Monikas großer Aufstieg
Anmerkungen:
'Monikas großer Aufstieg' setzt das Stück 'Monika's
Große Chance' von 1998 fort und wurde LAPSUS
LIVE 2000 uraufgeführt.
(C) by Regina Gorsleben, Ginger Lange und Dirk Hübner. Alle Rechte
vorbehalten. Bei Interesse an einer Übernahme bitte eMail
an Leopold Lapsus.
Monikas großer Aufstieg
Eine Sozialfarce
Personen und ihre Darsteller:
Monika: Regina
Egbert, Uschi, Detlef, Sporttherapeut Karl-Friedrich Bockmüller,
Psychologe Prof. Dr. Dr. Flach-Zange: Dirk
Frau vom Sozialamt, Detlefs Sekretärin Ingeborg, Irmtraud: Ginger
Psychotherapeut Dr. Klaus-Uwe Rötelmeyer: Hansi
Frau Dr. Kleinschmidt-Pribilski: Ute
Nummerngirl: Lisa
1. Szene: Egbert, Monika, Frau vom Sozialamt (Auf der Straße)
Egbert: Hallo, Monika. Wie geht es dir? Hast du noch deine Arbeitsstelle?
Monika: Ach Egbert, stell dir bloß vor, ich soll jetzt sogar
Abteilungsleiterin bei Detlef & Co werden! Aber vorher muss ich natürlich
noch ein paar Semifinale absolvieren. Ich weiß wirklich nicht, ob
ich das schaffe!
Egbert: Aber Monika, das schaffst du schon - so wie du aussiehst!
Monika: Ach danke, Egbert. Und wie läuft's bei dir so?
Egbert: Ja, weißt du, Monika, ich hab' da ein paar ganz große
Projekte am laufen. Du hast doch sicher schon von Globalising gehört?
Da bin ich ganz vorn mit dabei! Wie der Engländer sagt: You can win
if you want! Hast du eigentlich noch dein altes Handy?
Monika: Klar, ich muss rund um die Uhr für Detlef erreichbar sein,
schließlich guckt der Chef ja nicht, wie spät es ist, bevor
er auf's Klo geht! Und die Cheftoilette muss immer in einem Topzustand
sein.
Egbert: Ach Monika, lass doch endlich diesen billigen Kloscheiß
sein, das hat doch no future! Baby, ich mit meinem know how und du mit
deinem Handy - da können wir ganz groß rauskommen ... Hier,
ich geb dir mal meine Karte.
Monika: Promotion ...?
Egbert: Promotion - Emotion - Funlotion.
Monika: Toll!
Egbert: Tja, man muss halt wissen, wo der Frosch seine Locken hat ...
(Frau vom Sozialamt tritt auf, Egbert macht sich klein, setzt sich
dunkle Sonnenbrille auf)
Frau vom Sozialamt: Herr Piesepampel? Sie sind doch Herr Piesepampel,
oder?
Egbert: Oh, Fuck!
Monika: Piesemuckel, er heißt Egbert Piesemuckel. Mit Piesepampel
haben wir ihn nur in der Schule immer geärgert.
Frau v. Sozialamt: Ah ja ... Auf jeden Fall müssen Sie endlich
ihr Darlehen zurückzahlen, Herr Piesepampel, sonst hetzen wir Ihnen
den Gerichtsvollzieher auf den Hals! Solche Schmarotzer wie Sie können
wir gar nicht gebrauchen! Guten Tag!
(Frau vom Sozialamt geht ab)
Monika: Egbert ...?
Egbert: Ich hab' da noch einige wichtige Termine, Monika. Du verstehst.
Tschüß, Monika!
(Egbert ab)
Monika: Tschüß, Egbert! - Gott, so eine arme Sau!
(Handy piepst)
Monika: Oh Gott, das ist sicher Detlef! Ja, hier Monika - immer fleißig,
immer da!
Detlef: Monika, Sie müssen ganz dringend kommen. Sie wissen schon:
Dieser Kantinenfraß von heute Mittag.
Monika: Wird sofort erledigt, Herr Detlef! Das ist noch ein richtiger
Mann!
(Monika ab)
Zwischentext 1 von Frau Dr. Kleinschmidt-Pribilski
Was ist geschehen? Zwei Jahre sind vergangen, und zwei Menschen sind sich
wieder begegnet: Monika und Egbert. Monika hat sich inzwischen als Cheftoilettenexpertin
der Topfirma Detlef & Co. etabliert, und der steile Weg nach oben -
sie hat Aussicht auf die Stelle einer Abteilungsleiterin - steht ihr offen.
Auch Egbert scheint es geschafft zu haben, denn wer kann schon so ohne
weiteres mit Begriffen wie 'Globalising' oder 'Fun-Lotion' jonglieren?
Auf jeden Fall muss er einen Englischkurs besucht haben. Auch sein Auftreten
- er wirkt selbstsicher und dynamisch - lässt darauf schließen,
dass er den knallharten Anforderungen des Wirtschaftslebens gewachsen ist.
Er hat den Mut zum Risiko, und er hat Visionen. Dennoch ist Monikas zurückhaltende
Reaktion auf sein Angebot zur Fusionierung nur allzuverständlich.
