OVER Nr. 38
LOVER Nr. 38
(erschien 11/2004)
Auszüge:
[Ditorial] - [Baum] - [Abo] - [Kanonen auf
Spatzen] - [Krise] - [Quiz] - [5
Affenschwänze] - [Ferien in Lychen]
- [Das Idol] - [Erfolgsgeschichte]
- [LL 2005] - [the song] - [Kokon]
- [Interview] - [Schwarzbuch
Kapitalismus] - [Phiel!] - [Spuren] - [Re@ctor] - [Ökosozialismus] - [Bardentreffen] - [Stein
zu] - [Zur
Schwärmerei] - [Grundlos
zärtlich] - [Sonnenuntergang] -
[liebe] - [Zärtlichkeiten]
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Dieser LOver enthält die Reaktionen auf LAPSUS
LIVE 2004 und einige Fotos der fröhlich-freundlichen Tage.
Außerdem wird ein gemeinschaftliches Projekt für LAPSUS LIVE
2005 vorgestellt. In einem Quiz könnt ihr beweisen, dass ihr euch
mit LAPSUS LIVE richtig gut auskennt. Und ein paar Preise dabei
abstauben. Wenn ihr die Chancen verbessern wollt, hilft ein Blick auf
Leopolds Homepage...
Dieses Heft sollte schon im September bei euch sein, aber der (neue)
PC, auf dem der LOver gestrickt wird, hatte sich leider für drei
Wochen „krank gemeldet“. Ich erspare euch die betrüblichen
Einzelheiten, aber dafür dürft ihr mir die Daumen
drücken, das der dritte komplette Neuaufbau nun endlich der letzte
war...
Bedingt durch die Verspätung ist auch ein Resümee zur Wahl
vom King of the World möglich: Krebs hat gewonnen und Polio hat
gratuliert. Ansonsten bleibt alles wie es (fast) alle haben wollen.
Doch zurück zum Inhalt des Heftes: Ginger hat den interessant
gestrickten Krimi „Das Idol“ beigesteuert. Das Buch
„Ökosozialismus oder Barbarei“, das Roland gern komplett
abgedruckt im LOver hätte, ist dazu leider doch etwas zu
umfänglich. Deshalb hier die Einführung und der Link auf den
kompletten Text. Von Roland gibt’s u.a. „LAPSUS live“, zu LL 2004
vorgetragen und hier zum Nachlesen, neue „Spuren“ sowie den
Briefwechsel „Phiel! Oh, so phiel!“. Die 5 Affenschwänze gibt’s
auch wieder, allerdings nicht mehr mit dem Anspruch, komplett zu sein.
Außerdem findet ihr ein Interview mit Uwe, der 1989 mächtig
die Garage in Züsedom rockte, und manches andere an Gereimtem und
Ungereimtem. Leopold
Ein Euro für 1 m² Baum!
Der I.G.E.L. e.V. ist nach wie vor dringend auf Spenden
angewiesen zwecks Parkfreikauf in Drosedow. Er steht zwar schon
länger als Eigentümer im Grundbuch, aber auch noch mit 3.900
EUR in der Kreide.
Sein Konto ist unter Nummer 1039482 bei der Volksbank Greifswald, BLZ
15061638, geführt. Verwendungszweck: "Landfreikauf".
Spendenquittungen gibt es postwendend: diesen Wunsch und Absender an:
I.G.E.L. e.V., Dorfstr. 19, 17121 Zarnekla oder igel@lapsus-gil.de.
Alles Grüne! Roland

Dazu müsst ihr euch nicht
auf die Straße stellen,
sondern einfach ein paar entsprechende Briefmarken an Leopold schicken.
Pro Heft 1 Euro + 1,44 Porto. Logisch, dass sich das eher für
mehrere
Hefte lohnt. Spendenquittungen gibt’s jedoch nicht. :-)
Mit Kanonen auf Spatzen
Jugendliche Kiffer vor Gericht
von René Althammer
(ARD-Sendung "Kontraste")
40.000 Tote im Jahr. 217.000 Straftaten. 1,2 Millionen Menschen
sind
süchtig. Die Suchttherapien verlaufen oft erfolglos, die
Rückfallgefahr ist hoch. Wer erst mal drauf ist, kommt selten
zurück.
Die Droge? Überall zu kaufen. Na, dann Prost, die Rede ist von
Alkohol! Die Droge, um die es in unserem Beitrag geht, macht, so sagen
Mediziner, nicht süchtig. Fälle von Gewalt als Folge sind bis
jetzt nicht bekannt. Warum also ist Alkohol überall
erhältlich und Haschisch illegal? Auf diese Frage hat unser Autor
René Althammer die Antwort gesucht.
Heute ist ein wichtiger Tag am Amtsgericht Bernau. Jugendrichter
Müller kämpft für die Volksgesundheit, gegen den
internationalen Drogenhandel und für die elementaren Werte unseres
Zusammenlebens.
Die Delinquenten warten schon. Ihr Vergehen: sie haben Cannabis,
Haschisch geraucht. Ein schwere Straftat, die den vollen Einsatz der
Justiz fordert: Richter, Schreibkraft, Staatsanwalt,
Jugendgerichtshilfe, alle sind sie da. Denn Haschischbesitz ist
verboten, so steht es im Betäubungsmittelgesetz.
Insgesamt zehn Tatverdächtige stehen heute vor Gericht: zehn von
ungefähr 94.000 bundesweit - die allesamt nur eins tun, ab und an
mal kiffen.
Auch er soll gekifft haben - und das auf dem Schulhof. Einziger Beweis,
zwei Mitschülerinnen wollen eine Haschpfeife gesehen und etwas
gerochen haben. Das bringt die Staatsgewalt so richtig auf Trab.
Svenja Gamm, Rechtsanwältin: "Die Schulleitung hat die Polizei
informiert, die dann mit zunächst zwei Beamten die Schule
aufsuchte, den Vorgang aufnahm und am folgenden Tag mit vier Beamten
die Schule erneut aufsuchte, zwei Mitschüler durchsuchte, nichts
gefunden hat und letztendlich dann nach allen Zeugenvernehmungen das
Verfahren abgab an die Staatsanwaltschaft, die Anklage erhoben hat."
Frage: "Und die hat Anklage erhoben, weil zwei Schülerinnen etwas
gerochen haben?"
Svenja Gamm, Rechtsanwältin: "Ja, ja."
Im Gerichtssaal dürfen wir nicht drehen, aber es dauert auch nicht
lange, dann wird das Verfahren eingestellt.
Zuvor aber haben Polizisten unermüdlich ermittelt. In diesem Fall
mindestens 40 Stunden. Kosten: ca. 1.000 Euro. Und das ist noch nicht
alles: KONTRASTE hat weiter gerechnet: bundesweit kostet die
Strafverfolgung von Haschischrauchern mindestens 15 Millionen Euro
jährlich. Die Zahl der Kiffer nimmt trotzdem zu. Die Verfolgung
der Konsumenten hält Richter Müller deshalb für reine
Geldverschwendung.
Andreas Müller, Richter: "Wenn sie dieses Geld in eine
vernünftige Präventionsarbeit hinsichtlich aller Drogen
einsetzen würden, nämlich Nikotin, Alkohol,
übermäßiger Computer-Missbrauch, dann würde meines
Erachtens nach dem Staat viel, viel mehr gegeben werden. Dann
hätten wir möglicherweise nicht so viele Suchtgefährdete
wie jetzt."
Doch davon will der Staat bislang nichts wissen. Cannabis ist eine
Droge, ihre Verbreitung muss durch das Strafgesetz verhindert werden.
Aber Cannabis ist gar nicht so gefährlich, wie man noch vor
Jahrzehnten annahm, als man das Gesetz verabschiedete.
Deshalb hat Richter Müller sich an das Bundesverfassungsgericht
gewandt. Er hält das Cannabis-Verbot nämlich für
überholt und verfassungswidrig.
Andreas Müller, Richter: "Wir haben in jeder Gesellschaft die
verschiedensten Risiken, stellen aber nicht jedes Risiko unter Strafe
oder bekämpfen nicht jedes Risiko mittels des Strafgesetzbuches.
Wir haben das Risiko der Zuckerkranken: Tausende von jungen Menschen
essen zu viel, nehmen zu viel Schokolade. Käme jemand auf die
Idee, jetzt zu sagen, wir müssen Schokolade reglementieren? Wohl
nein, und so verhält es sich meines Erachtens nach auch bei dem
Suchtstoff Cannabis. Das Risiko, das damit einhergeht, ist da, wie bei
jeder anderen Geschichte, aber es rechtfertigt nicht, dass der Staat,
ich sag jetzt, mit Kanonen auf Spatzen schießt."
Dieter Kleiber ist einer der bekanntesten Drogenexperten. In einer
Studie für das Bundesgesundheitsministerium hat er schon vor
Jahren festgestellt, dass von Cannabis keine Suchtgefahr ausgeht.
Prof. Dieter Kleiber, FU Berlin, Drogenexperte: "Die internationale
Fachwelt ist sich einig, dass körperliche Abhängigkeit im
Zusammenhang mit Cannabis nicht vorkommt. Psychische Formen der
Abhängigkeit kommen in ein bis zwei Prozent vor."
Ganz anders ist das bei der legalen Droge Alkohol. Sie macht
körperlich abhängig. 1,2 Millionen Alkoholiker und 40.000
Tote jährlich sind das Ergebnis.
Prof. Dieter Kleiber, FU Berlin, Drogenexperte: "Dass Menschen durch
eine Überdosierung von Cannabis zu Tode kommen, ist nicht
festgestellt worden."
Neu ist das nicht und deshalb demonstrieren Jahr für Jahr Tausende
auf der Hanfparade in Berlin für die Legalisierung von Cannabis.
Angst vor Abhängigkeit hat hier niemand.
Frage: "Keine Angst, abhängig zu werden davon?"
Demonstranten: "Nö!" "Es gibt vielleicht Leute, die Missbrauch
damit treiben, aber die meisten nicht, würd’ ich sagen.“
Christian Ströbele, MdB, Bündnis 90/Die Grünen: "Ich
finde das eine der schlimmsten Gesellschaftslügen, dass man auf
der einen Seite in Deutschland Alkohol und Zigaretten, die ja ganz
schlimme Drogen sind, schlimmere Drogen sind, dass man für die
öffentlich werben darf, dass man die sogar mit Steuermitteln
unterstützt, und auf der anderen Seite die Leute ins
Gefängnis wirft, weil sie solche Pflanzen hier anbauen und
möglicherweise auch einen Joint rauchen."
300 Polizisten sind an diesem Tag im Einsatz. Und sie haben gut zu tun.
59 Ermittlungsverfahren wegen des Verstoßes gegen das
Betäubungsmittelgesetz werden eingeleitet. Ein sinnloser Einsatz,
der unnütz Geld und Arbeitszeit verschwendet. Denn, wenn die
Polizei mit ihren Ermittlungen fertig ist, stellt die
Staatsanwaltschaft die Verfahren meist ein, weil es sich nur um geringe
Mengen handelt.
Die Folge - jährlich ermitteln bundesweit cirka 300 Polizisten
für den Papierkorb, als hätten sie nichts besseres zu tun.
Konrad Freiberg, Gewerkschaft der Polizei: "Das ist unbefriedigend und
das kann sicherlich einen Polizisten überhaupt nicht irgendwo
zufrieden stellen, zumal, wenn man sieht, das man genug Arbeit hat, um
große Verbrecher einzusperren."
Auch Bundesinnenminister Otto Schily war einst dieser Meinung. Aber da
war er noch in der Opposition. Die SPD schlug damals eine
Gesetzesänderung vor:
Zitat: "Straflos bleibt, wer die Betäubungsmittel
ausschließlich zum Eigenverbrauch in geringer Menge ... besitzt."
Otto Schily, 1997: "Es geht also darum, den Eigenverbrauch nicht mehr
zu bestrafen. Man muss ja wissen, wenn die Polizei sich damit
beschäftigen muss, dann hat sie nicht genügend Kräfte."
Doch dann kam der Wahlkampf und mit der liberalen Drogenpolitik war es
zu Ende. Der Gesetzentwurf wurde 1998 zurückgezogen - seither
herrscht Ruhe bei den einst fortschrittlichen Sozialdemokraten.
H. hat das zu spüren bekommen. Der 40jährige
Lehrer setzt sich seit Jahren für die Freigabe von Cannabis ein.
Auf seiner Homepage hatte er zudem ein Quiz installiert. Der Preis:
zehn Gramm Cannabis. Das war dann doch zuviel. Die Hamburger Polizei
wurde tätig und holte ihn gleich mit drei Beamten aus dem
Unterricht in seiner Schule.
H.: "Ansonsten wurde meine Wohnung durchsucht, es wurde in
die privatesten Sphären eingedrungen. Fremde Menschen sind in
meine Wohnung gekommen und haben Dinge gesehen und angefasst, die
einfach in den privaten und auch den intimen Bereich gehen. Und es war
ein Gefühl der Ohnmacht und des Verletztwordenseins."
Das Ergebnis der Durchsuchung: etwas mehr als 4 Gramm Cannabis. H.
wurde angeklagt, inzwischen ist der Fall in der dritten Instanz
angekommen.
Die Hamburger Staatsanwaltschaft tut, was sie tun muss. Auch wenn H.
mit seinen vier Gramm für niemanden eine Bedrohung darstellt,
Gesetz ist eben Gesetz.
Frage: "Könnten Sie sich auch ein anderes Gesetz vorstellen, das
Ihnen die Arbeit leichter macht?"
Rüdiger Bagger, Staatsanwaltschaft Hamburg: "Also ich könnte
mir ein Gesetz vorstellen, wo grundsätzlich festgeschrieben ist,
dass zu einem bestimmten Betäubungsmittel wie Cannabis bis zu
einer bestimmtem Grenze, meinetwegen zehn Gramm, eine Strafverfolgung
ausgeschlossen ist. Wenn das so wäre, dann wäre die
Staatsanwaltschaft an der Strafverfolgung gehindert, und dann
könnte man jetzt sagen, vom Ökonomischen her, wär’ das
für eine Staatsanwaltschaft wie Hamburg eine wunderbare Sache.
Dann würden wir uns viele Verfahren ersparen."
Im Bundesgesundheitsministerium, zuständig für die
Drogengesetze, sieht man das ganz anders. Vor die Kamera will hier
niemand, aber schriftlich erfahren wir: Nikotin und Alkohol seien genug
schlimme Drogen, da brauche man nicht noch Cannabis.
Im Amtsgericht Bernau wird deshalb auch zukünftig viel Zeit mit
kleinen und großen Kiffern vergeudet werden. Dabei hätten
Polizisten, Staatsanwälte und Richter wichtigere Dinge zu tun.
Frage: "Was ist das für ein Gefühl als Richter wenn man so
einen Tag hinter sich hat?" Andreas Müller, Richter: "Ich denke,
ich habe heute eine für mich unsinnige Arbeit gemacht. Ich
hätte diese Zeit sehr wohl gerne aufgebracht in einer
vernünftigen Behandlung von Körperverletzungsdelikten, von
sexuellem Missbrauch oder sonst etwas. Nein, ich habe hier Kinder
kriminalisieren müssen, in Anführungsstrichen Kinder,
Jugendliche kriminalisieren müssen."
Jugendliche, die nicht verstehen, warum der Staat sie mit viel Geld und
Personal verfolgt. Würden sie saufen, wäre die Welt in
Ordnung. Ein sturzbesoffener 16jähriger ist noch nie wegen
Alkoholmissbrauch vor Gericht gelandet.
Krise, wessen Krise?
Feature des Schallplattenmanns #384
vom 5.4.2004
An der aktuellen, großen Krise gibt die Musikindustrie
vornehmlich illegalen Brennern und Downloadern die Schuld — wohlgemerkt
bisher immer noch ohne adäquate Unternehmungen, diesen offenbar
vorhandenen Markt selbst mit einem legalen Angebot zu bedienen — und
quält dafür legale Tonträgerkäufer mit
Kopierschutz, der die Klangqualität bzw. Spielbarkeit auf Playern
im Auto und gerade besseren Hi-End-Geräten mindert. Argumentiert
wird mit Zahlen, die Rückgänge von CD-Verkäufen und
Zuwächse von verkauften Rohlingen gegenüberstellen. Was
letztlich gebrannt wird, das wird allerdings kaum untersucht. Denn
entsprächen mehr verkaufte Rohlinge in etwa weniger verkauften
Leerkassetten, dann hätte sich außer dem Medium ja nicht
viel geändert, denn:
- Pfennigfuchser gab's auch schon vor der widerlichen 'Geiz ist
geil-Kampagne'.
- 'Mixtapes' sind ja wohl immer noch — wenn schon nicht erlaubt —
dann wenigstens geduldet; sie sorgen zudem nicht selten für
Verbreitung unbekannterer Songs und Künstler und bewirken im
Langzeiteffekt nicht selten den Erwerb physischer Tonträger.
- Das von manchen Künstlern und Bands gebilligte
Weiterreichen von Live-Mitschnitten stärkt vornehmlich die
Fanbase, also die Wertigkeit des Künstlers, was sich letztlich
selbst in sogenannten Krisenzeiten im Hinblick auf CD-Verkäufe
stabilisierend auswirkt (s. Pearl Jam, Phish, Grateful Dead, Dylan
u.a.).
- An kopierten weil nicht mehr erhältlichen Titeln sind die
Konzerne selbst schuld, das schon vor Jahren angekündigte
Press-On-Demand-Konzept wurde außer von Rhino (Handmade)
jedenfalls nicht konsequent weiterverfolgt. Wie auch immer:
Veröffentlichungen von gewachsenen Talenten wie Herbert
Grönemeyer, selbst Newcomern wie Norah Jones, Joss Stone oder Wir
Sind Helden belegen jedenfalls die These, dass vollwertige, vorwiegend
Erwachsenen-taugliche Musik nach wie vor LP- oder CD-Käufer
anspricht. Boomjahre mit schnellem Geld für Archiv-Material auf
neuem Tonträger wie nach Einführung der CD werden allerdings
weder DVD noch SACD bescheren, nicht zuletzt wegen des immer noch
anhaltenden Format-Gerangels. [bs]
LAPSUS LIVE QUIZ
Nach dem angenehmen und fröhlichen LAPSUS LIVE 2004 ist vielleicht
der richtige Zeitpunkt für ein paar Fragen zu diesem Fest und
seinen Gästen. Die Fragen sind nicht einfach und am ehesten mit
Hilfe einer Recherche auf der LAPSUS-Homepage zu beantworten:
http://www.lapsus-gil.de.
Unter den Gewinnern werden einige Preise verlost, z.B. CDs und
Bücher.
1. Von welchem Kontinent war noch kein
Besucher bei LAPSUS LIVE?
A Asien
B Afrika
C Amerika
D Europa
2. Welche der folgenden Bands hat noch
nicht bei LAPSUS LIVE gespielt?
A Jamboree
B Zar Nekla und die Zimmermänner
C Die Frustration des Elches
D Handicap
3. Welcher Schriftsteller kam noch
nicht in einem LAPSUS-LIVE-Vortrag vor?
A Wladimir Kaminer
B Wolfgang Borchert
C Allen Ginsberg
D Alexander Puschkin
4. Wo liegt der Besucherrekord bei
LAPSUS LIVE?
A 31 Personen
B 41 Personen
C 51 Personen
D 61 Personen
5. Wie lange dauerte das längste
LAPSUS LIVE?
A 4 Tage
B 5 Tage
C 6 Tage
D 7 Tage
6. Wann fand das längste LAPSUS
LIVE statt?
A 1982
B 1989
C 1990
D 1995
7. Wie viele Leute nahmen über
die Jahre an LAPSUS LIVE teil?
(Mehrfachzählung!)
A ca. 200
B ca. 400
C ca. 800
D ca. 1200
8. Wo fand LAPSUS LIVE bisher nicht
statt?
A Tangermünde
B Zarnekla
C Dresden
D Berlin
9. Wo fand LAPSUS LIVE am
häufigsten statt?
A Zarnekla
B Tangermünde
C Berlin
D Züsedom
10. Welche Vorführtechnik kam bei
LAPSUS LIVE bisher nicht zum Einsatz?
A LCD-Beamer
B Plattenspieler
C 8mm-Filmprojektor
D Videoplayer
11. Welcher Gastmusiker ist
international am erfolgreichsten?
A Oliver Kandale
B Uwe Matschke
C Andreas Glaser
D Jürgen Gehlert
12. Wie oft trat Martin Gorsleben bei
einem Konzert zu LAPSUS LIVE auf?
A keinmal
B einmal
C zweimal
D dreimal
13. Welcher Musiker kann auf die
meisten Auftritte bei LAPSUS LIVE
zurückblicken?
A Martin Gorsleben
B Hans-Jürgen Lange
C Jürgen Gehlert
D Uwe Matschke
14. Welche Vortragsreihe hatte die
meisten Folgen?
A Guitar Jamboree
B Deutschsprachige Lieder
C Radio Robotron
D Beatles Total
15. Zu welcher der folgenden Bands gab
es im Programm von LAPSUS LIVE
bisher weder ein Porträt noch eine Albumvorstellung?
A The Police
B The Commitments
C The Smiths
D The Kinks
16. Welcher Vortrag wurde am
häufigsten wiederholt?
A Die Mauer — Stein um Stein mit Pink Floyd
B Fluchtversuch oder Die blaue Lagune — Wachträume eines
Aussteigers
C Quadrophenia — Eine Geschichte nicht nur über Mods
D Sonnenwende — eine geschichte
17. Mit Songs und Spotts aus 20 Jahren
LAPSUS-LIVE erschien eine CD bei
EigenArt. Wie heißt diese CD?
A 20 Jahre Lustige Avantgardistische Populäre Songs Und Sounds
B Unerhörtes. Aufgehörtes. 20 Jahre LAPSUS.
C Radio Robotron - Best of
D Aufhören. Unerhört. 20 LAPSUS-Jahre.
18. Wie heißt die renommierteste
Sportveranstaltung bei LAPSUS LIVE?
A Arbeitertestspiele
B Kicken im Pyjama
C Bauernolympiade
D Theatersport
19. Welches Theaterstück wurde
bei LAPSUS LIVE noch nicht
aufgeführt?
A Monika's Große Chance
B Karl-Heinz wird 18
C 5 nach 12 mit Christiane Sabinsen
D Monikas großer Aufstieg
20. Welcher Band verdankt die Homepage
von LAPSUS LIVE das „-gil.de“?
A Renft
B Silly
C Pankow
D Lift
So — hat doch gar nicht weh getan... :-)
Die Antworten per e-mail an Leopold Lapsus. Unter den (so
ziemlich) richtigen Einsendungen wird was verlost. Die kommentierte
Auflösung folgt im LOver 39.


