Planet der Traurigkeit?
Der "Planet der Traurigkeit?" entstand zwischen 1983 und 1986 als Text-Dia-Ton-Collage in verschiedenen Fassungen, hauptsächlich als Reaktion auf den NATO-Raketen-Doppelbeschluss.
Am 21. Mai 1983 wurden die ersten Fragmente bei LAPSUS LIVE in Züsedom vorgestellt.
Am 9. Juni 1984 wurde die fertige Fassung mit vier im Raum verteilten Sprechern bei LAPSUS LIVE Nr. 5 in Züsedom im legendären Bodenraum aufgeführt. Diese endgültige Version wurde einige Male öffentlich aufgeführt, zum Beispiel in Dresden beim Kulturwettstreit des Wissenschaftsbereiches Bau an der Sektion Sozialistische Betriebswirtschaft der TU Dresden 1985, im Studentenklub Dürerstraße und im Bit-Club Fetscherplatz (Robotron-FDJ-Jugendclub).
1989 wurde der Planet der Traurigkeit von den Lapsoten in Züsedom zum beliebtesten Vortrag der vergangenen 10 LAPSUS-Jahre gekürt (meistgewünscht, 55 % aller möglichen Punkte) und am 1. August 1989 als LAPSUS-Lorbeer-Reprise erneut aufgeführt.
2008, beim Silber-Jubel!äum von LAPSUS LIVE, stand der Planet erneut auf dem Programm, diesmal u.a. mit Anna als Sprecherin. Sie war bei der Uraufführung der Collage 1984 zwei Jahre alt gewesen.
Die Songs zwischen den Sprechertexten sind mit * gekennzeichnet. Liedtexte
sind kursiv aufgeführt.
Texte ohne Quellenangabe wurden von J. Gorsleben ausgewählt bzw.
geschrieben.
Die Bilder zeigen einige der in der Collage verwendeten Dias. Die zwei verlinkten Bilder verweisen auf animierte GIF-Dateien (je ca. 800 KB), die so leider nicht aufgeführt werden konnten.
[Impressum] - [Meinungen] - [Texte]
Agitprop für 4 Sprecher von Joachim Gorsleben.
Produziert für LAPSUS LIVE 1983.
Aufführende bei LAPSUS LIVE 1983, 1984 bzw. 1989:
Petra, Jana, George, Joachim
Aufführende bei LAPSUS LIVE 2008:
Ginger, Anna, Dirk, Joachim und Hans an der Technik
Titelauswahl und Übersetzungen:
Norbert "George" Girard
Joachim Gorsleben
Bildauswahl, Dias, Buch und Regie:
Joachim Gorsleben
Ich danke allen Mitstreitern für die Geduld.
Dank an alle Bildspender, v.a. an die Sächsische Landesbibliothek,
für die diapositive Einstellung.
J.G.
"Das Lapsus-Wochenende hatte für mich einige wirkliche Höhepunkte. Einer davon war "Planet der Traurigkeit". Auch wenn "Planet der Traurigkeit" schon in die Jahre gekommen war, hat der Beitrag von seiner Wirkung nichts eingebüßt. Die Zusammenstellung der Texte, der Bilder und der Musik fand ich wirklich gelungen. Für mich war es interessant zu erleben, wie anders man einen solchen Beitrag heute sieht und wie man ihn damals sah. Die Unterschiede in der Betrachtungsweise liegen dabei sicher nicht nur in der vergangenen Zeit. Sicher wurde der Beitrag damals in gewissen Kreisen misstrauisch betrachtet und gerade darüber kann man sich heute nur wundern, denn er war doch trotz allem auf eine Art parteilich, die sicher auch nicht völlig außerhalb der damaligen Ideologie lag."
Hans (2008)
"Ach ja, beim Planeten der Traurigkeit mitzuwirken, war schon ein wenig ein Erlebnis der dritten Art - nicht etwa, dass trotz Improprobe alles gut lief. Nein, es war eher der Gedanke daran, mit wie viel Ehrfurcht ich diesen Beitrag das erste Mal bei Lapsus sah. Bin ich wohl doch ein wenig älter oder reifer geworden."
Ginger (2008)
"Niemand kann deine Schönheit bewundern",
Sprach der Teufel zu Gott in der Höh',
"Und ich hab mich selbst an die Wand gemalt,
Auch das kann niemand sehen!
Wozu diese ewige Finsternis?
Entschuldige, du Gott, ich verstehe das nicht!"
"Du hast recht!" rief der Herr zum Teufel
Und er sprach: "Es werde Licht!"
"Gut", sprach der Teufel zum Herrn,
"Du hast Tag und Nacht geschaffen,
Doch wenn es Tag ist, wo wirst du spielen,
Wenn es Nacht ist, wo wirst du schlafen?"
"Du hast recht!" rief der liebe Gott,
"Du weißt, der Herr baut nie auf Sand!"
Und er nahm sich sogleich den Himmel und setzte ihn instand.
"Gut gemacht", sprach der Teufel,
"Du wohnst jetzt wie sich's gehört.
Nur der Ausblick, den du hast, der ist deiner noch nicht wert!"
"Ja, bunte Blumen sollen blühen auf der Erde,
Ich will Farben sehen", rief der Herr,
Und er schuf auch die grünen Wälder,
Und er schuf das blaue Meer.
"Sei gepriesen!" rief der Teufel,
"Du hast ein Wunder vollbracht!
Du hast die Erde da unten schöner als deinen eigenen Himmel gemacht!"
"Schöner als den eigenen Himmel?"
Das hörte der Herr nicht gerne,
Und er schmückte ihn schnell mit Juwelen,
Das waren Sonne, Mond und Sterne.
"Welch eine Pracht!" jubilierte der Teufel,
"Psalmen sollen erklingen,
Doch das Problem ist, edler Herr, es ist niemand da, sie zu singen!"
"Dann müssen Sänger her!" rief Gott,
"Die zu mir schnattern, miauen, tirilieren,
die zu mir bellen, die zu mir röhren!"
Und der Herr schuf die Tiere.
"Geliebter Herr", schleimte der Teufel,
"Fünf Wunder hast du vollbracht,
Aber fehlt nicht noch ein Wesen, nach deinem Ebenbild gemacht?"
"Das mach' dir selbst!" sprach der liebe Gott,
"Ich bin müde, ich will schlafen!"
Und so hat am sechsten Tag der Teufel den Menschen erschaffen.