Denn wer würde heutzutage so mir nichts dir nichts auf einen sicheren
Arbeitsplatz mit Aufstiegschancen verzichten? Und Monika hat den richtigen
Riecher: Egbert ist trotz seines Knowhows auf der Loserseite. Ein tragisches
Schicksal, das auf Rechnung der lähmenden Bürokratie in Deutschland
geht, die leider immer noch schwungvollem Unternehmertum Knüppel zwichen
die Beine wirft. Doch Monika lässt sich durch Egberts Absturz nicht
beirren; sie weiß genau: Je mehr Verlierer es gibt, desto größer
sind ihre Chancen auf einen Platz an der MallorcaSonne. Also Monika: You
can win if you want.
2. Szene: Monika, Uschi (Auf dem Firmenflur)
(Monika stößt Eimer um)
Monika: Gott Uschi, pass' doch auf! So eine Sauerei, wenn das der Chef
sieht! Warst du beim Friseur?
Uschi: Und bei der Kosmetik!
Monika: Und alles umsonst.
Uschi: Nein, nein, das hat 120 Mark gekostet!
Monika: Ich meine doch nur, dass du furchtbar aussiehst!
Uschi: Findest du? Aber Herr Detlef meinte, ich sähe richtig potent
aus.
Monika: Ich hab' dem Chef schon so oft gesagt, er soll auf dem Flur
seine Brille aufsetzen. Männer sind ja so was von eitel.
Uschi: Du Monika, ich hab' gehört, du sollst Abteilungsleiterin
werden? Wir sind ja alle so stolz auf dich! Was denkst du, ob ich da in
Zukunft die Cheftoilette ... Immer dieses Bücken mit den Eimern, ich
halt das nicht mehr lange durch!
Monika: Gott, du warst schon immer so wehleidig. Wie damals in der
Schule, als du dauernd vom Stufenbarren gefallen bist. Sei froh, dass du
mit dieser Einstellung überhaupt hier arbeiten darfst!
Uschi: Aber zu Hause rechnen doch alle damit, dass ich bald mehr Geld
kriege. Sue Allen braucht unbedingt ein neues Auto, und unser Haus müssen
wir auch noch 49 Jahre lang abzahlen. Ich muss diesen neuen Job haben!
- Ach, au ..., diese Bandscheiben!
(Uschi steht auf, hangelt sich an Monika hoch und klebt ihr unabsichtlich
etwas ins Haar)
Monika: Herrgott, du machst mich ja ganz dreckig! Ich werd sehen, was
ich für dich tun kann, aber lass mich jetzt los!
(Kaugummi in Monikas Haar)
Uschi: Danke Monika! Und sage Herrn Detlef, dass ich schon ganz doll
geübt habe - was denkst du, wie unser Klo zu Hause glänzt! Au,
aua ...
Monika: Jetzt mach erst mal diese Schweinerei hier weg. Und halt mich
nicht weiter von meiner wichtigen Arbeit ab! Soll sich der Chef etwa auf
ein besudeltes WC setzen?
Uschi: Oh nein, das wäre ja entsetzlich! Da kann man krank von
werden! Doch, da kann man sich ganz schlimm injizieren. Neulich in der
Bild-Zeitung ...
Sekretärin: Monika, wenn sie mit der Cheftoilette fertig sind,
sollen sie sofort zum Chef kommen - es ist wichtig!
(Sektretärin irritiert durch Kaugummi)
Monika: Ja, natürlich. Sofort.
Uschi: Monika, Monika! (Uschi zeigt auf ihre eigene Stirn, um auf den
Kaugummi in Monikas Haar aufmerksam zu machen)
Monika: So eine Unverschämtheit. Warte nur, bis ich Abteilungsleiterin
bin!
Zwischentext 2 von Frau Dr. Kleinschmidt-Pribilski
Diese Szene zeigt uns ganz deutlich, wie gnadenlos es heute auf dem Arbeitsmarkt
zugeht. Und so muss es auch sein. Zimperlichkeit und falsch verstandenes
Mitgefühl sind hier fehl am Platze. Jeder ist sich schließlich
selbst der Nächste. Und selbst in der Bibel heißt es: Liebe
deinen Nächsten wie dich selbst. Wer also an Monikas Verhalten etwas
auszusetzen hat, der sollte sich fragen, ob er wirklich für die Herausforderungen
des neuen Jahrtausends bereit ist, oder ob nur ein ewig gestriger Moralapostel
in ihm steckt, dessen Verfallsdatum längst überschritten ist.
Der Tritt gegen Uschis Eimer ist ein Befreiungsschlag des zu neuem Selbstbewusstsein
erwachten Individuums. Uschi hätte halt aufpassen müssen! Und
Hand auf's Herz: Sieht Uschi nicht wirklich völlig daneben aus? Thrombosestrümpfe
gehören nun einmal nicht zur Arbeitsbekleidung. Und dieses Face! Da
hilft auch das teuerste Make up nichts, geschweige denn ein Billigkleister
unter 100 DM. Wer nicht wie Monika zu den Glücklichen zählt,
denen die Natur alles Notwendige mitgegeben hat, der muss halt zu kosmetischen
Operationen greifen! Durch Uschis trampelige Ungeschicktheit leidet auch
noch Monikas Outfit. Wenn das nur gutgeht - Herr Detlef ist da zurecht
sehr empfindlich - schließlich sind wir hier nicht auf Madagaskar
oder wie das heißt.