Mit
5 Klammeraffen (@) kennzeichnet Der Schallplattenmann superbe
Veröffentlichungen. Der Rezensent hält die so eingeordneten
Tonträger schlicht für einen potentiellen Meilenstein der
Musikhistorie – was meist an der großartigen Musik liegt. Hier
die erste Auswahl der Ausbeute 2004. Wunschgemäß
gekürzt auf die nachvollziehbaren Tipps...
Bratsch "Nomades en vol"
Vom Gypsy-Freejazz mit Umwegen durch die Volksmusik der Welt (Network)

Wenn Bratsch anheben, ist man sofort mitten in der Party. Bratsch,
deren Musik ich erst durch diese umwerfende Zusammenstellung kennen
gelernt habe, sind mehr als eine französische Band, die im
'Zigeunerstil' spielt. Die zentraleuropäische Zigeunermusik steht
im Zentrum, doch Bratsch integrieren wohl alles, was ihnen zu Ohren
kommt, egal ob griechische Melodien, Klezmer oder orientalische
Einflüsse. Zwischendurch hören sie wohl auch gerne Freejazz.
Denn immer wieder enden ihre Lieder nicht als Tanzorgie, sondern als
wilde – und dennoch harmonische – Kakophonie . Mit den 35 Songs aus 15
Jahren zeigen die unbändigen Franzosen, dass sie in dieser Zeit
keine Entwicklung durchgemacht haben. Nicht durchmachen konnten. Denn
vom ersten bis zum letzten Song — ob wild oder schwelgerisch, ob
dramatisch oder heimelig — sind Bratsch witzig, virtuos, lebendig, mit
fetzigen Läufen á la Django Reinhardt, schrägen
Improvisationen, furiosem Gesang und anspornenden Einwürfen. Hep,
hep, hep, hep, hrrassssa... [ms]
Lhasa "The Living Road"
Schwelgerische Lieder, getragene Chansons und wehmütig-getragene
Weisen (Warner)

Die Jahre nach ihrem Debüt "La Llorona" ist Lhasa de Sela mit dem
Mini-Zirkus ihrer drei Schwestern durch Frankreich getingelt. Doch wer
schon mit 15 im Dorfcafé die Leute zwingt, sich ihre
Interpretationen von Billie Holiday-Klassikern anzuhören, kommt
zur Musik zurück. Fünf Jahre nach dem Erstling ist nun "The
Living Road" erschienen – mit der gleichen Art von geheimnisvoll
schwebender, teilweise schwermütiger, aber immer bezaubernden
Musik. Dabei kommen so eigenwillige Instrumente wie Glockenspiel und
Ukulele, Lapsteel oder Bambusflöten zum Einsatz. So wird jeder
Text individuell umgesetzt, mal mit einer dezenten Anlehnung an die
mexikanischen Mariachi-Trompeten, mal leise schlurfend wie von einem
alten, weisen und zur Ruhe gekommenen Tom Waits, dann wieder als
berückendes Chanson oder als ergreifend-ruhiger Song zum Klavier.
Ausgeheckt haben die ganzen Arrangements ihre neuen musikalischen
Partner, Jean Massicotte und François Lalonde, die für alle
Lieder von Lhasa de Sela die richtige Stimmung treffen. Ihre
Arrangements setzen die fulminante Stimme der Amerikanerin exzellent in
Szene. Und ihre Texte sind nicht nur poetisch, sondern zum Glück
auch im Booklet übersetzt. [ms]
Grobschnitt "Illegal Live"
Progressive Rock – Das Abschlusskonzert der "Illegal"-Tournee – 3CD
(Wolkenreise)

Eroc, der ehemalige Drummer von Grobschnitt ist ein Magier. Nicht nur,
dass er seinerzeit (und später als Solist) ein exzellenter Drummer
war und eine schillernde Figur in einer schillernden Band, er ist ein
Klangmagier mit viel Gefühl für den richtigen Sound und das
richtige Konzert. Waren schon die bisher von ihm restaurierten und auf
seinem Label Wolkenreise veröffentlichten vier Volumina der
"History Of Solar Music" klanglich und musikalisch absolute Highlights,
so setzt der gute Mensch aus Westfalen mit seinem neuesten
Archiv-Release noch einen drauf. Auf drei vollgepackten CDs, die in
einem wunderschönen Digipak samt rarer Fotos und witzigen und
informativen Liner Notes daherkommen, zaubert er noch einmal die Magie
dieser Band live von der ersten Note des Intros bis zum finalen Applaus
herbei. Einmal Zeitreise: Destination Essen, Grugahalle, 8. Mai 1981.
Satte 3 1/2 Stunden beste Rockmusik(-Unterhaltung). Nichts, was die
Band zu ihren Lebzeiten veröffentlicht hat, kommt auch nur
annährend an die Qualität und an die musikalische
Ausdrucksstärke (und den Humor) dieser Veröffentlichung
heran. Wenn man nichts von der Band hat, so sollte man sich zumindest
dieses 3-CD-Album zulegen; wenn man alle anderen Alben von ihnen hat,
dann braucht man dieses erst recht. "Illegal Live" ist das rundum
perfekt gelungene Tondokument. [sal]
Frank Zappa "Baby Snakes"
Rock – Ein Film über Leute, die anomale Dinge tun (1979) – DVD
(Eagle Vision)

Es hat lange gedauert, die Veröffentlichung wurde ein paar Mal
verschoben. Jetzt endlich gibt es den Zappa-Filmklassiker "Baby Snakes"
aus dem Jahre 1979 auf DVD – und yep: Das Warten hat sich gelohnt, denn
dieser Film über den geballten Irrsinn eines Mannes, seiner Band,
seiner Fans und einen Haufen mehr oder minder absichtsvoll in diesen
Film integrierter Leute ist wirklich die perfekte Umsetzung von Zappas
Philosophie "Humor belongs to music" als audiovisuelles Ereignis. Zappa
als Gesamtkunstwerk sozusagen, denn "Baby Snakes" ist nicht bloß
ein abgefilmtes Konzert: Hier wurden Filmaufnahmen von einigen
Konzerten rund um Halloween 1977 aus dem Garrick Theater, New York
verwendet. Dazu es gibt Animationen, Einblicke in den Backstage-Bereich
und vieles mehr (und nebenbei gesagt: Schon das Booklet ist wahnsinnig
gut gestaltet!). Mit 2 3/4 Stunden Laufzeit schlicht und ergreifend ein
must-have für Zappa-Fans und alle, die es werden wollen.
[sal]
Grant-Lee Phillips "Virginia Creeper"
Singer/Songwriter – elf wundervolle Geschichten (Cooking Vinyl)

Groß ist die Grenze nicht, die zwischen gefühlvollen Songs
und Kitsch verläuft. Oft wird sie überschritten und auch
Grant-Lee Phillips mit seiner süßlichen Stimme läuft
ständig Gefahr abzudriften. Auf seinem dritten Solo-Album gelingen
ihm jedoch elf wunderschöne Songs, bei denen ihn die Dichte von
Text und Musik vor solchen Ausrutschern bewahrt. Phillips singt
hingebungsvoll von Frauen ("Lily-A-Passion", "Mona Lisa", "Susannah
Little", "Josephine Of The Swamps") und erzählt dabei so
eindringlich seine Geschichten, dass man ihm ein wenig Schmalz gerne
verzeiht. War der Vorgänger "Mobilize" noch eine Solo-Produktion
mit elektronischen Experimenten, hat sich Phillips nun wieder eine Band
zugelegt. Sie trägt ihn und seine Lieder mit einem Americana-Sound
aus akustischer Gitarre, Akkordeon, Geige, Stand-Up-Bass und Mandoline.
Im Hintergrund erklingt dezent die dunkle Stimme von Cindy Wasserman,
die einen trefflichen Konterpart gegen die hellen Töne von
Phillips abgibt. Zuweilen erinnert das Ganze an Bruce Springsteen in
seinen ruhigeren Zeiten, vor allem "Calamity Jane" könnte vom Boss
stammen — es ist zudem ein Song, in dem alles passt. Auch wenn noch
einiges kommen mag: "Virginia Creeper" ist schon mal ein heißer
Kandidat für das Album des Jahres!
http://www.grantleephillips.com/ [hb]
Missouri "In Voodoorama"
Heiß-kalte Mixtur: 70s-Soul + Elektronik + Balladen Mixtur
(Tapete)

Eine beeindruckende Metamorphose haben die Nürnberger und
Hamburger aus Nürnberg vom ersten zum dritten Album hinter sich
gebracht. Ehedem eher schlurfig in Codeine-hafter Dynamik allen
Erzengeln des Slo-Mo-Slacker-Country huldigend, zwischendurch mal flugs
die zeternden, wütenden, ziemliche Bambule verbreitenden jungen
Leute gebend, hat man sich nun dem Zauber der Südsee zugewandt.
Zusammengesetzt aus 70s Soul, Gospel, traurigen Piano-Balladen,
wüstem Ländler und schillernd-schimmernder Elektronik
kriechen dunkle Moritaten in eigentümlich holperndem Groove
unbeirrt vorwärts, sogar tanzbar ist das Ganze. Karg, schwül
und verlockend – so spartanisch und übersichtlich
Instrumentenfülle und Produktion sich geben, so üppig wirkt
die Summe der wenigen Teile. Pluckernd-perlendes Rhythmuswerk, vor
Hitze flirrende Gitarre, rumpelnd-schweinerne Uralt-Orgeln – da werden
Erinnerungen wach an Suicide hier, Hugo Race oder Timmy Thomas' "Why
Can't We Live Together" dort – alle unter kreolischem Mond zu
unwiderstehlichem Zauber vereint und doch eher in urbanen
Zusammenhängen heimisch. Das buchstabiert man
W-E-L-T-N-I-V-E-A-U. http://www.missourimusic.de/
[R. Stiewe]
Discus "...tot licht!"
Progressive Rock – Jazzrock, Fusion, Metal, Artrock, Folk, Neue Musik
und mehr (Musea)

So wenig einladend das Cover in seiner Aquarellästhetik a la
Zeugen Jehovas, so spektakulär ist das Album in seinem
musikalischen Inhalt: Die indonesische (!) Band Discus entfacht von der
allerersten Sekunde (bis zur allerletzten) ein in dieser Form
ungehörtes, unerhörtes Feuerwerk an Stilrichtungen, Genres,
Anspielungen, Déjà-vus und Zitaten. Ungestüm und
frech, jedoch in höchstem Maße professionell, verquicken
Discus all das, was doch dereinst per definitionem nicht zu verquicken
war. So herrschen meist jazzrockige Elemente vor, diese werden aber von
knüppelharten Metal-Riffs geradezu zersägt; sie paaren den
typischen, progressiven Größenwahnsinn mit introvertierter
Instrumentalmusik; sie durchsetzen Prog mit Latin-Jazz, mit
Scat-Gesang, mit Freejazz, mit Zappaeskem, mit
Düster-Bedrohlichem, kurzum mit allem, was ihnen vor die
Füße fällt. Das Unerwartete ist in ihrer Musik
Programm. Wie ein Rahmen um all dies spannen sie dann noch genre-fremde
Einflüsse (buddhistische Chormusik, indonesische Gamelan-Musik,
pentatonische Musik Debussy'scher Prägung), vermengen ihre furiose
Fusion mit genre-verwandte Einfüssen (einfach köstlich das
Metal-Grunzen auf "Breathe", das geschickt im Dialog mit den jazzigen
Frauen-Vocals steht) und einer gehörigen Portion Respektlosigkeit.
Um es auf eine kurze Formel zu bringen: Discus prägnantestes
Stilmittel ist der permanente Regelverstoß, das Auflösen
alter Klischees, eine sehr freie Lesart progressiver Rockmusik, die
sich vergnügt bei all dem bedient, was für die Entwicklung
der Komposition (und des Albums) notwendig ist. Es steckt viel Arbeit
und musikalisches Können in solch einem Album; wie erfreulich,
dass es auch noch so wahnsinnig viel Spaß macht: Definitiv jetzt
schon ein Highlight des Jahres. <http://www.musearecords.com/>
[sal]
Figurines "Shake A Mountain"
Gitarren-Melodierock nach amerikanischer Art: Ein Debüt zum
Niederknien (Pop-u-loud)

Ganz anders als ihr berühmter Landsmann Hamlet neigt die
dänische Band Figurines nicht zum Grübeln. Ganz im Gegenteil:
Ihnen scheint die Sonne auch durch die dicksten Wolkenmassen hindurch —
jedenfalls klingen sie so. Sänger Christian Hjelms Stimme
tönt wie die eines bekannten Saddle Creek Stars, nur mit dem
winzigen Unterschied, dass Christian eine Prachtlaune hat. Trotzdem hat
seine Stimme diese wahnsinnigen Höhen und trifft immer so charmant
die halben und viertel Töne neben der Spur, dass es eine wahre
Freude ist. In Dänemark schon seit einem Jahr zu haben, ist das
großartige "Shake A Mountain" nun endlich auch in Deutschland
erhältlich. Und es wäre der Band zu wünschen, dass sie
endlich auch außerhalb Dänemarks Beachtung findet, denn ihr
Debüt ist eine kleines Kunststück: Elf liebevolle,
popmelodische, grundehrliche Gitarrenkleinode, die durch bestechendes
Songwriting, detailversessene Komposition und nicht zuletzt eine Menge
vergossenes Herzblut geradezu nach Sympathie schreien. Bei jedem
Hören ein neuer Lieblingssong — zuletzt haben so etwas The Long
Winters oder Timesbold hinbekommen. Am deutlichsten wird das Prinzip
bei einem der schönsten Titel des Albums: "Whatever You Found".
Wie da zweistimmige Gitarrenläufe und gesangliche
Melodiebögen aufs herrlichste verschmelzen, das kann einem schon
die Tränen in die Augen treiben. Wenn dann wie bei "Cursed Region"
auch noch die Streicher schwelgen, ist man verloren. Und rocken
können sie auch noch! Die durchweg englischen Texte lassen Raum
für Assoziationen, aber es wird kolportiert, dass auch die Band
selbst Christians Texte nicht versteht. So what... die Musik spricht
für sich. Ein ganz großes Album! [tm]
Nick Drake "Made To Love Magic"
Folk – Raritäten vom unvergessenen Meister des melancholischen
Folk (Island)

Die drei Studioalben des englischen Folksängers Nick Drake
(1948-1974) "Five Leaves Left", "Bryter Layter" und "Pink Moon"
gehören ohne Übertreibung zu den schönsten Alben, die
jemals aufgenommen wurden. Drakes exzellentes Gitarrenspiel und seine
melancholischen Texte üben auch heute noch ihre Faszination auf
die Musikfans aus. Erst kürzlich wurde er von einer neuen
Generation wiederentdeckt: 30 Sekunden des Songs "Pink Moon" in einem
Werbespot reichten aus, um Nick Drake wieder zurück ins
Rampenlicht zu bringen. Nun ist mit "Made To Love Magic" eine Art
Begleitalbum zu den drei regulären Alben Drakes erschienen. Es
enthält Raritäten, Remixe und einen erst kürzlich
entdeckten Song ("Tow The Line"), dazu ein ausführliches Booklet
mit detaillierten Angaben zu den Aufnahmen. Die Musik und Stimme Drakes
sind auch bei diesen behutsam bearbeiteten und rekonstruierten
Aufnahmen geradezu magisch und so vervollständigt, trotz seines zu
frühen Todes, nun ein weiteres Juwel seine Diskographie.
[sal]
Various "Ave Marina - Ten Years
Of Marina Records"
Glasgow, Hamburg und anderswo – Popmusik für intelligente
Erwachsene – 2CD (Marina)

Marina wird (eigentlich schon) elf und die stolzen Väter haben
allen Grund, dies auch kräftig zu feiern. Dass daraus auch noch
eine extravagante Platte wird, freut sicher nicht nur die weltweiten
Fans dieses Hamburger Labels, das sich mit gerade mal 60
Veröffentlichungen (allerdings auf höchstem Niveau) eine
beeindruckende Fan-Gemeinde erworben und vor allem erhalten hat. Wer
noch echte Pop-Helden sucht, der wird hier seine wahre Freude haben.
Und was heutzutage noch wichtiger ist: Die Freude verblasst nicht
binnen kaum erwähnenswerter Halbwertszeit, sondern bleibt. Auf
"Ave Marina" finden sich insgesamt 38 Songs von Interpreten und Bands,
die man möglicherweise nicht kennt (dies aber besser verschweigt),
denen schon rein gar nichts von peinlichen 48-Stunden-Hypes anhaftet,
die symphathischerweise ein ausgeprägtes Faible für
sündhaft schöne Melodien pflegen und mit magischen Talenten
Sommer- und Sonnenmusik von den nördlichsten Südstränden
Glasgows und Hamburgs herbeizaubern können. Mit dabei: James Kirk,
Sugartown, The Pearlfishers, Shack, The Secret Goldfish, Adventures In
Stereo, Ashby, Edwyn Collins, Cowboy Mouth, The Pale Fountains, Malcolm
Ross, Jazzateers, June & The Exit Wounds... undundund.
Überraschungsgäste im Hause der oben erwähnten
Väter Kassel & Lähnemann: The Marina Swingers, Van Dyke
Parks, Roddy Frame, Die Zimmermänner, Der Plan und Kim Fowley.
Eine perfekte Zusammenstellung, die besonders als streng limitierte
Vinyl-Version haptisch und optisch keinen Wunsch offen lässt.
Boogie down, compadres! <http://www.marina.com/>
[gw]
King Crimson "Eyes Wide Open"
Progressive Rock – 2 Tourneen, 2 Konzerte, 2 audio-visuelle Ereignisse
– 2DVD (Sanctuary)

King Crimson waren stets, und dies ist mittlerweile durch zahlreiche
nachträglich veröffentlichte Archivaufnahmen belegt, eine
Live-Band. Wie erfreulich, dass es neben der sehr empfehlenswerten 1999
erschienenen "Deja Vrooom" nun auch audiovisuelle Dokumente der 2000er
(DVD2: "Live In London") und 2003er (DVD1: Live In Japan) Tournee gibt.
Wie auch schon beim letzten Mal ist die Umsetzung auf DVD mit
zahlreichen Gimmicks gespickt (etwa nach dem Zufallsprinzip
ausgewählte Improvisationen) und wie immer, zumindest in den
letzten Jahren, geraten die Live-Umsetzungen der einzelnen Stücke
vitaler, energiegeladener und noch überzeugender. Auch 35 Jahre
nach der Gründung hat diese Band dank ständiger
Weiterentwicklung und Metamorphosen nichts von ihrer Klasse
eingebüßt. [sal]
Gustav Mahler / SWR Sinfonieorchester,
Michael Gielen "Symphonies No. 1 – 9 / Adagio"
Klassik – Sämtliche Symphonien von Mahler – 1989 – 13CD
(Hänssler)

Über kaum eine Wiederveröffentlichung im Klassiksektor habe
ich mich so sehr gefreut wie über die Mahler-Symphonien, dirigiert
von Michael Gielen. Gustav Mahler (1860-1911) gehört zweifellos zu
den bedeutendsten Symphonikern überhaupt, doch existieren nur
wenige gescheite Einspielungen, geschweige denn klanglich einwandfreie.
Da wird oft zu schnell und zu lärmend drübergeschnuddelt; die
alten, meisterlichen Interpretationen von Klemperer und Schuricht
leiden sehr unter den damaligen Aufnahme-Bedingungen. Der von Michael
Gielen und den beiden SWR Sinfonieorchestern Baden-Baden und Freiburg
eingespielte Symphonie-Zyklus gehört sowohl klanglich, als auch
interpretationstechnisch zu den besten Aufnahmen Mahler'scher Musik.
Gielen gelingt es wie kaum jemand anderem, die innere Strahlkraft der
Musik und ihre Ausdrucksstärke umzusetzen, ohne lärmend,
aufdringlich oder hektisch zu werden. Er bleibt bei den elegischen
Tempi und die Musiker interpretieren Mahler auf absolutem
Weltklasse-Niveau, ausgewogen in Spiel und Klang: So viel bewegende
Musik auf dreizehn CDs, da stört es auch nicht, dass die Box eher
schlicht in Pappe ausgefallen ist. Meiner Meinung nach eines der
wirklich historisch bedeutsamen Highlights der deutschen klassischen
Musik. [sa]
Übernahme von Schallplattenmann.de.
Ferien in Lychen
Hallo,
liebe Freunde,
wie wohl die meisten von Euch wissen, habe ich seit 1.4.04 das
Ökostadt-Haus in Lychen gepachtet. Unter dem Namen Haus
Vogelgesang soll es zu neuem Leben erweckt werden. Seit Himmelfahrt
stehen 2 einfache und preiswerte Ferienwohnungen zur Verfügung.
Ihr seid hier herzlich willkommen. Ich habe auch einige einfache
Schlafplätze. Bitte meldet Eure Besuche an, da ich ab und an
auswärts arbeite, zudem wird an einigen Wochenenden jeder
Schlafplatz belegt sein.
Liebe Grüße Thomas
Lychen - Stadt der Seen und Wälder - liegt etwa 90km nördlich
von Berlin im Zentrum des Naturparks „Uckermärkische Seen“.
Einige Gemäuer der Altstadt stammen noch aus der Zeit der
Stadtgründung im 13. Jahrhundert. In unmittelbarer Umgebung
befinden sich zahlreiche zum Baden einladende Seen (darunter einige der
klarsten Norddeutschlands), ausgedehnte Wälder, kuppige
Moränenlandschaften, eindrucksvolle Heidegebiete.
Das Haus Vogelgesang liegt am Rande der Lychener Altstadt. Seit dem 1.
4. 4 wird es durch den Pächter Thomas Held betrieben. Beim
Betreten des idyllischen grünen Hofes ist die Stadt nicht mehr zu
spüren. Ein üppiger grüner Garten erstreckt sich bis zur
Stadtmauer. Zahlreiche auf dem Grundstück und in der näheren
Umgebung lebende Vögel machen dem Namen des Hauses alle Ehre.
Im ersten Stock des ökologisch sanierten Vorderhauses befinden
sich 2 einfache Ferienwohnungen, eine Einraumwohnung mit Wohnküche
und Dusche sowie eine Zweiraumwohnung mit Wohnküche und Bad.
Beide Wohnungen haben Zugang auf eine große Terrasse mit
Seeblick. Die Übernachtung kostet bis 14.09. 15 Euro/Person,
Kinder 7-14 Jahre 8 Euro, Kinder bis 6 Jahre sind frei (15.9.-14.5. 12
Euro / 6 Euro). Zuzüglich ist die Kurtaxe von Lychen (1 Euro /
0,50 Euro).
Im Erdgeschoss befinden sich ein großer Veranstaltungs- und
Seminarraum mit Fernseher und Video, ein Klubraum mit Kleinbibliothek,
Internet und Telephon, eine Küche für Gruppen und ein kleiner
Biohandel. Wöchentlich probt der Lychener Shantychor im Haus,
monatlich gibt es „Keramisches Gestalten“ durch den Ökostadt e.V.,
dem Eigentümer des Haus Vogelgesang. Weitere Veranstaltungen sind
in Planung.
Naturkundliche Wanderungen und Radtouren werden angeboten. Auf dem Hof
befinden sich mehrere zum Teil überdachte Sitzgruppen, ein
Buddelplatz, ein Lagerfeuerplatz und Grillmöglichkeiten.
Weitere Informationen und Kontakt: Haus Vogelgesang, Vogelgesangstr.
4, 17279 Lychen, Tel./Fax: 039888/4195, Mail:
hausvogelgesang<AT>gmx.de,
http://www.hausvogelgesang.de
Mit freundlichen Grüßen Thomas
Held |

