und an die musikalische Ausdrucksstärke (und den Humor) dieser Veröffentlichung heran. Wenn man nichts von der Band hat, so sollte man sich zumindest dieses 3-CD-Album zulegen; wenn man alle anderen Alben von ihnen hat, dann braucht man dieses erst recht. "Illegal Live" ist das rundum perfekt gelungene Tondokument.    [sal]

Frank Zappa "Baby Snakes"
Rock – Ein Film über Leute, die anomale Dinge tun (1979) – DVD (Eagle Vision)

Es hat lange gedauert, die Veröffentlichung wurde ein paar Mal verschoben. Jetzt endlich gibt es den Zappa-Filmklassiker "Baby Snakes" aus dem Jahre 1979 auf DVD – und yep: Das Warten hat sich gelohnt, denn dieser Film über den geballten Irrsinn eines Mannes, seiner Band, seiner Fans und einen Haufen mehr oder minder absichtsvoll in diesen Film integrierter Leute ist wirklich die perfekte Umsetzung von Zappas Philosophie "Humor belongs to music" als audiovisuelles Ereignis. Zappa als Gesamtkunstwerk sozusagen, denn "Baby Snakes" ist nicht bloß ein abgefilmtes Konzert: Hier wurden Filmaufnahmen von einigen Konzerten rund um Halloween 1977 aus dem Garrick Theater, New York verwendet. Dazu es gibt Animationen, Einblicke in den Backstage-Bereich und vieles mehr (und nebenbei gesagt: Schon das Booklet ist wahnsinnig gut gestaltet!). Mit 2 3/4 Stunden Laufzeit schlicht und ergreifend ein must-have für Zappa-Fans und alle, die es werden wollen.     [sal]

Grant-Lee Phillips "Virginia Creeper"
Singer/Songwriter – elf wundervolle Geschichten (Cooking Vinyl)

Groß ist die Grenze nicht, die zwischen gefühlvollen Songs und Kitsch verläuft. Oft wird sie überschritten und auch Grant-Lee Phillips mit seiner süßlichen Stimme läuft ständig Gefahr abzudriften. Auf seinem dritten Solo-Album gelingen ihm jedoch elf wunderschöne Songs, bei denen ihn die Dichte von Text und Musik vor solchen Ausrutschern bewahrt. Phillips singt hingebungsvoll von Frauen ("Lily-A-Passion", "Mona Lisa", "Susannah Little", "Josephine Of The Swamps") und erzählt dabei so eindringlich seine Geschichten, dass man ihm ein wenig Schmalz gerne verzeiht. War der Vorgänger "Mobilize" noch eine Solo-Produktion mit elektronischen Experimenten, hat sich Phillips nun wieder eine Band zugelegt. Sie trägt ihn und seine Lieder mit einem Americana-Sound aus akustischer Gitarre, Akkordeon, Geige, Stand-Up-Bass und Mandoline. Im Hintergrund erklingt dezent die dunkle Stimme von Cindy Wasserman, die einen trefflichen Konterpart gegen die hellen Töne von Phillips abgibt. Zuweilen erinnert das Ganze an Bruce Springsteen in seinen ruhigeren Zeiten, vor allem "Calamity Jane" könnte vom Boss stammen — es ist zudem ein Song, in dem alles passt. Auch wenn noch einiges kommen mag: "Virginia Creeper" ist schon mal ein heißer Kandidat für das Album des Jahres!     http://www.grantleephillips.com/     [hb]

Missouri "In Voodoorama"
Heiß-kalte Mixtur: 70s-Soul + Elektronik + Balladen Mixtur (Tapete)

Eine beeindruckende Metamorphose haben die Nürnberger und Hamburger aus Nürnberg vom ersten zum dritten Album hinter sich gebracht. Ehedem eher schlurfig in Codeine-hafter Dynamik allen Erzengeln des Slo-Mo-Slacker-Country huldigend, zwischendurch mal flugs die zeternden, wütenden, ziemliche Bambule verbreitenden jungen Leute gebend, hat man sich nun dem Zauber der Südsee zugewandt. Zusammengesetzt aus 70s Soul, Gospel, traurigen Piano-Balladen, wüstem Ländler und schillernd-schimmernder Elektronik kriechen dunkle Moritaten in eigentümlich holperndem Groove unbeirrt vorwärts, sogar tanzbar ist das Ganze. Karg, schwül und verlockend – so spartanisch und übersichtlich Instrumentenfülle und Produktion sich geben, so üppig wirkt die Summe der wenigen Teile. Pluckernd-perlendes Rhythmuswerk, vor Hitze flirrende Gitarre, rumpelnd-schweinerne Uralt-Orgeln – da werden Erinnerungen wach an Suicide hier, Hugo Race oder Timmy Thomas' "Why Can't We Live Together" dort – alle unter kreolischem Mond zu unwiderstehlichem Zauber vereint und doch eher in urbanen Zusammenhängen heimisch. Das buchstabiert man W-E-L-T-N-I-V-E-A-U. http://www.missourimusic.de/     [R. Stiewe]

Discus "...tot licht!"
Progressive Rock – Jazzrock, Fusion, Metal, Artrock, Folk, Neue Musik und mehr (Musea)

So wenig einladend das Cover in seiner Aquarellästhetik a la Zeugen Jehovas, so spektakulär ist das Album in seinem musikalischen Inhalt: Die indonesische (!) Band Discus entfacht von der allerersten Sekunde (bis zur allerletzten) ein in dieser Form ungehörtes, unerhörtes Feuerwerk an Stilrichtungen, Genres, Anspielungen, Déjà-vus und Zitaten. Ungestüm und frech, jedoch in höchstem Maße professionell, verquicken Discus all das, was doch dereinst per definitionem nicht zu verquicken war. So herrschen meist jazzrockige Elemente vor, diese werden aber von knüppelharten Metal-Riffs geradezu zersägt; sie paaren den typischen, progressiven Größenwahnsinn mit introvertierter Instrumentalmusik; sie durchsetzen Prog mit Latin-Jazz, mit Scat-Gesang, mit Freejazz, mit Zappaeskem, mit Düster-Bedrohlichem, kurzum mit allem, was ihnen vor die Füße fällt. Das Unerwartete ist in ihrer Musik Programm. Wie ein Rahmen um all dies spannen sie dann noch genre-fremde Einflüsse (buddhistische Chormusik, indonesische Gamelan-Musik, pentatonische Musik Debussy'scher Prägung), vermengen ihre furiose Fusion mit genre-verwandte Einfüssen (einfach köstlich das Metal-Grunzen auf "Breathe", das geschickt im Dialog mit den jazzigen Frauen-Vocals steht) und einer gehörigen Portion Respektlosigkeit. Um es auf eine kurze Formel zu bringen: Discus prägnantestes Stilmittel ist der permanente Regelverstoß, das Auflösen alter Klischees, eine sehr freie Lesart progressiver Rockmusik, die sich vergnügt bei all dem bedient, was für die Entwicklung der Komposition (und des Albums) notwendig ist. Es steckt viel Arbeit und musikalisches Können in solch einem Album; wie erfreulich, dass es auch noch so wahnsinnig viel Spaß macht: Definitiv jetzt schon ein Highlight des Jahres. <http://www.musearecords.com/>     [sal]

Figurines "Shake A Mountain"
Gitarren-Melodierock nach amerikanischer Art: Ein Debüt zum Niederknien (Pop-u-loud)

Ganz anders als ihr berühmter Landsmann Hamlet neigt die dänische Band Figurines nicht zum Grübeln. Ganz im Gegenteil: Ihnen scheint die Sonne auch durch die dicksten Wolkenmassen hindurch — jedenfalls klingen sie so. Sänger Christian Hjelms Stimme tönt wie die eines bekannten Saddle Creek Stars, nur mit dem winzigen Unterschied, dass Christian eine Prachtlaune hat. Trotzdem hat seine Stimme diese wahnsinnigen Höhen und trifft immer so charmant die halben und viertel Töne neben der Spur, dass es eine wahre Freude ist. In Dänemark schon seit einem Jahr zu haben, ist das großartige "Shake A Mountain" nun endlich auch in Deutschland erhältlich. Und es wäre der Band zu wünschen, dass sie endlich auch außerhalb Dänemarks Beachtung findet, denn ihr Debüt ist eine kleines Kunststück: Elf liebevolle, popmelodische, grundehrliche Gitarrenkleinode, die durch bestechendes Songwriting, detailversessene Komposition und nicht zuletzt eine Menge vergossenes Herzblut geradezu nach Sympathie schreien. Bei jedem Hören ein neuer Lieblingssong — zuletzt haben so etwas The Long Winters oder Timesbold hinbekommen. Am deutlichsten wird das Prinzip bei einem der schönsten Titel des Albums: "Whatever You Found". Wie da zweistimmige Gitarrenläufe und gesangliche Melodiebögen aufs herrlichste verschmelzen, das kann einem schon die Tränen in die Augen treiben. Wenn dann wie bei "Cursed Region" auch noch die Streicher schwelgen, ist man verloren. Und rocken können sie auch noch! Die durchweg englischen Texte lassen Raum für Assoziationen, aber es wird kolportiert, dass auch die Band selbst Christians Texte nicht versteht. So what... die Musik spricht für sich. Ein ganz großes Album!     [tm]

Nick Drake "Made To Love Magic"
Folk – Raritäten vom unvergessenen Meister des melancholischen Folk (Island)

Die drei Studioalben des englischen Folksängers Nick Drake (1948-1974) "Five Leaves Left", "Bryter Layter" und "Pink Moon" gehören ohne Übertreibung zu den schönsten Alben, die jemals aufgenommen wurden. Drakes exzellentes Gitarrenspiel und seine melancholischen Texte üben auch heute noch ihre Faszination auf die Musikfans aus. Erst kürzlich wurde er von einer neuen Generation wiederentdeckt: 30 Sekunden des Songs "Pink Moon" in einem Werbespot reichten aus, um Nick Drake wieder zurück ins Rampenlicht zu bringen. Nun ist mit "Made To Love Magic" eine Art Begleitalbum zu den drei regulären Alben Drakes erschienen. Es enthält Raritäten, Remixe und einen erst kürzlich entdeckten Song ("Tow The Line"), dazu ein ausführliches Booklet mit detaillierten Angaben zu den Aufnahmen. Die Musik und Stimme Drakes sind auch bei diesen behutsam bearbeiteten und rekonstruierten Aufnahmen geradezu magisch und so vervollständigt, trotz seines zu frühen Todes, nun ein weiteres Juwel seine Diskographie.     [sal]

Various "Ave Marina - Ten Years Of  Marina Records"
Glasgow, Hamburg und anderswo – Popmusik für intelligente Erwachsene – 2CD (Marina)

Marina wird (eigentlich schon) elf und die stolzen Väter haben allen Grund, dies auch kräftig zu feiern. Dass daraus auch noch eine extravagante Platte wird, freut sicher nicht nur die weltweiten Fans dieses Hamburger Labels, das sich mit gerade mal 60 Veröffentlichungen (allerdings auf höchstem Niveau) eine beeindruckende Fan-Gemeinde erworben und vor allem erhalten hat. Wer noch echte Pop-Helden sucht, der wird hier seine wahre Freude haben. Und was heutzutage noch wichtiger ist: Die Freude verblasst nicht binnen kaum erwähnenswerter Halbwertszeit, sondern bleibt. Auf "Ave Marina" finden sich insgesamt 38 Songs von Interpreten und Bands, die man möglicherweise nicht kennt (dies aber besser verschweigt), denen schon rein gar nichts von peinlichen 48-Stunden-Hypes anhaftet, die symphathischerweise ein ausgeprägtes Faible für sündhaft schöne Melodien pflegen und mit magischen Talenten Sommer- und Sonnenmusik von den nördlichsten Südstränden Glasgows und Hamburgs herbeizaubern können. Mit dabei: James Kirk, Sugartown, The Pearlfishers, Shack, The Secret Goldfish, Adventures In Stereo, Ashby, Edwyn Collins, Cowboy Mouth, The Pale Fountains, Malcolm Ross, Jazzateers, June & The Exit Wounds... undundund. Überraschungsgäste im Hause der oben erwähnten Väter Kassel & Lähnemann: The Marina Swingers, Van Dyke Parks, Roddy Frame, Die Zimmermänner, Der Plan und Kim Fowley. Eine perfekte Zusammenstellung, die besonders als streng limitierte Vinyl-Version haptisch und optisch keinen Wunsch offen lässt. Boogie down, compadres! <http://www.marina.com/>     [gw]

King Crimson "Eyes Wide Open"
Progressive Rock – 2 Tourneen, 2 Konzerte, 2 audio-visuelle Ereignisse – 2DVD (Sanctuary)

King Crimson waren stets, und dies ist mittlerweile durch zahlreiche nachträglich veröffentlichte Archivaufnahmen belegt, eine Live-Band. Wie erfreulich, dass es neben der sehr empfehlenswerten 1999 erschienenen "Deja Vrooom" nun auch audiovisuelle Dokumente der 2000er (DVD2: "Live In London") und 2003er (DVD1: Live In Japan) Tournee gibt. Wie auch schon beim letzten Mal ist die Umsetzung auf DVD mit zahlreichen Gimmicks gespickt (etwa nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Improvisationen) und wie immer, zumindest in den letzten Jahren, geraten die Live-Umsetzungen der einzelnen Stücke vitaler, energiegeladener und noch überzeugender. Auch 35 Jahre nach der Gründung hat diese Band dank ständiger Weiterentwicklung und Metamorphosen nichts von ihrer Klasse eingebüßt.     [sal]

Gustav Mahler / SWR Sinfonieorchester, Michael Gielen "Symphonies No. 1 – 9 / Adagio"
Klassik – Sämtliche Symphonien von Mahler – 1989 – 13CD (Hänssler)

Über kaum eine Wiederveröffentlichung im Klassiksektor habe ich mich so sehr gefreut wie über die Mahler-Symphonien, dirigiert von Michael Gielen. Gustav Mahler (1860-1911) gehört zweifellos zu den bedeutendsten Symphonikern überhaupt, doch existieren nur wenige gescheite Einspielungen, geschweige denn klanglich einwandfreie. Da wird oft zu schnell und zu lärmend drübergeschnuddelt; die alten, meisterlichen Interpretationen von Klemperer und Schuricht leiden sehr unter den damaligen Aufnahme-Bedingungen. Der von Michael Gielen und den beiden SWR Sinfonieorchestern Baden-Baden und Freiburg eingespielte Symphonie-Zyklus gehört sowohl klanglich, als auch interpretationstechnisch zu den besten Aufnahmen Mahler'scher Musik. Gielen gelingt es wie kaum jemand anderem, die innere Strahlkraft der Musik und ihre Ausdrucksstärke umzusetzen, ohne lärmend, aufdringlich oder hektisch zu werden. Er bleibt bei den elegischen Tempi und die Musiker interpretieren Mahler auf absolutem Weltklasse-Niveau, ausgewogen in Spiel und Klang: So viel bewegende Musik auf dreizehn CDs, da stört es auch nicht, dass die Box eher schlicht in Pappe ausgefallen ist. Meiner Meinung nach eines der wirklich historisch bedeutsamen Highlights der deutschen klassischen Musik.     [sa]

Übernahme von Schallplattenmann.de.

Ferien in Lychen

Hallo, liebe Freunde,
wie wohl die meisten von Euch wissen, habe ich seit 1.4.04 das Ökostadt-Haus in Lychen gepachtet. Unter dem Namen Haus Vogelgesang soll es zu neuem Leben erweckt werden. Seit Himmelfahrt stehen 2 einfache und preiswerte Ferienwohnungen zur Verfügung. Ihr seid hier herzlich willkommen. Ich habe auch einige einfache Schlafplätze. Bitte meldet Eure Besuche an, da ich ab und an auswärts arbeite, zudem wird an einigen Wochenenden jeder Schlafplatz belegt sein.
Liebe Grüße Thomas

Lychen - Stadt der Seen und Wälder - liegt etwa 90km nördlich von Berlin im Zentrum des Naturparks „Uckermärkische Seen“. Einige Gemäuer der Altstadt stammen noch aus der Zeit der Stadtgründung im 13. Jahrhundert. In unmittelbarer Umgebung befinden sich zahlreiche zum Baden einladende Seen (darunter einige der klarsten Norddeutschlands), ausgedehnte Wälder, kuppige Moränenlandschaften, eindrucksvolle Heidegebiete.
Das Haus Vogelgesang liegt am Rande der Lychener Altstadt. Seit dem 1. 4. 4 wird es durch den Pächter Thomas Held betrieben. Beim Betreten des idyllischen grünen Hofes ist die Stadt nicht mehr zu spüren. Ein üppiger grüner Garten erstreckt sich bis zur Stadtmauer. Zahlreiche auf dem Grundstück und in der näheren Umgebung lebende Vögel machen dem Namen des Hauses alle Ehre.
Im ersten Stock des ökologisch sanierten Vorderhauses befinden sich 2 einfache Ferienwohnungen, eine Einraumwohnung mit Wohnküche und Dusche sowie eine Zweiraumwohnung mit Wohnküche und Bad. Beide Wohnungen haben Zugang auf eine große Terrasse mit Seeblick. Die Übernachtung kostet bis 14.09. 15 Euro/Person, Kinder 7-14 Jahre 8 Euro, Kinder bis 6 Jahre sind frei (15.9.-14.5. 12 Euro / 6 Euro). Zuzüglich ist die Kurtaxe von Lychen (1 Euro / 0,50 Euro).
Im Erdgeschoss befinden sich ein großer Veranstaltungs- und Seminarraum mit Fernseher und Video, ein Klubraum mit Kleinbibliothek, Internet und Telephon, eine Küche für Gruppen und ein kleiner Biohandel. Wöchentlich probt der Lychener Shantychor im Haus, monatlich gibt es „Keramisches Gestalten“ durch den Ökostadt e.V., dem Eigentümer des Haus Vogelgesang. Weitere Veranstaltungen sind in Planung.
Naturkundliche Wanderungen und Radtouren werden angeboten. Auf dem Hof befinden sich mehrere zum Teil überdachte Sitzgruppen, ein Buddelplatz, ein Lagerfeuerplatz und Grillmöglichkeiten.
Weitere Informationen und Kontakt: Haus Vogelgesang, Vogelgesangstr. 4, 17279 Lychen, Tel./Fax: 039888/4195, Mail: hausvogelgesang<AT>gmx.de, http://www.hausvogelgesang.de
Mit freundlichen Grüßen Thomas Held
Ferienhaus Lychen
Ferienhaus Lychen
Ferienhaus Lychen