3. Szene: Detlef, Monika, Sekretärin Ingeborg (In Detlefs Chefbüro)
Detlef: Ingeborg!
Sekretärin: Ja, Herr Detlef.
Detlef: Wo bleibt denn Fräulein Monika? Haben Sie sie denn nicht
Bescheid gesagt?!
Sekretärin: Aber Herr Detlef, selbstverständlich! Sie ist
sicher noch mit der Cheftoilette beschäftigt.
Detlef: Ah ja, verstehe. Da ist ja heute so einiges zu tun.
(Klopf, klopf)
Detlef: Immer hereinspaziert, wenn's niemand von der Steuerfahndung
ist, hä, hä ...
Monika: Sie wollten mich sprechen?
Detlef: Ach, die Monika. Immer fleißig, immer proper ... Was
haben Sie denn da?!
(Sekretärin weist mit Finger)
Monika: Igittigittigitt! Wo kommt das denn her?
Detlef: Ich dachte schon, das wäre jetzt der neuste Schrei ...
in Polen! Hä, hä, hä ... (zur Sekretärin) - Was machen
Sie denn noch hier, haben Sie schon Feierabend?
Sekretärin: Nnein ... (ab)
Monika: Das hab' ich nur dieser trampligen Uschi zu verdanken, das
hat die bestimmt mit Absicht gemacht! Chef, das ist Mobbing!
Detlef: Hm, was? Eine neue Reinigungsmethode?
Monika: Nein, die Uschi will mich aus der Firma graulen!
Detlef: Na, na, die Uschi ist doch eine ganz zuverlässige, komponente
Person! Ich hatte eigentlich gedacht, dass sie die Cheftoilette ...
Monika: Was? Haben Sie sich schon mal deren Fingernägel angeguckt?
Dauernd kippt sie die Eimer um und verstreut überall ihren Dreck.
Und wussten Sie eigentlich, dass Uschi einen Bandscheibenvorfall hat? Das
hat sie wissentlich verschwiegen!
Detlef: Was?! Ein Vorfall? Und ich werde nicht infamiert? Das ist ja
... Mopping! Aber darüber reden wir später. Erst einmal zu Sie,
Fräulein Monika. Nehmen Sie doch Platz. Ein Likörchen gefällig?
Monika: Aber Herr Detlef, ich bin doch im Dienst!
Detlef: Natürlich, natürlich, immer korrekt, unsere Monika!
Aber ich werde mir mal einen Kleinen genehmigen ... Das ist gut für
die Verdauung.
(steht auf - Monika auch)
Ja, also: Monika; ich habe Großes mit Sie vor. Zwei Jahre haben
Sie der Firma mit größtem Einsatz... Vor allem bei die Reinigung
von die Cheftoilette haben Sie gezeigt, dass man ... Ich meine, sagen wir
es einmal so: Improvation und Geschlechtlich ..., äh, Gerechtigkeit
... Ach wir kennen uns doch, was? Da können wir deutsch reden! (setzt
sich - Monika auch)
Also: Nie ein Tropfen auf der Brille, nie der kleinste Streifen im
Becken, immer sauberes Klopapier - Monika, ich werde Ihnen zur Abteilungsleiterin
machen! Prost!
Monika: Gott, Herr Detlef, Sie wissen ja gar nicht, wie dankbar ...
Detlef: Schon gut. Aber bevor ich Ihnen ernenne, müssen Sie noch
die Seminare "Soziales Potenztraining, Bewegung nach Kritik sowie ein Gespräch
mit unserem Firmenphysilogen Prof Dr. Dr. Flach-Zange absolutieren. Aber
das sind doch für Ihnen kleine Fische, was Monika? Wer so schrubben
kann! (zwickt sie)
Monika: Huch! - Ich werd mein Bestes geben, das verspreche ich!
Detlef: Gott Monika, Sie sind aber auch ein scharfes ...
Sekretärin: Entschuldigung ...
Detlef: Herr Gott, was gibt's denn schon wieder?!
Sekretärin: Fräulein Uschi hockt auf dem Flur und kann nicht
mehr aufstehen - sie hat wohl was mit der Bandscheibe.
Detlef: Das ist ja nun eindeutig Moppen! Sofort entlassen!
Sekretärin: Ja, Herr Detlef.
Detlef: Aber wer macht dann die Cheftoilette ...
Monika: Herr Detlef, ich wüsste da jemand. Meine Freundin Irmtraud
bettelt nun schon seit zwei Jahren darum, dass ich ihr eine Stelle bei
Detlef & Co besorge.
Detlef (etwas nervös): Ist sie denn auch willig diese ... Irmtraud,
oder ist sie nur scharf auf Geld? Sie weiß hoffentlich, dass man
sich hier erst bewähren muss!
Monika: Sie können ganz beruhigt sein. Irmtraud hat schon mal
drei Jahre ganz umsonst bei 'ner Firma gearbeitet - die ist dann leider
bankrott gegangen ...
Detlef (noch nervöser): Ja, das hört sich gut an, ich werde
darauf zurückkommen ... Monika, ich müsste ... Ist die Brille
sauber?
