Gesammelte Lyrik von Ro Li B. 

Roland Gorsleben (* 28.1.1961), der sich als Autor auch Ro Li B. nennt,  lebt in Zarnekla und ist seit 1980 Akteur bzw. seit 1994 Gastgeber von LAPSUS LIVE. Er ist Mitherausgeber des LOver und einer seiner Redakteure.

[He du] - [Abschied] - [Dankbar] - [Durch] - [Ein tagt] - [Kindheit] - [Weggefährte] - [Nacht] - [Zeitspalte] - [Pollenspender] - [Selbstherrlich] - [Städter] - [Unmögliche] - [Und weiter] - [War um 3 da] - [Wahr übrig] - [Unter der Sonne] - [Traumweh] - [Tanz] - [Schnee] - [Rettung] - [Wer bist du?] - [Fritten Afternoon] - [Meine Nacht] - [Nachtleben] - [Der Herr und die kranke Dämmerung] - [Fassungslos] - [Danach] - [Alex in Babylohn] - [Per Anhalter] - [Babylohn] - [Kein Wort davon] - [Lebenßeichen Adrenalin] - [Geschafft] - [Was passiert was] - [Das Ende vom Traum] - [Soldheart] - [Außer mich


HE DU

Die Erde bebt in meiner Brust.
Dürstender Boden,
der Tränen satt.
Der Wind weht mir warm
und Blüten ins Gesicht.
Ich rufe Dich.

Ro Li B. beim Vortrag

EIN ABSCHIED

Betroffen von deinem glücklichen Weinen
lockt zurückgebunden
mein Versprechen von Traurigkeit und Sehnsucht.

Sprung in jeden Tag,
das Licht hinter Wolken.
Ich will nicht, sagten all die Tage.
Was für Liebe, Bilder von euch,
die meine Finger - Zeichen ziehen lassen,
zerlaufene Wasserzeichen.

Vielleicht unser Herzschlag,
ob der Himmel weint
oder mit seinen Tropfen die Erde küßt.
Entschieden.

Du - mit meiner Pflicht zum Ideal.
Und zerfloß ich in der Sternenflut,
und du verschwandest aufgelöst.
Ich bleibe übrig.
Tragend die Zeichnung,
fragend, wie nocheinmal.
In am Ende gültiger Angst
vorm schwarzen Loch.
Dem ich nicht erwachsen könnte.

Aber ich weiß unterdessen,
Gehen wir uns aus dem Wege,
haben wir schon das Ziel verloren.

Während dessen Sonnen blumen
unterm düsenden Flug zukünftigen Todes.
 

DANKBAR FÜR DIESEN HINSCHEISZ

Eigene Erliegungen durchtriebener Nacht
Glanzvoll verhüllt dem Ende aller Schreckenswässer.
Und du haßt die Töne
Endlichen Liedes befreit der Kiemen.
Enthaust - folgen mir Brücken,
Gewunden vor Erfolg.
Gleich, gleich roden wir Kanäle!
Nach vorn gebeugt den Hintern,
Voller Rache darnieder liegend - wer da
Sitzt, lang vergessen, versessen
Auf gegessen:
Stimme zur Nacht ohn' Macht -
Entführt, geraubt, gefreit, gefreut.
Maienbaum, Komet und Grünteehaus,
La lala - und ich bin raus.
 

DURCH

Die Aussicht meiner Tränen -
Das Raunen meiner Hände - leer
Ich ziehe durch Wüsten
Ich kämpfe auf fremden Planeten
Die Faust meine Waffe
Stark die Stimme
Und fest der Druck
Bis dies Zappeln in meinem unerbittlichen Würgegriff erstirbt
Ich halte stand, mir selbst gewiß
Gewiß, ich weiß mich?
Meine eiserne Ration
Hart fasten, standhaft, stark
Meine Gesundheit, meine Kraft, Seele, Denken
Nicht aus der Hand geben
Einzelkämpfer ohne Spuren
Meiner Stimme folgen, ohne sie zu verstehen
Kraft pulst aus mir
Klar Schiff ringsum
Festen Tritt der Wüste
Allein
 

EIN TAGT

Zwei in einem Tag.
Zwei um 2 in blauer Dunkelheit
zwischen zerflatternden Büchern,
zerspringenden Bildschirmen,
zerschmetterten Kühlschränken,
zerfledderten Kleidern,
explodierenden edeldeutschen Träumen,
schwebend wie bunte Leichentücher
vor dem neuen Leben.
Sei vorsichtig mit deiner Kraft!

