Sonnenwende

Anmerkungen:

In Klammern (siehe jeweils Kontext) stehen meist Anweisungen betreffs Musik, Sprecherrollen etc. für die Ton-Dia-"Vorführung". Das "+" kennzeichnet den Zeitpunkt der Musikeinspielung bzw. nachfolgender, mit einem Titel versehener Text wird parallel zum Gesang auf Dias eingeblendet und nicht gesprochen. Zur "Sonnenwende" gehören ca. 130 Lichtbilder. Zuletzt aufgeführt zu LAPSUS LIVE 1999 als 'Sonnenwende - Immer wieder die alte Geschichte?'.

     P  Juni 86 - Juni 87, Berlin; 12/98 - 05/99 Zarnekla
     P  by Roland Gorsleben
(*) P  by Ines Kohlmann
     C  by B., LAPSUS LIVE 1987 (Wertung siehe LOver 1 von 1989)
(*) C  by "Z"
 

S O N N E N W E N D E

eine geschichte

(Eröffnung) (+ U2 "4th of July")

Eine Geschichte von, mit, über... Er war um die zwanzig Jahre: alt. Ich lernte ihn kennen, als er schon Abschied genommen hatte. Imgrunde bekam ich nur einige seiner Aufzeichnungen in die Hand oder hörte von Gesprächen, die er geführt hatte. Beides erscheint mir Teil eines rotierenden Gedankenkreises gewesen zu sein. Er meinte mal, daß er sich letztlich ganz in sich gefangen fühlt. Daß er mal von einer Hand träumte, die sich ihm durch die Gitter entgegenstreckte. Ich weiß nicht, warum es für ihn so fatal unausweichlich war.
Und sicherlich ist es jedem freigestellt, diesen Kreis zu sprengen. Ich vermute, mehr innerer Aufruhr ist notwendig, als was Wind in den Haaren vermag.
Er selbst wich mir immer wieder aus. Oder was wir darunter verstehen. Denn, wie gesagt, er war eigentlich nicht mehr existent. Genaueres läßt sich schwer
aussprechen.
Sie hat er nur selten gesehen. Konnte, wollte, würde... Vielleicht ist sie wie alles nur ein Traum und keine Geschichte.

-

Ein Tag. Ein Tag. Eintag.
Ein Tag es geht voran. Nicht denken wohin. Nicht hören die Zeit. (Unendliche Mitternacht.)
Ein Band spüren, das nicht verlieren!
Flüstern in die Luft. Dein Gesicht im Gedankenlicht. Atmen mit dir.
In der Ferne. Ich möchte sehen und die Augen schließen.
Bleiben Trauer, Trauer. Und Schauer.
Treiben Funken Licht an die Finsternismauer.
Es weht ein Vakuumwind. Ein Band spüren!
Würdest du was verlieren? Ein Tag Nacht Mittagnacht.
Wohin hast du gedacht? Hättest du gedacht.

(Rory Gallagher "5 Miles Away" live +)
 

One Day

 Ein Tag. Ich bin voran.
 Was kommt, wenn ich bin.
 Bin ich, wenn ich bin, bin ich.
 Inzwischen. Dazwischen. Inzwischen.
 Die Zeit wird zu weit.
 An Kartenhäusern rühren,
 Immer wieder Feuer schüren.
 Nein! Stummheit! Die schreit,
 Die ruft, ruft nach dir
 Hinter vorgehaltener Hand.
 Inzwischen. Dazwischen. Inzwischen.
 Ich zögere vorm Wir. Wir.
 Und laut, zu laut
 Lautet es daneben aus meinem Mund.
 Zu laut, und los...

 Nur ein Gedankenwinken
 Wie ein verlorenes Küssen.
 Wie auf Dauer? Wie, ich halt's nicht aus.
 Wie geht das auf Dauer? Ich hab Angst.
 Wird dein Blick rauher, wird's rauher.
 Inzwischen. Dazwischen. Inzwischen.
 Unmöglich, wo wir sind. Wo bin ich?
 Ich schau auf deine Hand... Du!
 Du, mein lebendiger Traum.
 Was machst du? Was mach ich?
 Inzwischen. Dazwischen. Inzwischen.
 Der Tag ist dunkel gemacht.
 Was hast du gedacht?
 Zu laut, zu laut...

