Monika's Große Chance
Anmerkungen:
Das Stück 'Monika's Große Chance' wurde LAPSUS
LIVE 1998 uraufgeführt.
'Monikas großer Aufstieg' setzte das
Stück fort und wurde LAPSUS LIVE 2000
uraufgeführt.
(C) by Regina Gorsleben und Dirk Hübner. Alle Rechte vorbehalten.
Bei Interesse an einer Übernahme bitte eMail
an Leopold Lapsus.
Monika's Große Chance
Eine Sozialfarce
Personen und ihre Darsteller:
Monika, Frau Dr. Kleinschmidt-Pribilski: Regina
Egbert, Detlef, Irmtraud: Dirk
Uschi, Ingeborg: Ginger
Nummerngirl: Lisa
I. Teil
(Egbert und Monika treffen sich auf der Straße.)
Egbert: Hallo Monika, wie geht's dir? Hast du schon eine neue Arbeitsstelle?
Monika: Ach, Egbert, ich bin total in Panik: Morgen hab' ich ein Vorstellungsgespräch
bei 'ner Reinigungsfirma. Und ich war noch nicht mal beim Friseur!
Egbert: Mach' dir bloß keine Gedanken, Monika. Du schaffst das
schon: So, wie du aussiehst!
Monika: Meinst du wirklich? Das ist so nett von dir, Egbert! Drück'
mir die Daumen, ja? Tschüß, Egbert!
Egbert: Tschüß, Monika!
Deutende Zusammenfassung vorgetragen von Frau Dr. Kleinschmidt-Pribilski:
Was ist bisher geschehen? Zwei Menschen sind sich begegnet: Monika und
Egbert. Sind es ehemalige Schulkameraden, Cousin und Cousine, Schwägerin
und Schwager, eine Frau und ihr Exlover? - Wir wissen es nicht. Doch eins
wurde klar: Sie sind sich menschlich nah, wissen um die Urängste und
Wünsche des anderen. Egberts Frage: "Wie geht es dir, hast du schon
eine neue Arbeitsstelle?" erfasst intuitiv die existentiellen Nöte
seines Gegenübers. Die Arbeitsstelle - wie wichtig ist sie für
unser Leben; sie entscheidet über unser Wohl und Wehe: Können
wir noch in diesem Jahr nach Gran Canaria fahren oder erst im nächsten?
Wann sind die Raten für das neue Auto abgezahlt? Können wir unserem
Kind die neuste Barbycollection kaufen, und können wir nach Lust und
Laune Katalogbestellungen aufgeben? Die Arbeitsstelle bestimmt unseren
Marktwert und sie schafft uns Freunde. Monika weiß genau, wie entscheidend
sich eine neue Arbeitsstelle auf ihr weiteres Leben auswirken würde.
Vielleicht könnte sie sich dann sogar einen neuen Lover leisten, denn
Lothar bringt als Sozialhilfeempfänger echt gar keine Punkte. Zurecht
also ist Monika aufgeregt und um ihr Äußeres besorgt. Sie denkt
an einen Friseurbesuch und hat hoffentlich auch daran gedacht, ihren Kleiderschrank
zu überprüfen. Schließlich steigen mit einem topmodernen,
gepflegten Outfit ihre Chancen.
Doch nun zum 2. Teil. Wie mag unsere aufregende Story um Monika und
ihre große Chance weitergehen?
II. Teil
(Monika auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch. Sie trifft ihre Freundin
Irmtraud.)
Reiß!
Monika: Oh Scheiße! Eine Laufmasche! Ich bin geliefert!
Irmtraud: Monika, wo willst du denn hin? Oh man, du hast ja 'ne Laufmasche:
Hoffentlich ist es kein Rendezvous!
Monika:
Gott, Irmtraud, es ist viel schlimmer. Ich versaue mir damit vielleicht
die Chance meines Lebens. Ich hab' gleich ein Vorstellungsgespräch
bei der Top-Reinigungsfirma "Detlef & Co".
Irmtraud: Wie hast du denn das geschafft? Dafür bist du doch gar
nicht ausgebildet!
Monika: Doch, das Arbeitsamt hat es mir ermöglicht, an einem CrashKurs
teilzunehmen, wo wir mit den neusten Reinigungstechnologien vertraut gemacht
wurden.
Irmtraud: Du Glückliche. Übrigens hab' ich zufällig
ein Stück Seife dabei, da geht die Masche nicht weiter. Du darfst
dem Chef auf keinen Fall den Rücken zudrehen!
Monika: Danke Irmtraud, du bist ein Schatz. Wenn ich diesen Job kriegen
sollte, werde ich auch für dich ein gutes Wort einlegen. Hilfskräfte
werden doch immer gebraucht!