SCHEER: Mister President, bei unserem letzten Gespräch sagten Sie,
kein Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika solle die Möglichkeit
eines nuklearen Präemptivschlags ausschließen. Wenn jetzt von
einer vor uns liegenden Konfrontation die Rede ist, würde das auch
die Möglichkeit eines nuklearen Präventivschlages von seiten
der Vereinigten Staaten einschließen ?
REAGAN: Was ich damit sagen wollte ist, daß die Vereinigten Staaten
sich nie in eine Lage bringen sollten, wie sie es viele Male getan haben,
in der sie einem Gegner oder einem potentiellen Gegner verbindlich zusagen,
was sie nicht tun werden. Zum Beispiel...
SCHEER: Einen nuklearen Präventivschlag eingeschlossen...
REAGAN: Zum Beispiel als Präsident Johnson im Vietnamkrieg immer
wieder verbindlich erklärte, nein, nein, nein, wir werden in Vietnam
niemals Nuklearwaffen einsetzen.
SCHEER: Aber glauben Sie, daß wir einen Atomkrieg überleben
könnten, wenn wir über geeignete unterirdische Schutzräume,
über geeignete Verteidigungssysteme verfügen würden, könnten
wir dann einen solchen Krieg überleben ?
REAGAN: Man müßte davon ausgehen, daß ein Teil der
Bevölkerung und ein Teil der Einrichtungen überleben würden,
so daß man neu anfangen könnte.

* 1928 (Ludwig Hirsch, ohne Disney-Epilog)
Eines Abends setzte sich ein alter Mann zu mir und erzählte:
"Weißt Du, mein Sohn, irgendwann einmal, kurz nach diesem
gewaltigen, allerletzten Knall wenn's auf der Erde nur mehr große,
nackte Steine gibt, mit einer fettigen, schwarzen Rußschicht bedeckt,
wird ein großes, weißes, strahlendes Raumschiff landen. Irgendwo
zwischen dem ehemaligen Los Angeles und dem verdampften Schwarzen Meer.
Und diese fremden, hochgewachsenen Wesen werden Pillen an Bord haben die
sie uns Menschen als Geschenk überreicht hätten, so wie man immer,
wenn man irgendwelche Wilde besucht, ihnen kleine Geschenke überreicht.
Pillen gegen die Traurigkeit hätten sie uns geschenkt, wenn
wir noch dagewesen wären. Stell Dir vor, mein Sohn", sagte der alte
Mann ganz traurig, "wunderbare, kleine Pillen gegen die Traurigkeit.
Und diese fremden, hochgewachsenen Wesen werden ihr Raumschiff verlassen,
sie werden sich umsehen und sofort wissen, daß hier vor kurzem
ein gewaltiger, ein allerletzter Knall war. Und dann werden sie
sich kopfschüttelnd zwischen die großen, nackten Steine setzen
und schwer durchatmen. Und jeder von ihnen wird schnell eine Pille gegen
die Traurigkeit schlucken. Einer von ihnen wird sogar mit dem Finger in
die fettige, schwarze Rußschicht an einem großen, nackten Stein
schreiben: Wir hätten so gerne gewußt. wie Du bist! Wie Du aussiehst!
Wie Du sprichst! Mensch!
Und dann plötzlich wird einer von ihnen was rufen, er wird
rufen, daß er was gefunden hat. Und das wird ein alter, verbeulter,
kleiner Filmprojektor sein mit einem eingespannten Film. Ja, warum nicht",
sagte der alte Mann, "und sie werden sich freuen, die hochgewachsenen fremden
Wesen sie werden warten, bis es dunkel ist und den Film auf ihr strahlendes,
weißes Raumschiff projizieren. Und sie werden sehr staunen denn sie
werden einen Micky Maus-Film sehen. Einen Micky Maus-Film, mit Donald Duck,
Kater Carlo und Goofy. Und diese fremden, hochgewachsenen Wesen werden
in ihr Raumschiffsteigen und sagen, sie waren lustig. diese Menschen. Sie
haben lustig ausgesehen sie haben lustig gesprochen wir hätten unsere
Pillen gegen die Traurigkeit völlig umsonst überreicht."

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Zuschauer.
Es ist drei Minuten vor zwölf und nun die letzten
Meldungen.
Bonn. Wie jetzt bekannt wurde, werden alle Städte und Gemeinden
der BRD in die Vorbereitung eines nuklearen Krieges in Mitteleuropa einbezogen.
In den Ortschaften werden Vorratslager angelegt, die unter anderem Lebensmittel
umfassen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums dazu: Die Leute sollen
nicht hungrig sterben.
Hanau. Während eines Manövers übten Verbände der
amerikanischen Streitkräfte das Anlegen von Massengräbern unter
Gefechtsbedingungen eines Nuklearkrieges. Die Maßnahme wurde nach
einem Handbuch durchgeführt und trug die Bezeichnung "Zuversicht".
Die Kennzeichnung der Massengräber erfolgte mit Tafeln, die die Aufschrift
trugen: Ruhet sanft. In Frieden.
Soweit das Letzte.
* ICH FÜRCHTE MICH (Westdeutsche Christen)
Ich fürchte mich. Ich fürchte mich.
Ich fürchte mich vor der Zukunft.
Ich fürchte mich vorm Leben.
Ich fürchte mich vor der Zukunft.
Ich fürchte mich vorm Leben.
Ich fürchte mich vor mir.
Ich fürchte mich vor dir.
Ich fürchte mich vor mir.
Ich fürchte mich vor meinen Freunden.
Ich hab Angst! Wovor?
Ich hab Angst! Wovor?
Ich fürchte mich. Ich fürchte mich.
Ich fürchte mich. Ich fürchte mich.
Ich fürchte mich. Ich fürchte mich.
Ich fürchte mich. Ich fürchte mich.
Ich fürchte mich. Ich fürchte mich.
Ich fürchte mich. Ich fürchte mich.
Ich fürchte mich. Ich fürchte mich.
Ich fürchte mich. Ich fürchte mich.
Ich hab Angst.
Ich will ja gar nicht sterben.
Ich hab Angst.
Ich will ja nur mein Leben.
Ich hab Angst vor der Zukunft.
Ich hab Angst vorm Leben.
Angst vorm Tod.
Vorm Tod.