Monika (schaut auf Detlefs Brille): Moment, Herr Detlef. (wischt mit
Taschentuch)
Detlef: Die doch nicht, ich meine ... Dieser verfluchte Gulasch ...
(stürzt raus)
Sekretärin Ingeborg kommt rein: Wo ist denn der Chef?
(Klogeräusch)
Mein Gott, wie kriegen Sie das nur immer wieder sauber?!
Monika (zum Publikum): Lieber Gott, mach', dass ich bald Abteilungsleiterin
bin. (aggressiv:) Mir steht es bis hier, immer in der Scheiße rumzuwühlen!
(beide ab)
Zwischentext 3 von Frau Dr. Kleinschmidt-Pribilski
Die Unterredung mit Herrn Detlef läuft Gott sei Dank ganz zu Monikas
Zufriedenheit. Selbst die Verunreinigung ihrer Frisur kann Monika noch
zu ihrem Vorteil einsetzen - Uschi ist nun vollends aus dem Rennen. Sie
war ja für uns auch nur als Negativbeispiel nützlich - in einer
Topfirma wie Detlefs Reinigungsunternehmen hat so eine unästhetische
Erscheinung ohne Chic und Charme einfach nichts zu suchen. Bye, bye, Uschi!
Monikas Aufstieg scheint zum Greifen nah, doch noch muss sie beim Managertraining
ihr Können und vor allem ihr Durchsetzungsvermögen unter Beweis
stellen. Und etwas hat Monika in ihrem Überschwang völlig übersehen:
Eine Hand wäscht zwar die andere, und so ist es ja nicht ganz unverständlich,
wenn sie Irmtraud, die ihr vor Jahren einen kleinen Freundschaftsdienst
erwiesen hatte (ich sage nur: Laufmasche!), nun an Herrn Detlef weiterempfiehlt.
Aber hätte nicht Uschis Job für Irmtraud genügt? Musste
es gleich die Cheftoilette sein? Hört da die Freundschaft nicht auf?
So ist Monika zwar Uschi als Konkurrentin los, doch dafür tritt jetzt
Irmtraud auf den Plan, und die ist mit allen Wassern gewaschen. Also: Achtung,
Monika! Zeig', dass du die Number One bist!
4. Szene: Irmtraud, Monika, Dr. Klaus-Uwe Rötelmeyer (Soziales Kompetenztraining)
Monika: Irmtraud? Was machst du denn hier?
Irmtraud: Ach, Monika, ich bin dir ja so dankbar, dass du dich doch
noch für mich eingesetzt hast. Dass du nach zwei Jahren noch an mich
gedacht hast ... Gestern hatte ich mein Vorstellungsgespräch bei Herrn
Detlef. Das ist ja 'n toller Hecht, meine Güte, wie der einen ansieht
... Naja, und er meinte, wenn ich in Zukunft die Cheftoilette saubermachen
würde, dann könnte es nicht schaden, gleich ins Managertraining
reinzuschnuppern. Bei meinem Talent wäre ich sowieso für was
Höheres berufen, sagt Herr Detlef.
Monika: So, sagt er das? Mach' erst mal so wie ich zwei Jahre lang
Tag für Tag diesen Job, dann sprechen wir uns wieder! Bin sowieso
gespannt, wie du das durchhalten willst. Du bist doch richtiges Arbeiten
gar nicht mehr gewöhnt.
Rötelmeyer: Gut ...
Irmtraud: Mein Gott, Monika, nun gib mal nicht so an! Ich werd' ja
wohl noch ein Klo schrubben können, da gehört ja nun nicht viel
dazu.
Rötelmeyer: Schön ...
Monika: Du kennst den Stuhlgang von unserem Chef noch nicht! Aber wenn
du meinst, bitte! Komm ' aber später nicht an und frag' mich nach
meinen Spezialkniffen.
Rötelmeyer: So ...
Irmtraud: Nun sei doch nicht gleich so empfindlich. Klar, 'ne Cheftoilette
ist schon was Besonderes, aber ...
Rötelmeyer (hat schon mehrmals vesucht, sich Gehör zu verschaffen):
Entschuldigung, meine Damen, ich will wirklich nicht stören, aber
wenn wir jetzt mit dem Seminar anfangen könnten ...
Monika: Na klar. sagen sie doch, was sie wollen. Nicht so schüchtern!
Irmtraud: Vor uns brauchen sie doch keine Angst zu haben!
Rötelmeyer: Ja? Schön. Gut. Also, mein Name ist Dr. Klaus-Uwe
Rötelmeyer und ich arbeite seit einem halben Jahr als Therapeut.
Irmtraud: Das macht doch nichts, was Monika? Also ich bin die Irmtraud
und das ist die Monika.
Rötelmeyer: Schön. Gut. Ja, also, es soll uns hier um soziale
Kompetenz gehen. Was stellen sie sich denn darunter vor? Irgendwelche Ideen?
Monika: Keine Ahnung, aber ich wette, sie werden's uns gleich sagen.
Rötelmeyer: Ja? Gut, schön. Also, sie sollen bei mir lernen,
wie man sich durchsetzt, ohne dabei gleich aggressiv zu werden. (stottert
leicht:) Schön. Am besten, wir fangen gleich ganz locker mit einem
, äh Rollenspiel an.
Irmtraud: Nun sein sie doch nicht so aufgeregt, sie machen mich ja
ganz nervös.