Das Idol

Heiko Berg saß an seinem Schreibtisch. Er korrigierte Facharbeiten. Es war eine Höllenarbeit. Und sie machte keinen Spaß. Nur wenige seiner Schüler, egal welcher Klassenstufe, besaßen wirklich Sprachgefühl und verstanden die Geheimsprache, die jeder guten literarischen Arbeit inne ist, zu deuten. Vor ihm lag ein 15 cm hoher Packen Fleißarbeit. Zusammenstellungen aus Zitaten und Bindewörtern. Die wenigen interessanten Gedanken gingen im Bestreben, möglichst viel zu schreiben, kläglich verloren. Es war Usus geworden, Menge an die Stelle von Qualität zu setzen. Irgendwann war das Denken aus der Mode gekommen. Nein, jetzt war Heiko ungerecht. Es gab auch Lichtblicke. Gerade in dieser Klasse waren zwei, drei Schüler, die das Zeug hatten, einmal Herausragendes auf dem Gebiet der Sprache zu leisten. Und schließlich gab es auch für ihn Bereiche, die ihm nur in Ansätzen geläufig waren. Er hätte heute zum Beispiel seine Kenntnisse in Chemie oder Mathematik keinem seiner Kollegen anbieten mögen. Aber warum mussten die Unfähigen unbedingt so viel schreiben? Das machte die Arbeiten doch auch nicht besser. Unter diesen Überlegungen war Berg nicht eine Zeile vorangekommen und zwang sich nun, seine Gedanken wieder den Inhalten der Hefte zuzuwenden. Fünf würde er heute noch durchgehen.
Das war auszuhalten und dann hieß es, den Unterricht für den morgigen Tag vorbereiten. Zwischendurch konnte er sich noch eine gute Tasse Kaffee gönnen.
Er nahm den Rotstift wieder zur Hand. Langsam wälzte er sich durch die nächsten Arbeiten. Die dritte gewährte ihm einen Lichtblick. Marcel Purwein war der Verfasser der Arbeit. Berg wusste, dass ihn jetzt ein Genuss erwartete. Interessanterweise brauchte Marcel für seine durchdachten und wie immer ketzerischen Ausführungen wesentlich weniger Seiten als all die anderen für ihre weit uninteressanteren Ergüsse .
Es machte Berg Spaß, unter die Arbeit seine Anmerkungen und Denkanstöße zu schreiben und dann trotzdem eine dicke Eins zu notieren.
Danach hörte er auf, obwohl eigentlich noch zwei Hefte hätten gelesen werden sollen.
Berg begab sich in die Küche. Eine typische Junggesellenküche. Dabei war er immerhin fast 20 Jahre verheiratet gewesen und hatte zwei Töchter. Aber Frau und Kinder waren aus dem Haus. Alle drei zu anderen Männern. Seitdem war Heiko wieder zum Junggesellen geworden. Er vermisste nur in sehr einsamen Momenten etwas.
Seine freie Zeit verbrachte er mit dem Verfassen von Beiträgen für die Literaturzeitschrift. Ab und zu entstanden einige Gedichte. Und im letzten Jahr hatte er einen Roman „ Das verlorene Land“ veröffentlicht. Er war sehr stolz auf das Werk. 750 Seiten spannungsvolle Gegenwartsliteratur, in der er über die Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands sinnierte. Sein Held hatte nach der Öffnung der Mauer Karriere gemacht und darüber seine Familie verloren, mit der er vorher glücklich gelebt hatte. Das Buch war kein Bestseller geworden, aber es hatte einige Beachtung gefunden.
Und nun saß er also hier, es war Sonntag, draußen fielen dicke Flocken Schnees und er trank Kaffee.
Morgen hatte er nicht viele Stunden. Eine Geschichte in der 8. Und zwei Deutsch in der 11. Letztere Stunden mussten nicht vorbereitet werden. Die Schüler stellten Bücher deutscher Nachkriegsautoren vor. Er musste nur zuhören und bewerten.
Die schrille Schulglocke ertönte. Wie nervtötend sie war! Jedes Mal, wenn sie durch die langen Gänge des alt ehrwürdigen Schulhauses dröhnte, zuckte Berg zusammen. Und das seit über 10 Jahren. Manchmal, Sonntags, geschah es sogar, dass er auf das Zucken wartete. Dann war er immer wieder dankbar, dass er es nicht hören musste.
Jetzt hatte er allerdings 90 Minuten Ruhe. Die Deutschstunde begann. Berg strich sich eine spärliche Strähne aus der Stirn und begrüßte die Schüler der 11. Klasse, die wie die Einsen vor ihm saßen. Er war immer wieder erstaunt darüber, dass er eine solche Disziplin hatte. In seinen Anfangsjahren war das nicht so gewesen. Damals hatte er versucht, den Schülern ein Freund und Kumpel zu sein. Sie waren doch gar nicht so viel jünger als er. Heute hätte er höchstens ihren Vater verkörpern können. Doch all das war müßig, denn es funktionierte nicht. In diesem Schulsystem kam man mit Strenge und Forderung am einfachsten durch und mehr wollte er gar nicht mehr. Der Idealismus seiner Jugendzeit existierte nur noch in seinen Erinnerungen und auch dort nur noch schemenhaft.
„Nun, meine Damen und Herren freuen Sie sich hoffentlich mit mir auf interessante Vorträge aus Ihren Reihen zur deutschsprachigen Literatur der Nachkriegszeit.“ Berg blickte auf die erste Zeile in seinem Schülerverzeichnis. „Wir beginnen mit Fräulein Amberg. Bitte Susanne.“
Die Schülerin erhob sich, wie immer himbeerrot in dem sonst so blassen, unscheinbaren Gesicht. Sie schwitzte und jeder sah ihr die Angst vor der vor ihr liegenden Aufgabe an. Sie würde auch dieses Mal ihr Referat vollständig vom Blatt lesen. Das freie Sprechen war ihr nicht gegeben und natürlich ein Gräuel. Ein Gräuel war Heiko Berg auch der Stapel Blätter in ihrer Hand. Es war ihm zu spät eingefallen, dass er besser die Liste von hinten begonnen hätte. Nun ergoss sich der Redeschwall des jungen Mädchens über die Klasse. 15 Minuten monotones Verlesen der wichtigsten Lebensdaten Siegfried Lenz´ einschließlich eines im selben Tonfall vorgetragenen Textauszugs aus „Die Klangprobe“.
Als nächstes wanderten die Augen des Lehrers nach unten in seiner Liste :“Daniel Vogelbaum bitte!“ Charlotte Arn, die in Erwartung ihres Namens schon die Zettel zusammengerafft hatte und schon halb aufgestanden war, setzte sich wieder. Der statt dessen Aufgerufene schrak auf und begann nun seinerseits sein Material zu ordnen. Die Klasse begann zu murmeln..
´Es zeigt sich wieder einmal, dass Gewohnheiten zum reibungslosen Ablauf eines Systems gehören´, dachte Heiko Berg. Laut sagte er nur:“ Ich bitte um Ruhe, und Sie, Daniel, wollen sich bitte beeilen.“
Daniel allerdings ließ sich Zeit, typisch für ihn. Er schlenderte gemächlich nach vorne. Unwillkürlich fühlte sich Berg an sich selbst als Schüler erinnert. Auch er hatte seine Lehrer mit seiner Langsamkeit manchmal zum Wahnsinn getrieben. Und wie er, war Daniel aber auch ein Schüler, der fachlich immer auf der Höhe war. Sein Vortrag versprach zumindest nicht langweilig zu werden.
Er begann: „ Ich werde von einem äußerst faszinierenden Autor berichten, der sowohl vor als auch nach dem 2. Weltkrieg Furore machte. Ihr alle kennt ihn, aber ihr kennt nicht alles von ihm. Ich spreche von Bertolt Brecht...
Die 15 Minuten Redezeit verflogen, die Klasse applaudierte und nun referierte Betty Boom fundiert und geübt über „Die Blechtrommel“ und Günter Gras.
Für Bergs gefühlsmäßige Uhr dauerten die 15 Minuten genau eine Viertel Stunde, aber das musste man ihr lassen, auch nicht länger, im Gegensatz zur ersten Kandidatin, deren 15 Minuten nicht nur dem Lehrer wie eine halbe Stunde vorgekommen waren.
Berg hatte sich für ein Zickzack in der Liste entschieden und landete jetzt wieder unten bei Herren. Marcel Purwein war an der Reihe. ´Eigentlich wäre sein Vortrag ein guter Abschluss für den Tag´, dachte der Lehrer, aber er mochte auch nicht von seiner einmal begonnenen Regel abweichen. Als er ihn aufrief, hatte Marcel seine Sachen beisammen und ging sofort nach vorne. Der Schüler hatte das Spielchen seines Lehrers schon erkannt. Manchmal war Berg dieser Schüler fast unheimlich. Er hatte oft eine arrogante, besserwisserische Art. Es gab sogar Momente, in denen er tatsächlich etwas besser wusste als seine Lehrer. Bei vielen war er aus diesem Grund auch nicht sehr beliebt. Aber Berg achtete ihn und er konnte nicht umhin, ihn sogar zu mögen, denn auch dieser Schüler hatte Züge, die Heiko Berg  aus seiner eigenen Jugendzeit recht gut kannte.
Selbstsicher stand Marcel nun vorne und grinste. In der Hand hielt er ein kleines Buch, dessen Titel und Autor nicht zu erkennen waren, da es in einen Schutzumschlag aus Zeitungspapier eingeschlagen war.
„Also“, eröffnete der junge Mann seinen Vortrag, „über den Autor des Buches, das ich hier in der Hand halte, kann ich euch nur wenig erzählen, da nicht sehr viel über ihn bekannt ist. Nur soviel: Er schrieb dieses und zwei weitere Bücher im Abstand von jeweils fünf Monaten, also in knapp anderthalb Jahren. Dieses, sein erstes Werk erschien 1969, als er gerade 21 war. Ihr werdet euch jetzt fragen, warum über den Autor nichts heraus zu bekommen war. Ganz einfach: Er schrieb unter einem Pseudonym, nämlich Burkhard Zugspitz. Alles weitere über ihn müsst ihr schon selber heraus bekommen, indem ihr das Buch ´Lasse wird König´ lest, denn es erzählt eine Menge über den Schriftsteller. Obwohl der Ich-Erzähler im Buch Lasse heißt, bin ich der Meinung, dass er sehr viel mit dem Schriftsteller gemein hat. Lasse ist 20 und ein radikaler Anhänger der Studentenbewegung. Er will alles verändern. Das fängt bei der Struktur des Bildungssystems an und endet schließlich in einer Revolution, wobei er letztlich, nicht wie die anderen Studenten mehr Demokratie, sondern im Gegenteil eine Monarchie anstrebt. Er ist der Meinung, dass das deutsche Volk kein Volk für eine Demokratie ist, sondern einen starken, aber menschlichen König braucht, der die Entscheidungsgewalt hat. ´Der Pöbel muss in seine Grenzen gewiesen werden, sonst werden Gier, Dummheit und Gewalt mit Hilfe der Demokratie die Menschlichkeit ein zweites mal besiegen´, lässt Zugspitz seinen Helden sagen. Ich finde das absolut genial. Das war aber nicht alles, hört euch folgenden Auszug an.....“
Den Rest seiner Zeit las Marcel aus dem Buch vor und schloss mit Worten: „Und wenn ihr das Buch gelesen habt, werdet ihr euch auf die beiden anderen Bücher stürzen und euch wundern, dass ihr von dem Autor früher noch nie etwas gehört habt. Ich wäre so froh, wenn ich noch etwas von ihm auftreiben könnte. Aber vielleicht ist er ja jung gestorben und konnte nichts mehr schreiben.“
Heiko Berg hatte die ganze Zeit mit Interesse zugehört und sein Gesicht drückte Staunen aus. Das kannten seine Schüler kaum von ihm. Es sah so aus, als hätte Marcel tatsächlich ein Werk gefunden, das ihr Lehrer nicht kannte. Bei einigen breitete sich Schadenfreude auf dem Gesicht aus. Aber zu früh. Denn als Berg sich nun erhob und zu sprechen begann, zeigte es sich, dass er dieses Werk recht gut kannte und wohl auch etwas mehr als sein Schüler über den Autor wusste. „ Was Sie da vorgetragen haben, versetzt mich wie Sie sehen können in der Tat in Erstaunen, denn ich dachte nicht, dass von diesem Autoren noch Bücher auf dem Markt sind. Soviel ich weiß, wurden die Auflagen gestoppt. Wo haben Sie denn Ihr Exemplar her?“
„Ich habe es auf dem Dachboden meiner Großeltern gefunden. Die drei Bände lagen da zusammen geschnürt herum. Aber sagen Sie, warum hat man die Auflage eingestellt?“
„Ganz einfach. Auf Wunsch des Autors, der sich zwei Jahre später von seinen Büchern distanzierte. Wenn Sie etwas in den Literaturzeitungen der damaligen Zeit geforscht hätten, wäre Ihnen das aufgefallen. Ich wundere mich, dass Sie das nicht getan haben.“
Marcel stand da wie ein begossener Pudel. Er tat Berg fast leid. “Aber warum hat denn Zugspitz sich von den Büchern distanziert. Er hatte doch Recht!“
„Nun, ob er recht hatte oder nicht, haben, glaube ich, nicht Sie zu entscheiden, sondern, wenn überhaupt, die Geschichte. Bis dahin aber werden Sie es dem Autor überlassen müssen. Ob er zu seinen Worten steht oder nicht. Außerdem war nicht der Wahrheitsgehalt der Grund für den Rückruf, sondern die literarische Qualität“
Marcels Augen funkelten kämpferisch:“ Wollen Sie damit sagen, dass die Qualität des Buches nicht gut sei? Wie können Sie das?“
Berg lächelte etwas spöttisch und erwiderte:“ Zu Ihrer ersten Frage: Allerdings, das meine ich. Und zur zweiten: Ich kann das, weil ich eine entsprechende Ausbildung habe.“
Bevor Marcel antworten konnte, gellte die Klingel. Diesmal war Berg fast froh. Denn der Ausdruck im Gesicht des Schülers grenzte an Hass. Das hatte er nun wirklich nicht erwartet und schon gar nicht bezweckt.
Normalerweise machte Heiko Berg, sobald er zu Hause war erst einmal seine verdiente Kaffeepause. Heute aber ging er schnurstracks auf sein Bücherregal zu und durchsuchte die zweite Reihe. Zu seinem Erstaunen fand er recht schnell, was er suchte. Da waren sie, seine drei Bücher, geschrieben 1969/70 unter dem Pseudonym Burkard Zugspitz. Er blätterte darin herum. Was für ein Schwachsinn! Heiko hatte lange nicht mehr an das gedacht, was er heute als eine Jugendsünde bezeichnen würde und was ihn nun unerwartet wieder einholte. Er würde sich noch einmal mit seinen Büchern auseinander setzen müssen. Denn eines wusste er. Marcel gab nicht so schnell Klein-bei. Dieser Schüler würde weiter suchen. Und ausgerechnet er, Heiko Berg selbst, hatte ihm den Weg gewiesen, wie er zu weiteren Informationen gelangen konnte. Aber andererseits wäre Marcel früher oder später sicher auch selbst auf die Idee gekommen, in den alten Zeitungen zu schmökern. Er hatte wahrscheinlich wieder einmal etwas spät mit seinem Referat begonnen, so dass er zum Termin einfach nicht mehr Informationen hatte und auf den Überraschungseffekt baute. Schließlich konnte er ja nicht wissen, dass er ausgerechnet das Frühwerk seines Lehrers vorstellte. Berg selbst konnte sich kaum vorstellen, dass einer seiner Fachkollegen seine Bücher gelesen hatte oder sich heute noch daran erinnerte. Damals waren nicht viele Bücher verkauft worden und das war auch gut so gewesen. Vater Berg hatte seine Beziehungen spielen lassen und nicht wenig Geld bezahlt, um die Auflage schnell zurückzurufen. Trotz des Pseudonyms hatte er recht bald gewusst, woher die antidemokratischen Schriften kamen und war der Meinung gewesen, dass auch andere nicht viel länger brauchen würden um hinter Zugspitz den Berg zu argwöhnen. Und für einen angehenden Lehrer war so etwas in Zeiten der Berufsverbote nicht karriereförderlich. Ja, so war das damals gewesen. Er fand seines Vaters Verhalten damals diktatorisch und war fürchterlich gekränkt, hatte aber nichts unternommen. Heute, wie gesagt, war er froh darüber.
Und nun das! Es gab doch genug gute Schriftsteller in Deutschland, im Westen wie im Osten. Und dieser Marcel musste auf dem Dachboden seiner Großeltern ausgerechnet seine alten Bücher finden.
Berg schlug den ersten Band auf. Er begann irgendwo zu lesen. Zwischenzeitlich musste er lächeln. Wie geschwollen er geschrieben hatte. Er hatte sich so verdammt wichtig genommen. Sich und seine Theorien. Nun ja, sie hatten schon etwas, das einen jungen Mann beeindrucken konnte. Besonders heute, da die Demokratie wieder einmal in einer Sackgasse steckte und kaum eine Partei festen Boden unter den Füßen, geschweige denn eine vernünftige Politik zu bieten hatte. Wieder war der Pöbel ohne Richtung. In Zeiten wie dieser waren starke Leute gefragt.
Und da war seine Theorie noch hundert mal besser, als dieses ganze Neonazigeschwafel, auf das so viele Jugendliche heute wieder herein fielen. Vielleicht hatte Marcel hier eine Alternative gesehen. Junge Leute waren sehr begeisterungsfähig.
Die Faszination des Jungen konnte Heiko Berg also noch verstehen. Aber er hätte auch erwartet, dass Marcel die literarischen Defizite erkennen würde. Anscheinend hatte er sich geirrt. Marcel war eben auch nur besserer Durchschnitt. Wirkliche Literatur erkannte auch er nicht. Aber was sollte das Ganze? Berg warf die Bücher in die Ecke. Es musste ihn eigentlich nicht interessieren. Selbst wenn das Buch nun aus der Versenkung aufgetaucht war. Was machte das schon! Niemand wusste, wer Burkhard Zugspitz war.
Er ging in die Küche und machte sich seinen Kaffee. Er hatte ihn schon vermisst.
Am nächsten Tag hatte die 11. Klasse kein Deutsch, aber Berg traf den Fan seines Frühwerks auf dem Hof. Er hatte das Buch in der Hand und sah provozierend herüber. Heiko Berg überlegte kurz, ob er sich zu seinem Schüler setzen und die Herausforderung annehmen sollte, entschied sich aber dagegen und wandte sich in Richtung Schulhaus.
Dort begab er sich in seinen Klassenraum. Im Laufe des Tages achtete er sorgfältig darauf, Marcel nicht über den Weg zu laufen.
Und so sah er auch nicht, dass Marcel Purwein ein überlegenes Lächeln nicht unterdrücken konnte, als er seinen Lehrer quasi flüchten sah. Und Berg konnte auch nicht wissen, dass dies für den Schüler einem Eingeständnis des Lehrers gleichkam, dass er Unrecht hatte. Aber welcher Lehrer konnte schon offen zu geben, wenn er sich irrte. Marcel hatte sich vorgenommen Berg zu zeigen, dass Zugspitz´ Werk literarische Qualität besaß. Schon wie er mit Fremdworten umgehen konnte! Ohne Wörterbuch dürfte es so manchem schwer fallen, den Inhalt des Buches zu verstehen. So etwas imponierte Marcel.
Schon gestern hatte er sich in der Bibliothek die alten Zeitungen besorgt und einige Rezensionen gefunden, die die Bücher von Burkhard Zugspitz besprachen. Sie waren recht unterschiedlich - von begeistert bis vernichtend. Allerdings waren sie nur in den Regionalzeitungen erschienen. Die großen Blätter hatten anscheinend keine Notiz von den Büchern genommen.
Aber das hatte, fand Marcel, nichts zu sagen. Viele große Künstler waren erst lange nach ihrer Zeit erkannt worden, man denke nur an van Gogh. Er, Marcel Purwein, würde es sein, der das vergessene Werk des Schriftstellers Zugspitz zu Ruhm bringen würde. Er wusste auch schon wie. Berg würde sich wundern. Die Reaktionen der Leserschaft würden für sich sprechen. Den Tag über konnte sich der Schüler Purwein kaum auf den Unterricht konzentrieren. Er fieberte seinem Vorhaben entgegen. Anders als sonst ging er an diesem Tage sofort nach Hause, schaltete seinen Computer ein und begann zu schreiben. Er achtete nicht auf die Zeit.
Als er fertig war, sandte er noch eine E-Mail ab - an Herrn Berg.
Dies alles konnte der Lehrer natürlich nicht ahnen, als sein Handy tütelte und er im Sessel hoch schreckte. Er war vor dem Fernseher eingeschlafen. Jetzt kramte er nach dem Funktelefon, das er vergessen hatte auszuschalten. Berg sah auf das Display. Dort stand: Sie haben eine E-Mail.
Eine E-Mail? Jetzt? Berg blickte auf die Uhr. Es war kurz nach zehn. Bestimmt wieder irgend so eine Werbung. Es war unerträglich. Da hatte wieder irgendein Idiot seine Nummer weitergegeben. Heiko beschloss die Nachricht zu löschen und begab sich, nicht bevor er den Fernseher abgeschaltet hatte, an seinen Computer. Gerade als er die Option LÖSCHEN anklicken wollte, sah er im Betreff sein Pseudonym. Das machte ihn nun doch neugierig und er rief die Mail auf. Und da stand es: Sehen Sie doch mal auf der Homepage von Burkhard Zugspitz nach! Gruß Marcel Purwein.
Das schlug dem Fass den Boden aus. Eine Homepage von Zugspitz – das wüsste er doch wohl! Marcel machte sich einen Spaß mit ihm, gut und schön- aber um diese Zeit! Und woher hatte der seine E-Mailadresse? Es fiel Berg wieder ein. Er selbst hatte sie seinen Schülern gegeben, damit sie ihre Arbeiten direkt an ihn schicken konnten. Er hatte fortschrittlich sein wollen und vergessen, dass er damit seine Privatsphäre öffnete. Das hatte er nun davon. Nicht eine Arbeit, dafür einen Witz eines Schülers, von dem er mehr erwartet hatte. Berg war immer enttäuschter. Er löschte die Meldung nun doch und ging zu Bett. Morgen würde er den Schüler zur Rede stellen. Um besser einschlafen zu können, schluckte Berg noch eine Tablette. Sie wirkte Gott sei Dank schnell.
Und sie wirkte gründlich. Als Heiko Berg aufwachte, hatte sein Wecker schon lange geklingelt und ihm blieben noch 10 Minuten, um einigermaßen rechtzeitig loszukommen. Hetze! Am frühen Morgen! Er liebte es, in Ruhe den Tag zu beginnen, ausgiebig zu duschen und zu frühstücken. Er brauchte Zeit, sich seine Kleidung auszusuchen- jugendlich lässig, aber korrekt. Und nichts, nichts hasste er so wie ein überhastetes Aufstehen. Oder doch- wenn er zu spät kam.
Also sprang Berg aus dem Bett, stolperte über den Fuß des Sessels, der in der Mitte des Zimmers stand und als Kleiderablage diente, fluchte, humpelte hastig ins Bad, machte sich eilig fertig – nur das Nötigste: Wasser-ins-Gesicht – Zähne-putzen – Haare -kämmen – Klo – zog sich an, griff Aktenkoffer und Mantel, eilte in die Küche, stopfte sich ein halbes Brötchen in den Mund und ein ganzes in die Tasche und hastete aus der Wohnungstür.
Den Weg zur Schule legte Berg ebenfalls im Eiltempo zurück, so dass er tatsächlich mit dem Klingelzeichen in die Klasse trat.
Zu seiner Überraschung war da schon ein Lehrer. Der blickte ihn erstaunt an und fragte: „Möchten Sie etwas von mir, Kollege Berg?“
„Nein, entschuldigen Sie “, stieß der Angesprochene hervor und verließ den Raum. Er hatte eine Etage höher Unterricht. Der Deutschkurs Klasse 11. Berg konnte sich nicht erinnern, wann er sich das letzte Mal verspätet hatte. Er hatte keine Übung darin. Trotzdem nahm er eine straffe Haltung an, stieg die Treppe empor und betrat würdig die Klasse, mit einem zugegebenermaßen etwas dünnen: Guten Morgen, meine Damen und Herren. Ein fürchterlicher Tag! Berg hatte noch immer weiche Knie vom schnellen Treppe steigen. Haltung zu bewahren, war nicht ganz einfach. Die Schüler hatten allerdings anscheinend nichts gemerkt.
Die bis eben noch sehr unruhige Klasse saß in Sekunden nun an ihren Plätzen und sah ihn aufmerksam wie immer an. Berg kam der Gedanke, dass er eben noch wie ein wildes Tier durch die Straßen geeilt war, absurd vor.
Jetzt nahm er seine Klassenliste vor und rief die nächste Schülerin zu ihrem Vortrag. Berg hatte jetzt Zeit, sich zu beruhigen, aber sein Frühstück fehlte ihm und sein Kaffee.
Der Stundenblock ging vorüber mit Informationen zu Böll, Walser, Wolf, Dürrenmatt und Strittmatter. Marcel meldete sich erst nach den beiden Stunden bei Berg mit der Frage, wie ihm die Homepage denn gefallen habe.
Berg antwortete:“ Mein Lieber Purwein, ich bin ja für Scherze immer zu haben, aber meinen Sie nicht, dass es gestern etwas zu spät dafür war?“
Marcel hatte die Zurechtweisung anscheinend überhört und fragte jetzt: “Was meinen Sie mit Scherz? Die Mail war ernst gemeint.“
„Herr Purwein, treiben Sie es nicht zu weit! Es gibt keine Homepage von Zugspitz. Das wüsste ich. Also hören Sie auf!“, antwortete Heiko Berg etwas ungeduldig.
„Aber Sie können doch schließlich auch nicht alles wissen. Sehen Sie doch nach unter www. Zugspitz.t-online.de “, beharrte der Schüler.
Berg wurde nun doch ungehalten:“ Lassen Sie mich damit in Ruhe! Ich habe anderes zu tun, als mich mit solchen Kindereien zu beschäftigen.“ Damit wandte er sich ab und ging in den Vorbereitungsraum, zu dem die Schüler keinen Zutritt hatten. Berg war ärgerlich. Es war wie ein Alptraum. Erst dieser Tagesanfang und nun auch noch dieser Zugspitzfan! Die Bücher verfolgten ihn plötzlich. Im Grunde waren sie sogar schuld daran, dass er heute verschlafen hatte. Denn hätte er sich gestern nicht über die E-Mail geärgert, hätte er auch keine Schlaftablette gebraucht und wäre ergo nicht zu spät gekommen.
Marcel Purwein sah Berg in den nächsten Tagen mit einem Blick an, der dem Lehrer nicht geheuer war. So beschloss er, noch einmal mit dem Jungen zu reden und bestellte ihn nach dem Unterricht zu sich. Marcel kam.
Berg forderte ihn auf, sich zu setzen und nahm dann ihm gegenüber Platz.
„Marcel“, begann er “Sie scheinen mir meine Meinung über Burkhard Zugspitz´ Bücher übel zu nehmen. Aber glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede. Diese Bücher sind nichts wert. Der Autor selber hat sich seinerzeit davon distanziert.“
„Woher wollen Sie das denn wissen? Seine Ideen sind so, so radikal und sie sind logisch.“
„ Glauben Sie mir, es ist so. Und wenn Sie sich die Bücher einmal ein wenig mit Abstand ansehen würden, dann würden Sie den Inhalt und auch den Stil gar nicht mehr so toll finden. Sehen Sie, ich war nur wenig älter als Sie, als der erste Band herauskam, und damals habe ich ähnlich gedacht wie Sie. Ich will Sie nur vor Problemen bewahren.“
Marcel war aufgesprungen:“ Sie sind ein Heuchler! Sie wollen doch nur Recht behalten! Von wegen auch mal jung! Das kenne ich! Bloß weil Sie Lehrer sind, tun Sie so, als wüssten Sie alles. Und um mich brauchen Sie sich auch keine Sorgen zu machen! Dieser Zugspitz hat mehr auf dem Kasten als Sie!“ Während er diese Worte fast brüllte, hatte Marcel die Tür erreicht und schlug sie nun mit lautem Knallen hinter sich zu. Berg blieb allein zurück und schüttelte den Kopf. Was für eine Ironie! Er legte sich mit einem Schüler an, weil der sein Buch gut fand. ‚Was soll’s?‘, dachte er, ‚Was rege ich mich auf? Kein Mensch wird Wert auf seine Meinung legen.‘ Für Berg war die Sache jetzt erledigt, er würde sich nicht mehr darum kümmern.
Ruhig, sogar etwas belustigt ging er nach Hause. Sein guter Vorsatz tat gut.
Als Berg am nächsten Morgen die Zeitung aufschlug, war er allerdings wieder vergessen. Auf der Kulturseite, die er morgens immer zuerst aufschlug, strahlte ihm eine Überschrift entgegen, die Heiko Berg  aus der Fassung brachte: HEIMISCHER SCHRIFTSTELLER WIEDER ENTDECKT- LEHRER IGNORIERT SCHÜLERINITIATIVE
Darunter stand in einem Artikel eine Geschichte über einen Schüler, dessen literarische Recherchen über den heimischen Autor Burkhard Zugspitz von seinem Lehrer Heiko Berg nicht beachtet wurden und der nun Informationen über den Autor gefunden und auf einer Internetseite veröffentlicht hatte. Angeblich hatte er den Mann hinter dem Namen Zugspitz aufgetrieben und mit ihm gesprochen.
Das war genug. Die Sache wurde langsam zu einer Farce . Und jetzt wurde anscheinend auch noch die Voraussage seines Vaters wahr, sein Geschreibsel würde ihm noch erhebliche Scherereien machen. In der Schule hatte mindestens die Hälfte der Kollegen den Artikel gelesen! Und wenn das keine Scherereien bedeutete, dann wusste Berg nicht, was sonst. Da er nicht die Absicht hatte sich im Raubtierkäfig des Kollegiums zerfleischen zu lassen, meldete Heiko sich krank. Zum ersten Mal seit über 4 Jahren. Es war ihm egal, welche Schlüsse daraus gezogen werden würden. Sein Interesse galt jetzt der Internetseite. Berg war unangenehm gespannt darauf, was dort wohl stehen würde. Die Adresse stand groß in der Zeitung.
Auf der Seite fand Berg einen flammenden Text über die außerordentliche Güte seiner Bücher, eine Recherche zur Person des Autors, die anhand früherer Zeitungsartikel immerhin bewies, dass er aus dem Städtchen stammte und ein Interview mit Zugspitz!, in dem der Autor sich als verkannter Schriftsteller darstellte, seine Ideen noch einmal darlegte und sich bei Marcel P. für sein Interesse bedankte.
Heiko Berg war fassungslos. Erst nach einer Weile war er in der Lage, eine Antwort zu formulieren. Und er tat es unter dem Namen, den er schon früher benutzt hatte- Burkhard Zugspitz. Er verwahrte sich gegen das gefälschte Interview und stellte klar, dass er selbst zu seinen eigenen Büchern nicht mehr stand.
Auch die Zeitung bekam eine Kopie. Und sie druckte sie natürlich. Die Folge war, dass die Schule den Schüler Marcel Purwein wegen Verunglimpfung eines Lehrers suspendierte.
Berg selber wurde mit mitleidiger Zurückhaltung in der Schule empfangen. Man gab seinem Bedauern Ausdruck, dass die Zeitung solche Schmierereien druckte und man gratulierte Berg zu seinem sicheren Stilgefühl. Er selber nahm das alles gelassen auf. Die ganze Sache kam ihm irgendwie unwirklich vor und jetzt war sie Gott- sei- Dank vorbei.
Am Abend klingelte es bei Heiko Berg an der Tür. Durch den Spion konnte er Marcel erkennen. Der Lehrer überlegte kurz, dann siegte das Gefühl, generös eine Entschuldigung annehmen zu können, denn nichts anderes konnte der Junge von ihm wollen. Er öffnete die Tür und ließ ihn ein.
Erwartungsvoll stand Berg seinem Schüler gegenüber. Nachdem nichts geschah, fragte er: „Nun, was wollen Sie?“
„Sie haben den Text im Internet geschrieben!“, platzte Marcel heraus.
Berg antwortete lakonisch: “Mit etwas mehr Recht als Sie den Ihren. Ich hatte eigentlich eine Entschuldigung erwartet.“
„Ich soll mich entschuldigen?“, fragte Purwein jetzt, „Warum sollte ich? Ich habe nichts anderes getan als Sie.“
Jetzt musste Berg lachen. Aus vollem Halse. „Du weißt nicht, was du sagst.“, brachte er immer noch lachend heraus, während er unwillkürlich zum Du überging. Ein Sie kam ihm plötzlich unpassend vor. Dieser naive Junge war noch nicht erwachsen. Und dann hielt er plötzlich verdutzt inne. „Du hast noch immer nicht verstanden!“, sagte er verwirrt.
Doch diese Verwirrung nahm der Schüler nicht zur Kenntnis. Das Lachen hatte ihn wütend gemacht.
„Sie machen sich über mich und über Zugspitz lustig. Sie, Sie...!“ Plötzlich hatte Marcel Purwein den Kerzenständer aus Marmor in der Hand. 
Am nächsten Morgen klingelte der Reporter von der Zeitung, um mit Berg ein Interview zu führen. Er hatte die Zuschrift im Internet zurückverfolgt und dann eins und eins zusammen gezählt. Nun witterte er eine Story. Doch es öffnete niemand. Und er musste unverrichteter Dinge wieder abziehen. Auch in der Schule war Berg nicht. Da niemand etwas wusste, kehrte der Reporter wieder zur Wohnung zurück, wo er durch das Fenster sah. Und da lag seine Story in seinem Blut. Vielleicht hatte der Lehrer noch versucht, das Telefon zu erreichen.
Nun, es war nicht die Story, die der Reporter erwartet hatte, aber es war eine Story.