Irmtraud: Von allein hätte ich mich gar nicht getraut, dich darum
zu bitten. Du weißt ja, ich bin knapp bei Kasse. Und Horst und ich
wollen doch nächsten Sommer nach Mallorca.
Monika: Jetzt muss ich aber los! Tschüß, Irmtraud!
Irmtraud: Tschüß, Monika und toi, toi, toi!
Deutende Zusammenfassung vorgetragen von Frau Dr. Kleinschmidt-Pribilski:
Leider stellt sich heraus, das Monika nicht so gut auf ihr Vorstellungsgespräch
vorbereitet ist, wie sie es sein sollte. Sie hätte wirklich daran
denken müssen, eine Ersatzstrumpfhose mitzunehmen! Glücklicherweise
trifft sie ihre Freundin Irmtraud, die ihr helfen kann und gute Tips gibt.
Monika verspricht ihr dafür, ein gutes Wort für sie einzulegen.
Sie hat erkannt, dass es bei zwischenmenschlichen Beziehungen immer darauf
ankommt, Geben und Nehmen in der Balance zu halten. Schließlich will
man kein Schmarotzer sein, der auf Kosten anderer lebt. Und zu verschenken
haben wir alle nichts!
III. Teil
(Monika und Uschi treffen sich auf dem Flur der Reinigungsfirma "Detlef
& Co".)
Monika: Uschi? Bist du's wirklich? Ich hätte dich fast nicht erkannt.
Du hast so schrecklich zugenommen!
Uschi: Hallo Monika! Was machst du denn hier? Stell' dir vor, ich hab'
hier ein Vorstellungsgespräch. Der Chef der Reinigungsfirma soll ein
ganz toller Mann sein - er heißt Detlef und fährt einen Mercedes!
Monika: Was du nicht sagst. Ich soll mich übrigens auch hier vorstellen.
Und ich rechne mir ziemlich gute Chancen aus. Aber du? Du warst doch in
Mathe und Chemie immer so schlecht. Kennst du dich denn überhaupt
mit den neuesten Reinigungstechnologien aus? Mit Fit und Ata brauchst du
denen nicht zu kommen!
Uschi: Oh Gott, meinst du? Kannst du mir nicht ein bischen was davon
erzählen? Ich brauch diesen Job echt dringend. Meine Tochter, Sue
Ellen, wird bald 18, und ich hab' ihr doch versprochen, dass sie dann ein
Auto kriegt. Und das neue Haus müssen wir auch noch 51 Jahre lang
abzahlen.
Monika: Ich kann dir das doch nicht so auf die schnelle beibringen!
Ich habe selbst Wochen dazu gebraucht und muss immer wieder nachlesen,
damit ich nichts vergesse.
Uschi: Ach Monika, du warst schon immer eine Leuchte, dich nehmen sie
bestimmt! Aber mich? Hoffentlich merken die nichts von meinem Bandscheibenvorfall!
Gott, ich muss diesen Job haben!
Monika: Nun reg' dich bloß nicht so auf. Du musst ganz ruhig
und selbstsicher auftreten! Das ist total wichtig!
Uschi: Oh je, Monika, du hast ja 'ne Laufmasche! Die legen auf ordentliche
Kleidung doch solch großen Wert!
Monika: (zu sich) Gott, wenn Uschi das schon merkt! Ich muss verdammt
aufpassen! Ist ja nur hinten, das kriegen die bestimmt nicht mit. Aber
du hättest zum Friseur gehen sollen.
Sekretärin (Ingeborg): Die Nummer 46 bitte.
Deutende Zusammenfassung vorgetragen von Frau Dr. Kleinschmidt-Pribilski:
Kurz vor ihrem entscheidenden Vorstellungsgespräch trifft Monika Uschi
auf dem Flur der Reinigungsfirma, eine ehemalige Schulkameradin. Instinktiv
wittert Monika in Uschi eine Konkurrentin um die Arbeitsstelle und tut
das in diesem Fall einzig Richtige: Sie attackiert deren Selbstbewusstsein.
Die Bemerkung: "Du hast so schrecklich zugenommen", bringt Uschi aus dem
Gleichgewicht. 1:0 für Monika. Uschi jedoch protzt im Gegenzug damit,
dass sie den Chef ganz persönlich kennt: "er fährt einen Mercedes!"
Doch Monika lässt sich nicht beirren, sie zeigt Uschi, was Phase ist.