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Das Idol
Heiko Berg saß an seinem Schreibtisch. Er korrigierte
Facharbeiten. Es war eine Höllenarbeit. Und sie machte keinen
Spaß. Nur wenige seiner Schüler, egal welcher Klassenstufe,
besaßen wirklich Sprachgefühl und verstanden die
Geheimsprache, die jeder guten literarischen Arbeit inne ist, zu
deuten. Vor ihm lag ein 15 cm hoher Packen Fleißarbeit.
Zusammenstellungen aus Zitaten und Bindewörtern. Die wenigen
interessanten Gedanken gingen im Bestreben, möglichst viel zu
schreiben, kläglich verloren. Es war Usus geworden, Menge an die
Stelle von Qualität zu setzen. Irgendwann war das Denken aus der
Mode gekommen. Nein, jetzt war Heiko ungerecht. Es gab auch
Lichtblicke. Gerade in dieser Klasse waren zwei, drei Schüler, die
das Zeug hatten, einmal Herausragendes auf dem Gebiet der Sprache zu
leisten. Und schließlich gab es auch für ihn Bereiche, die
ihm nur in Ansätzen geläufig waren. Er hätte heute zum
Beispiel seine Kenntnisse in Chemie oder Mathematik keinem seiner
Kollegen anbieten mögen. Aber warum mussten die Unfähigen
unbedingt so viel schreiben? Das machte die Arbeiten doch auch nicht
besser. Unter diesen Überlegungen war Berg nicht eine Zeile
vorangekommen und zwang sich nun, seine Gedanken wieder den Inhalten
der Hefte zuzuwenden. Fünf würde er heute noch durchgehen.
Das war auszuhalten und dann hieß es, den Unterricht für den
morgigen Tag vorbereiten. Zwischendurch konnte er sich noch eine gute
Tasse Kaffee gönnen.
Er nahm den Rotstift wieder zur Hand. Langsam wälzte er sich durch
die nächsten Arbeiten. Die dritte gewährte ihm einen
Lichtblick. Marcel Purwein war der Verfasser der Arbeit. Berg wusste,
dass ihn jetzt ein Genuss erwartete. Interessanterweise brauchte Marcel
für seine durchdachten und wie immer ketzerischen
Ausführungen wesentlich weniger Seiten als all die anderen
für ihre weit uninteressanteren Ergüsse .
Es machte Berg Spaß, unter die Arbeit seine Anmerkungen und
Denkanstöße zu schreiben und dann trotzdem eine dicke Eins
zu notieren.
Danach hörte er auf, obwohl eigentlich noch zwei Hefte hätten
gelesen werden sollen.
Berg begab sich in die Küche. Eine typische
Junggesellenküche. Dabei war er immerhin fast 20 Jahre verheiratet
gewesen und hatte zwei Töchter. Aber Frau und Kinder waren aus dem
Haus. Alle drei zu anderen Männern. Seitdem war Heiko wieder zum
Junggesellen geworden. Er vermisste nur in sehr einsamen Momenten
etwas.
Seine freie Zeit verbrachte er mit dem Verfassen von Beiträgen
für die Literaturzeitschrift. Ab und zu entstanden einige
Gedichte. Und im letzten Jahr hatte er einen Roman „ Das verlorene
Land“ veröffentlicht. Er war sehr stolz auf das Werk. 750 Seiten
spannungsvolle Gegenwartsliteratur, in der er über die Teilung und
Wiedervereinigung Deutschlands sinnierte. Sein Held hatte nach der
Öffnung der Mauer Karriere gemacht und darüber seine Familie
verloren, mit der er vorher glücklich gelebt hatte. Das Buch war
kein Bestseller geworden, aber es hatte einige Beachtung gefunden.
Und nun saß er also hier, es war Sonntag, draußen fielen
dicke Flocken Schnees und er trank Kaffee.
Morgen hatte er nicht viele Stunden. Eine Geschichte in der 8. Und zwei
Deutsch in der 11. Letztere Stunden mussten nicht vorbereitet werden.
Die Schüler stellten Bücher deutscher Nachkriegsautoren vor.
Er musste nur zuhören und bewerten.
Die schrille Schulglocke ertönte. Wie nervtötend sie war!
Jedes Mal, wenn sie durch die langen Gänge des alt
ehrwürdigen Schulhauses dröhnte, zuckte Berg zusammen. Und
das seit über 10 Jahren. Manchmal, Sonntags, geschah es sogar,
dass er auf das Zucken wartete. Dann war er immer wieder dankbar, dass
er es nicht hören musste.
Jetzt hatte er allerdings 90 Minuten Ruhe. Die Deutschstunde begann.
Berg strich sich eine spärliche Strähne aus der Stirn und
begrüßte die Schüler der 11. Klasse, die wie die Einsen
vor ihm saßen. Er war immer wieder erstaunt darüber, dass er
eine solche Disziplin hatte. In seinen Anfangsjahren war das nicht so
gewesen. Damals hatte er versucht, den Schülern ein Freund und
Kumpel zu sein. Sie waren doch gar nicht so viel jünger als er.
Heute hätte er höchstens ihren Vater verkörpern
können. Doch all das war müßig, denn es funktionierte
nicht. In diesem Schulsystem kam man mit Strenge und Forderung am
einfachsten durch und mehr wollte er gar nicht mehr. Der Idealismus
seiner Jugendzeit existierte nur noch in seinen Erinnerungen und auch
dort nur noch schemenhaft.
„Nun, meine Damen und Herren freuen Sie sich hoffentlich mit mir auf
interessante Vorträge aus Ihren Reihen zur deutschsprachigen
Literatur der Nachkriegszeit.“ Berg blickte auf die erste Zeile in
seinem Schülerverzeichnis. „Wir beginnen mit Fräulein Amberg.
Bitte Susanne.“
Die Schülerin erhob sich, wie immer himbeerrot in dem sonst so
blassen, unscheinbaren Gesicht. Sie schwitzte und jeder sah ihr die
Angst vor der vor ihr liegenden Aufgabe an. Sie würde auch dieses
Mal ihr Referat vollständig vom Blatt lesen. Das freie Sprechen
war ihr nicht gegeben und natürlich ein Gräuel. Ein
Gräuel war Heiko Berg auch der Stapel Blätter in ihrer Hand.
Es war ihm zu spät eingefallen, dass er besser die Liste von
hinten begonnen hätte. Nun ergoss sich der Redeschwall des jungen
Mädchens über die Klasse. 15 Minuten monotones Verlesen der
wichtigsten Lebensdaten Siegfried Lenz´ einschließlich
eines im selben Tonfall vorgetragenen Textauszugs aus „Die Klangprobe“.
Als nächstes wanderten die Augen des Lehrers nach unten in seiner
Liste :“Daniel Vogelbaum bitte!“ Charlotte Arn, die in Erwartung ihres
Namens schon die Zettel zusammengerafft hatte und schon halb
aufgestanden war, setzte sich wieder. Der statt dessen Aufgerufene
schrak auf und begann nun seinerseits sein Material zu ordnen. Die
Klasse begann zu murmeln..
´Es zeigt sich wieder einmal, dass Gewohnheiten zum reibungslosen
Ablauf eines Systems gehören´, dachte Heiko Berg. Laut sagte
er nur:“ Ich bitte um Ruhe, und Sie, Daniel, wollen sich bitte beeilen.“
Daniel allerdings ließ sich Zeit, typisch für ihn. Er
schlenderte gemächlich nach vorne. Unwillkürlich fühlte
sich Berg an sich selbst als Schüler erinnert. Auch er hatte seine
Lehrer mit seiner Langsamkeit manchmal zum Wahnsinn getrieben. Und wie
er, war Daniel aber auch ein Schüler, der fachlich immer auf der
Höhe war. Sein Vortrag versprach zumindest nicht langweilig zu
werden.
Er begann: „ Ich werde von einem äußerst faszinierenden
Autor berichten, der sowohl vor als auch nach dem 2. Weltkrieg Furore
machte. Ihr alle kennt ihn, aber ihr kennt nicht alles von ihm. Ich
spreche von Bertolt Brecht...
Die 15 Minuten Redezeit verflogen, die Klasse applaudierte und nun
referierte Betty Boom fundiert und geübt über „Die
Blechtrommel“ und Günter Gras.
Für Bergs gefühlsmäßige Uhr dauerten die 15
Minuten genau eine Viertel Stunde, aber das musste man ihr lassen, auch
nicht länger, im Gegensatz zur ersten Kandidatin, deren 15 Minuten
nicht nur dem Lehrer wie eine halbe Stunde vorgekommen waren.
Berg hatte sich für ein Zickzack in der Liste entschieden und
landete jetzt wieder unten bei Herren. Marcel Purwein war an der
Reihe. ´Eigentlich wäre sein Vortrag ein guter Abschluss
für den Tag´, dachte der Lehrer, aber er mochte auch nicht
von seiner einmal begonnenen Regel abweichen. Als er ihn aufrief, hatte
Marcel seine Sachen beisammen und ging sofort nach vorne. Der
Schüler hatte das Spielchen seines Lehrers schon erkannt. Manchmal
war Berg dieser Schüler fast unheimlich. Er hatte oft eine
arrogante, besserwisserische Art. Es gab sogar Momente, in denen er
tatsächlich etwas besser wusste als seine Lehrer. Bei vielen war
er aus diesem Grund auch nicht sehr beliebt. Aber Berg achtete ihn und
er konnte nicht umhin, ihn sogar zu mögen, denn auch dieser
Schüler hatte Züge, die Heiko Berg aus seiner eigenen
Jugendzeit recht gut kannte.
Selbstsicher stand Marcel nun vorne und grinste. In der Hand hielt er
ein kleines Buch, dessen Titel und Autor nicht zu erkennen waren, da es
in einen Schutzumschlag aus Zeitungspapier eingeschlagen war.
„Also“, eröffnete der junge Mann seinen Vortrag, „über den
Autor des Buches, das ich hier in der Hand halte, kann ich euch nur
wenig erzählen, da nicht sehr viel über ihn bekannt ist. Nur
soviel: Er schrieb dieses und zwei weitere Bücher im Abstand von
jeweils fünf Monaten, also in knapp anderthalb Jahren. Dieses,
sein erstes Werk erschien 1969, als er gerade 21 war. Ihr werdet euch
jetzt fragen, warum über den Autor nichts heraus zu bekommen war.
Ganz einfach: Er schrieb unter einem Pseudonym, nämlich Burkhard
Zugspitz. Alles weitere über ihn müsst ihr schon selber
heraus bekommen, indem ihr das Buch ´Lasse wird König´
lest, denn es erzählt eine Menge über den Schriftsteller.
Obwohl der Ich-Erzähler im Buch Lasse heißt, bin ich der
Meinung, dass er sehr viel mit dem Schriftsteller gemein hat. Lasse ist
20 und ein radikaler Anhänger der Studentenbewegung. Er will alles
verändern. Das fängt bei der Struktur des Bildungssystems an
und endet schließlich in einer Revolution, wobei er letztlich,
nicht wie die anderen Studenten mehr Demokratie, sondern im Gegenteil
eine Monarchie anstrebt. Er ist der Meinung, dass das deutsche Volk
kein Volk für eine Demokratie ist, sondern einen starken, aber
menschlichen König braucht, der die Entscheidungsgewalt hat.
´Der Pöbel muss in seine Grenzen gewiesen werden, sonst
werden Gier, Dummheit und Gewalt mit Hilfe der Demokratie die
Menschlichkeit ein zweites mal besiegen´, lässt Zugspitz
seinen Helden sagen. Ich finde das absolut genial. Das war aber nicht
alles, hört euch folgenden Auszug an.....“
Den Rest seiner Zeit las Marcel aus dem Buch vor und schloss mit
Worten: „Und wenn ihr das Buch gelesen habt, werdet ihr euch auf die
beiden anderen Bücher stürzen und euch wundern, dass ihr von
dem Autor früher noch nie etwas gehört habt. Ich wäre so
froh, wenn ich noch etwas von ihm auftreiben könnte. Aber
vielleicht ist er ja jung gestorben und konnte nichts mehr schreiben.“
Heiko Berg hatte die ganze Zeit mit Interesse zugehört und sein
Gesicht drückte Staunen aus. Das kannten seine Schüler kaum
von ihm. Es sah so aus, als hätte Marcel tatsächlich ein Werk
gefunden, das ihr Lehrer nicht kannte. Bei einigen breitete sich
Schadenfreude auf dem Gesicht aus. Aber zu früh. Denn als Berg
sich nun erhob und zu sprechen begann, zeigte es sich, dass er dieses
Werk recht gut kannte und wohl auch etwas mehr als sein Schüler
über den Autor wusste. „ Was Sie da vorgetragen haben, versetzt
mich wie Sie sehen können in der Tat in Erstaunen, denn ich dachte
nicht, dass von diesem Autoren noch Bücher auf dem Markt sind.
Soviel ich weiß, wurden die Auflagen gestoppt. Wo haben Sie denn
Ihr Exemplar her?“
„Ich habe es auf dem Dachboden meiner Großeltern gefunden. Die
drei Bände lagen da zusammen geschnürt herum. Aber sagen Sie,
warum hat man die Auflage eingestellt?“
„Ganz einfach. Auf Wunsch des Autors, der sich zwei Jahre später
von seinen Büchern distanzierte. Wenn Sie etwas in den
Literaturzeitungen der damaligen Zeit geforscht hätten, wäre
Ihnen das aufgefallen. Ich wundere mich, dass Sie das nicht getan
haben.“
Marcel stand da wie ein begossener Pudel. Er tat Berg fast leid. “Aber
warum hat denn Zugspitz sich von den Büchern distanziert. Er hatte
doch Recht!“
„Nun, ob er recht hatte oder nicht, haben, glaube ich, nicht Sie zu
entscheiden, sondern, wenn überhaupt, die Geschichte. Bis dahin
aber werden Sie es dem Autor überlassen müssen. Ob er zu
seinen Worten steht oder nicht. Außerdem war nicht der
Wahrheitsgehalt der Grund für den Rückruf, sondern die
literarische Qualität“
Marcels Augen funkelten kämpferisch:“ Wollen Sie damit sagen, dass
die Qualität des Buches nicht gut sei? Wie können Sie das?“
Berg lächelte etwas spöttisch und erwiderte:“ Zu Ihrer ersten
Frage: Allerdings, das meine ich. Und zur zweiten: Ich kann das, weil
ich eine entsprechende Ausbildung habe.“
Bevor Marcel antworten konnte, gellte die Klingel. Diesmal war Berg
fast froh. Denn der Ausdruck im Gesicht des Schülers grenzte an
Hass. Das hatte er nun wirklich nicht erwartet und schon gar nicht
bezweckt.
Normalerweise machte Heiko Berg, sobald er zu Hause war erst einmal
seine verdiente Kaffeepause. Heute aber ging er schnurstracks auf sein
Bücherregal zu und durchsuchte die zweite Reihe. Zu seinem
Erstaunen fand er recht schnell, was er suchte. Da waren sie, seine
drei Bücher, geschrieben 1969/70 unter dem Pseudonym Burkard
Zugspitz. Er blätterte darin herum. Was für ein Schwachsinn!
Heiko hatte lange nicht mehr an das gedacht, was er heute als eine
Jugendsünde bezeichnen würde und was ihn nun unerwartet
wieder einholte. Er würde sich noch einmal mit seinen Büchern
auseinander setzen müssen. Denn eines wusste er. Marcel gab nicht
so schnell Klein-bei. Dieser Schüler würde weiter suchen. Und
ausgerechnet er, Heiko Berg selbst, hatte ihm den Weg gewiesen, wie er
zu weiteren Informationen gelangen konnte. Aber andererseits wäre
Marcel früher oder später sicher auch selbst auf die Idee
gekommen, in den alten Zeitungen zu schmökern. Er hatte
wahrscheinlich wieder einmal etwas spät mit seinem Referat
begonnen, so dass er zum Termin einfach nicht mehr Informationen hatte
und auf den Überraschungseffekt baute. Schließlich konnte er
ja nicht wissen, dass er ausgerechnet das Frühwerk seines Lehrers
vorstellte. Berg selbst konnte sich kaum vorstellen, dass einer seiner
Fachkollegen seine Bücher gelesen hatte oder sich heute noch
daran erinnerte. Damals waren nicht viele Bücher verkauft worden
und das war auch gut so gewesen. Vater Berg hatte seine Beziehungen
spielen lassen und nicht wenig Geld bezahlt, um die Auflage schnell
zurückzurufen. Trotz des Pseudonyms hatte er recht bald gewusst,
woher die antidemokratischen Schriften kamen und war der Meinung
gewesen, dass auch andere nicht viel länger brauchen würden
um hinter Zugspitz den Berg zu argwöhnen. Und für einen
angehenden Lehrer war so etwas in Zeiten der Berufsverbote nicht
karriereförderlich. Ja, so war das damals gewesen. Er fand seines
Vaters Verhalten damals diktatorisch und war fürchterlich
gekränkt, hatte aber nichts unternommen. Heute, wie gesagt, war er
froh darüber.
Und nun das! Es gab doch genug gute Schriftsteller in Deutschland, im
Westen wie im Osten. Und dieser Marcel musste auf dem Dachboden seiner
Großeltern ausgerechnet seine alten Bücher finden.
Berg schlug den ersten Band auf. Er begann irgendwo zu lesen.
Zwischenzeitlich musste er lächeln. Wie geschwollen er geschrieben
hatte. Er hatte sich so verdammt wichtig genommen. Sich und seine
Theorien. Nun ja, sie hatten schon etwas, das einen jungen Mann
beeindrucken konnte. Besonders heute, da die Demokratie wieder einmal
in einer Sackgasse steckte und kaum eine Partei festen Boden unter den
Füßen, geschweige denn eine vernünftige Politik zu
bieten hatte. Wieder war der Pöbel ohne Richtung. In Zeiten wie
dieser waren starke Leute gefragt.
Und da war seine Theorie noch hundert mal besser, als dieses ganze
Neonazigeschwafel, auf das so viele Jugendliche heute wieder herein
fielen. Vielleicht hatte Marcel hier eine Alternative gesehen. Junge
Leute waren sehr begeisterungsfähig.
Die Faszination des Jungen konnte Heiko Berg also noch verstehen. Aber
er hätte auch erwartet, dass Marcel die literarischen Defizite
erkennen würde. Anscheinend hatte er sich geirrt. Marcel war eben
auch nur besserer Durchschnitt. Wirkliche Literatur erkannte auch er
nicht. Aber was sollte das Ganze? Berg warf die Bücher in die
Ecke. Es musste ihn eigentlich nicht interessieren. Selbst wenn das
Buch nun aus der Versenkung aufgetaucht war. Was machte das schon!
Niemand wusste, wer Burkhard Zugspitz war.
Er ging in die Küche und machte sich seinen Kaffee. Er hatte ihn
schon vermisst.
Am nächsten Tag hatte die 11. Klasse kein Deutsch, aber Berg traf
den Fan seines Frühwerks auf dem Hof. Er hatte das Buch in der
Hand und sah provozierend herüber. Heiko Berg überlegte
kurz, ob er sich zu seinem Schüler setzen und die Herausforderung
annehmen sollte, entschied sich aber dagegen und wandte sich in
Richtung Schulhaus.
Dort begab er sich in seinen Klassenraum. Im Laufe des Tages achtete er
sorgfältig darauf, Marcel nicht über den Weg zu laufen.
Und so sah er auch nicht, dass Marcel Purwein ein überlegenes
Lächeln nicht unterdrücken konnte, als er seinen Lehrer quasi
flüchten sah. Und Berg konnte auch nicht wissen, dass dies
für den Schüler einem Eingeständnis des Lehrers
gleichkam, dass er Unrecht hatte. Aber welcher Lehrer konnte schon
offen zu geben, wenn er sich irrte. Marcel hatte sich vorgenommen Berg
zu zeigen, dass Zugspitz´ Werk literarische Qualität
besaß. Schon wie er mit Fremdworten umgehen konnte! Ohne
Wörterbuch dürfte es so manchem schwer fallen, den Inhalt des
Buches zu verstehen. So etwas imponierte Marcel.
Schon gestern hatte er sich in der Bibliothek die alten Zeitungen
besorgt und einige Rezensionen gefunden, die die Bücher von
Burkhard Zugspitz besprachen. Sie waren recht unterschiedlich - von
begeistert bis vernichtend. Allerdings waren sie nur in den
Regionalzeitungen erschienen. Die großen Blätter hatten
anscheinend keine Notiz von den Büchern genommen.
Aber das hatte, fand Marcel, nichts zu sagen. Viele große
Künstler waren erst lange nach ihrer Zeit erkannt worden, man
denke nur an van Gogh. Er, Marcel Purwein, würde es sein, der das
vergessene Werk des Schriftstellers Zugspitz zu Ruhm bringen
würde. Er wusste auch schon wie. Berg würde sich wundern. Die
Reaktionen der Leserschaft würden für sich sprechen. Den Tag
über konnte sich der Schüler Purwein kaum auf den Unterricht
konzentrieren. Er fieberte seinem Vorhaben entgegen. Anders als sonst
ging er an diesem Tage sofort nach Hause, schaltete seinen Computer ein
und begann zu schreiben. Er achtete nicht auf die Zeit.
Als er fertig war, sandte er noch eine E-Mail ab - an Herrn Berg.
Dies alles konnte der Lehrer natürlich nicht ahnen, als sein Handy
tütelte und er im Sessel hoch schreckte. Er war vor dem Fernseher
eingeschlafen. Jetzt kramte er nach dem Funktelefon, das er vergessen
hatte auszuschalten. Berg sah auf das Display. Dort stand: Sie haben
eine E-Mail.
Eine E-Mail? Jetzt? Berg blickte auf die Uhr. Es war kurz nach zehn.
Bestimmt wieder irgend so eine Werbung. Es war unerträglich. Da
hatte wieder irgendein Idiot seine Nummer weitergegeben. Heiko
beschloss die Nachricht zu löschen und begab sich, nicht bevor er
den Fernseher abgeschaltet hatte, an seinen Computer. Gerade als er die
Option LÖSCHEN anklicken wollte, sah er im Betreff sein Pseudonym.
Das machte ihn nun doch neugierig und er rief die Mail auf. Und da
stand es: Sehen Sie doch mal auf der Homepage von Burkhard Zugspitz
nach! Gruß Marcel Purwein.
Das schlug dem Fass den Boden aus. Eine Homepage von Zugspitz – das
wüsste er doch wohl! Marcel machte sich einen Spaß mit ihm,
gut und schön- aber um diese Zeit! Und woher hatte der seine
E-Mailadresse? Es fiel Berg wieder ein. Er selbst hatte sie seinen
Schülern gegeben, damit sie ihre Arbeiten direkt an ihn schicken
konnten. Er hatte fortschrittlich sein wollen und vergessen, dass er
damit seine Privatsphäre öffnete. Das hatte er nun davon.
Nicht eine Arbeit, dafür einen Witz eines Schülers, von dem
er mehr erwartet hatte. Berg war immer enttäuschter. Er
löschte die Meldung nun doch und ging zu Bett. Morgen würde
er den Schüler zur Rede stellen. Um besser einschlafen zu
können, schluckte Berg noch eine Tablette. Sie wirkte Gott sei
Dank schnell.
Und sie wirkte gründlich. Als Heiko Berg aufwachte, hatte sein
Wecker schon lange geklingelt und ihm blieben noch 10 Minuten, um
einigermaßen rechtzeitig loszukommen. Hetze! Am frühen
Morgen! Er liebte es, in Ruhe den Tag zu beginnen, ausgiebig zu duschen
und zu frühstücken. Er brauchte Zeit, sich seine Kleidung
auszusuchen- jugendlich lässig, aber korrekt. Und nichts, nichts
hasste er so wie ein überhastetes Aufstehen. Oder doch- wenn er
zu spät kam.
Also sprang Berg aus dem Bett, stolperte über den Fuß des
Sessels, der in der Mitte des Zimmers stand und als Kleiderablage
diente, fluchte, humpelte hastig ins Bad, machte sich eilig fertig –
nur das Nötigste: Wasser-ins-Gesicht – Zähne-putzen – Haare
-kämmen – Klo – zog sich an, griff Aktenkoffer und Mantel, eilte
in die Küche, stopfte sich ein halbes Brötchen in den Mund
und ein ganzes in die Tasche und hastete aus der Wohnungstür.
Den Weg zur Schule legte Berg ebenfalls im Eiltempo zurück, so
dass er tatsächlich mit dem Klingelzeichen in die Klasse trat.
Zu seiner Überraschung war da schon ein Lehrer. Der blickte ihn
erstaunt an und fragte: „Möchten Sie etwas von mir, Kollege
Berg?“
„Nein, entschuldigen Sie “, stieß der Angesprochene hervor und
verließ den Raum. Er hatte eine Etage höher Unterricht. Der
Deutschkurs Klasse 11. Berg konnte sich nicht erinnern, wann er sich
das letzte Mal verspätet hatte. Er hatte keine Übung darin.
Trotzdem nahm er eine straffe Haltung an, stieg die Treppe empor und
betrat würdig die Klasse, mit einem zugegebenermaßen etwas
dünnen: Guten Morgen, meine Damen und Herren. Ein
fürchterlicher Tag! Berg hatte noch immer weiche Knie vom
schnellen Treppe steigen. Haltung zu bewahren, war nicht ganz einfach.
Die Schüler hatten allerdings anscheinend nichts gemerkt.
Die bis eben noch sehr unruhige Klasse saß in Sekunden nun an
ihren Plätzen und sah ihn aufmerksam wie immer an. Berg kam der
Gedanke, dass er eben noch wie ein wildes Tier durch die Straßen
geeilt war, absurd vor.
Jetzt nahm er seine Klassenliste vor und rief die nächste
Schülerin zu ihrem Vortrag. Berg hatte jetzt Zeit, sich zu
beruhigen, aber sein Frühstück fehlte ihm und sein Kaffee.
Der Stundenblock ging vorüber mit Informationen zu Böll,
Walser, Wolf, Dürrenmatt und Strittmatter. Marcel meldete sich
erst nach den beiden Stunden bei Berg mit der Frage, wie ihm die
Homepage denn gefallen habe.
Berg antwortete:“ Mein Lieber Purwein, ich bin ja für Scherze
immer zu haben, aber meinen Sie nicht, dass es gestern etwas zu
spät dafür war?“
Marcel hatte die Zurechtweisung anscheinend überhört und
fragte jetzt: “Was meinen Sie mit Scherz? Die Mail war ernst gemeint.“
„Herr Purwein, treiben Sie es nicht zu weit! Es gibt keine Homepage von
Zugspitz. Das wüsste ich. Also hören Sie auf!“, antwortete
Heiko Berg etwas ungeduldig.
„Aber Sie können doch schließlich auch nicht alles wissen.
Sehen Sie doch nach unter www. Zugspitz.t-online.de “, beharrte der
Schüler.
Berg wurde nun doch ungehalten:“ Lassen Sie mich damit in Ruhe! Ich
habe anderes zu tun, als mich mit solchen Kindereien zu
beschäftigen.“ Damit wandte er sich ab und ging in den
Vorbereitungsraum, zu dem die Schüler keinen Zutritt hatten. Berg
war ärgerlich. Es war wie ein Alptraum. Erst dieser Tagesanfang
und nun auch noch dieser Zugspitzfan! Die Bücher verfolgten ihn
plötzlich. Im Grunde waren sie sogar schuld daran, dass er heute
verschlafen hatte. Denn hätte er sich gestern nicht über die
E-Mail geärgert, hätte er auch keine Schlaftablette gebraucht
und wäre ergo nicht zu spät gekommen.
Marcel Purwein sah Berg in den nächsten Tagen mit einem Blick an,
der dem Lehrer nicht geheuer war. So beschloss er, noch einmal mit dem
Jungen zu reden und bestellte ihn nach dem Unterricht zu sich. Marcel
kam.
Berg forderte ihn auf, sich zu setzen und nahm dann ihm gegenüber
Platz.
„Marcel“, begann er “Sie scheinen mir meine Meinung über Burkhard
Zugspitz´ Bücher übel zu nehmen. Aber glauben Sie mir,
ich weiß, wovon ich rede. Diese Bücher sind nichts wert. Der
Autor selber hat sich seinerzeit davon distanziert.“
„Woher wollen Sie das denn wissen? Seine Ideen sind so, so radikal und
sie sind logisch.“
„ Glauben Sie mir, es ist so. Und wenn Sie sich die Bücher einmal
ein wenig mit Abstand ansehen würden, dann würden Sie den
Inhalt und auch den Stil gar nicht mehr so toll finden. Sehen Sie, ich
war nur wenig älter als Sie, als der erste Band herauskam, und
damals habe ich ähnlich gedacht wie Sie. Ich will Sie nur vor
Problemen bewahren.“
Marcel war aufgesprungen:“ Sie sind ein Heuchler! Sie wollen doch nur
Recht behalten! Von wegen auch mal jung! Das kenne ich! Bloß weil
Sie Lehrer sind, tun Sie so, als wüssten Sie alles. Und um mich
brauchen Sie sich auch keine Sorgen zu machen! Dieser Zugspitz hat mehr
auf dem Kasten als Sie!“ Während er diese Worte fast brüllte,
hatte Marcel die Tür erreicht und schlug sie nun mit lautem
Knallen hinter sich zu. Berg blieb allein zurück und
schüttelte den Kopf. Was für eine Ironie! Er legte sich mit
einem Schüler an, weil der sein Buch gut fand. ‚Was soll’s?‘,
dachte er, ‚Was rege ich mich auf? Kein Mensch wird Wert auf seine
Meinung legen.‘ Für Berg war die Sache jetzt erledigt, er
würde sich nicht mehr darum kümmern.
Ruhig, sogar etwas belustigt ging er nach Hause. Sein guter Vorsatz tat
gut.
Als Berg am nächsten Morgen die Zeitung aufschlug, war er
allerdings wieder vergessen. Auf der Kulturseite, die er morgens immer
zuerst aufschlug, strahlte ihm eine Überschrift entgegen, die
Heiko Berg aus der Fassung brachte: HEIMISCHER SCHRIFTSTELLER
WIEDER ENTDECKT- LEHRER IGNORIERT SCHÜLERINITIATIVE
Darunter stand in einem Artikel eine Geschichte über einen
Schüler, dessen literarische Recherchen über den heimischen
Autor Burkhard Zugspitz von seinem Lehrer Heiko Berg nicht beachtet
wurden und der nun Informationen über den Autor gefunden und auf
einer Internetseite veröffentlicht hatte. Angeblich hatte er den
Mann hinter dem Namen Zugspitz aufgetrieben und mit ihm gesprochen.
Das war genug. Die Sache wurde langsam zu einer Farce . Und jetzt wurde
anscheinend auch noch die Voraussage seines Vaters wahr, sein
Geschreibsel würde ihm noch erhebliche Scherereien machen. In der
Schule hatte mindestens die Hälfte der Kollegen den Artikel
gelesen! Und wenn das keine Scherereien bedeutete, dann wusste Berg
nicht, was sonst. Da er nicht die Absicht hatte sich im
Raubtierkäfig des Kollegiums zerfleischen zu lassen, meldete Heiko
sich krank. Zum ersten Mal seit über 4 Jahren. Es war ihm egal,
welche Schlüsse daraus gezogen werden würden. Sein Interesse
galt jetzt der Internetseite. Berg war unangenehm gespannt darauf, was
dort wohl stehen würde. Die Adresse stand groß in der
Zeitung.
Auf der Seite fand Berg einen flammenden Text über die
außerordentliche Güte seiner Bücher, eine Recherche zur
Person des Autors, die anhand früherer Zeitungsartikel immerhin
bewies, dass er aus dem Städtchen stammte und ein Interview mit
Zugspitz!, in dem der Autor sich als verkannter Schriftsteller
darstellte, seine Ideen noch einmal darlegte und sich bei Marcel P.
für sein Interesse bedankte.
Heiko Berg war fassungslos. Erst nach einer Weile war er in der Lage,
eine Antwort zu formulieren. Und er tat es unter dem Namen, den er
schon früher benutzt hatte- Burkhard Zugspitz. Er verwahrte sich
gegen das gefälschte Interview und stellte klar, dass er selbst zu
seinen eigenen Büchern nicht mehr stand.
Auch die Zeitung bekam eine Kopie. Und sie druckte sie natürlich.
Die Folge war, dass die Schule den Schüler Marcel Purwein wegen
Verunglimpfung eines Lehrers suspendierte.
Berg selber wurde mit mitleidiger Zurückhaltung in der Schule
empfangen. Man gab seinem Bedauern Ausdruck, dass die Zeitung solche
Schmierereien druckte und man gratulierte Berg zu seinem sicheren
Stilgefühl. Er selber nahm das alles gelassen auf. Die ganze Sache
kam ihm irgendwie unwirklich vor und jetzt war sie Gott- sei- Dank
vorbei.
Am Abend klingelte es bei Heiko Berg an der Tür. Durch den Spion
konnte er Marcel erkennen. Der Lehrer überlegte kurz, dann siegte
das Gefühl, generös eine Entschuldigung annehmen zu
können, denn nichts anderes konnte der Junge von ihm wollen. Er
öffnete die Tür und ließ ihn ein.
Erwartungsvoll stand Berg seinem Schüler gegenüber. Nachdem
nichts geschah, fragte er: „Nun, was wollen Sie?“
„Sie haben den Text im Internet geschrieben!“, platzte Marcel heraus.
Berg antwortete lakonisch: “Mit etwas mehr Recht als Sie den Ihren. Ich
hatte eigentlich eine Entschuldigung erwartet.“
„Ich soll mich entschuldigen?“, fragte Purwein jetzt, „Warum sollte
ich? Ich habe nichts anderes getan als Sie.“
Jetzt musste Berg lachen. Aus vollem Halse. „Du weißt nicht, was
du sagst.“, brachte er immer noch lachend heraus, während er
unwillkürlich zum Du überging. Ein Sie kam ihm plötzlich
unpassend vor. Dieser naive Junge war noch nicht erwachsen. Und dann
hielt er plötzlich verdutzt inne. „Du hast noch immer nicht
verstanden!“, sagte er verwirrt.
Doch diese Verwirrung nahm der Schüler nicht zur Kenntnis. Das
Lachen hatte ihn wütend gemacht.
„Sie machen sich über mich und über Zugspitz lustig. Sie,
Sie...!“ Plötzlich hatte Marcel Purwein den Kerzenständer
aus Marmor in der Hand.
Am nächsten Morgen klingelte der Reporter von der Zeitung, um mit
Berg ein Interview zu führen. Er hatte die Zuschrift im Internet
zurückverfolgt und dann eins und eins zusammen gezählt. Nun
witterte er eine Story. Doch es öffnete niemand. Und er musste
unverrichteter Dinge wieder abziehen. Auch in der Schule war Berg
nicht. Da niemand etwas wusste, kehrte der Reporter wieder zur Wohnung
zurück, wo er durch das Fenster sah. Und da lag seine Story in
seinem Blut. Vielleicht hatte der Lehrer noch versucht, das Telefon zu
erreichen.
Nun, es war nicht die Story, die der Reporter erwartet hatte, aber es
war eine Story.