LAPSUS LIVE 2004

Lapsus live

Eine Erfolgsgeschichte

aufgeschrieben von Roland

Es war einmal ein König, der lebte mit seiner Königin und seinen heranwachsenden Prinzen und Prinzessinnen wie alle normalen Könige an seinem Hofe, aß und trank, sorgte für Ordnung, Bildung und Beschäftigung, maß sich in Turnierkämpfen mit anderen Recken und zu Hause mit sich selbst.
Dieser König hatte im Stillen so seine Pläne, besonders was die Turniertauglichkeit seiner Prinzen betraf - woran für ihn auch alle anderen Tauglichkeiten geknüpft waren. Obwohl ihm nur sehr selten ein Wort dazu entglitt, waren es wohl hochfliegende Träume, die er da hegte. Und das, trotzdem er von seinesgleichen natürlich nicht beflügelt wurde. Denn so was ganz besonderes zu sein, gehörte sich einfach nicht.
Und auch die Musen griffen ihm nicht unter die Arme. Ja, er stand diesen recht skeptisch gegenüber. Gut, zur königlichen Bildung gehörten wohl Malerei und Gesang. Aber wie tief war die Lust, ein Bildchen zu skizzieren unter den Tagesgeschäften verschollen - und er hatte auch einige Angst, an den Bildern gemessen zu werden, und wozu er singen sollte, hatte er vergessen. So tönte bei Hofe nur selten Musik, höchstens mal die Fanfaren um die Nachrichten der Herolde - die sich die Königin allerdings schon gern mehrmals reinzog, um mit den Boten zu schäkern -, oder wenn der König sich allein wähnte, drangen durch die Fenster- und Türritzen Hits wie "Hundert Leiern sollen hell erklingen" von Walter von der Vögelweide aus dem Repertoire der sieben Stücke seines kleinen Hoforchesters, was ihm vor Zeugen so gut wie peinlich gewesen wäre.
Wo er nicht umhin konnte, seine Ohren den Melodeien zu öffnen und gar den Takt zu schreiten, das war die Schlagab-Tanzmusik auf den regelmäßigen Turnierbällen. Seiner Tanzbereitschaft vorausgesetzt war jedoch sein von Med und Wein empor geheitertes Gemüt, um solcherart dem allgemeinen Sittenempfinden zu entsprechen oder einfach dem Benehmen, das er glaubte, der Königin demonstrieren zu müssen.
Aber was er gar nicht an seinem Hofe und nirgends ausstehen konnte, regelrecht hasste und verdammte, das war Dudelsackmusik. Dudelsäcke gab es im Lande noch nicht lange, Zigeuner hatten sie aus Gefilden weit im Westen, jenseits der hohen Berge mitgebracht und auch die Kunst, sie zu spielen und beängstigend fremdartige Rhythmen. Und das Gedudel griff gerade in der Jugend mit Windeseile um sich. Obwohl oder natürlich gerade weil bei den Herrschenden verpönt, entwickelte das Dudeln die Kraft einer eigenen Sprache, eines geheimen Schlüssels für Rebellentum. Und im Tragen auffälliger Schärpen aus Ziegenfell äußerte sich der Anschein jugendlicher Revolte.
Als der König bei seinem ältesten Sohne, Prinz Löwengold, eines Tages solch eine Schärpe entdeckte, stockte ihm zunächst der Atem und er bezwang nur mühsam eine harsche Reaktion. Hatten doch solcherart Utensilien mittlerweile sogar die Stände des Wochenmarktes in der Stadt erreicht, wo sie in verschiedener Form jedermann feilgeboten wurden. Doch kurze Zeit später traf es den König wie ein Schlag vor die Brust: durch die Tür zu Löwengolds Gemach drang Dudelsackmusik! Dieses Sakrileg (ein Wort, das er erst seit kurzem von seinem Sohn öfter hörte und nun selbst in seinen Sprachschatz übernehmen musste) war keinesfalls zu dulden. Erzürnt langte er nach der Klinke und prallte schmerzhaft an das verschlossene Blatt. Mit diesem Lärm verstummte sofort das Gedudel. Der König verlangte einzutreten, dem Löwengold nach einigem Hin und Her nachgab. Mit einem Blick erkannte der König das Instrument, mit einem Griff packte er es und mit einem Satz verbot er seinem Sohn jegliches Rumgedudel. Wobei er mit stiller Wut bei sich konstatierte, daß er einen Kampf um das lausige Zickenfell des Jungen von vornherein aufgab. Aber den Türschlüssel, den Türschlüssel zog er im Fortgehen noch ab, ohne Worte jedoch mit viel Geräusch.
Wie ihm doch der Mut abging. Oder die Angst zu.
Kaum konnte er seinen Unmut seiner Frau Königin gegenüber äußern - sie wollte gar nicht hören. Ihr war eine Musik wie die andere, sie kannte Ziegenfelle aus Notzeiten und sie forderte ja auch gar nichts von ihrem großen Jungen. Damit stand der König allein. Und er wusste sich nicht zu helfen. Mit einiger Bitternis musste er sich auch eingestehen, wie seine Frau mit zähem Geschick auch den Zweitältesten, Prinz Drachenblut, ihr zu Diensten einspannte. Denn das Gedudel betreffend verhielt sich Drachenblut loyal zum Vater.
Aber dafür ließ Löwengold nichts unversucht. Schnell hatte er sich wieder einen kleinen Dudelsack leiseren Tons besorgt, der mit einem Handgriff unters Bett passte. Und er dudelte, wann immer es ging.  Näherte sich der Vater seinem Wohnbereich, wurde er gewarnt: Ein Glöckchen klingelte, von schlau an Türen angebrachten und geschickt mit kleinen Rollen verlegten Schnüren in Gang gesetzt. Als der König eines Tages hinter diese Schnüre kam, ließ er sie von Löwengold selbst entfernen. Sagen konnte er dazu nichts, nur mit finsterem Blick schauen. Aber er musste irgendwas sagen, dass sich Löwengolds Grinsen nicht auswuchs, und so erinnerte er sich daran, welche Tätigkeiten dem Prinzen gut zu Gesicht stünden. Er solle sich endlich zum Schmied begeben und diesem zur Hand beim Beschlagen der königlichen Pferde gehen. Doch da wurde sein Gesichtsausdruck ganz blöde, denn Löwengold sagte fest Nein.
Prinz Drachenblut, der Zeuge war, stand offenen Mundes daneben.
Der König war geschlagen. Er konnte nicht verhindern, dass die verhasste Musik von seinem Sohn gespielt wurde. Und es schien ihm, als gäbe es in jedem Haus seiner Stadt Dudelsäcke. Zähneknirschend sah er eines Weihnachtens eine Ziegenfellschärpe mit glänzenden Nieten auf dem Gabentisch - ein Geschenk seiner Frau Königin an ihren Ältesten.
Er flüchtete sich schließlich in bloße verbale Attacken, wobei er keine Gelegenheit versäumte, sich auszulassen oder seinen Sohn zu beleidigen. Fiel Löwengold mal vom Pferd, war es vom Dudeln. Ließ er sich die Haare nicht mehr schneiden, verfehlte er beim Pfaffen ein Prüfung oder grüßte den Marschall nicht - das alles machte die Dudelsackmusik. Wurde jemand krank, das Heu vom Regen nass oder eine Ehe geschieden, das alles kam nur vom Rumdudeln. Da war sich der König sicher.
So gingen einige Jahre ins Land. Sein Sohn, mittlerweile außerhalb des Hofes ein geachteter Dudelexperte, war meist in der Fremde, höfische Ausbildungen zu absolvieren, wobei er bei jeder Heimkunft ein neues Exemplar für seine Dudelsacksammlung mitbrachte. Auch alle anderen königlichen Kinder dudelten mittlerweile - wenn auch in ihren Gemächern. Sogar das Hoforchester machte manchmal auf Dudelsäcken, was des Königs Haupt noch mehr senkte. Er fühlte sich so ohnmächtig.
Als Löwengold eines Tages, er hätte schon längst heiraten sollen, Freunde einlud - allesamt trugen sie Schärpen aus Ziegenfell und lange, ungepflegte Haare - und mitten im Thronsaal ein Dudelsackfest zelebrierte, fühlte sich der König wie entmannt. Immer wieder drangen obszönes Lachen aus dem Saal oder junge Leute, die um Essen in die Küche liefen - ohne zu grüßen. Dazu diese grässliche Musik, mitten in seinem Leben, unter seinen Augen; wüste, grelle, schnelle, unerhörte Klänge und ein Gesang, der schaudern machte: "Tanz den fetten König. Ha! Dreh ihn nach links. Uh! Dreh ihn nach rechts. Ah! ..." und dazu wurde stampfend getanzt, dass überall im Schloss die Lüstern wackelten - und er hatte sich zu schleichen. Das war schlimm. Was konnte er noch tun? Ja, während der König irgendwo Bilder wieder gerade hängte, Speisereste vom Pflaster kehrte, weggeworfenen Unrat aus dem Garten klaubte, dabei unentwegt laut durch die Nase hochzog und geringschätzend sein Haupt mit den frisch geschorenen Haaren schüttelte, saß seine Frau Königin vergnügt mit diesen ungepflegten Leute schwatzend in der Küche! Diese Zusammenkünfte, "Lupus frey" genannt, wiederholten sich nun jedes Jahr im Schloss. Der König war dann manchmal zu dieser Zeit auf Reisen, wozu er auch versuchte, seine Frau Königin mitzunehmen, aber er fühlte sich wie ein Vertriebener und nannte es bei sich Flucht. Und die Königin weigerte sich oftmals, ihn zu begleiten, ja, sie beteiligte sich an den Festivitäten, ließ die Vorratskammern füllen, kicherte mit den Leuten, sorgte für genügend Schlafplätze und setzte sich zur Dudelsackmusik, als würde die nur für sie gespielt.
Und dann kam rasch der Zeitpunkt, wo es der König müde ward, sich stolzen Hauptes auf den Weg zu machen. Er war dann einer von vielen Gästen des "Lupus frey". Selten zu erleben und nur schlaff flatterte seine Fahne im Wind, wenn er während des Festes kleinere Turnierkämpfe in Gang brachte. Aber er wurde gar nicht mehr nach seinen Plänen gefragt.
Löwengolds Geschwister zogen am gleichen Strang. Auch ihre Freunde kamen zu den Festen herbei. Und es war unter den Prinzen und Prinzessinnen ein stiller Streit, wer die besseren Freunde hatte, wer die seltsameren Töne aus dem Dudelsack bekam oder die glanzvollere Feuerkunst. Aber das tat der Atmosphäre wenig Abbruch. Immer wieder kamen freundliche Menschen zusammen, die sich anstecken ließen von Musik, Tanz, Gesang und manches liebes Pärchen fand sich in den Büschen des königlichen Parks.
Tja, das Glöckchen bewahrte Löwengold viele Jahre auf und er erzählte seiner Mutter noch oft die Geschichte davon, die Königin lachte dann immer von Herzen. Am liebsten hätte er das Glöckchen vergraben, an einem markanten Ort. Vielleicht am Grab seines Großvaters. Aber es gab keines.
Hier ist Schluss.
LAPSUS LIVE 2004