Wir teilen alle ein gemeinsames Schicksal
Jeder hat seine Zeit zu sterben
Doch Menschen beschleunigen unsere Reise,
Wenn sie zusehen, was sie alles zerstören können
Mit ihren Cruise Missiles
Wir leben daneben
Wir warten drauf
Sie sind keine 5 Jahre weg
Sie bauen Bunker für die Privilegierten
Dort wird kein Platz sein für dich und mich
Lies deine Pamphlete mit Vorsichtsmaßregeln
Sie bringen dich zum Lachen, bis du sie siehst,
Diese Cruise Missiles
Wir leben daneben
Wir sitzen drauf
Sie sind keine 5 Jahre weg
Sie behaupten,
Die endgültige Lösung für alle Probleme,
Denen wir uns gegenübersehen,
Sei Raketen auf die Russen zu richten
Und darauf zu hoffen,
Daß sie nicht in Griechenland einschlagen
Alle diese Cruise Missiles
Wir suchen danach
Wir stehen daneben
Sie sind keine 5 Meilen weg, keine 5 Minuten.
(Parallel vorgetragene Zeitungsmeldungen vom Dezember 1988)
UdSSR hat seit August 385 Raketen vernichtet - Abkommen zwischen Sowjetunion
und USA wird erfüllt.
Moskau. Die Sowjetunion hat bis zum November
1988 gemäß dem Vertrag mit den USA über die Beseitigung
der atomaren Raketen mittlerer und kürzerer Reichweite insgesamt 385
Gefechtsraketen und 147 Startanlagen vernichtet. Nach Angaben des Moskauer
Zentrums für die Verringerung des nuklearen Risikos wurden im einzelnen
63 RSD-10-Raketen, 26 R-12-, 80 RK-55- und 216 operativ-taktische Raketen
vom Typ OTR-22 liquidiert. In den USA wurden 46 Pershing-I-Raketen, 9 Pershing-II-Raketen,
41 Flügelraketen und 17 Startanlagen beseitigt. Den Angaben zufolge
hatte die UdSSR 40 Inspektionen in den USA und in anderen Ländern,
in denen diese Raketen stationiert sind, durchgeführt. Die USA nahmen
zur gleichen Zeit insgesamt 165 Inspektionen vor. Die Sowjetunion hatte
mit der Zerstörung der Raketen offiziell am 1. August begonnen. Die
USA begannen mit der Vernichtung am 8. September 1988. Laut Vertrag sollen
in den nächsten drei Jahren 1752 sowjetische und 859 amerikanische
Nuklearraketen mittlerer und kürzerer Reichweite vernichtet werden.

Verteidigungsminister Carlucci: Modernisierung der USA-Kernwaffen geht
voran.
Washington. Die Modernisierung der USA-Kernwaffen, einschließlich
der in Westeuropa stationierten Systeme, gehe voran, erklärte Verteidigungsminister
Frank Carlucci auf einer Veranstaltung zum 40. Jahrestag der NATO in Washington.
Das gelte auch für die nukleare Artillerie, deren Weiterentwicklung
selbst in den politisch sensibelsten Ländern des Paktsystems nicht
in Frage gestellt worden sei. Was die LANCE-Raketen in der BRD betreffe,
werde bis 1995 ein Nachfolgesystem gebraucht, weil eine neue Waffe kostengünstiger
sei als der bis dahin erforderliche Austausch der LANCE-Elektronik, sagte
der Minister. Darüber hinaus scheine es der gemeinsame Wunsch zu sein,
über ein LANCE-System mit etwas größerer Reichweite von
ungefähr 450 Kilometern zu verfügen. Der künftige Startrampentyp
werde im kommenden Frühjahr ausgewählt. Spätestens bis Anfang
1990 falle die Entscheidung über die Rakete selbst. Dieser Prozeß
werde durchlaufen, ohne daß bereits ein Stationierungsbeschluß
erforderlich ist, betonte Carlucci zu einer Frage nach möglichen Problemen
im Vorfeld der nächsten Bundestagswahlen in der BRD. Die Verteidigungsminister
der NATO-Staaten hätten der Modernisierung zugestimmt.
* CRUISE MISSILES (Fischer Z)
We share a common destination.
Each person has their time to die.
But men are speeding up our journey.
By seeing what they can destroy with their
Cruise missiles (We're living near those).
Cruise missiles (We're looking for those).
Cruise missiles (They're not five years away).
They're building shelters for the privileged.
There won't be room for you and me.
So read your pamphlets of precaution.
They'll make a laugh until you see that those
Cruise missiles (We're living near those).
Cruise missiles (We're looking for those).
Cruise missiles (They're not five years away).
Cruise missiles (We're living near those).
Cruise missiles (We're looking for those).
Cruise missiles (They're not five years away).
They claim the ultimate solution.
To all the problems that we face.
It's pointing rockets at the Russions.
And hope they don't ed up in Greece. All those
Cruise missiles (We're living near those).
Cruise missiles (We're looking for those).
Cruise missiles (They're not five years away).
They're not 5 years away.
They're not 5 miles away.
They're not 5 miles away.