Wenn eine die Stelle kriegt, dann sie. Monika kennt die Schwachstellen
ihrer Kontrahentin genau: absolut kein Know how, kein Selbstbewusstsein
und eine beschissene Frisur. Läsig spielt sie einen Trumpf nach dem
anderen aus. Gut, dass Uschi auch noch ein körperliches Gebrechen
hat. Vielleicht kann sie dies dem Chef bei Gelegenheit mal stecken. Monikas
schlechte Zähne sind ja Gott sei Dank hier kein Thema. Sie muss nur
darauf achten, dass sie nicht zu hemmungslos lacht. Also: Monika hat alles
im Griff. Ihre Sterne stehen günstig. Wenn nur diese Laufmasche nicht
wäre. Sie hätte eben an Ersatzstrumpfhosen denken sollen.
IV. Teil
(Monika beim Chef Detlef zum Vorstellungsgespräch.)
Monika: Guten Tag!
Detlef: Guten Morgen, kommen sie doch näher, Fräulein ...
äh ...
Monika: Schulze, Monika Schulze.
Detlef: Also erst einmal: Wir sind hier ein junges, dynamisches, erfogreiches
Team. Deshalb reden wir uns alle mit dem Vornamen an! Das haben sie doch
verstanden, Monika?
Monika: Ja, Herr ... äh ...
Detlef: Detlef!
Monika: Ja, Herr Detlef.
Detlef: Schön, schön. Nun wollen wir sie mal auf dem Zahn
fühlen. Wie sieht's aus mit unbezahlten Überstunden?
Monika: Jederzeit!
Detlef: Auch am Wochenende? Monika: Gerne!
Detlef: Körperliche Gebrechen, z.B. Schwangerschaft oder Kinder?
Monika (nuschelt): Nein, Herr Detlef, nichts dergleichen.
Detlef: Ja, also wie ich die Sache sehe, sind sie für den Job,
dem ich sie anvertrauen will, wie geschaffen! Ich will ihnen gleich auf
einen ganz hohen Posten setzen.
Monika: Gott, Herr Detlef, sie wissen ja gar nicht, wie dankbar ...
Könnte ich eventuell auch Urlaub...?
Detlef: Wie lange waren Sie jetzt arbeitslos?
Monika: Fast ein Jahr.
Detlef: Das ist ja wohl Urlaub genug!
Monika: Ach ja natürlich! Ich weiß auch nicht, wie ich darauf
komme.
Detlef: Schon gut. Hoffentlich sind sie der Aufgabe auch gewachsen.
Sie können doch ordentlich putzen?
Monika: Aber natürlich, Herr Detlef, darauf bin ich spezialisiert.
Beim Putzen unterscheiden wir folgende Arten: Schrubben, Bürsten,
Wischen, Wichsen ...
Detlef: Das genügt, ich sehe, sie sind auch arbeitstechnisch auf
den allerneusten Stand. Haben sie auch PC-Kenntnisse?
Monika: Ja ... schon, obwohl ich doch eher über WC-Kenntnisse
verfüge.
Detlef: Na, macht nichts. Das können sie sich ja nebenbei aneignen.
Heute geht nichts mehr ohne PC-Kenntnisse.
Monika: Ja, Herr Detlef.
Detlef: Sie werden sich also ab heute persönlich um die Reinigung
der Cheftoilette kümmern! Sie muss stets in einem Top-Zustand sein!
Ich dulde weder Spritzer auf der Brille noch Streifen im Becken!
Monika: Sie können sich voll auf mich verlassen, Herr Detlef.
Detlef: Neben der Cheftoilette säubern sie noch die Toiletten
des Gymnasiums, des Museums, des Gerichtsgebäudes und der Handelsschule.
Monika: Oh danke, Herr Detlef!
Ingeborg: Wenn ich kurz stören darf, Herr Detlef ...
Detlef: Du lieber Gott, was ist denn schon wieder?!
Ingeborg: Fräulein Gerlinde hat sich krankgemeldet - sie hat sich
den Knöchel gebrochen.
Detlef
am PC: Gerlinde? Das haben wir gleich ... G-E-R-L-I-N-D-E. Herr Gott, warum
passiert denn jetzt nichts!
Ingeborg: Sie müssten vielleicht noch die Enter-Taste ...
Detlef: Ach ja, natürlich. - Ah, ja! Das ist schon das zweite
Mal in drei Jahren, dass diese Frau semiliert. Sofort entlassen!
Ingeborg: Jawohl, Herr Detlef.
Detlef: Monika, sie werden Gerlinde ab heute vertreten. Es kommen für
sie also noch die Toiletten vom Rathaus, vom Spassbad und vom Kino dazu.
Monika: Wird erledigt, Herr Detlef.
Detlef: Ach ja, sie sind doch damit einverstanden, dass sie zunächst
6 Monate ohne Bezahlung probeputzen?
Monika: Selbstverständlich, Herr Detlef!
Detlef: Sie wissen ja, es warten mindestens 100 andere auf diesen Job.