Wenn sich ein goldenes Kettchen sanft an einen Hals schmiegt, Haut wie zarter Samt, und meine Finger, kreislaufgestört, es nicht fassen können... Ich lebe. Und ich sehe dich. Und rufe: Wo bist du? Und du bist doch da, so nah. Eben noch. Bist du fort - sofort übergraut mich Verlassenheit, allein und das ist wirklich. Warum fürchte ich mich, daß du in meinen Augen lesen könntest? Warum das schwere Herz ein Leben lang? 76 Jahre werde ich alt. 3 Jahre ohne dich. Aber deinen Namen flüsternd... In meine Dunkelheit, in meine Nacht. Schlag dir die Fäuste wund an Wänden! Wenn du nicht sagen kannst: "Ich liebe Dich!" Wenn ich es dir sage? Wenn ich es dir sage? - Wandelt sich dein Unglücklichsein? Nimm mich mit in die Ferne deiner Gedanken, in die Weite deiner träumenden Gefühle. In die Fremde, wo wir uns kennen.

(Quicksilver Messenger Service "Hope" +)
 

Sonnenwende

 Liebe die kurze lange Nacht,
 Sonne hat mich um den Schlaf gebracht.
 Bleibe allein und denke an dich.
 Zeit, die stirbt, denkt nur an sich.

 Ich will den Sternen nach,
 und du wirst wach.
 Offenbarte sich das Leben,
 würde ich dir meine Hände geben?

 Daß mit dem Blühen der Linden
 der Sommer erst beginnt
 und nicht im Traum zu finden
 durch meine Zimmer rinnt.

 Geschlossen dann die stillen Augen,
 diese Bilder will ich sehen,
 dieses Lieben will ich schauen!
 und nicht die Dinge,
 die zwischen uns stehen.

Habe wieder von dir geträumt. Von dir. Und ich allein. Wie im Leben. Ich sehe dich. Du ziehst mich an, du. Doch kann ich dir nicht nahe kommen. Warum? Muß ich sterben? Muß ich tot sein? Und Liebe immer bittrer werden, bis mich im Traum niemand mehr kennt? Wieder ein Traum: Gesucht? Gefunden! Du wolltest mich allein was fragen, es kam sofort jemand dazwischen. Das kaputtte Dach - du hast gelächelt, (ob deines Lebens?). Dach und Nacht. Eigentlich waren alle ertrunken. Dann warst du fast neben mir am Tisch, an der süßen Kaffeekannenreihe, doch zwei Leute standen auf, ließen dich durch. Ich blieb allein, ich sah mich im braunen Spiegel der Tasse vor mir, seufzte, schon ohne Blick zu dir. Aber im Wachen, es war so schlimm, wie ich mich verlebe, kaum Zeit für Tränen. Immer nur Bilder, immer Sehnsucht. Nach dem einfachsten.

Ich will's ewig offen halten, doch das Leben verrinnt, die Liebe entgleitet mir. Meinen bewegungslosen Händen. Mir tatenlosen. Was schon in Augen und alles in Gedanken. Ein Lächeln schenken. Deiner Haut Gefühl! Gefühl! - schlägt's gegen Rippen! Handgruß - Gedankenkuß. Deine Hände, ich will kein Ende, Ende - das fühlt sich so tot an, und leben sollt es deiner Jugend! Ein Wort von dir? Wort! Von mir? Und da redet jemand mit dir, und ich kippe gleich, getrieben in meine tiefe Dunkelheit, wo ich da raus komme, geht's mir nicht besser. Ersaufe im Tee oder den Tränen, bitter allemal. Feste Zukunft - weiß ich's denn? Was sind die Illusionen, wie es mit uns weiterginge? Einfach leben, lieben, Luft für dich und mich, daß tiefe Worte leicht werden und leichte Küsse tief.