Rötelmeyer: Ja? Also da nehme ich sie gleich als erste dran, damit
sie nicht immer dazwischenreden.
Irmtraud: Na, na.
Rötelmeyer: Gut. Also, die Situation ist folgende: Bei einem Nachbarn
von ihnen wird nach Mitternacht noch laut Musik gespielt. Sie können
nicht schlafen und müssen am nächsten Tag früh raus.
Monika: Na so eine Unverschämtheit! Das sind bestimmt Ausländer.
Rötelmeyer: Schön. Und sie gehen jetzt zu ihrem Nachbarn
und bitten darum, die Musik leiser zu stellen.
Monika: Das möchte ja wohl auch sein. Tamtam könn' die bei
sich zu Hause machen.
Rötelmeyer: Gut. Also, Fräulein Irmtraud, sie kommen zu mir
und beschweren sich über den Lärm.
Irmtraud: Meinetwegen. Klopf, klopf.
Rötelmeyer: Hereeeeiin!
Irmtraud: Also, wenn sie nicht sofort diese verdammte HottentottenMusik
ausmachen, dann passiert was! Wir sind doch hier nicht in Afrika oder wo
sie herkommen.
Rötelmeyer: Aber ... wir feiern doch nur meinen Geburtstag. Wollen
sie nicht reinkommen?
Irmtraud: Na, das fehlt mir noch, in diese Räuberhöhle?!
Ich bin eine anständige deutsche Frau und muss morgens früh raus,
mir ehrlich mein Brot verdienen! Im Gegensatz zu ihnen kann ich nicht bis
spät in die Nacht meine Unterstützung verjubeln! Also, ich gebe
ihnen und ihrer Mischpoke fünf Minuten Zeit, ansonsten hole ich die
Polizei! Schönen Abend noch!
Rötelmeyer: Aber liebe Frau, könnten wir nicht ...
Irmtraud: Und eines sage ich ihnen: Wenn ich was nicht leiden kann,
dann ist das, wenn mich einer dumm von der Seite anquatscht! Kapiert?!
Rötelmeyer: Ja? Gut, schön. Also, was sagen sie denn dazu,
Fräulein Monika?
Monika: Ich muss schon sagen: Alle Achtung, Irmtraud, dem hast du mal
so richtig die Meinung gegeigt!
Rötelmeyer: Gut. Hätte man es vielleicht nicht noch ein bisschen
anders ...?
Monika: Naja, also ich hätte gleich die Polizei geholt. Mit sowas
braucht man doch nicht zu reden, die verstehen doch sowieso kein Deutsch.
Rötelmeyer: Ja, gut. Aber vielleicht hätte man das doch auch
gütlich ...
Irmtraud: Gütlich?! Na, wo leben sie denn! Meinen sie, mir schenkt
einer was? Ne, ne, da hilft nur hart durchgreifen.
Monika: Genau. Bei uns in der Firma, da war mal eine, (zu Irmtraud)
die Uschi. Immer freundlich zu den Kollegen. Immer ja und amen. Und jetzt
sitzt sie auf der Straße. Das hat sie nun davon!
Rötelmeyer: Gut. Schön. Ja, meine Damen, unsere Zeit ist
um.
Irmtraud: Das war's schon? Ist ja richtig nett bei ihnen, da kommen
wir gern wieder, was Monika?
Monika: Na klar, tschüß, Rötelmeyerchen!
Rötelmeyer: Wiedersehen. - Mein Gott, wer hat die denn zu mir
geschickt? Die können doch schon alles!
Zwischentext 4 von Frau Dr. Kleinschmidt-Pribilski
Soziale Kompetenz ist die erste Voraussetzung, um sich in unserer Gesellschaft
behaupten zu können. Ist es ihnen nicht schon passiert, dass ihnen
der Ober eine lauwarme Suppe brachte und sie trauten sich mal wieder nicht,
eine heiße dafür zu verlangen? Standen sie nicht auch schon
an der Ampel, es war längst grün, und der Trottel vor ihnen träumte
in den Tag hinein, und ihnen fehlte der Mumm, sich durch einen kräftigen
Bums gegen seine Stoßstange bemerkbar zu machen? Hätten sie
nicht manchen Parkplatz ergattern, lästige Kollegen ausschalten, Preisnachlässe
einfordern, kurz, sich ihr Recht verschaffen können, wenn sie nicht
so lasch und duckmäuserisch wären? Wenn sie mit all diesen Dingen
Probleme haben und ihr Schattendasein endlich beenden wollen, kann ich
ihnen nur empfehlen, an einem sozialen Kompetenztraining teilzunehmen.
Allerdings sehen sie sich vorher den Leiter gut an. Ein Name wie Klaus-Uwe
Rötelmeyer muss schon ein Alarmzeichen für sie sein. Eine Weichwurst
wie er kann ihnen schwerlich weiterhelfen. Aber Monika und Irmtraud konnten
sich den Mann ja nicht aussuchen. Und sie zeigen ihm, dass sie solcherart
Training gar nicht nötig haben - sie wissen genau, wo's langgeht.