Hinter dem Geschehen verirrte Boten,
Tod läßt sich nicht üben
und Lebenskunst lernen.
Wie wärs festzuschreiben in Lehrbüchern,
gleicherart, wie die Hand
den sanften Linien des Körpers folgt?

Bleibt staubbedecktes Lachen.
Einer Wirklichkeit, die wir schönnehmen.
Sogar einen Sturzflug gut stürzen könnte.
Frei, denn Wünsche sind wahr.
In leeren Tagebüchern,
die in die Luft fliegen, zeitgelöst.
Flußbetten nur mehr zu ahnen
hinter jeder Bewegung lebendig.
Mitfühlende Stimme, Gehörtes zuhause.
Wie wir zwei.
 

AUS GOLDENER KINDHEIT

Eine Prise Stahl
Ein paar Börsenblätter
Von der Mickimaus
Ein Schuß Schnaps und E410
Eine Messerspitze Hasenblut
Schweinehirn tut's auch ganz gut
VHS - ein wenig, kleingehackt
VVS, MFS, SEK, BGS
Nur ein paar Krümel
Eine Idee von Mutters Käfigweiten
Zwei, drei Tropfen Bitternis, natürlich light
Abgeschmeckt mit der Bombse reste Süße
Lliebevoll dies Mahr gekocht
Toll die Seelen eingelocht
 

WEGGEFÄHRTE

Grashalm - grüner Wuchs zur Sonne,
Ebenmaß, daß meine Augen Gier verlieren.
Wind streichelt dich und meine Hand,
ist dir nicht bang
im Erwarten des Morgen.

Wer weiß nun wohl in Dämmerungen,
daß man im Dunkeln wachsen kann,
gereckt vom Licht im Innern.
Wurzelt hier ein Morgen,
klingt hinauf ins Gras?

Wie ich lebe, werden meine Weggefährten sein.
 

EINE NACHT WIE DIESE

Kerze im Fenster,
Wärm' mir die Hände und friere.
Licht, wie weit bist du zu sehen?
In einer Nacht wie dieser.
Gleitest hinweg durch doppelte Scheiben,
Begegnest nur meinem Blick
In dieser undurchdringlichen Dunkelheit
Trotz Mond und Feuer.
Brenne nur, Kerze, bist du verlischst.
Brenne nur, Kerze, deine Zeit, dein Tun.
Brenne, deine eigene Nähe
Macht dich zu Licht.
 

EINE ZEITSPALTE

Noch kalt die Wangen,
wird sie wohl kommen?
Wird mir warm die faltenreiche Haut.
Frischer Handgruß leicht gebogen?
Meiner Mutlosigkeit entzogen.

Neongott grellt mich verschoben
unter ängstliches Nieselleben?
Daß ich wie körperlich
nicht nur das dadraußen
verliere, was mir bleibt,
vergängliche Worte einzudrücken.

Oder Dauerfrosthaut packt wieder Äxter,
packt Gestell mit Muskeln voll.
Abgeschnittne Wünsche sternenklar,
daß ich uns beisammen sah.
 

POLLENSPENDER

Worte des Ergusses
bedeuten Komplexe.
Wie muß ich doch? Fleckenlos.
Wo machen wir's denn hin?
Was legen wir unter
die Schwelle?
Zu spät! Zu schnelle!
Es schmiert wie Rotz.
Und es wird kalt.
Es klebt sich hart
und reißt die Haut.
Und es stinkt.

Ja sicher,
absolut furchtlos in der Dämmerung.
 

SELBSTHERRLICH

Blind
Tappt er durch den riesengroßen Raum
 mit den vielen Türen.
Blind??
 Es ist halt ziemlich dunkel.
 Alles
 rückt so zur beängstigenden
 Kleinheit zusammen,
 zur übersinnlichen, erdrückenden Nähe.
 Außerdem., Die vielen Tränen -
 alles so verschwommen.