- Nach Angaben eines leitenden Mitarbeiters am Stockholmer Internationalen Institut für Friedensforschung wurden von den USA und der UdSSR je etwa 12.500 Kernwaffen mit Zerstörungskräften zwischen 1 und 10 Megatonnen Sprengkraft gefertigt. Insgesamt beträgt der Detonationswert das mehr als 10.000-fache dessen, was im 2. Weltkrieg alle beteiligten Seiten an Sprengstoff irgendeiner Form eingesetzt haben.
- Der auf Europa begrenzte Nuklearkrieg gegen die Sowjetunion, auf den sich die USA nach Ansicht von Mister Gray, Mitglied eines Beratungsausschusses für die Abrüstungsbehörde, vorbereiten sollten, dieser begrenzte Atomkrieg ist ein Plan der Beschränkten. Der Einsatz von nur 20 Megatonnen Kernsprengkraft in kleineren Atomwaffen in Mitteleuropa würde sofort acht Millionen Zivilisten das Leben kosten. Neun Millionen Tote würden das Leben zur Hölle machen.
- Erste Hilfe wäre nicht möglich, eine medizinische Versorgung, wie sie in Hiroshima und Nagasaki letztendlich doch gewährleistet wurde, wäre undenkbar.
- Die Auslösung dieses Infernos ist dabei nicht an tatsächliche Spannungen zwischen den Großmächten gebunden. 1979 schwebte 20 Minuten lang die Gefahr einer solchen Apokalypse über der Menschheit. Grund war eine Computerfehlschaltung, die das ganze sogenannte Verteidigungssystem der USA mobilisierte.
- Der Nuklearkrieg - ein Irrtum? Ein totaler Nuklearkrieg würde Gelegenheit geben, etwa die Hälfte des derzeitigen Arsenals an Kernsprengladungen einzusetzen, für den Rest würde die Bedienung fehlen.
- Sämtliche Strukturen der Welt wären zusammengebrochen. Die Erde wäre verseucht - die Luft, das Wasser, der Boden. Bestenfalls würden genetisch gestörte Menschen mit Brandwunden unter einem vom Atomstaub verdunkelten Himmel in eisiger Kälte primitiven Tauschhandel treiben. Sie würden Krankheiten zum Opfer fallen, die heute als harmlos gelten und als Nachfahren lediglich obskure Monstergenerationen hervorbringen.
- Ich jedenfalls halte es für weniger beschränkt, an Hexen
zu glauben, als an das Überleben eines Nuklearkrieges. Prof. Kuczynski,
Juni 1982

* ES REGNET (Ludwig Hirsch, aus "Regen")
Es regnet, es regnet,
es regnet seinen Lauf.
Und wenn sie alle ersoffen sind,
dann hört es wieder auf.
- Die Waffenarsenale töten schon jetzt: Menschen, Tiere, Pflanzen, Landschaften, Volkswirtschaften.
- Die weltweiten Rüstungsausgaben betragen gegenwärtig mehr als eine Billionen Dollar je Jahr. Sie steigen jährlich um 5 Prozent. Dieser Zuwachs liegt über dem durchschnittlichen wirtschaftlichen Wachstum.
- Über 25 Prozent der Weltforschungsausgaben werden für militärische Zwecke eingesetzt. In den USA stieg der Anteil der staatlichen Forschungsausgaben für die Rüstung von 1979 bis 1988 von 49 auf 70 Prozent.
- Die Rüstung verschlingt Unmengen materieller und finanzieller Mittel, die für die Lösung dringendster Menschheitsprobleme gebraucht würden.
- Angaben der Organisaton für Ernährung und Landwirtschaft der Vereinten Nationen und der Weltgesundheitsorganisation besagen, daß jährlich über 30 Millionen Menschen an den Folgen von Nahrungsgütermangel sterben. Jeder zehnte Mensch ist von chronischer Unterernährung betroffen. Mindestens ebenso viele leiden an Mangelernährung, die ihre geistige und körperliche Entwicklung beeinträchtigt.
- 1 Prozent der jährlichen Weltrüstungsausgaben würden zur Finanzierung der vollständigen Beseitigung des Hungers auf der Erde genügen.
- Weitere zukunftsträchtige Arbeitsziele wären:
* die drastische Reduzierung der Umweltschädigung
* die rasche Beseitigung der Umweltschäden
* die effektive Nutzung und Reproduktion natürlicher
Ressourcen
* die Lösung vielfältiger energetischer
Fragen
* der Aufbau eines weltweiten Verkehrs- und
Kommunikationssystems
* die Sicherung einer umfassenden medizinischen
Betreuung
* die Gewährleistung einer hohen sozialen
Sicherheit für alle Menschen
- All dies macht deutlich, wie wichtig der Einstieg in die nukleare Abrüstung und die sofortige Annahme von Vorschlägen zum Verzicht auf den Ersteinsatz und zur weiteren Reduzierung dieser Mittel sind, wie sie insbesondere von Seiten der Sowjetunion seit Jahren gemacht werden.
- Die vorhandenen Arsenale reichen aus, um jeden Menschen mehr als ein Dutzend Mal zu töten. Daher der Begriff Overkill.
- Wie oft kann man einen Menschen töten?

* KILL! (Spliff)
Commander, your mission is to destroy aliens. Good luck!
Hey, Kleener, kauf dir einen Krieg.
Nimm Knete mit, viel Geld - viel Sieg.
Zerstöre die Feinde, fahr ab auf deine Wut.
Schieß sie alle ab, dann geht's dir gut.
KILL Destroy aliens
KILL Sie sind schon überall
KILL Nur auf dich kommt's an
KILL Du bist ein Guerillero
Punkte steigen, Zeit fliegt weg.
Dein Logger rast, der Feind verreckt.
In zehn Minuten bist du schlapp.
Du bist schneller, drück ab, drück ab.
KILL Destroy aliens
KILL Die seh'n wie Russen aus
KILL Mach sie nieder
KILL Wie ein Guerillero
Auf dem Bildschirm roter Fleck.
Schlechte Karten, Geld ist weg.
Keine Asche und kein Ziel.
War viel zu kurz, das letzte Spiel.
KILL Destroy aliens
KILL Ey, haste ma' 'ne Mark, ey
KILL Geh nach Hause
KILL Kleener Guerillero
KILL Kleener Guerillero
KILL KILL