Lapsus live
Eine Erfolgsgeschichte
aufgeschrieben von Roland
Es war einmal ein König, der lebte mit seiner Königin
und
seinen heranwachsenden Prinzen und Prinzessinnen wie alle normalen
Könige an seinem Hofe, aß und trank, sorgte für
Ordnung, Bildung und Beschäftigung, maß sich in
Turnierkämpfen mit anderen Recken und zu Hause mit sich selbst.
Dieser König hatte im Stillen so seine Pläne, besonders was
die Turniertauglichkeit seiner Prinzen betraf - woran für ihn auch
alle anderen Tauglichkeiten geknüpft waren. Obwohl ihm nur sehr
selten ein Wort dazu entglitt, waren es wohl hochfliegende Träume,
die er da hegte. Und das, trotzdem er von seinesgleichen natürlich
nicht beflügelt wurde. Denn so was ganz besonderes zu sein,
gehörte sich einfach nicht.
Und auch die Musen griffen ihm nicht unter die Arme. Ja, er stand
diesen recht skeptisch gegenüber. Gut, zur königlichen
Bildung gehörten wohl Malerei und Gesang. Aber wie tief war die
Lust, ein Bildchen zu skizzieren unter den Tagesgeschäften
verschollen - und er hatte auch einige Angst, an den Bildern gemessen
zu werden, und wozu er singen sollte, hatte er vergessen. So tönte
bei Hofe nur selten Musik, höchstens mal die Fanfaren um die
Nachrichten der Herolde - die sich die Königin allerdings schon
gern mehrmals reinzog, um mit den Boten zu schäkern -, oder wenn
der König sich allein wähnte, drangen durch die Fenster- und
Türritzen Hits wie "Hundert Leiern sollen hell erklingen" von
Walter von der Vögelweide aus dem Repertoire der sieben
Stücke seines kleinen Hoforchesters, was ihm vor Zeugen so gut wie
peinlich gewesen wäre.
Wo er nicht umhin konnte, seine Ohren den Melodeien zu öffnen und
gar den Takt zu schreiten, das war die Schlagab-Tanzmusik auf den
regelmäßigen Turnierbällen. Seiner Tanzbereitschaft
vorausgesetzt war jedoch sein von Med und Wein empor geheitertes
Gemüt, um solcherart dem allgemeinen Sittenempfinden zu
entsprechen oder einfach dem Benehmen, das er glaubte, der Königin
demonstrieren zu müssen.
Aber was er gar nicht an seinem Hofe und nirgends ausstehen konnte,
regelrecht hasste und verdammte, das war Dudelsackmusik.
Dudelsäcke gab es im Lande noch nicht lange, Zigeuner hatten sie
aus Gefilden weit im Westen, jenseits der hohen Berge mitgebracht und
auch die Kunst, sie zu spielen und beängstigend fremdartige
Rhythmen. Und das Gedudel griff gerade in der Jugend mit Windeseile um
sich. Obwohl oder natürlich gerade weil bei den Herrschenden
verpönt, entwickelte das Dudeln die Kraft einer eigenen Sprache,
eines geheimen Schlüssels für Rebellentum. Und im Tragen
auffälliger Schärpen aus Ziegenfell äußerte sich
der Anschein jugendlicher Revolte.
Als der König bei seinem ältesten Sohne, Prinz
Löwengold, eines Tages solch eine Schärpe entdeckte, stockte
ihm zunächst der Atem und er bezwang nur mühsam eine harsche
Reaktion. Hatten doch solcherart Utensilien mittlerweile sogar die
Stände des Wochenmarktes in der Stadt erreicht, wo sie in
verschiedener Form jedermann feilgeboten wurden. Doch kurze Zeit
später traf es den König wie ein Schlag vor die Brust: durch
die Tür zu Löwengolds Gemach drang Dudelsackmusik! Dieses
Sakrileg (ein Wort, das er erst seit kurzem von seinem Sohn öfter
hörte und nun selbst in seinen Sprachschatz übernehmen
musste) war keinesfalls zu dulden. Erzürnt langte er nach der
Klinke und prallte schmerzhaft an das verschlossene Blatt. Mit diesem
Lärm verstummte sofort das Gedudel. Der König verlangte
einzutreten, dem Löwengold nach einigem Hin und Her nachgab. Mit
einem Blick erkannte der König das Instrument, mit einem Griff
packte er es und mit einem Satz verbot er seinem Sohn jegliches
Rumgedudel. Wobei er mit stiller Wut bei sich konstatierte, daß
er einen Kampf um das lausige Zickenfell des Jungen von vornherein
aufgab. Aber den Türschlüssel, den Türschlüssel zog
er im Fortgehen noch ab, ohne Worte jedoch mit viel Geräusch.
Wie ihm doch der Mut abging. Oder die Angst zu.
Kaum konnte er seinen Unmut seiner Frau Königin gegenüber
äußern - sie wollte gar nicht hören. Ihr war eine Musik
wie die andere, sie kannte Ziegenfelle aus Notzeiten und sie forderte
ja auch gar nichts von ihrem großen Jungen. Damit stand der
König allein. Und er wusste sich nicht zu helfen. Mit einiger
Bitternis musste er sich auch eingestehen, wie seine Frau mit
zähem Geschick auch den Zweitältesten, Prinz Drachenblut, ihr
zu Diensten einspannte. Denn das Gedudel betreffend verhielt sich
Drachenblut loyal zum Vater.
Aber dafür ließ Löwengold nichts unversucht. Schnell
hatte er sich wieder einen kleinen Dudelsack leiseren Tons besorgt, der
mit einem Handgriff unters Bett passte. Und er dudelte, wann immer es
ging. Näherte sich der Vater seinem Wohnbereich, wurde er
gewarnt: Ein Glöckchen klingelte, von schlau an Türen
angebrachten und geschickt mit kleinen Rollen verlegten Schnüren
in Gang gesetzt. Als der König eines Tages hinter diese
Schnüre kam, ließ er sie von Löwengold selbst
entfernen. Sagen konnte er dazu nichts, nur mit finsterem Blick
schauen. Aber er musste irgendwas sagen, dass sich Löwengolds
Grinsen nicht auswuchs, und so erinnerte er sich daran, welche
Tätigkeiten dem Prinzen gut zu Gesicht stünden. Er solle sich
endlich zum Schmied begeben und diesem zur Hand beim Beschlagen der
königlichen Pferde gehen. Doch da wurde sein Gesichtsausdruck
ganz blöde, denn Löwengold sagte fest Nein.
Prinz Drachenblut, der Zeuge war, stand offenen Mundes daneben.
Der König war geschlagen. Er konnte nicht verhindern, dass die
verhasste Musik von seinem Sohn gespielt wurde. Und es schien ihm, als
gäbe es in jedem Haus seiner Stadt Dudelsäcke.
Zähneknirschend sah er eines Weihnachtens eine
Ziegenfellschärpe mit glänzenden Nieten auf dem Gabentisch -
ein Geschenk seiner Frau Königin an ihren Ältesten.
Er flüchtete sich schließlich in bloße verbale
Attacken, wobei er keine Gelegenheit versäumte, sich auszulassen
oder seinen Sohn zu beleidigen. Fiel Löwengold mal vom Pferd, war
es vom Dudeln. Ließ er sich die Haare nicht mehr schneiden,
verfehlte er beim Pfaffen ein Prüfung oder grüßte den
Marschall nicht - das alles machte die Dudelsackmusik. Wurde jemand
krank, das Heu vom Regen nass oder eine Ehe geschieden, das alles kam
nur vom Rumdudeln. Da war sich der König sicher.
So gingen einige Jahre ins Land. Sein Sohn, mittlerweile
außerhalb des Hofes ein geachteter Dudelexperte, war meist in der
Fremde, höfische Ausbildungen zu absolvieren, wobei er bei jeder
Heimkunft ein neues Exemplar für seine Dudelsacksammlung
mitbrachte. Auch alle anderen königlichen Kinder dudelten
mittlerweile - wenn auch in ihren Gemächern. Sogar das
Hoforchester machte manchmal auf Dudelsäcken, was des Königs
Haupt noch mehr senkte. Er fühlte sich so ohnmächtig.
Als Löwengold eines Tages, er hätte schon längst
heiraten sollen, Freunde einlud - allesamt trugen sie Schärpen aus
Ziegenfell und lange, ungepflegte Haare - und mitten im Thronsaal ein
Dudelsackfest zelebrierte, fühlte sich der König wie
entmannt. Immer wieder drangen obszönes Lachen aus dem Saal oder
junge Leute, die um Essen in die Küche liefen - ohne zu
grüßen. Dazu diese grässliche Musik, mitten in seinem
Leben, unter seinen Augen; wüste, grelle, schnelle, unerhörte
Klänge und ein Gesang, der schaudern machte: "Tanz den fetten
König. Ha! Dreh ihn nach links. Uh! Dreh ihn nach rechts. Ah! ..."
und dazu wurde stampfend getanzt, dass überall im Schloss die
Lüstern wackelten - und er hatte sich zu schleichen. Das war
schlimm. Was konnte er noch tun? Ja, während der König
irgendwo Bilder wieder gerade hängte, Speisereste vom Pflaster
kehrte, weggeworfenen Unrat aus dem Garten klaubte, dabei unentwegt
laut durch die Nase hochzog und geringschätzend sein Haupt mit den
frisch geschorenen Haaren schüttelte, saß seine Frau
Königin vergnügt mit diesen ungepflegten Leute schwatzend in
der Küche! Diese Zusammenkünfte, "Lupus frey" genannt,
wiederholten sich nun jedes Jahr im Schloss. Der König war dann
manchmal zu dieser Zeit auf Reisen, wozu er auch versuchte, seine Frau
Königin mitzunehmen, aber er fühlte sich wie ein Vertriebener
und nannte es bei sich Flucht. Und die Königin weigerte sich
oftmals, ihn zu begleiten, ja, sie beteiligte sich an den
Festivitäten, ließ die Vorratskammern füllen, kicherte
mit den Leuten, sorgte für genügend Schlafplätze und
setzte sich zur Dudelsackmusik, als würde die nur für sie
gespielt.
Und dann kam rasch der Zeitpunkt, wo es der König müde ward,
sich stolzen Hauptes auf den Weg zu machen. Er war dann einer von
vielen Gästen des "Lupus frey". Selten zu erleben und nur schlaff
flatterte seine Fahne im Wind, wenn er während des Festes
kleinere Turnierkämpfe in Gang brachte. Aber er wurde gar nicht
mehr nach seinen Plänen gefragt.
Löwengolds Geschwister zogen am gleichen Strang. Auch ihre Freunde
kamen zu den Festen herbei. Und es war unter den Prinzen und
Prinzessinnen ein stiller Streit, wer die besseren Freunde hatte, wer
die seltsameren Töne aus dem Dudelsack bekam oder die glanzvollere
Feuerkunst. Aber das tat der Atmosphäre wenig Abbruch. Immer
wieder kamen freundliche Menschen zusammen, die sich anstecken
ließen von Musik, Tanz, Gesang und manches liebes Pärchen
fand sich in den Büschen des königlichen Parks.
Tja, das Glöckchen bewahrte Löwengold viele Jahre auf und er
erzählte seiner Mutter noch oft die Geschichte davon, die
Königin lachte dann immer von Herzen. Am liebsten hätte er
das Glöckchen vergraben, an einem markanten Ort. Vielleicht am
Grab seines Großvaters. Aber es gab keines.
Hier ist Schluss.

Vorbereitungen
für LAPSUS live Nr. 22
Ich freue
mich, dass Vorschläge zur Verbesserung des
LL-Veranstaltungsplatzes gemacht werden! Bislang von Achim — vielen
Dank! (Irrig ist allerdings die Annahme, ich halte den Sonnenraum "nur"
für LL vor. Der wird auch sonst öfter genutzt.)
Ab April werden auch alle Lehmbaustellen in der Scheune
weitergeführt, damit verschwinden auch allmählich die
Ziegelstapel vom Hof und geben dort mehr einladenden Raum frei. Da ich
meine Erfahrungen mit so etwas habe, werde ich nicht zu einem Subbotnik
während LL05 aufrufen, da würde nix dabei rausschauen und
eine Unmenge an Vorlauf fordern. Aber: wer Lehmbau lernen und machen
möchte, kann "richtige" Seminare hier besuchen und wird dann
Handanlegen — nicht nur für Verzierungen ;=).
Frischer Lehm ist schon angeliefert. Noch in der diesjährigen
Saison fertig geworden ist eine Werkstattwand zum Hof mit großem,
runden Fenster und einigem Zierrat. Macht Spaß.
Anfragen! Anmelden! Roland
Und vergesst nicht:
Lehm ist Heilerde und kein Staub! ;>)
The Song Remains The Same
Ein Lapsusen-Projekt zu LAPSUS LIVE
Nr. 22

Das Lied bleibt das gleiche
Ich hatte einen Traum
Oh, ja
Verrückten Traum, uh-huh.
Alles, das ich wissen wollte
Jeden Ort, zu dem ich gehen musste
Hört mein Lied
Ja... Leute hört ihr denn jetzt nicht? Singt mit!
Oh, ihr wisst nicht, was ihr jetzt vermisst.
Irgendein kleines Lied, das ihr kennt
Alles, das klein ist, muss wachsen.
Und es muss wachsen!
Los los, ja!
Sonnenlicht Kaliforniens, süßer Regen Kalkuttas
Sternenglanz Honolulus — das Lied bleibt das gleiche Ooh! Ooh!
Hier gehen wir!
Honolulu jetzt...
Singt das Hare Hare, tanzt den Hoochie Koo.
Stadtlichter sind ach so hell, wenn wir gleiten
Gleiten
Hindurch gleiten.
Oh!
Für ein Gemeinschaftsprojekt zu LAPSUS LIVE 2005 suche ich schon
jetzt Mitstreiter. Die Idee ist recht einfach und eigentlich durch
jeden realisierbar. Ich biete ausdrücklich meine technische
Unterstützung an. Ich möchte gern, dass möglichst viele
eine ganz persönliche Umsetzung eines Liedes freier Wahl
zelebrieren. Einige werden sich noch an die Umsetzung des
Sgt.-Pepper-Albums der Beatles 1987 erinnern, damals unter dem Titel
„Es ist heut zwanzig Jahre her... — Korporal Pfeffers "Einsame Herzen
Club"-Band“. Da waren Spielszenen von Ginger und Hansi ebenso dabei wie
Coverversionen und amüsante Bebilderungen. Diesmal also wieder
kreativer Freestyle, aber eben auch bei der Titelwahl. Eine bloße
Coverversion reicht diesmal allerdings nicht als Umsetzung. Eventuelle
Überschneidungen werde ich nach euren Titelanmeldungen jeweils den
Betroffenen mitteilen. Irgendwelche Begrenzungen gibt es erst einmal
nicht. Freue mich auf die darstellenden, bildenden oder sonst wie
künstlerischen Umsetzungen eurer Lieder bei LAPSUS LIVE 2005. Mein
Programmtitelvorschlag wäre "The Song Remains The Same", denn das
sagt irgendwie alles nötige... ;-)) Selbst wenn Led Zep wider
Erwarten gar nicht dabei sein sollte... Bin gespannt auf eure
Meldungen! Schiebt sie bitte nicht lang auf, denn die Zeit vergeht
immer viel zu rasch... Achim
Kokon
Ein Lehmbauprojekt
Wer im Internet zum Thema Lehmbau stöbert, findet eine Menge
Informationen. Ein besonders interessantes Projekt stellt Markus
Alfermann ausführlich auf http://www.alfermann.de/kokon.html
vor:
Kokon.