Und es scheint auch so, dass sich Irmtraud mit einem Platz hinter Monika
zufriedengeben kann. Monika muss natürlich stets auf der Hut sein,
einer Konkurrentin ist niemals zu trauen! Aber schauen wir nun, wie Monika
und Irmtraud mit dem Kurs "Bewegung nach Musik" zurechtkommen, der doch
schon etwas höhere Anforderungen stellt.
5. Szene: Sporttherapeut Karl-Friedrich Bockmüller, Irmtraud, Monika
(Bewegung nach Musik)
Monika, Irmtraud beim "Warmmachen"
K.F.B.: Guten Tag, Kameraden, äh, meine Damen! Mein Name ist KarlFriedrich
Bockmüller, ich bin ihr Sporttherapeut und werde sie mal ein bischen
auf Zack bringen. Scheint ja auch bitter nötig. Erst einmal die Anwesenheit.
Schulze, Monika?
Monika: Ja, hier.
K.F.B.: Das muss aber zackiger kommen, wir sind hier nicht beim Kaffeekränzchen!
Schickedanz, Irmtraud?
Irmtraud: Hier, Herr Bockmüller.
K.F.B.: Jawohl, so muss das sein! Na, dann werden wir die Fettpölsterchen
mal zum Zittern bringen, was?
Stimme aus dem Off: Kamerad Bockmüller, zack, zack, sofort zum
Chef!
K.F.B.: Was? Na, macht nichts. Ich lege ihnen erst mal was Nettes zum
Warmmachen rein. Das ist irgendwas von Schiller. Diese Klimpermusik mag
ich sowieso nicht. Ist mehr was für Frauen. Nachher geht's dann straff
weiter. Also, Bewegung, meine Damen!
Monika: Das ist ja 'n ganz Scharfer.
Irmtraud: Ach, der hat sowas herrlich Brutales. Los, wir müssen
was machen. Der kann jeden Moment wiederkommen.
(Musik von Joe Jackson - Monika und Irmtraud bemühen sich krampfhaft)
KFB: Was ist denn hier los? Wer war das? Keiner verlässt den Raum!
(holt Kassette raus:) Wem gehört die?
Irmtraud: Aber Herr Bockmüller, die haben sie doch selber eingelegt!
Monika: Ja, wirklich, wir waren ja selber ganz geschockt!
KFB: So?! Das muss dann wohl ein Irrtum ... Jetzt weiß ich, na
der Bengel kann was erleben! Das kommt dabei raus, wenn man zu faul zum
Arbeiten ist ... Ja, was reißt denn hier ein? Haltung meine Damen!
Kopf hoch, wenn der Hals auch dreckig ist! Bauch rein, Brust raus! Und
jetzt mal was Anständiges von Gilbert und Gilbert. (legt Kassette
ein)
Monika: Oh wow!
Irmtraud: Super!
KFB: Ruhe im Glied! Also, dieses Lied teilt sich in zwei Teile: Refrain
und Strophe. Verstanden?
Monika und Irmtraud: Jawohl, Herr Bockmüller.
KFB: Es beginnt mit dem aufmunternden Refrain, da können sie mal
zeigen, was sie so drauf haben. Dann kommt der Mittelteil, wo sie all ihren
Frust abschütteln können, und dann wieder munter drauflos. Ich
gebe die Bewegungen vor und sie machen alles nach. Noch Fragen?
Monika und Irmtraud: Nein, Herr Bockmüller.
KFB: Na dann los.
(tanzen)
KFB: Das war's für heute. Na, ganz schön durch'n Wind, was?
Ich krieg sie schon noch in Schwung. Wegtreten!
Monika und Irmtraud: Wiedersehen, Herr Bockmüller.
(alle ab, KFB marschiert eine Runde extra zur Pausen-Marschmusik)
Zwischentext 5 von Frau Dr. Kleinschmidt-Pribilski
Tja, Karl-Friedrich Bockmüller ist noch ein Mann von echtem Schrot
und Korn. Er überzeugt nicht nur durch seine frappierenden Fachkenntnisse,
schon sein straffes Auftreten flößt unwillkürlich Respekt
ein. Souverän meistert er auch die prekäre Situation mit der
falsch eingelegten Kassette - Fehler kann jeder machen, es kommt nur darauf
an, einen passenden Schuldigen zu finden - möglichst jemand, der sich
nicht wehren kann. Für Irmtraud und Monika bietet dieser Kurs die
Gelegenheit, ihren Körper neu zu entdecken und Gefühle abzureagieren,
die im normalen Tagesablauf nur störend wirken, wie - sagen wir einmal
- Wut oder Freude. Und ein bischen Kondition kann beiden nicht schaden,
schließlich gilt es, in einer Topfirma rund um die Uhr einsatzbereit
und fit zu sein. Und hier zeigt sich auch wieder, welch harte Nuss Irmtraud
eines Tages für Monika werden könnte: Entweder sie hat keine
körperlichen Gebrechen, oder sie kaschiert diese geschickt. Doch als
Abteilungsleiterin, und wir hoffen stark, dass Monika das schafft, werden
sich Monika genug Möglichkeiten bieten, Irmtrauds Gesundheitszustand,
falls dies erforderlich werden sollte, nachhaltig zu beeinträchtigen.
Hier ein falsches Putzmittel untergejubelt, dort eine Bananenschale clever
ausgelegt, und schon wäre Irmtraud nicht mehr so gut drauf!