(Pete Townshend "Let My Love Open The Door" +)
 

Life At Night

 Im Dunkeln kommen und gehen.
 Nur in der Nacht
 das kurze Leben erwacht.
 Das allein ist mein.
 Verdampft an heißgelaufenen Träumen.
 Zu dir kann ich nicht.
 Zu mir komm ich nicht.
 Höre das Ticken der Uhren...

 Spüre den schlimmen Druck
 Der Liebe und Gewalt
 Hinter viel zu hohen Dämmen.

 Da ist wieder die Tür:
 Die Tür auf deinem Weg.
 Verwischt dein Bild,
 Ein Blatt im Wind,
 Ein letztes Pendeln...
 Mein kurzes Leben vor der Nacht.
 Die Träume enden nicht.
 Dieselbe Trauer bis der Morgen,
 Mein Leben graut...

 Spüre diese Musik auf meiner Haut.
 Liebe und Gewalt
 Ein steter Schrei darunter.

Ich krieg meine Gefühle nicht raus.
Du schaust auf mein Unvermögen. Deinen Blick verstehen! Nahe sein - nahe kommen. Wollen Können Dürfen, Lawine Labyrinth, Entscheiden Einschneiden, Fühlung verlieren Leben verlieren.
Heute war ein "großer" Tag. Wir sahen uns. Eine von mir organisierte "Veranstaltung" im Klub, ich zeigte Lichtbilder zu einer Geschichte, die ich geschrieben hatte, die natürlich von uns handelte: "?Nähe" - ohne unsere Namen zu nennen, denn vorher stürzte ich ab. Und die Leute hörten zu. Auch du. Man kann sich so gut hinter durchsichtigen Worten verstecken! Den Ruf von Innen in die Wolken schicken... Immer "Du" sagen ohne Du zu sagen. Musik spielen, heutnacht. Es war ein Wagnis, aber für wen schon. Dann das Ende und - nichts. Leere. Kein Wort. Nichts. Wo mir dein Wort fehlte. Mein Wort. - Aber habe ich nicht alles mit diesem "Ruf" gesagt?
Aber was getan? Meine Furcht, es könnte alles zu Ende sein und die Sehnsucht dann noch schlimmer.

Ich will dich nicht als Fremde sehen,
daß du mich erkennen kannst.
Daß mein Leben nicht verweht,
wie bedrucktes Papier im Wind,
getrieben zwischen Autoreifen.

(Darum rufe ich flüsternd:)

Denk an die Augen! (und gehe weiter!)
Es ist kein Spiel, doch tun wir so.
Bin nur jung in schwerer Erinnerung.
Warum nach Mustern und kein Trotzdem?
Warum nicht gar ohne Trotzdem:    ! ?
Dies der Wunsch: ohne Hintergrund?
Dir nah sein, ich .

Einiges brennt, und einiges verbrennt.
Das Echo des Leisen von der Wand.
Und so bin ich nicht.
Wieder der Mond beim letzten Blick...
Und bleibt der letzte Blick,
Bleibt der letzte Blick.

Und Risse, weiß du?
Und so werden wir sein?
Und ich laß dich nicht gehen.
Und ich halte dich. Weiß dich nicht...
Und du gehst (?im Spiel?).
Und das bin ich nicht.
Und das, und das...

Alt und Kopf und Herz.
So fremd. Mir.

(Scorpions "I'm Still Lovin' You" +)
 

Looking For Springtime

 Schau in den Spiegel und dahinter.
 Was riß dich dieser Tage so früh ins Grab?
 Gefesselte Liebe
 Entfesselt jedes Sehnen in dir,
 Daß dir die Schädelwände zerplatzen.
 Und du täglich weinend niederbrichst
 In den Ewigkeiten,
 Die du nachts allein bist.