- Zukunft?
- Z u k u n f t ?
- Im Vietnamkrieg setzten die USA das berüchtigte Gift "Agent Orange" ein. Zwei Millionen Menschen sind bis heute krank. Geburten von Kindern mit vier Armen oder Beinen kommen immer noch vor und sind für Generationen möglich. 13.000 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche sind für Jahre völlig unbrauchbar. Die Hälfte der Wälder ist für über 100 Jahre völlig vernichtet.
- Vergangenheit?
- V e r g a n g e n h e i t ?
* AGENT ORANGE (Ski Patrol)
Agent Orange Ich brenne
Agent Orange Ich brenne
Agent Orange Ich brenne
Ich werde lang wie ein Soldat sein
Ich werde brennen für die Kamera
Schönes Grauen im Fernsehsessel
Durch die Welt in einem Moment
Keine Zeit für Gefühlsduselei
Dein ausdrucksstarkes Auge giert
Deklaration auf der Bühne
Agent Orange Ich brenne
Agent Orange Ich brenne
Agent Orange Ich brenne
Niemand weiß, wie wahnsinnig gut das ist
Frag mich mal, warum einen das so aufpulvert
Es ist so einfach
Ich werde was zu tun haben
Es ist ein Spiel, wir sind alle Kinder
Es ist ein Spiel, wir sind alle Kinder
Agent Orange Ich brenne
Agent Orange Ich brenne
Agent Orange Ich brenne
- Wir jedenfalls halten es für weniger beschränkt, an Hexen
zu glauben, als an das Überleben eines Nuklearkrieges.
- (Swift, November 1710, über politische Lügen)
Aber wenn auch der Teufel der Vater der Lüge ist, scheint er doch,
wie andere große Erfinder, durch die ständigen Verbesserungen,
die nach ihm gemacht wurden, viel von seinem Ruf verloren zu haben.
Wer als erster die Lüge zu einer Kunst gemacht und sie auf die
Politik angewendet hat, geht aus der Geschichte nicht ganz klar hervor,...
...
Eine politische Lüge wird manchmal im Kopf eines abgewirtschafteten
Staatsmannes geboren und von ihm entbunden, um vom Pöbel gehegt und
gepflegt zu werden. Manchmal wird sie als Ungeheuer geboren und zurechtgeleckt,
in anderen Fällen erscheint sie in der fertigen Gestalt und wird beim
Ablecken verdorben. Oft wird sie ganz normal als Kleinkind geboren und
braucht Zeit zum Ausreifen, oft tritt sie aber auch ausgewachsen ans Tageslicht
und schwindet allmählich dahin. Manchmal ist sie vornehmer Herkunft
und manchmal die Brut eines Börsenjobbers. Hier schreit sie laut bei
der Geburt, dort wird sie flüsternd zur Welt gebracht. ... Noch ein
Wort zum Abschluß der Geburtsgeschichte dieses Ungeheuers: Wenn es
ohne Stachel auf die Welt kommt, ist es totgeboren, und wenn es seinen
Stachel verliert, stirbt es.
Kein Wunder also, daß ein Kind nach solch einer wundersamen Geburt
zu großen Abenteuern bestimmt ist. ... Sie gibt und nimmt Ämter,
kann einen Berg zum Maulwurfshaufen schrumpfen lassen und einen Maulwurfshaufen
zu einem Berg erheben; sie hat viele Jahre lang bei Wahlausschüssen
den Vorsitz geführt, kann einen Mohren weiß waschen, aus einem
Atheisten einen Heiligen machen und aus einem Lumpen einen Patrioten; sie
kann ausländische Minister mit Nachrichten versorgen und den Kredit
einer Nation steigen oder fallen lassen. Diese Göttin fliegt mit einem
mächtigen Spiegel in den Händen umher , um die Massen zu blenden
und sie, je nach der Drehung des Spiegels, ihr Verderben in ihrem Vorteil
oder ihren Vorteil in ihrem Verderben sehen zu lassen.
Es gibt einen wesentlichen Punkt, in dem sich der politische Lügner
von seinen Zunftbrüdern unterscheidet: Er braucht nur ein kurzes Gedächtnis.
- Konrad Adenauer während seiner Amtszeit in einem Interview:
"Was kümmert mich mein Gefasel von gestern?"
- (Swift)
Das ist notwendig wegen der ständig wechselnden Situationen, die
es mit sich bringen, daß er von sich selbst abrücken und entgegengesetzte
Meinungen durch Schwur bekräftigen muß, je nach Einstellung
seiner jeweiligen Partner....
Einige Leute könnten nun vermeinen, daß eine solche Fertigkeit
weder ihrem Besitzer noch dessen Partei von großem Nutzen sein kann,
nachdem sie oft angewandt und notorisch geworden ist. Aber das ist
ein großer Irrtum, denn nur wenige Lügen tragen den Stempel
des Erfinders, und der schändlichste Feind der Wahrheit kann Tausende
verbreiten, ohne daß man ihn als ihren Urheber erkennt. Außerdem
hat der größte Lügner seine Gläubigen so wie der gemeinste
Schriftsteller seine Leser; und oft kommt es vor, daß eine Lüge
nur eine Stunde lang geglaubt zu werden braucht, um ihren Zweck zu erfüllen,
dann ist sie überflüssig. Die Falschheit fliegt, und die Wahrheit
kommt hinterhergehinkt; wenn also die Menschen der Täuschung gewahr
werden, ist es bereits zu spät: Der Hieb hat längst gesessen,
und die Lügengeschichte hat ihre Wirkung getan; ähnlich wie bei
einem Mann, der sich eine schlagfertige Antwort ausdenkt, wenn das Thema
bereits gewechselt ist oder die Gesprächspartner sich wieder getrennt
haben, oder wie bei einem Arzt, der eine unfehlbare Medizin findet, nachdem
der Patient gestorben ist.
- Johnny!
- ... Ja?
- Johnny, ich glaub', der Mond dreht sich.
- ... ...Jaa!
- Johnny, ich glaub', der Mond kommt runter!
- ? Ja!?
- Aber Johnny, wenn der nun auf unseren Bungalow knallt
und das Radio kaputt macht!?
- Oh!

(Eich)
Es gibt Wegweiser auf den Straßen.
Leicht erkennbare Flußläufe.
Aussichtsgerüste an erhöhten Punkten.
Landkarten, auf denen die Seen blau eingezeichnet sind und die Wälder
grün.
Es ist leicht, sich zurechtzufinden auf der Erde.
Aber du, der du neben mir gehst,
wie verborgen ist mir die Landschaft deines Herzens.
Tappend im Nebel überkommt mich oft Furcht vorm Dickicht und vorm
verborgenen Abgrund.
Ich weiß, du willst nicht, daß man deine Gedanken durchwandere.
Irreführen soll das Echo deiner Worte.
Straßen, die kein Ziel haben.
Ein Gebiet ohne Ausweg.
Verfallene Markierung.
Jedes Jahrhundert gibt uns neue Dinge zu verbergen.
Ein Gelände - überwachsen dem neugierigen Auge der Liebe.
Zugedeckt von Einsamkeit.
Dem immer dichteren Laub.