Vorbereitungen für LAPSUS live Nr. 22

LAPSUS LIVE 2005Ich freue mich, dass Vorschläge zur Verbesserung des LL-Veranstaltungsplatzes gemacht werden! Bislang von Achim — vielen Dank! (Irrig ist allerdings die Annahme, ich halte den Sonnenraum "nur" für LL vor. Der wird auch sonst öfter genutzt.)
Ab April werden auch alle Lehmbaustellen in der Scheune weitergeführt, damit verschwinden auch allmählich die Ziegelstapel vom Hof und geben dort mehr einladenden Raum frei. Da ich meine Erfahrungen mit so etwas habe, werde ich nicht zu einem Subbotnik während LL05 aufrufen, da würde nix dabei rausschauen und eine Unmenge an Vorlauf fordern. Aber: wer Lehmbau lernen und machen möchte, kann "richtige" Seminare hier besuchen und wird dann Handanlegen — nicht nur für Verzierungen ;=).
Frischer Lehm ist schon angeliefert. Noch in der diesjährigen Saison fertig geworden ist eine Werkstattwand zum Hof mit großem, runden Fenster und einigem Zierrat. Macht Spaß.
Anfragen! Anmelden! Roland
Und vergesst nicht:    
Lehm ist Heilerde und kein Staub!  ;>)

The Song Remains The Same

Ein Lapsusen-Projekt zu LAPSUS LIVE Nr. 22

zusammen...

Das Lied bleibt das gleiche

Ich hatte einen Traum
Oh, ja
Verrückten Traum, uh-huh.
Alles, das ich wissen wollte
Jeden Ort, zu dem ich gehen musste

Hört mein Lied
Ja... Leute hört ihr denn jetzt nicht? Singt mit!
Oh, ihr wisst nicht, was ihr jetzt vermisst.
Irgendein kleines Lied, das ihr kennt
Alles, das klein ist, muss wachsen.
Und es muss wachsen!
Los los, ja!

Sonnenlicht Kaliforniens, süßer Regen Kalkuttas
Sternenglanz Honolulus — das Lied bleibt das gleiche Ooh! Ooh!
Hier gehen wir!

Honolulu jetzt...
Singt das Hare Hare, tanzt den Hoochie Koo.
Stadtlichter sind ach so hell, wenn wir gleiten
Gleiten
Hindurch gleiten.

Oh!
 
Für ein Gemeinschaftsprojekt zu LAPSUS LIVE 2005 suche ich schon jetzt Mitstreiter. Die Idee ist recht einfach und eigentlich durch jeden realisierbar. Ich biete ausdrücklich meine technische Unterstützung an. Ich möchte gern, dass möglichst viele eine ganz persönliche Umsetzung eines Liedes freier Wahl zelebrieren. Einige werden sich noch an die Umsetzung des Sgt.-Pepper-Albums der Beatles 1987 erinnern, damals unter dem Titel „Es ist heut zwanzig Jahre her... — Korporal Pfeffers "Einsame Herzen Club"-Band“. Da waren Spielszenen von Ginger und Hansi ebenso dabei wie Coverversionen und amüsante Bebilderungen. Diesmal also wieder kreativer Freestyle, aber eben auch bei der Titelwahl. Eine bloße Coverversion reicht diesmal allerdings nicht als Umsetzung. Eventuelle Überschneidungen werde ich nach euren Titelanmeldungen jeweils den Betroffenen mitteilen. Irgendwelche Begrenzungen gibt es erst einmal nicht. Freue mich auf die darstellenden, bildenden oder sonst wie künstlerischen Umsetzungen eurer Lieder bei LAPSUS LIVE 2005. Mein Programmtitelvorschlag wäre "The Song Remains The Same", denn das sagt irgendwie alles nötige... ;-)) Selbst wenn Led Zep wider Erwarten gar nicht dabei sein sollte... Bin gespannt auf eure Meldungen! Schiebt sie bitte nicht lang auf, denn die Zeit vergeht immer viel zu rasch...    Achim

Kokon

Ein Lehmbauprojekt

Wer im Internet zum Thema Lehmbau stöbert, findet eine Menge Informationen. Ein besonders interessantes Projekt stellt Markus Alfermann ausführlich auf http://www.alfermann.de/kokon.html vor: Kokon.
Kokon

Wie im richtigen Leben

Exklusives Interview mit Uwe Matschke

Was hat dich in jenem geschichtsträchtigen Jahr 1989, es war der 30. Juli, dazu bewogen, nach Züsedom zu einem LAPSUS LIVE-Auftritt zu kommen?
Frank und die Chance, bei Lapsus wieder dabei zu sein !
Wie ist dir der Auftritt mit 'Kiste' am Schlagzeug in der Garage in Züsedom in Erinnerung?
Dunkel ....  - nein warte, gleich.....ich hab's - in guter Erinnerung - wir hatten unseren Spaß und ihr musstet uns ertragen - nach dem Motto - viel Musik wenig Text...
Bist du öfter bei solchen Gelegenheiten aufgetreten?
Leider nein.
Seit LAPSUS LIVE 1989 ist viel Zeit vergangen, sehr viel hat sich verändert. Wohin hat dich dein Musikerleben seit dem geführt?
Meine Entwicklung ging durch viele Baustellen. Damals war ich noch bei "e.t.c.", einer Band, die den Sänger Hanns-Jürgen Beyer begleitet hat. Nebenbei begann ich mit Kiste eine Jazz-Rock-Band aufzuziehen, so dass ich neben dem Kommerz noch etwas für meine musikalische Seele tun konnte. Nach der Wende blieb leider erstmal nur der Kommerz übrig, was sich in der Zusammenarbeit mit einer Gala-Band und dem künstlichen Koma meiner Ideale niederschlug.
Es hat 3 Jahre gedauert, bis ich aus dem Getriebe rauskam. Die Verlockung der großen, weiten Welt, mit solch einer Band die Welt kennen zu lernen, war groß - aber der Preis dafür auch... Danach begann ich als Begleiter verschiedener Interpreten nur mit dem Klavier - was sich als Bergundtalfahrt herausstellte. Die Zusammenarbeit mit Künstlern ist fast einer Partnerschaft gleichzusetzen und die Fruchtbarkeit hängt von vielen kleinen Faktoren ab, die man im Voraus nicht erkennen kann. So habe ich mich in viele "Abenteuer" gestürzt und bin oft mit dem Bauch gelandet - also wie im richtigen Leben auch... Seit 2000 arbeite ich fest mit einem Sänger namens Sven Ratzke zusammen, mit dem ich sehr viel in Holland zu tun habe, da er dort aufgewachsen ist. Wir haben mit Chansons von eigenen bis Brecht begonnen und nun ist daraus eine freakige Entertainmentshow geworden. "I shot the DJ" heißt sie und man erfährt alles weitere über die Homepage www.sven-ratzke.de. Des weiteren arbeite ich noch mit verschiedenen Sängerinnen im Musical-Jazzbereich zusammen, begleite Künstler in der Kleinkunstszene z.B. Schlager der 30er bis 40erJahre, bin mit der "Lütten" — Angelika Mann – mit Kindervorstellungen und auch einem Programm für Erwachsene unterwegs, indem sie Ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellt und dass sie noch richtig gut bei Stimme ist (s. www.angelika-mann.de), mache Soulmusik mit der Band "BRUNO" (s. www.brunomusic.de) und spiele auf verschiedenen Gala-Events sowohl als Solo-Pianist als auch in Duo- bis Quartett-Besetzung mit meiner Band den "Jazzhoppers". Das so als grober Auszug meiner Umtriebe...
Welche musikalischen Entwicklungen der letzten Jahre sind für dich besonders interessant?
Ich bin auch in meinem Musikgeschmack eine Art Chamäleon, deswegen fällt es mir schwer, etwas rauszuheben, deswegen will ich hier nur ein paar „alltime favorits“ von mir nennen: Buena Vista Socialclub, speziell Ruben Gonzales, Red Hot Chili Peppers, Sting, Nirvana, Bill Evans, Prince, Coldplay — meinen speziellen Dank für die Rehabilitation des Pianos und der Harmonie in der Rockmusik —, Marianne Faithful, Jazzmatazz, Lenny Kravitz u.a..
Woran arbeitest du zur Zeit?
Am mir und meiner - äh - Karriere..., an der neuen Show von Sven Ratzke - Premiere in Holland auf dem Theaterfestival in Hertogen's den Bosch.
Wie kann man von deinen Auftritten erfahren? Und auf welchen Tonträgernkann man dir lauschen?
Leider bin ich nur auf einer offiziellen CD von Sven Ratzke zu hören, der Rest beschränkt sich auf Demo-CD's von den o.g. Künstlern.
Kannst du eins deiner Stücke für den nächsten LAPSUS-Sampler zur Verfügung stellen? (Der letzte hatte eine Auflage von ca. 10 Stück...)
Vielleicht - wenn Ihr Euch auch für die o.g. Musik interessiert...?
Vielen Dank für das Interview per Mail!
Uwe Matschke live am Piano

Rezension

Robert Kurz

Schwarzbuch Kapitalismus   

Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft

Das "Schwarzbuch Kapitalismus" ist eine kompromißlos scharfsinnige und scharfzüngige Darlegung der Faktizität kapitalistisch-perverser Entartung der "schönen Maschine". Die "schöne Maschine", so Kurz, ist das grundlegende Prinzip des Kapitalismus/Liberalismus, welches das Leben des Menschen in einem Umfang usurpiert hat, daß es ihm kaum noch möglich ist, durch selbstbestimmte Anstrengung aus diesem Zustand der Entfremdung bzw. Unmündigkeit herauszukommen. Jahrhunderte kapitalistischen "Viehzuchtsystems" hat den Menschen gerade in den reichen Industrienationen zu einem willfährigen, funktionstüchtigen Sklaven gemacht, der nicht mehr weiß, ja nicht mehr wissen will (z. B. korrumpiert durch Konsum etc.), was mit ihm geschehen ist und fortlaufend geschieht. Dies ist vor allem auch ein emotional-psychisch-geistiges Problem: Denn was wird geschehen, wenn wir uns eines Tages nicht mehr genügend kompensatorisches Spielzeug, kompensatorische Vergnügungsfahrten etc. leisten können?! Was wird geschehen, wenn all die Verletzungen und Erniedrigungen, die ständig verdrängt wurden und im Unbewußten ein dämonisch-destruktives Eigenleben entwickelt haben (Schattenemotionen), nicht mehr gebändigt werden können und mit Vehemenz an die Oberfläche drängen?!
Kurz beschwört eine "Kritische Theorie", um "sich von der eigenen Ohnmacht nicht dumm machen zu lassen." Doch grau ist alle Theorie, ist sie nur ein distanziertes Ab- und Einschätzen aller Umstände und Faktoren. Anders die Theorie, die uns Kurz präsentiert: Sie wird getragen von einer wahrhaft leidenschaftlichen Empörung, die sich der entwürdigenden und terrorisierenden "schönen Maschine" entgegenstellt. Gerade auch das war es, was mich an diesem Buch begeistert und gefesselt hat!
Robert Kurz hat mit diesem Buch die Kapitalismuskritik auf einen zeitgemäßen Stand gebracht, was dringend nötig war. Äußerst bestechend und überzeugend wirkt hierbei die Zusammenstellung und Aufarbeitung des faktenreichen Materials und die sich daran anschließende, gut nachvollziehbare Argumentation, daß die Logik des kapitalistisch-liberalen Systems zur Zerstörung des Menschen in physischer und geistiger Hinsicht sowie seiner Lebensgrundlagen führen muß. Gerade in diesem Sinne ist das Werk von Karl Marx aktuell wie nie zuvor. Wie rasch sich die kapitalistische Todesspirale auf ihr Ende zu bewegen wird, das ist wohl dennoch schwer zu prophezeien.
Ich bin nicht der Ansicht, daß das kapitalistische System durch die Logik seiner inneren Widersprüche sich selbst vollständig vernichten wird. Die Menschen werden das kapitalistische Wirtschaften immer wieder in Gang setzen, solange sie sich bereitwillig von der wirtschaftsliberalen Logik vernebeln bzw. vereinnahmen lassen (in der Hoffnung, daß sie zumindest besser damit fahren als die anderen), solange sie die damit verbundene Sinnlosigkeit noch ertragen und sie keine Alternative sehen, solange ihnen die grausamen Opfer im weitesten Sinne, die dieses Wirtschaften hervorbringt, egal sind! Was mir gerade aus diesem Grunde im Schwarzbuch Kapitalismus zu kurz kommt, ist die Frage nach dem Menschen, der, u.a. getrieben vom eingeimpften schlechten Gewissen, das kapitalistische System bedient. Kurz macht immer wieder deutlich, daß die Würde des Menschen in jederlei Hinsicht mit der zerstörerischen Irrationalität des Kapitalismus nicht vereinbar ist. Aber worin besteht denn die authentische Würde des Menschen, worin seine authentische Bestimmung? Eine umfassende Kapitalismuskritik muß meines Erachtens auch dieser Frage gründlich nachgehen. Wie können wir uns den Menschen außerhalb der Kapitalismuszwänge konkret vorstellen? Was tritt an die Stelle der "Gehirnwäsche des Liberalismus und seines Bentham-Systems", der "verinnerlichten Zwänge und Zumutungen der blinden Geldmaschine"? Kann es wirklich salopp ausgedrückt zunächst nur darum gehen, "sich unbefangen dem Verhältnis von vorhandenen Ressourcen und ihrer vernünftigen gesellschaftlichen Anwendung stellen zu können" oder muß nicht zumindest parallel oder gar zuerst eine radikale Bewußtseinswandlung eintreten? Wie füllen wir die "Muße" inhaltlich aus und zu welchem Zweck? Wie verhält es sich mit der Motivation des Menschen hinsichtlich Selbstverwirklichung/Selbsterkenntnis über den Kontext widriger kapitalistischer Umstände hinaus? Welchen Stellenwert hat diese Motivation und ihre Verwirklichung angesichts notwendiger gesellschaftlicher Veränderungen? Und welcher Art ist diese Motivation grundlegend? Ich nehme mir an dieser Stelle heraus, darauf aufmerksam zu machen, daß sich mit der Problematik des Menschen auch angesichts seiner kapitalistischen "Verwurstung" (R. Kurz) vor allem auch Nikolai Berdjajew sehr tiefgehend auseinandergesetzt hat (siehe auch amazon.de), der selber im starken Maße von Marx beeinflußt war und dessen Werk tiefgehend und vor allem schöpferisch in sein Denken aufnahm. Heidegger behauptete (in "Metaphysik"), eine christliche Philosophie sei ein Mißverständnis. Berdjajew hat diese Behauptung meines Erachtens widerlegt. Die christliche Philosophie eines Berdjajews ist kein Opium für das Volk, sondern ein Aufruf zur Befreiung von innen heraus, ohne die alle noch so scharfsinnige Theorie ins Leere laufen und sich in unendliche Widersprüche verstricken würde. Theorie, Befreiung von innen heraus (Selbsterkenntnis) und der praktische Bezug bzw. die äußerliche Befreiung müssen zusammenfließen.
Robert Kurz' Theorie läuft allerdings nicht ins Leere, da sie von einer innerlich selbstbestimmten, authentischen Freiheit im geistigen Kampf gegen die menschenunwürdigen Verhältnissen in unserer Welt angetrieben wird und zu tiefgreifenden Veränderungen drängt. Und so pessimistisch die Lage von Kurz auch eingeschätzt wird, seine Einschätzung bietet unendlich mehr Hoffnung als jede zweckoptimistische Verharmlosung und Beschönigung!
Kritisch bemerken möchte ich vor allem, daß ich nicht der Ansicht bin, daß Demokratie zwangsläufig immer kapitalistische Demokratie sein muß. Vielleicht wird hier der Begriff Demokratie von Kurz etwas zu eng gefaßt. Können Kapitalismus und Demokratie nicht auch zwei sich grundlegend widersprechende Begriffe sein? Ich denke, eine freie Demokratie ("umfassende Rätesystem", "Selbstverwaltung" - siehe Epilog) wäre bei einer an den menschlichen Grundwerten (Liebe, Gerechtigkeit, Freiheit, Solidarität etc.) orientierten Gesellschafts- und Bewußtseinsverfassung möglich, im kapitalistischen Verwertungssystem dagegen nicht - entgegen der Lügenparolen der Politiker bzw. der Apologeten des Wirtschaftsliberalismus.