 Daß eine Hand in deiner Hand,
 Eine Antwort auf dein Wort,
 Ein Kuß, der in weichen Lippen versinkt
 Eine neue Welt erschaffen kann.
 Neues Leben, weite Himmel
 Im Spiegel der Augen,
 Und auf Gräbern wachsen Bäume.

 Doch daß dir schon selbst
 Die Träume fortlaufen,
 Vergehen, wie der Rest deines Lebens.
 Nichts, was du mehr halten kannst.
 Durch kahle Äste weht der Wind...
 Umfange uns Frühling, verwandle!
 Umfange uns Liebe, wandle.

Draußen wieder der klare Himmel, der so stetig auffordernde, tröstende, traurige, volle Mond. Und ich allein und du allein. In unseren Räumen. Und es nebelt in die traurige Leere meiner Gedanken, wie gern würde ich dich wärmen. Ich reiche dir die Hand und will doch die deine nehmen. Träume. Träume! Das ist alles, was ich mir ausdenke: den nächtlichen Traum von dir als lebendige Erinnerung betrachten, bewahren, den täglichen Traum als vorgelebte Zukunft? Befreien von Sehnsucht. Lieb ich meine Sehnsucht? Meine notwendige Quelle? Wie du vor mir stehst... - die Wand hallt, die Wand gebietet "Halt!". Es reißt die Arme, es reißt die Gedanken zu dir, zu dir! Es reißt das Herz... Wenn alles in mir schreit, warum dann nur nicht?

Die Träume meiner Jugend sind vernichtet. Die Gedankengebäude haben bis in die schwindelnden Höhen leere Fensterhöhlen. Die Fähigkeit zur Freude liegt unter Schichten fremder Einlagerungen und Trümmern meines Selbst begraben. Niemand kennt meine Gedanken. Niemand kennt den Rest meiner Gefühle. Und alle Worte sind falsch und schwach und gehen vorbei. Keine Kraft mehr zum Zuhören, zum Aufnehmen. Fremde werden mir fremd wie ich. - Das ist nicht Jugend. Jahre, Einsatz des ganzen Ich in eine Schablone, die an keiner Stelle paßt. Wenn ich früher Freude über meinen Körper empfunden habe und heute Zerfall bemerke, 20 Jahre zu früh. Und die Gedanken früher funkelnd und Blitzen gleich, heute blakend in vergifteter Atmosphäre, die Flamme im Rauch nicht mehr zu sehen. Denn Klarheit gibt es nur noch über den Tod, den wünschenswerten.
Wie ein Gaul im Göpelwerk - verlieren.

(Black Sabbath "Die Young" +)
 

Look At Reality

 Aus Flugzeugen Bomben
 Auf mein verlassenes Haus.
 Zerfetzen die letzte Liebe.
 Löschen die Schatten von der Wand.
 Nichts bleibt
 vom Druck explodierter Gehirne.

 'n paar Gedanken springen aus dem Fenster
 Und sterben zum tausendsten Mal.
 Von den Flammen blutrot erleuchtet.
 Das Flugzeug kurvt fatal seine Bahn
 Und schaukelt ein Lachen
 Auf eisigen Wellen Abendrot.

 Die stummen Bomben
 Schmelzen dein Gerede ein.
 Und reißen dich und Dreck gen Himmel.
 Und dies ist dein Blut!
 Und das dein Gefühl!
 Keine Fragen jemals wieder!
 Und keine Antworten jemals mehr.
 Und keinen Widerspruch der Liebe.

 Ein Töten bis zu diesem Tag?
 Weil Millionen einzelner Egos
 Mit sich selbst nicht fertig werden.
 Wir nicht wissen, was wir Liebe nennen.
 Die schönsten Tage unseres Lebens...
 Mann! Dir zerfetzt es
 Nicht nur die Garderobe!
 Nicht mal mehr Zeit zu schreien!

Durch die Trümmer meines Herzens zieht ein stetes Weh. Durch die Fesseln meiner Gedanken kreist zuletzt dein Bild.