Und dieses Zittern...   ?
Sein Kopf schwankt wie Irrsinn.
 Es ist ihm halt höllisch kalt.

Oh doch! Die ekstatischen, animalischen Versuche,
 mit dem Kopf
 die Wände zu durchbrechen!
  Um Antwort

Aber taste!...., Sieh doch..!.., Fühl doch.....:
 Da ist die Tür.....!
 Schau, die Klinke geht ganz leicht
So leicht
 So leicht
  (      )
 

ZU SPÄTE STÄDTER

Wir Landkinder kommen nach Hause.
Ihr Städter, ihr fahrt "ins Grüne".

Und gar aufs Land ziehen,
eine Kommune gründen -
ihr habt kein Stehvermögen,
der Boden ist eurem Wesen fremd,
um wurzeln zu können.
Wo seid ihr ganz?
Beim Bäumepflanzen, ja?
Nahm euch der Baum zu Hilfe, oder?
Wißt ihr, was eine lange Sicht ist?
Im S-Bahn-Takt?
Wißt ihr andere als Spielwiesen?
Ist euch der Winter
mehr als Heizen und warme Stuben?
Ihr kennt schlechtes Wetter?
Interessant.
Einen Sturm, der die Altvorderen
(das Ahnen) der Bäume umlegte.
Fluchtet ihr den Wettermachern - in den Städten?
Ja, was geht euch nach Wunsch?
 

DAS UNMÖGLICHE

Das Unmögliche passiert
täglich.
Ich schlage um mich,
Ich kann's nicht mehr hören!
Diese elend alten Worte,
Getrennt, abgeschnitten,
verlassen, verletzt,
verbarmt, versiegt
warte ich,
verfressen, betäubt, besiegt.
Ich warte auf die Hand.
Und sie ist zu klein.
Hinter Gitterstäben
erreicht sie mich
Händeringenden nicht.
Und sie berührt...
Ich warte durch jede Nacht
auf's Wunder,
reglos in Wunden,
daß mich täglich rührt
das Unmögliche.

UND WEITER

Eine Wiese aus Gras
auf den Dächern der Stadt.
Du und ich ein dunkler Rand.
- Könnten wir gemeinsam fliegen -
Unsere Stimmen unter Wolken
betönen den Mond, den vollen.
- Weil er so viele Gesichte trägt -
Doch deins hab ich gesehen!

Nacht, du stilles Weh ums Herz.
Was flieht hinaus als Lachen?
Ein heller Sternenblitz des Angesichts?
Ein leises Wort für eigne Ohrn?
Ein kurzer Hall der Hand?
Ein Traum, der unbekannt.

Bleibst du mir fremd.
Wie ich geworden bin.
Luke, Ruf.
Stuhl und Tür.
Licht nimmt uns gefangen.

WAR UM 3 DA

Die Mauer steht finster.
Unverrückt.
Die Fugen verlieren sich
in ihrer Schwärze. Kühl
schaut der Grat nah den fliehenden Sternen
auf über mich hinweg.
Nicht zu schätzen,
das ist schon getan.
Ich lese es deutschlich
in der glänzenden Schrift auf den Steinen.
Ich taste mir die Unbeweglichkeit nach innen.
Die Mauer nimmt kein Ende.
Ich möchte fortlaufen,
es ist so dunkel. Ich habe
Angst. Solche Angst,
als mein Fuß einen Vorsprung findet,
schmerzt mir schon die Wirbelsäule vom Aufschauen. Unnahbar
hängt ein Stolz in jedem Schatten der Wand.
Fast greift meine Hand ins Leere
jeglicher Berührung.
Ich muß mich umdrehen.
Wie meine Wärme abzieht.
Die Knochen kalt und weh.
Augen zu nicht
in die Scheinwerfer blinzeln müssen,
es ist
doch längst entschieden.
Egal, wo ich stehe, gehe, tut so weh.
Ich hatte doch meine Trümmer fortgeschafft.
Nun mein Schatten
an der Wand. Wie eine Keule
mir im Genick.