Wie im richtigen Leben
Exklusives Interview mit Uwe Matschke
Was hat dich in jenem
geschichtsträchtigen Jahr 1989, es war der
30. Juli, dazu bewogen, nach Züsedom zu einem LAPSUS LIVE-Auftritt
zu kommen?
Frank und die Chance, bei Lapsus wieder dabei zu sein !
Wie ist dir der Auftritt mit 'Kiste'
am Schlagzeug in der Garage in
Züsedom in Erinnerung?
Dunkel .... - nein warte, gleich.....ich hab's - in guter
Erinnerung - wir hatten unseren Spaß und ihr musstet uns ertragen
- nach dem Motto - viel Musik wenig Text...
Bist du öfter bei solchen
Gelegenheiten aufgetreten?
Leider nein.
Seit LAPSUS LIVE 1989 ist viel Zeit
vergangen, sehr viel hat sich
verändert. Wohin hat dich dein Musikerleben seit dem geführt?
Meine Entwicklung ging durch viele Baustellen. Damals war ich noch bei
"e.t.c.", einer Band, die den Sänger Hanns-Jürgen Beyer
begleitet hat. Nebenbei begann ich mit Kiste eine Jazz-Rock-Band
aufzuziehen, so dass ich neben dem Kommerz noch etwas für meine
musikalische Seele tun konnte. Nach der Wende blieb leider erstmal nur
der Kommerz übrig, was sich in der Zusammenarbeit mit einer
Gala-Band und dem künstlichen Koma meiner Ideale niederschlug.
Es hat 3 Jahre gedauert, bis ich aus dem Getriebe rauskam. Die
Verlockung der großen, weiten Welt, mit solch einer Band die Welt
kennen zu lernen, war groß - aber der Preis dafür auch...
Danach begann ich als Begleiter verschiedener Interpreten nur mit dem
Klavier - was sich als Bergundtalfahrt herausstellte. Die
Zusammenarbeit mit Künstlern ist fast einer Partnerschaft
gleichzusetzen und die Fruchtbarkeit hängt von vielen kleinen
Faktoren ab, die man im Voraus nicht erkennen kann. So habe ich mich in
viele "Abenteuer" gestürzt und bin oft mit dem Bauch gelandet -
also wie im richtigen Leben auch... Seit 2000 arbeite ich fest mit
einem Sänger namens Sven Ratzke zusammen, mit dem ich sehr viel in
Holland zu tun habe, da er dort aufgewachsen ist. Wir haben mit
Chansons von eigenen bis Brecht begonnen und nun ist daraus eine
freakige Entertainmentshow geworden. "I shot the DJ" heißt sie
und man erfährt alles weitere über die Homepage
www.sven-ratzke.de. Des weiteren arbeite ich noch mit verschiedenen
Sängerinnen im Musical-Jazzbereich zusammen, begleite
Künstler in der Kleinkunstszene z.B. Schlager der 30er bis
40erJahre, bin mit der "Lütten" — Angelika Mann – mit
Kindervorstellungen und auch einem Programm für Erwachsene
unterwegs, indem sie Ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellt und dass
sie noch richtig gut bei Stimme ist (s. www.angelika-mann.de), mache
Soulmusik mit der Band "BRUNO" (s. www.brunomusic.de) und spiele auf
verschiedenen Gala-Events sowohl als Solo-Pianist als auch in Duo- bis
Quartett-Besetzung mit meiner Band den "Jazzhoppers". Das so als grober
Auszug meiner Umtriebe...
Welche musikalischen Entwicklungen
der letzten Jahre sind für dich
besonders interessant?
Ich bin auch in meinem Musikgeschmack eine Art Chamäleon, deswegen
fällt es mir schwer, etwas rauszuheben, deswegen will ich hier nur
ein paar „alltime favorits“ von mir nennen: Buena Vista Socialclub,
speziell Ruben Gonzales, Red Hot Chili Peppers, Sting, Nirvana, Bill
Evans, Prince, Coldplay — meinen speziellen Dank für die
Rehabilitation des Pianos und der Harmonie in der Rockmusik —, Marianne
Faithful, Jazzmatazz, Lenny Kravitz u.a..
Woran arbeitest du zur Zeit?
Am mir und meiner - äh - Karriere..., an der neuen Show von Sven
Ratzke - Premiere in Holland auf dem Theaterfestival in Hertogen's den
Bosch.
Wie kann man von deinen Auftritten
erfahren? Und auf welchen
Tonträgernkann man dir lauschen?
Leider bin ich nur auf einer offiziellen CD von Sven Ratzke zu
hören, der Rest beschränkt sich auf Demo-CD's von den o.g.
Künstlern.
Kannst du eins deiner Stücke
für den nächsten
LAPSUS-Sampler zur Verfügung stellen? (Der letzte hatte eine
Auflage von ca. 10 Stück...)
Vielleicht - wenn Ihr Euch auch für die o.g. Musik
interessiert...?
Vielen Dank für das Interview
per Mail!

Rezension
Robert Kurz
Schwarzbuch Kapitalismus
Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft
Das "Schwarzbuch Kapitalismus" ist eine kompromißlos
scharfsinnige und scharfzüngige Darlegung der Faktizität
kapitalistisch-perverser Entartung der "schönen Maschine". Die
"schöne Maschine", so Kurz, ist das grundlegende Prinzip des
Kapitalismus/Liberalismus, welches das Leben des Menschen in einem
Umfang usurpiert hat, daß es ihm kaum noch möglich ist,
durch selbstbestimmte Anstrengung aus diesem Zustand der Entfremdung
bzw. Unmündigkeit herauszukommen. Jahrhunderte kapitalistischen
"Viehzuchtsystems" hat den Menschen gerade in den reichen
Industrienationen zu einem willfährigen, funktionstüchtigen
Sklaven gemacht, der nicht mehr weiß, ja nicht mehr wissen will
(z. B. korrumpiert durch Konsum etc.), was mit ihm geschehen ist und
fortlaufend geschieht. Dies ist vor allem auch ein
emotional-psychisch-geistiges Problem: Denn was wird geschehen, wenn
wir uns eines Tages nicht mehr genügend kompensatorisches
Spielzeug, kompensatorische Vergnügungsfahrten etc. leisten
können?! Was wird geschehen, wenn all die Verletzungen und
Erniedrigungen, die ständig verdrängt wurden und im
Unbewußten ein dämonisch-destruktives Eigenleben entwickelt
haben (Schattenemotionen), nicht mehr gebändigt werden können
und mit Vehemenz an die Oberfläche drängen?!
Kurz beschwört eine "Kritische Theorie", um "sich von der eigenen
Ohnmacht nicht dumm machen zu lassen." Doch grau ist alle Theorie, ist
sie nur ein distanziertes Ab- und Einschätzen aller Umstände
und Faktoren. Anders die Theorie, die uns Kurz präsentiert: Sie
wird getragen von einer wahrhaft leidenschaftlichen Empörung, die
sich der entwürdigenden und terrorisierenden "schönen
Maschine" entgegenstellt. Gerade auch das war es, was mich an diesem
Buch begeistert und gefesselt hat!
Robert Kurz hat mit diesem Buch die Kapitalismuskritik auf einen
zeitgemäßen Stand gebracht, was dringend nötig war.
Äußerst bestechend und überzeugend wirkt hierbei die
Zusammenstellung und Aufarbeitung des faktenreichen Materials und die
sich daran anschließende, gut nachvollziehbare Argumentation,
daß die Logik des kapitalistisch-liberalen Systems zur
Zerstörung des Menschen in physischer und geistiger Hinsicht sowie
seiner Lebensgrundlagen führen muß. Gerade in diesem Sinne
ist das Werk von Karl Marx aktuell wie nie zuvor. Wie rasch sich die
kapitalistische Todesspirale auf ihr Ende zu bewegen wird, das ist wohl
dennoch schwer zu prophezeien.
Ich bin nicht der Ansicht, daß das kapitalistische System durch
die Logik seiner inneren Widersprüche sich selbst vollständig
vernichten wird. Die Menschen werden das kapitalistische Wirtschaften
immer wieder in Gang setzen, solange sie sich bereitwillig von der
wirtschaftsliberalen Logik vernebeln bzw. vereinnahmen lassen (in der
Hoffnung, daß sie zumindest besser damit fahren als die anderen),
solange sie die damit verbundene Sinnlosigkeit noch ertragen und sie
keine Alternative sehen, solange ihnen die grausamen Opfer im weitesten
Sinne, die dieses Wirtschaften hervorbringt, egal sind! Was mir gerade
aus diesem Grunde im Schwarzbuch Kapitalismus zu kurz kommt, ist die
Frage nach dem Menschen, der, u.a. getrieben vom eingeimpften
schlechten Gewissen, das kapitalistische System bedient. Kurz macht
immer wieder deutlich, daß die Würde des Menschen in
jederlei Hinsicht mit der zerstörerischen Irrationalität des
Kapitalismus nicht vereinbar ist. Aber worin besteht denn die
authentische Würde des Menschen, worin seine authentische
Bestimmung? Eine umfassende Kapitalismuskritik muß meines
Erachtens auch dieser Frage gründlich nachgehen. Wie können
wir uns den Menschen außerhalb der Kapitalismuszwänge
konkret vorstellen? Was tritt an die Stelle der "Gehirnwäsche des
Liberalismus und seines Bentham-Systems", der "verinnerlichten
Zwänge und Zumutungen der blinden Geldmaschine"? Kann es wirklich
salopp ausgedrückt zunächst nur darum gehen, "sich unbefangen
dem Verhältnis von vorhandenen Ressourcen und ihrer
vernünftigen gesellschaftlichen Anwendung stellen zu können"
oder muß nicht zumindest parallel oder gar zuerst eine radikale
Bewußtseinswandlung eintreten? Wie füllen wir die
"Muße" inhaltlich aus und zu welchem Zweck? Wie verhält es
sich mit der Motivation des Menschen hinsichtlich
Selbstverwirklichung/Selbsterkenntnis über den Kontext widriger
kapitalistischer Umstände hinaus? Welchen Stellenwert hat diese
Motivation und ihre Verwirklichung angesichts notwendiger
gesellschaftlicher Veränderungen? Und welcher Art ist diese
Motivation grundlegend? Ich nehme mir an dieser Stelle heraus, darauf
aufmerksam zu machen, daß sich mit der Problematik des Menschen
auch angesichts seiner kapitalistischen "Verwurstung" (R. Kurz) vor
allem auch Nikolai Berdjajew sehr tiefgehend auseinandergesetzt hat
(siehe auch amazon.de), der selber im starken Maße von Marx
beeinflußt war und dessen Werk tiefgehend und vor allem
schöpferisch in sein Denken aufnahm. Heidegger behauptete (in
"Metaphysik"), eine christliche Philosophie sei ein
Mißverständnis. Berdjajew hat diese Behauptung meines
Erachtens widerlegt. Die christliche Philosophie eines Berdjajews ist
kein Opium für das Volk, sondern ein Aufruf zur Befreiung von
innen heraus, ohne die alle noch so scharfsinnige Theorie ins Leere
laufen und sich in unendliche Widersprüche verstricken würde.
Theorie, Befreiung von innen heraus (Selbsterkenntnis) und der
praktische Bezug bzw. die äußerliche Befreiung müssen
zusammenfließen.
Robert Kurz' Theorie läuft allerdings nicht ins Leere, da sie von
einer innerlich selbstbestimmten, authentischen Freiheit im geistigen
Kampf gegen die menschenunwürdigen Verhältnissen in unserer
Welt angetrieben wird und zu tiefgreifenden Veränderungen
drängt. Und so pessimistisch die Lage von Kurz auch
eingeschätzt wird, seine Einschätzung bietet unendlich mehr
Hoffnung als jede zweckoptimistische Verharmlosung und
Beschönigung!
Kritisch bemerken möchte ich vor allem, daß ich nicht der
Ansicht bin, daß Demokratie zwangsläufig immer
kapitalistische Demokratie sein muß. Vielleicht wird hier der
Begriff Demokratie von Kurz etwas zu eng gefaßt. Können
Kapitalismus und Demokratie nicht auch zwei sich grundlegend
widersprechende Begriffe sein? Ich denke, eine freie Demokratie
("umfassende Rätesystem", "Selbstverwaltung" - siehe Epilog)
wäre bei einer an den menschlichen Grundwerten (Liebe,
Gerechtigkeit, Freiheit, Solidarität etc.) orientierten
Gesellschafts- und Bewußtseinsverfassung möglich, im
kapitalistischen Verwertungssystem dagegen nicht - entgegen der
Lügenparolen der Politiker bzw. der Apologeten des
Wirtschaftsliberalismus.
Die Demokratie aus der Sicht ihrer
Macher

Die Säulen der Demokratie:
Legislative - Exekutive - Judikative
Sehr gut nachvollziehbar ist Kurz' Kritik am "ethischen Zirkus, dessen
Aufführungen in den 90er Jahren immer idiotischer geworden sind"
(siehe Epilog). Es fehlt mir in diesem Zusammenhang jedoch ein Verweis
auf eine Ethik, die dieser Bezeichnung gerecht wird. Die
Auseinandersetzung mit einer Ethik des Menschen ist unverzichtbar.
Gerade in dieser Hinsicht hat Berdjajew viel zu sagen.
Ob Geldkritik oder Abschaffung des Staates, ob Gleichsetzung von
Kapitalismus und Demokratie oder nicht - das entscheidende Kriterium
hinsichtlich eines anderen Lebens ist letztlich der zu sich selbst
kommende Mensch als ein solidarisches und vor allem liebendes Wesen,
welches im Kapitalismus/Liberalismus nicht wirklich gewollt wird bzw.
für dieses System eine Gefahr darstellt.
Im Sinne einer besseren, einer anderen Welt sollte "Schwarzbuch
Kapitalismus" unbedingt gelesen werden!
Dirk Hübner, 3.11.2003
(Geschrieben für amazon.de.)
Phiel! Oh, so phiel!
Im folgenden möchte ich euch nur so ein bißchen unterhalten,
denn Sancho schrieb als Schlußmail an mich: "Deinen Humor
möchte ich haben!" und sonst nix. Und weil Lachen im gaaanzen,
großen Kosmos auch deines Bauches so gesund ist, hoffe ich,
daß neben der Überhaltung auch die Kosmik ankommt. Achso, es
handelt sich im folgenden um Auszüge eines kurzen Mailwechsels
zwischen zwei Leuten zu den Fraktalen komischer Extremfilosofie.
Integrale Lebenskunst schrieb:
[...]
Diese fundamentalistischen
Attentäter scheinen tatsächlich
dem Archetypen des selbstlosen Kriegers zu entsprechen. In Wahrheit
sind sie weit davon entfernt. Denn weder seine Auftraggeber noch seine
Motive sind im Einklang mit dem, was der "wahre Allah" will.
aber dem armen allah sind die hände gebunden. sein händie
verschwunden. sein altersheimer will nicht gesunden. je je.
Mein Ringkampf mit dem Wahren, Guten
und Schönen möchte ich
gerne mit Dir auf eine unterhaltsame Weise teilen, oder sollte ich
lieber ruppig sein? Ich lade Dich ein, mein/e SparringspartnerIn sein?
hey alter, mal lampsan! wieso stellst du die regeln? bist du gar das
falsche, böse und häßliche? oder ringt die wahrheit mit
sich selbst? stell ich mir lustig vor! aber nicht so lustig finde ich,
als deine sandsäckin das wgs zu vertreten. allah - ob der echte,
einzige oder wahre, ist mir egal - wär mir da lieber. frag den
doch! nicht da? kein AB - außer wilber? hm. hu the fick ist
eigentlich der ringrichter?
und schon wieder beginnt der rest deines lebens... so long - zar nektar
In guten Projekten passiert doch
etwas Ähnliches. Der Einstieg
muß mit dem Versprechen verbunden sein, 100%ig dafür
einzutreten, daß Leiden für diese Gemeinschaft vermieden
wird. Oder positiv ausgedrückt, man muß 100%ig dafür
da sein, daß diese Gemeinschaft in ihre Zielgestalt
hineinwächst. Und jede Gemeinschaft und jedes Individuum hat doch
eigentlich die Zielgestalt eines Bodhisattvabewußtseins - nicht
wahr? Und dann ist man 100%ig relaxed (frei vom Ego) und 100%ig im
Dienst für Gemeinschaft und Menschheit. Jede und jeder kann dies
tun nach ihren/seinen Kräften. Das ist doch wunderbar - oder?
Grüße von Blaufeder