* PETERLE (Ludwig Hirsch)
Wie der Peterle noch im Himmel war
damals vor vielen Jahren
da hat ihm ein ungezogener kleiner Engel
nur so aus Spaß
ganz einfach ein Kerzerl im Kopf ausgeblasen.
Und noch dazu ist er dann dem Storch zu früh
aus dem Schnabel gerutscht und von viel zu
hoch oben auf die Erde runtergefallen
Na ja und jetzt ist der Peterle mit seinen
47 Jahren halt nicht viel gscheiter als dem
Gruber Bauern sein dreijähriger Esel
Peterle weiß
der Pfarrer is' wie sein Chef:
hauptsächlich streng aber gerecht
Darfst bei ihm in der Dachkammer wohnen
dafür musst den ganzen Tag Spinnen fangen
am Dachboden, im Keller, überall im Haus
weil dem Pfarrer vor Spinnen halt so graust.
Wenn im Frühjahr die Vogerln heimwärts ziehen
wird der Peterle oft an den Gruber Bauern verliehen.
Dort muss dann von früh bis spät
als Vogelscheuche am Feld draußen stehen.
Er kriegt dafür ein Stückerl Brot und a paar Radeln Wurst
und a Eselsmilch gegen den Durst.
Wenn am Sonntag die jungen Mädeln so schön frisiert
in ihren schneeweißen Blusen am Kirchplatz herumpromenieren
dann schaut er ihnen zu aus sein Fenster unterm Dach
und er winkt zu ihnen runter, ganz freundlich, und lacht
die Mädeln lachen zurück, aber die lachen ihn aus
Am Kirchturm sitzt ein Storch, der ganz traurig schaut.
Ja und da oben im Himmel ist im Laufe der
Jahre aus dem kleinen ungezogenen Engel
ein ausgewachsener einsichtiger Engel geworden.
Und um die Sache mit dem Kerzerl halbwegs
wieder gut zu machen, malt er jeden Abend ein
paar schöne Bilder und schickt sie dem Peterle
vor dem Einschlafen als Träume runter in die Dachkammer
Und der Peterle schließt die Augen und er träumt,
dass auf einmal die Vogerln überall wie
durch ein Wunder tot vom Himmel obafalln und
dass den Madeln, wenns über eam lachen, am
Kirchplatz beim Promenieren unter der schnee-
weißen Blusen zur Straf die Tuttln explodiern.
Aber der schönste Traum, den ihm der Engel
jeden Abend schickt, ist, dass den Pfarrer a
riesige Spinne mit Haar und Haut frisst.
(Asturias) Der Zauberkünstler kennt das Angebot der Götter
nicht. Er vermutet es. Er kennt sie. Sie sind große Spieler. Leidenschaftlich
und wild bei den Wetten des Ballspiels. Jetzt werden sie um alles oder
nichts spielen. Die Sonne jetzt oder nie. Die Nacht nimmt die Herausforderung
an. Schwindelndes Drehen der Gestirne, die rennen, um sich zu verstecken,
und nicht wissen, wo in der Sternentafel aus tiefem Schiefer. Die Nacht
nimmt die Herausforderung an und bereitet sich vor, ihr Glück zu verteidigen.
Sie werden um alles oder nichts spielen. Die Sonne heute oder nie... Für
sie nie! Niemals! Und deshalb, koste es, was es wolle, muß sie die
Partie gegen die Götter gewinnen. Sie ist umgeben von Sternzeichen,
Traumkopien, die als Tafel zur Entzifferung von Unbekanntem dienen, von
Büchern der schwarzen Magie. Die Götter warten ohne Tage, ohne
Jahre, ohne Jahrhunderte. Man wird nur eine einzige Partie spielen. Die
Nacht ist bereit. Was wird gespielt? fragt sie in großem Stil, als
handele es sich um ein Ratespiel. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Wollte
man sie beleidigen? Das war eine Beleidigung! Eine Posse! Und was für
eine! Ein größerer Hohn war unmöglich. Küken in jenem
Augenblick freizulassen, als die Gestirne, zerhackte Worte, sich wie Schlangen
in Buchstabierbüchern aus pfeifendem Atem zusammenballten. Düster
und feierlich kehrt sie den Gottheiten den Rücken. Von hinten ist
sie unergründlicher, finsterer. Und sie will gerade weggehen, ihr
Schenkel und ihre Knie zeichnen die Bewegung in der schwarzen Tunika ab,
aber sie überlegt es sich. Sie wird sich zu helfen wissen und erraten,
welches jener Gestirnsküken, die alle gleich gelb sind und rote Füßchen
haben, die Sonne ist, und es mit einem Handschlag zerschmettern. Piep.
Piep. Piep. Piep. Die Küken entschlüpften den Schalen der Eier,
die der Mond gelegt hatte. Vor der Nacht, die noch immer vor Entrüstung
wie versteinert war, zeigten sich dreizehn Küken, und eines von den
dreizehn war die Küken-Sonne. Sie wird es zerdrücken. Ihre unermeßlichen,
schwarzen Hände werden es austilgen. Ihre linke Hand, die Hand der
glühenden Asche, wird leicht zwischen jenen Tierchen das eine wahrnehmen,
das mehr Wärme abgibt, und ihre rechte, magnetisierte Hand wird direkt
auf jenes losgehen, das am meisten Gold in den winzigen Federn hat. Langsam
führt sie die Hände über die Brut. Ihre Finger werfen dunkle
Schatten. Die Götter warten ohne Tage, ohne Jahre, ohne Jahrhunderte.
Masken und hinter den Masken das nervöse Lachen des Spielers. Die
Nacht kann nur eines der Küken töten, wenn sie sich irrt, und
das tote ist nicht die Sonne, ist sie verloren. Welches von allen ist die
Sonne? Alle sind sie kleine Sonnen! Jenes, das mehr Federn hat? Dieses,
das die Flügel und das Füßchen ausstreckt? Welches von
allen? Sie waren gleich und auch nicht. Welches von allen? Die Götter
warten ohne Tage, ohne Jahre, ohne Jahrhunderte. Auf ein Küken haben
sie alles gesetzt, sie und die Nacht. Jahrtausende der Finsternis oder
der neue Tag? Gewinnen oder verlieren. Die Nacht entscheidet sich nicht.
Welches der Gestirnküken ist die Sonne? Die dreizehn rennen hin und
her, einige fallen, andere picken sich, piepsend, ohne Schutz, wenn sich
die unermeßliche Hand nähert. Welches von allen? Magnet-Hand
sprich...Hand der glühenden Asche, sprich... Dieses, dieses, dieses
hat am meisten Gold in den Federn und die meiste Wärme im Körper...
Der Schlag... Das kleine Tier zerschmettert... Blut an ihren Fingern...
-
Doch aus dem Himmel regnet es Arme, Beine, Füße, Hände,
Kinnladen, Ohren, Augen, Münder, Brustkörbe, die dahineilen,
um die Menschen der Sonne zu bilden. Dies alles das Werk eines Gottes,
der auszog, sich zu belustigen, als Zauberkünstler verkleidet. Geschlagen,
heulend, während sie versuchte vor allen karminrot gefärbten
Horizonten zu fliehen, hörte die Nacht, wie sich das Räderwerk
der Morgenröte in Gang setzte, Flügel, Wölkchen und aufgetürmte
Wolkenmassen.
* GREAT GIG IN THE SKY (Pink Floyd)
* DIE GOTTVERDAMMTE PLEITE (Ludwig Hirsch)
Als die Kinder Kröten nach Hause brachten
und im Zirkus nicht mehr lachten,
als sie ihr Brot nicht mehr aßen
und statt dessen die Kröten fraßen,
als sie Teddybären zerrissen
und in Autoreifen bissen,
als schließlich Kindergärten brannten
und Lehrer um ihr Leben rannten,
da wußten wir, es ist aus.
Begonnen hat sie damals, diese gottverdammte Pleite,
Ende März, im vergangenen Jahr.
"Operation Tiger" hieß das Manöver, im Raum Waldburg
und Umgebung,
wie üblich der Grenze ziemlich nah.
Man steckte Felder in Brand, man schoß Löcher in den
Wald
und das Haus vom alten Förster traf man voll.
Doch das Schlimme an der Sache, und das wußten wir noch nicht,
da hat ein Panzer einen Hasen überrollt.
Ja, das Schlimme an der Sache, und das wußten wir noch nicht,
da hat ein Panzer einen Hasen überrollt.
Lisa, das kleine Mädchen. mit der großen rosa Schleife
spielt im Garten, vor dem Haus, mit ihrem Hund.
Die Eltern sitzen im Salon, "Was, Herr Klavierlehrer, Sie gehen
schon?",
fragt die Mutter und schiebt ihm Marzipan in den Mund.
Da tritt Lisa durch die Tür, zieht ihren Hund hinterher
ihren Hund, dem wer die Kehle durchgebissen hat.
Der Vater schreit, die Mutter weint, der Klavierlehrer kotzt ihr
Marzipan auf's Kleid.
nur Lisa lächelt, mit blutverschmiertem Mund.
Ja, im Raum Waldburg an der Grenze
hat dieser gottverdammte Panzer
diesen gottverdammten Hasen überrollt.
Der kleine Thomas ist 7 Jahr', und er freut sich jedes mal,
wenn ihn am Wochenende Großvater besucht.
Denn der liest ihm schöne Mähren, von Prinzessinnen und
Zwergen,
aus dem mitgebrachten, alten Märchenbuch.
Ja, dem Großvater, so sagen sie, dem schlägt das Herz
am rechten Fleck,
nur dieses Wochenende hat ihm wer den Schrittmacher versteckt.
In seinem Zimmer baut allein, der kleine Thomas ganz geheim,
in seine Eisenbahn den Herzschrittmacher ein.
Ja. im Raum Waldburg an der Grenze,
hat dieser gottverdammte Panzer
diesen gottverdammten Hasen überrollt.
Bis auf die Zähne bewaffnet und zitternd vor Angst
die Kerze wirft Schatten, die Kellerwand tanzt,
so hocken wir da unten und Tränen weinen wir, Tränen.
Unsere Kleinen, da draußen, verbrennen die Erde
es kochen die Flüsse es verdampfen die Meere,
oben am Himmel der kleine Bär,
schläft auch nicht mehr.
Ja, unsere Kleinen, unsere Kleinen haben uns den Krieg erklärt.
haben Dir, Mutter, mir, Vater, den Krieg erklärt,
weil im Raum Waldburg, an der Grenze,
hat dieser gottverdammte Panzer
den Osterhasen überrollt.
Ja - eines Tages ist es dann passiert.
Da hat so ein Idiot - total besoffen -
'nen Vogel ganz genau ins Herz getroffen.
Und die Friedenstaube ist krepiert.