Die Demokratie aus der Sicht ihrer Macher
 Demokratie
Die Säulen der Demokratie: Legislative - Exekutive - Judikative

Sehr gut nachvollziehbar ist Kurz' Kritik am "ethischen Zirkus, dessen Aufführungen in den 90er Jahren immer idiotischer geworden sind" (siehe Epilog). Es fehlt mir in diesem Zusammenhang jedoch ein Verweis auf eine Ethik, die dieser Bezeichnung gerecht wird. Die Auseinandersetzung mit einer Ethik des Menschen ist unverzichtbar. Gerade in dieser Hinsicht hat Berdjajew viel zu sagen.
Ob Geldkritik oder Abschaffung des Staates, ob Gleichsetzung von Kapitalismus und Demokratie oder nicht - das entscheidende Kriterium hinsichtlich eines anderen Lebens ist letztlich der zu sich selbst kommende Mensch als ein solidarisches und vor allem liebendes Wesen, welches im Kapitalismus/Liberalismus nicht wirklich gewollt wird bzw. für dieses System eine Gefahr darstellt.
Im Sinne einer besseren, einer anderen Welt sollte "Schwarzbuch Kapitalismus" unbedingt gelesen werden!

Dirk Hübner, 3.11.2003
(Geschrieben für amazon.de.)

Phiel! Oh, so phiel!

Im folgenden möchte ich euch nur so ein bißchen unterhalten, denn Sancho schrieb als Schlußmail an mich: "Deinen Humor möchte ich haben!" und sonst nix. Und weil Lachen im gaaanzen, großen Kosmos auch deines Bauches so gesund ist, hoffe ich, daß neben der Überhaltung auch die Kosmik ankommt. Achso, es handelt sich im folgenden um Auszüge eines kurzen Mailwechsels zwischen zwei Leuten zu den Fraktalen komischer Extremfilosofie.
Integrale Lebenskunst schrieb:
[...]
Diese fundamentalistischen Attentäter scheinen tatsächlich dem Archetypen des selbstlosen Kriegers zu entsprechen. In Wahrheit sind sie weit davon entfernt. Denn weder seine Auftraggeber noch seine Motive sind im Einklang mit dem, was der "wahre Allah" will.
aber dem armen allah sind die hände gebunden. sein händie verschwunden. sein altersheimer will nicht gesunden. je je.
Mein Ringkampf mit dem Wahren, Guten und Schönen möchte ich gerne mit Dir auf eine unterhaltsame Weise teilen, oder sollte ich lieber ruppig sein? Ich lade Dich ein, mein/e SparringspartnerIn sein?
hey alter, mal lampsan! wieso stellst du die regeln? bist du gar das falsche, böse und häßliche? oder ringt die wahrheit mit sich selbst? stell ich mir lustig vor! aber nicht so lustig finde ich, als deine sandsäckin das wgs zu vertreten. allah - ob der echte, einzige oder wahre, ist mir egal - wär mir da lieber. frag den doch! nicht da? kein AB - außer wilber? hm. hu the fick ist eigentlich der ringrichter?
und schon wieder beginnt der rest deines lebens... so long - zar nektar
In guten Projekten passiert doch etwas Ähnliches. Der Einstieg muß mit dem Versprechen verbunden sein, 100%ig dafür einzutreten, daß Leiden für diese Gemeinschaft vermieden wird. Oder positiv ausgedrückt, man muß 100%ig dafür da sein, daß diese Gemeinschaft in ihre Zielgestalt hineinwächst. Und jede Gemeinschaft und jedes Individuum hat doch eigentlich die Zielgestalt eines Bodhisattvabewußtseins - nicht wahr? Und dann ist man 100%ig relaxed (frei vom Ego) und 100%ig im Dienst für Gemeinschaft und Menschheit. Jede und jeder kann dies tun nach ihren/seinen Kräften. Das ist doch wunderbar - oder?
Grüße von Blaufeder
 Phiel, oh so phiel
in bösen wäldern wird die zielgestalt einfach nie erreicht, der wald wächst weiter, verändert sich, verschwindet. ja, es ließe sich nicht mal nur ungefähr eine %-zahl an einem x-beliebigen zeitpunkt sagen, die sein wachstum ausdrücken könnte. nicht mal 1 wahres wort ließe sich über die zylgestallt finden. joy, der böse eichboom wird nie fertig, trotz gegen-plan und wettbewerb und immer ganz anders als der andere. grob gesägt fällt er einfach, wenn er das wachstum der möbelindustrie nicht fördert. und der tüp da im scheinwerferlicht, hat der würglich alles gegeben, 100 pro, für sich? ich meine für die ziel geh! Staldt der gemein schafft? sein bestes? sein sperma? sein letztlich hemmt?
by the weh: hast du eigentlich schonn deine zielgestalt? wennigstens ein abziehbild davon, das dir keiner mehr wegnehmen kann? achso, du holst dir morgen schonn ein neues by wilber. ja dann! böse läutchens sind nie im vollbesitz ihrer kräfte. böse läutchens dienen einfach nicht gut und wahr und edel und französisch, weil sie sich einfach überhaupt keine 100 % vorstellen können. ich meine wollen. oder sollen. grüße von prunus avium
Und da gibt es auch keine Unerträglichkeit, höchstens der Weg dahin führt durch den Bratofen.
das gefällt mir! das klingt wenigstens irgendwie deutsch. fast schon germanisch. wie ein wahrer held. ein krüger! ich leide, also bin ich. auf dem richtigen weg, in der richtigen riechdung. und du strengst dich nur nicht wirklich an, gibst dir keine mühe, rutschst nicht noch auf deinen hämorrhoiden durchs ziel (wat eigentlich dahinter??), ich meine in deine (oder seine) zielgestalt. fehlt nur noch die trillerpfeife wegen tanzen und so.
... auch universelle Wahrheiten ...
bittebitte: nur eine einzige!: bin ich weiblich oder bin ich männlich? (aber lies erst beim wilberismus nach: bei seinen studien der biologie stieß er wohl auf manches phänomen, das nicht ewig ist: vogelarten, die 4 verschiedene formen von "männlichkeit" aufweisen, fische, wo männchen sich in weibchen wandeln - ohne chirurgie etc.) ja gut, vielleicht zu billig die frage. du hast freie wahl: nur eine eine einzige, bitte!
... und mit schonungsloser Liebe konfrontiere. :-). Freundschaftliche Grüße von Blaufeder
schonkostlose blaubärkonfitüre! beatrice
DIE ALLGEGENWÄRTIGE ERLEUCHTUNG
Die großen Weisheitstraditionen besagen generell, dass sich die Realität zumindest aus drei großen Bereichen zusammensetzt ...
aber wo bleiben die kleinen weisheitstraditionen wie der bitterfelder weg? oder die großen ohne tradition wie christoph spehr oder jiddu krishnamurti?
außerdem ist es gemein, wenn ken wilber einfach mit anderen planeten telefoniert und schon vor uns die weisheiten abgleichen kann! gruß und dank - otto
Vorweg möchte ich sagen, daß ich dabei im Hinterkopf habe, daß die genialsten Antworten darauf Ken Wilber gesammelt hat. Und er hat sich dabei nach seinen Möglichkeiten alles angeschaut, was ihm zugänglich war.
aba hat ehr nu auch wirklich alle fragen gestellt? wenigstens allealle wirklich interessanten? und wer sammelt uns nu die unzugänglichen antworten??? wer hat eigentlich mal - meinetwegen konspirativ - überprüft, ob er wirklich allealle seine 100 protzentigen kräfte vorgespannt hatte, um an alle unzulänglichen antwortschreiben nah, ganz nah oder integratief nah dran zu kommen?
Er hat alles Wesentliche aus allen Kontinenten, alles aus der Geschichte, alles aus der Gegenwart, alles aus Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften und Theologien, Religionen und spirituellen Weisheiten zu erfassen versucht, und er hat auch mit verschiedenen Erkenntnismethoden experimentiert.
wobei er selbers mal zugegeben hat, daß er nicht 1000 km mit eskimos im hundeschlitten rumgegurkt ist, war ihm einfach zu kalt, die ihr filosovieh fehlt ihm (noch!) in dem herde. und weiters war er mal - ken ich alles! - ziemlich ratlos, weil ihm über nacht plötzlich drei viertel (für die, die mit einem oder drei vierteln nix anfangen können - wie spät ist es um zwölf uhr? -: 75%) seines puzzless fehlte: die wissenschaft hatte veröffentlicht (! ma drüber nachchdenken!), daß die menschheit nicht eine sondern 4 millionen jahre alt ist. zumindestens die weibliche. na schau her! da kann er lange ötzi interviewen oder nach intelligentem leben in weihwasserbecken suchen! alle weisheiten! ha! ich war bei unser nachbarin! frau dietrich, 72, versicherte mir, noch nie wegen irgendwas gefragt worden zu sein! na dingens! dabei ist gerda 100 kg deutsche.
Dies alles hat er "eingesammelt" und obendrein versucht, ein integrales System, eine Holarchie, eine AQUAL-Modell zu entwerfen, wo alles einen sinnvollen Platz findet. Und letzteres ist seine Besonderheit, nämlich eine "Theory of Everything" zu entwerfen. Dies ist auch seine ironische Anspielung auf die Naturwissenschaftler, die eine Weltformel suchen und irrtümlicherweise glauben, man könne sie mit einer "objektiven Forschungsmethode" im materiellen Flachland finden.
wann ist eigentlich der sinn voll? wann ist eigentlich etwas annähernd (so 86,12 %) sinn voll? ab wann läuft eigentlich der sinn über?? und wohin???
ein eisenhaltiger laufpaß auf die kulturwissenschaftler, die die wachheit hinter dem flachbildschirm finden und glauben.
Deshalb ist Wilber für mich der interessanteste Philosoph.
vielleicht weil er so schön bunt ist? oder so nach schokolade schmeckt? oder so schön morphogähnetisch redundant mit mir? yappa. grüße von sugata
Integrale Lebenskunst schrieb noch: Liebe Leute, ich fühle mich mittendrin in einer Kulturrevolution. Die Turbulenzen fühle ich innen und außen. Mir geht es ähnlich, wie in der 68er Zeit. Es bricht etwas um. Ein neue Welle emergiert. Ich bin lustvoll erregt angesichts der Möglichkeiten, die sich mir, die sich uns bieten. Dies möchte ich gerne mit Euch teilen.
Das Tolle an der ganzen Sache ist, daß ich als Erwachsener gleich zwei solcher Umbrüche (oder Wellen) miterleben durfte und noch darf.
hoppla! wer hat dir das erlaubt? ist die genehmigung nicht längst abgelaufen? was sagen die chinesen dazu? wo bleibt der umbruch auf madagaskar? wieso hast du nicht die dokumente des 11. plenums der sed studiert und ausgewertet? wo sind deine renft-platten? wieso warst du nie im fkk-oderbruch?
1. Der Umbruch von der konservativen Kultur der Vor-68er hin zu der "grüne Meme"-Kultur, einschließlich Boomeritis.
2. Jetzt fühle ich mich mittendrin in dem Umbruch zu einer "Integralen Kultur", die der "gelben Meme" entsprechen würde.
glücklicher! das würde des menschen ist unantastbar. besonders in den denkwerkstätten in bangladesh und am hunde-fkk in heiligendamm. selbst die konventionelle landwirtschaft bricht weniger boden um - direkteinsaat -, dafür mehr bäume. eh gelb. du hast keinen garten?
Mir kommt es so vor, als würde ich aufwachen. Noch reibe ich mir verwundert die Augen und sehe viele meiner bisherigen Mitstreiter in der Bommeritis weiterratzen. Hhmm, soll ich sie wecken oder noch dem Schlaf der Gerechten überlassen? Aber ich frage mich auch, ob ich mein "Aufwachen" noch träume, so daß meine schlafenden GenossInnen nur Projektionen sind!?
vielleicht träumen deine genießer auch dich? warum bist gerade du keine projektion? meinetwegen sogar der großen weisheitstraditionen? he?
Ja, was ist nun real und was sind meine Projektionen, oder Reste der Boomeritis? Aus diesem Grund brauche ich dringend Deine Rückmeldungen. Aber eigentlich nur, wenn Du nicht selbst noch träumst und in dieser dämlichen Boomeritis festhängst. :-)
Genau, und wie soll ich z.B. so eine Rückmeldung einordnen, wie ich sie jetzt bekommen habe? Ist das Boomeritis?
jede schublade - einordnen - erzeugt konflikt und gewalt. läßt sich lebendiges ordnen? im stall wird's wohl gehen.
Ro Li B. schrieb aber zuvor:
für den wunderbaren satirischen versuch "Stilblüte" (zitat:) "... damit ist alles gesagt..." aus deiner blaufeder gibt es hier erstmal extraapplaus! klatsch, klatsch, yeah, haha!
nun warte ich nur noch sehnsüchtig auf deinen blitz "... damit ist nun aber endgültig und wirklich alles gedacht..."!
fällt dir manchmal was auf? ich meine, neben dem wahn? jedenfalls für den kann ich dringend empfehlen, das buch "Formen der Wirklichkeit" von Laurent Verycken zu lesen.
mensch dieter, deine ganze sprache "das Wesentliche" (oh gott!), "ausreichend effektiv" und unendlich so weiter. ich möchte dir versichern, daß "Formen der Wirklichkeit" dich immens befreien werden.
ciao - roland
Oh, ja, Befreiung, das wäre was! Aber Roland, ich frage Dich, kann mich das Lesen eines weiteren Buches wirklich befreien?
probieren geht über diskutieren. zumal du dir viele worte zum thema denken zugetraut hast. worte sogar als vehikel zum warheutstransport einsetzt.
eijei.
Mein Ego sagt nein, stattdessen muß ich Dir eine Satire zurückpfeffern, die sich gewaschen hat:
Lieber Roland, wenn man erst mal einen Schein aus der Klappse hat, dann kann ich doch sagen, was man will, es wird meinem Wahn zugeschrieben (oder dem, was ich nicht merke). Ich hoffe, das tust Du auch jetzt, wenn Du Folgendes liest.
es ist doch völlig gleichgültig, ob man irgendeinen jagdschein hat oder ja - was sind denn worte?
Deine Antwort assoziiert in mir das Bild, daß Du ein typischer Boomer bist, d.h. ein narzisstisch gestörter Besserwisser. Du fragst mich, ob ich was merke. Ja, ich merke was, ich schau mir meinen Wahn an. Und mein ganz normales Ego, das vor Arroganz nur so strotzt. Ich versuche es wenigstens.
findest du nicht, daß das alles langweilig ist? das soll ne gewaschene satire sein? das ist doch nur die (automatische) antwort, die man halt in unseren kreisen drauf hat.
Bei Dir kann ich so viel Selbstreflexion nicht entdecken. Bist Du über Deinen Wahn schon hinaus und auch über das, was Du nicht merkst? Aber Du weißt ja, den Wahn erkennt man solange nicht, bis die Identifikation bröckelt.
Du bist aalglatt, jedenfalls nicht bröckelig.
gähn. üblicherweise würde ich sagen, du kennst mich ja gar nicht, was weißt du schon von mir. aber es ist einfach zu öde. grüne langeweile. gelbe langeweile: von eigenen spiegelfechtereien zu labern. gehobene langeweile: mein wunderbarer schwanz ist überhaupt nicht aalglatt. aber es hat einen reiz, mich von anderen identifizieren zu lassen.
Du applaudierst über meine satirische Feststellung, daß alles gesagt sei und empfiehlst mir ein Buch mit dem indirekten Hinweis, daß ich noch belehrungsbedürftig sei. Letzteres stimmt in mancher Hinsicht. Du meinst aber nur, daß für Dich alles gesagt sei...
na geh. belehren kann man niemanden. und geredet wird unendlich. dem geht auch nicht so einfach der saft aus, wie es im vergleichbaren bunte-bilder-internetflachland sein wird. ich meine physisch-energetisch.
und es wird auch zappliger weise weiter versucht, allgemeingültiges zu sagen. wer's braucht... ich bin nicht gespannt, ob man's erfindet.
...und daß nur noch ich dringend (!) dieses Buch lesen müsse, damit mich die "Formen der Wirklichkeit" befreien mögen. Warum willst Du mir meine Form des Wahns wegnehmen?
Dabei entsteht das zweite Gespinnst in mir, daß Du weder meine Satire richtig verstanden hast, noch das, was das "Wesentliche" ist. Dabei hat uns doch Hölderlin aufgerufen: "Mensch werde wesentlich!"
daß ich das "wesentliche" verstanden hätte, werde ich auch fürderhin nie behaupten wollen, da es für mich hausgemachte fiktion/kategorie/sonstwas bleibt, möchtegerndenken.
kannst du mir sagen, was das wesentliche eines steins ist? und wenn ich andere leute frage? das wesentliche eines eichbaumes? und frag ich danach einen argentinier? das wesentliche des menschen? des seins? reichlich absurd. schlicht idiotisch. extrem relevant eben.
auch beethoven hat schöne gedichte gemacht.
Ach so, jetzt gerade fällt bei mir ein Groschen, Du bist längst beim "Wesentlichen" angelangt. Und wenn ich nun immer weitere nach dem "Wesentlichen" suche, hast Du Angst, ich könnte entdecken, daß Du es bereits hast und ich es Dir dann klaue.
gähn. extrem gähn.
Ich kann nur ebenfalls aufstöhnen: Oh Gott, diese Boomer, die "Götter" der anderen halten sie für Götzen, nur den eigenen Gott, den sie selber heimlich haben, den verstecken sie vor sich selber, weil sie ahnen, daß ihr Gott "Unwesentlichkeit" oder "Ego" heißt, aber nach außen repräsentieren sie die ganze Größe eines ausgewachsenen Gottes, der solche grandiosen Sätze wie diesen spricht: "mensch dieter, deine ganze sprache 'das Wesentliche' (oh gott!), 'ausreichend effektiv' und unendlich so weiter. ich möchte dir versichern, daß 'Formen der Wirklichkeit' dich immens befreien werden."
Was soll ich als Blaufeder dazu sagen? Vielleicht dies: Danke, danke lieber Gott, ich hab doch schon so viele Bücher gelesen, noch eins mehr macht mich vielleicht nur noch arroganter. Nein, lieber Gott, lass mich bitte so, wie ich bin, ich will auch keine frechen Reden mehr halten.
dies kommt wahrscheinlich arrogant an, was ich frage, aber ich würde dir gern ruhig in die augen schauen, schlicht fragen, weil ich keine arroganz fühle: was an deinen reden soll denn frech sein? dein spruch über den cia (schau mal auf www.wahn.us!)? oder das es beim rückbau überzähligen büroraumes in new york so viele tote gegeben hat, und wir deutsche das in der ddr viel besser hinkriegen mit dem abriß der plattenbauten (1,3 millionen wohnungen stehen im osten leer)?
Meinerseits sage ich Dir, lieber Roland, bleib so wie Du bist, ich will Dich nicht ändern, dann bleibt mir auch genug Stoff für neue Satiren.
und wenn du wolltest? wie denn?
Du solltest mir deshalb unbedingt schreiben, was in dem Buch steht, sonst nerve ich Dich weiter mit meiner Art von Besserwisserei. Ja, ja, Deine Mail zeigt mir, daß längst noch nicht alles gesagt ist.
Scheiße, jetzt muß ich schon wieder tun, was ich dummerweise selber will:-). ...
Hallo Roland, soll ich Dich vorsorgehalber aus dem Verteiler rausnehmen?
damit kommst du dir echt wichtig vor, gell?
Der von Dir angedeutete (Geistes-) Blitz fällt nun ganz anders aus, als Du vermutet hast. Es ist noch längst nicht alles gedacht, was noch zu denken ist, insbesondere von denen, die glauben, es sei schon alles gedacht, zumindest von ihnen selbst. :-)
ich hatte vermutet, daß du vielleicht auf den trichter kommst, welchen sinn das macht, alles zu denken. oder dies zu wollen. und wie entspannend es sein kann, wenn das denken sich selbst entdeckt.
und ich glaube von mir nicht, alles gedacht zu haben. klar ist mir jedoch, daß ich keine allgemeingültigen wahrheiten entdenken kann. da bin ich wirklich lieber im garten.
Hochachtungsvoll gegenüber allen Besserwissern Eure Blaufeder
tschö - goldkern silberlicht
Auf der anderen Seite gibt es in mir nicht nur den, dem es leid tut, wenn ich jemanden beleidigt habe, sondern auch den, der fragt, was will hier aus dem Sumpf meiner Unbewußtheit wirklich ans Tageslicht kommen. Welche Chance steckt in der Offenlegung meiner Polemik z.B. gegen Roland oder gegen andere?
wer soll dir das beantworten können? wie die gedanken ist auch das unbewußte folgerichtig unendlich. und dann noch sumpf! schon die konflikte, auszusondern, was davon ans tageslicht soll! schaffen neues unbewußtes. viel vergnügen. die chancen, auf der stelle zu treten, stehen gut. füße waschen - wird sauerkraut draus. oder butter. oder stampflehm. ... mach was draus. aber nicht irgendeinen bedeutsamen hokuspokus. hält nur vom leben ab, würde ein freund jetzt sagen.
Mir würde es helfen, wenn hier jemand in die Tiefe blicken kann, nicht verurteilt, sondern die tatsächlichen Defekte zeigt, aber auch das, was an Positivem geboren werden will.
das kannst nur du sein. und du mußt auch wollen. aber schon allein der begriff dirtreubleiben läßt sich nicht auflösen, nicht wahr? wer will denn sagen, wer du bist?
Dies ist mein Forschungswunsch. Ich wage mich hier in etwas vor, für das sich andere wohl zu gut halten. Ich übe mich darin, den Bösewicht in mir aufzudecken. Ich fühle mich dabei z.T. allein gelassen.
brauchst du trost, bestätigung, christlichen beistand, ein taschentuch, anfeuerung, fragen? es ist doch so endlos, wie die unendlich vielen waren maßstäbe.
wie geht es dir?
... es hat aber überhaupt nichts mit dem Sinn zu tun, den mir der Kosmos zugedacht hat.
ja, wenn auch noch der kosmos (einer der vielen reicht schon) anfängt zu denken. herrje. ich und meine aufgaben, die mir irgendwer/irgendwas stellt... übrigens fällt diese art filosofie zu betreiben mit der einführung der schulpflicht in preußen zusammen.
ja also, da kriegt man seine zeugnisse mit beurteilung. wenigstens gut, daß der kosmos deutsch spricht. ich meine: denkt. wie sind deine kopfnoten, roter mann? nicht  deine  selbsteinschätzung! sport war gut und nun willst du auf der abendschule abi nachmachen? was waren denn deine abschlußprüfungsfragen? jüngste gericht kommt noch? tja, wieviel sinn man sich so macht. immer geile metametafern auf tasche. oder klischees wie gelernt.
Spät, aber vielleicht nicht zu spät, hole ich meine Pupertät nach und entdecke meine Lust
mich um mich selbst zu drehen und anderen meine ausgebreiteten arme um die nüschel zu kloppen, so fühle ich, daß ich wirklich bin. und wenigstens könnten die popänze mal aua sagen.
Ich kann sagen, daß es mir um Roland leid tut.
oh, danke ergebenst. behalt doch diesen größenwahn für dich, bitte.
Vielleicht versteht er die Welt nicht mehr und einige von Euch auch nicht, weil ich normalerweise als freundlicher, zurückhaltender, Mensch auftrete.
ich für meinen teil fühlte mich weder überrascht noch angegriffen. etwas vom hochtrabenden gelaber ging mir auf den sender, gut.
und ich schreibe, weil ich paar wortspielereien und impulse loswerden wollte, dann noch aus meinem helfersyndrom heraus und weil ich viel zeit habe, seit ich mir letztens paar sehnen mit der kreissäge durchratzte. ich liebe letzte wahrheiten!
Mensch, siehst Du denn nicht, daß ich mir ganz bewußt einen Popanz aufgebaut und ihn dann verdroschen habe? Hallo Roland, tut mir leid, ich meinte nicht Dich, sondern meine Projektionen.
holla dieter, weiß ich doch, nichts für ungut!
Bist Du schon mal auf den Gedanken gekommen, daß alles, was ich hier geschrieben habe, Du geschrieben haben könntest? Daß ich das nur stellvertretend für Dich mache?
Könnte vielleicht die herzlose Polemik gegen "Roland" in Deiner Phantasie entstanden sein mit der ängstlichen Anstrengung, bloß nicht selbst als Täter oder Opfer identifiziert zu werden?
na wenn du sonst keine sorgen hast.
Du hast keine Chance, nutze sie.
son bart! das original ist passender: ich habe nichts zu sagen und ich sage es! (andy warhole?)
Blaufeder
rotbart