WAHR ÜBRIG

Zurückhaltend, distanziert
Schaut sie dich an
Aber sie ist reich
Du glaubst es nicht
Schon ein Almosen
Macht mich glücklich
Und mitten in der Nacht schenkt sie
Dir die glücklichsten Zeiten deines Lebens
Süchtig stehe ich an der Mauer
Was bleibt mir weiter übrig
Sitz ich zitternd am Ufer
Eben konnte ich noch strömen
Dem Fluß erzähl ich alles
Was mir in den Schoß fällt
Dem reißenden Ungeheuer

UNTER DER SONNE

Segeln Vögel über stummes Wasser,
Die Nebelzeit steht still
Wie ein Tropfen tot am Zweig,
Kalt wie meine Hände
Folgen meine Augen ihnen nicht.

Dachte eben noch an wen,
Oder wars die Sonne:
Stand weiß wie Traurigkeit
Kurz in den Nebelweiten.

Verdammt, Traurigkeit,
Wenn du nicht bleibst,
Kriechts weiter rein nach innen:
(Punk ab:)
Dann ich total aus Eis!
Und kipp ins Wasser!
Und spritzt es, bitte sehr!
Der nächste bitte! (usw.)

TRAUMWEH

Dieser große, freie Platz,
diese sich öffnende Weite.
Ich muß wählen, wohin.
Muß ich, aufgefordert?
Ich weiß es nicht.
Und du bist da, ja da!
Es ist so schön, dich zu sehen.
Und ich kann's nicht finden,
der Schmerz treibt mich um,
und ich finde's nicht.
Dich zu verlassen. Hilflos.
Verlassend verlassen.
Liebevoll voll Trauer.
Wie kann ich nur
Verlassen
Es bleibt falsch
bis ins graue Morgen.

TANZ

Oh ja du, ich halte ein.
Ich halte still,
gestreichelt im grünblauen Gelichter
des Zeltes aus zusammengebundenem,
sprießenden Hanf, ein kreisender Tanz
des Lichtgefunkels erhellt uns empor.
Wir bleiben wach, wir verweilen wach.
So etwas wie geistige Levitation.
Das ist der Ur - Sprung.

Und dadraußen?
Im niedersinkenden hellblauen
Treiben schwarzkrause Wolken,
die dir durch die Hände gleiten.
Und du, dunkelverhangen, wendest ab die Augen.
Oh und ich wende Wände im Nebel.
Wärst du Duft, der du bist,
ich berühre dein schwebendes Haar.
Schlangenhäute girlanden dich,
und kaum einen Lidschlag lang
wimpern Liebkosungen dein Entgleiten,
entschwindest du.

Wo liege ich und wohin?
Leuchtende Projektile fliegen
immer wieder gegen die Lider. 
Sie verschwinden in den winkellosen Räumen
fassungslosen Nichtgedachten.
Meine Wünsche entführen meine Sehnsucht.
Blau die Tropfenflocken
wölben sich und doch zu Boden.
Ich vereile.

SCHNEE

Versenkt
Besser nicht
Schauen, was da alles rostet
Griff an die Säule, Wirbel
Hohles Wanken rund ums Kreuz
Blitze lenden mich
Rechts und links hinauf hinab
Ich gebs auf
Mein Kopf gibt Laut
Unaufhörlich
Unaufmerksam
Wirrlichkeit

Und dann kommt der Schee,
gleich und weiß und weit und unaufhaltsam.
Als könntes niemals enden,
doch Vater wird sich wundern.

Die Erwartung der Berührung treibt mich
Den Schweiß auf die Stirn
Und ich gehe baden
Viel zu lau pustet die Musik durch
Meinen Kopf schüttelt meine Seele
Wider tropfts hinab
In die Versenkung

Ein Kuß so schön wie ein Tag.
Doch mir fehlen die Worte

RETTUNG

Es gibt keine Rettung
Selbst
als du unerwartet
hier diesen Weg
auf mich zukamst
nach so vielen ewigwährenden Träumen
es schmolz mir kein Lächeln
keine Rettung. Das wäre das Wunder
Ich schreibe das dann irgendwohin
und dann
bricht doch das Lachen los
übergibt sich

WER BIST DU?