in bösen wäldern wird die zielgestalt einfach nie erreicht,
der wald wächst weiter, verändert sich, verschwindet. ja, es
ließe sich nicht mal nur ungefähr eine %-zahl an einem
x-beliebigen zeitpunkt sagen, die sein wachstum ausdrücken
könnte. nicht mal 1 wahres wort ließe sich über die
zylgestallt finden. joy, der böse eichboom wird nie fertig, trotz
gegen-plan und wettbewerb und immer ganz anders als der andere. grob
gesägt fällt er einfach, wenn er das wachstum der
möbelindustrie nicht fördert. und der tüp da im
scheinwerferlicht, hat der würglich alles gegeben, 100 pro,
für sich? ich meine für die ziel geh! Staldt der gemein
schafft? sein bestes? sein sperma? sein letztlich hemmt?
by the weh: hast du eigentlich schonn deine zielgestalt? wennigstens
ein abziehbild davon, das dir keiner mehr wegnehmen kann? achso, du
holst dir morgen schonn ein neues by wilber. ja dann! böse
läutchens sind nie im vollbesitz ihrer kräfte. böse
läutchens dienen einfach nicht gut und wahr und edel und
französisch, weil sie sich einfach überhaupt keine 100 %
vorstellen können. ich meine wollen. oder sollen. grüße
von prunus avium
Und da gibt es auch keine
Unerträglichkeit, höchstens der
Weg dahin führt durch den Bratofen.
das gefällt mir! das klingt wenigstens irgendwie deutsch. fast
schon germanisch. wie ein wahrer held. ein krüger! ich leide,
also bin ich. auf dem richtigen weg, in der richtigen riechdung. und du
strengst dich nur nicht wirklich an, gibst dir keine mühe,
rutschst nicht noch auf deinen hämorrhoiden durchs ziel (wat
eigentlich dahinter??), ich meine in deine (oder seine) zielgestalt.
fehlt nur noch die trillerpfeife wegen tanzen und so.
... auch universelle Wahrheiten ...
bittebitte: nur eine einzige!: bin ich weiblich oder bin ich
männlich? (aber lies erst beim wilberismus nach: bei seinen
studien der biologie stieß er wohl auf manches phänomen, das
nicht ewig ist: vogelarten, die 4 verschiedene formen von
"männlichkeit" aufweisen, fische, wo männchen sich in
weibchen wandeln - ohne chirurgie etc.) ja gut, vielleicht zu billig
die frage. du hast freie wahl: nur eine eine einzige, bitte!
... und mit schonungsloser Liebe
konfrontiere. :-). Freundschaftliche
Grüße von Blaufeder
schonkostlose blaubärkonfitüre! beatrice
DIE ALLGEGENWÄRTIGE ERLEUCHTUNG
Die großen Weisheitstraditionen
besagen generell, dass sich die
Realität zumindest aus drei großen Bereichen zusammensetzt
...
aber wo bleiben die kleinen
weisheitstraditionen wie der bitterfelder
weg? oder die großen ohne tradition wie christoph spehr oder
jiddu krishnamurti?
außerdem ist es gemein, wenn
ken wilber einfach mit anderen
planeten telefoniert und schon vor uns die weisheiten abgleichen kann!
gruß und dank - otto
Vorweg möchte ich sagen,
daß ich dabei im Hinterkopf habe,
daß die genialsten Antworten darauf Ken Wilber gesammelt hat. Und
er hat sich dabei nach seinen Möglichkeiten alles angeschaut, was
ihm zugänglich war.
aba hat ehr nu auch wirklich alle fragen gestellt? wenigstens allealle
wirklich interessanten? und wer sammelt uns nu die unzugänglichen
antworten??? wer hat eigentlich mal - meinetwegen konspirativ -
überprüft, ob er wirklich allealle seine 100 protzentigen
kräfte vorgespannt hatte, um an alle unzulänglichen
antwortschreiben nah, ganz nah oder integratief nah dran zu kommen?
Er hat alles Wesentliche aus allen
Kontinenten, alles aus der
Geschichte, alles aus der Gegenwart, alles aus Naturwissenschaften,
Geisteswissenschaften und Theologien, Religionen und spirituellen
Weisheiten zu erfassen versucht, und er hat auch mit verschiedenen
Erkenntnismethoden experimentiert.
wobei er selbers mal zugegeben hat, daß er nicht 1000 km mit
eskimos im hundeschlitten rumgegurkt ist, war ihm einfach zu kalt, die
ihr filosovieh fehlt ihm (noch!) in dem herde. und weiters war er mal -
ken ich alles! - ziemlich ratlos, weil ihm über nacht
plötzlich drei viertel (für die, die mit einem oder drei
vierteln nix anfangen können - wie spät ist es um zwölf
uhr? -: 75%) seines puzzless fehlte: die wissenschaft hatte
veröffentlicht (! ma drüber nachchdenken!), daß die
menschheit nicht eine sondern 4 millionen jahre alt ist. zumindestens
die weibliche. na schau her! da kann er lange ötzi interviewen
oder nach intelligentem leben in weihwasserbecken suchen! alle
weisheiten! ha! ich war bei unser nachbarin! frau dietrich, 72,
versicherte mir, noch nie wegen irgendwas gefragt worden zu sein! na
dingens! dabei ist gerda 100 kg deutsche.
Dies alles hat er "eingesammelt" und
obendrein versucht, ein integrales
System, eine Holarchie, eine AQUAL-Modell zu entwerfen, wo alles einen
sinnvollen Platz findet. Und letzteres ist seine Besonderheit,
nämlich eine "Theory of Everything" zu entwerfen. Dies ist auch
seine ironische Anspielung auf die Naturwissenschaftler, die eine
Weltformel suchen und irrtümlicherweise glauben, man könne
sie mit einer "objektiven Forschungsmethode" im materiellen Flachland
finden.
wann ist eigentlich der sinn voll? wann ist eigentlich etwas
annähernd (so 86,12 %) sinn voll? ab wann läuft eigentlich
der sinn über?? und wohin???
ein eisenhaltiger laufpaß auf die kulturwissenschaftler, die die
wachheit hinter dem flachbildschirm finden und glauben.
Deshalb ist Wilber für mich der
interessanteste Philosoph.
vielleicht weil er so schön bunt ist? oder so nach schokolade
schmeckt? oder so schön morphogähnetisch redundant mit mir?
yappa. grüße von sugata
Integrale Lebenskunst schrieb noch:
Liebe Leute, ich fühle mich
mittendrin in einer Kulturrevolution. Die Turbulenzen fühle ich
innen und außen. Mir geht es ähnlich, wie in der 68er Zeit.
Es bricht etwas um. Ein neue Welle emergiert. Ich bin lustvoll erregt
angesichts der Möglichkeiten, die sich mir, die sich uns bieten.
Dies möchte ich gerne mit Euch teilen.
Das Tolle an der ganzen Sache ist,
daß ich als Erwachsener gleich
zwei solcher Umbrüche (oder Wellen) miterleben durfte und noch
darf.
hoppla! wer hat dir das erlaubt? ist die genehmigung nicht längst
abgelaufen? was sagen die chinesen dazu? wo bleibt der umbruch auf
madagaskar? wieso hast du nicht die dokumente des 11. plenums der sed
studiert und ausgewertet? wo sind deine renft-platten? wieso warst du
nie im fkk-oderbruch?
1. Der Umbruch von der konservativen
Kultur der Vor-68er hin zu der
"grüne Meme"-Kultur, einschließlich Boomeritis.
2. Jetzt fühle ich mich
mittendrin in dem Umbruch zu einer
"Integralen Kultur", die der "gelben Meme" entsprechen würde.
glücklicher! das würde des menschen ist unantastbar.
besonders in den denkwerkstätten in bangladesh und am hunde-fkk in
heiligendamm. selbst die konventionelle landwirtschaft bricht weniger
boden um - direkteinsaat -, dafür mehr bäume. eh gelb. du
hast keinen garten?
Mir kommt es so vor, als würde
ich aufwachen. Noch reibe ich mir
verwundert die Augen und sehe viele meiner bisherigen Mitstreiter in
der Bommeritis weiterratzen. Hhmm, soll ich sie wecken oder noch dem
Schlaf der Gerechten überlassen? Aber ich frage mich auch, ob ich
mein "Aufwachen" noch träume, so daß meine schlafenden
GenossInnen nur Projektionen sind!?
vielleicht träumen deine genießer auch dich? warum bist
gerade du keine projektion? meinetwegen sogar der großen
weisheitstraditionen? he?
Ja, was ist nun real und was sind
meine Projektionen, oder Reste der
Boomeritis? Aus diesem Grund brauche ich dringend Deine
Rückmeldungen. Aber eigentlich nur, wenn Du nicht selbst noch
träumst und in dieser dämlichen Boomeritis festhängst.
:-)
Genau, und wie soll ich z.B. so eine
Rückmeldung einordnen, wie
ich sie jetzt bekommen habe? Ist das Boomeritis?
jede schublade - einordnen - erzeugt konflikt und gewalt.
läßt sich lebendiges ordnen? im stall wird's wohl gehen.
Ro Li B. schrieb aber zuvor:
für den wunderbaren satirischen versuch "Stilblüte" (zitat:)
"... damit ist alles gesagt..." aus deiner blaufeder gibt es hier
erstmal extraapplaus! klatsch, klatsch, yeah, haha!
nun warte ich nur noch sehnsüchtig auf deinen blitz "... damit ist
nun aber endgültig und wirklich alles gedacht..."!
fällt dir manchmal was auf? ich meine, neben dem wahn? jedenfalls
für den kann ich dringend empfehlen, das buch "Formen der
Wirklichkeit" von Laurent Verycken zu lesen.
mensch dieter, deine ganze sprache "das Wesentliche" (oh gott!),
"ausreichend effektiv" und unendlich so weiter. ich möchte dir
versichern, daß "Formen der Wirklichkeit" dich immens befreien
werden.
ciao - roland
Oh, ja, Befreiung, das wäre was!
Aber Roland, ich frage Dich, kann
mich das Lesen eines weiteren Buches wirklich befreien?
probieren geht über diskutieren. zumal du dir viele worte zum
thema denken zugetraut hast. worte sogar als vehikel zum
warheutstransport einsetzt.
eijei.
Mein Ego sagt nein, stattdessen
muß ich Dir eine Satire
zurückpfeffern, die sich gewaschen hat:
Lieber Roland, wenn man erst mal
einen Schein aus der Klappse hat, dann
kann ich doch sagen, was man will, es wird meinem Wahn zugeschrieben
(oder dem, was ich nicht merke). Ich hoffe, das tust Du auch jetzt,
wenn Du Folgendes liest.
es ist doch völlig gleichgültig, ob man irgendeinen
jagdschein hat oder ja - was sind denn worte?
Deine Antwort assoziiert in mir das
Bild, daß Du ein typischer
Boomer bist, d.h. ein narzisstisch gestörter Besserwisser. Du
fragst mich, ob ich was merke. Ja, ich merke was, ich schau mir meinen
Wahn an. Und mein ganz normales Ego, das vor Arroganz nur so strotzt.
Ich versuche es wenigstens.
findest du nicht, daß das alles langweilig ist? das soll ne
gewaschene satire sein? das ist doch nur die (automatische) antwort,
die man halt in unseren kreisen drauf hat.
Bei Dir kann ich so viel
Selbstreflexion nicht entdecken. Bist Du
über Deinen Wahn schon hinaus und auch über das, was Du nicht
merkst? Aber Du weißt ja, den Wahn erkennt man solange nicht, bis
die Identifikation bröckelt.
Du bist aalglatt, jedenfalls nicht
bröckelig.
gähn. üblicherweise würde ich sagen, du kennst mich ja
gar nicht, was weißt du schon von mir. aber es ist einfach zu
öde. grüne langeweile. gelbe langeweile: von eigenen
spiegelfechtereien zu labern. gehobene langeweile: mein wunderbarer
schwanz ist überhaupt nicht aalglatt. aber es hat einen reiz, mich
von anderen identifizieren zu lassen.
Du applaudierst über meine
satirische Feststellung, daß
alles gesagt sei und empfiehlst mir ein Buch mit dem indirekten
Hinweis, daß ich noch belehrungsbedürftig sei. Letzteres
stimmt in mancher Hinsicht. Du meinst aber nur, daß für Dich
alles gesagt sei...
na geh. belehren kann man niemanden. und geredet wird unendlich. dem
geht auch nicht so einfach der saft aus, wie es im vergleichbaren
bunte-bilder-internetflachland sein wird. ich meine
physisch-energetisch.
und es wird auch zappliger weise weiter versucht,
allgemeingültiges zu sagen. wer's braucht... ich bin nicht
gespannt, ob man's erfindet.
...und daß nur noch ich
dringend (!) dieses Buch lesen
müsse, damit mich die "Formen der Wirklichkeit" befreien
mögen. Warum willst Du mir meine Form des Wahns wegnehmen?
Dabei entsteht das zweite Gespinnst
in mir, daß Du weder meine
Satire richtig verstanden hast, noch das, was das "Wesentliche" ist.
Dabei hat uns doch Hölderlin aufgerufen: "Mensch werde
wesentlich!"
daß ich das "wesentliche" verstanden hätte, werde ich auch
fürderhin nie behaupten wollen, da es für mich hausgemachte
fiktion/kategorie/sonstwas bleibt, möchtegerndenken.
kannst du mir sagen, was das wesentliche eines steins ist? und wenn ich
andere leute frage? das wesentliche eines eichbaumes? und frag ich
danach einen argentinier? das wesentliche des menschen? des seins?
reichlich absurd. schlicht idiotisch. extrem relevant eben.
auch beethoven hat schöne gedichte gemacht.
Ach so, jetzt gerade fällt bei
mir ein Groschen, Du bist
längst beim "Wesentlichen" angelangt. Und wenn ich nun immer
weitere nach dem "Wesentlichen" suche, hast Du Angst, ich könnte
entdecken, daß Du es bereits hast und ich es Dir dann klaue.
gähn. extrem gähn.
Ich kann nur ebenfalls
aufstöhnen: Oh Gott, diese Boomer, die
"Götter" der anderen halten sie für Götzen, nur den
eigenen Gott, den sie selber heimlich haben, den verstecken sie vor
sich selber, weil sie ahnen, daß ihr Gott "Unwesentlichkeit" oder
"Ego" heißt, aber nach außen repräsentieren sie die
ganze Größe eines ausgewachsenen Gottes, der solche
grandiosen Sätze wie diesen spricht: "mensch dieter, deine ganze
sprache 'das Wesentliche' (oh gott!), 'ausreichend effektiv' und
unendlich so weiter. ich möchte dir versichern, daß 'Formen
der Wirklichkeit' dich immens befreien werden."
Was soll ich als Blaufeder dazu
sagen? Vielleicht dies: Danke, danke
lieber Gott, ich hab doch schon so viele Bücher gelesen, noch eins
mehr macht mich vielleicht nur noch arroganter. Nein, lieber Gott, lass
mich bitte so, wie ich bin, ich will auch keine frechen Reden mehr
halten.
dies kommt wahrscheinlich arrogant an, was ich frage, aber ich
würde dir gern ruhig in die augen schauen, schlicht fragen, weil
ich keine arroganz fühle: was an deinen reden soll denn frech
sein? dein spruch über den cia (schau mal auf www.wahn.us!)? oder
das es beim rückbau überzähligen büroraumes in new
york so viele tote gegeben hat, und wir deutsche das in der ddr viel
besser hinkriegen mit dem abriß der plattenbauten (1,3 millionen
wohnungen stehen im osten leer)?
Meinerseits sage ich Dir, lieber
Roland, bleib so wie Du bist, ich will
Dich nicht ändern, dann bleibt mir auch genug Stoff für neue
Satiren.
und wenn du wolltest? wie denn?
Du solltest mir deshalb unbedingt
schreiben, was in dem Buch steht,
sonst nerve ich Dich weiter mit meiner Art von Besserwisserei. Ja, ja,
Deine Mail zeigt mir, daß längst noch nicht alles gesagt ist.
Scheiße, jetzt muß ich
schon wieder tun, was ich
dummerweise selber will:-). ...
Hallo Roland, soll ich Dich
vorsorgehalber aus dem Verteiler rausnehmen?
damit kommst du dir echt wichtig vor, gell?
Der von Dir angedeutete (Geistes-)
Blitz fällt nun ganz anders
aus, als Du vermutet hast. Es ist noch längst nicht alles gedacht,
was noch zu denken ist, insbesondere von denen, die glauben, es sei
schon alles gedacht, zumindest von ihnen selbst. :-)
ich hatte vermutet, daß du vielleicht auf den trichter kommst,
welchen sinn das macht, alles zu denken. oder dies zu wollen. und wie
entspannend es sein kann, wenn das denken sich selbst entdeckt.
und ich glaube von mir nicht, alles gedacht zu haben. klar ist mir
jedoch, daß ich keine allgemeingültigen wahrheiten entdenken
kann. da bin ich wirklich lieber im garten.
Hochachtungsvoll gegenüber allen
Besserwissern Eure Blaufeder
tschö - goldkern silberlicht
Auf der anderen Seite gibt es in mir
nicht nur den, dem es leid tut,
wenn ich jemanden beleidigt habe, sondern auch den, der fragt, was will
hier aus dem Sumpf meiner Unbewußtheit wirklich ans Tageslicht
kommen. Welche Chance steckt in der Offenlegung meiner Polemik z.B.
gegen Roland oder gegen andere?
wer soll dir das beantworten können? wie die gedanken ist auch das
unbewußte folgerichtig unendlich. und dann noch sumpf! schon die
konflikte, auszusondern, was davon ans tageslicht soll! schaffen neues
unbewußtes. viel vergnügen. die chancen, auf der stelle zu
treten, stehen gut. füße waschen - wird sauerkraut draus.
oder butter. oder stampflehm. ... mach was draus. aber nicht
irgendeinen bedeutsamen hokuspokus. hält nur vom leben ab,
würde ein freund jetzt sagen.
Mir würde es helfen, wenn hier
jemand in die Tiefe blicken kann,
nicht verurteilt, sondern die tatsächlichen Defekte zeigt, aber
auch das, was an Positivem geboren werden will.
das kannst nur du sein. und du mußt auch wollen. aber schon
allein der begriff dirtreubleiben läßt sich nicht
auflösen, nicht wahr? wer will denn sagen, wer du bist?
Dies ist mein Forschungswunsch. Ich
wage mich hier in etwas vor,
für das sich andere wohl zu gut halten. Ich übe mich darin,
den Bösewicht in mir aufzudecken. Ich fühle mich dabei z.T.
allein gelassen.
brauchst du trost, bestätigung, christlichen beistand, ein
taschentuch, anfeuerung, fragen? es ist doch so endlos, wie die
unendlich vielen waren maßstäbe.
wie geht es dir?
... es hat aber überhaupt nichts
mit dem Sinn zu tun, den mir der
Kosmos zugedacht hat.
ja, wenn auch noch der kosmos (einer der vielen reicht schon)
anfängt zu denken. herrje. ich und meine aufgaben, die mir
irgendwer/irgendwas stellt... übrigens fällt diese art
filosofie zu betreiben mit der einführung der schulpflicht in
preußen zusammen.
ja also, da kriegt man seine zeugnisse mit beurteilung. wenigstens
gut, daß der kosmos deutsch spricht. ich meine: denkt. wie sind
deine kopfnoten, roter mann? nicht deine
selbsteinschätzung! sport war gut und nun willst du auf der
abendschule abi nachmachen? was waren denn deine
abschlußprüfungsfragen? jüngste gericht kommt noch?
tja, wieviel sinn man sich so macht. immer geile metametafern auf
tasche. oder klischees wie gelernt.
Spät, aber vielleicht nicht zu
spät, hole ich meine
Pupertät nach und entdecke meine Lust
mich um mich selbst zu drehen und anderen meine ausgebreiteten arme um
die nüschel zu kloppen, so fühle ich, daß ich wirklich
bin. und wenigstens könnten die popänze mal aua sagen.
Ich kann sagen, daß es mir um
Roland leid tut.
oh, danke ergebenst. behalt doch diesen größenwahn für
dich, bitte.
Vielleicht versteht er die Welt nicht
mehr und einige von Euch auch
nicht, weil ich normalerweise als freundlicher, zurückhaltender,
Mensch auftrete.
ich für meinen teil fühlte mich weder überrascht noch
angegriffen. etwas vom hochtrabenden gelaber ging mir auf den sender,
gut.
und ich schreibe, weil ich paar wortspielereien und impulse loswerden
wollte, dann noch aus meinem helfersyndrom heraus und weil ich viel
zeit habe, seit ich mir letztens paar sehnen mit der kreissäge
durchratzte. ich liebe letzte wahrheiten!
Mensch, siehst Du denn nicht,
daß ich mir ganz bewußt einen
Popanz aufgebaut und ihn dann verdroschen habe? Hallo Roland, tut mir
leid, ich meinte nicht Dich, sondern meine Projektionen.
holla dieter, weiß ich doch, nichts für ungut!
Bist Du schon mal auf den Gedanken
gekommen, daß alles, was ich
hier geschrieben habe, Du geschrieben haben könntest? Daß
ich das nur stellvertretend für Dich mache?
Könnte vielleicht die herzlose
Polemik gegen "Roland" in Deiner
Phantasie entstanden sein mit der ängstlichen Anstrengung,
bloß nicht selbst als Täter oder Opfer identifiziert zu
werden?
na wenn du sonst keine sorgen hast.
Du hast keine Chance, nutze sie.
son bart! das original ist passender: ich habe nichts zu sagen und ich
sage es! (andy warhole?)
Blaufeder
rotbart
SPUREN
Teil 3
Ja, soll ich mein Bein mal freimachen? Kein Problem, ich trage selbst
im Winter selten lange Unterhosen. Schau her, da außen, unterhalb
des Knies. Schräg, was? Ich habe die Narbe nachgemessen: 16 cm
lang und mittig einen guten Zentimeter breit. Gemacht hat mir das keine
Frau. Aber mein Pech war, daß die behandelnde Chirurgin irgendein
diffuses Rachebedürfnis geleitet haben mußte. Oder ein
konkretes? Diesen Tropf da vor ihr büßen lassen - für
seine Leichtfertigkeit? Oder sein very männliches Heldentum? Oder
selbst - keinen mehr abgekriegt? Sieht man deswegen so verhärmt
aus? Oder doch eher, weil man sich einen eingefangen hatte? Jedenfalls
warf sie auf die klaffende Wunde nur einen kurzen Blick, eine
wegwerfende Geste zur Schwester und sogleich war wieder ein Verband
rum, nix klammern, schon gar nicht nähen - haste davon. Und ich
war zu blöd, überhaupt auf den Gedanken zu kommen, so was von
der Frau zu verlangen. Höchstens erst 2 Tage später, da
machte ich mir solche Gedanken. Aber dort in der deutschen,
demokratischen Poliklinik war ich nur leichtgläubig erstaunt und
resolut fügsam. Bei meiner Mutter hatte ich ja auch nie
groß rumgezuckt.
Aber was war das gewesen, das mir den Unterschenkel zuvor
aufgeschlitzt hatte und so seine Spur hinterließ? Ich weiß
es nicht genau. Die Stoßstange des Wartburgs? Das Schutzblech
meines Fahrrads, die Kinderfußraste an der Vorderradgabel? Oder
kam ich mit dem Bein meinem rasenden Wurzelchakra zu nahe, als mich das
Auto samt Fahrrad von der Kreuzung schob?
Ey, Scheiße! Die sind ja schon ran! Bloß gut, daß der
Fahrer bremste, als ich ihm von rechts aus der Seitenstraße vors
Auto rauschte und gleich vor der Motorhaube seines 353 zu einer
Bodenprobe verschwand. Ich kam nicht unter die Räder, nicht
zwischen Baum und Auto und schlug auch nicht mit meinem Schädel
aufs Pflaster. Glück gehabt. Helfende Hände räumten mich
und die beiden heilen Ventile mit einem verbogenen Fahrrad dran auf den
Gehsteig, versahen mich mit einem Verband, den Riß in der Hose
mit 2 Sicherheitsnadeln und sich mit meiner Adresse. Denn
natürlich mußte ich deswegen später noch zur Bullerei,
was mir keinen Stempel brachte, da ich einfach sagte, ich hätte
keine Fahrerlaubnis, aber einiges an Ordnungsgeld kostete. Dabei wollte
ich an besagtem Tag nur wie gewöhnlich zur Fachschule in die
Straßmannstraße und hatte gerade meine kleine Tochter Julia
im Körbchen am Lenker und meinen noch kleineren Sohn Clemens in
der Trage vorm Bauch unter der Jacke (November!) zur Krippe gebracht.
Und wie gewöhnlich änderte diese Art Leichterung des Fahrrads
meinen Fahrstil oder meine Lebensgeschwindigkeit in eine
AggressiveBerserkerHypeSpeed. Diesmal nur für knapp 100 Meter, der
Trabbi vor mir, an den ich mich hängte, schaffte die Wisbyer,
knapp bevor der Pulk von links ran war.
Zur Poliklinik "Dr. Karl Kollwitz" an der Prenzlauer Alle waren es vom
Unfallort nur 400 Meter. Direkt jedenfalls. Und nachdem ich noch die
wichtigsten Erledigungen in der Schönhauser erledigt und das
verbogene Fahrrad nach Hause geschultert hatte, schaffte ich es noch
vor die Flügeltür der Notaufnahme am Giebel des großen,
neuen Hauses. Wo ich vor Schmerzen dann doch schon von einem Bein aufs
gleiche trat. Und es dauerte und dauerte, nichts rührte sich,
daß ich sogar befürchtete, erst am nächsten Tag
dranzukommen. Aber weggegangen wäre ich nicht.
Als ich nach der faktischen Nichtbehandlung wieder zu Hause war,
wußte ich's auch nicht besser. Oder besser: wie gewöhnlich
dachte ich einfach nicht an mich. Was Narben hinterläßt.
Das war ein Jahr vorher ähnlich. Irgendwie war mein rechter
Fuß so geschwollen und tat weh, und ich ging zum Arzt, wo
geröntgt wurde. Wie das?: Am großen Zeh am letzten Gelenk
war was vom Knochen abgesplittert und begann schon zu verwachsen.
Natürlich vom Fußball oder? Klar, wenn es so einen
Spaß machte - und das war im Sportunterricht an der Fachschule
die Regel. Da wurde draufgedroschen, daß die Wände
wackelten oder gelacht, bis sich der Staub verzog (Hartplatz): Schuko
läuft aus, weil er den Paß nie im Leben kriegen kann, "Los,
nu renn, der is gut!" - "Kann nicht, hab grade eine Erektion!". So was
und schöne Tricks und Tore. Und verdeckte Brüche.