SPUREN

Teil 3

Ja, soll ich mein Bein mal freimachen? Kein Problem, ich trage selbst im Winter selten lange Unterhosen. Schau her, da außen, unterhalb des Knies. Schräg, was? Ich habe die Narbe nachgemessen: 16 cm lang und mittig einen guten Zentimeter breit. Gemacht hat mir das keine Frau. Aber mein Pech war, daß die behandelnde Chirurgin irgendein diffuses Rachebedürfnis geleitet haben mußte. Oder ein konkretes? Diesen Tropf da vor ihr büßen lassen - für seine Leichtfertigkeit? Oder sein very männliches Heldentum? Oder selbst - keinen mehr abgekriegt? Sieht man deswegen so verhärmt aus? Oder doch eher, weil man sich einen eingefangen hatte? Jedenfalls warf sie auf die klaffende Wunde nur einen kurzen Blick, eine wegwerfende Geste zur Schwester und sogleich war wieder ein Verband rum, nix klammern, schon gar nicht nähen - haste davon. Und ich war zu blöd, überhaupt auf den Gedanken zu kommen, so was von der Frau zu verlangen. Höchstens erst 2 Tage später, da machte ich mir solche Gedanken. Aber dort in der deutschen, demokratischen Poliklinik war ich nur leichtgläubig erstaunt und resolut fügsam. Bei meiner Mutter hatte ich ja auch nie groß rumgezuckt.
Aber was war das gewesen, das mir den Unterschenkel zuvor aufgeschlitzt hatte und so seine Spur hinterließ? Ich weiß es nicht genau. Die Stoßstange des Wartburgs? Das Schutzblech meines Fahrrads, die Kinderfußraste an der Vorderradgabel? Oder kam ich mit dem Bein meinem rasenden Wurzelchakra zu nahe, als mich das Auto samt Fahrrad von der Kreuzung schob?
Ey, Scheiße! Die sind ja schon ran! Bloß gut, daß der Fahrer bremste, als ich ihm von rechts aus der Seitenstraße vors Auto rauschte und gleich vor der Motorhaube seines 353 zu einer Bodenprobe verschwand. Ich kam nicht unter die Räder, nicht zwischen Baum und Auto und schlug auch nicht mit meinem Schädel aufs Pflaster. Glück gehabt. Helfende Hände räumten mich und die beiden heilen Ventile mit einem verbogenen Fahrrad dran auf den Gehsteig, versahen mich mit einem Verband, den Riß in der Hose mit 2 Sicherheitsnadeln und sich mit meiner Adresse. Denn natürlich mußte ich deswegen später noch zur Bullerei, was mir keinen Stempel brachte, da ich einfach sagte, ich hätte keine Fahrerlaubnis, aber einiges an Ordnungsgeld kostete. Dabei wollte ich an besagtem Tag nur wie gewöhnlich zur Fachschule in die Straßmannstraße und hatte gerade meine kleine Tochter Julia im Körbchen am Lenker und meinen noch kleineren Sohn Clemens in der Trage vorm Bauch unter der Jacke (November!) zur Krippe gebracht. Und wie gewöhnlich änderte diese Art Leichterung des Fahrrads meinen Fahrstil oder meine Lebensgeschwindigkeit in eine AggressiveBerserkerHypeSpeed. Diesmal nur für knapp 100 Meter, der Trabbi vor mir, an den ich mich hängte, schaffte die Wisbyer, knapp bevor der Pulk von links ran war.
Zur Poliklinik "Dr. Karl Kollwitz" an der Prenzlauer Alle waren es vom Unfallort nur 400 Meter. Direkt jedenfalls. Und nachdem ich noch die wichtigsten Erledigungen in der Schönhauser erledigt und das verbogene Fahrrad nach Hause geschultert hatte, schaffte ich es noch vor die Flügeltür der Notaufnahme am Giebel des großen, neuen Hauses. Wo ich vor Schmerzen dann doch schon von einem Bein aufs gleiche trat. Und es dauerte und dauerte, nichts rührte sich, daß ich sogar befürchtete, erst am nächsten Tag dranzukommen. Aber weggegangen wäre ich nicht.
Als ich nach der faktischen Nichtbehandlung wieder zu Hause war, wußte ich's auch nicht besser. Oder besser: wie gewöhnlich dachte ich einfach nicht an mich. Was Narben hinterläßt.
Das war ein Jahr vorher ähnlich. Irgendwie war mein rechter Fuß so geschwollen und tat weh, und ich ging zum Arzt, wo geröntgt wurde. Wie das?: Am großen Zeh am letzten Gelenk war was vom Knochen abgesplittert und begann schon zu verwachsen. Natürlich vom Fußball oder? Klar, wenn es so einen Spaß machte - und das war im Sportunterricht an der Fachschule die Regel. Da wurde draufgedroschen, daß die Wände wackelten oder gelacht, bis sich der Staub verzog (Hartplatz): Schuko läuft aus, weil er den Paß nie im Leben kriegen kann, "Los, nu renn, der is gut!" - "Kann nicht, hab grade eine Erektion!". So was und schöne Tricks und Tore. Und verdeckte Brüche.
Spuren
Ruhigstellen des Fußes sollte da noch was bringen, ich bekam Gips, einen "Spaltgips" - weil der Fuß zu dick war, und Krücken. Spuren hinterließ diese Zeit besonders im Gedächtnis. Denn Gabi war im 9. Monat mit Clemens schwanger und lag im Krankenhaus Friedrichshain zur Beobachtung wegen Blutungen. Und ich war mit Julia - süße eineinhalb - allein zu Hause. Sie trieb unermüdlich, kichernd und behend ihr Spiel mit mir und mich nahe an den Wahnsinn: sie rannte einfach weg, von einen Raum in den anderen und zurück. Ich konnte sie ja nicht greifen - bis ich mal eine Krücke abgestellt hatte... - weder fürs Essen, noch zum Waschen, schon gar nicht für den Topf. Einen Durchschlupf fand sie fast immer. Höhepunkt dieses Ausdauerkampfsportes war mal ein Finish zum Pullertopf: ich hatte sie endlich ins Bad getrieben und blockierte die Tür, sie wich zurück und ich näherte mich langsam, dann stürmte sie vor, ich schmiß ihr noch eine Krücke in den Weg, sie sprang in einem Reflex rüber und war schon in der Küche, während ich aus dem Gleichgewicht gebracht knapp an der Badewanne vorbei zusammenbrach und im Fallen ihren Jubel durch 3 Räume hindurch vernahm. Frag mich bitte niemand, wie ich es zu den Besuchszeiten in den Friedrichshain schaffte, die S-Bahn-Treppen...
Ihr langweilt euch ein bißchen? Nein, zu jeder Narbe am rechten Bein werde ich nicht etwas erzählen, jedoch einiges kommt da noch. Hier mache ich weiter mit zwei äußerlich eher unscheinbaren Übrigbleibseln, die sowieso nicht jeder zu sehen kriegt und was es an Wellen machte, da schweige ich meist lieber. Meine Eichel hat einen Leberfleck. Bekommen. Und nahebei eine winzige Beule, wie ein Minnipickel. Und sie war makellos. Manchmal fühle ich mich machtlos. Ich stand im Wäldchen in Zarnekla und pinkelte. Mittendabei setzte sich eine Mücke auf die Eichel und stach schneller, als ich drosseln konnte und sie verjagen. Das tat schlimm weh, ein Jucken, unmöglich zu lindern, und die Haut reagierte ganz empfindsam mit einem großen, hellroten Fleck. Was mich gleich traurig stimmte, denn seit ich mich naturnah ernährte - also meist genannt "Rohkost" - reagierte ich auf Mücken- oder Bremsenstiche nicht mehr. Aber gerade da. Klar, der sensibelste Teil von mir. Fast einen Quadratzentimeter groß juckte es ein paar Tage vor sich hin. Wäre ich deswegen so gern unversehrt, weil ich ein lustvoller Mensch bin? Geblieben sind ein kleiner bräunlicher Fleck und meine Empfindsamkeit. Und gar nicht lange danach war ich in der Badewanne, mich zu waschen, und sah einen kleinen schwarzen Punkt auf der Eichel. Oh nein! Bitte nicht! Meine Wahrnehmungsfähigkeit wollte am liebsten ohnmächtig werden: eine Zecke. Cool bleiben. Am besten erstmal wachsen lassen, daß die besser rausgeht. Aber ich hielt es nur eine Viertelstunde aus: da hat nichts was zu suchen, verdammt! Da will ich glatt und schön und weich sein! Wo ist die Zeckenzange? Ach nein. Ich krieg's nicht fertig, ich zitter viel zu sehr. Mist, verdammter! Verdammter Scheiß! Den Tränen nah bat ich Nathalie, ihr Glück zu versuchen. Ich weiß jetzt besser, wo ich sehr verletzlich bin. Und der Zeckenkopf riß natürlich ab und blieb stecken. Es dauerte ewig, bis der verdaut war. Seine Spur blieb.
Auf welche Stimme hören? Welche Stimme laut werden lassen?
Nicht zu laut, denn links klirrt es dann in meinem Ohr mit. Genau betrachtet ein kleiner Riß im Trommelfell. Meine rechte Hirnhemisphäre bekommt also weniger Futter. Aber mein rechtes Ohr verfällt oft genug in Solidarität und öffnet sich dann ebenso nur noch den sanften Tönen. Lange Tage - ich war kurz davor, 18 Jahre alt zu werden - konnte ich am liebsten gar nichts hören. Permanentes Klirren, Brausen, Scheppern in den Ohren. Die Angst, das bliebe so, kam in der ohnedies finsteren Zeit vielleicht noch als unvermeidbarer I-Punkt zur Geltung. Ich war ja gerade frisch von der ABF geext, wo ich nicht nur einen Haufen Illusionen ließ, sondern auch erstmal alle Perspektiven los wurde. Ach, es gab in der Zeit so eine Masse I-Tüpfel! Daß mir ein lütter, selbstgebastelter Sprengsatz Silvester 79 in der Hand vorm Gesicht losging, war nur einer der lauteren, blutrot eingefärbt.
Roland
(Fortsetzung folgt!)

Re ¤ act ¤ or

Wir sind auf dem Heimweg von Zarnekla- Lapsus 2004, wo wir uns dieses Mal wieder sehr wohl gefühlt haben. Es war schön, die Lapsoten wiederzusehen. Einen großen Dank an alle, die zur Vorbereitung von Lapsus beigetragen haben (Essen, Räumlichkeiten, Organisation). Absolutes Vortragshighlight war für mich Elisas Red-Hot-Chili-Peppers-Vortrag und das nicht nur weil sie meine Tochter ist. Ich konnte ja mit ansehen, mit welchem Enthusiasmus und Spaß sie daran gearbeitet hat. Und dass sie den Vortrag so souverän rüberbrachte, lässt mich schon stolz sein auf meine Sweet-little-sixteen.
Großen Spaß haben mir auch die Bauernolympiade (trotz schmerzlicher Erfahrung beim Tauziehen) und die Waldspiele gemacht, wobei ich bei letzterem schon ein wenig um mein Augenlicht (spitze Äste in Augenhöhe) und heile Knochen gefürchtet habe.
Großen Dank an alle, die sich beim Improtheater nicht scheuten sich zum Hans im Glück Rapunzel, Schweinepriester u.ä. zu machen. Mir, und ich hoffe euch auch, hat es großen Spaß gemacht. Großes Kompliment an Eric und Milan, die einsame Klasse waren.
Atmosphärisch und schön bebildert war der Cure- Vortrag von Roland. Die Lesungen von Achim fand ich sehr schön, allerdings war mir "Der Eisenmann" von der Geschichte her lieber. Leider lagen Achims andere Beiträge (und nicht nur seine) wieder einmal zu tief in der Nacht, so dass wir schon weg waren, als sie liefen- schade. Vielleicht sollte man das nächste Jahr mit den Live-Beiträgen früher anfangen. Zum Beispiel wäre der Auftritt von Gehlis Band um 16.00 völlig o.k. gewesen. Dann könnte man wenigstens Erst-Beiträge bis 0.00 Uhr unterbringen. Apropos Gehlis Band. Ich war von der musikalischen Qualität überrascht. Besonders der erste Teil gefiel mir. Ich muss auch sagen, dass sich Eric getraut hat mitzuspielen, war bewundernswert. Leider war die E- Gitarre häufig zu dominant und die anderen ebenfalls wirklich guten Musiker gingen etwas unter. Aber Gehli scheint das wohl zu brauchen. Trotzdem, bei allem Recht auf die Darstellung des Egos (wobei sich das als Alleinunterhalter besser macht), fand ich es doch bedauernswert, dass Gehli nicht die Reife besitzt, ein Kind nicht zu diesem Zwecke vorzuführen.
Sehr interessant und beeindruckend bebildert, war auch der Mali- Vortrag von Frank.
Alles in allem, waren die Tage schön, und erste Ideen fürs nächste Jahr sind schemenhaft schon am Lapsushorizont aufgetaucht. Noch einmal Dank an die Organisatoren und liebe Grüße an alle.!     Ginger

Aus dem Gästebuch in Zarnekla:

Vielen Dank für der schöne Blieb und lecker Essen! Euch seid alle sehr sehr nett. Ich habe ein sehr gutes Zeit gehabt. Deine Freundin aus Arizona die schreibt nicht sehr gutes Deutsch.    Mead
Die Tage hier waren wieder schön - erholsam, lustig, mehrsam. Es war schön, euch alle wieder und neue Leute zu sehen.     Ginger
Obwohl mich schon wieder die Sprachlosigkeit bei spontanen Situationen übermannt, fand ich die Tage hier sehr schön. Allerdings hat mich die galaktische Gewaltbereitschaft schon gewundert (Impro-Theater).     Hans
Sprachlos werde ich bei diesen guten Vorträgen, den Geschichten, der zwanglosen Organisation, dem guten Essen, dem guten Wetter...    Anja
Leider viel zu selten, dass ich zum Lapsus kommen kann. Gerade darum vielen Dank für die Anregungen zum Innehalten und Richtungswechseln.    Peter A.
Jetzt ist also auch das kleine Maikater in die Lapsuskultur eingefuehrt und sehr begeistert (!) und erfreut (!!) (Ich auch) und deswegen sind wir auch sicher nicht zum letzten Mal hier gewesen.     Grüße und Küsse an alles, was da kreucht fleucht lebt und webt,     Julia + Maik
danke für einen wundervollen frühlingsaufenthalt mit fröhlich-freundlichen Lapsusmenschen. bis bald     johannes