Wer ist das, pflanzt den Baum?
        Wer gibt dem Leben Heimat?
        An sich selbst - wer ist das?
Ein Spatenstich ins Erdreich.
        Reiche Erde!
Was grabe ich hinein?
        Was ich zu vergraben habe.
Vom Zauber getrieben
        und schon überholt,
ist der Schatten geblieben.
        Der Grund für das Himmelslicht?
Grüner Tanz im Lied des Windes.
        Wer ist mit dir verwurzelt?
Du, ich der Baum.
        Wer pflanzt.  

FRITTEN AFTERNOON

Zurückhaltend, distanziert
Schaut sie dich an
Aber sie ist reich
Du glaubst es nicht
Schon ein Almosen
Macht mich glücklich
Und mitten in der Nacht schenkt sie
Dir die glücklichsten Zeiten deines Lebens
Süchtig stehe ich an der Mauer
Was bleibt mir weiter übrig
Sitz ich zitternd am Ufer
Eben konnte ich noch strömen
Dem Fluß erzähl ich alles
Was mir in den Schoß fällt
Dem reißenden Ungeheuer

MEINE NACHT

Wilder Nachtschwärmer
Gebunden ans Papier
Gedankenleer wird die Hand
Schwer die Flüge zu dir
Leicht zum Firmament
In die Ferne Unerreichbare
Und die Sehnsucht durch die Luft
Und das Leben durch den Stift
Morgen grauen vor der Liebe

NACHTLEBEN

Im Dunkeln gehen
Ins Dunkel kommen
Mein eigen Leben des Nachts erwacht
Verdampft an Überträumen
Zu dir kann ich nicht
Zu mir komm ich nich.
Höre das Ticken der Uhren
In meinen venen Adern
Hohe Dämme, viel zu hoch

Vor mir
Ich sehe sie wieder
Die Tür auf deinem Wege
Verwischt dein Bild
Ein Blatt im Wind
Ein letztes Pendeln
Das kurze Dasein vor der Nacht
Endet nicht
Wie ich ein Traum
Mein Leben lang
Graut die Trauer in den Morgen

DER HERR UND DIE KRANKE DÄMMERUNG

Der Abend stellt das Atmen ein.
Die Sonne legt sich unter den Asphalt,
hinter den Wald-
Seifenblasen treiben Wolke Nr. 9
durch Wassertropfen
auf die schwarzen Schatten der Dinge.
Doch die Dämmerung will nicht weichen.
Die Dämmerung will nicht gehen.

Zu oft begangen liegen die Straßen danieder
unter gefangenen Lichtfluten,
gegossen zwischen Himmel und Erde.
Dämmerung lastet auf dem Blick
der verschobenen Konturen,
und leise raunt die Nacht:
Ich hab' dich lieb.
Raunt: Ich hab' dich lieb.

Eine Blüte, die sich nicht schließt.
Ein welkes Blatt, das nicht fällt.
Die Nacht kommt nicht zum Tagen.
Die Dämmerung steht
im Flüstern der Nacht.
Doch die Dämmerung kann nicht gehen.
Die Dämmerung
steht.

FASSUNGSLOS

Tag wie des Nachts,
des Abends wie nach Erwachen,
was fernt auf dunklen Bahnen?
Karger Gesten, harrter Nacken
einer trüben Alltäglichkeit.
Einkehr längst geschehenen,
beschämendes Verleben.   
Nein! Nein. Sprung!

Fühlen, lauschen...

Wahr bleibt,
was inmitten ruft:   
Weite warmer Nächte,
Wärme erlösender Küsse,
Erlösen lebendigen Atems,
Atmen friedlicher Sterne,
Friede geborgener Nähe,   
Geborgenheit sanfter Hände,
Sanftheit offener Weite,
dort, wo Weinen glücklich macht.