Ich bin der Stock, der geschliffene! Ich bin der Rest, der niemandem fehlt! Und habe Gefühle, die nicht sind! Mich kann man erwürgen, mein Herz ersticken! Ich bin die Ratte, die verirrte! Und meine Seele abschnüren! Und die härtesten Worte nehm' ich an! Laßt sie doch wie Gift sein. Mich kann man treten, die Gedanken einbetonieren! Und der Kopf zerplatzt wie eine unendliche Granate...! Davon habe ich mehrere.
Ich wäre so sehr gern auf der Welt! Könnten wir uns lieben. Die Zerstörung wäre kein Schicksal. Doch niemand kann sie haben. Oder will sie haben.
Liebe

Dieselben alten Ängste. Wozu dann dieselben alten Worte gebrauchen?

(Sex Pistols "Bodies" +)
 

Work

 Knochen, heiße Augen blind zu sehen.
 Vibrierende Haut taub zu fühlen.
 Gehetzte Gedanken flach zu spüren.
 Gepreßter Mund trocken zu küssen.
 Rinnender Schweiß brennend zu streicheln.

 Schwarzer Locken inniger Liebe
 Heißer Tage Sonnenluft
 Grauer Schimmer Traurigkeit
 Über schwindendem Lächeln
 Tod so tief drinnen
 Kein Zurück

 Lila ist schön!
 Weiß ist grün!
 Es muß doch was passieren!
 Hey!
 Laß uns tanzen
 Mit zuen Augen!

Was halt ich aus!
Gewaltsame Trennung vom Alten, ohne noch ein Wort zu verlieren? An die Straße und nirgendwohin, ohne irgendwelchen Sinn in Zeit und Ziel? Der Schrei in der Nacht, in Kälte und Einsamkeit. Mich Selbstzerstören ohne Zeugen. Ohne Spuren. Nein. Sonne! Süden! Sonne! Ich stehe doch schon an der Straße, und denk mich frei. Geformt ist mein Gesicht, sind meine Worte. Nach Süden!

(Edda Müvek "Difficult Thing" +)
 

Southern Trip

 Hallo, sonnige Sehnsucht.
 Solange mein Leben vergeht.
 Wolltest du mich erreichen,
 Ich lief dir nicht weg.

 Hallo, Traum der lichten Ferne.
 Wirst mich mein Leben umwehn.
 Wolltest du mit mir gehn,
 Dann könnten wir wohl bleiben.

 Hallo, ihr lachenden Augen!
 Was sollten euch meine Tränen?

 Find ich Boden unter den Füßen.
 Steh ich sicher auf federndem Stamm,
 Steh ich selbst auf rauhem Findling,
 Steh ich mir zu, zu mir
 Am Rande des Wassers,
 Steh ich sicher in fremdem Geraune.

 Ich lief' nicht fort,
 Und ich ging' mit dir.
 Ich lief' nicht fort,
 Und ich ging' mit dir.

Wie sieht es aus in dieser so anderen Stadt? Ist es dort anders, bin ich ein anderer, ist der Film anders?
 

Imaginäre Filmszene

B. tritt auf die Straße hinaus, von drinnen durch die Tür folgt noch Stimmengewirr, Musik, Lachen. Die Intensität der fröhlichen Laute läßt mit seinem Weggehen nicht nach. B. schaut nicht hoch, will nicht sehen, wohin er geht. Die alten Häuser dicht an dicht wanken, jeder Schritt verändert ihre Lage gefährlich, der Himmel sackt unters Pflaster. Unheimlich laue, stehende Luft, doch vorbeifahrendes Autogebrumm ist lauter als das einsame Singen einer Amsel. Dämmerung fällt dem Himmel hinterher langsam auf das Antlitz der Stadt.
B. stößt einen kleinen Stein vom Bürgersteig auf die Fahrbahn. Ein Hund verschwindet in einem dunklen Hausflur, kurz hinterdrein wird eine alte Frau verschluckt. 'Ach Mann!', Seufzen. Irrwege, geradeaus. Schritt für Schritt durch die ausweichende Kulisse. Eine kaputte Straßenlaterne flackert. Eine Bullenstreife hält, die steigen aus, gehen an einen Melder. Zeitungspapier klebt an Hundekacke. Zwei Mädchen auf einem Balkon kurz vor dem Mond, der ist immer noch näher. 'Ach Scheiß...'. Fledermäuse. Licht an bunten Tapeten, Schornsteine. Ampeln plinkern sinnlos, Putz, der fällt, der fallen wird. Egal.
B. steigt in eine Straßenbahn und verschwindet in der traurigen Dunkelheit. Leuchtreklamen.