6. Szene: Prof Dr. Dr. Flach-Zange, Monika (Psychotherapie)
Prof (schaut in Papiere): Nehmen sie schon mal Platz.
(Pause: Gestik, Mimik)
Ja, dann also zu ihnen, Fräulein, äh (schaut nach), Monika.
Na, wie hat ihnen denn unser Manager-Fitnesskurs bisher zugesagt?
Monika: Ja, also, der Herr Rötelmeyer ist ja vielleicht 'n bischen
schüchtern ...
Prof: Ach Gott, ja, der Rötelmeyer. Na, da müssen sie sich
nicht wundern. Der hat ja mit 12 noch ins Bett gemacht. Aber noch fünf
Sitzungen bei mir, dann spurt er.
Monika: Achso. Naja, der Herr Bockmüller macht das ja sehr ordentlich.
Das hat mir echt viel gebracht.
Prof: Tja, der weiß, wo's langgeht. Halt alte Schule. Der hätte
es in der NVA noch zu was gebracht, es war ja nicht alles schlecht.
Monika: Das stimmt. Das sagt Herr Detlef auch immer. Ich meine, das
Klopapier war ja 'n bischen sehr rauh, und jetzt gibt's ja auch viel bessere
Putzmittel, z.B. das Ultra-Super ...
Prof: Schön, schön. Wir woll'n ja meine kostbare Zeit nicht
sinnlos vertun, nicht wahr? Fühlen sie sich denn bereit für den
Posten einer Abteilungsleiterin?
Monika: Ja, natürlich, Herr Professor.
Prof: Dann sprechen sie mir nach: Ich schaffe das!
Monika: Ich schaffe das!
Prof: Aber das muss viel selbstbewusster kommen. Probieren sie noch
mal! - Ich schaffe das!
Monika: Ich schaffe das!
Prof: Nicht so hysterisch. Man muss ja nicht sofort merken, dass sie
Angst haben! Wo drückt denn der Schuh?
Monika: Naja, wenn ich ganz ehrlich sein soll: Neulich hab' ich dafür
gesorgt, dass die Uschi geh'n muss. Ich meine, die hatte sowieso was mit
der Bandscheibe. Aber jetzt träume ich ganz schreckliche Sachen: Wie
sie voller Wut Mülleimer über meinem Kopf ausleert und so. Und
wenn ich dann Abteilungsleiterin bin, muss ich ja öfter Personal entlassen.
Prof: Also diese falsche Rücksichtnahme müssen sie ganz schnell
ablegen. Ihr Mitgefühl in Ehren, aber kann man damit auch nur eine
müde Mark verdienen? Na also. Wer das eine will, muss das andere mögen.
Monika: Ja, aber, ich hab' Angst, dass es vielleicht mal nicht die
Richtigen trifft.
Prof: Also da kann ich sie beruhigen: Es trifft immer die Richtigen,
da geb' ich ihnen die Hand drauf. Wer seinen Job verliert, hat ihn nicht
wirklich gewollt. Klar?
Monika: Ja, Herr Prof., das leuchtet mir ein. Jetzt ist mir auch viel
leichter um's Herz.
Prof.: Dann wiederholen sie bitte noch mal: Ich schaffe das!
Monika: Ich schaffe das!
Prof.: Wer sagt's denn. Es geht doch. Tja, bei der nächsten Sitzung
reden wir dann darüber, weshalb ihr Vater sie dauernd geschlagen hat.
Ansonsten war's das, denke ich.
Monika: Gott, Herr Prof., woher wissen sie das bloß?
Prof.: Ja sehn sie, das gehört auch dazu, wenn man nach oben will:
Sage keinem, wie du's machst. So, ich hab' dann noch wichtigere Dinge zu
tun! Aufwiedersehen!
Monika: Aufwiedersehen. Und vielen Dank! ... Herr Professor?
Prof.: Was gibt's denn noch?
Monika: Ich schaffe das!
Prof.: Ja, ja, lassen sie's gut sein. (Monika ab)
Prof.: Schulze, Monika: Krankheitsbild: Depressionen, Redezwang, Schizophrenie,
Größenwahn. Ich muss schon sagen, die allerbesten Voraussetzungen,
um ganz nach oben zu kommen! (in die Wechselsprechanlage:) Heidrun, ich
möchte in den nächsten 10 Minuten nicht gestört werden!
(Prof. guckt sich eine Sexzeitschrift an, sagt u.a.: Mein lieber Scholli!
Man, sind die dick, man!! Geil, echt geil, echt geil!!!)
(Telefon klingelt:) Ich hatte doch gesagt, dass ich nicht gestört
... Ach du bist's, Mutti. Einen Moment bitte. (räumt hektisch die
Illustrierte weg:) Ja, Mutti. - Natürlich, Mutti. - Mach ich, Mutti.
- Nein, Mutti, das hab' ich nicht vergessen. - Bis gleich, Mutti. Tschüß,
Mutti. - Ja, Tschüß. (Schmatz durchs Telefon, legt auf:) Man
wird doch wohl noch ein Stück Butter vergessen dürfen! (schaut
auf die Uhr, greift nach dem Mantel und Aktentasche und verlässt sein
Büro)
Zwischentext 6 von Frau Dr. Kleinschmidt-Pribilski
Es ist mir eine große Ehre und wirkliche Freude, dass ich nun auch
diese Szene, in der mein lieber und geschätzter Vorgesetzter Prof.