Ruhigstellen des Fußes sollte da noch was bringen, ich bekam
Gips, einen "Spaltgips" - weil der Fuß zu dick war, und
Krücken. Spuren hinterließ diese Zeit besonders im
Gedächtnis. Denn Gabi war im 9. Monat mit Clemens schwanger und
lag im Krankenhaus Friedrichshain zur Beobachtung wegen Blutungen. Und
ich war mit Julia - süße eineinhalb - allein zu Hause. Sie
trieb unermüdlich, kichernd und behend ihr Spiel mit mir und mich
nahe an den Wahnsinn: sie rannte einfach weg, von einen Raum in den
anderen und zurück. Ich konnte sie ja nicht greifen - bis ich mal
eine Krücke abgestellt hatte... - weder fürs Essen, noch zum
Waschen, schon gar nicht für den Topf. Einen Durchschlupf fand sie
fast immer. Höhepunkt dieses Ausdauerkampfsportes war mal ein
Finish zum Pullertopf: ich hatte sie endlich ins Bad getrieben und
blockierte die Tür, sie wich zurück und ich näherte mich
langsam, dann stürmte sie vor, ich schmiß ihr noch eine
Krücke in den Weg, sie sprang in einem Reflex rüber und war
schon in der Küche, während ich aus dem Gleichgewicht
gebracht knapp an der Badewanne vorbei zusammenbrach und im Fallen
ihren Jubel durch 3 Räume hindurch vernahm. Frag mich bitte
niemand, wie ich es zu den Besuchszeiten in den Friedrichshain
schaffte, die S-Bahn-Treppen...
Ihr langweilt euch ein bißchen? Nein, zu jeder Narbe am rechten
Bein werde ich nicht etwas erzählen, jedoch einiges kommt da noch.
Hier mache ich weiter mit zwei äußerlich eher unscheinbaren
Übrigbleibseln, die sowieso nicht jeder zu sehen kriegt und was
es an Wellen machte, da schweige ich meist lieber. Meine Eichel hat
einen Leberfleck. Bekommen. Und nahebei eine winzige Beule, wie ein
Minnipickel. Und sie war makellos. Manchmal fühle ich mich
machtlos. Ich stand im Wäldchen in Zarnekla und pinkelte.
Mittendabei setzte sich eine Mücke auf die Eichel und stach
schneller, als ich drosseln konnte und sie verjagen. Das tat schlimm
weh, ein Jucken, unmöglich zu lindern, und die Haut reagierte ganz
empfindsam mit einem großen, hellroten Fleck. Was mich gleich
traurig stimmte, denn seit ich mich naturnah ernährte - also meist
genannt "Rohkost" - reagierte ich auf Mücken- oder Bremsenstiche
nicht mehr. Aber gerade da. Klar, der sensibelste Teil von mir. Fast
einen Quadratzentimeter groß juckte es ein paar Tage vor sich
hin. Wäre ich deswegen so gern unversehrt, weil ich ein lustvoller
Mensch bin? Geblieben sind ein kleiner bräunlicher Fleck und meine
Empfindsamkeit. Und gar nicht lange danach war ich in der Badewanne,
mich zu waschen, und sah einen kleinen schwarzen Punkt auf der Eichel.
Oh nein! Bitte nicht! Meine Wahrnehmungsfähigkeit wollte am
liebsten ohnmächtig werden: eine Zecke. Cool bleiben. Am besten
erstmal wachsen lassen, daß die besser rausgeht. Aber ich hielt
es nur eine Viertelstunde aus: da hat nichts was zu suchen, verdammt!
Da will ich glatt und schön und weich sein! Wo ist die
Zeckenzange? Ach nein. Ich krieg's nicht fertig, ich zitter viel zu
sehr. Mist, verdammter! Verdammter Scheiß! Den Tränen nah
bat ich Nathalie, ihr Glück zu versuchen. Ich weiß jetzt
besser, wo ich sehr verletzlich bin. Und der Zeckenkopf riß
natürlich ab und blieb stecken. Es dauerte ewig, bis der verdaut
war. Seine Spur blieb.
Auf welche Stimme hören? Welche Stimme laut werden lassen?
Nicht zu laut, denn links klirrt es dann in meinem Ohr mit. Genau
betrachtet ein kleiner Riß im Trommelfell. Meine rechte
Hirnhemisphäre bekommt also weniger Futter. Aber mein rechtes Ohr
verfällt oft genug in Solidarität und öffnet sich dann
ebenso nur noch den sanften Tönen. Lange Tage - ich war kurz
davor, 18 Jahre alt zu werden - konnte ich am liebsten gar nichts
hören. Permanentes Klirren, Brausen, Scheppern in den Ohren. Die
Angst, das bliebe so, kam in der ohnedies finsteren Zeit vielleicht
noch als unvermeidbarer I-Punkt zur Geltung. Ich war ja gerade frisch
von der ABF geext, wo ich nicht nur einen Haufen Illusionen ließ,
sondern auch erstmal alle Perspektiven los wurde. Ach, es gab in der
Zeit so eine Masse I-Tüpfel! Daß mir ein lütter,
selbstgebastelter Sprengsatz Silvester 79 in der Hand vorm Gesicht
losging, war nur einer der lauteren, blutrot eingefärbt.
Roland
(Fortsetzung folgt!)
Re ¤ act ¤ or
Wir sind auf dem Heimweg von
Zarnekla- Lapsus 2004, wo wir uns dieses
Mal wieder sehr wohl gefühlt haben. Es war schön, die
Lapsoten
wiederzusehen. Einen großen Dank an alle, die zur Vorbereitung
von
Lapsus beigetragen haben (Essen, Räumlichkeiten, Organisation).
Absolutes Vortragshighlight war für mich Elisas
Red-Hot-Chili-Peppers-Vortrag und das nicht nur weil sie meine Tochter
ist. Ich konnte ja mit ansehen, mit welchem Enthusiasmus und Spaß
sie
daran gearbeitet hat. Und dass sie den Vortrag so souverän
rüberbrachte, lässt mich schon stolz sein auf meine
Sweet-little-sixteen.
Großen Spaß haben mir auch die Bauernolympiade (trotz
schmerzlicher
Erfahrung beim Tauziehen) und die Waldspiele gemacht, wobei ich bei
letzterem schon ein wenig um mein Augenlicht (spitze Äste in
Augenhöhe)
und heile Knochen gefürchtet habe.
Großen Dank an alle, die sich beim Improtheater nicht scheuten
sich zum
Hans im Glück Rapunzel, Schweinepriester u.ä. zu machen. Mir,
und ich
hoffe euch auch, hat es großen Spaß gemacht. Großes
Kompliment an Eric
und Milan, die einsame Klasse waren.
Atmosphärisch und schön bebildert war der Cure- Vortrag von
Roland. Die
Lesungen von Achim fand ich sehr schön, allerdings war mir "Der
Eisenmann" von der Geschichte her lieber. Leider lagen Achims andere
Beiträge (und nicht nur seine) wieder einmal zu tief in der Nacht,
so
dass wir schon weg waren, als sie liefen- schade. Vielleicht sollte man
das nächste Jahr mit den Live-Beiträgen früher anfangen.
Zum Beispiel
wäre der Auftritt von Gehlis Band um 16.00 völlig o.k.
gewesen. Dann
könnte man wenigstens Erst-Beiträge bis 0.00 Uhr
unterbringen. Apropos
Gehlis Band. Ich war von der musikalischen Qualität
überrascht.
Besonders der erste Teil gefiel mir. Ich muss auch sagen, dass sich
Eric getraut hat mitzuspielen, war bewundernswert. Leider war die E-
Gitarre häufig zu dominant und die anderen ebenfalls wirklich
guten
Musiker gingen etwas unter. Aber Gehli scheint das wohl zu brauchen.
Trotzdem, bei allem Recht auf die Darstellung des Egos (wobei sich das
als Alleinunterhalter besser macht), fand ich es doch bedauernswert,
dass Gehli nicht die Reife besitzt, ein Kind nicht zu diesem Zwecke
vorzuführen.
Sehr interessant und beeindruckend bebildert, war auch der Mali-
Vortrag von Frank.
Alles in allem, waren die Tage schön, und erste Ideen fürs
nächste Jahr
sind schemenhaft schon am Lapsushorizont aufgetaucht. Noch einmal Dank
an die Organisatoren und liebe Grüße an alle.!
Ginger
Aus dem Gästebuch in Zarnekla:
Vielen Dank für der
schöne Blieb und lecker Essen! Euch seid
alle sehr
sehr nett. Ich habe ein sehr gutes Zeit gehabt. Deine Freundin aus
Arizona die schreibt nicht sehr gutes Deutsch. Mead
Die Tage hier waren
wieder schön - erholsam, lustig, mehrsam. Es
war
schön, euch alle wieder und neue Leute zu sehen.
Ginger
Obwohl mich schon wieder
die Sprachlosigkeit bei spontanen Situationen
übermannt, fand ich die Tage hier sehr schön. Allerdings hat
mich die
galaktische Gewaltbereitschaft schon gewundert (Impro-Theater).
Hans
Sprachlos werde ich bei
diesen guten Vorträgen, den Geschichten,
der
zwanglosen Organisation, dem guten Essen, dem guten
Wetter... Anja
Leider viel zu selten,
dass ich zum Lapsus kommen kann. Gerade darum
vielen Dank für die Anregungen zum Innehalten und
Richtungswechseln. Peter
A.
Jetzt ist also auch das
kleine Maikater in die Lapsuskultur eingefuehrt
und sehr begeistert (!) und erfreut (!!) (Ich auch) und deswegen sind
wir auch sicher nicht zum letzten Mal hier gewesen.
Grüße und Küsse
an alles, was da kreucht fleucht lebt und webt, Julia + Maik
danke für einen
wundervollen frühlingsaufenthalt mit
fröhlich-freundlichen Lapsusmenschen. bis bald johannes |
Hallo Roland, zu Deiner
CD-Kritik [im LOver 36]:
Ich hatte nicht die Absicht, Dich mit meiner Musik in einen meditativen
Taumel zu versetzen. Ehrlich gesagt, habe ich beim Musikmachen
überhaupt nicht an Dich gedacht. Und was den "satten Sound"
angeht, so
kannst Du für mich gerne eine neue Spendenaktion starten, damit
ich mir
ein entsprechend teures Equipment zulegen kann, um diesen zu erzeugen.
Obwohl Du vor einigen Jahren ja bewiesen hast, dass man auch mit einer
einfachen Konzertgitarre einen "satten Sound" produzieren kann.
Gruß
Dirk
Lieber Achim! Zitat aus
dem LOver 36: „Fingsten 2004 in Zarnekla? Wer
Ja sagt, muß auch Bescheid sagen. Ich habe wieder Lust auf ein
"LAPSUS
live" in Zarnekla. Wer noch? Die Türen sind offen, ein Koch ist
schon
vergattert, Idee gibt es genug, herzliche Einladung steht. Hier.
Roland“ Ist das eine „persönliche“ Einladung?
Bei Sonnenschein und inmitten einer schönen Landschaft trafen nach
und
nach die Gäste ein. Es gab manches Wiedersehen und viel
Interessantes
zu hören und zu sehen. Ginger übertraf sich mal wieder selbst
und die
beiden „Theatergruppen“ sorgten für viel Spaß und Freude.
Auch die
Kinder spielten gut mit. Lisa machte ihren Beitrag bestens. Der
Sero-Beitrag war den Ossis sehr vertraut, der Bildgegensatz meist
perfekt. Der Eisenmann fesselte Jung und Alt. Aber nicht nur das
Vorlesen war gut, auch die Technik klappte wieder. Wie macht ihr das
nur, Achim? Die Waldspiele werden die meisten nicht vergessen und
Olympia war klein aber fein. Die Kapelle hätte schon früher
beginnen
können. Auch ein Höhepunkt und sicher nicht der einzige.
Alles habe ich
auch nicht gesehen. Aber neben der Kultur braucht der Mensch auch was
zum Essen. Jeder hat da so seine Gewohnheiten, aber ganz ohne geht es
auch nicht. Nun könnte ja jeder sein Essen und Trinken selbst
mitbringen, aber dann ginge das Beisammensein bei der gemeinsamen
Mahlzeit und deren Vorbereitung verloren. Das wäre doch schade.
Also
muss eingekauft werden, was auch vorsorglich getan wurde. Das ist nicht
einfach, es soll ja reichen für alle. Aber kann nicht jeder
herumsuchen, wo wohl etwas zu finden ist. Es muss bekannt gemacht
werden, was da ist und wo es sich befindet. Entweder steht alles an der
Pinnwand, oder es gibt jemanden, an den man sich wenden kann. Der
vergatterte Koch? Oder der Herr des Scheunenhofs? Einer muss wissen, wo
alles ist und wie es ungefähr laufen soll. Das erspart eine Menge
unnötigen Ärger. Sicher gibt es noch andere
Möglichkeiten. Für die
viele Arbeit zuvor, die oft noch auf zu wenige verteilt ist,
entschädigen dann die vergnügten, lehrreichen oder
nachdenklichen
Stunden. An den Lapsustagen finden sich dann doch immer Helfer, die
gerne zugreifen, wenn sie wissen, wo es lang gehen soll, dann macht es
auch allen Spaß. Und auf das Wiedersehen freut man sich schon
lange
vorher. Anni
Aus dem Gästebuch in Zarnekla:
Liebe(r) Roland, Nathalie,
Clemens, Marlin, Olaf, Coline (unbekannterweise) ... ! Noch im
Morgengrauen mache ich mich wieder auf. Etwas mehr als fünf Tage
war ich hier, aber es kommt mir vor, als wäre ich in eine andere
Welt eingetaucht. Ich bin begeistert und berauscht von diesem Ort! Seit
Ewigkeiten hab ich hier mal wieder meine Zweitlieblingsblumen,
Kornblumen, gesehen :-). Euer Leben, Eure Ideen + Kunstwerke, Eure
Lebensweise und Gastfreundschaft haben mich zutiefst beeindruckt. Der
Eindruck, den ich von LAPSUS erhalten habe, hat mich motiviert +
inspiriert. Danke, daß ich hier sein durfte! Sehr schade,
daß ich zur Erdbeerernte nicht da sein werde... Ich wünsche
Euch allen von Herzen das Beste! Viel Glück beim Moped-Such-Kauf,
Haus bauen, Baumpark verschönern und Euren anderen Wünschen
und Träumen. Liebe Grüße * Line *
Danke für diese
Eindrucks-volle Zeit hier in Zarnekla. ich habe mich sehr wohl
gefühlt, sehr lebendig, und vieles scheint so vertraut... Auch ein
bißchen mehr Mut und Kraft kann ich mitnehmen von hier, Vertrauen
in mich und Achtung vor allen und allem. Ich freu mich bereits aufs
Wiederkommen. Susann
|
Lieber Roland, wie ich
mit Erleichterung von dir hörte, hat dein
Heim
die LAPSUS-Tage ohne nennenswerte Verluste überstanden. Da
glücklicher
Weise deine Küchentürbeule der heftigste Unfall war und weder
von der
leider etwas scheuen Colin, noch von den Zeltern Bemerkungen kamen, wie
wir sie in vergangenen Jahren auch schon hören mussten („Das war
die
Hölle!“), können wir das 21. LAPSUS LIVE eigentlich als
vollen Erfolg
und angenehme Erinnerung einsortieren. Leider finde ich einige
kritische Bemerkungen aber doch unerlässlich. Sie betreffen deine
Art
der Reaktion auf Leute, die ihre Fragen eigentlich deshalb stellen,
weil sie nicht einfach in „deinem Reich“ nach Belieben rumfuhrwerken
wollen, sondern nach einer Hilfe suchen, die es ihnen ermöglicht,
die
„Probleme“ so zu lösen, dass du damit kein Problem hast. Und da
sind
auch leichtere Formen des Anblaffens völlig deplaziert. Und erst
bei
der dritten Wiederholung der gleichen Frage würde ich einen
ironischen
Unterton für angebracht halten, mehr aber auch nicht – eine
einfache
Frage der Gastfreundschaft. Du selbst wolltest das Thema Essen, bei dem
es diese Situationen vor allem gab, eigentlich in vergatterte
Hände
legen, die dich dann aber leider im Stich gelassen haben. Trotzdem kein
Grund, den Frust darüber anderen aufs Brot zu schmieren. Henning
und
Johannes wären sicher Manns genug gewesen, um die
organisatorischen
Dinge weiterzugeben an die willigen Helfer, die sich noch jedes Mal
ausreichend gefunden haben. Sie konnten aber häufig auch nur auf
dich
verweisen. Die halbe Stunde, um das prinzipiell zu regeln, hättest
du
dir nehmen sollen. Das nächste Mal sollte also ein
Speise-(vorbereitungs)plan für mehr Klarheit und weniger
Unsicherheiten
sorgen. Denn Lapsusen sind ganz bestimmt keine Troublemaker – aber auch
keine Hellseher, die die Vorräte und ihre Verwendungsabsicht
intuitiv
finden und erkennen.
Jetzt wird’s aber höchste Zeit, ein großes Dankeschön
zu sagen, dir und
allen auf dem Hof, die sich für LAPSUS LIVE ins Zeug legten und so
eine
Wiederauflage dieses seltsam-schönen Festes ermöglichten. Ich
bin
regelrecht gerührt, dass die Idee immer wieder auf so fruchtbaren
Boden
fällt, dass sich selbst Zufallsgäste wie Susann kein bisschen
fehl am
Platz vorkommen, dass es diese Momente eines regelrecht heimeligen
Miteinanders gibt – mit erstaunlich kurzem „Anlauf“, dass sich unter
dem im Mai 1980 ausgeheckten Motto so talentierte Leute engagieren und
dass inzwischen die zweite Generation dieses Fest ziemlich locker mit
rockigem Leben füllt. Es tat mir richtig leid, dass ich nicht den
beliebten Rückblick für die Neulinge neu aufgelegt habe. Da
hätte sich
dann am Sonntag vielleicht doch eine Diskussion zu LAPSUS LIVE 2005
ergeben.
Um die Vorbereitungen für Nr. 22 etwas zu vereinfachen und die
Gefahr
einer Staublunge weiter zu senken, wären einige Dinge vielleicht
von
Vorteil: Zum Einen sollten die Sitzgelegenheiten im Sonnenraum in den
ja relativ langen Saisonpausen abgedeckt werden, erst recht bei dem
inzwischen mehrfach gerissenen Dach. Zum Anderen wäre es toll,
wenn
sich da oben wenigstens ein Fenster öffnen ließe. Jetzt ist
der
Durchzug eher bescheiden und die Staubbelästigung beim
Säubern
gewaltig. Und den Teppich kann man bei Nichtgebrauch sicher einrollen
und so auch vor unnötiger Verschmutzung schützen.
Um generell in der Scheune ein paar Schritte weiter zu kommen – die
Lehmwandbaustelle unten ruht wohl schon eine Weile – ließe sich
auch
ein Subbotnik in das Programm von LAPSUS LIVE 2005 aufnehmen. Die
langen Kerls wollen ja vielleicht nicht nur in der Hängematte
liegen... :-)
Den gemähten Lagerfeuerplatz habe ich ja erst bei „Do the
Didgeridoo“
entdeckt, obwohl ich schon seit Mittwoch da war. Da war der
(Motor-)Sensenmann ja ganz schön unterwegs. Dass bei all dem
Vorbereitungsstress auch noch Muße für die schön
verzierte Lehmwand im
Sonnenraum war, ist schon ziemlich erstaunlich und einfach ein extra
Dankeschön wert.
Und damit komme ich jetzt zum LAPSUS-Programm selbst. Von den
Vorträgen
der anderen war mir vieles Anregung und auch Vergnügen: Frank
erzählte
spannend und detailreich von seiner (wunderbar bebilderten) Mali-Reise;
Roland wagte die These, dass es nicht die Originale sein müssen,
die
die Botschaft eines Songs am besten transportieren; ließ
sekundäre
Informationen auf prekäre Bilder prallen und nahm uns mit auf eine
anrührende Reise in die Nähe; Elisa transformiert ihre
Begeisterung für
eine der interessanteren Bands der jüngeren Rockhistorie in einen
unterhaltsamen Schnitt quer durch die Pfefferschoten; Anna und Judith
legten Songs auf, die einem mit französischem Charme und Akzent
klar
machten, warum man sich immer wieder so auf LAPSUS freut: Wegen der
langen Pause dazwischen! „Wie soll isch misch nach dir sähnen,
wenn du
stäts bei mir biest!?“.
Besonderer Höhepunkt sind für mich immer die Programmpunkte,
bei denen
nicht nur aufmerksames Konservenlauschen angesagt ist. Wirklich! J Dazu
zählten in diesem Jahr die Didgeridoo- und Trommelsounds am
Lagerfeuer,
die spaßige Bauernolympiade, der musikalisch überraschend
breit
gefächerte Auftritt von Jamboree, die sinnlichen Waldspiele und
der von
Ginger exzellent moderierte Theaterjux. Dieses Spektrum ist sicher
nicht nur für mich beeindruckend. Und die Tradition von SPINNE und
Perfohrmensch sollte auch weitergeführt werden... Vielleicht haben
Anna
oder/und Maria eine Idee für ein gemeinsames gestalterisches
Projekt
für LAPSUS LIVE Nr. 22? Ein FLuxus, den wir uns leisten
könnten... :-)
Eigentlich müsste ich ja ein bisschen mit dem Schicksal meiner
Beiträge
hadern, denn der Vortrag, der mich am meisten Vorbereitungszeit kostete
– „Der Herr des Scheunenhofs“ – fand nur drei Zuhörer, von denen
maximal zwei zu später Stunde anwesend waren. Aber erstens kenne
ich ja
eigentlich kein Pardon mir gegenüber – solange ein Zuhörer da
ist,
gibt’s meine Beiträge auch. Zweitens kann man ja auch gar nicht
abbrechen, wenn Nachts um halb zwei Frank aus Stralsund mit dem Rad
eintrifft und fragt, ob er – das studierte Programm erwartungsfroh im
Kopf – den Vorfilm verpasst hat. Und drittens gibt’s den Vortrag dann
eben im nächsten Jahr zu einer anderen Zeit... :-)
Das Interesse an „Verschwende deine Jugend“ und erst recht am Vorlesen
von „Der Eisenmann“ hat mich jedenfalls sehr gefreut. Haben wir nicht
absolut brave Kinder zu Gast gehabt!? Einfach toll und eine wahre
Freude! „Ich war Babuschka“ war thematisch sicher ein Extremfall
für
LAPSUS, aber die Art des Interesses und Engagements von Peter Henri
Schiller hat mich dazu bewogen, das Risiko einzugehen. Und ihr habt es
ja nun wirklich nicht nur „überstanden“. Womit wir irgendwie
wieder
beim Anfang wären. Auch der Vorbereitungen für LAPSUS LIVE
2005. Keep
On Rockin‘! Achim

Lieber Roland, schon zu
lange liegt Deine Karte und der letzte "Lapsus
Lover" bei mir im Rucksack, und ich habe mir schon zu lange
vorgenommen, zu antworten. Ich bin auch am Lapsus Lover weiter
interessiert.
Die "Einladung" kenne ich schon von meiner Liebsten Ulrike. Den Artikel
von dem Stasi-IM über Dich (ist das aus Deiner Stasi-Akte?) in
Basepohl
fand ich auch sehr interessant. [...]
Jetzt sind 10 Leute fest in Dargelütz, wir haben auch einen
Computerspezialisten (ex-Geschäftsführer einer erfolgreichen
Computerfirma), der unser neues Büro, Kommunikation und
Internet/Medienarbeit aufbaut. Seit Frühjahr gibt es jetzt auch
eine
kleine Landwirtschaft bei uns mit Hühnern (die nicht geschlachtet
werden dürfen), Bienen, einem Gewächshaus und aktiven Leuten.
Seit Mai bin ich pilgern, erst war ich in Potsdam, Frankfurt (Oder),
Dresden, Zwickau, Plauen und Leipzig, dann haben wir in Bestbesetzung
(10 Leute) in Halle eine Peinlichkeitswoche (jeden Tag eine neue
Peinlichkeit) veranstaltet. Das war toll: Wir sind mit einer
Sklavenkarawane durch das Arbeitsamt, durch die Kaufhäuser, Uni,
Hauptbahnhof und die ganze Stadt gezogen (mit Schildern: "Nehme jede
Arbeit an", "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen", "Hier
könnte
Ihre Werbung stehen", "ICH AG Sklaventransport"), haben den Stadtpark
abgesperrt ("Testsperrung", "ab nächsten Jahr 1 Euro Eintritt",
mit
Parkordnung und Preisliste), haben eine mobile Klagemauer durch die
Stadt getragen (für alle, die klagen, aber nichts ändern
wollen), eine
Osama Bin Laden-Hass-Übung veranstaltet, Geld für Reiche (wir
ziehen
Ihnen den symbolischen letzten Cent aus der Tasche, wenn Sie es nicht
freiwillig geben, holen wir es uns über das Finanzamt, falls Sie
selber
reich sind, bekommen Sie Geld von uns) gesammelt und Tee auf der
Straße
verschenkt. Die Sache war ein voller Erfolg, ist gut angekommen, Presse
und Fernsehen haben es auch gebracht. Deshalb haben wir beschlossen,
die nächste Peinlichkeitswoche vom 18. bis 26. September 2004 in
Leipzig zu veranstalten.
Falls Du jemand kennst, der/die sich dafür interessiert (wir
suchen
motivierte, kreative Leute mit vielen eigenen Ideen; Unterkunft und
Essen werden organisiert, für evtl. anfallende Unkosten wird eine
Peinlichkeitswochenkasse eingerichtet), kannst Du es denen ausrichten?
Kontakte über das Haus der Gastfreundschaft in Dargelütz oder
Angelika
Selling, Stefan-Zweig-Strasse 5, 04178 Leipzig, Tel. 0341-4414328,
e-mail: filomela<AT>web.de.
Im Sommer will ich an der Ostsee 2 Aktionen machen: 1. In Heiligendamm,
dort versucht die Fa. Fundus (Immobilienfirma des A. Jagstfeld) weitere
Teile der Stadt und des Strandes zu kaufen, um es dann als "Disneyland
für Millionäre" den Normalbürgern unzugänglich zu
machen. Ein Teil der
Stadt einschließlich Rad- und Wanderwegen sind schon versperrt.
Wir
wollen mit phantasievollen gewaltfreien Aktionen (ähnlich wie bei
der
Peinlichkeitswoche) dagegen protestieren.
Später wollen wir in Binz eine Badehandtuch-Protestaktion
veranstalten.
Dort gibt es von der Stadt ein Badehandtuch-Verbot, damit die
zahlungskräftigen Hotelgäste in den Strandkörben nicht
durch den
normalen Pöbel gestört werden. Wir wollen uns mit
möglichst vielen,
möglichst großen Badehandtüchern demonstrativ an den
Strand legen. Frieden
Aus dem Gästebuch in Zarnekla:
Ich freu mich auf ein
nächstes Mal und bin gespannt, wie
der
rasende
Stillstand das Rad der Zeit in Zarnekla weiter bewegt. Danke aus
tiefsten Herzen und viel Kraft für das, was kommen mag. [...]
Zum lapsus-fest will ich dir noch folgendes sagen:
Für mich waren die tage sehr entspannend und ich empfand die
atmosphäre
als sehr gelassen. Sie war nicht überschäumend, aber mir
entstand der
eindruck, dass sich hier jeder wohl fühlte.
Das programm war vielfältig und bunt. Es war so viel, dass ich
längst
nicht alles wahrnehmen konnte. Und manches empfand ich als langwierig
oder nicht ansprechend für mich. Gefallen hat mir besonders das
kreativtheater, der africablues und dein dia vortrag mit den
bäumen
und den mit "here comes the war". Nicht so reizvoll fand ich the cure
(vielleicht weil mir die monotonie der jungs schon vorher reichte),
irgendeine gangster geschichte von achim und die
sekundärrohstoffe.
Aber lapsus war echt cool. Es könnten ein paar mehr leutchen da
sein.
Vielleicht lädst du einfach ehemalige wwoofer ein ? junge
menschen,
die schwung in die sache bringen. Tanzen z.B. hat gefehlt.
Wie es scheint verbesserst du das konzept, planst schon wieder und
spinnst gedanken ?
Viele grüsse an alle - mach et jut ! Henning
[Am Fingstmontagabend zeigte
ich vor Coline und 9 anderen zum Ausklang
"Bruder Baum Baum Bruder" (LAPSUS live 1998) im Sonnenraum. Es gab 2
Zugaben. Roland]:
Das war genau die
Weiterführung und auch der würdige
Abschluß meiner
"Kunst:Offen"-Ausstellung zu Pfingsten in Toitz. Christine
Es waren sehr
beeindruckende Vorträge die Tage, der heute auch. Susann
|