Der Tunnel läßt mir keinen Ausweg. Es ist egal, wohin ich mich wende, vor und zurück, ich hab' nur den einen Weg. Und darum habe ich wenig Angst. Es gibt hier keine Gipfel, keine Täler. Nur die Ebene, die ewige. Ich weiß nicht wohin und nicht warum. Der Tunnel zwingt mich zwar zu gehen. Seh' ich wen - ich bleib' allein. Mir fehlt die Kraft, aus dem Fenster zu springen in den nächsten Tunnel, der mich in Spiralen abwärts stürzte.

(Deak 'Bill' Gyula "Central European hobo blues no. 3" +)
 

Check The Point Of Turning

 Die Sonne ist da.
 Irgendwo da, ich hab's nicht vergessen.
 Doch ich kann sie nicht mehr sehen,
 Sie ist mir untergegangen
 In einer meiner letzten Nächte,
 Kann ich den Tod nicht wehren.

 In der Dämmerung schwillt der Abgrund,
 Will mich schlucken,
 Bevor ich spring'.
 Schon bevor ich mich
 Ganz aufgegeben hatte,
 Wollt ich nicht mehr leben
 In Trümmern der alten Ruinen.

 Die Sonne steht still.
 Da irgendwo.
 Ich weiß, irgendwo da ist sie.
 Die Sonne steht still.
 Ich weiß, sie gibt Leben,
 Schenkt Wärme und Liebe.
 Die Sonne steht still.
 Da irgendwo.
 Und darum muß ich gehen.

Einsam sein heißt: niemandem nahe kommen können.
Allein sein, da gibt es wenigstens die Möglichkeit, jemandem nahe zu kommen.
Einsam? Allein? Ich tanze., doch meine Gedanken...
Klirrender, flirrender Krach um den meinen, leisen Ruf. Auf und nieder der Maskenmonotonie Nie nie Nie! Licht spricht, bricht, brüllt. Licht zerhackt das Bild in den Augen, aus den Augen mein tiefstes Gefühl zu dir. Nicht mehr viel da, das noch zerbrechen kann. Fremdes Leben.
So sei allein, wenn auch ein Teil meines Innern immer bei ihnen bleiben wird.
Bei jedem Mädchen, dem ich mein Herz öffnen wollte. Hab' ich mein Wesen geteilt. Und das wird niewieder gut? So komplizierte sich mein Dasein, meine Daseinsmöglichkeiten.
Meine Augen gefrieren. Wer will in den kalten Wassern schwimmen? Liebe und Wärme gehören zusammen. Und du stehst mit deiner Traurigkeit am Ufer.

(Bikini "Message From The Band" +)
 

Last Ruins

 Alle Zeichen stehen noch auf Sturm.
 Doch windstill regt's sich
 Inzwischen dadraußen.
 Die Stürme fegten alles leer.
 Einst Stolz einer Landschaft
 Sinkt gleichgültig der Turm.
 Ein Rest vom Wind
 Drückt sich durch Risse nach außen.
 Und von den Trümmern
 Sieht man bald nichts mehr...

 Dann steht der Staub
 Dann endet der Wind
 Dann klaffen die Risse
 Wann wirst du taub
 Wann nichts mehr stimmt
 Wann egal ob Blöße

Worte finden wird auch schwer, will ich eine Verbindung zwischen altem Ich und neuer Erscheinung schaffen, die Worte diesem neuen Bild nahekommen sollen.
Meine Stummheit... Mein Schweigen?