Dr. Dr. Flach-Zange eine so herausragende und überaus eindrucksvolle
Rolle spielt, unzulänglich kommentieren darf. Wie er mit zartestem
Einfühlungsvermögen und dabei dennoch sachlich-nüchtern
in Monikas Innenleben gleichsam wie in einem offenem Buche liest, das verdient
unsere höchste Anerkennung. Monika fasst zurecht Vertrauen zu diesem
Mann, denn alles andere würde ihr doch nichts nützen. Das Gutachten
dieses psychologischen Genies kann Monika zur Abteilungsleiterin erheben,
aber es kann sie genausogut - denn auch ein Prof. Dr. Dr. Flach-Zange hat
mal eine schlechten Tag - in eine schallisolierte Gummizelle befördern,
wo sie dann vollgepumpt mit Stumpfosan rapid dahinvegetieren müsste.
Ahnt Monika, welch' Kelch da an ihr vorübergeht? Doch es ist wohl
besser, dass sie es nicht ahnt. Und es geht ja auch alles gut. Und für
wen sich das Gutachten des Professors zu negativ anhört: Seelische
Deformationen sind, so lange sie die Kariere fördern, nur zu begrüßen.
Lassen sie mich noch eine abschließende Anmerkung machen. Vielleicht
hat hier jemand im Saale ja etwas an dem unschuldigen Vergnügen auszusetzen,
an dem sich dieser vielbeschäftigte Mann in seinen wohlverdienten
Pausen labt. Aber wie sollte es der Professor sonst verkraften können,
sich all das mitunter haarsträubende, meistenteils aber, was weit
schlimmer ist, unerträglich langweilige Gejammer dieser Durchschnittsmenschen
anzuhören? So bleibt nur eine Frage offen: Woher wusste der Professor,
dass Monika von ihrem Vater geschlagen wurde? Er ließ uns keinen
Einblick in dieses Geheimnis nehmen. Aber das krieg' ich auch noch raus!
Ich schaffe das!
7. Szene: Irmtraud, Monika (Unterweisung)
Monika: Kommen sie, Fräulein Irmtraud, ich hab' ja nicht den ganzen
Tag Zeit!
Irmtraud: Aber Monika, warum denn plötzlich so förmlich?
Wo wir doch befreundet sind.
Monika: Dienstliches und Privates wollen wir doch immer hübsch
säuberlich voneinander getrennen wissen, also für sie Frau Monika
oder - was es noch genauer trifft - Chefin.
Irmtraud: Natürlich, Monika, äh, Chefin.
Monika: Also, wiederholen sie, bevor wir zur Praxis schreiten, noch
einmal die drei Verunreinigungsstufen und die dazu gehörigen Putzmittel.
Irmtraud: Also für alle flüssigen Eingaben in das Toilettenbecken
sowie nichtrückspritzende, sehr dünne Stuhlgänge benutzt
man das gute Super. Für rückspritzende, dünne und breiig
- schmierende Stuhlgänge sowie für orale Abgänge benutzt
man das gute Super Ultra. Was sind eigentlich orale Abgänge, Chefin?
Monika: Erbrochenes.
Irmtraud: Was?
Monika: Mein Gott, lesen sie gefälligst nach in dem Fachbuch "Meine
saubere Toilette", S. 419ff. Eigentlich sollten sie das auswendig kennen!
Irmtraud: Ja, Chefin. Ja also, und bei extrem hartem, festklebendem
oder bei auffällig unhygienischem Stuhlgang nimmt man dann das gute
Supra Mega Ultra mit Tiefenwirkung.
Monika: Gut, gut. Weil sie es sind, Fräulein Irmtraud, gebe ich
ihnen noch einen Geheimtip: In äußersten Notfällen, also
wenn gar nichts anderes mehr hilft, dann nehmen sie das hier. Aber nur
hauchdünn aufsprühen und vorher den Schutzanzug mit Atemgerät
anlegen! Das Zeug ist hochgiftig!
Irmtraud: Shitex. Danke Chefin! Das vergesse ich ihnen nie!
Monika: Schon gut, dann mal ran an die Arbeit. Sie beginnen heute mit
der Cheftoilette. Da sind wir schon. Ich hab' dann noch anderes zu tun.
In 20 Minuten komme ich zur Kontrolle. Das mir auch alles hübsch blitzt
und blinkt! Der Chef ist da empfindlich!
(Monika ab)
Irmtraud: (äfft Monika nach:) Der Chef ist da empfindlich! - Detlef's
Klo - wie originell! Na, da woll'n wir doch mal sehen. Oh, wow, was für
ein kräftiger Männerschiss, und wie das schmiert, ja, da macht
das Putzen Spaß!
(Irmtraud fängt an zu singen)
Danke, für diese Arbeitsstelle,
(Monika:) Danke für jedes kleine Glück,
(Detlef:) Danke für alles frohe Helle
(Alle:) und für die Musik.
(Strophe gemeinsam nochmal)
ENDE
Zurück zu Willkommen! Zurück
zu LAPSUS Zurück zu LAPSUS LIVE Zurück
zu LAPSOTEN LYRIX