Vergnüglichen
Tag, alle miteinander!
Ich will - obwohl die Wogen der Geschichte schon längst
drüber weg
glätteten - meine Danksagung an den LOver 37 erlauten lassen. Und
zwar
v.a. für den Artikel auf Seite 11 "Für alle vor 1980
Geborenen". Obwohl
die Kitts heute fraglos auch schrecklich verglücken können:
da kann
schon mal die Betondecke des Freizeitbades herabstürzen und das
urinwarme Sprudelbecken zum Auslaufen bringen, eine Telefonrechnung das
elterliche Aufsichtspersonal in den Amoklauf treiben oder wegen des
Körperumfangs kein Platz mehr für den Airbag sein. So etwas
kann
schnell mal passieren und darum gibt es ja Bestrebungen, die Kitts nur
noch in Begleitung eines Notarztes, Psychologen, Bullizisten und
Rechtsanwaltes vor die Tür zu lassen. Zur Sicherheit alle mit
Handschellen an dem jungen Menschen befestigt. Nein wirklich, gerade
erst erlebt, Klassenfahrt (eine 8.) in ein Ferienlager an einem Wald,
an einem kleinen See. Die durften nicht baden gehen (kein
Rettungsschwimmer dabei), die durften nicht allein in den Wald, die
durften nicht ins Dorf, nicht in den Regen usw. Natürlich wollten
die
das alle auch gar nicht, klar. Und zu verantworten war nur die Obhut
des Fernsehers.
Die zu vielen CD-Empfehlungen im LOver reizen mich nach wie vor nicht,
schnucklige Leserbriefe fehlten mir. Die trudelten nach dem 21.
LAPSUSlive ein.
Mein Senf dazu im folgenden: Vom diesjährigen LAPSUS-Fest war ich
selbst überrascht, was für eine gute Zeit das diesmal
für mich war. Ich
glaube, ich war noch nie so entspannt gewesen während des ganzen
LL,
kein Lampenfieber oder Stress und Hektik. Die 98er und 99er Feste waren
intensiver, in Liebe, Lebenslust und Freude schwerlich zu toppen, aber
für mich gab es damals auch schwer finstere Phasen. Aber die
fehlen mir
beileibe nicht. War eine gute Erfahrung, die ganze Infraorganisation
mehr geschehen zu gelassen, als lookilooki zu machen.
Sehr deplaziert empfand ich den Babuschka-Beitrag. Nur weil The Who
Begleitband waren, muss man sich doch solch ein Sujet nicht reinziehen.
Bei mir kommt da kein Mitgefühl auf, nicht für
bescheißende
Auto-dealer, nicht für perfekte Killer. Diesen kaputten Dreck nahe
bringen - wozu denn? Oder nur um dieses Scheiß(ich hätte
fast jetzt
noch wessi eingefügt)gefühl "Na, die Russen... wissen mer
ja!" zu
bedienen? Und wie mir das oft genug zum Halse raushängt, "Ach, die
armen Seelen in den Cockpits, die die Bomben ausklinken, ach, die armen
Killer, die nach ihrem Job mal für 10 Minuten rechts ranfahren,
ihr
inneres Gleichgewicht wieder zu finden oder drum zu beten... " So was.
Selbst deplaziert hatte ich meinen Cure-Beitrag. Wen wollte ich
erreichen, was von mir erzählen? Aber sie war nicht da. Da kommt
Langeweile auf, sicher.
Mit allem anderen fühlte ich mich wohl. Danke an alle Gesinnten!
Im folgenden Repliken, die wahrscheinlich nur für unsere
gebeutelten Insider was hergeben.
Achherrjesus, "leider" "findet" mein Bruder Achim einige Kritik "aber
doch" "unerlässlich".
Zum einen bin ich sehr gespannt auf den Erlass! (Grundsätzlich
hätte
ein Urteil nicht mal nur von den Betroffenen Wert sondern nur von einem
"Supervisor", den das alles selbst nichts anginge.)
Zum anderen maßt sich hier jemand an, der bei keiner
"Anblafferei"
dabei gewesen war, meine Reaktionsart auf Hilfsangebote Thema Essen zu
bewerten. Und "natürlich" globale Urteile zu fällen. Tja,
Achim, ich
würde einen "ironischen Unterton" erst nach dem dritten
tödlichen
Herzinfarkt unserer Mutter für "angebracht halten". So viel
Paragrafen
sollten drin sein!
Denn in unserem Familien-Moralkodex kann niemals ein Grund für
Äußerungen "negativer" Gefühle gerechtfertigt sein.
(Jeder "Ärger" ist
"unnötig", kann ins fette Sparschwein!) Jedenfalls nicht der
Throninhaberein gegenüber. Denn es geht ja bei o.g. Kritik nicht
um
Lapsoten, die mit einem kurzzeitigen, rüden Ton nicht umzugehen
wissen,
sondern es geht um 2 Szenen (eine 3 Minuten lang, die andere 5), die
ich mit meiner Mutter hatte. Ausgewalzt wird das zu:
"Gastfreundschaft", "mein Reich", "Hellseherei", "Brotschmiererei".
Oder hattest Du je nachgefragt, was das für ein Frust war, den ich
auf
unsere Mutter hatte? Ich kann mich nicht erinnern. Dass der mangels
"Vergatterung" oder "Speiseplan" war. (Dafür möchte ich mich
hier bei
den Massen entschuldigen, die's betrifft: ich hatte zum Thema Essen
wirklich nur Schwierigkeiten mit mir selbst. Blöderweise - ich
habe
faktisch ununterbrochen übers Jahr Gäste/Mitbewohner hier, wo
sich
Haushaltsgebahren meist ohne mein Zutun weitergeben – verabsäumte
ich
es, mir die Zeit zu nehmen, genügend Leutchens genügend
Essenshandhabe
zu geben. Next Mal!)
Was bleibt übrig? Dass in meiner Herkunftsfamilie gedeckelt wird
wie
verrückt. Ins Essen wird sich verbissen. Der Einkauf soll reichen
für
alle. Dann reicht er für mich.
Neben der Kultur.
Dann gab es noch das seltsame Konstrukt "'persönliche' Einladung",
welches meine Mutter in einer Anfrage benutzt. Dazu kann ich nur kurz
sagen: Ich bin nicht "LAPSUS", der "LOver" oder gar "LAPSUSlive". Darum
verschicke ich grundsätzlich persönliche Einladungen! Wer
hätte das
gedacht.
Achso, der interessantere Teil - den lass ich hier weg: völlig
deplaziert, was das nun für ein Frust war. Nochmal: tut mir leid,
Leute!
Einer muss es wissen. Yo.
Ich grüße alle, die mich kennen! Roland
Saral Sarkar / Bruno Kern
Ökosozialismus oder
Barbarei
Eine zeitgemäße Kapitalismuskritik
Ein Aufruf
Der Kapitalismus scheitert
1989 ist in Europa etwas zusammengebrochen, was viele Linke trotz
einiger Zweifel den Sozialismus nannten (es war ja in den so genannten
sozialistischen Ländern immerhin der Kapitalismus abgeschafft
worden).
In China herrscht zwar formal noch die Kommunistische Partei, aber in
der Wirtschaft geht die Restauration des Kapitalismus seit Anfang der
1980er Jahre auf vollen Touren voran. Anfang der 1990er Jahre konnte
man fast überall auf der Welt das Triumphgeschrei des Kapitalismus
hören.
Der Philosoph Francis Fukuyama verkündete vollmundig sogar das
„Ende der Geschichte“ – im Sinne von endgültigem, weltweitem Sieg
des liberal-„demokratischen“ Kapitalismus über alle anderen
Systemideale.
Viele konnten sich keinen Grund mehr vorstellen, warum die gerade
angebrochene Ära des Weltfriedens enden sollte.
Aber dieses Triumphgeschrei dauerte nicht lange. Seit etwa Mitte der
1990er Jahre erleben wir den Beginn einer neuen Phase der Geschichte.
Schon in der ersten Hälfte der 1990er Jahre waren anstelle der
erhofften Friedensdividende nach dem Ende des Kalten Krieges die
unermesslichen Gräuel der heißen „Neuen Kriege“ getreten –
der unendlichen Serie von kleinen Kriegen der Warlords, Ethnien,
Nationalitäten und Staaten (Somalia, Ex-Jugoslawien, Ruanda, Sri
Lanka, Tschetschenien usw.). Seit 2001 erleben wir wieder regelrechte
große imperialistische Kriege (Afghanistan, Irak).
Auch im Bereich der Ökonomie und des Sozialen wird heute das
Scheitern des Kapitalismus als Wirtschaftssystem allmählich
unübersehbar.
In fast allen Ländern herrscht Massenarbeitslosigkeit; wo es
Wachstum gibt, handelt es sich meist um jobloses Wachstum. Der
Sozialstaat wird allerorten demontiert. Fast überall ist die Rede
von Krisen irgendeiner Art. In großen Teilen der Welt herrscht
bittere Armut. Bürgerliche WirtschaftstheoretikerInnen sind
zunehmend ratlos. Der Keynesianismus war schon in den 1970er Jahren
gescheitert, auch wenn viele unbeirrt an den alten Rezepten festhalten
wollen. Heute erleben wir den Bankrott der jüngsten
ökonomischen Glaubenslehre, des Neoliberalismus. Die
wirtschaftliche Globalisierung ist zu einem Fluch geworden. Es herrscht
überall kalter Wirtschaftskrieg. Ein Großteil der Menschen
lebt in der Angst, morgen die materielle Lebensgrundlage zu verlieren.
Die Kriminalität nimmt rapide zu, die Suizidraten steigen und
immer mehr Menschen sind von psychischen Erkrankungen betroffen. So
sieht kein siegreiches Weltsystem aus. Im Nachhinein bewahrheitet sich
eine Feststellung, die man schon 1989 hören konnte: „Der
Kapitalismus hat nicht gesiegt, er hat nur überlebt.“ Während
bis vor wenigen Jahren die Ideologen des Kapitalismus mit dem Brustton
der Überzeugung sagen konnten, man sei dabei, den Kapitalismus mit
den ökologischen Erfordernissen zu versöhnen, kämpfen
sie heute erbittert gegen auch nur die kleinsten Zugeständnisse
an die Ökologie, wie zum Beispiel gegen die ohnehin viel zu
bescheidenen Reduktionsziele des Kyoto-Protokolls für
Treibhausgase.
Ökologie ist völlig out. Auch die Grünen haben sich
längst davon verabschiedet, das ökologisch Notwendige
umsetzen zu wollen, und nach und nach geben sie die letzten noch
verbliebenen Ziele auf; so gaben sie vor Kurzem das Ziel der
Verkehrswende preis. Was zählt, ist einzig und allein
Wirtschaftswachstum. Aber die Natur ist dabei, sich zu „rächen“
(Friedrich Engels). Sogar Wissenschaftler des Pentagon (siehe den
letzten Beitrag dieser Broschüre „Viel gefährlicher als der
Terrorismus ...“) warnen uns mit einem apokalyptischen
Zukunftsszenario: Die dramatischen Klimaveränderungen bringen
Menschen und Regierungen in Not. Öl wird knapp, die
„friedenssichernden“ Bündnisse erodieren.
Blutige Konflikte nehmen zu, Kriege um Rohstoffe, Wasser und Nahrung
verwüsten die Kontinente. Innerhalb weniger Jahre gerät die
Welt an den Rand der totalen Anarchie.
Es besteht kein Zweifel mehr: Der Kapitalismus als Weltsystem scheitert.
Weltweit, auch in Deutschland, ist die allseitige Krise des
Kapitalismus akut geworden. Seine Ideologen sehen keinen Ausweg mehr.
Einige von ihnen erkennen offensichtlich bereits, dass es einen
grundsätzlichen Widerspruch zwischen Ökologie und ihrer
Ökonomie gibt und dass es Ökonomie gibt und dass es innerhalb
ihres Systems keine Lösung dafür gibt. Schon seit Mitte der
1990er Jahre sehen wir manche Teile der Welt unter der Last von
verschiedenen Krisen in Krieg, Chaos, ja in Barbarei versinken. Die
Anzahl der gescheiterten Staaten („failed states“) steigt.
Was tun?
Angesichts dieser Weltlage und während Millionen Menschen nach
einer Alternative fragen, scheint die Linke überall wie
gelähmt zu sein und ist total zersplittert. Eigentlich sollten
wir alle gerade jetzt laut und offensiv sagen, dass es im Kapitalismus
keine Lösung der Krisen gibt und dass eine Lösung nur in
einem neu zu konzipierenden Sozialismus möglich ist. Anscheinend
stehen wir aber noch unter dem Schock von 1989.
Natürlich hegen die meisten frustrierten und wütenden
Menschen nach wie vor die Illusion, dass sie durch Demos,
Protestwahlverhalten, Streiks usw. den Sozialstaat sowie ihre Jobs und
Löhne verteidigen können, ohne den Kapitalismus in Frage zu
stellen. Oder sie haben die Illusion – die auch ein Großteil der
GewerkschafterInnen, SozialdemokratInnen und ihnen nahe stehende
ÖkonomInnen, aber auch viele GlobalisierungskritikerInnen, etwa
bei attac, fördern –, dass eine keynesianische Wirtschaftspolitik
mehr Wachstum und neue Arbeitsplätze bringen könnte. Attac
zum Beispiel redet in seinem zentralen Motto von einer zum Beispiel
redet in seinem zentralen Motto von einer „anderen Welt“, doch in den
konkreten Fragen geht es nur darum, den globalisierten Kapitalismus
gerecht zu „gestalten“. Es gibt auch viele, die zwar keine Illusionen
hegen, die aber angesichts des gescheiterten „Sozialismus“ längst
resigniert haben. Dennoch ist die Zeit jetzt reif für eine
Öffentlichkeitsoffensive für einen neuen Sozialismus. Wenn
wir die Initiative dafür nicht ergreifen, wenn wir das
geistig-intellektuelle Vakuum nicht füllen, das der scheiternde
Kapitalismus schafft, werden es die Neonazis tun. Sie geben sich ja
angesichts des voranschreitenden Sozialabbaus jetzt schon betont als
Nationalsozialisten.
Wir sind natürlich meilenweit davon entfernt, die Machtfrage zu
stellen. Zunächst geht es um etwas Anderes, nämlich um die
geistig-intellektuelle Hegemonie im Sinne von Antonio Gramsci. Leszek
Kolakowski fasst seine Position folgendermaßen zusammen: „Jede
Klasse versucht, sich nicht nur in den Herrschaftsinstitutionen,
sondern auch in den tatsächlich geäußerten Meinungen,
Werten und Normen in der Mehrheit der Gesellschaft eine führende
Stellung zu erobern. Die privilegierten Klassen haben sich eine
hegemoniale Stellung erobert und sich die Ausgebeuteten geistig und
nicht nur politisch unterworfen; mehr noch, die geistige Herrschaft ist
eine Bedingung der politischen Herrschaft.“ (Kolakowski, Bd. 3, 266)
Die Frage, wer Träger des Projekts eines neuen Sozialismus sein
kann, brauchen wir an dieser Stelle nicht zu diskutieren. Zuerst kommt
es darauf an, dem Kapitalismus die Legitimation zu entziehen.
Möglichst viele müssen erkennen, dass eine Lösung der
Krisen und letztlich das Überleben der Menschheit nicht
möglich sind, solange der Kapitalismus weiter besteht. Für
die Notwendigkeit eines neu zu konzipierenden Sozialismus ist
Überzeugungsarbeit zu leisten. Die praktische Frage, wie die
Überwindung des Kapitalismus vonstatten gehen kann, sei
zunächst hintangestellt.
Sie ist sicher nicht so leicht zu beantworten. Zuallererst muss der
geistige Boden dafür vorbereitet werden.
Wir wissen, dass es in einer Reihe von Detailfragen erhebliche
Differenzen unter uns Linken gibt. Doch hinsichtlich der
Kapitalismuskritik herrscht weitgehende Einigkeit. Das kann ein
gemeinsamer Ausgangspunkt sein. Auch die Frage, wie unsere Alternative
im Detail aussehen kann, kann nicht vorneweg beantwortet werden. Die
konkreten Details werden ja gerade unserem Verständnis nach nicht
am Schreibtisch entworfen, sondern entwickeln sich im Zuge einer
praktischen Bewegung und ihrer begleitenden kritischen Reflexion. Wir
haben deshalb auch bewusst viele Konkretionen hinsichtlich unserer
Alternative und der konkreten Strategien der Veränderung, die bei
uns selbst Konturen annehmen, weggelassen. Wir wollen hier nur für
den lebhaften Diskussionsprozess und die Entwicklung von
Handlungsmöglichkeiten einen Impuls geben.
Wir beschränken uns daher auf eine Skizze der Grundsätze des
Ökosozialismus, den wir für nötig halten. Für eine
ausführliche, wissenschaftlich fundierte Begründung und
Darstellung dieses bestimmten Konzeptes von Ökosozialismus (es
gibt auch andere) verweisen wir auf Saral Sarkars Buch: „Die
nachhaltige Gesellschaft – eine kritische Analyse der
Systemalternativen“.
Wir hoffen, dass viele Menschen, die sich um die Lage der Menschheit
und der Natur insgesamt Sorge machen, diese Gedanken aufgreifen und mit
anderen zusammen nach Möglichkeiten suchen, in diesem Sinne aktiv
zu werden. Wir möchten euch auch auffordern, für die
weitergehende Diskussion und die Entwicklung von konkreten
Handlungsschritten mit uns Kontakt aufzunehmen (Kontaktadresse: s.
Rückseite des Umschlags).
Köln und Mainz, Mai 2004
Saral Sarkar / Bruno Kern
Den Text mit den weiteren Kapiteln:
Die dringendste soziale Frage
Die Illusion einer nachhaltigen kapitalistischen Entwicklung und die
Notwendigkeit des Ökosozialismus
und dem Anhang
„Viel gefährlicher als der Terrorismus ...“
findet ihr im Internet als PDF unter
http://www.ila-web.de/downloads/Oekosozialismus.pdf
Kontaktadresse:
Initiative Ökosozialismus c/o Bruno Kern
Mombacher Straße 75A, 55122 Mainz
Tel: 06131/236461, E-Mail: fackel-kraus<AT>gmx.de

Stein zu
Ich brauche einen Stein,
der schwerer ist als ich,
meine Liebe zu begraben.
Der nicht tanzt auf dem Geysir.
Der sich nicht rühren läßt.
'Und am besten Magnesit',
fällt mir gerade noch
durch meine gleichgerichteten Synapsen.
Ich brauche einen Stein,
einen riesengroßen Findling,
meine Liebe zu begraben,
unter Verschluß zu halten.
Ich werf mich obenauf,
als wäre ich aus Luft,
mit ausgebreiteten Armen,
mitten auf dem harten,
rutscht der Stein,
windet sich, läßt sich nicht halten.
Ich brauche einen Stein,
ein Felsen, der so schwer wär,
meine Liebe zu begraben.
Verwittert, feucht, Flechten fleckig,
als sei er schon immer da.
Mit weichem Moos bewachsen.
Ein unverrückter Felsen in der Sonne,
von dem ich den Mond gewahren kann.
Ich brauche einen Stein,
meinetwegen mit alten, verbrauchten Insignien,
meine Liebe zu begraben.
Bloß schwerer. Nur schwerer
als ich mir vorstellen kann.
Werd' ich zu Stein
mit mir allein.
Ro Li B.

Zur Schwärmerei
Verhaltener Liebe Reiz
mag jenes Herz entzücken
das zweckentfremdet, doch erhaben
als Schutz vorm Körper schwebt.
Mein Herz indessen lässt sich
am wohligsten beglücken
wenn Lust und Leidenschaft
den Schutz des Leibs beiseite rücken
und es wehrlos dir entgegen bebt.
Jörn Pfennig

Grundlos zärtlich
Wenn ich dir sage, ich hab dich lieb
wehre dich bitte nicht
zugegeben: wir kennen uns kaum
aber wir haben nicht viel Zeit.
Wenn ich glaube, dich liebzuhaben
dann brauche ich keinen Beweis
daß es wirklich so ist -
was zählt, ist die Möglichkeit.
Du wirst kaum die Gelegenheit haben
die Tiefe meines Gefühls zu überprüfen.
Wenn ich dir sage, ich hab dich lieb
dann laß mich ruhig lügen
wenn es dich freut, nimm es an
und laß mich zärtlich sein.
Für Zärtlichkeit
braucht man keinen Grund
und schon gar nicht den Grund
Liebe.
Jörn Pfennig, *24.Juni 1944,
lebt und arbeitet in Burghausen/Bayern
Sonnenuntergang
Schwäne sind treu, sagt man
der Tod eines Schwanes sei folglich
einsam oder erfüllt
ziellose Schwingen
scheinen in dieser Welt im Abendrot
verbluten zu müssen
die Sonne in unserem Herzen
ergießt sich blutrot durch die Augen
in der Nacht küsst der Tod
sanft uns in den Bauch
goldene Seufzer
säuseln im warmen Nachtwind
eine alte Melodie
die mich lockt zu schlafen
am Horizont
im Blut der Schwäne
der Herzen
der Augen
der Uhren, schlagend
nach dem Tod
der Schnitter
unser Metronom
im Tanz
um sein
oder nicht
Thomas Pflaum

die Liebe
die Liebe ist eine Lüge
wenn auch eine Schöne
ich weiß das ich mich betrüge
wenn ich mich nach ihr sehne
denn Trost und Schein von Sicherheit
sind feine Utopien
doch dunkel schwelt die Kleinigkeit
dass sie nur vorüberziehen
und hat man erst zur Ruh gefunden
und betrachtet etwas als Ende
will bald einem sein Glücke mehr nicht munden
und man sehnt sich nach der Wende
und eben dieses "und fehlt nicht was?"
wird vom Hirn ins Herz sich setzen
und bis zum Zerbrechen leugnet man das
um den anderen nicht zu verletzen
Es ist fürchterlich, jedes Ziel, das man hat
wird, ist es erstmal erreicht
ein Punkt wie jeder andere
den die Unendlichkeit umschleicht
Thomas Pflaum
Die Zärtlichkeiten
Ich liebe jene ersten bangen Zärtlichkeiten,
die halb noch Frage sind und halb schon Anvertraun,
weil hinter ihnen schon die andern Stunden schreiten,
die sich wie Pfeiler wuchtend in das Leben baun.
Ein Duft sind sie; des Blutes flüchtigste Berührung,
ein rascher Blick, ein Lächeln, eine leise Hand -
sie knistern schon wie rote Funken der Verführung
und stürzen Feuergarben in der Nächte Brand.
Und sind doch seltsam süß, weil sie im Spiel gegeben
noch sanft und absichtslos und leise nur verwirrt,
wie Bäume, die dem Frühlingswind entgegenbeben,
der sie in seiner harten Faust zerbrechen wird.
Stefan Zweig (1881 – 1942)


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