Hallo Roland, zu Deiner CD-Kritik [im LOver 36]:
Ich hatte nicht die Absicht, Dich mit meiner Musik in einen meditativen Taumel zu versetzen. Ehrlich gesagt, habe ich beim Musikmachen überhaupt nicht an Dich gedacht. Und was den "satten Sound" angeht, so kannst Du für mich gerne eine neue Spendenaktion starten, damit ich mir ein entsprechend teures Equipment zulegen kann, um diesen zu erzeugen. Obwohl Du vor einigen Jahren ja bewiesen hast, dass man auch mit einer einfachen Konzertgitarre einen "satten Sound" produzieren kann. Gruß     Dirk
Lieber Achim! Zitat aus dem LOver 36: „Fingsten 2004 in Zarnekla? Wer Ja sagt, muß auch Bescheid sagen. Ich habe wieder Lust auf ein "LAPSUS live" in Zarnekla. Wer noch? Die Türen sind offen, ein Koch ist schon vergattert, Idee gibt es genug, herzliche Einladung steht. Hier. Roland“ Ist das eine „persönliche“ Einladung?
Bei Sonnenschein und inmitten einer schönen Landschaft trafen nach und nach die Gäste ein. Es gab manches Wiedersehen und viel Interessantes zu hören und zu sehen. Ginger übertraf sich mal wieder selbst und die beiden „Theatergruppen“ sorgten für viel Spaß und Freude. Auch die Kinder spielten gut mit. Lisa machte ihren Beitrag bestens. Der Sero-Beitrag war den Ossis sehr vertraut, der Bildgegensatz meist perfekt. Der Eisenmann fesselte Jung und Alt. Aber nicht nur das Vorlesen war gut, auch die Technik klappte wieder. Wie macht ihr das nur, Achim? Die Waldspiele werden die meisten nicht vergessen und Olympia war klein aber fein. Die Kapelle hätte schon früher beginnen können. Auch ein Höhepunkt und sicher nicht der einzige. Alles habe ich auch nicht gesehen. Aber neben der Kultur braucht der Mensch auch was zum Essen. Jeder hat da so seine Gewohnheiten, aber ganz ohne geht es auch nicht. Nun könnte ja jeder sein Essen und Trinken selbst mitbringen, aber dann ginge das Beisammensein bei der gemeinsamen Mahlzeit und deren Vorbereitung verloren. Das wäre doch schade. Also muss eingekauft werden, was auch vorsorglich getan wurde. Das ist nicht einfach, es soll ja reichen für alle. Aber kann nicht jeder herumsuchen, wo wohl etwas zu finden ist. Es muss bekannt gemacht werden, was da ist und wo es sich befindet. Entweder steht alles an der Pinnwand, oder es gibt jemanden, an den man sich wenden kann. Der vergatterte Koch? Oder der Herr des Scheunenhofs? Einer muss wissen, wo alles ist und wie es ungefähr laufen soll. Das erspart eine Menge unnötigen Ärger. Sicher gibt es noch andere Möglichkeiten. Für die viele Arbeit zuvor, die oft noch auf zu wenige verteilt ist, entschädigen dann die vergnügten, lehrreichen oder nachdenklichen Stunden. An den Lapsustagen finden sich dann doch immer Helfer, die gerne zugreifen, wenn sie wissen, wo es lang gehen soll, dann macht es auch allen Spaß. Und auf das Wiedersehen freut man sich schon lange vorher.  Anni

Aus dem Gästebuch in Zarnekla:

Liebe(r) Roland, Nathalie, Clemens, Marlin, Olaf, Coline (unbekannterweise) ... ! Noch im Morgengrauen mache ich mich wieder auf. Etwas mehr als fünf Tage war ich hier, aber es kommt mir vor, als wäre ich in eine andere Welt eingetaucht. Ich bin begeistert und berauscht von diesem Ort! Seit Ewigkeiten hab ich hier mal wieder meine Zweitlieblingsblumen, Kornblumen, gesehen :-). Euer Leben, Eure Ideen + Kunstwerke, Eure Lebensweise und Gastfreundschaft haben mich zutiefst beeindruckt. Der Eindruck, den ich von LAPSUS erhalten habe, hat mich motiviert + inspiriert. Danke, daß ich hier sein durfte! Sehr schade, daß ich zur Erdbeerernte nicht da sein werde... Ich wünsche Euch allen von Herzen das Beste! Viel Glück beim Moped-Such-Kauf, Haus bauen, Baumpark verschönern und Euren anderen Wünschen und Träumen. Liebe Grüße * Line *
Danke für diese Eindrucks-volle Zeit hier in Zarnekla. ich habe mich sehr wohl gefühlt, sehr lebendig, und vieles scheint so vertraut... Auch ein bißchen mehr Mut und Kraft kann ich mitnehmen von hier, Vertrauen in mich und Achtung vor allen und allem. Ich freu mich bereits aufs Wiederkommen.  Susann

Lieber Roland, wie ich mit Erleichterung von dir hörte, hat dein Heim die LAPSUS-Tage ohne nennenswerte Verluste überstanden. Da glücklicher Weise deine Küchentürbeule der heftigste Unfall war und weder von der leider etwas scheuen Colin, noch von den Zeltern Bemerkungen kamen, wie wir sie in vergangenen Jahren auch schon hören mussten („Das war die Hölle!“), können wir das 21. LAPSUS LIVE eigentlich als vollen Erfolg und angenehme Erinnerung einsortieren. Leider finde ich einige kritische Bemerkungen aber doch unerlässlich. Sie betreffen deine Art der Reaktion auf Leute, die ihre Fragen eigentlich deshalb stellen, weil sie nicht einfach in „deinem Reich“ nach Belieben rumfuhrwerken wollen, sondern nach einer Hilfe suchen, die es ihnen ermöglicht, die „Probleme“ so zu lösen, dass du damit kein Problem hast. Und da sind auch leichtere Formen des Anblaffens völlig deplaziert. Und erst bei der dritten Wiederholung der gleichen Frage würde ich einen ironischen Unterton für angebracht halten, mehr aber auch nicht – eine einfache Frage der Gastfreundschaft. Du selbst wolltest das Thema Essen, bei dem es diese Situationen vor allem gab, eigentlich in vergatterte Hände legen, die dich dann aber leider im Stich gelassen haben. Trotzdem kein Grund, den Frust darüber anderen aufs Brot zu schmieren. Henning und Johannes wären sicher Manns genug gewesen, um die organisatorischen Dinge weiterzugeben an die willigen Helfer, die sich noch jedes Mal ausreichend gefunden haben. Sie konnten aber häufig auch nur auf dich verweisen. Die halbe Stunde, um das prinzipiell zu regeln, hättest du dir nehmen sollen. Das nächste Mal sollte also ein Speise-(vorbereitungs)plan für mehr Klarheit und weniger Unsicherheiten sorgen. Denn Lapsusen sind ganz bestimmt keine Troublemaker – aber auch keine Hellseher, die die Vorräte und ihre Verwendungsabsicht intuitiv finden und erkennen.
Jetzt wird’s aber höchste Zeit, ein großes Dankeschön zu sagen, dir und allen auf dem Hof, die sich für LAPSUS LIVE ins Zeug legten und so eine Wiederauflage dieses seltsam-schönen Festes ermöglichten. Ich bin regelrecht gerührt, dass die Idee immer wieder auf so fruchtbaren Boden fällt, dass sich selbst Zufallsgäste wie Susann kein bisschen fehl am Platz vorkommen, dass es diese Momente eines regelrecht heimeligen Miteinanders gibt – mit erstaunlich kurzem „Anlauf“, dass sich unter dem im Mai 1980 ausgeheckten Motto so talentierte Leute engagieren und dass inzwischen die zweite Generation dieses Fest ziemlich locker mit rockigem Leben füllt. Es tat mir richtig leid, dass ich nicht den beliebten Rückblick für die Neulinge neu aufgelegt habe. Da hätte sich dann am Sonntag vielleicht doch eine Diskussion zu LAPSUS LIVE 2005 ergeben.
Um die Vorbereitungen für Nr. 22 etwas zu vereinfachen und die Gefahr einer Staublunge weiter zu senken, wären einige Dinge vielleicht von Vorteil: Zum Einen sollten die Sitzgelegenheiten im Sonnenraum in den ja relativ langen Saisonpausen abgedeckt werden, erst recht bei dem inzwischen mehrfach gerissenen Dach. Zum Anderen wäre es toll, wenn sich da oben wenigstens ein Fenster öffnen ließe. Jetzt ist der Durchzug eher bescheiden und die Staubbelästigung beim Säubern gewaltig. Und den Teppich kann man bei Nichtgebrauch sicher einrollen und so auch vor unnötiger Verschmutzung schützen.
Um generell in der Scheune ein paar Schritte weiter zu kommen – die Lehmwandbaustelle unten ruht wohl schon eine Weile – ließe sich auch ein Subbotnik in das Programm von LAPSUS LIVE 2005 aufnehmen. Die langen Kerls wollen ja vielleicht nicht nur in der Hängematte liegen... :-)
Den gemähten Lagerfeuerplatz habe ich ja erst bei „Do the Didgeridoo“ entdeckt, obwohl ich schon seit Mittwoch da war. Da war der (Motor-)Sensenmann ja ganz schön unterwegs. Dass bei all dem Vorbereitungsstress auch noch Muße für die schön verzierte Lehmwand im Sonnenraum war, ist schon ziemlich erstaunlich und einfach ein extra Dankeschön wert.
Und damit komme ich jetzt zum LAPSUS-Programm selbst. Von den Vorträgen der anderen war mir vieles Anregung und auch Vergnügen: Frank erzählte spannend und detailreich von seiner (wunderbar bebilderten) Mali-Reise; Roland wagte die These, dass es nicht die Originale sein müssen, die die Botschaft eines Songs am besten transportieren; ließ sekundäre Informationen auf prekäre Bilder prallen und nahm uns mit auf eine anrührende Reise in die Nähe; Elisa transformiert ihre Begeisterung für eine der interessanteren Bands der jüngeren Rockhistorie in einen unterhaltsamen Schnitt quer durch die Pfefferschoten; Anna und Judith legten Songs auf, die einem mit französischem Charme und Akzent klar machten, warum man sich immer wieder so auf LAPSUS freut: Wegen der langen Pause dazwischen! „Wie soll isch misch nach dir sähnen, wenn du stäts bei mir biest!?“.
Besonderer Höhepunkt sind für mich immer die Programmpunkte, bei denen nicht nur aufmerksames Konservenlauschen angesagt ist. Wirklich! J Dazu zählten in diesem Jahr die Didgeridoo- und Trommelsounds am Lagerfeuer, die spaßige Bauernolympiade, der musikalisch überraschend breit gefächerte Auftritt von Jamboree, die sinnlichen Waldspiele und der von Ginger exzellent moderierte Theaterjux. Dieses Spektrum ist sicher nicht nur für mich beeindruckend. Und die Tradition von SPINNE und Perfohrmensch sollte auch weitergeführt werden... Vielleicht haben Anna oder/und Maria eine Idee für ein gemeinsames gestalterisches Projekt für LAPSUS LIVE Nr. 22? Ein FLuxus, den wir uns leisten könnten... :-)
Eigentlich müsste ich ja ein bisschen mit dem Schicksal meiner Beiträge hadern, denn der Vortrag, der mich am meisten Vorbereitungszeit kostete – „Der Herr des Scheunenhofs“ – fand nur drei Zuhörer, von denen maximal zwei zu später Stunde anwesend waren. Aber erstens kenne ich ja eigentlich kein Pardon mir gegenüber – solange ein Zuhörer da ist, gibt’s meine Beiträge auch. Zweitens kann man ja auch gar nicht abbrechen, wenn Nachts um halb zwei Frank aus Stralsund mit dem Rad eintrifft und fragt, ob er – das studierte Programm erwartungsfroh im Kopf – den Vorfilm verpasst hat. Und drittens gibt’s den Vortrag dann eben im nächsten Jahr zu einer anderen Zeit... :-)
Das Interesse an „Verschwende deine Jugend“ und erst recht am Vorlesen von „Der Eisenmann“ hat mich jedenfalls sehr gefreut. Haben wir nicht absolut brave Kinder zu Gast gehabt!? Einfach toll und eine wahre Freude! „Ich war Babuschka“ war thematisch sicher ein Extremfall für LAPSUS, aber die Art des Interesses und Engagements von Peter Henri Schiller hat mich dazu bewogen, das Risiko einzugehen. Und ihr habt es ja nun wirklich nicht nur „überstanden“. Womit wir irgendwie wieder beim Anfang wären. Auch der Vorbereitungen für LAPSUS LIVE 2005. Keep On Rockin‘!  Achim
Zarnekla
Lieber Roland, schon zu lange liegt Deine Karte und der letzte "Lapsus Lover" bei mir im Rucksack, und ich habe mir schon zu lange vorgenommen, zu antworten. Ich bin auch am Lapsus Lover weiter interessiert.
Die "Einladung" kenne ich schon von meiner Liebsten Ulrike. Den Artikel von dem Stasi-IM über Dich (ist das aus Deiner Stasi-Akte?) in Basepohl fand ich auch sehr interessant. [...]
Jetzt sind 10 Leute fest in Dargelütz, wir haben auch einen Computerspezialisten (ex-Geschäftsführer einer erfolgreichen Computerfirma), der unser neues Büro, Kommunikation und Internet/Medienarbeit aufbaut. Seit Frühjahr gibt es jetzt auch eine kleine Landwirtschaft bei uns mit Hühnern (die nicht geschlachtet werden dürfen), Bienen, einem Gewächshaus und aktiven Leuten.
Seit Mai bin ich pilgern, erst war ich in Potsdam, Frankfurt (Oder), Dresden, Zwickau, Plauen und Leipzig, dann haben wir in Bestbesetzung (10 Leute) in Halle eine Peinlichkeitswoche (jeden Tag eine neue Peinlichkeit) veranstaltet. Das war toll: Wir sind mit einer Sklavenkarawane durch das Arbeitsamt, durch die Kaufhäuser, Uni, Hauptbahnhof und die ganze Stadt gezogen (mit Schildern: "Nehme jede Arbeit an", "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen", "Hier könnte Ihre Werbung stehen", "ICH AG Sklaventransport"), haben den Stadtpark abgesperrt ("Testsperrung", "ab nächsten Jahr 1 Euro Eintritt", mit Parkordnung und Preisliste), haben eine mobile Klagemauer durch die Stadt getragen (für alle, die klagen, aber nichts ändern wollen), eine Osama Bin Laden-Hass-Übung veranstaltet, Geld für Reiche (wir ziehen Ihnen den symbolischen letzten Cent aus der Tasche, wenn Sie es nicht freiwillig geben, holen wir es uns über das Finanzamt, falls Sie selber reich sind, bekommen Sie Geld von uns) gesammelt und Tee auf der Straße verschenkt. Die Sache war ein voller Erfolg, ist gut angekommen, Presse und Fernsehen haben es auch gebracht. Deshalb haben wir beschlossen, die nächste Peinlichkeitswoche vom 18. bis 26. September 2004 in Leipzig zu veranstalten.
Falls Du jemand kennst, der/die sich dafür interessiert (wir suchen motivierte, kreative Leute mit vielen eigenen Ideen; Unterkunft und Essen werden organisiert, für evtl. anfallende Unkosten wird eine Peinlichkeitswochenkasse eingerichtet), kannst Du es denen ausrichten?
Kontakte über das Haus der Gastfreundschaft in Dargelütz oder Angelika Selling, Stefan-Zweig-Strasse 5, 04178 Leipzig, Tel. 0341-4414328, e-mail: filomela<AT>web.de.
Im Sommer will ich an der Ostsee 2 Aktionen machen: 1. In Heiligendamm, dort versucht die Fa. Fundus (Immobilienfirma des A. Jagstfeld) weitere Teile der Stadt und des Strandes zu kaufen, um es dann als "Disneyland für Millionäre" den Normalbürgern unzugänglich zu machen. Ein Teil der Stadt einschließlich Rad- und Wanderwegen sind schon versperrt. Wir wollen mit phantasievollen gewaltfreien Aktionen (ähnlich wie bei der Peinlichkeitswoche) dagegen protestieren.
Später wollen wir in Binz eine Badehandtuch-Protestaktion veranstalten. Dort gibt es von der Stadt ein Badehandtuch-Verbot, damit die zahlungskräftigen Hotelgäste in den Strandkörben nicht durch den normalen Pöbel gestört werden. Wir wollen uns mit möglichst vielen, möglichst großen Badehandtüchern demonstrativ an den Strand legen. Frieden

Aus dem Gästebuch in Zarnekla:

Ich freu mich auf ein nächstes Mal und bin gespannt, wie der rasende Stillstand das Rad der Zeit in Zarnekla weiter bewegt. Danke aus tiefsten Herzen und viel Kraft für das, was kommen mag. [...]
Zum lapsus-fest will ich dir noch folgendes sagen:
Für mich waren die tage sehr entspannend und ich empfand die atmosphäre als sehr gelassen. Sie war nicht überschäumend, aber mir entstand der eindruck, dass sich hier jeder wohl fühlte.
Das programm war vielfältig und bunt. Es war so viel, dass ich längst nicht alles wahrnehmen konnte. Und manches empfand ich als langwierig oder nicht ansprechend für mich. Gefallen hat mir besonders das kreativtheater, der africablues und dein dia vortrag mit den bäumen und den mit "here comes the war". Nicht so reizvoll fand ich the cure (vielleicht weil mir die monotonie der jungs schon vorher reichte), irgendeine gangster geschichte von achim und die sekundärrohstoffe.
Aber lapsus war echt cool. Es könnten ein paar mehr leutchen da sein. Vielleicht lädst du einfach ehemalige wwoofer ein ? junge menschen, die schwung in die sache bringen. Tanzen z.B. hat gefehlt.
Wie es scheint verbesserst du das konzept, planst schon wieder und spinnst gedanken ?
Viele grüsse an alle - mach et jut ! Henning
[Am Fingstmontagabend zeigte ich vor Coline und 9 anderen zum Ausklang "Bruder Baum Baum Bruder" (LAPSUS live 1998) im Sonnenraum. Es gab 2 Zugaben.  Roland]:
Das war genau die Weiterführung und auch der würdige Abschluß meiner "Kunst:Offen"-Ausstellung zu Pfingsten in Toitz. Christine
Es waren sehr beeindruckende Vorträge die Tage, der heute auch. Susann