* ES GEHT LOS (Sensible Jugend)
Es geht los.
Es geht los.
Grasgrünes Licht, Rauchwolken zentnerschwer
Mein Auge schmerzt, die Stadt ist menschenleer
Der Kanzler schweigt, die Sonne scheint nicht mehr
Stadt an der Wand, laß den Geschlechtsverkehr
Denn ein Orkan kommt auf, alles fliegt hin und her
Es geht los.
Es geht los.
Ein Haus stürtzt ein, die Ratten laufen weg
Der Papst ist tot, ich finde kein Versteck
Es ist zu spät, wo liegt Amerika
Warum bin ich nicht schon längst in Afrika
Denn ein Orkan kommt auf, alles fliegt hin und her
Es geht los.
Es geht los.
Vom Himmel hoch fällt nur noch Dynamit
Den Engeln fehlt der kleine Unterschied
Ein Kopf rollt weg, der Kaiser fällt vom Thron
Die Hölle kocht, der Teufel freut sich schon
Denn ein Orkan kommt auf, alles fliegt hin und her
Ich glaub', ich kann hier nichts sehr machen
Ich steh' auch nicht auf solche Sachen
Nur noch Chaos Chaos Chaos Chaos Chaos
Es geht los.
Es geht los.
Es geht los los los los los...