(2 parallele Monologe + Klaus Schulze & Rainer Bloss "Lodz")

B: Wie ist man denn für sich verantwortlich? Hat man nicht eine Verantwortung für den Bestand des Ich?
Z: Ist das Ich denn so wichtig? Überhaupt wichtiger als die Gesellschaft, die Gemeinschaft? Sollte man nicht lieber versuchen, Verantwortung für die Gemeinschaft zu tragen? Kann man nicht eigentlich nur im Glück der Gesellschaft zu seinem eigenen Glück, für das man erst dann Verantwortung tragen kann?
B: Glück verantworten. Wie weit darf man, oder kann man ein Abtöten des Ich durch sich selbst vor dem Ich, vor sich selbst verantworten? Darf, kann man das aushalten, daß an die Stelle des alten Ich etwas neues tritt?
Z: Das Sterben des Ich an sich selbst? Verliert man da nicht die Fähigkeit für irgendeine Verantwortung? Etwas ganz neues kann doch nur von außen ins Ich gelangen - dafür Verantwortung tragen? Ich kann doch nur verantworten, was ich selbst in die Wege geleitet habe. Doch meist lenkt und treibt mich die Gesellschaft, das Außen auf fremde Wege.
B: Wenn der äußere, verändernde Einfluß bewußt ist, so daß man das Selbsttöten des Ich bewußt in Kauf nimmt, weil man die äußere Welt nicht töten will (aber aus welchen Gründen?), gibt es da eine Grenze? Die man bewußt überschreitet, nicht überschreiten darf, nach welcher das Ich dann so gut wie tot ist, und die Frage nach Verantwortlichkeit vielleicht nur noch etwas Verstümmeltes und Eingeäußertes drinnen vorfindet. Obwohl der äußere Frieden steht. Um diesen Frieden die Opferung des Ich hinter heilen Fassaden und einem weiten Ruinenfeld.
Z: Im Ganzen ist das Gewicht des Ich nicht groß. Im Vordergrund steht die Gemeinschaft, die wichtiger ist, und im Vordergrund stört das Ich.
B: Aber ein unglückliches Ich verändert das Antlitz des äußeren Ich, dieses Bild trägt auch bittere Tropfen in die Gemeinschaft. Kann ein unglückicher Mensch jemanden froh machen? Bei seiner psychischen und biologischen Struktur? Gibt es da eine Grenze, wonach sich ein Maß von Unglück des Ich zum Nachteil für der Gemeinschaft niederschlägt, oder sich bei Selbstignorierung, Verdrängung als vielleicht krankhafter Zustand, krankhafte Veränderung im Ich manifestiert?
Z: Solange man weiß, daß man im Kern noch da ist, daß der eigene Wille noch steht, kann man für sich eine gewisse Verantwortung tragen, und gibt man sich auf, sieht man nichts mehr vom Ich, wer anders als die Gemeinschaft sollte dann noch Verantwortung tragen. Doch ist sie dazu objektiv in der Lage? Man muß erst den Weg des Ich sehen und seinen Platz, wo das Ich seinen Sinn hat. Wissen, wohin man will, wo man steht, wofür man steht, dann auch die Verantwortung für das Ich übernehmen. Und drehen sich Kreise, ist alles so unklar, wer kann und wofür kann dieser Verantwortung tragen? Für etwas, was nicht deutlich wahrgenommen wird? Dieses Ich, diese Veränderung des Ich?
B: Augenblicke, in denen das Ich sehr klar dasteht. Im zugänglichstem Maße. Mit der Zeit verschütten die Einflüsse das Ich immer stärker.Muß man da nicht mit dem Rest Zipfel in der Faust auf einen anderen Weg? Bleibt die Frage, was ist das Ich, wer bin ich? Daß wir in Einklang kommen und aus den Kreisen wie Walzen unter der Schädeldecke. Bricht letztlich nicht doch die Unbekannte "Ich" mit Gewalt nach außen, oder tun dann nicht krankhafte Veränderungen ihr Werk, wenn man eigene Wegzeichen unbeachtet läßt?
Einverstanden Sein.
Halbe Wege, Viertel Wege, Achtel Wege.