DANACH

Vulkane, Zeiten nach dem Ausbruch
Glut, erstarrte, Asche fällt
Staubbedeckt die Himmel
Häusertrümmer, Obstblüten verloren unter der Asche
Abdruck eines Liebespaares, eine Träne, ein Pfad
Kühle, Kühle schließt alle Wunden
In die Nacht, die schwarze Schlacke,
Auf die Lava auf dem Grund,      
Schwarz bröckelt's vom Rand in die Stille
Unendlich schnell kriecht die Asche herauf

ALEX IN BABYLON

Dämmernd sanft entblößt
sich die Erde im All ihrer Pracht
Der Anmut des Himmels gewandet
in schwebende Kleider
singen dunkelhaarige Frauen
meiner Liebe Lieder
Der warme Schimmer ihrer Haut
glänzt in der Abendröte
meines Unterleibes
zu lang vor der Nacht
rinnt mit dem Schweiß
die Armut des Staubes
zum Feuer in meinen traumlosen Augen

Eine Blüte treibt ins offene Wasser

Und dann gehen sie fort
einander anlachend
verschwinden hinter einem Haufen toter Soldaten
der das Kanalwasser staut
Der König er starrt gefangen in den Pupillen:
'Ach du Heilige Hochzeit!'

Endlich endlich auf den Dächern
fand ich das Gold gestohlen
nahm ich sie an mich
Krone und Ring massiv und schwer
wie eine Fußfessel

Mein Frühlingsboot schafft zerkrümelt
Ungeziffert

>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>Traumriß

Ich gab mich so gleich unterm Eis verloren
daß ich das Sterben erlebe ist das schlimmste

Ich gebe meine Liebe per Vers
Und ihr ist das
Baby Lohn

PER ANHALTER

Der Nacht entgegen
und schon von ihr geentert,
mit 120
- mehr schafft er nicht -
durch den Heil Geist Hof.
Wiedermal die letzte wie die letzte Nacht.
Und ich ahnte es und schon vorbei:
und auch nach 200 Metern keine Vollbremsung:
(Ich hab's gewußt, atemlos.)
aus der Dunkelheit Stelle halte Bus,
eine junge Frauinnengestalt,
der Wink
um Mitnahme, gefangener Flügelschlag,
im hellen Traumgewand
in der Nacht, unentrinnbar.

Dem Boden entgegen
inmitten der Wiese:
ich ahnte es:
der wilde freie Mann des Waldes
versinkt in Blütenträumen,
vergeht im Staub,
ist vollkommen ruhig
im prasselndem Blut.

BABYLOHN

sprachlos nicht wunschlos nicht hoffnungslos
glücklich nicht zuhause nicht verlassen
lust nicht liebe nicht gar nicht

KEIN WORT DAVON

Und da reiszt die Wolkendecke auf
Ich hatte dich schon im Arm
Und es wird hell zwischen uns
Hell wie der Wind
Der uns durch die Finger rinnt
Laufend fragst du mich
Was ich denke
Ich liebe dich
Schreie ich
Atemlos
Fallen wir über unsere Wurzeln
Ich beisze vor Lachen ins Gras
Und dann
Macht uns der Regen nasz

LEBENßEICHEN ADRENALIN

Glück gehabt, vorbei:
Mit sengenden Schürhaken
nimmer verendender Verzweiflung
in der verlöschen wollenden Glut
inmitten meines Bauches
rase ich dem Beginn der Nacht hinterher,
Mein Leben lang ins Schleudern gekommen
segle ich unter den Adrenalinstößen
tierisch erwachsener Geister
um die Betonmasten herum.
Ich habe nichts zu bremsen.
Sirene meines klopfenden Herzens
verleitet mich, daß es besser ist zu leben.
Oder so.
Aber:
Das Pendeln hängt mir zur Wirbelsäule raus.
Zu meinen Pflichten brüllend
brüllend vor Lachen
Stop!
Ruhigstellen. Ich muß
mich ruhigstellen.

GESCHAFFT

Hab da ein Flimmern vor den Augen,
hab da ein' Schimmer angeklebt.
Die Honiggletscher niemals tauen,
auch wenn ihr Himmel runterfließt.

Seit meine Schatten in Kasernen toben,
Licht befohlen jedes Wort erquält,
was wellend, schillernd wie ein Ölfleckbogen
Halt verloren und tiefer noch entseelt.