Zarnekla
Vergnüglichen Tag, alle miteinander! Ich will - obwohl die Wogen der Geschichte schon längst drüber weg glätteten - meine Danksagung an den LOver 37 erlauten lassen. Und zwar v.a. für den Artikel auf Seite 11 "Für alle vor 1980 Geborenen". Obwohl die Kitts heute fraglos auch schrecklich verglücken können: da kann schon mal die Betondecke des Freizeitbades herabstürzen und das urinwarme Sprudelbecken zum Auslaufen bringen, eine Telefonrechnung das elterliche Aufsichtspersonal in den Amoklauf treiben oder wegen des Körperumfangs kein Platz mehr für den Airbag sein. So etwas kann schnell mal passieren und darum gibt es ja Bestrebungen, die Kitts nur noch in Begleitung eines Notarztes, Psychologen, Bullizisten und Rechtsanwaltes vor die Tür zu lassen. Zur Sicherheit alle mit Handschellen an dem jungen Menschen befestigt. Nein wirklich, gerade erst erlebt, Klassenfahrt (eine 8.) in ein Ferienlager an einem Wald, an einem kleinen See. Die durften nicht baden gehen (kein Rettungsschwimmer dabei), die durften nicht allein in den Wald, die durften nicht ins Dorf, nicht in den Regen usw. Natürlich wollten die das alle auch gar nicht, klar. Und zu verantworten war nur die Obhut des Fernsehers.
Die zu vielen CD-Empfehlungen im LOver reizen mich nach wie vor nicht, schnucklige Leserbriefe fehlten mir. Die trudelten nach dem 21. LAPSUSlive ein.
Mein Senf dazu im folgenden: Vom diesjährigen LAPSUS-Fest war ich selbst überrascht, was für eine gute Zeit das diesmal für mich war. Ich glaube, ich war noch nie so entspannt gewesen während des ganzen LL, kein Lampenfieber oder Stress und Hektik. Die 98er und 99er Feste waren intensiver, in Liebe, Lebenslust und Freude schwerlich zu toppen, aber für mich gab es damals auch schwer finstere Phasen. Aber die fehlen mir beileibe nicht. War eine gute Erfahrung, die ganze Infraorganisation mehr geschehen zu gelassen, als lookilooki zu machen.
Sehr deplaziert empfand ich den Babuschka-Beitrag. Nur weil The Who Begleitband waren, muss man sich doch solch ein Sujet nicht reinziehen. Bei mir kommt da kein Mitgefühl auf, nicht für bescheißende Auto-dealer, nicht für perfekte Killer. Diesen kaputten Dreck nahe bringen - wozu denn? Oder nur um dieses Scheiß(ich hätte fast jetzt noch wessi eingefügt)gefühl "Na, die Russen... wissen mer ja!" zu bedienen? Und wie mir das oft genug zum Halse raushängt, "Ach, die armen Seelen in den Cockpits, die die Bomben ausklinken, ach, die armen Killer, die nach ihrem Job mal für 10 Minuten rechts ranfahren, ihr inneres Gleichgewicht wieder zu finden oder drum zu beten... " So was.
Selbst deplaziert hatte ich meinen Cure-Beitrag. Wen wollte ich erreichen, was von mir erzählen? Aber sie war nicht da. Da kommt Langeweile auf, sicher.
Mit allem anderen fühlte ich mich wohl. Danke an alle Gesinnten!
Im folgenden Repliken, die wahrscheinlich nur für unsere gebeutelten Insider was hergeben.
Achherrjesus, "leider" "findet" mein Bruder Achim einige Kritik "aber doch" "unerlässlich".
Zum einen bin ich sehr gespannt auf den Erlass! (Grundsätzlich hätte ein Urteil nicht mal nur von den Betroffenen Wert sondern nur von einem "Supervisor", den das alles selbst nichts anginge.)
Zum anderen maßt sich hier jemand an, der bei keiner "Anblafferei" dabei gewesen war, meine Reaktionsart auf Hilfsangebote Thema Essen zu bewerten. Und "natürlich" globale Urteile zu fällen. Tja, Achim, ich würde einen "ironischen Unterton" erst nach dem dritten tödlichen Herzinfarkt unserer Mutter für "angebracht halten". So viel Paragrafen sollten drin sein!
Denn in unserem Familien-Moralkodex kann niemals ein Grund für Äußerungen "negativer" Gefühle gerechtfertigt sein. (Jeder "Ärger" ist "unnötig", kann ins fette Sparschwein!) Jedenfalls nicht der Throninhaberein gegenüber. Denn es geht ja bei o.g. Kritik nicht um Lapsoten, die mit einem kurzzeitigen, rüden Ton nicht umzugehen wissen, sondern es geht um 2 Szenen (eine 3 Minuten lang, die andere 5), die ich mit meiner Mutter hatte. Ausgewalzt wird das zu: "Gastfreundschaft", "mein Reich", "Hellseherei", "Brotschmiererei". Oder hattest Du je nachgefragt, was das für ein Frust war, den ich auf unsere Mutter hatte? Ich kann mich nicht erinnern. Dass der mangels "Vergatterung" oder "Speiseplan" war. (Dafür möchte ich mich hier bei den Massen entschuldigen, die's betrifft: ich hatte zum Thema Essen wirklich nur Schwierigkeiten mit mir selbst. Blöderweise - ich habe faktisch ununterbrochen übers Jahr Gäste/Mitbewohner hier, wo sich Haushaltsgebahren meist ohne mein Zutun weitergeben – verabsäumte ich es, mir die Zeit zu nehmen, genügend Leutchens genügend Essenshandhabe zu geben. Next Mal!)
Was bleibt übrig? Dass in meiner Herkunftsfamilie gedeckelt wird wie verrückt. Ins Essen wird sich verbissen. Der Einkauf soll reichen für alle. Dann reicht er für mich.
Neben der Kultur.
Dann gab es noch das seltsame Konstrukt "'persönliche' Einladung", welches meine Mutter in einer Anfrage benutzt. Dazu kann ich nur kurz sagen: Ich bin nicht "LAPSUS", der "LOver" oder gar "LAPSUSlive". Darum verschicke ich grundsätzlich persönliche Einladungen! Wer hätte das gedacht.
Achso, der interessantere Teil - den lass ich hier weg: völlig deplaziert, was das nun für ein Frust war. Nochmal: tut mir leid, Leute!
Einer muss es wissen. Yo.
Ich grüße alle, die mich kennen! Roland

Saral Sarkar / Bruno Kern

Ökosozialismus oder Barbarei

Eine zeitgemäße Kapitalismuskritik

Ein Aufruf

Der Kapitalismus scheitert

1989 ist in Europa etwas zusammengebrochen, was viele Linke trotz einiger Zweifel den Sozialismus nannten (es war ja in den so genannten sozialistischen Ländern immerhin der Kapitalismus abgeschafft worden).
In China herrscht zwar formal noch die Kommunistische Partei, aber in der Wirtschaft geht die Restauration des Kapitalismus seit Anfang der 1980er Jahre auf vollen Touren voran. Anfang der 1990er Jahre konnte man fast überall auf der Welt das Triumphgeschrei des Kapitalismus hören.
Der Philosoph Francis Fukuyama verkündete vollmundig sogar das „Ende der Geschichte“ – im Sinne von endgültigem, weltweitem Sieg des liberal-„demokratischen“ Kapitalismus über alle anderen Systemideale.
Viele konnten sich keinen Grund mehr vorstellen, warum die gerade angebrochene Ära des Weltfriedens enden sollte.
Aber dieses Triumphgeschrei dauerte nicht lange. Seit etwa Mitte der 1990er Jahre erleben wir den Beginn einer neuen Phase der Geschichte.
Schon in der ersten Hälfte der 1990er Jahre waren anstelle der erhofften Friedensdividende nach dem Ende des Kalten Krieges die unermesslichen Gräuel der heißen „Neuen Kriege“ getreten – der unendlichen Serie von kleinen Kriegen der Warlords, Ethnien, Nationalitäten und Staaten (Somalia, Ex-Jugoslawien, Ruanda, Sri Lanka, Tschetschenien usw.). Seit 2001 erleben wir wieder regelrechte große imperialistische Kriege (Afghanistan, Irak).
Auch im Bereich der Ökonomie und des Sozialen wird heute das Scheitern des Kapitalismus als Wirtschaftssystem allmählich unübersehbar.
In fast allen Ländern herrscht Massenarbeitslosigkeit; wo es Wachstum gibt, handelt es sich meist um jobloses Wachstum. Der Sozialstaat wird allerorten demontiert. Fast überall ist die Rede von Krisen irgendeiner Art. In großen Teilen der Welt herrscht bittere Armut. Bürgerliche WirtschaftstheoretikerInnen sind zunehmend ratlos. Der Keynesianismus war schon in den 1970er Jahren gescheitert, auch wenn viele unbeirrt an den alten Rezepten festhalten wollen. Heute erleben wir den Bankrott der jüngsten ökonomischen Glaubenslehre, des Neoliberalismus. Die wirtschaftliche Globalisierung ist zu einem Fluch geworden. Es herrscht überall kalter Wirtschaftskrieg. Ein Großteil der Menschen lebt in der Angst, morgen die materielle Lebensgrundlage zu verlieren. Die Kriminalität nimmt rapide zu, die Suizidraten steigen und immer mehr Menschen sind von psychischen Erkrankungen betroffen. So sieht kein siegreiches Weltsystem aus. Im Nachhinein bewahrheitet sich eine Feststellung, die man schon 1989 hören konnte: „Der Kapitalismus hat nicht gesiegt, er hat nur überlebt.“ Während bis vor wenigen Jahren die Ideologen des Kapitalismus mit dem Brustton der Überzeugung sagen konnten, man sei dabei, den Kapitalismus mit den ökologischen Erfordernissen zu versöhnen, kämpfen sie heute erbittert gegen auch nur die kleinsten Zugeständnisse an die Ökologie, wie zum Beispiel gegen die ohnehin viel zu bescheidenen Reduktionsziele des Kyoto-Protokolls für Treibhausgase.
Ökologie ist völlig out. Auch die Grünen haben sich längst davon verabschiedet, das ökologisch Notwendige umsetzen zu wollen, und nach und nach geben sie die letzten noch verbliebenen Ziele auf; so gaben sie vor Kurzem das Ziel der Verkehrswende preis. Was zählt, ist einzig und allein Wirtschaftswachstum. Aber die Natur ist dabei, sich zu „rächen“ (Friedrich Engels). Sogar Wissenschaftler des Pentagon (siehe den letzten Beitrag dieser Broschüre „Viel gefährlicher als der Terrorismus ...“) warnen uns mit einem apokalyptischen Zukunftsszenario: Die dramatischen Klimaveränderungen bringen Menschen und Regierungen in Not. Öl wird knapp, die „friedenssichernden“ Bündnisse erodieren.
Blutige Konflikte nehmen zu, Kriege um Rohstoffe, Wasser und Nahrung verwüsten die Kontinente. Innerhalb weniger Jahre gerät die Welt an den Rand der totalen Anarchie.
Es besteht kein Zweifel mehr: Der Kapitalismus als Weltsystem scheitert.
Weltweit, auch in Deutschland, ist die allseitige Krise des Kapitalismus akut geworden. Seine Ideologen sehen keinen Ausweg mehr. Einige von ihnen erkennen offensichtlich bereits, dass es einen grundsätzlichen Widerspruch zwischen Ökologie und ihrer Ökonomie gibt und dass es Ökonomie gibt und dass es innerhalb ihres Systems keine Lösung dafür gibt. Schon seit Mitte der 1990er Jahre sehen wir manche Teile der Welt unter der Last von verschiedenen Krisen in Krieg, Chaos, ja in Barbarei versinken. Die Anzahl der gescheiterten Staaten („failed states“) steigt.

Was tun?

Angesichts dieser Weltlage und während Millionen Menschen nach einer Alternative fragen, scheint die Linke überall wie gelähmt zu sein und ist total zersplittert. Eigentlich sollten wir alle gerade jetzt laut und offensiv sagen, dass es im Kapitalismus keine Lösung der Krisen gibt und dass eine Lösung nur in einem neu zu konzipierenden Sozialismus möglich ist. Anscheinend stehen wir aber noch unter dem Schock von 1989.
Natürlich hegen die meisten frustrierten und wütenden Menschen nach wie vor die Illusion, dass sie durch Demos, Protestwahlverhalten, Streiks usw. den Sozialstaat sowie ihre Jobs und Löhne verteidigen können, ohne den Kapitalismus in Frage zu stellen. Oder sie haben die Illusion – die auch ein Großteil der GewerkschafterInnen, SozialdemokratInnen und ihnen nahe stehende ÖkonomInnen, aber auch viele GlobalisierungskritikerInnen, etwa bei attac, fördern –, dass eine keynesianische Wirtschaftspolitik mehr Wachstum und neue Arbeitsplätze bringen könnte. Attac zum Beispiel redet in seinem zentralen Motto von einer zum Beispiel redet in seinem zentralen Motto von einer „anderen Welt“, doch in den konkreten Fragen geht es nur darum, den globalisierten Kapitalismus gerecht zu „gestalten“. Es gibt auch viele, die zwar keine Illusionen hegen, die aber angesichts des gescheiterten „Sozialismus“ längst resigniert haben. Dennoch ist die Zeit jetzt reif für eine Öffentlichkeitsoffensive für einen neuen Sozialismus. Wenn wir die Initiative dafür nicht ergreifen, wenn wir das geistig-intellektuelle Vakuum nicht füllen, das der scheiternde Kapitalismus schafft, werden es die Neonazis tun. Sie geben sich ja angesichts des voranschreitenden Sozialabbaus jetzt schon betont als Nationalsozialisten.
Wir sind natürlich meilenweit davon entfernt, die Machtfrage zu stellen. Zunächst geht es um etwas Anderes, nämlich um die geistig-intellektuelle Hegemonie im Sinne von Antonio Gramsci. Leszek Kolakowski fasst seine Position folgendermaßen zusammen: „Jede Klasse versucht, sich nicht nur in den Herrschaftsinstitutionen, sondern auch in den tatsächlich geäußerten Meinungen, Werten und Normen in der Mehrheit der Gesellschaft eine führende Stellung zu erobern. Die privilegierten Klassen haben sich eine hegemoniale Stellung erobert und sich die Ausgebeuteten geistig und nicht nur politisch unterworfen; mehr noch, die geistige Herrschaft ist eine Bedingung der politischen Herrschaft.“ (Kolakowski, Bd. 3, 266) Die Frage, wer Träger des Projekts eines neuen Sozialismus sein kann, brauchen wir an dieser Stelle nicht zu diskutieren. Zuerst kommt es darauf an, dem Kapitalismus die Legitimation zu entziehen. Möglichst viele müssen erkennen, dass eine Lösung der Krisen und letztlich das Überleben der Menschheit nicht möglich sind, solange der Kapitalismus weiter besteht. Für die Notwendigkeit eines neu zu konzipierenden Sozialismus ist Überzeugungsarbeit zu leisten. Die praktische Frage, wie die Überwindung des Kapitalismus vonstatten gehen kann, sei zunächst hintangestellt.
Sie ist sicher nicht so leicht zu beantworten. Zuallererst muss der geistige Boden dafür vorbereitet werden.
Wir wissen, dass es in einer Reihe von Detailfragen erhebliche Differenzen unter uns Linken gibt. Doch hinsichtlich der Kapitalismuskritik herrscht weitgehende Einigkeit. Das kann ein gemeinsamer Ausgangspunkt sein. Auch die Frage, wie unsere Alternative im Detail aussehen kann, kann nicht vorneweg beantwortet werden. Die konkreten Details werden ja gerade unserem Verständnis nach nicht am Schreibtisch entworfen, sondern entwickeln sich im Zuge einer praktischen Bewegung und ihrer begleitenden kritischen Reflexion. Wir haben deshalb auch bewusst viele Konkretionen hinsichtlich unserer Alternative und der konkreten Strategien der Veränderung, die bei uns selbst Konturen annehmen, weggelassen. Wir wollen hier nur für den lebhaften Diskussionsprozess und die Entwicklung von Handlungsmöglichkeiten einen Impuls geben.
Wir beschränken uns daher auf eine Skizze der Grundsätze des Ökosozialismus, den wir für nötig halten. Für eine ausführliche, wissenschaftlich fundierte Begründung und Darstellung dieses bestimmten Konzeptes von Ökosozialismus (es gibt auch andere) verweisen wir auf Saral Sarkars Buch: „Die nachhaltige Gesellschaft – eine kritische Analyse der Systemalternativen“.
Wir hoffen, dass viele Menschen, die sich um die Lage der Menschheit und der Natur insgesamt Sorge machen, diese Gedanken aufgreifen und mit anderen zusammen nach Möglichkeiten suchen, in diesem Sinne aktiv zu werden. Wir möchten euch auch auffordern, für die weitergehende Diskussion und die Entwicklung von konkreten Handlungsschritten mit uns Kontakt aufzunehmen (Kontaktadresse: s. Rückseite des Umschlags).
Köln und Mainz, Mai 2004
Saral Sarkar / Bruno Kern

Den Text mit den weiteren Kapiteln:
Die dringendste soziale Frage
Die Illusion einer nachhaltigen kapitalistischen Entwicklung und die Notwendigkeit des Ökosozialismus
und dem Anhang
„Viel gefährlicher als der Terrorismus ...“
findet ihr im Internet als PDF unter http://www.ila-web.de/downloads/Oekosozialismus.pdf

Kontaktadresse:
Initiative Ökosozialismus c/o Bruno Kern
Mombacher Straße 75A, 55122 Mainz
Tel: 06131/236461, E-Mail: fackel-kraus<AT>gmx.de

Bardentreffen 2004


Stein zu

Ich brauche einen Stein,
der schwerer ist als ich,
meine Liebe zu begraben.
Der nicht tanzt auf dem Geysir.
Der sich nicht rühren läßt.
'Und am besten Magnesit',
fällt mir gerade noch
durch meine gleichgerichteten Synapsen.

Ich brauche einen Stein,
einen riesengroßen Findling,
meine Liebe zu begraben,
unter Verschluß zu halten.
Ich werf mich obenauf,
als wäre ich aus Luft,
mit ausgebreiteten Armen,
mitten auf dem harten,
rutscht der Stein,
windet sich, läßt sich nicht halten.

Ich brauche einen Stein,
ein Felsen, der so schwer wär,
meine Liebe zu begraben.
Verwittert, feucht, Flechten fleckig,
als sei er schon immer da.
Mit weichem Moos bewachsen.
Ein unverrückter Felsen in der Sonne,
von dem ich den Mond gewahren kann.

Ich brauche einen Stein,
meinetwegen mit alten, verbrauchten Insignien,
meine Liebe zu begraben.
Bloß schwerer. Nur schwerer
als ich mir vorstellen kann.
Werd' ich zu Stein
mit mir allein.
 
Ro Li B.
Zu Stein

Zur Schwärmerei

Verhaltener Liebe Reiz
mag jenes Herz entzücken
das zweckentfremdet, doch erhaben
als Schutz vorm Körper schwebt.
Mein Herz indessen lässt sich
am wohligsten beglücken
wenn Lust und Leidenschaft
den Schutz des Leibs beiseite rücken
und es wehrlos dir entgegen bebt.

Jörn Pfennig
Sergej Rudin, Pause, Ausschnitt, 2002

Grundlos zärtlich

Wenn ich dir sage, ich hab dich lieb
wehre dich bitte nicht
zugegeben: wir kennen uns kaum
aber wir haben nicht viel Zeit.
Wenn ich glaube, dich liebzuhaben
dann brauche ich keinen Beweis
daß es wirklich so ist -
was zählt, ist die Möglichkeit.
Du wirst kaum die Gelegenheit haben
die Tiefe meines Gefühls zu überprüfen.
Wenn ich dir sage, ich hab dich lieb
dann laß mich ruhig lügen
wenn es dich freut, nimm es an
und laß mich zärtlich sein.
Für Zärtlichkeit
braucht man keinen Grund
und schon gar nicht den Grund
Liebe.

Jörn Pfennig, *24.Juni 1944, lebt und arbeitet in Burghausen/Bayern

Sonnenuntergang

Schwäne sind treu, sagt man
der Tod eines Schwanes sei folglich
einsam oder erfüllt
ziellose Schwingen
scheinen in dieser Welt im Abendrot
verbluten zu müssen
die Sonne in unserem Herzen
ergießt sich blutrot durch die Augen
in der Nacht küsst der Tod
sanft uns in den Bauch
goldene Seufzer
säuseln im warmen Nachtwind
eine alte Melodie
die mich lockt zu schlafen
am Horizont
im Blut der Schwäne
der Herzen
der Augen
der Uhren, schlagend
nach dem Tod
der Schnitter
unser Metronom
im Tanz
um sein
oder nicht

Thomas Pflaum

die Liebe

die Liebe ist eine Lüge
wenn auch eine Schöne
ich weiß das ich mich betrüge
wenn ich mich nach ihr sehne

denn Trost und Schein von Sicherheit
sind feine Utopien
doch dunkel schwelt die Kleinigkeit
dass sie nur vorüberziehen

und hat man erst zur Ruh gefunden
und betrachtet etwas als Ende
will bald einem sein Glücke mehr nicht munden
und man sehnt sich nach der Wende

und eben dieses "und fehlt nicht was?"
wird vom Hirn ins Herz sich setzen
und bis zum Zerbrechen leugnet man das
um den anderen nicht zu verletzen

Es ist fürchterlich, jedes Ziel, das man hat
wird, ist es erstmal erreicht
ein Punkt wie jeder andere
den die Unendlichkeit umschleicht

Thomas Pflaum

Die Zärtlichkeiten

Ich liebe jene ersten bangen Zärtlichkeiten,
die halb noch Frage sind und halb schon Anvertraun,
weil hinter ihnen schon die andern Stunden schreiten,
die sich wie Pfeiler wuchtend in das Leben baun.

Ein Duft sind sie; des Blutes flüchtigste Berührung,
ein rascher Blick, ein Lächeln, eine leise Hand -
sie knistern schon wie rote Funken der Verführung
und stürzen Feuergarben in der Nächte Brand.

Und sind doch seltsam süß, weil sie im Spiel gegeben
noch sanft und absichtslos und leise nur verwirrt,
wie Bäume, die dem Frühlingswind entgegenbeben,
der sie in seiner harten Faust zerbrechen wird.

 Stefan Zweig (1881 – 1942)

Stefan Zweig

Schaufensterpuppe in Wien

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