(Quicksilver Messenger Service "Fire Brothers" +)
 

Meine Nacht

 Wilder Nachtschwärmer
 Gebunden ans Papier
 Gedankenleer wird die Hand
 Schwer die Flüge zu dir
 Leicht zum Firmament
 In die Ferne Unerreichbare
 Und die Sehnsucht durch die Luft
 Und das Leben durch den Stift
 Morgen grauen vor der Liebe

(David Gilmour "There Is No Way Out Of Here" +)
 

No Way

 Lawinen über mich hinweg,
 Die sind nun für jedermann zu sehen.
 Ein Sturm, aus der Leere in mir geworden.
 Plötzlich? Aber nicht für mich.

 Ich hüllte mich in Schweigen,
 Sowie ich mit dir sprach.
 Will die Lawine was von mir?
 Verlangen, begehren, sehnen?

 Mir zum Ende zu verhelfen.
 Daß ich endlich weiß.
 Weiß wie Eis und Schnee.
 Endlich was versteh'.

 Dringt mein verschütteter Blick
 Aus dem leblosen Rest
 Der ewigen Lawine?
 Ich will nicht sehen,
 wie du dich überschlägst.
 Im Kern die Ruhe,
 Im Sturm die Träume.

 Ich schlafe nie wieder.

 Nein, da ist kein Weg
 Aus der Lawine.
 

Sie (*)

   Du warst am Ende wieder am Anfang angelangt.
   Standest hinter der Tür, abgeschnitten, ins Unendliche sehend.
   Von grauem Nebel umgeben, versuchst du den Schritt nach vorn.
   Doch da ist eine Mauer, die du nicht sehen konntest. Sie hindert dich an
   allem, von dem du nicht weißt, daß du es willst.
   Dir bleibt nur der Weg zurück, doch du hast keine Schlüssel mehr für diese
   Tür. Und so steigst du nach oben auf.
   Du fliegst,
   du schwebst,
   du stürzt.
   Du hast es nie gelernt zu fliegen.

(Mountain "Theme For An Imaginary Western" +)
 

And Further

 Eine Wiese aus Gras
 auf den Dächern der Stadt.
 Du und ich ein dunkler Rand.
 - Könnten wir gemeinsam fliegen -
 Unsere Stimmen unter Wolken
 betönen den Mond, den vollen.
 - Weil er so viele Gesichte trägt -
 Doch deins hab ich gesehen!

 Nacht, du stilles Weh ums Herz.
 Was flieht hinaus als Lachen?
 Ein heller Sternenblitz des Angesichts?
 Ein leises Wort für eigne Ohrn?
 Ein kurzer Hall der Hand?
 Ein Traum, der unbekannt.

 Bleibst du mir fremd.
 Wie ich geworden bin.
 Luke, Ruf.
 Stuhl und Tür.
 Licht nimmt uns gefangen.

 -=-

Genaueres läßt sich schwer aussprechen.

Nichts weiter

Gräber aus Gras
Auf den Dächern der Stadt.
Und ich bin ein dunkler Rand.
Hinab zum letzten Wissen.
Die Stimmen unter den Wolken
Verleugnen den Mond, den vollen,
Weil er zu viele Gesichter trägt,
Und deins wollt' ich doch sehen!

Nacht, du schlimmer Druck ums Herz
Was kann falscher sein als Lachen?
Ferner lieber Stern aus Angesicht!
Ein träumend Wort für eigne Ohren
Begraben schon vom Schlag der Hand?
Bleibst Traum mir ewig unbekannt.

Und bleibst mir fremd
wie ich geworden bin.
Und seid verflucht ihr Tür und Stuhl!
Euer Dasein für mich Hohn.
Des Rufes Leben bleibt zu kurz.
Tot ist vergangen,
Bleib' in mir gefangen.

ENDE

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