- Was wirst du tun, wenn du nach dem dritten Abschwellen des Sirenentons ein viertes Aufschwellen wie einen Alptraum wahrnimmst, der dir die Gewißheit gibt, daß es kein kleines Feuer ist, das man löschen kann. Was wirst du tun, wenn die Sirenen brüllen? Wenn der Schreck deine Glieder zum letzten Mal lähmt.
- Was wirst d u tun?
- Was wirst du tun? Wenn diese Handvoll Gedanken dich bereits zwei wertvolle Minuten gekostet haben? Wirst du an deine Familie denken, sie suchen? Wirst du an dich denken, dich verstecken? Wirst du zu irgend etwas von alldem fähig sein, wenn dir mit einem Schlag klar wird, daß die Meldungen in den Zeitungen nicht nur schwarze Farbe auf weißem Papier waren.
- Was wirst d u tun?
- Wirst du deiner Sinne Herr sein? Wirst du einen klaren Gedanken fassen können? Und welcher sollte das sein?
- Was w i r s t d u tun?
- Was hast du getan? wird niemand mehr fragen können.

(Asturias) Städte aus verkalkten Skeletten. Noch beben sie. Noch
glühen sie. Erdbeben, Feuerregen, Orkanstürme, Schöpfer
der Zerstörung. Das schmerzende Lachen des Todes, der Blutgeruch ausströmte
und gleichzeitig alles roch, was sich ihm lebendig näherte, um ihm
den Tod zu geben. Doch die Ohren wachsen, wachsen schneller als die kleinen,
zaghaften Inseln. Unendlich große Inseln der Schwerhörigen.
Unbeweglich die Augenlider. Blindheit des verwirrenden Schlafes. Sie hörten
nichts und verwirrten sich im Schlaf. Jeder Schlaf, jedes überhörte
Geflüster ein Sieg für die Mißbraucherin und Gebraucherin
der gebärfähigen Frauen.
Aus der Stille herauskommen! Laßt uns die Trauerfackeln auf den
Rücken der rachsüchtigen Tiger anzünden, daß sie entdeckt
aufbrüllen, daß die Schwerhörigen sich mit Blumenkronen
schmücken, die Ohren gleichen und sich mit Musik und Wahrheit füllen.
Aus der Finsternis herauskommen! Der Weg des Todes ist kurz, wenn man
ihn mit geschlossenen Augen zurücklegt. Laßt uns die Blinden
mit Blumenkronen schmücken, die Spiegeln gleichen und sich mit lebendigem
Licht füllen. Trostlosigkeit? Lachen? Das nicht wieder Gutzumachende.
Nur der Brustkorb... ohne Arme... ohne Beine...ohne Kopf. Daß sie
der Erde nicht nur den Brustkorb lassen beim wirbelndem Tanz der nächtlichen
Sonnenblumen.
Neun mal fünfzig Millionen in die Erde gezeichneter Fußspuren
dauerte jene Zeit, die keine Zeit war. Die Zeit ohne Zeit. Neun mal neun
mal fünfzig Millionen in die Erde gezeichneter menschlicher Fußspuren.
Es gibt keine andere Rechnung noch ein anderes Zeichen.
Jetzt ist die letzte der abgezählten Zeiten. Laßt uns tanzen
den wirbelnden Tanz der täglichen Sonnenblumen. Laßt uns singen,
daß unsere Stimmen sich immer näher kommen wie die vielfarbigen
Muscheln des Orkans.
(Lettau) Absicht
Wir befinden uns auf dem Platz und beobachten das Näherkommen
eines Herren aus einer der Straßen. Er wird größer, er
streckt die Arme bald zur Seite, bald nach vorn aus. Bei uns angekommen,
ruft er: "Ich will." Danach atmet er heftig, wieder schießen die
Arme empor, zur Seite, er schaut uns wild an. Wir warten, es folgt nichts,
wir wenden uns und gehen fort. Nach ein paar Schritten hören wir ihn
wieder rufen. "Ich will", ruft er wieder. Wir bleiben stehen, schauen uns
um, gehen zu ihm zurück, er schaut uns wild an. Wir setzen uns wieder
in Marsch. Nach zwei Schritten hören wir wieder den Herrn. "Ich will",
ruft er wieder. Sofort wenden wir uns um und gehen vorsichtig zu ihm zurück.
Als wir bei ihm angekommen sind, steht er still. Es folgt nichts, wir verlassen
den Platz.
* WER SCHWEIGT STIMMT ZU (Bots)
Reden ist Silber
und Schweigen ist Gold,
Wer Gold hat kann schweigen,
doch wer hat gewollt,
daß Du nach der Weise
entmündigter Greise
nur heimlich und leise
das Unrecht verfluchst?
Denn schweigst Du nur immer
wird alles noch schlimmer,
siehst nie einen Schimmer
vom Recht, das Du suchst.
Denn für den der nichts tut,
der nur schweigt so wie Du,
kann die Welt wie sie ist
auch so bleiben:
Wer schweigt, stimmt zu.

(Kauter) Vom Gewicht des Nichts
"Sag mir, was wiegt eine Schneeflocke?" fragte die Tannenmeise die
Wildtaube. "Nicht mehr als Nichts", gab sie zur Antwort. "Dann muß
ich dir eine wunderbare Geschichte erzählen", sagte die Meise. "Ich
saß auf dem Ast einer Fichte, dicht am Stamm, als es zu schneien
anfing; nicht etwa heftig mit Sturmgebraus, nein, wie im Traum, lautlos
und ohne Schwere. Da ich nichts Besseres zu tun hatte, zählte ich
die Schneeflocken, die auf die Zweige und Nadeln meines Astes fielen und
darauf hängenblieben. Genau drei Millionen siebenhunderteinundvierzigtausendneunhundertzweiundfünfzig
waren es. Als die drei Millionen siebenhunderteinundvierzigtausendneunhundertdreiundfünfzigste
Flocke niederfiel - nicht mehr als Nichts, wie du sagst -, brach der Ast
ab." Damit flog sie davon. Die Taube, seit Noahs Zeiten eine Spezialistin
in dieser Frage, sagte zu sich nach kurzem Nachdenken: "Vielleicht fehlt
nur eines einzigen Menschen Stimme zum Frieden in der Welt."

* SHINE ON YOU CRAZY DIAMOND (Pink Floyd, Part I-III)



Zurück zu Willkommen! Zurück zu LAPSUS Zurück zu LAPSUS LIVE