Brücken geländert, Firmament dem Blick
verblieben oder anderen die ungangbaren Ufer.
Dazu Vermißtenanzeigen - schlecht geschrieben,
bin voll davon in Sammlerleidenschaft.
Schau an,
Wie toll im Aufundab der zähen Wässrigkeit,
bleib' ich wiederkauend
meiner Mutter wehleibende Zärtlichkeit.

WAS PASSIERT WAS

Morgen werden ein paar Sterne
vom Himmel tropfen.
Hinter die schwarzen Schleier
unverhüllter Schönheit.
Sie werden sich kein Gehör verschaffen,
mahlen laut die Kiefer.
   
Leise Kiefern trotzen
hirngemalt der Umnachtung.
Oh Baumkronen!
Wie würde ich krönen,
zum König machen
jeden kleinen Wicht von euch!
Was sind schon große Gesten
im Geklapper der Kronkorken...
Vom Zigarettenqualme verweht
Löcher wie Löcher.
   
Was ist da sturmreif?
Die Bäume, das Dach, - ich?
Geschenkt! Hingegeben. Geschenkt.
Je nun, wohin
mit dem Schweiße des Angesichts?
Dem Geld?
Der vielen fiesen Arbeit?

DAS ENDE VOM TRAUM

Ja, ich lebe noch.
Wünsch manchmal,
nicht tot zu sein,
ist es zu Ende.
Vielleicht bekomme ich dann
irgendwelche Klarheit.
Aber ich frage nicht nach dem Wozu.
Wozu auch.
Und ich schaue und vergeß nicht:
wie schön das ist.
Ungehofft, aber wahr,
und bin ganz und froh dabei:
ich träume nicht mehr.
Davon war genug.
Freigegeben.
Freigenommen.

Nun, hundert Jahre danach,
dem Maueröffnen, hat das
sogar für mich was Gutes.
(Ändert ja nichts dran,
daß es schon hundert Jahre zu spät ist.
Das alles wird ewig sein & ist schon vorbei.)
War viel zu kalt in Alaska.
Und dann leuchtet die Wärme,
das Liebe, der dunkle Glanz
direkt in mein Herz.

Das ist schon alles.
Geradebiegen macht nur müde bis zum Brechen.
Die Maschinen sind zu schwer alle
zum Fliegen.
Immerzu muß man da einen Schritt zurück.
Anlauf. Falle.

Steig ich mal dahinter?
Fühle das Unverhüllte zu oft wie bloße Hülle.
Ich hülle mich in ?
Nein, ich hüllt.

Aber ohne Nachzudenken,
sag ich Ja.

[]

SOLDHEART

Was tut man nicht alles.
Hab ich mich schon abgeschrieben?
In Gedichtform gelesen aus meinen Falten?
Ich bin so verhalten, mein Verhalten zu lieben.
Wieso werde ich denn nicht verrückt?
Schade drum.
Lalala tralala.
Irgenddann bin ich tot.
Rührungslos, sprachlos und sehe blicklos,
was alles ich mit ins Grab nehmen muß.
Gescheitert bin ich dann?
Nee! Das Sterben fing einfach viel früher an!
Einsteigen, aussteigen, hinlegen, doof sein.

Sold heart to the one.
Sie konnt's nicht übersetzen:
"I gave all to the CD."
"I gave all for you."
Und Lachen auf mein "Ich gab alles für sie,
die eine meines Herzens"
Over.

AUSZER MICH

Etwas vom Wunder,
bitte. Nicht wundern.
Blau der Himmel, blau das Mehr.
Und meine Taschen sind leer.
Von meinen Fäusten verlassen.

Das Knirschen verloren im Sand meiner Zähne.
Unwiderruflich treibt das Boot außer Sicht.
Kein Ort des Entsetzens außer ich.
Und die Seele hält still, ganz still,
jede Regung birgt Unheil.
Held das Seil.
Aber was?

Was ich da nur noch seh', Segel,
die der Mond in den Strand setzt.
Vom leibverborgenen Sonnenaufgang.
Ihre Tränen darauf blieben.
Im Hals mir stecken.
Niemals mehr schockiert sein
wegen überschäumendem Lieben!
Versteh' ich mich nicht.
Unantastbar übermüdet, überwacht.
Steh' ich noch immer am blauen Meer.
Leer.

Theatersport

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