Na dann ran an die Bouletten, äh, Toiletten, hähä ... Sie
werden sehen, die Arbeit ist nicht nur abwechslungsreich und anspruchsvoll,
sie macht auch Spaß! Dann raus jetzt!
(Monika geht raus)
Detlef: Was haben sie denn da?!
Monika: Oh Gott, Herr Detlef. Es tut mir so leid. Es wird nie wieder
vorkommen, ich werd' jetzt immer eine Ersatzstrumpfhose mitnehmen.
Detlef: Das will ich stark hoffen. Denken sie an unser Image! Wir sind
schließlich eine Top-Reinigungsfirma und kein Lotterhaufen! Sonst
können sie ja in Polen arbeiten gehen. Haben sie nichts zu tun, geh'n
sie schon!
Monika: Ja, natürlich.
Deutende Zusammenfassung vorgetragen von Frau Dr. Kleinschmidt-Pribilski:
Endlich ist es soweit! Nun kann Monika zeigen, was in ihr steckt. Nach
anfänglicher Unsicherheit kommen die richtigen Antworten wie aus der
Pistole geschossen. Monika ist für den neuen Job zu allem bereit.
Sie leugnet sogar ihre 12jährige Tochter Pamela, die sich sowieso
kaum noch zu Hause blicken lässt, und versteht es geschickt, ihre
schlechten Zähne zu verbergen. Alle Achtung, Monika! In diesen schweren
Zeiten gilt es, Prioritäten zu setzen. Will man nun einen festen Job
bis zur sicheren Rente, oder will man sich als Schmarotzer durch's Leben
schleimen? Detlef erkennt sofort Monikas Entschlossenheit und weiß
diese zu schätzen. Als Arbeitgeber darf er dennoch nicht weichlich
sein. Was soll er mit unwilligen Subjekten, die nur an sich und nicht in
erster Linie an ihren Chef denken? Er ist schließlich Unternehmer
und nicht von der Wohlfahrt. Soll er denn einen lumpigen VW Golf fahren
und wohlmöglich Urlaub in der Sächsischen Schweiz machen? Detlef
ist ein Mann, wie wir ihn heute brauchen: innovativ (er setzt auf PC-Kenntnisse!)
und straff in der Führung. Leider nur zurecht weist er Monika auf
ihre fehlerhafte Bekleidung hin. Schließlich sind es gerade diese
kleinen Details, die den Wirtschaftsstandort Deutschland sichern. Monika
hat ihr Ziel dennoch erreicht: Sie hat einen Job in einer Top-Reinigungsfirma.
Und was für einen! Uschi wird staunen.
V. Teil
(Monika und Uschi treffen sich auf dem Flur.)
Uschi (aufgeregt): Monika, Monika, denk dir bloß: Ich hab' eine
Stelle gekriegt! Leider muss ich jetzt ausgerechnet die Abfalleimer runterbringen,
wo ich doch mit meinem Kreuz so 'ne Probleme hab. Aber für andere
Sachen war ich einfach nicht quantifiziert genug. Trotzdem! Ich bin so
happy! Und nach einem halben Jahr gibt's schon Geld. Da kriegt Sue Ellen
doch noch ihr Auto!
Monika:
Mein Gott, Uschi, sei doch nicht so aufgeregt! Gut, dass dir der Chef nicht
meinen Job vorgeschlagen hat, sonst wärst du ja glatt aus den Latschen
gekippt.
Uschi: Du hast auch Arbeit? Ach, ich wusste es ja. Was ist es denn?
Monika: Ich sage nur eines: WC!
Uschi: Achso. Wie?
Monika: Du bist aber auch schwer von Kapé! Ich darf die Cheftoilette
saubermachen!
Uschi: Nein, das kann doch nicht wahr sein! Ich wusste immer, dass
aus dir mal was Besonderes wird. Du Glückliche!
Monika: Aber jetzt kann ich mich nicht länger aufhalten. Ich will
den Job ja nicht gleich wieder verlieren. Ich fange gleich mit der Cheftoilette
an.
Uschi: Oh ja, ich muss auch los. Ach, ist das toll, wenn man so gebraucht
wird! Wenn man dann sonntags mit seiner Familie am Kino vorbeigeht und
sagen kann: Die Abfalleimer darin hab' ich geleert!
Monika: Ja, ja. Tschüß, du.
Uschi: Tschüß, Monika!
Monika (tällert vor sich hin): Ach, da ist ja schon die Cheftoilette:
"Detlef's Klo" - wie originell!
(quietsch - Tür)
Woll'n wir mal sehen ... Oh! Wow! Was für ein kräftiger Männerschiss!
Und wie das schmiert! Da macht das Putzen Spaß!
(Lied:)
Danke für diese Arbeitsstelle,
Danke für jedes kleine Glück,
Danke für alles Frohe, Helle
und für die Musik.
ENDE
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